Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Theorie des Kulturtransfers 5
3. Die germanische Kultur vor der Romanisierung 11
Die antiken literarischen Quellen 12
Religion , Götter und Kult 16
Milit är, Bewaffnung und Strategie 20
Alltag und Lebensweise 25
Schlussbemerkungen 28
4. Die Romanisierung der Germanen und kultureller
Austausch 28
Die germanische Religion bis zum Christentum 30
Milit ärische Entwicklung. 35
Effekte des kulturellen Kontakts auf den Alltag. 38
5. Schlussbemerkungen 41
6. Literaturverzeichnis 43
Prim ärliteratur 43
Sekund ärliteratur 43
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1. Einleitung
Ziel dieser Arbeit ist es, den kulturellen Austausch der Römer und Germanen in einer Zeit zu analysieren, in der durch die Expansion des imperium Romanum ein besonders intensiver Kontakt ermöglicht wurde, dessen Folgen konstitutiv für das moderne Europa waren. Durch das militärische Eindringen in das von germanischen Stämmen bewohnte Gebiet fand ein Kulturtransfer in allen Lebensbereichen statt, da mit den Legionen nicht nur Soldaten, sondern auch Güter, Ideen und Menschen aller Art in das, aus römischer Perspektive, barbarische Land kamen. Da Kultur ein sehr weiter Begriff ist, soll das Hauptaugenmerk dieser Arbeit auf die Teilbereiche Religion, Militär und Alltag gelegt sein.
Festzusetzen gilt es, welche Zeit und welcher Raum der Analyse des Kulturtransfers zugrunde liegen. Beides gestaltet sich schwierig, da zum einen „Germania“ kein festes oder gar staatliches Gefüge war, sondern lediglich ein Konstrukt antiker römischer und griechischer Autoren, das die verschiedenen germanischen gentes im Raum zwischen Rhein und Weichsel, Alpen und Nordsee bezeichnete. Die linksrheinischen Gebiete stellen in Bezug auf den Kulturtransfer ein Problem dar, weil die Bevölkerung in diesem Gebiet sehr heterogen und relativ stark keltisch geprägt war. Daher wird das Hauptaugenmerk auf den rechtsrheinischen und limesnahen Gebieten liegen.
Allein aufgrund der Größe dieses Raumes darf man nicht annehmen, dass die Römer 1 auf eine homogene germanische Kultur trafen, sondern auf mehr oder weniger stark differenzierte Stammeskulturen, die sich von Region zu Region unterschieden und die römische Kultur in ungleich starkem Maße aufnahmen, wobei natürlich davon auszugehen ist, dass die geographische Nähe zum Römischen Reich ein entscheidender Faktor für die Intensität des Austausches war. Dennoch ist es nicht falsch bei den germanischen Stämmen einige gemeinsame Nenner vorauszusetzen, da die gegenseitige Beeinflussung der gentes untereinander zu einer gewissen Angleichung geführt haben muss.
1 Auch die Herkunft und Kultur der römischen Legionäre war keinesfalls homogen: Vgl. Wolters 2001, 76f. So stammten manche Legionäre beispielsweise aus Nordafrika.
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Zum anderen stellt die zeitliche Begrenzung des Kulturtransfers zwischen Römern und Germanen ein Problem dar, weil nicht davon ausgegangen werden kann, dass es vor der Invasion der Römer keinen kulturellen Kontakt der beiden Gruppen gegeben hat. Händler, Flüchtlinge, Reisende und Diplomaten waren zu jeder Zeit ein Faktor für den kulturellen Austausch. 2 Aber eine Intensivierung des Kulturtransfers kann man vor allem nach kriegerischen Handlungen wahrnehmen. 3 Daraus ergeben sich mehrere mögliche Ereignisse, die als Anfangspunkte der zeitlichen Begrenzung dienen könnten. Als erstes Ereignis wäre das Aufeinandertreffen der Römer mit den Kimbern und Teutonen in Erwägung zu ziehen, als zweites die Unternehmungen Caesars in den rechtsrheinischen Gebieten und als drittes etwa die Feldzüge des Drusus unter Augustus. Jedoch scheint es am sinnvollsten, keines dieser Ereignisse zu wählen, da sich der Transfer von Kultur nicht punktuell manifestieren lässt und nicht ad hoc stattfindet, sondern vielmehr einen Prozess darstellt, der weder einen fixen Anfangs- noch Endpunkt hat. Nichtsdestotrotz soll das 1. Jahrhundert vor der Zeitenwende als Orientierung gelten, um die Analyse der kulturellen Interaktionen zu erleichtern.
