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Universität Regensburg
Katholisch-theologische Fakultät
Lehrstuhl für Exegese und Hermeneutik des Neuen Testaments
Die Wirklichkeit der Ersten
Schöpfung
Wintersemester 2006/2007
Seminar: ,,Auferweckung der Toten" in der frühchristlichen
Verkündigung
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Gliederung
Das Leben nach dem Tod ein Thema das die Menschen berührt
...3
I Die Stadt Korinth und ihre christliche Gemeinde
...3
II Der Korintherbrief Entstehung und Aufbau
...5
III Die Auferstehung der Toten in 1Kor 15, 35 41
...7
1.
Der Streit um die Leiblichkeit der Auferstehung als Auslöser für 1Kor 15, 35 41...7
2.
Der Aufbau von 1Kor 15, 35 41...8
3.
Die Einführung in das Thema: Vers 35...9
4.
Die Saat als Beispiel für eine leibliche Wiederauferstehung...10
5.
Die Ausweitung der Leiblichkeit auf die ganze Schöpfung...12
6.
1Kor 15, 35 41 im Vergleich: Verschiedene Möglichkeiten der Übersetzung...15
Die Auferstehung ein zentrales Thema des Christentums
...17
Literaturliste
...18
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Das Leben nach dem Tod ein Thema das die Menschen berührt
In jeder Religion stellt sich die Frage, ob und wie der Mensch nach dem Tod weiterexistiert.
Dabei gibt es die unterschiedlichsten Ansätze. In Buddhismus und Hinduismus stellt man sich
das jenseitige Leben beispielsweise als ein Aufgehen im Nirvana und damit verbunden ein
Verlöschen der menschlichen Existenz vor. In Judentum, Christentum und Islam hat sich
dagegen die Paradiesvorstellung durchgesetzt. Gott ,,belohnt" den Menschen für seine Taten
auf der Erde durch die Aufnahme in sein Reich. Auch die Philosophen der alten Griechen
hatten ein Modell des Jenseitsglaubens entwickelt, das später maßgebend für mehrere
theologische Auseinandersetzungen mit christlichen Splittergruppen, wie etwa den
Manichäern, war. Dabei wurde der Leib als Hülle und Gefängnis des Geistes angesehen, das
es unbedingt zu überwinden galt. Im Tod sahen die Griechen eine Möglichkeit der leiblichen
Existenz zu entkommen und so den Geist, das Pneuma, zu befreien. Diese philosophische
Ausrichtung, die auch im griechischen Korinth verbreitet war, war auch der Grundauslöser für
den Abschnitt 15 im Korintherbrief, in dem der Apostel Paulus die Leiblichkeit der
christlichen Auferstehung noch einmal extra offen legt. In dieser Arbeit soll dabei vor allem
auf 1Kor 15, 35-41 eingegangen werden. Nach einem kurzen Einblick in die Stadt Korinth,
die dortige christliche Gemeinde, inr Entstehung und Aufbau des Briefes werden die
Argumente Paulus' für eine leibliche Auferstehung erläutert. Ziel ist es dabei, seinen
Argumentationsweg offen zu legen und die paulinische Position so verständlich wie möglich
zu machen.
I Die Stadt Korinth und ihre christliche Gemeinde
Die am westlichen Rand des Isthmus gelegene Stadt Korinth wurde 900 v. Chr. gegründet.
Während der makedonischen Herrschaft von 350 bis 250 v. Chr. war Korinth mit 40 000
50 000 Einwohnern die größte Stadt in Griechenland.
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146 v. Chr. wurde die Stadt von den
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Vgl. Lindemann, Korintherbrief, 2000, 9.
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Römern erobert und größtenteils zerstört. Aber schon 44 v. Chr. veranlasste Julius Caesar den
Wiederaufbau, hauptsächlich um seinen Armeeveteranen und freigelassenen Sklaven eine
Heimat zu geben.
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Obwohl auf diese Weise eine breite Unterschicht angesiedelt wurde,
konnte sich Korinth innerhalb eines Jahrhunderts zu einer blühenden Handelsstadt entwickeln.
Begünstigt wurde diese Entwicklung auch dadurch, dass der Sitz des Prokonsuls in die Stadt
verlegt wurde. All dies ermöglichte den Aufstieg zur bedeutendsten Stadt Griechenlands nach
Athen.
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Die Bevölkerung setzte sich nach der Wiedererrichtung nicht nur aus Römern,
sondern auch aus Griechen, hellenisierten Orientalen und vielen Juden zusammen.
