1. Einleitung
Die Informationsbestände von Virtuellen Fachbibliotheken setzen sich aus Sondersammelgebieten von Universitätsbibliotheken und wissenschaftlichen
Informationsquellen im Internet zusammen. Die Fachinformationen werden auf einer Webseite versammelt und den Nutzern der Virtuellen Fachbibliothek präsentiert. Beim Aufbau von Virtuellen Fachbibliotheken wurden die Bedürfnisse von Zielgruppen berücksichtigt. Nutzer von Virtuellen Fachbibliotheken sind vor allem Studenten und Wissenschaftler.
Bei der Virtuellen Fachbibliothek Anglo-Amerikanischer Kulturkreis (Vlib-AAC) der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) liegen die Schwerpunkte in den Fachrichtungen Anglistik/Amerikanistik und
englische/nordamerikanische Geschichte und Kultur. Es wird auf Ressourcen aus dem Sondersammelgebiet der SUB Göttingen und Fachinformationen im Internet zurückgegriffen.
In dieser Arbeit soll zuerst der Begriff Virtuelle Fachbibliothek veranschaulicht werden, auf die Entwicklungsgeschichte von Virtuellen Fachbibliotheken in Deutschland im allgemeinen eingegangen werden und verwandte Informationsplattformen im Internet wie hybride Bibliotheken und Subject Gateways erläutert werden. Im weiteren Verlauf der Ausführungen sollen Entwicklungsvorschläge der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die überregionale Literaturversorgung bis zum Jahr 2015 sowie eine Umfrage aus dem Jahr 2003 zur Nutzung von Sondersammelgebieten ausgewertet werden.
Schließlich soll auf die Bereitstellung und Verfügbarkeit von Informationsangeboten der Vlib-AAC näher eingegangen werden. Aus der Analyse der Informationsangebote wird eine Einschätzung des Standes erfolgen, auf dem sich die Vlib-AAC aktuell befindet. Aus der Einschätzung und Bewertung der Nutzerumfrage, der aktuellen Informationsangebote der Vlib-AAC wird aus den früheren Entwicklungstendenzen und dem aktuellen Stand der Vlib-AAC ein analytischer Gesamteindruck gegeben.
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2. Anschauung des Begriffs Virtuelle Fachbibliothek
Eine Virtuelle Fachbibliothek könnte folgendermaßen definiert werden:
„Eine Virtuelle Fachbibliothek ermöglicht den Zugang
zu grundsätzlich allen fachrelevanten Informationen und Dokumenten eines bestimmten Fachgebiets über das
World Wide Web.“ 1
Beim Aufbau einer Virtuellen Fachbibliothek stellt die Eingliederung „aller fachrelevanten Informationen und Dokumente“ ein umfangreiches Vorhaben dar, denn es muss definiert werden, was als für das Fach relevant gelten soll und was nicht. Es kommt hinzu, dass nicht nur eine Materialart berücksichtigt wird: neben elektronischen Dokumenten können auch Printmaterialien zu beachten sein.
Im elektronischen Sektor müssen neben Dokumenten wie Websites und Volltexten auch elektronische Informationen berücksichtigt werden, beispielsweise Informationen aus Fachdatenbanken oder Informationen über Mailinglisten, Fachtagungen, u.a. Die verschiedenen Informationen, die für Virtuelle Fachbibliotheken relevant sein können, sind weltweit verteilt. Die Zielsetzung ist hierbei, den Zugang zu den weltweit vorliegenden Beständen zu sichern. Beim Aufbau von Virtuellen Bibliotheken gilt es, einen zentralen Zugang auf dezentral vorgehaltene Bestände zu organisieren. 2 Eine Virtuelle Fachbibliothek muss technisch so gestaltet sein, dass ein Zugriff auf verteilt vorliegende Dokumente möglich wird.
Eine Virtuelle Fachbibliothek muss bestimmte Dienstleistungen bereitstellen. Es muss ausgewiesen werden, auf welche Dokumentarten wo und wie zugegriffen werden kann. Der Zugriff auf die angegebenen Dokumente muss tatsächlich möglich sein. Die Möglichkeit der Bestellung und Lieferung von Dokumenten muss gegeben sein. Bei der Umsetzung der Dienstleistungen einer Virtuellen Fachbibliothek taucht der Begriff Bündelung auf, denn fachrelevante Bestände der Informationsanbieter müssen gebündelt werden. Es muss eine Auswahl der Informationen für die Virtuelle Fachbibliothek vorgenommen werden. Auf der anderen Seite muss eine Virtuelle Fachbibliothek mit den Fachinformationen eigene Angebote schaffen.
