Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. I
Abbildungsverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis IV
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung. 1
1.2 Abgrenzung 1
1.3 Zielsetzung 2
1.4 Vorgehensweise 2
2 Grundbegriffe der Kommunikationswissenschaften 3
2.1 Kommunikation. 3
2.1.1 Definition des Kommunikationsbegriffs 3
2.1.2 Merkmale der Kommunikation 4
2.1.3 Kommunikationsprozessmodell 6
2.2 Massenkommunikation 7
2.2.1 Begriff der Massenkommunikation. 7
2.2.2 Massenkommunikationsprozessmodell. 9
2.3 Wirkungen der Kommunikation. 10
3 Presse. 11
3.1 Pressewirtschaft. 11
3.2 Zeitung als Medium der Massenkommunikation. 12
3.2.1 Merkmale der Zeitung. 13
3.2.2 Nachricht 14
4 Theoretische Konzepte der Nachrichtenauswahl 15
4.1 Nachrichtenwert-Theorie 15
4.1.1 Entstehung und historische Entwicklung 16
4.1.2 Probleme. 22
4.2 Veränderungen in der Berichterstattung 23
5 Inhaltsanalyse 25
5.1 Definition der Methode 25
5.2 Verwendungsmöglichkeiten. 27
5.3 Bedingungen. 28
5.4 Forschungsfrage und Hypothese 28
5.5 Auswahl des Untersuchungsmaterials. 29
5.6 Kategoriensystem 30
I
Inhaltsverzeichnis
5.7 Test- und Auswertungsphase 32
5.8 Vorteile und Nachteile der Inhaltsanalyse 32
6 Eigene Untersuchung 34
6.1 Festlegung der Hypothesen 34
6.2 Untersuchungsmethode 35
6.2.1 Untersuchungsmaterial und Untersuchungszeitraum. 35
6.2.2 Auswahl-, Analyse- und Messeinheiten. 37
6.2.3 Kategorien 37
6.3 Hintergründe der Ereignisse. 41
6.4 Durchführung und Ergebnisse. 42
6.4.1 Ereignisse und ihre Nachrichtenwerte. 43
6.4.2 Formale Merkmale der Ereignisse 45
6.4.3 Verdichtung der Ergebnisse 46
6.4.4 Überprüfung der Hypothesen 49
7 Fazit 50
Literaturverzeichnis. V
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Kommunikationsprozess
Abb. 2 Elemente des Kommunikationsprozesses und deren Forschungsbereiche.
Abb. 3 Eigenschaften der Massenkommunikation.
Abb. 4 Medienklassifikation nach Pross
Abb. 5 Nachrichtenwerte nach Lippmann.
Abb. 6 Modell des Nachrichtenvermittlungsprozesses nach Galtung und Ruge
Abb. 7 Nachrichtenfaktoren nach Galtung und Ruge
Abb. 8 Faktordimensionen nach Schulz.
Abb. 9 Kurzdefinitionen der höchsten und niedrigsten Intensitätsstufe
Abb. 10 Überblick der Ereignisse
Abb. 11 Ereignisse und ihre Nachrichtenwerte.
Abb. 12 Artikelumfänge (in Quadratzentimetern und in Prozenten)
Abb. 13 Werte des Beachtungsgrads.
Abb. 14 Gegenüberstellung der Nachrichtenwerte und der Artikelumfänge.
Abb. 15 Gegenüberstellung der Nachrichtenwerte und der Beachtungsgradswerte
III
Abkürzungsverzeichnis
bzw. d.h. das heisst dpa Deutsche Presse-Agentur NZZ
resp. S. Seite vgl.
