Andre Schuchardt
präsentiert
Freiheit und Knechtschaft -
Die dystopische Utopia des Thomas Morus
Eine Kritik am besten Staat.
Utopie. Eine Einleitung.
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Eine Utopie ist eine Wunschvorstellung, die zwar denkbar, aber aus
verschiedenen Gründen nicht realisierbar ist, weshalb sie heutzutage oft auch
negativ als Wunschtraum abgetan wird. Oft stellen diese Utopien mit ihrer
Idealvorstellung eine gleichzeitige Kritik an einer bestehenden Ordnung da.
Der Name Utopie kommt von dem Roman 'Utopia' von Thomas Morus, der
hier noch behandelt werden will. Utopien stellen meist bessere
Gesellschaftsordnungen da, seltener gibt es auch religiöse oder technisch-
wissenschaftliche Utopien.
Heutzutage werden Utopien hauptsächlich nur noch von Philosophen wie
Ernst Bloch aufgestellt, derweil die Utopie als ihr ins Negative umgekehrte
Gegenstück, der Dystopie, großen Einfluss in populärer Literatur und Medien
hatte.
Thomas Morus' Utopia gilt als Namensgeber und einer der ersten Vertreter der
Utopie (nach Platon und Cicero). Sie beschwört einen kommunistisch-
sozialistischen Staat mit Toleranz, aber auch jeder Menge Unfreiheit und
Überwachung. Dieses möchte ich hier behandeln und aufzeigen, dass die
Utopia im heutigen Sinne keine Utopie mehr ist, sondern vielmehr eine
Dystopie. Weiterhin möchte ich hier überhaupt die Ideen der Utopier
vorstellen.
Thomas Morus
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Thomas Morus wurde 1478 in London geboren und starb dort auch, 57 Jahre
später, hingerichtet von Heinrich VIII. Zuvor war er enger Vertrauter und
Ratgeber des Königs und u.a. bekannter Gegner von Martin Luther, später
auch Lordkanzler. Er galt als neutraler Diplomat, tüchtiger Administrator,
Anhänger des Vatikans und toleranter Humanist und wurde von seinen
1 vgl.
Artikel
Utopie. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. Juli 2008, 13:47 UTC.
URL:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Utopie&oldid=48567898
(Abgerufen: 21. Juli 2008, 11:39
UTC)
2 vgl.
Artikel
Thomas Morus. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 21. Juli 2008, 08:19
UTC. URL:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Thomas_Morus&oldid=48630813
(Abgerufen: 21.
Juli 2008, 11:40 UTC)
Freunden geliebt und in den höchsten Tönen gelobt.
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Seit wenigen Jahren ist
er der Heilige der Politiker.
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Einleitung zur Utopia
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Die Utopia erschien das erste Mal 1516 in Löwen, verfasst in lateinischer
Sprache. Erasmus von Rotterdam war derjenige, der auf ihre Veröffentlichung
drängte. Die erste deutsche Übersetzung gab es 1524. In dem Buch berichtet
der Seefahrer Raphael Hythlodäus (*Possenreisser') dem Thomas Morus von
der Insel Utopia, welche jenseits des Ozeans liegen soll. Hythlodäus stellt hier
den begeisterten Anhänger des utopischen Staates da, welcher die
bestehenden Verhältnisse in der Alten Welt kritisiert, während Morus dem eher
skeptisch gegenüber steht. So verzichtet der Autor Morus auf eine Wertung
seiner Vorstellungen und lässt dem Leser und Kritiker alle Spielräume. Da
aber Hythlodäus natürlich den Großteil des Werkes ausmacht, gilt meine Kritik
hier ihm und dem Staat Utopia, und nicht dem Morus des Buches Utopia.
Interessant ist sicher auch, dass sich vor allem Marx und Engels stellenweise
gerne auf die Utopia berufen haben.
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Die Utopie als Dystopie
Warum nun nenne ich die Utopia eine Dystopie, eine negative Utopie? Nun, so
manche Dinge an dem neuen Staats mögen wünschenswert sein, dagegen
sind viele andere um so mehr zu verurteilen. Ich möchte hier mit zweiteren
beginnen, bevor ich erstere erwähne. Zunächst in Kurzform, dann nochmal
ausführlich. Die Aufgliederung folgt dabei meinem eigenen Gutdünken, da die
Kapitelüberschriften bei Morus selber sehr willkürlich gewählt sind.
Die Dystopie
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Schwer patriarchalisch. Der Mann herrscht.
3 vgl. Erasmus von Rotterdam: Erasmus von Rotterdam grüßt den hochedlen Ritter Ulrich von Hutten (1519).
In: Morus, Thomas: Utopia. 1982, 7. Auflage. Reclam Verlag, Leipzig. S. 133ff.
4 vgl.
http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/motu_proprio/documents/hf_jp-ii_motu-
proprio_20001031_thomas-more_ge.html
(Abgerufen: 21. Julia 2008)
5 vgl. Teller, Jürgen: Nachwort. In: Morus, Thomas: Utopia. 1982, 7. Auflage. Reclam Verlag, Leipzig. S.
