Aufgrund der großen Bedeutung des Okzitanischen als Literatursprache entstanden im Mittelalter Grammatiken, in denen versucht wurde, die Sprache zu beschreiben und Regeln für ihren Gebrauch aufzustellen.
Meine Arbeit gibt eine inhaltliche Zusammenfassung der beiden ältesten, "Las rasos de trobar" und "lo Donatz proensals" und vergleicht sie miteinander. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Untersuchung des Verhältnisses der okzitanischen Texte zur spätlateinischen Grammatiktradition.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Las Razos de trobar
2.1 Autor, Datierung und Entstehung
2.2 Inhaltsangabe
2.3 Textanalyse
3 Lo Donatz Proensals
3.1 Autor, Datierung und Entstehung
3.2 Inhaltsangabe
3.3 Textanalyse
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die frühesten okzitanischen Grammatiken, namentlich Las Razos de trobar von Raimon Vidal und den Lo Donatz Proensals von Uc Faidit, hinsichtlich ihrer Entstehung, Struktur und inhaltlichen Ausrichtung unter dem Einfluss der lateinischen Grammatiktradition.
- Analyse der Entstehungskontexte und Autorenschaft der beiden Werke.
- Untersuchung der Struktur und der grammatikalischen Kategorisierung.
- Vergleich des Einflusses der lateinischen Grammatiktradition (Donatus/Priscian).
- Bewertung der Intention der Autoren hinsichtlich der Normierung der okzitanischen Sprache.
- Reflexion über den Stellenwert der Werke für die okzitanische Sprachgeschichte.
Auszug aus dem Buch
2.1 Autor, Datierung und Entstehung
Der Autor der Razos de trobar nennt seinen Namen gleich im ersten Satz seines Werks: ieu Raimonz Vidals. In späteren Werken anderer Autoren, die sich auf seinen Text beziehen, wird er „Raimon Vidal de Besuldu / Bezaudu“ genannt. Dieser Ort heißt heute Besalú und liegt im Norden von Katalonien und auch der Autor lässt sich, da sein vollständiger Name bekannt ist, leicht identifizieren: Er ist mit dem Verfasser dreier Verserzählungen in okzitanischer Sprache identisch (weitere Texte werden ihm zugeschrieben). Diese Erzählungen lassen sich nur ungefähr datieren. Man orientiert sich dabei an Erwähnungen von historischen Personen; die zahlreichen Zitate aus Troubadourtexten, die in Vidals Werken enthalten sind, sind für die Datierung nicht hilfreich, da der Zeitpunkt ihrer eigenen Entstehung nur selten bekannt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext der okzitanischen Sprache und die Entstehung der ersten Grammatiken als Reaktion auf das Bedürfnis nach Standards für die Troubadourlyrik.
2 Las Razos de trobar: Dieses Kapitel widmet sich der Identifikation des Autors Raimon Vidal, der Datierung seines Werkes sowie einer detaillierten Inhaltsangabe und Analyse seiner methodischen Ansätze.
3 Lo Donatz Proensals: Hier werden der Autor Uc Faidit, die Entstehung des Werkes im italienischen Kontext sowie die strikt systematische Inhaltsstruktur und der lateinische Einfluss analysiert.
4 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel vergleicht beide Grammatiken und bewertet deren innovativen Charakter sowie deren Bedeutung für das mittelalterliche Sprachverständnis.
Schlüsselwörter
Okzitanisch, Las Razos de trobar, Lo Donatz Proensals, Raimon Vidal, Uc Faidit, Grammatikgeschichte, Troubadourlyrik, Lateinische Grammatiktradition, Sprachnormierung, Mittelalter, Provenzalisch, Formenlehre, Wortarten, Literaturwissenschaft, Romanistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den zwei ältesten Grammatiken der okzitanischen Sprache, deren Entstehung, Inhalt und methodischer Ausrichtung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Werke Las Razos de trobar und Lo Donatz Proensals sowie deren Einbettung in die lateinische Grammatiktradition.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird untersucht, wie die Autoren dieser frühen Grammatiken die volkssprachliche Dichtung und Grammatik theoretisch fassten und wie stark sie dabei von klassischen lateinischen Vorbildern abwichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine textanalytische Methode, indem sie die Primärquellen in Bezug auf ihre Struktur, ihre grammatischen Erläuterungen und ihre theoretische Begründung untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Raimon Vidals Werk einerseits und Uc Faidits Werk andererseits, wobei jeweils Fragen zu Autor, Datierung, Inhalt und systematischer Analyse geklärt werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Okzitanisch, Grammatiktradition, Troubadourlyrik, Sprachnormierung, lateinische Modelle und mittelalterliches Sprachverständnis.
Warum spielt die lateinische Grammatik eine so große Rolle für die Verfasser?
Das Lateinische diente als unumstrittener Maßstab für Wissenschaftlichkeit. Die Verfasser versuchten, ihre Volkssprache in dieses bekannte Modell zu pressen, um sie als "würdig" und "systematisch" darzustellen.
Welchen Unterschied in der Zielsetzung der beiden Grammatiken lässt sich feststellen?
Während der Donatz Proensals eher eine systematische Grammatik nach antikem Vorbild anstrebt, wirken die Razos de trobar innovativer, da sie auch gesellschaftliche und ästhetische Aspekte der Dichtkunst einbeziehen.
Inwiefern beeinflusste die Autorschaft die Datierung der Werke?
Die Identifikation der Autoren (Raimon Vidal bzw. Uc de St. Circ) über historische Urkunden und biografische Querverweise ermöglichte erst eine präzisere zeitliche Einordnung der Werke ins 13. Jahrhundert.
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- Berit Brüning (Author), 2008, Frühe romanische Grammatiken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119467