Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Soziale und Persönliche Identität 4
2.1 Stigma und soziale Identität 4
2.2 Informationskontrolle und persönliche Identität 5
3 Themenschwerpunkt: Gruppenausrichtung und Ich-Identität. 7
3.1 Ein literarisches Anwendungsbeispiel: Franz Kafkas Novelle Die Verwandlung -
Geschichte eines Stigmatisierten. 9
4 Schlusswort 12
Bibliographie. 14
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1 Einleitung
Vier Jahre nach der Veröffentlichung seines ersten großen Erfolges, « The Presentation of Self in Everyday Life » (1959), leistet der amerikanische Soziologe und Anthropologe Erving Goffman (1922-1982) mit seinem Buch « Stigma » 1 (1963) einen soziologischen Beitrag zum Thema gesellschaftlicher Marginalisierung. In Anlehnung an seine zuvor entwickelte Theater-Metaphorik beschreibt Goffman den Umgang des einzelnen und der Gesellschaft mit Eigenschaften, die in negativer Weise von den sozial etablierten Erwartungen eines « normalen » Verhaltens oder Aussehens abweichen. Wie bereits die etymologische Herkunft des « Stigma »-Begriffs andeutet 2 , gelten laut Goffmanscher Definition all diejenigen als « stigmatisiert », die « von vollständiger sozialer Akzeptierung ausgeschlossen [sind] » 3 . In der Abhandlung, die zahlreiche Fallbeispiele stigmatisierter Personen aus sozialpsychologischen Untersuchungen einbezieht, macht sich Goffman u.a. zum Ziel, für das Phänomen « Stigma » einen klaren Definitionsrahmen vorzulegen, indem er das « Material über Stigma von anderen benachbarten Sachverhalten abzugrenzen » 4 versucht. Anhand einer Analyse des zugrundeliegenden medizinischen Materials soll sowohl der Wert der darin enthaltenen Erkenntnisse für die gegenwärtige soziologische Forschung als auch die Relation zum Thema « Devianz » geklärt werden. Die folgende Ausarbeitung wird mit einer Darstellung der Kapitel 1 und 2 von Goffmans « Stigma », die in Form der Hauptthesen und wichtigsten begrifflichen Definitionen resümiert werden, eingeleitet, da diese für eine präzise Darstellung und Abgrenzung der Inhalte von Kapitel 3 unverzichtbar sind. Zur Veranschaulichung der Inhalte von Kapitel 3, das daraufhin ausführlicher dargelegt und untersucht wird, soll die fiktive Geschichte eines Stigmatisierten (aus Kafkas Novelle « Die Verwandlung ») beispielhaft herangezogen werden. Parallel hierzu soll auf eventuelle Kritikpunkte in Bezug auf die jeweils getroffenen Aussagen Goffmans eingegangen werden, insbesondere auch im Hinblick auf ihre heutige Gültigkeit und Erfahrbarkeit. Bezüge zu anderen Werken Erving Goffmans können der Verdeutlichung und dem Vergleich der in « Stigma » aufgestellten Thesen dienen.
1 Im Folgenden wird die im Suhrkamp-Verlag erschienene deutsche Ausgabe verwendet: Goffman, Erving: Stigma- Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität, Frankfurt/ Main 1967.
2 Das griech. Etymon „Stigma“ bezeichnet „körperliche Zeichen, die etwas Ungewöhnliches oder Schlechtes über den moralischen Zustand des Zeichenträgers offenbaren“. (Vgl. Goffman, Erving: Stigma, S. 9) Wie sich später zeigen wird, fasst Goffman den Begriff „Stigma“ weiter und sieht Stigmatisierung als ein abstraktes Resultat von Interaktion an.
3 Vgl. Stigma, S. 7.
4 Ebd.
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2 Soziale und Persönliche Identität
Im späteren Verlauf dieser Arbeit werden uns drei Identitätsbegriffe begegnen, die Goffman in seinem Buch « Stigma » ausführlich beschreibt und voneinander abgrenzt. Eine Stigmatisierung macht sich laut Goffmans Definition insbesondere dort bemerkbar, wo Menschen sich begegnen und miteinander in Interaktion treten. Denn sobald zwei oder mehrere Personen aufeinander treffen, wird jedes Zeichen, d.h. auch jede unsichere Gestik oder Mimik, jedes nervöse Zucken und jedes gestotterte Wort, unmittelbar gedeutet und bestimmten stereotypen Identitäts-Kategorien zugeordnet, so ggf. auch der eines Stigmatisierten. Mittels « symbolischer Interaktion » werden die verschiedenen Identitätsmerkmale eines jeden einzelnen in der täglichen Begegnung mit anderen immer wieder neu verortet, ausgehandelt und definiert.
