Hausarbeit: „Evidence based Medicine“ im Bereich der Behindertenhilfe
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einführung 1
1.1 Status quo: Findet EBM Anwendung im Bereich der Behindertenhilfe? 1
1.2 Beschreibung der Arbeit 1
2. Grundlagen 2
2.1 Der Begriff Evidence Based Medicine 2
2.2 Intension des Ansatzes der Evidence-Based Medicine 2
2.3 Historische Entwicklung der Evidence-Based Medicine 3
2.4 Meta-Analyse und Evidence Based Medicine 4
3. Erwartungen an die Evidence-Based Medicine 4
3.1 Erwartungen an die EBM aus unterschiedlichen Betrachtungswinkeln 4
3.2 EBM: ein Kostenminimierer? 5
3.2 Gesetzliche Grundlagen 5
4. Praktische Umsetzung von EBM 6
4.1 Literatursuche 7
4.2 Evidenzbasierte Leitlinien 7
4.3 Literaturrecherche zu Leitlinien der Rehabilitation 9
5. Anwendung des Ansatzes der Evidence-Based Medicine S 10
im Bereich der Behindertenhilfe - eine kritische Auseinandersetzung
II
6. Abschluss - eine kritische Würdigung S.14 6.1 Zusammenfassung S.14 6.2 Grenzen der EBM S.14
6.3 Kritische Würdigung -Bewertung S.15 6.4 Ausblick S.15
Literaturverzeichnis S.16 Abkürzungsverzeichnis S.18 Abbildungsverzeichnis S.18 Tabellenverzeichnis S.18 Übersetzung S.18
Weiterführende Links und Informationsmaterial S.19 Glossar S.22 Anhang Karikatur S.25
Begriffliche Abgrenzung der Leitlinien-Richtlinien-Guidelines S.26
Der 3-Stufen-Prozess der Leitlinienentwicklung S.29 Auszug aus dem SGB V S.30
III
1. Einführung
1.1 Status quo: Findet EBM Anwendung im Bereich der Behindertenhilfe?
„Evidence Based Medicine 1 “ ist ein Konzept, das mit Schlagwortcharakter immer größere Verbreiterung findet, auch wenn es erst mit einer bemerkenswerten Verzögerung in Deutschland Einzug gehalten hat. Bei dem Begriff handelt sich um einen modernen Anglizismus, dessen hintergründige Bedeutung nicht allen, die ihn benutzen, klar ist. Ob in Krankenhäusern, Praxen oder Behörden - fast jeder, der im medizinischen Bereich tätig ist, hat von dieser neuen Art, Medizin zu betreiben gehört. Allerdings kann kaum jemand benennen, was EBM ist und noch weniger, in welchen medizinischen Einrichtungen EBM in den Arbeitsalltag umgesetzt und praktiziert wird. Intention dieser Hausarbeit ist es, eine umfassende Einführung in das Thema der Evidenz-basierten Medizin zu geben, sowie die Relevanz des Ansatzes in der Behindertenhilfe aufzuzeigen.
1.2 Beschreibung der Arbeit
Der Begriff wird zunächst operationalisiert und definiert. Die Ziele und Beweggründe für die Schaffung des Systems werden anhand der historischen Entwicklung und Entstehung des Konzeptes erörtert. Die Vorstellung der vier Kernelemente der Umsetzung der EBM verdeutlichen die Vorgehensweise des Praktikers. Das Kapitel der Literatursuche komplettiert, die Betrachtung der Meta-Analyse intensiviert die vorangegangenen Ausführungen zur praktischen Umsetzung. Da Effektivität und Effizienz zentrales Thema der EBM sowie des gesamten Gesundheitssektors sind, wird hier zum einen die Diskrepanz zwischen dem ökonomischen Blickwinkel, zum anderen die Sicht des Systemansatzes beleuchtet und hinterfragt. Durch den Einsatz von Leitlinien in der Gesundheitsversorgung sollen Prinzipien der EBM in die Praxis umgesetzt werden. Aus diesem Grund halte ich es für unabdingbar, dieses Thema als auch das Thema der speziellen Literatursuche zur Rehabilitation in die Gestaltung der Arbeit zu integrieren 2 . Die Anwendung des Ansatzes der EBM im Bereich der Behindertenhilfe wird anhand verschiedener Kritikpunkte ohne Anspruch auf Vollständigkeit diskutiert und evaluiert. Nach einer thematischen Zusammenfassung werden die Grenzen der EBM aufgezeigt und abschließend in Bezug auf die Anwendung im Bereich der Behindertenhilfe bewertet.
