Rheinische Friedrich-Wilhelms Universität Bonn
Polen und Juden unter deutscher Besatzung
Karsten Kramer
SoSe 1998
INHALTSVERZEICHNIS:
1. Einleitung Seite 2
2. Polen unter deutscher Besatzung
a) Die ersten Monate der Okkupation Seite 3
b) Die Schaffung der Ghettos Seite 5
c) Die Konzentrationslager Seite 6
3. Tendenzen: Antisemiten, Profitgierige, Gleichgültige, Untätige Seite 7
4. Diejenigen, die Mut hatten Seite 10
a) spontane Helfer Seite 11
b) organisierte Helfer Seite 12
5. Der Versuch eines Resümees Seite 14
6. Literatur
1. EINLEITUNG:
Das Thema der Beziehungen zwischen Polen und Juden in der Zeit der deutschen Besatzung von 1939-45 ist sehr komplex und vielschichtig. In der Literatur gehen die Meinungen der verschiedenen Autoren weit auseinander, teilweise widersprechen sie sich sogar, sodass kein eindeutiges, universell gültiges Urteil zur Frage, wie die Polen den Juden in dieser Zeit gegenüberstanden, möglich ist.
Daher kann es nicht Ziel dieser Arbeit sein, eine bestimmte, fest definierte Meinung zu vertreten. Es soll vielmehr verdeutlicht werden, dass die polnisch-jüdischen Beziehungen hauptsächlich bestimmt wurden durch individuelle Ansichten und Eigenschaften, die sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung gehen konnten.
Zu diesem Zwecke wird vorab im nachfolgenden zweiten Kapitel ein kurzer chronologischer Überblick über die Zeit der Besatzung Polens durch deutsche Truppen ab 1939 gegeben. Die Folgen für die einheimische Bevölkerung, die sich aus der unterdrückenden Fremdherrschaft ergaben, stehen an dieser Stelle im Mittelpunkt. In den Kapiteln 3 und 4 werden vor diesem Hintergrund die polnisch-jüdischen Beziehungen eingehend untersucht und analysiert. Der dritte Abschnitt stellt die antisemitische, aber auch die gleichgültige und untätige Haltungen von Polen gegenüber ihren verfolgten jüdischen Mitbürgern dar und versucht diese Einstellungen zu erklären und zu hinterfragen. Kapitel 4 hingegen behandelt die mutigen Aktionen vieler Polen, die jüdischen Flüchtlingen Schutz boten, sie versteckten mit dem Ziel, ihnen das Leben zu retten. Die Gründe wie auch die Art und Organisation ihrer Hilfeleistungen sollen an dieser Stelle vorgestellt werden. Im fünften Abschnitt findet sich eine Zusammenstellung und Auswertung der Ergebnisse, im Sinne eines Fazits sollen hier die polnisch-jüdischen Beziehungen während der Zeit der deutschen Besatzung analysiert werden.
Abschließend folgt das Literaturverzeichnis. An dieser Stelle soll vor allem auf das Buch Uns eint vergossenes Blut. Juden und Polen in der Zeit der „Endlösung“ von Wladyslaw Bartoszewski hingewiesen werden, in dem der Autor die polnisch-jüdischen Beziehungen zur Zeit des Zweiten Weltkrieges eingehend darstellt und sehr positiv bewertet. Eine etwas distanziertere und kritische Beurteilung der polnisch-jüdischen Beziehungen findet sich in dem Buch Unequal victims von Ysrael Gutman und Shmuel Krakowski verwiesen, in dem unter anderem auf die Ungleichbehandlung von Polen und Juden durch die Nationalsozialisten abgezielt wird. Zuletzt sei auf die Arbeit Hilfsaktion für Juden in Polen 1939-1945 von Tatiana Berenstein und Adam Rutkowski verwiesen, in deren Mittelpunkt dieOrganisation und Durchführung der Hilfestellungen, die viele Polen ihren jüdischen Mitbürgern leisteten, steht.
2. POLEN UNTER DEUTSCHER BESATZUNG:
a) Die ersten Monate der Okkupation
Am 1. September 1939 griffen deutsche Truppen ohne eine formelle Kriegserklärung Polen an. Bis Ende des Monats war ein Großteil Polens in deutscher Hand, die polnische Armee hatte kapituliert. West-Polen wurde dem Deutschen Reich eingegliedert, Zentral-Polen ab dem 26. 10. 1939 als sogenanntes Deutsches Generalgouvernement organisiert, die östlichen Teile Polens fielen, wie im Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt vom 23.8.1939 vereinbart, an die Sowjetunion.
Schon in den ersten Monaten der Fremdherrschaft waren sowohl Polen als auch die jüdische Bevölkerung dem Terror der Besatzer ausgeliefert. Morde, Massendeportationen, Enteignungen und Gesetzeswillkür waren an der Tagesordnung. Die Intensität dieser Terrormaßnahmen gegenüber Polen und Juden war jedoch unterschiedlich: "But as dreadful the terror against the Poles truly was, yet it was incommensurable with the terror which struck the Jews."1
Die Verbrechen gegenüber den Polen traf nur einen bestimmten Teil der Bevölkerung, vor allem die Intelligenzia. Ziel der Nationalsozialisten war die Vernichtung dieser politischen und intellektuellen Elite, um dem eingenommenen Staat die aktive Schicht bei einer möglichen Auflehnung zu nehmen und die NS-Herrschaft damit zu festigen. Intensiviert wurde diese Vernichtungsaktion ab Mai 1940 im Rahmen der sogenannten „Außerordentlichen Befriedungsaktion“2. Des weiteren war die polnische Bevölkerung im Generalgouvernement weniger stark von Terrorakten betroffen als die Bewohner West-Polens.
[....]
1 aus : Gutman, Y. und Krakowski, S.: Unequal victims. New York, 1986. S. 28/ 29. (künftig zitiert: Gutman / Krakowski)
2 vgl.: Berenstein, T. und Rutkowski, A.: Hilfsaktion für Juden in Polen 1939-1945. Warschau, 1963. S. 11. (künftig zitiert:)
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Karsten Kramer, 1998, Polen und Juden unter deutscher Besatzung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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