Abkürzungsverzeichnis:
bzw.- beziehungsweise
CSOTF- Civil Society Task Force d.h.- daher
G7- Die sieben führenden Industriestaaten HIPC- Heavily indebted poor countries IWF/ IMF- Internationaler Währungsfonds mögl.- möglich NPÖ- Neue Politische Ökonomie OECD- Economic Cooperation and Development OPEC- Organization of the Petroleum Exporting Countries PAF- Poverty Action Fund PEAP- Poverty Eradication Action Plan PRSP- Poverty reduction strategy paper UDN- Uganda Debt Network z.B.- zum Beispiel
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung ( politische Ökonomie)
2. Gründe für die Verschuldung
2.1. Ist Verschuldung ein Problem?
2.2. Externe Aspekte
2.3. Interne Aspekte
3. Reformen innerhalb des Landes als Lösungsansatz
4. Entstehungsgründe und Aufgaben des IWF - Internationaler Währungsfonds- und der
Weltbank
5. Kritik am IWF aus Sicht der Neuen politischen Ökonomie
6. Projekte zur Verbesserung der Situation von HIPCs
6.1. Pariser Club Hinführung zur HIPC Initiative
6.2. HIPC Initiative
6.3. Enhanced HIPC Initiative (HIPC II Initiative)
7. Gründe für den Schuldenerlaß/ Umschuldung aus der Perspektive der
Geberl änder (IWF) im Hinblick auf die Neue politische Ökonomie
8. Fallbeispiel: Uganda
9. Schlußfolgerung
1. Einführung
Die Wirtschaftspolitik, besonders die politische Ökonomie, hat ihren Ursprung im siebzehnten Jahrhundert. Der Grund für die Entstehung war die Ungleichverteilung von Ressourcen zwischen dem König und dem Bürger (die Ressourcen- Mobilisierung für den Kriegsfall) 1 . Es war notwendig, die ökonomischen Verhältnisse als auch die wirtschaftspolitischen Entscheidungen in einem zu betrachten, jedoch getrennte Analysemethoden für beide Bereiche zu entwickeln, um das Wohl des Landes als auch von der Bevölkerung garantieren zu können. Aus diesem Gedanken entstand im Laufe der Zeit (in den heutzutage großen Industrienationen) die politische Form der parlamentarischen Demokratie, deren Staatsoberhäupter durch freie, gleiche und geheime Wahlen ernannt werden, die Interessen der Bürger vertreten und die politisch ökonomische Struktur des Staates im Rahmen ihrer Befugnisse (Gesetze) und der Kontrollen der Legislative lenken 2 . Die Kontrollfunktion ist deswegen wichtig, da alle Individuen ihre eigenen Ziele verfolgen und dadurch mögliche Nachteile anderer entstehen können (Grundgedanke der Neuen politischen Ökonomie); das Staatsoberhaupt ist keine Ausnahme 3 . Unabhängige Institutionen wie die Notenbank verhindern einen zu großen Machtstatus der Regierung (Regelung der Inflationsrate > Arbeitslosenquote (Barro/ Gordon)) und können zudem durch zeitkonsistentes Handeln Reputationen aufbauen, die die Unsicherheit in Investitionen in den Staat verringern. Wie bei der Regierung wird über eine beschränkte Amtszeit ein zu hoher Machtstatus verhindert 4 .
In hochverschuldeten Ländern (HIPC - Heavily indebted poor countries) erkennt man jedoch, daß auf Grund in den 70er bis 80er Jahren vorherrschender externer, stets vorhandener interner, sowie naturbedingter Aspekte (auf diese gehe ich nicht weiter ein) eine andere Situation vorzufinden ist, die die oben genannten Punkte zumeist nur eingeschränkt gewährleisten. Im Abschnitt 2 werde ich die Gründe der Verschuldung ansprechen, der dritte Abschnitt zeigt innenwirtschaftliche notwendige Reformansätze auf. Daran anschließend gehe ich auf eine staatengemeinschaftliche Institution, den IWF (Internationaler Währungsfonds) ein, der als Ziel hat, den internationalen Wettbewerb (die Globalisierung) zu unterstützen und unter Mitwirkung ihrer Mitglieder die Schuldensituation hoch verschuldeter Länder in Form von Ent-
1 Encarta95 (english version); Economic
2 Donges, J. B./ Freytag, A.; Seite 213
3 Donges, J. B./ Freytag, A.; Seite 192
4 Donges, J. B./ Frytag, A.; Seite 235
und Umschuldungsinitiativen zu verbessern (siehe Kapitel 6). Kritik am IWF und den Initiativen stelle ich in den Kapiteln 5 und 7 vor. Das achte Kapitel zeigt am Fallbeispiel Uganda, wie diese Hilfe bis jetzt verlaufen ist und welche Umgestaltungen im Land getroffen wurden.