2.1 Stigma und soziale Identität
Die Soziale Identität bezeichnet in Goffmans Vokabular bestimmte « normative Erwartungen », wie etwa eine « Personenkategorie », in die wir ein neu kennenzulernendes Individuum bereits beim ersten Ansehen desselben einordnen. Aus der Summe aller Zeichen, die wir von ihm empfangen - wie z.B. Aussehen, Artikulation, Gebärden u.v.m.-, schließen wir auf seinen sozialen Status, wie bspw. den möglichen Beruf und das Alter unseres Gegenübers, sowie auf bestimmte, seine Personenkategorie erfahrungsmäßig kennzeichnende « Charaktereigenschaften » 5 . Dieser unbewusste, schnelle Vorgang (die Zuschreibung einer virtualen sozialen Identität), den Goffman auch eine « Charakterisierung im Effekt » 6 nennt, ist gleichzeitig mit der ebenso unbewussten Erwartung verbunden, dass sich die Annahmen, die wir über die soziale Identität der noch unbekannten Person getroffen haben, in der weiteren Interaktion mit ihr bestätigen. Beizeiten stellen wir jedoch in längerer Gegenwart einer Person fest, dass ihre aktuale soziale Identität, also ihre reale Zugehörigkeit zu einer « Personenkategorie » und die ihr tatsächlich zuzurechnenden Eigenschaften, nicht mit der zuvor angenommenen virtualen sozialen Identität, d.h. der von uns ausgegangenen stereotypen Erwartung hinsichtlich ihrer sozialen Identität, übereinstimmen. Handelt es sich um eine « negative » Abweichung dessen, was wir erwartet haben, so läuft die betreffende Person Gefahr, aufgrund ihrer Abnormalität von uns diskreditiert zu werden und durch den Besitz einer von uns als « Unzulänglichkeit » oder als « Fehler » eingestuften Eigenschaft Opfer einer sozialen Diffamierung zu werden. Das entsprechende Attribut, das in der beschriebenen Situation eine Diskrepanz zwischen den beiden sozialen Identitäten ausgelöst
5 Vgl. Stigma, S. 10.
6 Ebd.
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hat, durch welches also ein inkohärentes Bild über die soziale Identität einer Person vermittelt wird, bezeichnet Goffman im Folgenden als Stigma und die von ihm betroffene Person als « stigmatisiert » 7 . Wie Goffman desweiteren erläutert 8 , sind diejenigen, die über ihr Stigma bescheid wissen und sich über seine Existenz und Visibilität 9 bewusst geworden sind, als Diskreditierte zu bezeichnen, während diejenigen, die zwar von einem Stigma betroffen sind, es aber auf geschickte Weise zu verbergen wissen, in ihrem Fall als (potenziell) Diskreditierbare zunächst keine negativen Folgen für den Grad ihrer sozialen Akzeptanz zu befürchten haben. Zu den drei Typen von Stigmata, die bei Goffman als mögliche Auslöser einer Diskreditierung genannt werden, gehören physische Deformationen, « individuelle Charakterfehler »- zu diesem Typus werden u.a. Willensschwäche und « unnatürliche Leidenschaften » gezählt 10 -, ebenso wie die sog. « phylogenetischen Stigmata der Rasse, Nation und Religion » 11 . Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die extern erfolgende Beurteilung der sozialen Identität einer Person ein Moment sozialer Interaktion ist, bei dem es, abhängig vom Grad der Diskrepanz zwischen der vorgefundenen virtualen und aktualen Identität, zu einer Differenzierung zwischen den Rollenkategorien 12 « stigmatisiert » und « normal » kommen kann.
2.2 Informationskontrolle und persönliche Identität
Solange man einen « Makel », sei er nun physischer, psychischer oder sonstiger Art, zu verbergen weiß, ist man zwar « diskreditierbar », da eine bestimmte Wendung der gegebenen sozialen Situation oder eine Fehlentscheidung zur Entlarvung der negativ abweichenden
7 An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass die von Goffman angenommene Dichotomie von stigmatisiert- normal (nicht nur aus heutiger Sicht) fragwürdig ist, da er völlig selbstverständlich sich selbst zu den „Normalen“ zählt ebenso wie seine gesamte Leserschaft: „Uns und diejenigen, die von den jeweils in Frage stehenden Erwartungen nicht abweichen, werde ich die Normalen nennen.“, vgl. Stigma, S. 13. Außerdem widerspricht diese Aussage der an späterer Stelle von Goffman selbst relativierten Bedeutung der Bezeichnung „stigmatisiert“, wo er zu dem definitorischen Ergebnis kommt, dass jede Person im Laufe ihres Lebens unweigerlich in beiden „Rollen“, in der des Stigmatisierten und der des Normalen, Erfahrungen machen wird. (Vgl. Stigma, S. 161f.).