143ff.
6 Was wohl erklären mag, wie in ihrer Lehre solche Ungerechtigkeiten und Fehler des Lehrgebäudes
entstanden, wie der Zentralisierung und Gleichschaltung.
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Stark hierarchisch. Der Senat
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herrscht über Bürgermeister und
Familienvorsteher.
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Gleichschaltend. In Aussehen wie in Denken.
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Die Gesamtheit bedeutet mehr als das Individuum.
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-
Einsatz der Sklaverei
-
Tieferstellung von Frauen
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Überwachung aller Bewegungen und Taten, freie Bewegung ist verboten.
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Starker Zwang in allem mit zu machen. Keine individuelle Einteilung.
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Krankes Kriegswesen, das andere Völker als Kanonenfutter nutzt und sie
ausrotten will sowie die Familien der Krieger mit an die Front schickt, damit
diese besser und bis zum bitteren Ende kämpfen.
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Unklare Aussagen zum Geldwesen: Waren scheinen nichts zu kosten,
anderes dagegen schon, derweil Gold verpönt ist.
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Sex vor der Ehe verboten.
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Ausnutzung des Systems durch Einzelne wäre möglich.
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Einerseits Kritik einführen, dass alle arbeiten sollen, und dann gibt es doch
so gut wie nicht arbeitende Priester und Bürgermeister, die verehrt werden.
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Müßiggang und freie Erholung verboten, nur nach Vorgaben.
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Einmischung in die Natur durch unsinnige Tätigkeiten wie dem Versetzen
ganzer Wälder.
Die Utopie
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Toleranz in vielen Belangen, v.a. der Religion
-
Offen für jeden.
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Sozialistisch. Niemand muss leiden, allen gebührt das gleiche.
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Abschaffung von Privateigentum an Boden oder Arbeitsmitteln.
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Wissenschaft und Literatur werden gefördert.
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Jeder muss arbeiten, dafür aber jeder weniger.
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Vor Eheentschluss dürfen sich die Partner nackt sehen.
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7 Der Senat wird von Morus übrigens nicht richtig erklärt.
8 Dieser und der folgende Punkt (Gleichschaltung) haben Ähnlichkeit mit dem Denken im Marxismus.
9 Hiermit steht die Utopia aber ganz im Sinne von Gustav Landauer. Einige andere Punkte dagegen dürften
auch ihn gestört haben.
10 Wieder ganz im Sinne von Landauer.
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Abschaffung von Reichtum und der Veherrlichung von Reichtum.
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Ausführliche Pflege von Kranken und Geleitung von Sterbenden.
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Kaum feste Gesetze, keine Todesstrafe.
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Durch die Gleichheit kaum Verbrechen vorhanden.
Der Staat Utopia. Seine Vor- und Nachteile in einzelnen Punkten.
I. Geographie, Stadt und Land.
Es gibt 54 Städte, die alle gleich sind. In der Stadt Amaurotum kommt der
Senat zusammen. Um jede Stadt gibt es 12 Meilen Ackerland mit
Bauernhöfen. Auf diesen arbeiten pro Jahr 20 Leute mitsamt den zum
Bauernhof gehörenden Sklaven. Regelmäßig werden Menschen aus Stadt
und Bauernhof getauscht, damit alle mal arbeiten. Hierbei bleiben aber einige
Erfahrene auf dem Hof um die Neulinge einzuweisen. Der Bauer befasst sich
mit Ackerbau, Viehzucht, dem fällen von Holz sowie dem Handel mit der Stadt.
Es wird industrielle Hühnerzucht in Legebatterien betrieben, Pferde allein für
den Reitsport gezüchtet, da als Arbeitstiere nur Ochsen verwendet werden.
Aus Getreide wird nur Brot, aber kein Bier gewonnen, als Getränke kennt man
Wein und süßes Wasser. Der Hausrat des Hofes wird aus der Stadt
importiert.
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II. Die Stadt
Hier sind alle gleich, auch optisch. Die Städte besitzen starke natürliche und
künstliche Befestigungen als Verteidigungsmittel vor Angreifern. Innerhalb der
Stadtmauern in den vier gleichen Stadtvierteln jedoch ist alles frei. Selbst die
Häuser, die jeweils eigene Gärten haben, sind stets unverschlossen, da es
keinen Diebstahl gibt. Auch werden kaum neue Häuser gebaut, da die
bestehenden alle 10 Jahre per Los neu verteilt werden.
Letzteres finde ich etwas seltsam.
11 Hier bin ich mir nicht so sicher, ob das wirklich anstrebenswert ist.
12 Was die Euthansie angeht, hier bin ich mir einer Zuteilung wieder nicht sicher. Da sie nur stattfindet wenn
sie freiwillig und gewünscht ist, würde ich sie eher zum positiven zählen.
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Nun, das klingt noch vernünftig. Städte die gleich sind, sind zwar nicht schön, aber verhindern
zumindest Neid und Migrationen. Damit aber auch das individuelle und freiheitliche. Die Legebatterien dagegen
möchte ich nicht gut heißen.
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