Evolution är-systemische Ansätze in der Organisationstheorie
I. Inhaltsverzeichnis
II. Abbildungsverzeichnis
III. Abkürzungsverzeichnis
Seite I
1. Problemstellung und Zielsetzung 1
2. Die Evolutionstheorie im Kontext der Organisation 2
2.1 Definition des Organisationsbegriffs 2
2.2 Definition der synthetischen Evolutionstheorie 3
2.3 Der systemische Denk- und Handlungsansatz 4
2.3.1 Systemisches Denken 5
2.3.2 Systemische Führung 6
3. Der theoretische Hintergrund der organisationalen Evolution 7
3.1 Der evolutionstheoretische Ansatz 8
3.1.1 Der St. Galler Ansatz 8
3.1.2 Der Münchner Ansatz 9
3.2 Der Population-Ecology-Ansatz (PEA) 10
3.2.1 Der Ansatz von Hannan/ Freeman 11
3.2.1.1 Variation in einer Population von Organisationen 13
3.2.1.2 Selektion in einer Population von Organisationen 14
3.2.1.3 Erhaltung und Bewahrung in einer Population 15
3.2.2 Der Ansatz von Aldrich/ McKelvey 15
3.2.2.1 Variation in einer Population von Comps 16
3.2.2.2 Selektion in einer Population von Comps 16
2.2.2.3 Retention in einer Population von Comps 17
3.3 Der systemisch-evolutionäre Denkansatz 18
4. Kritische Würdigung 20
4.1 Die Übertragbarkeitsproblematik 20
4.2 Grenzen evolutionär-systemischer Ansätze 21
4.3 Möglichkeiten evolutionär-systemischer Ansätze 22
5. Fazit 23
IV. Literaturverzeichnis
II. Abbildungsverzeichnis
Abb. 2:
Abb. 3: Varianten der Evolutionstheorie Seite 7
Abb. 4: Evolutionäre Prozesse und deren Analyseebenen Seite 13
Abb. 5: Die sieben dominierenden Denkmuster Seite 18
Abb. 6: Das Eisbergmodell Seite 21
III. Abkürzungsverzeichnis
Abb.
Bd. Band
bzw. beziehungsweise
d.h. das heißt
Dr. Doktor
f. folgende
ff. fortfolgende
No. Number
PEA Population-Ecology-Ansatz
Prof. Professor
S. Seite
St. Sankt
usw. und so weiter
vgl. vergleiche
Vol. Volume
v. Chr. Vor Christus
z.B. zum Beispiel
1. Problemstellung und Zielsetzung
Die Ansicht von Peachum lässt sich auf eine immer noch existierende Unternehmensphilosophie beziehen, die auch in heutigen Zeiten wenig an Relevanz zu verlieren scheint: der Voraussehbarkeit, Planbarkeit und Machbarkeit von Problemlösungen.
Erfolgsgeschichten von Organisationen, wie die Fließbandarbeit bei Ford und die Lean Production der Toyota-Chefs Ohno und Shingo, basieren auf einem rationalen Reorganisationsprozess. Die Manager gingen nach einem genauen Plan, einer genauen Strategie vor. Aber diese Möglichkeit ist nicht immer gegeben. Häufig verlangt die Komplexität und Dynamik der Umwelt nach einer innovativen Lösung und nach keiner weiteren Detaillierung des bestehenden Systems. Das in Rationalität festgefahrene Management ist oftmals nicht fähig, Innovationen zu erzeugen. Daher erscheint es notwendig, sich mit der Organisation von Organisationen zu befassen. Ausgelöst durch den Wettbewerb um limitierte Ressourcen und ausgerichtet an Kosten- und Effizienzzielen - vor allem im kommerziellen Bereich - finden innerhalb der Organisation von Betrieben Änderungsprozesse statt. In diesem dynamischen Umfeld sind einige Institutionen erfolgreich und andere nicht. Ausschlaggebend für diese Differenz könnte die Verschiedenheit der Organisationsstruktur und -kultur sein. Struktur und Kultur vieler Unternehmen haben sich historisch in ihrer Umwelt entwickelt, die als überwiegend stabil und überschaubar angesehen werden konnte. Weltweite Umbrüche und Turbulenzen werfen die Frage nach notwendigen betriebswirtschaftlichen Untersuchungen auf, sich mit neuen Managementformen auseinanderzusetzen.