Wenn man Kulturtransfer untersuchen möchte, stellt sich immer die Frage nach der Art und Weise, nach den Vorraussetzungen und nach den möglichen Ergebnissen, die solch ein Transfer birgt. Im 2. Kapitel dieser Arbeit soll daher auf die Theorie des Kulturtransfers eingegangen werden. Dazu wird vor allem Peter Burke zu Rate gezogen, der die Mechanismen dieses Phänomens und seine Fachtermini systematisiert hat. 4 Als zweiter theoretischer Ansatz wird Shalini Randerias und Sebastian Conrads Konzept vom „entanglement“ 5 , dem Schlagwort der transnationalen Geschichtsschreibung, deren Ideen bisher hauptsächlich Anwendung auf die Geschichte der Neuzeit fanden, hinzugezogen.
Um untersuchen zu können, welche Auswirkungen der kulturelle Kontakt hatte, ist es vonnöten, die Beschaffenheit der Kulturen vor dem Kontakt zu kennen. Aus diesem Grund wird im 3. Kapitel eine Darstellung der germanischen Kultur vor der
2 Vgl. Franke 1980, 21-29 u. Walser 1956, 61.
3 Interessante Fallstudien zu dieser Thematik finden sich in: Kolnberger, T.; Steffelbauer, I.; Weigl, G. (Hg.): Krieg und Akkulturation. Wien 2004.
4 Burke, P., Kultureller Austausch, Frankfurt a. M. 2000.
5 Conrad, S.; Randeria, S.: Einleitung. Geteilte Geschichte - Europa in einer postkolonialen Welt, in: Dies.: Jenseits des Eurozentrismus. Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts- und Kulturwissenschaften, Frankfurt a. M. 2002, S. 9-49.
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Romanisierung vorgenommen, da die Germanen in größerem Maße römische Kultur rezipierten, als die Römer germanische Kultur. Aspekte der römischen Kultur werden nur dort erläutert, wo die Römer Rezipient germanischer Einflüsse sind. Da unser Wissen über die germanische Kultur zu einem großen Teil aus den Überlieferungen antiker Autoren stammt, sollen die zwei bedeutendsten Quellen, Caesar und Tacitus, und die Intentionen ihrer Werke genauer in den Blick genommen werden.
2. Theorie des Kulturtransfers
Im Folgenden soll in erster Linie das Konzept des Kulturtransfers, wie es Peter Burke systematisiert hat, kurz vorgestellt werden. Ergänzend kommen Ideen und Anregungen der transnationalen Geschichtsschreibung, namentlich von Shalini Randeria und Sebastian Conrad, hinzu.
Das Konzept des Kulturtransfers ist recht jung und kann vor allem als Reaktion auf die voranschnellende Globalisierung und den damit verbundenen Verlust von Tradition und Identität verstanden werden. Zwar existierte bereits in den 50er Jahren ein Interesse an den Vorgängen kulturellen Austausches, aber eine intensivere Auseinandersetzung mit dieser Thematik kam erst in jüngster Zeit auf. 6
Bisher galten Prozesse wie z. B. die Hellenisierung als „Aufpfropfung griechischer Kultur auf das römische Imperium“. 7 Dagegen sieht Burke den Transfer von Kultur vielmehr als Interaktion zwischen Zentrum und Peripherie. 8 Beim Kulturtransfer kann man also nicht davon ausgehen, dass es einen nur passiven Rezipienten und einen alleine aktiven Übermittler von Kultur gibt. Der Rezipient ist nämlich in dem Maße aktiv am Transfer beteiligt, in dem er die fremde Kultur seiner eigenen Lebensweise anpasst, verändert oder nur oberflächlich akzeptiert. Burke spricht daher nicht von