8 Vgl. Stigma, S. 56ff.
9 Vgl. Stigma, S. 64-67.
10 Er gibt auch an, dass aus diesen Stigmata diskreditierbare Eigenschaften wie Homosexualität oder Arbeitslosigkeit resultieren können (vgl. Stigma, S. 12f.). Hierbei ist anzumerken, dass der Grad an Diskreditierbarkeit der hier erwähnten Eigenschaften sicherlich in damaliger Zeit um einiges größer war als heutzutage und der Besitz einer dieser Eigenschaften weitaus fatalere Folgen für die Identität und Handlungsoptionen der Stigmatisierten hatte.
11 Vgl. Stigma, S. 13. Goffman spricht im Zusammenhang mit den „phylogenetischen Stigmata“ von der Tatsache, dass diese i.d.R. an spätere Generationen weitergegeben werden, sodass alle Familienmitglieder in gleicher Weise „kontaminiert“ sind (im Sinne einer „Verschmutzung“, „Verseuchung“), vgl. Stigma, S. 13. Diese Wortwahl ebenso wie der Gebrauch solcher Wörter wie z.B. „Rasse“, „Neger“, „Krüppel“, gilt aus heutiger Sicht als radikal diskriminierend.
12 Dass es sich entsprechend der Theater-Metaphorik Goffmans um zwei verschiedene „Rollen“ handelt, geht bspw. aus folgendem Satz hervor: „Man kann […] vermuten, daß die Rolle „normal“ und die Rolle „stigmatisiert“ Teile des gleichen Komplexes sind, Zuschnitte des gleichen Standardstoffes.“ (vgl. Stigma, S. 161).
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Eigenschaft führen könnten, nicht aber grundsätzlich « diskreditiert ». Befindet man sich in der « gefährlichen », da instabilen, Lage eines Diskreditierbaren, in die jeder von uns unweigerlich mehrmals in seinem Leben gerät, so wendet man wirksame Strategien und Techniken an, die verhindern sollen, dass das Stigma für die soziale Umgebung sichtbar wird. Stigma-Management 13 nennt Goffman das Prinzip, dass uns dazu befähigt, mit Hilfe verschiedener Verfahren der Täuschung und Manipulation den Eindruck zu erwecken, als seien wir von jeglichem Stigma befreit und als hätten wir keinerlei Stigmatisierung zu befürchten. Dies gilt sowohl für Personen, die aktuell unter einem evident gewordenen Stigma leiden und mit der daraus resultierenden Diffamierung zu kämpfen haben, als auch für alle anderen, die sich vor der Gefahr einer Marginalisierung schützen wollen. Somit wird der Grad der Visibilität 14 unseres Stigmas möglichst gering gehalten, wenn nötig auch mit Hilfe direkter oder indirekter « Korrekturmaßnahmen » 15 , um keine Annäherung an die sozial herabgesetzte Position eines Diskreditierten zu riskieren 16 . Gemäß Goffmans Konzept einer « symbolischen Interaktion » betreibt somit jeder von uns zum Selbstschutz in identitätskritischen Momenten das, teilweise auch von « Professionellen » gelehrte, Verfahren der Eindrucksmanipulation 17 . So können die flüchtigen (Zeichen) und institutionalisierten Zeichen (Symbole), die wir -mal mehr und mal weniger bewusst- unserem sozialen Umfeld zur Verfügung stellen, um sie von ihm « lesen » und deuten zu lassen, gezielt zur Täuschung des von uns vermittelten Bildes eingesetzt werden. Während Goffman bei diskreditierten Personen von einer « Täuschung » spricht, fasst er die Maßnahmen eines « diskreditierbaren » Individuums, die dieses unternimmt, um der Aufdringlichkeit seines noch unentdeckten Stigmas entgegenzuwirken, unter dem Terminus der « Informationskontrolle» zusammen.
13 Der Oberbegriff für das Prinzip des Lenkens und Täuschens innerhalb sozialer Interaktion lautet bei Goffman „Impression Managament“; ein Begriff, der auch in anderen Werken immer wieder Verwendung findet.
14 Vgl. Stigma, S. 64-67. Goffman schlägt anstelle des Begriffs „Visibilität“, den er selbst in Bezug auf Stigmata wie Stottern für „irreführend“ hält (vgl. Stigma, S. 64), den Terminus „Evidenz“ vor, benutzt „Visibilität“ aber trotzdem weiter, ohne dafür eine plausible Begründung zu liefern.
15 Eine direkte Korrekturmaßnahme wäre bspw. eine Operation im Falle einer körperlichen Verunstaltung, eine indirekte Maßnahme z.B. das Wiedererlernen bestimmter Fähigkeiten nach einem Unfall o.Ä., vgl. Stigma, S. 18f.