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Begünstigt durch diesen Schmelztiegel an Kulturen und Religionen konnte sich unter anderem
auch das Christentum in Korinth ungestört entfalten. Entstanden ist die dortige Gemeinde
durch Missionstätigkeiten des Paulus. Er besuchte die Stadt wahrscheinlich um 50 n.Chr. und
hielt sich eineinhalb bis zwei Jahre dort auf. Die Datierung lässt sich auf Iunius Annaeus
Gallio zurückführen. Dieser war vermutlich von Juli 51 bis Juni 52, eventuell auch ein Jahr
später Statthalter der Provinz Achaia. Da Paulus von Juden angeklagt wurde, wurde er vor
Gallio geführt. Daraus lässt sich schließen, dass er sich entweder von 50 52 oder von 51
53 in Korinth aufgehalten haben muss.
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In dieser Zeit gelang es ihm den Grundstock für eine
christliche Gemeinde zu legen, die sich auch nach seiner Abreise immer weiter entwickelte.
Diese Entwicklung verlief jedoch nicht immer reibungslos, was Paulus dazu veranlasste durch
seine beiden Briefe an die Korinther ordnend in das Geschehen einzugreifen und die
Gemeinde auf den rechte Weg zurückzuführen. Dafür, dass er auch nach seiner Abwesenheit
noch so enormen Einfluss auf seine Gemeinde besaß, zeigt sich die Struktur der Gemeinde
verantwortlich. Die Mitglieder orientierten sich an Leitfiguren, welche für die Gemeinschaft
von Bedeutung waren. Dabei war es ihnen aber nicht wichtig, ob diese Menschen noch
unmittelbar der Gemeinde angehörten. So konnte Paulus, ebenso wie sein ,,Gegenspieler"
Apollos und auch Kephas ihren Einfluss wahren und Mitstreiter um sich sammeln.
Rückschlüsse auf Organisationsstrukturen und Machtverhältnisse lassen sich aber deshalb
nicht bilden.
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Die Gemeinde hatte aber nicht nur mit den verschiedenen Meinungen ihrer Führer zu
kämpfen, sondern auch mit ganz normalen sozialen Problemen. Obwohl Korinth um 50 n.
Chr. schon eine blühende Handelsstadt war gab es noch immer große Gegensätze zwischen
der kleinen reichen Oberschicht und der großen armen Masse in der Unterschicht. Ähnlich
2
Vgl. Lindemann, Korintherbrief, 2000, 9f.
3
Vgl. Maly, Brief, 1971, 9.
4
Vgl. Maly, Brief, 1971, 9.
5
Vgl. hierzu Lindemann, Korintherbrief, 2000, 11.
6
Vgl. Lindemann, Korintherbrief, 2000, 12.
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gestaltete sich die Situation in der christlichen Gemeinschaft: Auch hier waren die Armen den
Reichen deutlich an Zahl überlegen.
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Zudem ergaben sich durch die unterschiedlichen
sozialen und vor allem auch kulturellen Hintergründe teilweise gravierende Unterschiede in
ethisch-moralischen Fragen.
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Vor allem die Differenzen zwischen den Judenchristen und den
hellenistische geprägten Heidenchristen müssen zum Teil sehr groß gewesen sein wie man
auch bei der Auseinandersetzung um die Leiblichkeit der Auferstehung sehen wird. Apollos
ist dabei Verfechter der philosophischen Seite, während Paulus sich eher auf Seiten der
Christen mit jüdisch geprägtem Hintergrund einordnen lässt. Die Gemeinde muss 100
Mitglieder und mehr gehabt haben, da sich ansonsten all diese vielfältigen Strömungen nicht
erklären lassen. Trotz dieser Zahl waren die Christen noch immer eine deutliche Minderheit,
so dass es zwangsläufig oft zu Mischehen zwischen Christen und Nichtchristen kommen
musste. Auch dies mag auf unterschiedlichste Weise auf das Sozialverhalten und die
ethischen Einstellungen der Einzelnen eingewirkt haben. Die christliche Gemeinde in Korinth
kann also bis zu einem gewissen Grad als Spiegelbild für die sozialen Verhältnisse in der
ganzen Stadt dienen, die durch ihre ,,Multi-Kulti-Gesellschaft" sehr geprägt war. Es handelte
sich um eine ,,typische Großstadt an der Grenzscheide zwischen Orient und Okzident."
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II Der Korintherbrief Entstehung und Aufbau
Nach Paulus' Abreise aus Korinth begann sich die Gemeinde in eine Richtung zu entwickeln,
die ihm nicht gefiel. Aus diesem Grunde griff Paulus vermutlich zwischen 54 und 56 n. Chr.
mit seinem ersten Brief in das Gemeindeleben der Korinther ein.