6 Vgl. Burke 2000, 9-11.
7 Burke 2000, 11.
8 Vgl. Burke 2000, 11.
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„Akkulturation“, sondern von „Transkulturation“ 9 , da dieser Begriff die Aktivität beider Parteien besser widerspiegelt.
Ältere Begriffe, die verschiedene Wege des Kulturtransfers bezeichnen, sind „Tradition“ und „Rezeption“. Beide Begriffe gehen allerdings davon aus, dass die vermittelte Kultur unverändert von der einen auf die andere Partei übergeht. Diese starren Vorstellungen verwirft Burke zu recht 10 und verweist auf folgende Alternativen: zum einen die Imitation oder Nachahmung als bewusstes Nachempfinden fremder Kultur 11 , zum anderen die Aneignung (pejorativ: Plünderung) der fremden Kultur 12 , außerdem, aus der Sicht des Kultur-Gebenden, die Akkomodation (Anpassung an den Empfänger) 13 und die Synkretisierung bzw. Hybridisierung, die in ihrer Eigenart eklektisch ist. 14
Nach der Darstellung, wie Kulturtransfer stattfindet, stellt Burke dar, in welchen spezifischen Situationen Kulturtransfer stattfinden kann. Ein wichtiger Faktor zu Beurteilung kulturellen Austausches ist das Kräfteverhältnis, in dem die Parteien zueinander stehen, ob sie also gleichberechtigt sind oder die eine der anderen überlegen ist. 15 Gleichberechtigt heißt in diesem Kontext militärisch bzw. technologisch oder auch politisch ebenbürtig, wobei auch eine kulturelle oder künstlerische Überlegenheit, so problematisch die Bewertung von Kultur auch sein mag, denkbar ist. 16
Ein weiterer situativer Aspekt des Kulturtransfers ist das Rezeptionsvermögen der aufnehmenden Partei. Burke unterscheidet hier „Kulturen mit einer starken Tradition der Aneignung und Übernahme und Kulturen mit einer schwachen Tradition der
9 Burke, 2000 13. Für eine kurze Begriffsgeschichte der Termini des Kulturtransfers s.: Burke, 2000,
14-24.
10 Vgl. Burke 2000, 16.
11 z.B. die Imitation antiker Autoren während der Renaissance oder die Nachahmung germanischer Riten durch die Nationalsozialisten.
12 z.B. der christliche Umgang mit heidnischer Kultur oder den Raub von Kunstgegenständen aus Griechenland durch die Römer, dazu: Hölscher, T.: Hellenistische Kunst und römische Aristokratie, in: Hellenkemper-Salies, G. u.a. (Hg.): Das Wrack. Der antike Schiffsfund von Mahdia, Bd. 2, Köln 1994, 875-888.
13 z.B. die jesuitische Mission unter Matteo Ricci im China des 16. Jahrhunderts.
14 Vgl. Burke 2000, 17-22.
15 Vgl. Burke 2000, 24.
16 Man denke an den Vorbildcharakter der griechischen für die römische Literatur, obwohl das militärische Kräfteverhältnis genau umgekehrt war.
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Traditionsabwandlung“ 17 . Demnach gibt es Gruppen mit einer besonderen Affinität zu fremdem Kulturgut, um daraus Vorteile zu ziehen, wohingegen es anderen Gruppen schwer fällt, Fremdes aufzunehmen und Eigenes aufzugeben.