z.B. IV
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Gemäss einem ehemaligen dpa-Redakteur (Deutsche Presse-Agentur) erfährt der Zeitungsleser von über 99 Prozent aller Geschehnisse auf der Erde nichts, weil sie einfach nicht zur Kenntnis der Presse gelangen. Weiter bemerkt er, dass über 99 Prozent aller Nachrichten, die schliesslich doch der Presse bekannt werden, nie vor die Augen des Lesers gelangen. Diese Nachrichten werden aussortiert und landen im Papierkorb, weil sie unbedeutend, unvollständig, polemisch oder unsittlich sind. 1 Deshalb kann die massenmediale Berichterstattung niemals ein Abbild der Wirklichkeit liefern und ist weder umfassend noch vollständig. 2 Nachrichten sind demzufolge das Ergebnis von Selektionsentscheidungen und widerspiegeln keineswegs die Realität, sondern nur einen kleinen Ausschnitt davon. 3 In diesem Zusammenhang stellt sich daher die folgende Frage.
Welche Kriterien müssen Ereignisse erfüllen, damit sie zu Nachrichten werden? 4
Eine mögliche Antwort auf diese Frage liefert die Nachrichtenwert-Theorie, die als Konzept zur Erklärung der Nachrichtenauswahl der Massenmedien bezeichnet werden kann. 5 Aus dieser Problemstellung ergibt sich nun die nachstehende Forschungsfrage, die es zu lösen gilt. Haben Nachrichtenfaktoren der Nachrichtenwert-Theorie einen Einfluss auf die Medienberichterstattung der Gegenwart?
1.2 Abgrenzung
Damit sich die Arbeit nicht in Details verliert, werden die folgenden Abgrenzungen vorgenommen.
Es wird ausschliesslich das Konzept der Nachrichtenwert-Theorie betrachtet. Daher werden alle anderen Theorien, die auch Selektionsentscheidungen von Journalisten untersuchen, weggelassen. Weiter wird nur die Inhaltsanalyse als Erhebungstechnik definiert und verwendet. Alle anderen Methoden werden erwähnt, aber nicht weiter ausgeführt. Diese Abgrenzungen erfolgen, weil die eigene Untersuchung schliesslich die Nachrichtenwert-Theorie mit Hilfe der Inhaltsanalyse überprüft.
Die eigene Forschung wird, wegen der begrenzten Forschungskapazitäten, nicht in Form einer Totalanalyse erfolgen. Weiter kann auch eine breit gefächerte Medienstichprobe, die im Idealfall mehrere überregionale Tageszeitungen berücksichtigt hätte, nicht durchgeführt werden. Dennoch sollte sich aber die Untersuchung auf einen möglichst aussagekräftigen Ausschnitt der Medienrealität der Schweiz beziehen. 6 Als Untersuchungsmaterial wurden daher drei
1 Schulz 1990, S. 7
2 Burkart 1998, S. 271
3 Staab 1990a, S. 41
4 Staab 1990a, S. 41
5 Staab 1990b, S. 161
6 Huhnke 1996, S. 93
1
Schweizer Printmedien ausgewählt, nämlich die Neue Zürcher Zeitung, das St. Galler Tagblatt und der Blick. Diese drei Zeitungen stellen zusammen die wichtigsten Ostschweizer Tageszeitungen dar. Weil ausschliesslich die Medienberichterstattung der Gegenwart überprüft werden soll, beschränkt sich der Untersuchungszeitraum der Forschung auf die gegenwärtige Berichterstattung dieser drei Zeitungen. Weiter ist es unmöglich, alle Ausgaben der drei Zeitungen innerhalb des Untersuchungszeitraums zu untersuchen und auszuwerten. Deshalb werden fünf Stichtage als Stichprobe gewählt. Zusätzlich werden nicht alle Artikel dieser fünf Stichtage analysiert, sondern nur zwei verschiedene Ereignisse pro Stichtag, damit gesamthaft zehn Ereignisse in jeder Zeitung zu untersuchen sind.
1.3 Zielsetzung
Es ist das Ziel dieser Arbeit, auf die in Kapitel 1.1 aufgeworfene Forschungsfrage eine Ant-wort zu finden. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, wird die Theorie mit der Praxis verglichen. Mögliche Übereinstimmungen oder Abweichungen zwischen der Theorie und der erfolgten massenmedialen Berichterstattung werden aufgezeigt und diskutiert. Weiter wird die aufgestellte Forschungsfrage und deren Hypothesen überprüft. Schliesslich werden aus den gefundenen Erkenntnissen, Schlüsse in Bezug auf die Nachrichtenwert-Theorie und deren Relevanz für die Medienberichterstattung der Gegenwart gezogen.
