INHALTSVERZEICHNIS
1.EINLEITUNG 3
2. UNTERSCHEIDUNGSMERMALE DER MEDINENSISCHEN SUREN 4
2.1 INHALTLICHE MERKMALE 4
2.2 FORMALE UND SPRACHLICHE MERKMALE 5
3. STAND DER FORSCHUNG 6
3.1 THEODOR NÖLDEKE UND DIE MEDINENSISCHEN SUREN 6
3.2 ALTERNATIVE UNTERSUCHUNGEN 8
4. THEMATISCHE SCHWERPUNKTE DER MEDINENSISCHEN SUREN 9
4.1 KULTISCH- RELIGIÖSE THEMEN 9
4.2 POLITISCHE THEMEN 12
4.3 RECHTLICH- SOZIALE THEMEN 16
5. SCHLUßBEMERKUNG 23
LITERATURVERZEICHNIS UND QUELLEN 24
2
1.Einleitung
Die im Koran offenbarten Suren werden in Bezug auf die Auswanderung des Propheten von Mekka nach Medina in mekkanische und medinensische Suren 1 eingeteilt. Die Datierung der einzelnen Suren und die Klassifizierung Dieser nach den beiden Epochen beschäftigt seit Jahrhunderten Forscher und wißbegierige Menschen vom Orient, als auch vom Okzident, da die zeitliche Bestimmung für das Verständnis der Textstücke von fundamentaler Bedeutung ist 2 .
Obwohl diese Arbeit noch nicht vollständig abgeschlossen ist und, bedingt durch die Natur der Sache, auch niemals vollständig abgeschlossen werden kann, wurden bis zum heutigen Tage große Fortschritte bei der Bewältigung dieser immensen Aufgabe getan. Heute besteht überwiegend Einigkeit über die Zugehörigkeit der 114 bestehenden Suren. Im Gegensatz dazu bereitet immer noch die genaue chronologische Anordnung der heiligen Texte, insbesondere der Verse, nach der exakten Entstehungs- bzw. Offenbarungszeit, den Forschern große Probleme. Hier bestehen aus diesem Grund immer noch große Differenzen und Streitpunkte, welche für eine sehr lange Zeit noch zu großen Anstrengungen und Diskussionen führen werden.
Trotz aller Diskrepanzen und Sackgassen gibt es andererseits auch einige Lichtblicke, die die Forscher und Fachinteressierten zur Aufnahme und Bewältigung neuer Aufgaben motivieren. So wurden mit der Zeit Systeme entwickelt, die eine zeitliche Eingrenzung der meisten Offenbarungen ermöglichen. Diese Systeme beruhen in der Regel auf den sprachlichen, stilistischen, inhaltlichen und formalen (äußerlichen ) Unterschieden der einzelnen Suren und Verse aus den verschiedenen Epochen der Offenbarung des Korans 3 . Eine sehr wichtige Hilfestellung bei der zeitlichen Einstufung der Suren aus der medinensischen Periode leisten dabei ganz besonders Anspielungen auf bekannte historische Ereignisse wie Kriege und Verträge 4 .
Diesen Erkenntnissen folgend, wird es die Aufgabe dieser Arbeit sein, einige Einblicke in grundlegende Eigenschaften bzw. Unterschiede und Merkmale der medinensischen Suren im Gegensatz zu den mekkanischen aufzuzeigen und des weiteren Auszugsweisezum den Zusammenhang
1 Diese Einteilung soll jedoch nur zeigen ob eine Sure vor oder nach der Hidschra verkündet wurde, und nicht den tatsächlichen
Ort der Offenbarung.
2 A. J. Weinsinck und J. H. Kramers (Hrsg. ), Handwörterbuch des Islam, 1941, S. 359
3 Theodor Nöldeke, Geschichte des Qorans, Teil 1, 1981, S. 63- 65
4 Vgl. A. J. Weinsinck und J. H. Kramers (Hrsg. ), S. 360 und Theodor Nöldeke, S. 172
3
zwischen inhaltlichen Themenbereichen und konkreten äußerlichen bzw. historischen Gegebenheiten anzudeuten.
2. Unterscheidungsmermale der medinensischen Suren
2.1 Inhaltliche Merkmale
Die Suren der medinensischen Periode unterscheiden sich stilistisch nur wenig von denen der dritten mekkanischen Periode, befassen sich aber überwiegend mit neuen Themen: Neben den Attacken gegen die Heiden kommt es nun mehr und mehr zu Angriffen auf Juden, später auch auf Christen 5 . Gleichzeitig wird in der medinensischen Periode weiterhin wesentlich an der Vorstellung von der Identität der Lehre mit den früheren Offenbarungen des jüdischen und christlichen Glaubens festgehalten. Jedoch werden diese mit wachsender Kritik betrachtet und der Unterschied zu jenen hervorgehoben 6 .