2 Gründe für die Verschuldung 2.1 Ist Verschuldung ein Problem?
Verschuldung ist an sich betrachtet kein Problem, kann aber eines werden. Die Frage ist die, wie gegebene Kredite verwendet werden und ob sich ein zeitliches Konzept, eine Struktur (siehe dazu Abschnitt 2.3.1.) hinter der jeweiligen Verwendung befindet. Wie sich aus der Vorlesung „Investitionen und Finanzen“ die Kreditnachfrage an der Rentabilität von Investitionsprojekten erklären läßt, ist dies bei Staaten das gleiche (investieren, nicht konsumieren (Transformationskriterium)). Der Kapitalwert von Investitionen, bzw. bei Staaten die Veränderung des Sozialproduktes, muß positiv sein, so daß sich die Situation verbessert (Effizienzkriterium). Außerdem sollten über die Investitionen wettbewerbsfähige Produkte hergestellt werden, die teilweise als Exporte ausländische Devisen ins Inland führen (Transferkriterium) 5 . „Selbst länger anhaltende Schuldenprozesse können dann finanziert werden, ohne dabei die Realversorgung der Volkswirtschaft zu beeinträchtigen. D.h. mit zunehmendem Wirtschaftswachstum sinkt das relative Gewicht des jeweils erreichten Schuldenstandes“ (Schlichting, G.; Seite 13). Anderenfalls führt die Verschuldung zu einer Verringerung des Periodenkonsums und der Periodeninvestitionen, neue Kredite müssen zur Tilgung alter Kredite und Zinszahlungen aufgenommen werden, wodurch diese Art ‚Abschlag‘ das Kreditvolumen, das in rentable Investitionsprojekte investiert werden kann, verringert 6 . Dies führt zu einer Erhöhung der Schuldenlast und eine Art Teufelskreislauf beginnt.
2.2 Externe Ursachen
Externe Ursachen sind Ursachen der Verschuldung, die nicht auf ein Fehlverhalten der Entwicklungsländer zurückzuführen sind. Vielmehr sind deren Gründe ein speziell die Entwicklungsländer tangierendes weltwirtschaftliches Problem.
5 Schlichting, G.; Seite 14
6 Korn, A; Seite 121
2.2.1 Ölpreiserhöhung im Rahmen der Ölkrise 1973/ 74 und 1979/ 80 Die Ölkrisen im Zeitalter der Industrialisierung (1973/ 74 und 1979/ 80) führten bei Entwicklungs- und Schwellenländern zu einer Art Auslöser des Schuldenproblems. Die Preise für Öl stiegen von 2 US-$ auf 35 US-$ pro Barrel an 7 . Da sich jedoch viele dieser Länder durch ihre ölzehrende Produktion in einer Ölabhängigkeit befanden und ihnen keine Substitute zur Verfügung standen, waren sie gezwungen, weiterhin Öl zu importieren 8 . Die Kosten deckten sie über die Aufnahme von Krediten. Letztendlich lag der Gewinn aus dem Verkauf unter den Kosten der Produktherstellung. In Punkt 2.2.2 werde ich darauf genauer eingehen.
2.2.2 Rohstoffe und deren Preisverfall
Eine zusätzliche Verschärfung der durch die Ölpreiserhöhung entstandenen Situation war ein Preisverfall der Rohstoffe des Agrarsektors auf dem Weltmarkt (Verschlechterung der Terms of Trade) 9 . Viele Entwicklungsländer hatten ausschließlich Handel mit solchen Rohstoffen betrieben. Da über ein hohes Angebot und eine geringe Nachfrage die durchschnittlichen Rohstoffpreise um 25 Prozent einbrachen und der zwar wieder sinkende aber weiterhin hohe Ölpreis keinen rentablen Export der Güter ermöglichte, stieg das Handelsdefizit (Verschuldung) ungehindert an 10 . Für die Entwicklungsländer kam als erschwerende Tatsache hinzu, daß durch zunehmenden Protektionismus der westlichen Industriestaaten, deren Innerwirtschaft gestärkt, die so notwendige Exportwirtschaft der Entwicklungsländer jedoch blockiert wurde 11 . Daraus resultierte eine Verminderung der Devisenimporte (durch das Ausbleiben von Exporten), wodurch ihre Schuldendienstfähigkeit gefährdet wurde.