16 Goffman beschreibt, dass sogar nicht selbst stigmatisierte Personen, die eng mit einem Stigmatisierten in Verbindung stehen, durch die bloße Bekanntschaft dieser Person in Misskredit geraten können: „Im allgemeinen liefert die Tendenz eines Stigmas, sich von dem stigmatisierten Individuum auf seine nahen Beziehungen auszubreiten, einen Grund dafür, warum solche Verbindungen vermieden oder, wo sie existieren, abgebrochen werden.“ (vgl. Stigma, S. 43). Eine sehr radikale Aussage Goffmans, die durch das gewählte Vokabular (er spricht von der „Ausbreitung“ eines Stigmas wie von einer ansteckenden Krankheit oder Epidemie) noch forciert wird.
17 Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass die Methode des „impression management“ heutzutage besonders von Vertretern der Werbebranche direkt gelehrt und gefordert wird (z.B. bei Hausbesuchen von „Staubsauger-Vertretern“). Dennoch sorgt auch das „private“ Bedürfnis nach Anerkennung und Stolz für unsere Professionalisierung in bestimmten Bereichen (z.B. durch Rhetorik-Kurse o.Ä.).
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Mit dem Begriff der persönlichen Identität 18 ist in diesem Zusammenhang auf einen weiteren « Ort » der Identifizierung einer Person eingegangen worden, an dem ein Stigma sichtbar werden kann. Unter der persönlichen Identität eines Individuums summiert Goffman all jene Identitätsmerkmale, anhand derer ein Individuum als « einzigartig » erkennbar und wiedererkennbar ist. Hierzu zählt er beispielsweise das photographische Bild einer Person im Gedächtnis einer anderen Person, seine persönliche Handschrift oder die Kenntnis über seine Verwandtschaftsverhältnisse. Während bei dem Prozess der « sozialen » Identifizierung Identitätssymbole als Grundlage unserer flüchtigen Stereotypisierung einer Person dienen, ist bei der « persönlichen » Identifizierung nun die Rede von « Identitätsdokumenten », die als weniger stereotyp und allgemein « verlässlicher » gelten können. Sie offenbaren Teile der Identität einer Person, die erst bei engerem Kontakt zu dieser Person sichtbar werden und zu einer Art « biographischem Wissen» über diese Person führen. Neben der sozialen Täuschung ist auch eine Fehldarstellung auf der Ebene der persönlichen Identität möglich, von dem Weglassen negativ konnotierter Eigenschaften aus unserer Vergangenheit bis hin zur Entscheidung für ein « Doppelleben », da wir aufgrund einer diskreditierbaren Eigenschaft in unserer Vergangenheit oder Gegenwart, zumindest in bestimmten Kreisen und an bestimmten Orten, eine Stigmatisierung zu befürchten haben. So findet auch auf dieser Ebene eine ständige Selbstkontrolle statt, indem wir diskreditierbare Informationen über unsere Person je nach Situation und Interaktionspartner u.U. verheimlichen werden, gleichzeitig aber darauf acht geben müssen, dass der von uns « Getäuschte » nicht durch einen « Wissenden » auf unsere Täuschung aufmerksam gemacht wird. Eine Täuschung auf dieser Ebene wird zusätzlich dadurch erschwert, dass verschiedene staatliche Institutionen über einen ganzen Katalog unserer persönlichen Informationen verfügen, die in Akten festgehalten und ständig abrufbar sind.
3 Themenschwerpunkt: Gruppenausrichtung und Ich-Identität
Bei den voran gegangenen Identitätsbegriffen (soziale und persönliche Identität) war jeweils die Rede von externen Identitätszuschreibungen, die von unserem sozialen Umfeld während der Interaktion vorgenommen werden, und aufgrund derer die an der Interaktion Beteiligten uns einschätzen, bewerten und ggf. als zur Kategorie « stigmatisiert » Gehörige verurteilen. Die Ich-Identität (« empfundene Identität ») ist der Teil von Goffmans Identitäts-Konzept, dessen Identifizierung subjektiv in dem Individuum selbst erfolgt, dessen Identität in einer
18 Die „Persönliche Identität“ definiert Goffman meinem Eindruck nach unzureichend, da die Abgrenzung zur „Sozialen Identität“ nicht deutlich aus dem Text hervorgeht. Auch der ursprüngliche Zweck dieser Differenzierung wird nicht genannt.
