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1. Gliederung Seite
1. Gliederung 1 2. Abstract 2 3. Einleitung 2 - 3
4. Vorstellung des Forschungsstandes 4.1 Sozialstrukturelle Merkmale der Nichtwähler 4 - 5 4.2 Sozialpsychologischer Ansatz der Michigan Schule 5 - 6 4.3 Theorie des rationalen Wählerverhaltens nach Anthony Downs 6 - 7 4.4 Nichtwählertypen nach Thomas Kleinhenz 7 - 9
5. Prüfung der Forschungsansätze 5.1 Sozialstrukturelle Merkmale der Nichtwähler 9 - 13 5.2 Sozialpsychologischer Ansatz der Michigan Schule 13 - 15 5.3 Theorie des rationalen Wählerverhaltens nach Anthony Downs 16 5.4 Nichtwählertypen nach Thomas Kleinhenz 16 - 17 6. Schluss 18 7. Literaturverzeichnis 19
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2. Abstract
Die Seminararbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung „Nichtwähler - Wer sind sie? Bewertung verschiedener Deutungsansätze“. Im ersten Teil der Arbeit werden vier Ansätze zur Erklärung von Wahlenthaltung vorgestellt, die im zweiten Teil auf der Grundlage von Sekundärliteratur und vor allem statistischer Daten beurteilt werden. Hauptsächlich orientiert sich die Arbeit an einer selbst durchgeführten Datenanalyse des ALLBUS 2004. Als Ergebnis stellt sich heraus, dass eine uneingeschränkte Aussagefähigkeit über die Nichtwählermerkmale nur dem sozialpsychologischen Ansatz der Michigan- Schule zugeschrieben werden kann.
3. Einleitung
Im Vorfeld der Landtagswahlen in Mecklenburg- Vorpommern 2006 warnten Politiker und Medien unisono vor dem Erstarken nationalistischer Parteien durch eine allgemein geringe Wahlbeteiligung. Das befürchtete Szenario blieb zwar aus, dennoch ist die Nichtwähler-Problematik nicht von der Hand zu weisen. Aus diesem Grund soll diese Arbeit ihren Beitrag leisten zur Klärung der Frage: „Nichtwähler - Wer sind sie?“.
Die Nichtwählerforschung in Deutschland hat bisher leider noch nicht viele Werke publiziert, so dass sich diese Arbeit auf einige wenige Bücher stützen muss. Das Hauptwerk für diese Seminararbeit ist das Buch „Die Nichtwähler - Ursachen der sinkenden Wahlbeteiligung in Deutschland“ (Kleinhenz 1995), in dem der bis zur Veröffentlichung erhobene Forschungsstand zusammengefasst sowie ein eigener Ansatz hinzugefügt wird. Ergänzungen wurden in erster Linie den Büchern „Empirische Wahlforschung“ (Roth 1998) und „Nichtwählen als Kategorie des Wahlverhaltens“ (Lavies 1973) entnommen. Auf dieser Grundlage werden im ersten Teil der Arbeit die folgenden Ansätze vorgestellt: Der erste Ansatz ist der der sozialstrukturellen Merkmale der Nichtwähler. Der sozioökonomische Status, das Alter und Geschlecht, die Konfession und der Grad der sozialen Integration werden als die entscheidenden Einflussfaktoren auf die Entscheidung, wählen zu gehen, angesehen.
Der sozialpsychologische Ansatz der Michigan Schule stellt hingegen psychologische Aspekte wie die selbst zugemessene politische Kompetenz und kurzfristige Faktoren wie Kandidaten - und Themenentscheidungen in den Vordergrund.
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Anthony Downs beschreitet in seinem Ansatz des rationalen Wählerverhaltens einen komplett anderen Weg. Aus seiner Sicht sind rationale Überlegungen wie die Kosten und der Nutzen des Wahlaktes die bestimmenden Faktoren bei der Entscheidung, wählen zu gehen. Im letzten von Kleinhenz selbst eingeführten Ansatz der „Nichtwähler- Typen“ werden sieben Nichtwählergruppen vorgestellt.
Zusätzlich zu diesen Theorien wirkten Faktoren wie Krankheit, Urlaub oder Wetter auf die Wahlbeteiligung. Da diese aber ein Fakt sind, bleiben sie im weiteren Verlauf der Arbeit unberücksichtigt.