1.4 Vorgehensweise
Um einen allgemeinen Überblick der Thematik zu erhalten, werden die Grundbegriffe der Kommunikationswissenschaften und der Presse erläutert. Weiter werden im Speziellen ein theoretisches Konzept der Nachrichtenauswahl der Massenmedien und die Inhaltsanalyse, als Durchführungsmethode, umfassend betrachtet und erklärt. Dieser theoretische Teil erfolgt anhand der themenspezifischen Kernliteratur und ermöglicht es, die eigene Untersuchung durchzuführen und nachzuvollziehen.
Die aus dem Theorieteil gewonnenen Erkenntnisse werden dann im letzten Kapitel angewendet. Dabei wird die Nachrichtenwert-Theorie mit Hilfe der Inhaltsanalyse in den zuvor gewählten drei Zeitungen überprüft. Damit dies ermöglicht wird, werden alle Ereignisse bewertet und mit der Theorie verglichen.
Damit sich die Arbeit nicht in unwesentlichen Details verliert, wird zu deren Vereinfachung ausschliesslich die männliche Form verwendet. Dadurch sollen sich die weiblichen Leserinnen aber keineswegs ausgeschlossen fühlen.
2
2 Grundbegriffe der Kommunikationswissenschaften
Absicht des folgenden Kapitels ist es, eine grundsätzliche Definition des Kommunikationsbegriffs zu geben. Ebenfalls werden die Merkmale der Kommunikation und das Kommunikationsprozessmodell vorgestellt. Im Weiteren wird der Begriff der Massenkommunikation erklärt, dessen Modell dargelegt und schliesslich zur Vollständigkeit die Wirkungen der Kommunikation erläutert.
2.1 Kommunikation
2.1.1 Definition des Kommunikationsbegriffs
Dass der Begriff Kommunikation mehrdeutig ist, zeigte Merten im Jahre 1977 in seiner begriffskritischen Untersuchung, indem er auf 160 verschiedene Begriffsbestimmungen und de-finitorische Ansätze kam. Seine Analyse präsentiert unzählige Definitionen des Begriffs und demonstriert damit, dass die Kommunikation als hochkomplexes Phänomen zu verstehen ist, dem eine prägnante und einfache Definition nicht gerecht wird. 7 Bislang liegt keine empirisch fundierte Gesamttheorie für die Kommunikation vor. Es gibt lediglich eine Vielzahl von Konzepten, Einzeltheorien und Ansätzen, die von unterschiedlichen Annahmen ausgehen und nur Teilbereiche erfassen. 8 Aus diesem Grund ist es unmöglich, eine abschliessende Begriffsdefinition der Kommunikation zu liefern. Deshalb wird nachfolgend auf zwei verschiedene Bedeutungsgehalte eingegangen, die aber nicht als endgültig betrachtet werden können. Der Begriff Kommunikation steht gemäss Maletzke für die Tatsache, dass Lebewesen unter-einander in Beziehung stehen und sich verständigen können. Diese Lebewesen sind imstande, ihre inneren Vorgänge und Zustände auszudrücken. Ausserdem können sie ihren Mitgeschöpfen Sachverhalte mitteilen oder andere zu einem bestimmten Verhalten auffordern. Die Kommunikation kann deshalb als die Bedeutungsvermittlung zwischen Lebewesen bezeichnet werden. 9
Schulz versteht unter Kommunikation einen Prozess, der auf bestimmten Gemeinsamkeiten zwischen Subjekten beruht. 10 Das Wort Kommunikation ist vom lateinischen Wort communis abgeleitet und bedeutet „gemeinsam“. 11 Der Ausdruck communicatio steht für „Mitteilung“ oder „Unterredung“ und das Verb communicare bedeutet „etwas gemeinsam tun“ oder „etwas teilen“. 12 Gemeinsam haben Kommunizierende folgende vier Eigenschaften. 13
N Eine materielle oder energetische Verbindung zur Übertragung von Signalen. N Eine durch Erwartungen gekennzeichnete Beziehung, aus der Information entsteht. N Bestimmte übereinstimmende Kognitionen, z.B. Wissen, Erfahrungen oder Bewertungen, aus denen sie sich Erwartungen ableiten und die den Signalen Bedeutung verleihen.