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gegebenen sozialen Interaktion « zur Diskussion steht » 19 . Betont wird in diesem Zusammenhang, dass sich auch das Individuum von den in der Gesellschaft vorherrschenden, diskursiv bestimmten Identitäts-Standards leiten lässt, auch wenn diese ihm möglicherweise partiell gar nicht entsprechen. So kann schon allein die für manche unvermeidbare Zurechnung zu einer bestimmten « Stigma-Gruppe » einige Ambivalenz zwischen den verschiedenen empfundenen und sozial definierten Ichs des Individuums hervorrufen, das nicht nur den anderen, sondern ebenso sich selbst für gewöhnlich eine gewisse « Authentizität » (oder Kohärenz) abverlangt. Eben darin liegt laut Goffman auch die Ursache für das oft beobachtete « Dilemma » eines Stigmatisierten: er selbst erkennt sich als « normales » menschliches Wesen an, während sein soziales Umfeld seinem naturgegebenen, essentiellen Bedürfnis nach Respekt und Anerkennung in der « Normalen-Welt » nicht immer gerecht werden kann. Infolgedessen geht er davon aus, dass die Stigmatisierten selbst einen Großteil der zur sozialen Akzeptierung und Adaption erforderlichen Arbeit leisten müssen, da diese sich gewissermaßen in der Position des « Bittstellers » befinden. Um den Umgang mit « Normalen » zu erleichtern, werden daher häufig sog. Professionnelle (wie z.B. Therapeuten) konsultiert, die für Stigmatisierte nützliche Adaptionsstrategien in der « Welt der Normalen » bereit halten. Von einer vollkommenen Täuschung, also einer Überanpassung an diese Welt mit gänzlicher Verleugnung des Stigmas wird in der Regel abgeraten, ebenso wird aber vor einer « Theatralisierung », das heißt der übertriebenen Erfüllung der Rolle des Stigmatisierten, gewarnt. Gelingt einem Stigmatisierten die Befolgung der professionell empfohlenen Strategien, so ist ihm häufig schon ein wenig geholfen, da er sich bestenfalls als « authentischer, reeller und wertvoller » 20 wahrnimmt als er es ihm vorher möglich gewesen ist. Um dem ständigen « Adaptionszwang » in der normalen Welt zu entgehen, wenden sich viele Stigmatisierte aber auch der kleineren Gruppe ihrer Leidensgenossen zu 21 , um sich weitgehend über diese zu definieren und nicht in allzu hohem Maße auf das « Entgegenkommen » und die Toleranzbereitschaft der « Normalen » angewiesen zu sein. Wie Goffman in « Stigma » deutlich macht, scheinen die gesellschaftlich antizipierten Identitätsstandards auf alle Bereichen unserer Identifizierung, sei es nun die von außen stattfindende oder die eigene Ich-Wahrnehmung, einen solchen Einfluss zu haben, dass sie in erheblichem Maße unser alltägliches Handeln bestimmen. Aus den, im Laufe unserer Sozialisation kennengelernten, normativen Identitätsvorgaben leiten wir tagtäglich unsere
19 Vgl. Stigma, S. 132.
20 Vgl. Stigma, S. 138.
21 Ist dies der Fall, so spricht Goffman von einer In-group-Ausrichtung, andernfalls von einer Out-group-Ausrichtung, vgl. S. 140-153.
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Handlungsoptionen ab, sowohl die unserer Mitmenschen als auch unsere eigenen, in ständiger Abwägung der Möglichkeit des Zurschaustellens unserer charakterlichen Eigenschaften gegenüber der möglichen Notwendigkeit einer Täuschung vorübergehender oder dauerhafter Art, um unsere soziale « Angreifbarkeit » auf ein Minimum zu reduzieren.
3.1 Ein literarisches Anwendungsbeispiel: Franz Kafkas Novelle « Die Verwandlung »-
Geschichte eines Stigmatisierten
Franz Kafkas Novelle « Die Verwandlung » 22 , die 1912 entstanden ist, stellt ein zwar fiktives, aber überraschend realistisches Beispiel für die Leidensgeschichte eines Stigmatisierten dar. Viele der von Goffman genannten Reaktionen auf eine sichtbare « Identitätsveränderung » (hier physiognomischer Art) sind in der Erzählung wiederzufinden, sowohl im Hinblick auf die Betroffenheit und Verzweiflung über diese Veränderung, als auch in Bezug auf die Aneignung bestimmter Strategien, die den schmerzhaften Effekt der Stigmatisierung abmildern sollen :
Gregor Samsa, ein ehemaliger Geschäftsreisender, der jahrelang für das Wohl seiner pensionierten Eltern und seiner 17-jährigen Schwester gesorgt hat, findet sich eines Morgens ganz plötzlich in einen großen Käfer verwandelt. Nach einer kurzen Phase der Verdrängung seines Stigmas, folgt eine Phase der Bewusstwerdung seiner eingebüßten und neu gewonnenen Fähigkeiten. Gregor sieht schließlich ein, dass es besser ist, das Stigma als solches hinzunehmen, seinen Zustand also von nun an als « normal » zu akzeptieren, da ihm nichts anderes übrig bleibt. Gleichzeitig verspürt er Unbehagen bei dem Gedanken, dass er seine Familie, von der er nun völlig unverhofft abhängig wird, mit der neuen Situation konfrontieren muss, denn er fürchtet sich einerseits vor ihrer Reaktion, andererseits denkt er daran, dass er sie dadurch vorübergehend oder sogar dauerhaft in eine finanzielle Notlage bringen wird. Doch seine Befürchtungen bestätigen sich in weit größerem Umfang, als er damit gerechnet hat, und der tragische Fortgang der Geschichte lässt sich schon erahnen, als Gregor sich das erste Mal vor seiner Familie und dem von seiner Firma entsandten Prokuristen in seiner neuen Gestalt präsentiert :
