Inhaltsverzeichnis
I. Vorbemerkungen 2
II. Historischer Kontext und Entstehung der Treatises 3
III. Das politische System der bürgerlichen Gesellschaft 5
3.1. Herrschaftsrechte und Gesellschaftsgründung 5
3.2. Der Naturzustand 7
3.3. Der Sozialvertrag 9
VI. Fazit 11
V. Quellen- und Literaturverzeichnis 12
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I. Vorbemerkungen
Kein Denker hat das 18. Jahrhundert mehr geprägt als John Locke. Sein Werk umfasst einen ansehnlichen Fundus aus Beiträgen zur Philosophie, Theologie, politischen Theorie und sogar zur Pädagogik. Darüber hinaus blieben seine Ansätze auch nach der Zeit des Absolutismus gültig und werden immer wieder herangezogen. Im Mittelpunkt der folgenden Arbeit sollen seine Schlüsse zur politischen Theorie stehen, mit denen er eine Reihe von Philosophen und Staatstheoretikern nachhaltig beeinflusste. So werden Lockes Ideen zur Staatlehre dargestellt, die im politischem Hauptwerk Two Treatises of Government 1 nachzulesen sind: In dieser Schrift finden sich seine innovativen Grundsätze für einen ‚besseren Staat’, denn die Zeit zwischen Bürgerkrieg und Absolutismus erforderte neue Modelle und die Herausbildung von modernen Gesellschaftsstrukturen. Somit ist auch nicht verwunderlich, dass Lockes Leitsätze eine wichtige Funktion in Zeiten des sozialen und gesellschaftlichen Umbruchs einnahmen 2 .
Im ersten Teil der Arbeit wird der historische Kontext nur kurz gestreift, so dass die Umstände, in denen Locke seine Ansichten formulierte, eingeschätzt werden können. Anschließend geht es um die Entstehung der Treatises. In der Folge werden dann maßgeblich die Schlagwörter ‚Gesellschaftsgründung’, ‚Naturzustand’ und ‚Sozialvertrag’ erläutert und anhand der wesentlichsten Bestandteile dargestellt. Locke schrieb zwar auch über ökonomische Zusammenhänge des Staates und die Toleranz, doch soll es um die ausgewählten Kernelemente gehen, denn die ausführliche Bearbeitung seiner politischen Schriften hätte den Rahmen dieser Arbeit gesprengt. Im Fazit werden schließlich die Teilergebnisse zusammengetragen und seine Leistungen abschließend dargestellt.
Was macht Lockes Werk für die politische Utopie so interessant? Welches Bild schwebte ihm vor, als er die Treatises verfasste und damit die grundlegenden Begrifflichkeiten für einen modernen Staat lieferte? Diesen Fragen soll im Folgenden auf den Grund gegangen werden.
1 Im Folgenden wird die Kurzbezeichnung Treatises verwendet. Vgl. Locke, John: Zwei Abhandlungen über die
Regierung. (Hg. u. eingel. v. Walter Euchner). Frankfurt am Main 1967.
2 Ashcraft, Richard: Revolutionary Politics and Locke’s Two Treatises of Government. Princeton 1986., S. 11
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II. Historischer Kontext und Entstehung der Treatises
Als John Locke seine großen philosophisch-politischen Schriften verfasste, befand sich Europa im Zeitalter der konfessionellen Bürgerkriege: Der Dreißigjährige Krieg hatte Deutschland verwüstet, in Frankreich regierte Ludwig XIV. und in England waren die Stuarts nach der kurzen Regierungszeit Cromwells wieder an die Macht gekommen. Der absolutistische Staat Englands galt in diesen Zeiten als Mittel zur Überwindung dieses historischen Ausnahmezustands und wurde von den Staatstreuen als Garant für Kontinuität begriffen. Auch der Philosoph Thomas Hobbes sah in der Souveränität dieses Staates eine stimmige Antwort auf die sozialen und gesellschaftlichen Umwälzungen: Er beschrieb den Naturzustand zwischen den Menschen als ‚Krieg aller gegen alle’, der erst durch die Übereinkunft der Individuen in einem Staatsvertrag gelöst werden könne. Im Sinne dieser vertraglichen Vereinbarung sollten die Menschen auf ihre gegensätzlichen und gegenläufigen Freiheiten verzichten. Des weiteren sollte im Zuge des gemeinsamen Schutzes alle Gewalt an den Staat übertragen werden, der wiederum erst durch dieses Bestreben entstünde 3 . Hobbes gilt als charakteristischer Theoretiker dieser Zeit und lieferte gewissermaßen die Vorlage, auf die Locke indirekt reagierte. Indirekt deshalb, weil die 1689 erschienenen Treatises dem politischen Tagesgeschäft entsprangen und ursprünglich als Streitschrift gedacht waren 4 . So galt Lockes Polemik gegen die Herrschaft des Monarchen in erster Linie als Antwort auf die Theorien von Sir Robert Filmer, der radikale und patriarchalische Ansichten vertrat.
Der Royalist Filmer hatte bereits 1680 in der Schrift Patriarcha, or the Natural Power of Kings eindeutig Stellung bezogen und galt als Verfechter der absolutistischen Herrschaft. Gegen diese Königstreuen, welche die Monarchie als Abbild der göttlichen Macht ansahen, formierte sich bald eine Gegenpartei um Lockes politischen Lehrer Ashley, dem Graf von Shaftesbury 5 . So scheint es als gesichert, dass Ashley unter dem Eindruck der bevorstehenden Thronfolge Locke zur Abfassung der Treatises veranlasste und diese nicht nach, sondern bereits vor der Glorreichen Revolution und zur Zeit Cromwells geschrieben wurden. Trotzdem ist ihnen die große Bedeutung für
3 Macpherson, Crawford B.: Die politische Theorie des Besitzindividualismus. Von Hobbes bis Locke. (Übers.
von Arno Wittekind). Frankfurt am Main 1973., S. 33
4 Euchner, Walter: John Locke zur Einführung. Hamburg 2004., S. 69
5 Euchner, Walter: John Locke zur Einführung., S. 70; Vgl. hierzu auch: Ashcraft, Richard: Ebd., S. 11 ff.
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Arbeit zitieren:
Christoph Hermes, 2006, John Locke und das System der bürgerlichen Gesellschaft , München, GRIN Verlag GmbH
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