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Verfasst wurde er in
Ephesos, was aus Kapitel 16,8 des Briefes hervorgeht. Zu seiner Gemeinde gelangte er
vermutlich auf dem Seeweg.
Der Brief selbst ist ungewöhnlich lang. Zahlreiche verschiedene Themen weisen zum einen
auf gravierende Missstände in Korinth hin, zum anderen wird es dadurch auch unmöglich ihn
7
Vgl. Maly, Brief, 1971, 10.
8
Vgl. für den Rest des Abschnitts, sofern nicht anders vermerkt, Lindemann, Korintherbrief, 2000, 12f.
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Maly, Brief, 1971, 9.
10
Vgl. Lindemann, Korintherbrief, 2000, 17. Eine noch genauere Datierung findet sich bei Ortkemper,
Korintherbrief, 1993, 12. Er geht davon aus, dass sich Paulus von 52 55 in Ephesus aufgehalten hat und den
Brief vermutlich Ostern 55 geschrieben hat. ,,Dazu würde die sonst etwas unmotivierte Erwähnung des
Paschalammes in 1Kor 5,7 gut passen."
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einer bestimmten Gattung zuzuordnen.
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Neben einem einleitenden und einem
abschließendem Teil gliedert sich 1 Kor in fünf Hauptteile: 1Kor 1,10 4,21 kann unter dem
Überbegriff ,,Parteien" zusammengefasst werden. Das von Paulus Gesagte geht aber weit
darüber hinaus. Zudem enthält der Schluss dieses Teiles noch die Ankündigung Paulus' seine
Gemeinde bald zu besuchen. Der zweite Abschnitt beginnt mit 5,1 und endet mit 7,40. Er
wird ziemlich schroff eingeleitet und erörtert die ethisch-moralischen Probleme in der Stadt.
Der dritte Teil (8,1 11,11) beschäftigt sich mit den Opferriten der Korinther. Verschiedene,
die Versammlung der Gemeinde betreffende Anweisungen folgen in 11,2 bis 14,40. Darin
scheint Kapitel 13 jedoch ein Fremdkörper zu sein. Schließlich folgt als letzter Teil Kapitel
15, in dem es um die Auferstehung der Toten geht. Der Anlass für diesen Abschnitt findet
man in 15,12. Durch die finale Stellung dieses Abschnitts hebt Paulus ihn deutlich von den
anderen hervor. Es eröffnen sich deshalb zwei Interpretationsmöglichkeiten: Die Platzierung
,,könnte mit der traditionellen Stellung eschatologischer Aussagen in der urchristlichen
Literatur erklärt werden"
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, oder aber auch schlicht mit der Wichtigkeit, die das Thema für
Paulus besaß.
Kapitel 15 ist eine in sich geschlossene Einheit ohne Bezug auf vorhergehende oder
nachfolgende Textpassagen.
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Gerade diese thematische Abgegrenztheit vom restlichen Brief
hat immer wieder zu Spekulationen geführt, ob der gesamte Brief aus mehreren
zusammengesetzten Schreiben besteht. Es ist möglich ihn in zwei bis sechs verschiedene
Stücke aufzuteilen. Es konnte aber bis heute kein einhelliger Konsens gefunden werden, wie
diese Teilung aussehen sollte.
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Es gibt durchaus Anzeichen im Text, die eine solche These
unterstützen. So gibt Paulus beispielsweise in 10, 1 22 eine eindeutige Stellungnahme zum
Götzenopferfleisch ab. In Kapitel 8 und in 10, 23 11,1 schlägt er jedoch wieder eine weniger
strenge Haltung ein. Die so aufgetretenen inhaltlichen Spannungen sind aber nicht so groß
um sicherzustellen, dass er aus mehreren verschiedenen Schreiben besteht. Die große Anzahl
der Themen im Brief und deren lockere Anordnung ist ebenfalls kein Indiz, das gegen einen
einzigen Text spricht. Sie könnte auch einfach nur mit der großen Anzahl an Problemen in der
Gemeinde zusammenhängen, die Paulus alle abarbeiten muss. ,,Daher gehen wir im
Folgenden [...] von der Einheitlichkeit des Briefes aus. Die Zugehörigkeit der ,umstrittenen'
Texte zum Brief wird sich in der jeweiligen Auslegung erweisen müssen."
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Vgl. für diesen Absatz Lindemann, Korintherbrief, 2000, 7 9.
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Lindemann, Korintherbrief, 2000, 8.
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Vgl. Spörlein, Leugnung, 1971, 20.
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Vgl. für den Rest des Abschnitts Ortkemper, Korintherbrief, 1993, 13.
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Ortkemper, Korintherbrief, 1993, 13.
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