1 s. S. Meyenburg, Virtuelle Fachbibliotheken - Ziele und Aufgaben der projektübergreifenden Zusammenarbeit, in: Spezialbibliotheken heute - Wettbewerb und Kooperation, S. 290
2 s.ebd., S. 291
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Bei der Suche nach den für eine Virtuelle Fachbibliothek relevanten Fachinformationen im Internet werden fachspezifische Suchmaschinen eingesetzt. Eine Virtuelle Fachbibliothek soll zu den Fachinformationen führen, von ihr aus soll der Zugriff auf Fachinformationen an der ursprünglichen Stelle, also dort, wo die Informationen im WWW vorhanden sind, möglich sein. Ist das gewährleistet, kann der Nutzer einer Virtuellen Fachbibliothek zeitgleich auf verschiedene Fachinformationsbestände zugreifen.
2.1. Virtuelle Fachbibliotheken in Deutschland - das Vorhaben
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat mit dem 1998 verfassten Memorandum zur Weiterentwicklung des Systems der überregionalen Literaturversorgung 3 die Bildung Virtueller Fachbibliotheken angeregt. Seitdem werden elektronische Zugriffswege auf fachrelevante Materialien der verschiedenen DFG-Sondersammelgebiete konzipiert. Mit dem Aufbau Virtueller Fachbibliotheken und der damit verbundenen Schaffung neuer Dienstleistungen hat das System der überregionalen Literaturversorgung auf die Veränderungen in den Kommunikations- und Publikationsformen reagiert. 4 Der heutige Nutzer fordert einen umfassenden, schnellen und direkten Zugriff auf Informationen und Dokumente. Doch können Virtuelle Bibliotheken nur teilweise diesen Anforderungen genügen. Dem Nutzer müssen neben der Möglichkeit, innerhalb fachspezifischer Portale 5 zu recherchieren, auch fachübergreifende Rechercheoptionen gesichert werden. Das
3 Der Text ist online verfügbar: http://www.dfg.de/foerder/biblio/memo.html
4 s. S. Meyenburg, Der Aufbau Virtueller Fachbibliotheken in der Bundesrepublik Deutschland, in: Bibliotheksdienst, 34. Jg., H. 7/8, S. 1229
5 Im „Großen Online - Lexikon für Informationstechnologie, IT - Wissen“ wird der Begriff Portal allgemein definiert:
Ein Portal wird in der Regel mit einem Internetportal assoziiert. Ein Internetportal ist in der Regel die Einstiegs- oder Navigationsseite ins World Wide Web (WWW), auf der alle relevanten Funktionen und Informationen für den Nutzer bereitgestellt werden. Der allgemein angebotene Tool-Umfang beinhaltet Suchfunktionen über eine Suchmaschine, ein aktuelles Informationsangebot und Kommunikationsdienste. Als personalisierte Einstiegs-Websites verweisen Portale auf alle erforderlichen Inhalte, die entsprechende Zielgruppen dazu befähigen, am Informationstransfer teilzunehmen.
Es gibt offene und geschlossene Portale, öffentliche Portale wie Unternehmensportale, regionale oder überregionale Portale, sowie Business-Portale.
Portale können experten-, themen-, branchen- unternehmens- und wissensorientiert sein (Wissensportale, Informationsportale, Bibliotheksportale).
Eine flexible Portalstruktur setzt mehrere Funktionalitäten voraus. Dazu gehören die Verwendung offener Standards wie XML um den Datenaustausch und die Datenintegration zu vereinfachen, eine hohe Verfügbarkeit der Daten, die über moderne Speichernetze (SAN) und Server-Cluster erreicht werden kann, die Skalierbarkeit um allen Verkehrsschwankungen gerecht zu werden und sicherheitsrelevante Aspekte wie Zugriffskontrollen für Applikationen und Daten. Quelle: DATACOM Buchverlag GmbH 2004-2006 - IT-Lexikon - 11.08.2006
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Verhältnis zwischen der fachspezifischen und fachübergreifenden Ebene lässt sich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Die beiden Angebote ähneln sich, da beide von einem zentralen Punkt aus einen Zugriff zu Dokumenten ermöglichen. Doch sind Angebote auch unterschiedlich, sie haben verschiedene Schwerpunkte und werden verschiedenen Recherchezielen gerecht. 6 Beide Dienstleistungsangebote - fachspezifische und fachübergreifende - haben ihre Berechtigung, denn obwohl sie eigentlich ein Wettbewerbsverhältnis bilden, verfolgen sie gleichzeitig kooperativ ein gemeinsames Interesse: die Dienstleistung für den Nutzer.