7 Merten 1999, S. 77-79
8 Maletzke 1988, S. 2
9 Maletzke 1998, S. 37
10 Schulz 1999, S. 140
11 Maletzke 1998, S. 39
12 Rusch 2002, S. 102
13 Schulz 1999, S. 140
3
N Bestimmte Absichten oder Folgen in Bezug auf ihren Zustand oder ihr Verhalten. Die Kommunikation ist ein Prozess, wobei diese vier Gemeinsamkeiten die Voraussetzungen sind, denn ohne diese Bedingungen würde keine Kommunikation zustande kommen. 14 Je nach Kontext und Bedarf gibt es eine weitgefasste und eine engere Bedeutung des Begriffs Kommunikation. Im weiteren Sinne sind alle Prozesse der Informationsübertragung gemeint und der Begriff wird deshalb in vielen verschiedenen Bereichen der Wissenschaften angewendet. Demgemäss kann der Kommunikationsbegriff für Prozesse unter Tieren, innerhalb lebender Organismen, innerhalb oder zwischen technischen Systemen und für Prozesse zwischen Menschen und technischen Apparaten gebraucht werden. 15 Unter der Kommunikation im engeren Sinne werden lediglich der Verständigungsvorgang sowie die Bedeutungsvermittlung zwischen Lebewesen verstanden. 16 Schliesslich bezieht sich die Kommunikation zwischen Menschen auf deren Gemeinsamkeiten und auf einen sozialen Prozess. 17 In Anbetracht der Schwierigkeiten, die sich bei der Begriffsbestimmung von Kommunikation ergeben, meint Merten schliesslich, dass es ratsam wäre, auf eine Definition zu verzichten. Es wäre nur folgerichtig und wissenschaftlich korrekt, den Begriff Kommunikation als theoretischen Begriff zu beerdigen und für das, was Kommunikation explizit ist, einen neuen Begriff einzuführen. 18
2.1.2 Merkmale der Kommunikation
Kommunikation kann auf verschiedene Arten vor sich gehen. Sie kann direkt oder indirekt, wechselseitig oder einseitig, privat oder öffentlich, sowie in Anwesenheit oder in Abwesenheit der Kommunikationspartner verlaufen. 19 Folgend wird, in Abgrenzung zur Massenkommunikation (technisch vermittelte Kommunikation), schwerpunktmässig auf die Face-to-Face-Kommunikation (interpersonale Kommunikation) und deren Merkmale eingegangen. 20 Schliesslich sind einige der nachstehenden Erläuterungen auch für die Massenkommunikation gültig und werden explizit erwähnt.