2.2.3 Realzinsanstieg in den 80er Jahren
Das Umschwenken von vielen Industrieländern von einer expansiven( ab 1974) zu einer restriktiven Geldpolitik (in den 80er Jahren) mit der zweiten Ölkrise verschlechterte die durch hohe Verschuldung belasteten Entwicklungsländer des weiteren 12 . Variable Kredite wandelten sich von situationsverbessernden zu situationsverschlechternden Finanzierungsmitteln. Zu Beginn der Kreditvergabe lag der Nominalzins unterhalb der Inflationsrate. Durch die häufig
7 Schlichting, G.; Seite 30 und Anhang No.2
8 Korn, A.; Seite 121
9 Korn, A.; Seite 120 und Anhang No.4
10 Schlichting, G.; Seite 32 und Anhang No.4
11 Korn, A.; Seite 125
12 Schlichting, G.; Seite 33
an den Dollar gebundenen Kredite und der Kopplung der Währung an denselben ergab sich eine Verringerung der zu zahlenden Zinslast 13 . In den Folgejahren veränderte sich diese Situation: Die restriktive Geldpolitik(im Rahmen des beschleunigten Preisauftriebs 1980) führte zu hohen Nominalzinssätzen, daraus resultierend sank die Inflationsrate und der Realzins bzw. die variablen Zinssätze stiegen explosiv an 14 . Eine Neuverschuldung war unumgänglich. Eine kräftige Aufwertung des US Dollars1981 verschlimmerte die ohnehin schon schwierige nahezu ausweglose Situation 15 . Viele Währungen der Entwicklungsländer waren an den US Dollar gebunden, wodurch es eine Verteuerung von Produkten der nicht an den Dollar gekoppelten Währungen anderer Länder gab ( die Wettbewerbsfähigkeit sank). Außerdem stiegen die oftmals an den Dollar normierten Verbindlichkeiten an realem Wert an 16 .
2.2.4 Die Rolle der Banken
Zwischen 1970 und 1982 haben die Banken über die Ölpreiserhöhungen aus den OPEC Staaten hohe Devisenzuflüsse verzeichnet, die sie aus dem Motiv der Erhöhung der Marktmacht möglichst rentabel anlegen wollten. Auf Grund der hohen Kreditnachfrage und den Gewinnaussichten aus den hohen Rohstoffreserven der Entwicklungsländer, sowie der Nachfrage nach Krediten dererseits, ergab sich eine scheinbar lukrative Anlagemöglichkeit (Petrodollar) 17 .Die zumeist hohen Risiken aus diesen Anlagen gaben sie, hinsichtlich möglicher Realzinsschwankungen, über variable Zinssätze der Kredite an die Empfängerländer ab (roll- over Kredite) 18 , außerdem wogen sich die Kreditgeberbanken in Sicherheit, da es im internationalen Interesse (der westlichen Staaten) lag, die Entwicklungsländer zu unterstützen und ihnen in schwieriger Lage beizustehen („bail out“) 19 . Zudem gaben die Konsortialführerbanken über ihre, im nachhinein großzügigen Kreditvergabeprüfungen, Entwarnung vor unerwarteten Rückzahlungsschwierigkeiten. Diese Argumente veranlaßten die Banken sogar zu einer Kreditvergabe, die vom Volumen her doppelt so hoch war wie die Devisenzuflüsse der OPEC Staaten. Doch die zweite Ölkrise, die Polenkrise (Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage)
13 Mankiw, N. G.; Seite 194 oben
14 Korn, A.; Seite 133
15 Anhang 3
16 Nödinger, H. E.; Seite 216
17 Schlichting, G.; Seite 36
18 Korn, A.; Seite 187
19 Stiglitz, J.; Seite 233
Arbeit zitieren:
Rene Künnen, 2002, Internationale Verschuldung und Entschuldung, München, GRIN Verlag GmbH
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