Das Memorandum der DFG nennt fünf Aufgaben hinsichtlich der überregionalen Literaturversorgung: 7
N Erweiterung des Sammel- bzw. Beschaffungsauftrags N Erweiterung der Erschließungs- und Nachweisaufgaben N Verbesserung von Bestell- und Lieferdiensten N Digitalisierung gedruckter Medien N Sicherung der langfristigen Verfügbarkeit
Bezüglich des erweiterten Sammel-, bzw. Sammelauftrags stellt sich die Frage, wie die Vielfalt von und Masse der Materialien zu bewältigen ist. Bezüglich der Erweiterung der Erschließungs- und Nachweisaufgaben muss geklärt werden, auf welche Weise Metadaten Verwendung finden sollen, aber auch der Bedarf, mit nur einem Recherchelauf auf heterogen erschlossene Bestände zugreifen zu können. 8
Bei der Verbesserung von Bestell- und Lieferdiensten und der Digitalisierung gedruckter Medien sind die Ziele zum einen die Verbesserung der Qualität der Informationsbeschaffung und Lieferung für den Nutzer und zum anderen ein schneller und unkomplizierter Zugriff auf digitalisierte Medien. Die Sicherung der langfristigen Verfügbarkeit stellt ein Problem dar, denn die Speicherung von elektronischen Ressourcen erfolgt auf Hard- und Software. Hard- und Software sind jedoch regelmäßigen Veränderungen, bzw. Erneuerungen unterworfen, so dass eine langfristig qualitativ hochwertige Lesbarkeit der gespeicherten Dokumente nicht garantiert werden kann. Im Kontext der DFG-Förderung ist die überregionale Literaturversorgung durch Virtuelle Fachbibliotheken vor allem durch die Versorgung der Forschung mit Literatur verbunden.
6 s. S. Meyenburg, Der Aufbau Virtueller Fachbibliotheken in der Bundesrepublik Deutschland, in: Bibliotheksdienst, 34. Jg., H. 7/8, S. 299
7 s. ebd., S. 1232
8 s. ebd., S. 1233
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Hierbei spielt die Zielvorstellung eine Rolle, den Rechercheanforderungen von auf bestimmte Fachgebiete spezialisierten Personen oder an bestimmten Fragestellungen ein Fachgebiet betreffend interessierten Personen, zu entsprechen und von diesen Zielgruppen Anerkennung und Unterstützung zu erfahren.
Bei der Informationsvermittlung der Virtuellen Fachbibliotheken ist Qualität wichtig. Doch auch die Akzeptanz, bzw. das Image einer Virtuellen Fachbibliothek spielt eine Rolle. Die Akzeptanz und Bewertung der Recherchemöglichkeiten, bzw. der Informationsangebote einer Virtuellen Fachbibliothek spiegelt sich in der Nachfrage nach den Informationsangeboten.
2.2 Überregionale Literaturversorgung - Analysen und Vorschläge der DFG bis 2015
In einem im Jahr 2006 verabschiedeten Positionspapier nimmt die DFG Analysen und Vorschläge zur überregionalen Literaturversorgung vor. 9
Zukünftig wird die Versorgung mit digitalen Publikationen über Datenverkehrsnetze und gegebenenfalls gegen Entgelt, direkt am Arbeitsplatz zugänglich gemacht werden. Im Bereich der konventionellen Printmaterialien ist die Versorgung mit Literatur bisher durch die Online-Fernleihe und die Dokumentlieferung erfolgt. Die überregionale Literaturversorgung in digitaler Form erfordert jedoch die Entwicklung neuer Lösungen für die Bereitstellung und Lieferung. Die Entwicklung neuer Strategien wird den bisherigen Förderungsrahmen der DFG um ein Vielfaches übersteigen.
Die Versorgung der Wissenschaft mit digitalen Medien stellt eine neue, zusätzliche Aufgabe dar. Für die Realisierung des Vorhabens sollen Gesamtanstrengungen unternommen werden. Die DFG hält es für notwendig, überregionale Lizenzierungsmodelle mit der bisherigen Lizenzierung durch einzelne Einrichtungen zu verbinden. Mit nationalen und internationalen Fördereinrichtungen, Kooperationspartnern und Verlagen sollen Lizenzmodelle diskutiert und gemeinschaftlich realisiert werden. Es sollen verschiedene Modelle zum Einsatz kommen, beispielsweise offene Rahmenverträge, Nationallizenzen, Pay-per-Use-Modelle oder der Kauf von Nutzungskontingenten.