Die Kommunikation besteht in der rationalisierten Ausführung aus vier Elementen: einem Sender (Kommunikator), einem Kommunikationsinhalt (Botschaft), einer Verbindung (Medium) über die der Inhalt vermittelt wird und einem Empfänger (Rezipient). 21 Gemäss Shannon und Weaver verläuft der Kommunikationsprozess so, dass der Sender eine Botschaft verschlüsselt (encodiert), sprachlich an den Kommunikationspartner übermittelt und der Empfänger die erhaltene Botschaft erfasst und entschlüsselt (decodiert). 22 Grundvoraussetzung für eine funktionierende Kommunikation ist, dass sowohl Sender als auch Empfänger den gleichen Code (Sprache) besitzen bzw. die gleichen Kommunikationsmittel (Zeichensys- 14 Schulz1999, S. 140
15 Schulz 1999, S. 140
16 Pürer 2003, S. 59/Maletzke 1998, S. 37
17 Schulz 1999, S. 140
18 Maletzke 1998, S. 42
19 Pürer 2003, S. 72
20 Schulz 1999, S. 141
21 Pürer 2003, S. 60
22 Burkart/Hömberg 1992, S. 1/Pürer 2003, S. 60
4
teme) verwenden. 23 Die Kommunikation kann nicht nur verbal (sprachlich), sondern auch nonverbal (nicht-sprachlich) erfolgen. Das sprachliche Kommunizieren erfolgt mit Hilfe der Sprache, deren Symbole und Zeichen und das nicht-sprachliche findet ihren Ausdruck in der Mimik, Gestik, Körperhaltung und dem Blickkontakt. 24
Die Botschaft kann aufgrund von Störquellen verzerrt und das Verständigungsziel verfehlt werden. 25 Bei der Face-to-Face-Kommunikation sind Störquellen vor allem inhaltliche Missverständnisse. 26 Shannon beobachtete im Jahre 1949 Störquellen von einer mathematischen Perspektive aus, indem er seine Analysen vorwiegend auf die technisch vermittelte Kommunikation beschränkte, beispielsweise in einem Telefongespräch. 27 Er versuchte den Übertragungsprozess von Zeichen möglichst störungsfrei zu gestalten. 28 Grundsätzlich bedeutet dies sowohl für die interpersonale als auch für die technisch vermittelte Kommunikation, dass eine Verständigung nur gelingt, wenn die zu vermittelnden Zeichen störungsfrei übertragen werden. In Gesprächen von zwei oder mehreren Personen läuft dieser Prozess meist wechselseitig ab. 29 Dem Empfänger ist es möglich, Feedbacks zu geben oder Rückfragen zu stellen, indem er selber zum Sender wird. 30 Die folgende Darstellung zeigt diesen Vorgang auf (vgl. Abb. 1).
Abb. 1 Kommunikationsprozess
Merten hat im Jahre 1977 in seiner Analyse des Kommunikationsprozesses folgende Merkmale der Face-to-Face-Kommunikation ausfindig gemacht. Wie erwähnt, ist die interpersonale Kommunikation wechselseitig, da Sender und Empfänger ständig ihre Rollen tauschen können. Eine weitere Eigenschaft ist die Intentionalität, weil der Sender seine Botschaft mit einer Absicht an den Empfänger richtet. Die gegenseitige Wahrnehmbarkeit der Kommunikationspartner wird durch das Merkmal der Anwesenheit bezeichnet und die Sprachlichkeit ermöglicht die Verständigung. Die Kommunikation muss nicht gezwungenermassen mit der Sprache erfolgen, sie ist aber das leistungsfähigste Instrument, das die Kommunikation grundlegend erleichtert. Unter dem Charakter der Wirkung sind sämtliche Verhaltensweisen und Erlebnisprozesse zu verstehen, die beim Kommunizieren ablaufen, erfahrbar und beobachtbar sind. Das letzte Merkmal der Face-to-Face-Kommunikation ist die Reflexivität. Diese Rück- 23 Merten1999, S. 56
24 Pürer 2003, S. 62
25 Schmidt/Zurstiege 2000, S. 63
26 Pürer 2003, S. 71
27 Schulz 1999, S. 145
28 Burkart/Hömberg 1992, S. 1
29 Merten 1999, S. 55
30 Maletzke 1988, S. 12
5
bezüglichkeit bezieht sich auf die Kommunikationspartner und bedeutet die Reflexion von Prozessen in der Kommunikation auf sich selbst. 31
2.1.3 Kommunikationsprozessmodell
Inzwischen gibt es unzählige Kommunikationsprozessmodelle, die immer wieder verändert, vereinfacht oder ausgeweitet werden. Im Folgenden wird ausschliesslich ein Modell dargelegt, da dieses heute noch einen wichtigen Stellenwert in den Kommunikationswissenschaften hat.
