Inhalt
Einleitung 3
Interpretationsansätze 4
L 'Allegro 7
Il Penseroso 11
Die komplementäre Beziehung zwischen Mirth und Melancholy 13
Struktur und Metrum. 13
Inhalt..................................................................................................................................... 14
Bedeutung. 15
Yin - Yang- Entsprechungen. 16
Hell - Dunkel 16
Anfang eines Zyklus’ - Ende eines Zyklus’ 16
Dynamik - Starre 17
Einheit aus Gegensätzen. 18
Fazit 18
Literature 20
2
Einleitung
L'Allegro und Il Penseroso gehören zu den frühen Gedichten, die John Miltons während seiner Jahre in Cambridge geschrieben hat, sie werden auf die beginnenden 1630er Jahre datiert. In der Literatur werden diese beiden gemeinhin als „companion poems“ bezeichnet, was bezüglich des strukturellen Aufbaus und inhaltlichen Gemeinsamkeiten durchaus trefflich formuliert ist. Weniger Einigkeit (als über diese offensichtlichen Parallelen) herrscht allerdings über die (Gesamt-)Bedeutung des Werkes. Im Wesentlichen lassen sich die „Strömungen“ der Interpretationsansätze in zwei Gruppen unterteilen: Zum einen steht die Darstellung von Gegensätzen im Mittelpunkt und zum anderen die Gesamtentwicklung der Geschehnisse, bis hin zu einer Auflösung zugunsten Il Penserosos. Besonders letzterer Ansatz wirft dabei einen wertenden Blick auf die beiden Lebensstile. Ich möchte in dieser Arbeit eine andere Blickweise verdeutlichen, die mir sehr unterrepräsentiert scheint. Zentraler Punkt dabei ist, dass die in L’Allegro und Il Penseroso beschriebenen Gemütszustände eine komplementäre Beziehung darstellen, die sich ergänzen und eine Einheit bilden. Zentrales Argument dabei ist zum einen, dass alle Dinge nur durch ihren Gegensatz existieren (gut und böse, Tag und Nacht, weltliche - und göttliche Freuden, etc.) und zum anderen, dass jedes der beiden Gedichte spezifische Elemente enthält, die zeigen, dass sowohl Mirth als auch Melancholy nur gemeinsam ein lebenswertes, wenn nicht gar lebensnotwendiges System ergeben und somit keine (objektive) Wertung der beiden erfolgen kann.
Um die Gemeinsamkeiten und Abgrenzung zu bisherigen Theorien zu belegen sollen zunächst kurz einige Interpretationsansätze dargestellt werden. In einem Close Reading wird anschließend die Basis für die weitere Erläuterung oben genannter These erarbeitet werden. Abschließend wird die existentielle Notwendigkeit von Mirth und Melancholy dargestellt. Dabei soll in besonderer Weise auf ihre Komplementarität eingegangen werden, die unter Zuhilfenahme des Konzepts von Yin und Yang erläutert wird.
3
Interpretationsansätze
Beim Studieren gängiger Literatur zu Miltons Gedichten, findet man unterschiedliche Ansätze, um die Frage zu beantworten, inwiefern diese beiden Gedichte überhaupt als „companion poems“ zu bezeichnen sind und welche Bedeutung damit in Verbindung gebracht werden kann. Es wird dabei deutlich, dass bis heute keine einheitliche Meinung darüber besteht, "wie und warum [L’Allegro und Il Penseroso] miteinander verbunden sind" 1 . In einem etwas paradoxen Satz könnte man behaupten, dass es die Gemeinsamkeiten wie auch die vermeintlichen Gegensätze sind, die beide miteinander verknüpfen. Gemeinsamkeiten lassen sich beispielsweise in einer fast identischen Struktur oder dem Vergleich von Mirth und Melancholy auf gleichen Ebenen finden. Aber auch Gegensätze in der Darstellung von Symbolen, die mit Mirth und Melancholy verbunden sind. So merkten Finch and Bowen an, dass sich ein endloser Kreislauf von Ver- und Entflechtung ergibt 2 , wodurch sich eine Verzahnung von Elementen in Form einer "dissonant companionship” 3 ergibt.
Die Auswirkungen dieser Verzahnung werden hingegen weniger einheitlich beantwortet. Im Wesentlichen bestimmt diese zweiseitige Art der Zusammengehörigkeit (Gemeinsamkeiten und Gegensätze) die Interpretationsansätze, wobei zunächst die Gegensätze, als vordergründiges Symbol beider Gedichte gesehen wurden. So gibt es eine Reihe von Autoren, die als Kern beider Gedichte den „Kampf“ zwischen Tag und Nacht 4 sehen, womit beide Gedichte gewissermaßen als „eigenständig“ betrachtet werden.
In einem neueren Ansatz sieht auch Flannagan diese Gegensätzlichkeiten im Vordergrund, schlägt dabei aber eine etwas andere Interpretation vor: Er sieht die beiden Gedichte als Repräsentationen von Miltons Leben. So beschreibt L'Allegro Miltons Kommilitonen Charles Diodati und dessen leichtfüßigen Lebensstil, wohingegen Il Penseroso den wissbegierigen und studierenden Milton repräsentiert. Diese Sichtweise untermauert er durch einen Brief, den Milton an seinen Freund adressierte, in dem er schrieb:
1 Cox, 1983
2 Finch & Bowen, 1990
3 ebd.