9 DFG-Positionspapier, Wissenschaftliche Literaturversorgung und Informationssysteme. Erarbeitet im Rahmen der Klausurtagung des DFG-Ausschusses für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme am 11. und 12. Oktober 2005, beschlossen am 29.05.2006
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Mit der Gründung von vascoda 10 als einer von Bibliotheken und Fachinformationssystemen gemeinsam getragenen Digitalen Bibliothek Deutschland wurde eine entscheidende Basis für den Aufbau eines integrierten Gesamtsystems der nationalen Informationsbereitstellung gelegt. Das mit der Hilfe der DFG aufgebaute nationale System der Sondersammelgebiete (SSG) bietet bereits einen Zugang zu Fachinformationen auf hohem Niveau. In diesem Zusammenhang wird zukünftig das Ziel sein, das DFG-Sondersammelgebietssystem in das nationale Wissenschaftsportal zu integrieren und durch digitale Ressourcen zu ergänzen. Die DFG wird die Entwicklung von Virtuellen Fachbibliothek weiterhin konsequent fördern. Die Zielvorgabe soll dabei die Optimierung des Serviceleistungen sein, die Print-und digitale Medien integrieren.
Den Vorgang der Einbindung der Sondersammelgebiete in das nationale Wissenschaftsportal vascoda wird die DFG durch Maßnahmen in folgenden Bereichen fördern:
N Anreicherung der Bestandskataloge durch Erweiterung und Verbesserung der fachlichen Erschließung
N Öffnung für Fremdsysteme (Suchmaschinen, Internetkataloge) N Einkauf internationaler Metadaten 11 N Einführung internationaler Katalogstandards.
10 vascoda ist ein sich im Aufbau befindendes Internetportal für wissenschaftliche Informationen in Deutschland. Es handelt sich um ein Verbundprojekt zwischen der TIB Hannover, der ULB Münster und der ZBMED Köln. Die Förderungsdauer der DFG für das vascoda-Projekt ist auf den Zeitraum 01.07.2005 -31.12.2007 festgelegt.
11 Unter Metadaten versteht man Daten über Daten. Bei Bibliotheken sind es Daten, die in Bibliotheken verfügbare digitale Dokumente beschreiben. Metadaten spielen beim Suchen eine wesentliche Rolle. Metadaten sind fast immer formatierte Textdaten. Das Suchen kann anhand einzelner Deskriptoren oder anhand von Kombinationen erfolgen. Typische Deskriptoren sind Autor, Verlag, Zeitschrift, Erscheinungsdatum, Titel und Stichwörter.
Als Ergebnis eines von „Online Computer Library Center“ (OCLC) organisierten Metadaten-Workshops, der im März 1995 in Dublin, Ohio, stattfand, ist das DUBLIN CORE Element Set (DC) entstanden. Mit diesem international standardisierten Metadatenschema wird versucht, durch die Anwendung eines international vereinheitlichten Satzes von Erschließungselementen digitalisierte Objekte zu beschreiben. Wie ausführlich ein Dokument mit Metadaten auszustatten ist, bleibt zum großen Teil dem Ersteller überlassen. Dublin Core wird zur Erschließung der elektronischen Ressourcen von Virtuellen Fachbibliotheken angewandt. Die Dublin Core Metadatenbestandteile sind: Titel (DC.Title), Verfasser oder Urheber (DC.Creator), Thema und Stichwörter (DC.Subject), inhaltliche Beschreibung (DC.Description), Verleger, bzw. Herausgeber (DC.Publisher), weitere beteiligte Personen und Körperschaften (DC.Contributor), Datum (DC.Date), Ressourcenart (DC.Type), Format (DC.Format), Ressourcen-Indifikation (DC.Identifier), Quelle (DC.Source), Sprache (DC.Language), Beziehung zu anderen Ressourcen (DC.Relation), räumliche und zeitliche Maßangaben (DC.Coverage), rechtliche Bedingungen (DC.Rights).
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Magdalena Jagelke, 2006, Fachspezifische Informationsressourcen einer Virtuellen Fachbibliothek , München, GRIN Verlag GmbH
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