Des weiteren werden nun für die Muslime bedeutsame historische Ereignisse interpretiert oder behandelt (z. B. VIII 7 , die Schlacht bei Badr; XXXIII, der Grabenkrieg; XLVIII, der Frieden von Hudaibiya 8 usw.), und Gesetze, administrative Maßnahmen 9 (z. B. Straf- und Zivilrecht ) sowie rituelle Vorschriften 10 (z. B. Wallfahrt und Gebetsrichtung ) eingeführt 11 . Die Ursachen dafür liegen in der neuen Aufgabe und Tätigkeit des Propheten, neben seiner geistigen Führerschaft auch als weltlicher Herrscher zu fungieren. Diese neue Funktion des Propheten wurde durch das Fehlen einer einheitlichen Führung und Verwaltung des Gemeinwesens in Medina nach mekkanischer Art, auf Grund des mangelnden Zusammenhalt der Gruppen untereinander und des zum Teil bewaffneten Machtkampfes gegeneinander, begünstigt. Jener Zustand erleichterte es Mohammed, in Medina Fuß zu fassen, und die, seitens der medinensischen Bevölkerung lang ersehnte Besetzung des Führungsposten, zu realisieren 12 . So wurde Mohammed, nach dem er zum Oberhaupt einer Gemeinde wurde, immer öfter in Fragen des Rechts um Rat gefragt. Darüber hinaus
5 Vgl. Abschnitt 4.2 Politische Themen
6 Vgl. A. J. Weinsinck und J. H. Kramers (Hrsg. ), S. 350
7 Aufgeführte Koranpasagen entsprechen der Koranübersetzung von Rudi Paret. (vgl. Rudi Paret, Der Koran, Stuttgart, 1996 )
8 Vgl. Theodor Nöldeke, S. 58
9 Vgl. Abschnitt 4.3 Rechtlich- soziale Themen
10 Vgl. Abschnitt 4.1 Kultisch- religiöse Themen
11 W. Montgommery Watt, Der Islam I, 1980, S. 189
12 Rudi Paret, Mohammed und der Koran, 1991, S. 34- 35
4
war es notwendig, dem Gemeinwesen verbindliche rechtliche Grundlagen, die alle Bereiche des menschlichen Zusammenlebens regeln, zu verleihen. Deshalb beinhaltet ein großer Teil der medinensischen Suren Bestimmungen, die die Pflichten der Muslime gegenüber Gott, und das Zusammenleben der Gläubigen regeln, sowie Aussagen über die Rolle des Propheten als religiöspolitischer Führer des Gemeinwesens machen. Folglich stellen diese Abschnitte des Korans auch die Grundlagen für das islamische Recht dar, welches als allumfassende Lebensordnung nach dem Tode des Propheten die wichtigste einende Kraft der islamischen Staaten war 13 .
2.2 Formale und sprachliche Merkmale
Wenn man die medinensischen Suren und auch die Verse äußerlich von der förmlichen Gestaltung her betrachtet, kann man feststellen, daß diese im Vergleich zu den mekkanischen in der Regel viel länger sind (wie z. B. Sure II, mit 286 Versen als die längste im Koran oder auch Sure III und IV u.a ). Da der Aufbau des Koran so gestaltet ist, daß längere Suren eher in den ersteren, und kürzere in den letzteren Abschnitten aufgeführt sind, befinden sich die medinensischen Offenbarungen meistens in der ersten Hälfte des heiligen Buches. In diesem Zusammenhang vertritt Theodor NÖLDEKE die Meinung, daß medinensische Offenbarungen, die mehr kurze Gesetze, Anreden, Befehle und dergleichen enthalten, ursprünglich von geringerem Umfang waren als die Mehrzahl der späteren mekkanischen, d ie gerne aus weitläufigen Vorträgen bestehen. Andererseits hat die Gleichartigkeit des Inhalts zur Folge gehabt, daß unverhältnismäßig viel medinensische Einzeloffenbarungen zu einer Sure vereinigt wurden, weshalb die medinensischen jetzt die längsten im Koran darstellen 14 .