Somit wird es für Unternehmen immer notwendiger bereits frühzeitig und schnell antizipierend neue Überlegungen anzustellen, um langfristig auf Veränderungen reagieren zu können.
1 Jonathan Jeremiah Peachum, Besitzer der Firma „Bettlers Freund“, in der zweiten Strophe des Liedes
„Von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“ im zweiten Akt Bertolt Brechts Dreigroschenoper
Das wesentliche Ziel dieser Studienarbeit ist es, das theoretische Konzept der evolutionär-systemischen Ansätze zu verdeutlichen, das Darwinistische Gedankengut in die Unternehmensorganisation zu übertragen und verständlich in die Organisationstheorie einzuordnen.
Gang der Arbeit
Um die erwähnte Problemstellung zu diskutieren, werden zunächst alle relevanten Begriffe und der theoretische Rahmen der Arbeit festgelegt. Außerdem wird die Evolution in den organisationalen und betriebswirtschaftlichen Zusammenhang eingebunden. Im anschließenden Teil werden allgemeine Strategien und Methoden von evolutionär-systemischen Ansätzen vorgestellt. Aufbauend darauf werden nachfolgend Grenzen dieser Ansätze aufgezeigt und daraus abgeleitet Möglichkeiten erläutert. Abschließend wird ein Ausblick auf zukünftige Anwendungen der evolutionärsystemischen Ansätze in der Organisationstheorie gegeben.
2. Die Evolutionstheorie im Kontext der Organisation
2.1 Definition des Organisationsbegriffs
„Etymologisch betrachtet, bedeutet „Organisation“ das planmäßige Gestalten eines organischen Ganzen mit einer gefügehaften Ordnung.“ 2
Der Begriff „Organisation“ hat seinen Ursprung im griechischen Wort „oragon“, was sich mit „Werkzeug“, „Instrument“ übersetzen lässt. 3 Sowohl im allgemeinen Sprachgebrauch als auch in der Wissenschaft wird der Begriff sehr vielfältig verwendet, wobei je nach Betrachtungsweise unterschiedliche Aspekte betont werden. Hieraus sollen zwei inhaltliche Schwerpunkte des Organisationsbegriffs unterschieden werden, der instrumentelle sowie der institutionelle Organisationsbegriff. Ersterer richtet sich auf die Frage, welche Art der Organisation einer Unternehmung gegeben ist. Die Unternehmung hat eine Organisation. 4 Nach Gutenberg handelt es sich um einen dispositiven Faktor. 5 Die Organisation wird vom Management geplant und ist danach Instrument, sie wird nicht selbst zum Problem. Während die Planung den Entwurf einer Ordnung darstellt, soll die Organisation diese Ordnung, mittels fallweiser und genereller Regelungen, realisieren.