4 Tillyard 1938, Brooks. 1947
4
“...it is in my favour that your habit of studying permits you to pause frequently, visit friends, write much, and sometimes make a journey. But my temperament allows no delay, no rest, no anxiety — or at least thought — about scarcely anything to distract me, until I attain my object and complete some great period, as it were, of my studies.” 5 Des Weiteren werden die beiden Gedichte zum anderen als 2 Hälften eines Gedichts gelesen, da die von Mirth und Melancholy symbolisierten Gegensätze miteinander verbunden sind. In diesem Sinne stellt sich eine recht geradlinige Entwicklung dar, die mit den Zeilen „These pleasures Melancholy give / And I with thee will chose to live“ (Z. 175 f.) aus Il Penseroso endet. Demnach wird der Weg des melancholischen Mannes als einzige Möglichkeit interpretiert, um das höchste Level kreativen Ausdrucks und Göttlichkeit zu erlangen, was durchaus vereinbar mit Miltons Zeilen an Diodati ist. Mit Millers Worten ausgedrückt: “The delights of L'Allegro are real and valued, but like the glories of Greece they cannot stand against the ecstasy of Christian contemplation. Partial truth is inferior to complete truth. It is Il Penseroso who represents the proper Christian pattern”. 6 Wie Miller sieht auch Zaccharias den in Il Penseroso beschriebenen Weg, als die Möglichkeit, ein „kompletter“ Mensch und wahrer Dichter zu werden. 7 Es ist allerdings fraglich, ob diese dargestellten Ansätze dem Begriff „dissonant companionship“ gerecht werden, da sie in gewisser Weise dem folgen, was Tillyard als “simple progressions and self-evident contrasts“ beschrieb und damit die unterschwellige Komplexität übersehen 8 . Es soll daher in dieser Arbeit eine Art Bindeglied zwischen diesen beiden oben genannten Interpretationsansätzen geschaffen werden, in dem deutlich wird, dass es Elemente in den Gedichten gibt, die sowohl Mirth als auch Melancholy unentbehrlich (für das Leben) machen. Dabei spricht sowohl einiges gegen diese lineare Leseweise über L’Allegro und Il Penseroso hinweg, als auch gegen das ausschließliche Konzentrieren auf die Gegensätze beider Gedichte.
Obwohl es stimmt, dass Mirth und Melancholy (sowie die damit verbundenen Symbole) gegensätzliche Positionen einnehmen, sind sie doch - zusammengenommen - wesentlich vielfältiger und nicht nur bloße Gegensätze. Dafür spricht bereits, dass die Freude, die in Il
5 Flannagan, 1998
6 Miller, 1971
7 Zaccharias, 1988
8 Tate, 1961
5
Penseroso verbannt wird, eine andere ist als die, die in L'Allegro gelobt wird und auch die Melancholy von L'Allegro nicht dieselbe ist, wie die von Il Penseroso. Das heißt, dass hier vier unterschiedliche Stadien betrachtet werden müssen, da Mirth und Melancholy in jeweils gute und schlechte Varianten unterteilt sind 9 . Weiterhin sind diese Gegensätzlichkeiten besonders in dem Maße zu beachten, als dass sie einander bedingen und eine komplementäre Beziehung eingehen, frei nach Hegels Dialektik, dass alles Seiende nur durch seinen Gegensatz verstanden werden kann 10 . Betrachtet man demnach Schwarz und Weiß, so sind sie zum einen Gegensätze, weil sie auf der Skala der Grautöne zwei Extreme beschreiben, aber ebenso zusammengehörig, da es sich um ein und dieselbe Skala handelt. Liest man andererseits beide Gedichte als eines, spricht man dem Fakt Bedeutung ab, dass es zwei eigenständige Gedichte sind. Cox erkennt diese Notwendigkeit, wenn er sagt, dass sowohl der Pfad der Freude in L’Allegro, als auch der Pfad der Weisheit in Il Penseroso, jeweils einen Weg zu einer Verschmelzung mit Gott beschreibt. Allerdings sieht er keinen offensichtlichen Beweis dafür, dass eines das andere benötigt um den Pfad vollständig zu gehen. 11
Ich sehe in L’Allegro und Il Penseroso eine komplementäre Beziehung und mehr noch, eine Beziehung, wie sie Yin und Yang eingehen. Nach diesem taoistischen Konzept steht alles in der Natur, alle Naturerscheinungen und Lebensabläufe in polarer Wechselbeziehung zueinander. 12 Dies wird durch die beiden, jedwedem System immanenten, polaren Kräfte Yin und Yang ausgedrückt wird. Dabei können diese Pole nicht isoliert betrachtet werden, sondern immer nur in der jeweiligen Beziehung zueinander. Sie haben gegensätzlichen Charakter und bilden doch zugleich eine Einheit; sie wirken nicht gegeneinander, sondern spielen zusammen und ergänzen sich gegenseitig.
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass in jeder Yin - Kraft auch ein Yang - Anteil enthalten ist, und umgekehrt. Sobald eine Polarität ihr Maximum erreicht, wandelt sie sich in ihr Gegenteil.
Folgend sollen die Elemente aus den beiden Gedichten analysiert werden, die diesem Konzept entsprechen. Dafür wird zunächst mit einem Close Reading beider Gedichte begonnen.
9 Joplin, 1993
10 Bukdahl, Harbsmeier, 1986
11 Cox (1983)
12 Fasching, 2000
6
Arbeit zitieren:
Norman Knabe, 2008, Die komplementäre Beziehung zwischen Mirth und Melancholy in John Miltons 'L’Allegro' und 'Il Penseroso', München, GRIN Verlag GmbH
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