1 „Evidence Based Medicine“ wird im weiteren Verlauf der Arbeit als EBM abgekürzt.
2 Da der Rahmen für die Ausgestaltung der Hausarbeit limitiert ist, befindet sich im Anhang eine Ergänzung zum Thema „Leitlinien“ einschließlich der Leitlinienentwicklung für interessierte Leser.
1
2. Grundlagen
2.1 Der Begriff „Evidence Based Medicine“ eine Einführung
„Evidence Based Medicine“ ist von David Sackett und vier seiner Kollegen 1996 in einem berühmt gewordenen und vielzitiertem Editorial des British Medical Journal folgendermaßen definiert worden 3 :
„The conscientious, explicit and judicious use of current best evidence in making decisions about the care of individual patients. The practice of evidence based medicine means integrating individual clinical expertise with the best available external evidence from systematic research“ (Sackett et al. 1996). 4
2.2 Intention des Ansatzes der Evidence-Based Medicine
Evidenz-basierte Medizin ist eine Methode zur Beurteilung medizinischen Handelns und medizinischer Verfahren, mit der Intention, Erkenntnisse aus der klinischen Forschung systematisch in die Routine der Patientenversorgung zu integrieren. Effizienz, Nutzen und Schaden traditioneller und innovativer Optionen oder umfassender Strategien, seien diese nun präventiver, diagnostischer, therapeutisch-kurativer oder palliativer Art 5 , werden dazu analysiert. Der zentrale Ansatz der EBM besteht in der Unterstützung der
Entscheidungsfindung im klinischen Alltag durch die systematische und explizite Nutzung von Erkenntnissen aus der klinischen, patientenorientierten Forschung und der expliziten Unterscheidung zwischen einer statistisch gesicherten Wirksamkeit von Maßnahmen und dem klinischen Nutzen für die Patienten. Zusammengefasst lässt sich festhalten: EBM fordert die Kombination der gegenwärtig besten externen wissenschaftlichen Evidenz und der klinischen Expertise des Einzelnen in ärztliche Entscheidungsprozesse 6 . Der Begriff „Evidenz“ wird hier in Anlehnung an die Bedeutung im angelsächsischen Sprachraum im Sinne von „Belegbarkeit“ oder „Nachweisbarkeit“ gebraucht und nicht in der deutschsprachigen Bedeutung von „Augenscheinlichkeit“ und „Offensichtlichkeit“. EBM versucht eine Sicherung der Qualität ärztlicher Behandlungen durch die Feststellung der bestmöglichen Evidenz zu erreichen. Es ist erklärte Absicht, in der Medizin nur auf das zu setzen, was sich empirisch bewährt hat. - nur was unter wissenschaftlich kontrollierten
3 Vgl. (1) Kunz/Ollenschläger, 2001, S. 39
4 Übersetzung im Anhang
4 Vgl. (8) Sackett, Gray , 1996 BMJ
5 Erläuterung der Bereiche: Prävention, Diagnose, Therapie, Nebenwirkungen, Screening, Rehabilitation, Prognose
2
Bedingungen zum Ziel geführt hat. 7 EBM ist somit in der wissenschaftlichen Erörterungen der Grundlagen medizinischer Entscheidungen zu einem integralen Bestandteil der Qualitätssicherung in der Patientenversorgung geworden.
Neben der Forderung nach wissenschaftlicher Belegbarkeit sind in diesem Zusammenhang auch ökonomische Aspekte von wesentlicher Bedeutung, da Entscheidungen über die Allokation begrenzter Ressourcen berührt werden (Kosten-Nutzen-Analyse etc.) 8 . Mit der Einführung einer Evidenz-basierten Medizin ist die Hoffnung verbunden, dass “...Ärzte, die EBM praktizieren, die effektivsten Verfahren identifizieren und anwenden, um Lebensqualität und -dauer zu maximieren...“ (Sackett et al 1996)
2.3 Historische Entwicklung der Evidence-Based Medicine
Das Konzept der EBM wurde von der Evidence-Based Working Group, einer Gruppe von Ärzten und Epidemiologen unter der Führung von David Sackett, ausgehend von der McMaster Universität in Canada in den 80er Jahren entwickelt. Ziel war es dabei zunächst, ein problemorientiertes Instrumentarium bezogen auf den konkreten klinischen Entscheidungsprozeß zu etablieren 9 .