Ansätze, die sich auf das Anwachsen des Nichtwähleranteils selbst beziehen bleiben, hier ausgeklammert, da ihre Stoßrichtung nicht darauf zielt, im Sinne der Fragestellung zu erklären, wer die Nichtwähler sind, sondern darauf, warum ihr Anteil immer größer wird. Im zweiten Teil der Arbeit werden die vorgestellten Ansätze auf ihre Aussagekraft überprüft. Dies geschieht vorrangig auf der Grundlage des ALLBUS 2004, da der große Stichprobenumfang mit über 4000 Befragten eine größtmögliche Repräsentativität der Ergebnisse gewährleistet und 2004 der aktuellste verfügbare Erhebungsjahrgang ist. Um die Übersicht zu erleichtern, wurden konkrete Prozentzahlen im Text nur teilweise verwendet und stattdessen Tabellen und Diagramme dazu angefertigt und im Anhang zur Verfügung gestellt (Anhänge „Zusammenfassung ALLBUS Diagramme“ und „Zusammenfassung ALLBUS Tabellen“). Wo der ALLBUS nicht zu verwenden ist, werden weitere statistische Erhebungen zu Rate gezogen, um die Sachlage zu klären.
Im Schlussteil wird eine Zusammenfassung der Aussagekraft jedes Ansatzes vorgenommen und der insgesamt aussagekräftigste Ansatz herausgestellt.
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4. Vorstellung des Forschungsstandes
In der Politikwissenschaft werden diverse Ansätze zur Erklärung der Wahlenthaltung diskutiert. Thomas Kleinhenz hat einige dieser Ansätze in seinem Buch „Die Nichtwähler -Ursachen der sinkenden Wahlbeteiligung in Deutschland“ (Kleinhenz 1995) zusammengestellt. Im Folgenden wird ein Teil dieser Ansätze vorgestellt.
4.1 Sozialstrukturelle Merkmale der Nichtwähler [(vgl. Kleinhenz 1995: 26
- 30), (Lavies 1973: 75 - 99)]
Die Theorie der sozialstrukturellen Wählereigenschaften basiert auf der Annahme, dass sich die Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Gruppen indirekt auf den Wähler auswirke, da er Spannungen zwischen ihm und seiner sozialen Referenzgruppe vermeiden wolle. So könne die Zugehörigkeit zu zwei Gruppen mit konfligierenden Interessen, so etwa beim katholischen Arbeiter, zur Wahlenthaltung führen, da der Betroffene keinem seiner beiden Interessen durch seine Wahl schaden wolle. Eine Arbeiterpartei werde selten religiöse Interessen explizit vertreten, die religionsgebundene Partei den wirtschaftlichen Aspekt nicht wunschgemäß herausstellen. Diese allgemeinen Gruppen- Annahmen werden auf fünf konkrete Wählermerkmale zugespitzt:
Das erste dieser Merkmale ist der sozio- ökonomische Status des Wahlberechtigten. Es wird davon ausgegangen, dass sich politisches Interesse und damit die Bereitschaft zur Wahlbeteiligung bei finanziell schlechter gestellten und bildungsfernen
Bevölkerungsschichten seltener ausbilde, da die Komplexität und Abstraktheit der Stimmabgabe und der daraus resultierenden Repräsentation schwerer durchschaut werden könnten und der Grad der politischen Informiertheit abnehme. In Bezug auf den Berufsstatus unterstellt die Theorie, dass Beamte, Selbstständige und leitende Angestellte am häufigsten bereit seien, zur Wahl zu gehen, während Arbeiter in Relation zu den anderen Statusgruppen am seltensten an der Wahl teilnähmen. Daraus abgeleitet wird, dass Gutverdiener das größte Interesse am Fortbestehen der aktuellen politischen Ordnung hätten und daher der Wahl in großem Maße beiwohnten.
Weiterhin als kennzeichnend wird das Alter, das in drei Phasen untersucht wird, angesehen. Die Orientierungsphase der Jugend wirke sich negativ auf die Wahlbeteiligung aus, da die Suche nach der eigenen sozialen Gruppenzugehörigkeit noch nicht abgeschlossen sei. Hierdurch begründet habe sich meist auch noch keine Parteiidentifizierung entwickelt, die eine Stimmabgabe begünstige. Eine wesentlich höhere Wahrscheinlichkeit für den Gang zur
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Urne ergebe sich für Erwachsene durch die soziale Einbindung in Familienleben und Arbeitswelt sowie durch steigende Gehälter. Damit sei die Findung der sozialen Gruppenzugehörigkeit verbunden, die, wie bereits oben beschrieben, die Entscheidung, wählen zu gehen, maßgeblich beeinflusse. Ab dem 60. Lebensjahr sinke die Wahlbeteiligung, so der Ansatz, durch Abnahme von sozialer Integration, Krankheiten und Gebrechen wieder. Auch dem Geschlecht wird ein Einfluss auf die Wahlbeteiligung zugewiesen. Männer seien wahlfreudiger als Frauen.
Während bis in die sechziger Jahre die Konfessionszugehörigkeit als mitentscheidend für das Wahlverhalten gegolten habe, habe in den sechziger Jahren ein Paradigmen- Wechsel stattgefunden. Ab diesem Zeitpunkt werde die kirchliche Bindung als entscheidend angesehen. Praktizierenden Christen und Kirchgängern werde eine höhere Wahlbereitschaft zugeschrieben als Atheisten; diesen aber immer noch eine größere Bereitschaft als passiven Christen. Hinzu komme, dass bei Wahlkreisen mit homogener Konfessionsstruktur eine höhere Wahlbeteiligung erwartet werde.
