I
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis I
Tabellenverzeichnis I
1 Einführung 1
2 Begriffsbestimmung „Mikropolitik“ 1
2.1 Historische Entwicklung des Begriffes 2
2.2 Definition und Herkunft des Begriffes „Organisation“ 4
2.3 Drei Ebenen des Politischen 7
2.4 Macht und Einfluss 9
2.5 Hauptformen mikropolitischer Spiele 12
2.6 Funktionen und Dysfunktionen mikropolitischen Handelns 17
2.7 Mikropolitischem Handeln begegnen 18
3 Auswirkungen auf das Personalmanagement 19
4 Schluss 21
Literaturverzeichnis. 22
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 -Das Sachliche und das Politische: Zwei Sichtweisen 6
Abbildung 2 - Konstituierende Elemente der Wirklichkeit großer Organisationen 7
Abbildung 3 - Polity - Policy - Politics 8
Abbildung 4 - Machtmittel 10
Abbildung 5 - Mikropolitik im Spannungsfeld zwischen produktivem und politischem
Handeln 12
Abbildung 6 - Dimensionen und Handlungsformen mikropolitischen Agierens 18
Abbildung 7 - Prozesse und Medien sozialer Kontrolle organisationalen Handelns
20
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 - Acht Merkmale des Politischen nach Neuberger 9
Tabelle 2 - Die wichtigsten Einflusstaktiken nach Blickle 15
Tabelle 3 - Politische Spiele in Organisationen nach Mintzberg 16
Tabelle 4 - Konsensuale Bestimmung von Funktionen und Dysfunktionen von
Mikropolitik in der Literatur 17
1
1 Einführung
Die vorliegende Arbeit möchte sich dem Thema Mikropolitik nähern. Aufgrund der Komplexität des Themas liegt der Fokus dieser Arbeit maßgeblich auf der Darstellung der grundsätzlichen Funktionsmechanismen mikropolitischer Prozesse in Organisationen. Ziel ist es, für das Vorhandensein sozialer Interaktionen und ihrer Ausprägungen jenseits formalorganisatorischer Vorgaben zu sensibilisieren.
Hierzu sind zunächst einige Grundüberlegungen anzustellen und fundamentale Begriffe zu definieren. Im Anschluss daran sollen einige konkrete Ausprägungen mikropolitischer Praxis exemplarisch angeführt und schließlich in aller Kürze auf einige Auswirkungen auf das Personalwesen eingegangen werden.
Bei dem Forschungsfeld Mikropolitik handelt es sich noch um ein recht junges Gebiet, was zur Folge hat, dass hinsichtlich eindeutiger Definitionen wesentlicher Begriffe gemeinhin keine absolute Einigkeit besteht. Die Berücksichtigung moralisch relevanter Fragestellungen hinsichtlich der Legitimität von Mikropolitik in Organisationen wird trotz der angeregten Diskussion auch zu diesem Punkt nicht explizit behandelt. 1
2 Begriffsbestimmung „Mikropolitik“
Die Frage, die sich stellt ist, was verbirgt sich hinter dem Begriff „Mikropolitik“. Henry Mintzberg charakterisierte Mikropolitik 1983 beispielsweise als „Verhaltensweisen von Personen oder Gruppen, die sich im Informellen vollziehen, scheinbar ganz engstirnig ausgerichtet sind, typischerweise Zwietracht hervorrufen und vor allem in einem technischen Sinne illegitim sind - gedeckt weder durch formale Autorität oder akzeptierte Ideologie, noch durch nachgewiesenes Expertentum (obwohl sie all das in Anspruch nehmen können).“ 2 Diese Eingrenzung deckt sich mit der Mehrheit der vorliegenden Definitionen, jedoch weist Neuberger darauf hin, dass dies in keiner Weise die Richtigkeit der These belegt. 3
1 Vgl. Blickle/Solga 2006, S. 638; Neuberger 2006, S. 319 ff.; Mohr 1999; Bosetzky 1972, S. 384; Bosetzky 1988; Bosetzky 1995.
2 Mintzberg 1983, S. 172.
3 Vgl. Neuberger 2006, S. 9.
2
2.1 Historische Entwicklung des Begriffes
Die Bezeichnung „micropolitics“ geht auf eine Veröffentlichung des Soziologen Tom R. Burns 4 aus dem Jahre 1961 zurück, der mit dieser Wortschöpfung zum Ausdruck bringen wollte, dass ähnlich dem staatlichen Bereich auch in Organisationen politische Prozesse ablaufen, nur in „kleinerem“ Maßstab.