Ein ebenfalls wichtiger Gesichtspunkt kulturellen Austausches ist der Ort, an dem Kulturtransfer stattfindet. Typische Orte kulturellen Transfers sind Metropolen, in denen verschiedenste Kulturen aufeinander treffen, oder Grenzen bzw. Grenzregionen am Übergang von einer zur anderen Kultur. 18
Ferner beschreibt Burke die Reaktionen der Rezipienten auf den kulturellen Austausch. Dabei unterscheidet er drei mögliche Szenarien:
Zum einen kann fremde Kultur akzeptiert oder sogar positiv angenommen werden 19 , zum anderen kann es Widerstand gegen sie geben, vor allem aus dem Grund, dass sich „kulturelle Identitäten […] oft durch Gegensätzlichkeit“ 20 definieren. Oft hat diese Abneigung eine Art Reinhaltungsgebot der eigenen Kultur zur Ursache. 21 Beide Phänomene stellen Extreme dar, wobei man immer berücksichtigen muss, dass oft in der betreffenden Kultur selbst Uneinigkeit über die kulturelle Anleihe herrscht. 22 Der Mittelweg zwischen diesen beiden Extremen ist die Segregation (Auswahl). Segregation ist die bewusste Auswahl fremder kultureller Elemente, die der aufnehmenden Kultur notwendig erscheinen, wobei die eigene Kultur soweit wie möglich unberührt bleiben soll. 23 Bisweilen kann aus dieser Variante der Reaktion auf kulturellen Austausch eine Art kulturelle Apartheid entstehen. 24
.Zuletzt skizziert Burke die möglichen Ergebnisse eines kulturellen Austausches. Demnach gibt es zum einen eine „Mischung“ (oder auch „bricolage“), zum anderen eine „Kreolisierung“ 25 . Mit dem zweiten Ausdruck ist in erster Linie die Entwicklung
17 Burke 2000, 26. Als Beispiel führt er Japan an, welches zunächst in China massive kulturelle Anleihen machte und es später ebenso beim Westen tat.
18 Vgl. Burke 2000, 27.
19 In der heutigen Zeit gibt es zahllose Beispiele dafür: man betrachte den Import amerikanischen Lebensstils nach Europa im 21. Jahrhundert.
20 Burke, 2000 31.
21 Vgl. Burke 2000, 32.
22 So galt griechische Kultur in Rom oft als luxuria, obwohl die Nobilität durchaus Freude an ihr fand.
23 Vgl. Burke 2000, 33.
24 Vgl. Burke 2000, 34. Burke erwähnt die Japaner, die in ihrer Freizeit traditionell und im Geschäftsleben westlich gekleidet sind.
25 Burke 2000, 35f.
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komplexrer Strukturen im Sinne einer dialektischen Theorie gemeint: eine neue Figuration statt Kontamination. 26
Nachdem die Grundzüge der Theorie des Kulturtransfer vorgestellt wurden, sollen nun bestimmte Aspekte dieser Theorie anhand des Konzepts Shalini Randerias und Sebastian Conrads relativiert oder verbessert werden.
Kulturtransfer impliziert, dass zwei verschiedene Kulturen aufeinander treffen. Diese Kulturen werden als autonome Einheiten betrachtet, die sich bis zu ihrem Aufeinandertreffen eigenständig entwickelten. Randeria und Conrad bezeichnen diese Vorstellung in Bezug auf die Neuzeit als Geschichtsschreibung nationaler Teleologien. 27 Stattdessen sollen Nationen oder Europa als Ganzes, in diesem Fall aber Kulturen, als Synthese verschiedenster, innerer wie äußerer, Einflüsse verstanden werden: „[…] die Verwobenheit der europäischen mit der außereuropäischen Welt […].“ 28
Für das Thema dieser Arbeit lässt sich also folgern, dass die germanische, wie auch die römische Kultur ein Produkt der vorherigen „Verwobenheit“ beider Kulturen miteinander ist und eben nicht ein hermetisch abgeriegeltes System, das zu keiner Zeit Anleihen an der anderen Kultur machte. So muss uns klar sein, dass die germanische Kultur ein Geflecht verschiedener Stammeskulturen und auswärtiger Einflüsse ist und sich erst dadurch als germanische Kultur konstituiert, wobei eine Kultur nie in ihrem Status verharrt, sondern sich stets verändert. Gleiches können wir für die römische Kultur annehmen, die als Synthese verschiedener italischer Einflüsse und der griechischen Kultur verstanden werden muss. Gerade im imperium Romanum wird die Verwobenheit der einzelnen Kulturen besonders deutlich. Relativierend muss aber hinzugefügt werden, dass „der Grad der Verwobenheit variiert.“ 29 So ist auch für diese Arbeit festzuhalten, dass die Intensität der Verwobenheit der germanischen mit der römischen Kultur durch das militärische Aufeinandertreffen beider Gruppen ansteigt und zu vermehrten Interaktionen führt.