Der Grad der sozialen Integration ist als letztes Merkmal dieses Ansatzes von Bedeutung. Da randständige Gruppen schwer zu organisieren seien, fühlten sich ihre Angehörigen politisch nicht vertreten und neigten zur Stimmenthaltung. Aus diesen randständigen Gruppen rekrutiere sich der harte Kern der Nichtwählerschaft, der sich nicht von Wahl zu Wahl neu entscheide, ob er wählen gehe, sondern der Wahl prinzipiell fernbleibe.
4.2 Der sozialpsychologische Ansatz der Michigan Schule (Kleinhenz 1995:
30 - 33)
Im Gegensatz zum Ansatz der sozialstrukturellen Merkmale sieht der sozialpsychologische Ansatz die langfristigen soziologischen Einflussfaktoren nicht als allein entscheidend an. Aus dieser Perspektive werden die langfristigen durch kurzfristige Faktoren wie Kandidaten- und Themenentscheidungen überlagert. Dabei seien psychologische Einflüsse die entscheidenden. Der zentrale Bestimmungsfaktor sei das politische Interesse des potentiellen Wählers. Sei dieses besonders ausgeprägt, stehe zu erwarten, dass die Stimmabgabe erfolgt. Hierbei könne es auch vorkommen, dass sich Wahlberechtigte bei einzelnen Wahlen der Stimme enthielten, da sie sich in diesem speziellen Fall nicht für die Wahlkampfthemen interessierten. Auch der Parteiidentifikation wird eine wichtige Position zugewiesen. Da diese nur im seltensten Falle mit einer Parteimitgliedschaft verbunden sei, spreche man von einer „affektiven Parteiorientierung“ (vgl. Roth 1998: 37). Diese Orientierung werde von
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Generation zu Generation weitergegeben und wandle sich höchstens bei gravierenden persönlichen und gesellschaftlichen Einschnitten wie einer Heirat oder einem Krieg. Ein weiterer Aspekt sei die vom Wähler selbst auferlegte Wahlpflicht. Gerade die erste Nachkriegsgeneration habe sich die Wahl zur Pflicht gemacht, um die neu gewonnene demokratische Freiheit zu erhalten.
Ein „Kopf- an- Kopf- Rennen“ mehrerer Parteien in den Umfragen im Vorfeld einer Wahl könne sich positiv auf die Wahlbeteiligung auswirken, da der Wähler das Gefühl habe, dass seine Stimme die entscheidende sein könne, um das Wahlergebnis zugunsten der präferierten Partei zu beeinflussen.
Ebenso wichtig sei die Einschätzung der eigenen politischen Kompetenz. Habe ein zur Wahl Berechtigter das Gefühl, dass er nicht entscheiden könne, welche Partei für ihn die beste wäre, enthalte er sich der Stimme, um sich durch eine falsche Wahl keinen Schaden zuzufügen.
4.3 Theorie des rationalen Wählerverhaltens nach Anthony Downs
(Kleinhenz 1995: 33 - 35)
Anthony Downs erklärt die Entscheidung, wählen zu gehen, als rein rationalen Vorgang in Form einer Kosten- Nutzen- Analyse. Vor jeder Wahl müsse geprüft werden, ob die Kosten der Wahlbeteiligung, das heißt z.B. die Beschaffung von Informationen und der Gang zum Wahllokal, geringer seien als der von der Stimmabgabe zu erwartende Nutzen. Dieser Nutzen sei zum Beispiel nur gegeben, wenn für die präferierte Partei auch eine realistische Chance bestehe, die Wahl zu gewinnen. Auch die subjektive Einschätzung, wie wichtig die eigene Stimme ist, werde in den Entscheidungsprozess mit einbezogen. Wie schon beim vorhergehenden Ansatz erörtert gelte dies insbesondere bei „Kopf- an- Kopf- Rennen“ im Vorfeld einer Wahl.
Zur Erklärung unterschiedlich stark ausgeprägter Rationalität „[…] greifen die Rational-Choice- Theoretiker größtenteils auf die gleichen Indikatoren zurück wie die soziologischen und sozialpsychologischen Ansätze [.]“ (Kleinhenz 1995: 34), nur dass die Nutzenmaximierung in den Mittelpunkt gestellt wird. Eine Wahlenthaltung könne diverse Gründe haben:
Ein Grund sei der so genannte „Denkzettel“ für die eigentlich präferierte Partei, um diese davon zu überzeugen, dass sie ihre Politik oder ihr Programm ändern müsse.
Arbeit zitieren:
Philip Voelcker, 2007, Nichtwähler - Wer sind sie?, München, GRIN Verlag GmbH
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