Etwa zur gleichen Zeit entwirft James G. March 5 in Abgrenzung zur klassischen Theorie ein Modell, das den Mitgliedern einer Organisation eigene Interessen zugesteht, die nicht deckungsgleich mit den Unternehmenszielen, beispielsweise Gewinnmaximierung, sind. Vielmehr definiert March Organisationen als politische Koalitionen, deren Zusammensetzung genauso wie beispielsweise die grundsätzlichen Ziele der Unternehmung zunächst ausgehandelt werden müssen. Ein moderner, hierauf aufbauender Ansatz ist der des „shareholder value“, den March ebenfalls in seinem Aufsatz von 1962 beschreibt. 6
Zehn Jahre später führt Horst Bosetzky 7 den Begriff „Mikropolitik“ auch im deutschen Sprachraum ein. Er definiert Mikropolitik hier in Anlehnung an Burns als „die Bemühung, die systemeigenen materiellen und menschlichen Ressourcen zur Erreichung persönlicher Ziele, insbesondere des Aufstiegs im System selbst und in anderen Systemen, zu verwenden sowie zur Sicherung und Verbesserung der eigenen Existenzbedingungen.“ 8
Jedoch unterscheiden sich diese beiden Ansätze, abgesehen von dem identischen Zugeständnis einer Eigeninteressenverfolgung der Organisationsmitglieder, in ihren weiteren Details fundamental voneinander. Während Bosetzky mikropolitische Handlungsweisen lediglich einem bestimmten Persönlichkeitstyp (dem machiavellistischen „Mikropolitiker“) zugesteht, mit der Folge, dass diese Minorität letztlich die Struktur der betreffenden Organisationen bestimmt und zu ihrem Vorteil verändert 9 , betrachtet Burns Mikropolitik als eine prinzipiell in jeder organisationalen Entscheidung inhärente Konstante. Oder vielmehr als einen wesentlichen Bestandteil zur Gewährleistung der Funktionsfähigkeit von Organisationen. 10 Er unterteilt Mikropolitik in die beiden Kategorien Karriere(Resultat: „career structure“) und Machtinteressen (Resultat: „political system“) der
4 Vgl. Burns 1961/62.
5 Vgl. March 1962.
6 Vgl. March 1962, S. 672 f.
7 Vgl. Bosetzky 1972.
8 Bosetzky 1972, S. 382; Burns 1961/62, S. 278.
9 Vgl. Bosetzky 1994, S. 209 ff.; Bosetzky 1988 S. 30.
10 Vgl. Burns 1961/62, S. 259.
3
Organisationsmitglieder. 11 Dieser nicht moralisierenden Ansicht folgen auch Crozier und Friedberg 12 und Küpper und Ortmann 13 .
Den bedeutendsten Einfluss auf die zunehmende wissenschaftliche Beschäftigung mit Politik in Organisationen hatte Andrew Pettigrew 14 , der in den siebziger Jahren Abhandlungen über den Verlauf von Entscheidungsprozessen aus der politischen Perspektive verfasste und hier als Erster explizit die zentrale Rolle der Macht herausstellte. Hierauf aufbauend veröffentlichten verschiedene
Organisationssoziologen weiterführende Publikationen. Beispielhaft seien hier zu nennen Jeffrey Pfeffer 15 , Henry Mintzberg 16 und die bereits erwähnten Michel Crozier und Erhard Friedberg 17 . Letztere können für das wachsende Interesse an diesem Thema im deutschsprachigen Raum in den achtziger Jahren verantwortlich gemacht werden. Ihr Forschungsansatz bestand in der empirischen Untersuchung organisationaler Handlungssysteme, der strategischen Organisationsanalyse. Sie eruierten vier Hauptelemente der Analyse 18 :
o strategisches Verhalten der Organisationsmitglieder (Analyse menschlichen Verhaltens im organisationalen Kontext als Ausdruck einer Strategie),
o organisationale Machtbeziehungen und Machtstrategien (Erforschung der zwischen Organisationsmitgliedern bestehenden Machtbeziehungen als zentrale Stabilisierung- und Regulierungsmechanismen ihrer sozialen Interaktionen),
o Spiele, Spielregeln und machtstrukturierte Handlungssysteme
(Interpretation der Funktionsweise einer Organisation als Resultat einer Reihe aufeinander bezogener Spiele, deren formale und informelle Regeln indirekt die Integration der konfligierenden Machtstrategien der Organisationsmitglieder bewirken und
o organisationsübergreifende Strukturierung von Handlungssystemen
(Konzeptualisierung des Einflusses der Umwelt auf die Organisationen als das vermittelte Resultat einer Reihe weiterer Spiele zwischen
11 Vgl. Burns 1965; Burns 1961/62.
12 Vgl. Crozier, Friedberg 1979.
13 Vgl Ortmann 1988, S. 18 f.; Küpper/Ortmann 1986, S. 591 f.
14 Vgl. Pettigrew 1973.
15 Vgl. Pfeffer 1981.
16 Vgl. Mintzberg 1983.
17 Vgl. Crozier, Friedberg 1979.
18 Vgl. Küpper/Felsch 2000, S. 15 ff.
4
Organisationsmitgliedern und so genannten Relais als Vertreter der verschiedenen relevanten Umweltsegmente).
Prägende Vertreter sind hierzulande Willi Küpper und Günther Ortmann 19 , die die Grundgedanken einer mikropolitischen Organisationsanalyse Croziers und Friedbergs weiterentwickelten. Aber auch der Organisationspsychologe Oswald Neuberger 20 soll hier genannt werden, der seit langer Zeit Arbeiten zu Mikropolitik und den entsprechend angewandten Taktiken publiziert.