Lasswell formulierte im Jahre 1948 ein Modell, das wegen seiner Einfachheit auf die Entwicklung der Kommunikationswissenschaften einen bedeutenden Einfluss ausgeübt hat. 32 In einem Aufsatz beschreibt er, indem er sich mit der so genannten strukturell-funktionalen Analyse von Kommunikationsprozessen befasst, die Frage „Who says what in which channel to whom with what effect“. Diese Fragestellung wird die Lasswell-Formel genannt. In der Abfolge dieser fünf Fragen sieht er ein einfaches und bequemes Ordnungsprinzip zur Beschreibung des Prozesses. 33 Dieses Modell zeigt gleichzeitig anhand der Elemente des Kommunikationsprozesses die wichtigsten Forschungsfelder der Kommunikationswissenschaften auf. 34 Der folgenden Abbildung kann die Lasswell-Formel mit ihren Komponenten und den dazugehörigen Bereichen der Kommunikationsforschung entnommen werden (vgl. Abb. 2). 35
Abb. 2 Elemente des Kommunikationsprozesses und deren Forschungsbereiche
Der Vorteil der Lasswell-Formel besteht darin, dass sie einfach und verständlich ist und den Blick auf die zentralen Bestandteile des Kommunikationsprozesses richtet. 36 Als positiv kann auch genannt werden, dass das Modell anhand des Kommunikationsprozesses alle relevanten Forschungsgebiete der Kommunikationswissenschaften aufzeigt. 37
Jedoch sind auch Nachteile der Lasswell-Formel zu erkennen. Sie ist einseitig, weil sie nur vom Kommunikator ausgeht und die Kommunikation nur aus dem Aspekt der angestrebten
31 Pürer 2003, S. 60-61
32 Jarren/Bonfadelli 2001, S. 27
33 Schmidt/Zurstiege 2000, S. 58-59
34 Schulz 1999, S. 144
35 Jäckel 2002, S. 70
36 Jarren/Bonfadelli 2001, S. 27
37 Schulz 1999, S. 144
6
Wirkung auf den Rezipienten thematisiert. 38 Die tatsächlich dynamischen und interaktiv rückgekoppelten Kommunikationsprozesse werden einseitig und linear gesehen. 39 Weiter fehlen dem Modell auch sämtliche situationalen Elemente, weil die äusseren Bedingungen und Gegebenheiten vernachlässigt werden. 40 Für Schulz stellt die Lasswell-Formel sogar eine Einbahnstrasse des Kommunikationsprozesses dar. 41 Auch die Kommunikationswissenschaft kritisiert die Einfachheit dieser Formel, indem sie die Darstellung des Kommunikationsprozesses durch die Beschränkung auf fünf Elemente zu einfach findet, um kommunikative Prozesse vollständig erklären zu können. 42 Schliesslich sind aber auf dem Boden dieser Formel differenziertere und komplexere Modelle entstanden, die zum besseren Verständnis des Kommunikationsprozesses beigetragen haben. 43
2.2 Massenkommunikation
2.2.1 Begriff der Massenkommunikation
Wie bereits angeführt, kann die soziale Kommunikation in Face-to-Face-Kommunikation und technisch vermittelte Kommunikation unterteilt werden. 44 Die interpersonale Kommunikation wurde im vergangenen Abschnitt behandelt, deshalb widmet sich dieser Teil der technisch vermittelten Kommunikation. Bislang liegt aber auch für die Massenkommunikation keine empirisch fundierte Gesamttheorie vor. 45 Deshalb ist es wiederum unmöglich, eine abschliessende Begriffsdefinition der Massenkommunikation zu liefern. Der Begriff Massenkommunikation stellt die Übernahme des englischen Worts „mass communication“ ins Deutsche dar. 46 Der Wortbestandteil „Masse“ wird leicht missverstanden, weil es dem Wort einen negativen Wertakzent gibt. 47 Die Bezeichnung „Masse“ soll aber im Begriff Massenkommunikation keineswegs explizit massenpsychologische oder kulturkritische Assoziationen wecken. 48 Es soll lediglich darauf hingewiesen werden, dass die Empfänger eine grosse Zahl von räumlich getrennten, unüberschaubaren, heterogenen und anonymen Individuen oder kleinen Gruppen sind, die durch ein Massenmedium eine verbreitete öffentliche Aussage empfangen. 49