2 Weidner, Walter: Organisation in der Unternehmung, Aufbau- und Ablauforganisation, Methoden und
Techniken praktischer Organisationsarbeit (1992), S. 19
3 Vgl. Klimmer: Unternehmensorganisation S. 3
4 Vgl. Bea/ Dichtl/ Schweizer: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Band 2: Führung, S. 127
5 Vgl. Görlich: Skript - Organisation S. 2
Nach Kosiol wird Organisieren als spezielle Strukturtechnik verstanden, mit Hilfe derer das Erreichen der Unternehmensziele ermöglicht werden soll. Dies geschieht durch Schaffung genereller Regelungen mit Dauercharakter, deren Summe das Organisationssystem bildet. 6
Der institutionelle Organisationsbegriff richtet sich auf das ganze System und erweitert somit den Begriff der Organisation. Die Unternehmung ist eine Organisation. 7 Sie wird als spezifischer Organisationstyp verstanden, der sich von anderen sozialen Systemen durch Entstehung, Ziel- und Zweckorientierung, geregelte Arbeitsteilung sowie beständige Grenzen unterscheidet. 8
Wichtigstes Merkmal der Organisation nach dieser Definition ist die Aufgabe der realitätsgerechten Annahmen über das Individual- und Gruppenverhalten. Dies gibt den Blick frei für die geplanten aber auch emergenten Prozesse und Strukturen in sozialen Systemen.
2.2 Definition der synthetischen Evolutionstheorie
Die Synthetische Evolutionstheorie, auch „Neodarwinismus“ genannt, ist eine Erweiterung der Evolutionstheorie von Charles Darwin durch die Erkenntnisse der Zellforschung, Genetik und Populationsbiologie.
„Evolution“ leitet sich aus dem lateinischen Wort „evolvere“ (= heraus-, hinaus-, hervorwälzen/ rollen) ab und beschreibt die Veränderung der vererbbaren Merkmale einer Population von Lebewesen von Generation zu Generation. 9 „Individuen einer Population haben Anteil an einem gemeinsamen Genpool. Dieser umfasst alle Eigenschaften, mit denen die Individuen in ihrer Auseinandersetzung mit der Umwelt bestimmte Problemlösungen finden oder konstruieren.“ 10 Somit ist Evolution „ein langfristiger Prozess, bei dem durch Veränderungen vorhandener Strukturen neue Einheiten entstehen, die in Konkurrenz zueinander treten und die anhand ihres Anpassungsgrades an die Umwelt für das weitere Überleben ausgewählt werden.“ 11
6 Vgl. Kosiol: Organisation der Unternehmung, S. 20
7 Vgl. Bea/ Dichtl/ Schweizer: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Band 2: Führung, S. 127
8 Vgl. Görlich: Skript - Organisation S. 2
9 Vgl. Pautzke: Die Evolution der organisatorischen Wissensbasis, S. 17
10 Kieser, Alfred: Entstehung und Wandel von Organisationen. Ein evolutionstheoretisches Konzept; in
Bauer, Leonard/ Matis, Herbert: Beiträge zur Verhaltensforschung - Heft 27: Evolution - Organisation -
Management; Zur Entwicklung und Selbststeuerung komplexer Systeme (1989), S. 164
11 Sabathil, Kurt: Evolutionäre Strategien der Unternehmensführung (1993), S. 6-7
Kern dieser Evolution nach Darwin ist ein dreiphasiger Mechanismus:
Abb.1: Der dreiphasige Mechanismus nach Darwin
1. Variation: Variationen sind zufällige, sprunghafte Veränderungen der Gene.
„Diese entstehen bei der biologischen Fortpflanzung zum einen durch zufällige Veränderungen des Erbguts“ sowie „durch eine jeweils neue Kombination von Merkmalen beider Elternteile.“ 12
2. Selektion: Nur ein geringer Teil der entstandenen Variationen sind besser an ihre Umwelt angepasst und somit überlebensfähiger als vorangegangene Generationen. 13 Somit ist die Selektion die natürliche Auslese durch die Umwelt. Viele Individuen einer Generation sterben, bevor sie sich fortpflanzen können, oder bekommen sehr wenige Nachkommen. Dadurch werden vorteilhafte Phänotypen ausgewählt.