« [Gregor] war noch mit jener schwierigen Bewegung beschäftigt und hatte nicht Zeit, auf anderes zu achten, da hörte er schon den Prokuristen ein lautes « Oh ! » ausstoßen- es klang, wie wenn der Wind saust- und nun sah er ihn auch, wie er, der der Nächste an der Tür war, die Hand gegen den offenen Mund drückte und langsam zurückwich, als vertreibe ihn eine unsichtbare, gleichmäßig fortwirkende Kraft. Die Mutter- sie stand hier trotz der Anwesenheit des Prokuristen mit von der Nacht her noch aufgelösten, hoch sich sträubenden Haaren- sah zuerst mit gefalteten Händen den Vater an, ging dann zwei Schritte zu Gregor hin und fiel inmitten ihrer rings um sie herum sich ausbreitenden Röcke nieder, das Gesicht ganz unauffindbar zu ihrer Brust gesenkt. Der Vater ballte mit feindseligem Ausdruck die
22 Kafka, Franz: Die Verwandlung, Stuttgart 2006, Verlag Reclam.
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Faust, als wolle er Gregor in sein Zimmer zurückstoßen, sah sich dann unsicher im Wohnzimmer um, beschattete dann mit den Händen die Augen und weinte, dass sich seine mächtige Brust schüttelte. » 23
Die Reaktionen seiner Familienmitglieder bestätigen Gregor deutlich den Ernst seiner Lage und er erkennt, dass er sich zukünftig sehr darum bemühen muss, seiner Familie den Umgang mit seiner offensichtlichen Stigmatisierung zu erleichtern. Infolgedessen sieht er sich gezwungen, jeden kleinen Handlungsschritt gründlich zu durchdenken und die Berührungsängste der zuvor so vertrauten Familienmitglieder einzuberechnen, wie die folgende Passage 24 zeigt :
« [Unter dem Kanapee] blieb er die ganze Nacht, die er zum Teil im Halbschlaf, aus dem ihn der Hunger immer wieder aufschreckte, verbrachte, zum Teil aber in Sorgen und undeutlichen Hoffnungen, die aber alle zu dem Schlusse führten, dass er sich völlig ruhig verhalten und durch Geduld und größte Rücksichtnahme der Familie die Unannehmlichkeiten erträglich machen müsse, die er ihr in seinem gegenwärtigen Zustand nun einmal zu verursachen gezwungen war. » Seine Schwester Grete ist die einzige Person, die seit Gregors Verwandlung einmal pro Tag sein Zimmer betritt, um ihm Nahrung zu bringen und gelegentlich ein wenig das Zimmer zu lüften. Gregor zeigt sich in Anbetracht der bemerkenswerten Dienste seiner Schwester dankbar und versucht, ihr in jeder Weise, etwa durch unauffälliges Verkriechen unter dem Kanapee, entgegenzukommen, so schmerzvoll dies auch sein mag 25 :
« [Es] kostete ihn große Selbstüberwindung, auch nur die kurze Zeit, während welcher die Schwester im Zimmer war, unter dem Kanapee zu bleiben, denn von dem reichlichen Essen hatte sich sein Leib ein wenig gerundet und er konnte dort in der Enge kaum atmen. Unter kleinen Erstickungsanfällen sah er mit etwas hervorgequollenen Augen zu, wie die nichtsahnende Schwester mit einem Besen nicht nur die Überbleibsel zusammenkehrte, sondern selbst die von Gregor gar nicht berührten Speisen, als seien also auch diese nicht mehr zu gebrauchen, und wie sie alles hastig in den Kübel schüttete, den sie mit einem Holzdeckel schloss, worauf sie alles hinaustrug. Kaum hatte sie sich umgedreht, zog sich Gregor schon unter dem Kanapee hervor und streckte und blähte sich. »
Doch die gut gemeinten Taten seiner Schwester ändern nichts an der Tatsache, dass sich Gregor in seiner « neuen Haut » noch immer fremd vorkommt, sich in dem viel zu klein gewordenen Zimmer eingeperrt fühlt und teilweise mit existentiellen Ängsten zu kämpfen hat, die er mit niemandem teilen kann, da ihm dies sowohl durch seine physischen Gegebenheiten als auch aufgrund des wenigen familiären Kontaktes nicht möglich ist. Er fühlt sich von Tag zu Tag unwohler, bis er infolge seiner Vereinsamung und Trauer in einen Zustand andauernder Appetitlosigkeit und tiefer Depression verfällt. Mit der liebevollen Absicht, Gregor in seinem kleinen Zimmer mehr Bewegungsfreiheit zu bieten, bis sich sein Zustand wieder «normalisiert »- denn diese Hoffnung bleibt bis zum Schluss-, entscheidet seine Mutter eines Tages kurzentschlossen, alle Möbel aus Gregors Zimmer zu entfernen. Für Gregor waren seine Möbel jedoch die letzte Erinnerung an seine « menschliche »