Maletzke versteht unter Massenkommunikation eine Kommunikationsform, bei der die Aussagen an ein disperses Publikum vermittelt werden, wobei die Aussagen folgende Eigenschaften aufweisen (vgl. Abb. 3). 50
38 Jarren/Bonfadelli 2001, S. 27
39 Burkart 1998, S. 482
40 Bührer 1981, S. 4-5
41 Burkart 1998, S. 482
42 Schmidt/Zurstiege 2000, S. 60
43 Maletzke 1988, S. 4
44 Merten 1999, S. 55
45 Maletzke 1988, S. 2
46 Burkart 1998, S. 164
47 Maletzke 1998, S. 45
48 Burkart 1998, S. 165
49 Schulz 1999, S. 143/Pürer 2003, S. 77
50 Maletzke 1998, S. 45-46
7
Abb. 3 Eigenschaften der Massenkommunikation
Wie schon bei der Face-to-Face-Kommunikation, werden bei der Massenkommunikation die Elemente, Kommunikator, Mitteilung, Medium, Rezipient und Wirkung unterschieden. 51 Der Kommunikator ist an der Produktion von öffentlichen, für die Verbreitung durch ein Massenmedium bestimmten Aussagen beteiligt. 52 Kommunikatoren sind beispielsweise Journalisten, Moderatoren, Reporter, Kommentatoren und Medienmitarbeiter. Bei der Massenkommunikation sagt in der Regel nicht nur eine Einzelperson etwas aus, sondern mehrere Personen sind an der Selektion, Gestaltung und Verbreitung von Botschaften beteiligt. Deshalb kann hier von der Kommunikatorenseite gesprochen. 53
Eine Mitteilung kann gedruckter, auditiver, visueller oder audiovisueller Natur sein. 54 Dieser Begriff bezeichnet das Ausgesagte, das sowohl den Inhalt als auch die Form der Botschaft umfasst. 55 Aussagen können nicht nur öffentliche Reden, Kirchenpredigten, Ansprachen oder Vorträge, sondern auch Meldungen einer Nachrichtenagentur, Zeitungsreportagen, Hörfunkinterviews oder Fernsehkommentare sein. Die publizistischen Mitteilungen durch die Massenmedien stellen aber den weitaus grösseren Teil dar. 56
Der Bereich Medium umfasst grundsätzlich alle technischen Mittel, Instrumente und Apparaturen, mit deren Hilfe publizistische Botschaften an die Öffentlichkeit weitergeleitet und für jedermann öffentlich zugänglich gemacht werden. Zu den Medien der Massenkommunikation gehören beispielsweise Zeitungen, Zeitschriften, Plakate, das Radio und das Fernsehen. 57 Der Rezipient ist derjenige, an den sich die Aussagen richten. Er ist deshalb ein Leser, Hörer oder Seher. 58 Der Rezipient empfängt und entschlüsselt Aussagen. Weil bei der Massenkommunikation die Empfänger aus einem dispersen Publikum bestehen, kann auch hier von der Rezipientenseite gesprochen werden. 59
51 Pürer 2003, S. 60
52 Pürer 1998, S. 32
53 Maletzke 1998, S. 48
54 Pürer 1998, S. 39
55 Maletzke 1998, S. 49
56 Pürer 1998, S. 39
57 Pürer 1998, S. 45-46
58 Pürer 1998, S. 57
59 Maletzke 1998, S. 54-55
8
Arbeit zitieren:
M.A. HSG Catherine Baudenbacher, 2004, Von der Neuigkeit zu den Nachrichten - Eine kritische Untersuchung der Nachrichtenwert-Theorie auf deren Relevanz für die Medienberichterstattung der Gegenwart, München, GRIN Verlag GmbH
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