3. Retention: Die Retention ist die Bewahrung von positiv selektierten Variationen. Die Informationselemente dieser werden wieder Teil des Genpools der jeweiligen Art. So kommt es im Laufe dieses Prozesses zu einer immer besseren Anpassung an die Umwelt. 14
2.3 Der systemische Denk- und Handlungsansatz
Der Begriff „System“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „zusammen + stehen“ und meint ein Ganzes, das im Zusammenwirken von Teilen existiert: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“. 15 „Systeme werden nicht mehr in ihre Bestandteile zerlegt, um dann auf das Ganze zu schließen, sondern es wird angenommen, dass das System als Ganzes andere Eigenschaften aufweist, Eigenschaften, die nicht mehr aus den Teilen ableitbar sind. Dieser Sachverhalt wird als Emergenz bezeichnet und stellt ein zentrales Phänomen
12
Pautzke, Gunnar: Die Evolution der organisatorischen Wissensbasis, (1989), S. 18
13 Vgl. Pautzke: Die Evolution der organisatorischen Wissensbasis, S. 18
14 Vgl. Pautzke: Die Evolution der organisatorischen Wissensbasis, S. 19; in Anlehnung an Campbell,
D.T.: Variation and Selective Retention in Socio-Cultural Evolution, S. 73
15 Aristoteles, griechischer Philosoph und Naturforscher, 384 v. Chr. - 322 v. Chr.
Arbeit zitieren:
Burkhard Friedrichsen, 2008, Evolutionär-systemische Ansätze in der Organisationstheorie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Strategie und Struktur aus evolutionstheoretischer Sicht
BWL - Personal und Organisation
Seminararbeit, 21 Seiten
Systemische Führung - Management zwischen Selbst- und Fremdorganisatio...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Masterarbeit, 56 Seiten
Begrenzte Rationalität und schnelle, einfache Heuristiken
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Das 4CID-Modell am Beispiel 'BildungswissenschaftlerIn im Bereich ...
Hausarbeit, 21 Seiten
Wie trifft man eine „gute“ Entscheidung?
Erklärungen aus der Sicht vers...
Psychologie - Allgemeine Psychologie
Seminararbeit, 23 Seiten
Informationsmanagement bei Amazon
Informationswissenschaften, Informationsmanagement
Seminararbeit, 14 Seiten
Elektronische Patientenakte - 'gläserner Patient' oder der Weg...
Informatik - Wirtschaftsinformatik
Studienarbeit, 33 Seiten
Der Einfluß des Taylorismus auf moderne Rationalisierungsmethoden
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Seminararbeit, 18 Seiten
Strategisches Management komplexer Systeme: Ideen, Methoden und Grenze...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 43 Seiten
Ansätze zur Erklärung des Unterganges von Organisationen
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 37 Seiten
Vom Taylorismus zu einer humaneren Arbeitswelt
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit, 17 Seiten
Steuerliche Auswirkungen der entgeltlichen Übertragung von Unternehmen
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Seminararbeit, 24 Seiten
Auswirkungen des Leitmediums Fernsehen auf Individuum und Gesellschaft
Eine kritische Bestandsaufnahm...
Bachelorarbeit, 47 Seiten
Reflektierende Dokumentation zum Entwurf von Lernmaterialien für Schul...
Grafische Umsetzung von Schulu...
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Praktikumsbericht / -arbeit, 38 Seiten
Das strategische Netzwerk - Möglichkeit einer internationalen Kooperat...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 27 Seiten
Burkhard Friedrichsen's Text Evolutionär-systemische Ansätze in der Organisationstheorie ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Burkhard Friedrichsen hat den Text Evolutionär-systemische Ansätze in der Organisationstheorie veröffentlicht
Burkhard Friedrichsen hat einen neuen Text hochgeladen
Europäische Ansätze zu Credit-Systemen in der Berufsbildung
Systeme für die Anrechnung, Üb...
. Cedefop - Europäisches Zentrum für die Förderung der Berufsbildung, European Commission
Diccionario de Ecologia, Evolucion y Taxonomia = A Dictionary of Ecolo...
R. J. Lincoln, G. A. Boxshall, P. F. Clark
0 Kommentare