23 Kafka, Franz: Die Verwandlung, S. 18.
24 Ebd., S. 26.
25 Ebd., S. 28.
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Vergangenheit, und er sieht sich gezwungen, einzugreifen, damit ihm nicht alles genommen wird. Als er aus seinem Versteck hervorspringt, um ein umrahmtes Foto von sich in Rettung zu bringen, wird seine Mutter ohnmächtig und kommt erst wieder zu Bewusstsein, als Gregors Vater ihn infolge eines Wutanfalls mit Äpfeln bombardiert und ihn anschließend in sein Zimmer einschließt :
« […]Gregor blieb vor Schrecken stehen ; ein Weiterlaufen war nutzlos, denn der Vater hatte sich entschlossen, Gregor zu bormbardieren. Aus der Obstschale auf der Kredenz hatte er sich die Taschen gefüllt und warf nun, ohne vorläufig scharf zu zielen, Apfel für Apfel. […] Ein schwach geworfener Apfel streifte Gregors Rücken, glitt aber unschädlich ab. Ein ihm sofort nachfliegender drang dagegen förmlich in Gregors Rücken ein ; Gregor wollte sich weiterschleppen, als könne der überraschende Schmerz mit dem Ortswechsel vergehen ; doch fühlte er sich wie festgenagelt und streckte sich in vollständiger Verwirrung aller Sinne. » 26
Diese verzweifelte Tat seines Vaters, der nicht mehr derselbe wie früher zu sein scheint, und die schmerzenden Wunden, die dieser ihm zugefügt hat, rauben Gregor die letzte Kraft und die Hoffnung auf eine Besserung seiner Situation. Schließlich erfährt er durch Belauschen der allabendlichen Familiengespräche, dass auch die übrigen Familienmitglieder sich darüber einig sind, dass er ihnen inzwischen nur noch Sorgen und Ärger bereite und nicht mehr der « Alte » sei. Jeglicher sozialen Hinwendung beraubt und in fast völliger Einsamkeit dahinvegetierend, ist die Erlösung durch den Tod Gregors einziger Ausweg aus dem kräftezehrenden Dilemma seiner Stigmatisierung.
26 Ebd., S. 43.
11
4 Schlusswort
Es gibt nur wenige Personen, die durch eine hohe « Visibilität » und « Aufdringlichkeit » ihrer Abnormalität fast überall, wo sie sich in Gesellschaft bewegen, eine Diskreditierung erleiden. Wie Erving Goffman in « Stigma » ausführlich beschrieben hat, finden diese Personen im Regelfall entweder Vertraute, die sich um ihre bestmögliche Integration und Betreuung kümmern, oder Professionnelle, die ihnen den Umgang mit Normalen erleichtern. Bleiben der soziale Zuspruch und die Unterstützung jedoch gänzlich aus, so hat dies fatale Konsequenzen für die Psyche und das Selbstbild der betroffenen Person. Ein Beispiel hierfür ist die tragische Situation, in die Kafka seine Hauptfigur Gregor Samsa versetzt. An dieser fabelähnlichen Erzählung wird deutlich, welch qualvolle Erfahrungen mit der plötzlichen physiognomischen Veränderung einer Person verbunden sein können und wie weit in der Verzweiflung die Bereitschaft zur Selbstaufgabe des Betroffenen reicht. Liest man die Geschichte als Spiegelbild der damaligen Gesellschaft und in Korrelation zu Kafkas eigener Biographie -Kafka war selbst jüdischer Herkunft-, so tun sich weitreichende Deutungsmöglichkeiten auf soziologischer Ebene auf und die scharfe Kritik Kafkas an der Marginalisierung von Randgruppen tritt zutage.