26 Vgl. Burke 2000, 36-40.
27 Vgl. Conrad/Randeria, 2002, 10.
28 Conrad/Randeria, 2002, 10. Die Autoren beziehen sich auf den Kolonialismus der europäischen Nationalstaaten, räumen aber an selber Stelle ein, dass die Idee kein ausschließlich modernes oder koloniales Phänomen ist.
29 Conrad/Randeria 2002, 18.
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Zwar räumt Burke ein, dass Kulturtransfer nicht von einem passiven und einem aktiven Part ausgeführt wird, sondern dass Interaktionen den kulturellen Austausch bewirken, aber es scheint nötig hier noch einen Schritt weiter zu gehen. Der Fehler besteht nämlich darin, zu glauben, dass eine kulturelle Errungenschaft von einer zur anderen Kultur übertragen wird, ohne dass die annehmende Kultur an der Entstehung dieser Errungenschaft beteiligt gewesen wäre: „Auf diese Weise wird die Komplexität der Moderne am Rand der kapitalistischen Welt (und auch ihre Verflechtungen mit der Moderne) ignoriert und stattdessen eine universale Transformation traditioneller Kulturen durch den >westlichen< Fortschritt konstatiert.“ 30 Übertragen auf die europäische Antike lässt sich ableiten, dass Rom nicht für einen Kulturexporteur für die Germanen gehalten werden darf, sondern dass die Germanen durch ihre Einflussnahme auf die Römer deren Kultur mitgestaltet haben und somit auch Anteil an deren Errungenschaften haben. Dennoch soll davor gewarnt werden, statt von Romanisierung jetzt von Germanisierung zu sprechen: „Die Betonung von Interaktionen und Verflechtungen zielt daher nicht auf eine Umkehrung des Eurozentrismus. Es geht vielmehr darum, zur De-Zentrierung des >Westens< beizutragen […]“ 31
Ebenso wie Burke betonen auch Randeria und Conrad, dass Verwobenheit und gemeinsame Konstituierung nicht bedeutet, dass die teilnehmenden Kulturen gleichberechtigt sind. 32 Mann muss stattdessen fast immer davon ausgehen, dass die eine Kultur der anderen in politischer oder militärischer Hinsicht überlegen ist, so dass der Kulturtransfer oft hierarchisch und repressiv ist, wobei auch freiwillige Anpassung denkbar ist.
Bei den Ergebnissen eines Kulturtransfers spricht Burke von „Mischformen“ und „Kreolisierung“. 33 Leider gelten diese möglichen Resultate nur für die Perspektive der rezipierenden Kultur. Doch es muss auch beachtet werden, dass der durch Interaktion zustande gekommene Kulturtransfer Effekte auf beiden Seiten hat, wobei das Ausmaß durchaus unterschiedlich ist. 34 Was Burke also vernachlässigt, ist, dass
30 Conrad/Randeria 2002, 13.
31 Conrad/Randeria 2002, 14.
32 Vgl. Conrad/Randeria 2002, 18.
33 Burke 2000, 35f.
34 Vgl. Conrad/Randeria 2002, 25f.
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Timo Castens, 2008, Kulturtransfer zwischen Römern und Germanen, München, GRIN Verlag GmbH
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