Wie zu Beginn diesen Abschnittes bereits kurz dargelegt, handelt es sich nach Burns bei der Mikropolitik um eine „Politik im Kleinen“, die in Organisationen stattfindet. Es liegt somit nahe, sich zunächst dem Begriff der Organisation zu nähern.
2.2 Definition und Herkunft des Begriffes „Organisation“
Zum Begriff „Organisation“ existieren zahlreiche definitorische Ansätze. Beispielhaft sei an dieser Stelle folgende Darstellung angeführt.
Als Organisation bezeichnet man 21
o ein gegenüber ihrer Umwelt offenes System,
o das zeitlich überdauernd existiert,
o spezifische Ziele verfolgt,
o sich aus Individuen beziehungsweise Gruppen zusammensetzt, somit ein soziales Gebilde ist und
o eine bestimmte Struktur aufweist, die meist durch Arbeitsteilung und eine Hierarchie von Verantwortung gekennzeichnet ist.
Es ist festzuhalten, dass sich diese Definition ihrem Wortlaut nach nicht nur auf Betriebe anwenden lässt, sondern auch auf jede andere verwandte Ausprägung, beispielsweise Schulen, Behörden, Krankenhäuser, Parteien. Auch ist ihr eine gewisse Fokussierung auf strukturelle Eigenschaften nicht abzusprechen. Dennoch ist der Begriff wesentlich weiter zu fassen, da „Organisation“ nicht nur einen strukturellen Aufbauaspekt, also das „Organisation sein“, sondern außerdem einen
19 Vgl. Küpper/Ortmann 1986.
20 Vgl. Neuberger 1995.
21 Vgl. Gebert, D. 1978; Porter et. al. 1975.
5
funktionalen Ablaufaspekt, also ein „organisiert sein“ umfasst. 22 Die vorgenannte Definition bezieht sich somit in erster Linie auf den strukturellen Aufbauaspekt.
Historisch formte sich der Begriff „Organisation“, bzw. „organisieren“ in seiner heutigen Bedeutung erst mit dem Entstehen moderner Nationalstaaten und industrieller Produktionsbetriebe. 23 Sowohl Marx als auch Weber erkannten bereits zu dieser Zeit die Wechselwirkungen zwischen Organisations- und Politikwissenschaft. 24 Unter anderem Bosetzky stellte die These auf, dass die Macht innerhalb von Organisationen nicht ausschließlich an formale Positionen „gebunden“ ist, sondern „frei flutend“ und somit von jedem mit politischen Ambitionen zur Durchsetzung seiner Interessen nutzbar gemacht werden kann. Die in der Organisationstheorie vertretene Ansicht, Machtpotentiale aller Akteure seien statisch festgelegt und nähmen analog der jeweiligen Position in der Hierarchie nach unten hin ab, stellt er infrage, genauso wie das Funktionieren einer Bürokratie im Sinne eines „Verwaltungsapparats“. Zwar spricht er den einzelnen Organisationsmitgliedern eine Zielfixierung zu, diese ist jedoch weit stärker auf den eigenen Vorteil, denn auf die übergeordneten Ziele der Organisation gerichtet. 25
Auch ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass derartige Zieldivergenzen durchaus systeminhärent sind, da der Mensch auf der einen Seite auf Simplifizierungen der Komplexität von Realität angewiesen ist, um sie fassbar zu machen und andererseits niemals rational im absoluten Sinne entscheidet. Entscheidungen werden zumeist nicht als eine nüchterne Auswahl zwischen Alternativen, sondern als impulsive Stimulus-Reaktion-Folgen getroffen. Der Mensch ist schwerlich in der Lage getreu dem neoklassizistischen Modell des jede Gelegenheit opportunistisch ausnutzenden homo oeconomicus 26 die für ihn beste Wahl zu treffen, da es ihm nicht gelingt, bei seiner Entscheidung alle Werte-, Wissens und Verhaltensaspekte objektiv zu berücksichtigen, die für diese relevant wären. Das hat zur Folge, dass er lediglich Entscheidungen mit einem für ihn guten Ergebnis (satisficing) trifft. Dies führt zu der Umschreibung einer beschränkten Rationalität (bounded rationality), die sich letztlich auch auf die Organisation auswirkt. 27 Ein Ergebnis ist die Berücksichtigung lediglich subjektiv relevanter
22 Vgl. Gabler 1997 Bd. 3, S. 2893 f.
23 Vgl. Walter-Busch 1996, S. 6.
24 Vgl. Büschges 1976.
25 Vgl. Bosetzky 1988, S. 27 f.
26 Vgl. Neuberger 1998b, S. 196 ff.; Küpper/Felsch 2000, S. 297 ff.
27 Vgl. Neuberger 1995, S. 177 f.
Arbeit zitieren:
Philipp Kardinahl, 2008, Mikropolitische Ansätze des Personalmanagements, München, GRIN Verlag GmbH
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