Doch wie geht diese Marginaliserung nun im einzelnen vonstatten und wozu dient sie? Goffman schlägt hierfür folgende Erklärung vor : Um ein Individuum, und zwar jedes einzelne, entsteht durch symbolische Interaktion eine Art « diskursives Feld », welches die auf den verschiedenen Ebenen der Identifizierung vorgefundenen Informationen enthält. Diese Informationen werden in Umlauf gebracht und führen im Falle einer Akkumulation « diskreditierbarer » Daten zu einer sozialen Herabsetzung des betreffenden Individuums. Das Wissen jedes einzelnen um diese Diskreditierungs-Prozesse hat zur Folge, dass alle Stigmatisierten und potenziell Diskreditierbaren in der Gesellschaft in ähnlicher Weise agieren und das Bedürfnis haben, ihre nach außen getragenen Informationen zu kontrollieren. Selbst wenn ihnen die Rolle des Stigmatisierten nur vorübergehend zuteil wird, so sind sie zumindest für diesen Zeitraum die Leidtragenden, und werden mit allen performativen Mitteln der Täuschung und Manipulation versuchen, wieder in die bequemere und erfolgsversprechendere Position des « Normalen » aufzusteigen. Aus diesen Beobachtungen leitet Goffman die Idee eines sozialen « Rollenspiels » ab, das indirekt der ständigen Reproduktion standardisierter Verhaltensnormen dient, indem die Rollen « normal » und « stigmatisiert » je nach sozialer Situation und der Sorgfalt des einzelnen beim « Stigma-Management » immer wieder neu vergeben werden (müssen).
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Abschließend ist im Hinblick auf eine quellenkritische Annäherung an « Stigma » darauf hinzuweisen, dass man aus heutiger Sicht beim Lesen stellenweise den Eindruck hat, dass Goffman allein durch den konsequenten Gebrauch einiger Begrifflichkeiten (wie etwa « Krüppel » und « Neger ») aktiv zur Diskriminierung bestimmter sozialer Gruppen beiträgt. Dieser Eindruck wird jedoch dadurch revidiert, dass er zum Schluss betont, es ginge ihm keineswegs um die Feststellung eines Grundes oder der « Wünschbarkeit » von Marginalisierung -also um eine ideologische Positionierung-, sondern vielmehr um den funktionalen Wert dieser Ausschlussmechanismen innerhalb der Gesellschaft 27 . Betrachtet man zudem das Entstehungsdatum der Abhandlung, so erscheint die Selbstverständlichkeit im Umgang mit bestimmten Bezeichnungen gleich weniger überraschend, ähnlich wie auch die leicht darwinistisch anmutenden gedanklichen Ansätze, die Goffman an zwei Stellen zur Erklärung von Stigmatisierung liefert 28 . Erstaunlich ist aber in der Tat, dass sich hinter Goffmans hiesigem theoretischen Konzept auch ein früher konstruktivistischer Ansatz verbirgt. Dieser zeigt sich vor allem in der Tatsache, dass er von der gesellschaftlichen « Neu-Einführung » bestimmter Stigma-Kategorien spricht, wie etwa im Falle der heute als Krankheit geltenden « Zerebrallähmung » 29 . Denn sobald eine Krankheitskategorie besteht und in der ärztlichen Praxis gemeinhin diagnostiziert wird, ist die ihr zuzuordnende Person in erheblichem Maße gefährdet, einer sozialen Diskreditierung zu unterliegen, was laut Goffman auf die konstruierende Tendenz medizinischer Krankheitskategorien hindeutet.
27 Vgl. Stigma, S. 160.
28 Ebd., S. 13f.: „Unter diesen Voraussetzungen [, dass eine Person mit einem Stigma nicht ganz menschlich ist,] üben wir eine Vielzahl von Diskriminationen aus, durch die wir ihre [Lebenschancen] wirksam, wenn auch oft gedankenlos, reduzieren.“, vgl. auch S. 154f.: „[Es] wird ihm [dem Stigmatisierten] gesagt, daß er wie jeder andere ist und daß er dies nicht ist […] Dieser Widerspruch und Witz ist sein [Schicksal] und seine [Bestimmung].“
29 Vgl. Stigma, S. 154 : « [Die] Andersartigkeit [eines Individuums] selbst leitet sich natürlich von der Gesellschaft her, denn bevor eine Differenz viel ausmachen kann, muß sie für gewöhnlich durch die Gesellschaft als Ganze kollektiv auf einen Begriff gebracht sein. ». Ein aktuelles Beispiel wäre das vor einigen Jahren « populär » gewordene Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS), das lange Zeit für viel öffentliche Diskussion gesorgt hat und sich nun als allgemein bekannte Krankheitskategorie etablieren konnte.
13
Bibliographie
Goffman, Erving: Stigma. Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität, Frankfurt/ Main 1967, Verlag Suhrkamp.
Kafka, Franz: Die Verwandlung, Stuttgart 2006, Verlag Reclam.
14
Arbeit zitieren:
2008, Stigma: Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität, München, GRIN Verlag GmbH
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