Die EBM verfügt über ein erhebliches Potential zur Verbesserung vor allem der ärztlichen Praxis, aber auch der Leistungen anderer Fachberufe im Gesundheitswesen. Aus diesem Grund wird Ihre Nutzung inzwischen zusätzlich auch für globale Entscheidungen im Bereich der Gesundheitsversorgung diskutiert, was zu der Einführung des Begriffes Evidence-Based Health Care (EBHC) geführt hat 10 . Mittlerweile hat sich der EBM Ansatz zu einer populationsorientierten Denkrichtung ausgeweitet: Evidence-Based Health Care, Evidence-Based Policy Making, Evidence-Based Purchasing, Evidence-Based Patient Choice, Evidence-Based Management, Evidence-Based Nursing, Evidence-Based Public Health, Evidence-Based Community Medicine sind Schlagworte einer anwen-dungsorientien Wissenschaftlichkeit im Gesundheitswesen und der Bemühungen um Qualitätsverbesserung in der medizinischen Praxis.
6 Vgl. (8) Sackett, Gray , 1996 BMJ
7 Vgl. (1) Raspe, Zaef 1996, S. 553, 554
8 Vgl. (10) Sendi PP, Bucher H, Streuer J, 1997
9 Vgl. (8) Sackett, Gray , 1996 BMJ
10 Vgl. (9) Gray, 1997
3
2.4 Meta-Analyse und Evidence-Based Medicine
Meta-Analysen leisten die systematische, wissenschaftliche Aufarbeitung und Zusammenfassung aller zu einer spezifischen klinischen Fragestellung existierenden Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Studien. Mit ihrer Hilfe lassen sich Voraussetzungen für eine evidenzbasierte Medizin schaffen. Im Idealfall lassen sich aus den Resultaten von Meta-Analysen sowohl Leitlinien für das generelle Problem als auch individuelle Therapieempfehlungen für den konkreten Fall ableiten. Meta-Analysen sind nicht mit EBM gleichzusetzen, spielen aber in deren Rahmen eine wichtige Rolle, da sie das wichtigste Instrument zur Evidenz-Bündelung darstellen und Voraussetzung für eine evidenzbasierte Medizin sind.
EBM wird oft mit der Durchführung von Meta-Analysen gleichgesetzt. Es wird dabei unterstellt, dass aus diesem Prozess Leitlinien resultierten, die im Sinne einer „Kochbuchmedizin“ angewendet würden. Diese Gleichsetzung beruht auf einem Missverständnis, da EBM gerade keine Kochbuchmedizin sein will, sondern die Unterstützung des Arztes bei Entscheidungen im individuellen Fall-IndividuaIfall zum Ziel hat; die Individualisierung einer Behandlung auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse ist eines ihrer Haupanliegen. Die Lektüre einiger Arbeiten der Gruppe um Sackett 11 zeigt dies ganz deutlich.
3. Erwartungen an die Evidence-Based Medicine
3.1. Erwartungen an die EBM aus unterschiedlichen Betrachtungswinkeln Ärzte wollen den Patienten mit Hilfe der Evidence-Based Medicine die bestmögliche Therapie und Diagnostik anbieten. Patienten erhoffen die Behandlung zu bekommen, die ihnen bei maximalem Nutzen am wenigsten schadet. EBM bietet im Rahmen der Problematik um „Dienstleistung im Gesundheitssektor als Vertrauensgut 12 “ ein wesentliches Instrument zur Kompensation der Informationsasymetrie durch Transparentmachung der notwendigen, bestmöglichen und standardisierten
11 Vgl. (7) Sackett, Richardson, Rosenberg 1997
12 Vgl. (1) Burger S.132
4
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Christine Stocker, 2003, Anwendung des Ansatzes der Evidence Based Medicine im Bereich der Behindertenhilfe, Munich, GRIN Publishing GmbH
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