Sprachlich betrachtet sind die medinensischen Texte nicht mehr so feurig und bewegt, wie die Textstellen aus anderen Perioden, sondern eher ruhig 15 . So wird bei der Formulierung der Gesetze auf allerlei rhetorischen Schmuck verzichtet, die Textgestaltung in Reimen jedoch bleibt weitgehend erhalten 16 .
Ein weiterer sprachlicher Kennzeichnungspunkt bei der chronologischen Einteilung ist der unterschiedliche Sprachgebrauch in den einzelnen Perioden, der in Form von gewissen Lieblingswörtern
13 Tilman Nagel, Der Koran, 1983, S. 84
14 Vgl. Theodor Nöldeke, S. 172
15 Vgl. Theodor Nöldeke, S. 63
16 Vgl. Theodor Nöldeke, S. 171
5
und Wendungen auftritt 17 . So werden oft in der medinensischen Periode die Anreden „Ihr Gläubigen! “ (z. B. II, 278; III, 100; IV, 29 usw. ), „Ihr Leute der Schrift!“ (z. B. IV, 171; V, 15; usw. ) und „Prophet! “ (z. B. VIII, 64; IX, 73; LXV, 1; usw. ) verwendet.
3. Stand der Forschung
3.1 Theodor Nöldeke und die medinensischen Suren
Wie schon am Anfang der Arbeit erwähnt, besteht überwiegend Einigkeit, zumindest über die Entstehungszeit der medinensischen Suren. Eine der umfangreichsten Untersuchungen in diesem Bereich stellt das dreiteilige Werk „Geschichte des Qoran“ des bereits oben erwähnten Wissenschaftlers Theodor NÖLDEKE dar. Seinem Werk liegt die Theorie zugrunde, daß sich der Stil des Koran im Verlauf der ungefähr zwanzig Jahre, in der er offenbart wurde, ständig änderte. Anfangs gab es betont poetische Passagen mit kurzen, rhythmischen Versen; dann nahmen die Verse mit der Zeit an Länge zu, und schließlich endete diese Entwicklung mit den langen prosaischen Äußerungen von Medina 18 . Basierend auf diese Theorie, entwickelt NÖLDEKE eine Methode, wonach die einzelnen Suren nach ihrer Offenbarungszeit datiert werden. Demnach stuft NÖLDEKE folgende Suren als medinensisch ein 19 :
17 Vgl. Theodor Nöldeke, S. 63
18 Vgl. W. Montgommery Watt, S.188
19 Vgl. Theodor Nöldeke, S. 173 ff
20 Die Reihenfolge der hier aufgezählten Suren entsprechen der Chronologie von Theodor Nöldeke (vgl. S. 164- 234 ).
21 Die Namen der Suren wurden entsprechend der Koranübersetzung von Rudi Paret übersetzt. Vgl. Rudi Paret, Der Koran,
Stuttgart, 1996
6
Arbeit zitieren:
Cevat Kara, 1997, Die medinensischen Suren im Koran, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der innere Monolog in Hermann Brochs Roman
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 21 Seiten
Die Machtdelegation innerhalb der EU – eine Defiziterscheinung?
Inwiefern ist in diesem Zusamm...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit, 13 Seiten
Erzählzeit und erzählte Zeit in James Joyces "Ulysses"
Analyse der Kapitel "Aiol...
Seminararbeit, 20 Seiten
Die Kompetenzen des Hohen Vertreters der Union für Außen- und Sicherhe...
Programm und Wirklichkeit
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Seminararbeit, 15 Seiten
Wahlsoziologie - Wählerverhalten - Wer wählt wen warum ?
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Ausarbeitung, 8 Seiten
Die Frauen in islamischen Gesellschaften
Soziologie - Kultur, Technik und Völker
Seminararbeit, 21 Seiten
Politischer Liberalismus - Andrew Moravcsik auf dem Prüfstand
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 16 Seiten
Erzähltextanalyse von Gerhart Hauptmanns "Bahnwärter Thiel"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 16 Seiten
Direktdemokratische Elemente im Politischen System der Schweiz
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Die muslimische Frau - die gesellschaftliche Stellung und Rolle der F...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 19 Seiten
Der Einfluss von Kandidatenimages auf das Wahlverhalten
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Hausarbeit, 34 Seiten
Die Organisation der Außen- und Sicherheitspolitik in Deutschland - En...
Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Neo-Institutionalismus als Erklärungsansatz des Wandels von Organisati...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Die GASP der Europäischen Union und der Nahe Osten
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Vordiplomarbeit, 35 Seiten
Cevat Kara hat den Text Die medinensischen Suren im Koran veröffentlicht
Cevat Kara hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare