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Inhalt
Inhalt... 1
1.Einleitung ... 2
2. Jugendstil als Epoche ... 2
2.1.Wurzeln des Jugendstils ... 2
2.1.1.Historischer Kontext ... 2
2.1.2.Die Dampfmaschine als Motor der Massenproduktion... 3
2.1.3. Massenproduktion und Serie... 5
2.2. Ein Stil formiert sich ... 6
2.2.1. William Morris... 6
2.2.2. Die Arts- and- Crafts- Bewegung... 8
2.2.3. Zur Trennung von Kunst- und Gebrauchsgegenstand... 9
2.3. Der Jugendstil als internationales Phänomen... 10
2.3.1. Von England in die westliche Welt... 10
2.3.2. Jugendstil in Deutschland... 13
2.3.3. Basale Inhalte der Jugendstilströmungen im Verhältnis zur Serie... 14
3.Stilbildende Elemente ... 16
3.1. Fläche- Linie- Farbe ... 16
3.2. Das Ornament... 18
3.2.1. Theorie des Ornaments... 18
3.2.2. Ornament und Serie... 19
4.Resümee ... 21
Literatur... 24
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1.Einleitung
,,Serial order is a method, not a style"
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Dieser Satz des Künstlers, Kritikers und Kurators Mel
Bochner, geäußert, lange nachdem der Jugendstil Kunstgeschichte war, trifft dennoch wie
kein anderer auf eine Betrachtung von Serialität und Jugendstil zu.
Am Anfang einer solchen Betrachtung steht oft die Definition des zu untersuchenden
Gegenstandes. Im Fall der Serie ist dies jedoch nicht so leicht, wenn man einmal von einer
Übersetzung des Wortes absehen möge, denn es handelt sich bei der Serie nicht um einen
einzelnen Untersuchungsgegenstand, sondern eher um ein Arbeitsfeld, einen
Themenkomplex, der verschiedenste Extremitäten aufweist.
Um verschiedene Aspekte von Serie, Serialität und serieller Ordnung in der Epoche des
Jugendstils aufzuspüren, ist es zunächst einmal unerlässlich, die gesamte Kunstrichtung nach
inhaltlichen und formalen Kriterien getrennt zu untersuchen.
Zu den inhaltlichen Kriterien zählen vor allem die Ziele derjenigen, die die Protagonisten des
Jugendstils waren, aber auch die Wurzeln desselben, die die Jugendstilschaffenden zu dem
brachten, was für sie Ziel der Kunstrichtung sein sollte.
Danach müssen die formalen Eigenschaften der Kunstepoche untersucht werden.
Auf dieser Reise ist die Serie immer Weggefährtin, denn beide Aspekte der
kunstgeschichtlichen Stilrichtung weisen Verknüpfungen mit der Serie auf. Im Zentrum
stehen Fragen wie:
Welche Rolle spielt das Prinzip der Serie im Jugendstil?
Ist die Serie konstitutiv für einzelne Sparten im Jugendstil?
Wenn ja, welche Bedeutung hat das für den Jugendstil?
2. Jugendstil als Epoche
2.1.Wurzeln des Jugendstils
2.1.1.Historischer Kontext
Unter Experten der geschichtswissenschaftlichen Betrachtungen wird das 19. Jahrhundert als
das ,,lange Jahrhundert" bezeichnet. Die Zeit von der bürgerlichen Revolution in Frankreich
bis zum Beginn des ersten Weltkrieges ist gekennzeichnet durch den Aufbruch Europas in die
Moderne.
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Bochner, Mel, ,,The Serial Attitude" In: Artforum Soho Press New Yorck 1967.S.28.
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Zugmaschinen dieses Aufbruchs sind die Industrialisierung, der demografische Wandel
(besonders die Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte), der endgültige Aufschwung
des Bürgertums, und damit einhergehend die neue Bedeutung der Nationalstaaten und des
nationalstaatlichen Prinzips.
Bildung und Wissenschaft haben plötzlich eine ganz neue Bedeutung, da sich die
wissenschaftlichen Errungenschaften oft direkt ökonomisch ausbeutbar machen lassen.
Bildung wird speziell in Deutschland zu einem eigenen Konzept (ausgehend von Preußen, wo
sich die Bildungsbürger aus dem Staatsbeamtentum rekrutieren), und es bildet sich eine ganz
neue soziale Schicht, die des Bildungsbürgertums.
2.1.2.Die Dampfmaschine als Motor der Massenproduktion
Die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts war möglich durch die Arbeit von James
Watt. Dieser überarbeitete eine Maschine, die Thomas Newcomen erfunden hatte, und die in
einem Bergwerk zum Abpumpen des Wassers eingesetzt wurde. Watt erkannte das Potential
der Maschine, erhöhte den Wirkungsgrad, und erfand das Maschinenleasing, in dem er seine
Maschine nicht an die Kunden verkaufte, sondern sie ihnen zur Verfügung stellte, und sich
statt dessen einen Teil der eingesparten Brennstoffkosten auszahlen ließ. So wurde die
Dampfmaschine sehr schnell wirtschaftlich, und auch für kleinere Unternehmen
erschwinglich.
Rasant fand die Dampfmaschine Verbreitung, besonders in der Textilindustrie, wo sie die
Webstühle antrieb und die vormalige heimische Produktion verdrängte. In riesigen Hallen, in
denen die neuen Maschinen installiert wurden, explodierte die Textilindustrie regelrecht, und
die Menschen die in diesen Tempeln der Moderne zu arbeiten hatten, litten unter den
Wucherungen, wie Pauperismus durch den völligen Zerfall der sozialen Bindungen.
Das Proletariat, die Menschen, die als einzigen Besitz ihre Nachkommen haben, formiert sich
und trägt den Aufschwung.
Der Dampfmaschine verdankt England den Aufstieg zum Mutterland der Industriellen
Revolution mit allen ihren Auswüchsen. Nach dem Siegeszug durch die englische
Baumwollindustrie ist die Dampfmaschine nicht mehr aufzuhalten. Sie findet schnell überall
dort Einsatz, wo Handarbeit durch die Dampfmaschine als Grundlage der Energieerzeugung
mechanisiert werden konnte.
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Die herkömmlichen Prozesse der Produktion wurden durch Neues ersetzt:
,,menschliche Fertigkeit und Anstrengung durch die ebenso schnell wie gleichmäßig, präzise und unermüdliche
Arbeits-Maschine"; "Verwendung neuer Rohmaterialien in größeren Mengen, vor allem die Ersetzung
pflanzlicher und tierischer Substanzen durch anorganische und schließlich synthetisch hergestellte Materialien."
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Auf diese Weise entstand eine ganz neue Art des Produzierens: die Massenfertigung, die
eigenen, ebenfalls neuen Prinzipien unterliegt.
Stark simplifiziert betrachtet unterliegt die Massenproduktion folgenden Gesetzmäßigkeiten:
1. Arbeitsteilung (jeder Arbeiter hatte nur wenige Schritte im Produktionsverfahren zu
realisieren, die strikt kontrolliert wurden. Dies führte zu einer geringeren Verantwortung der
Arbeiter, einer kleineren Fehlerquote und einer höheren Effizienz)
2. Standardisierung (Die Einzelteile mussten in bestimmten Normen hergestellt werden, da sie
sonst in den weiteren Arbeitsschritten nicht mehr verwendet werden konnten. Jegliche
Abweichung vom Toleranzbereich musste als teurer Ausschuss klassifiziert werden.)
3.Fertigungsverfahren und Organisationsstruktur ( Das Fertigungsverfahren wurde detailliert
analysiert und in Unterschritte aufgeteilt die Organisationsstruktur eines Betriebes hatte
Einfluss auf dessen Wirtschaftlichkeit)
4. Fließbandfertigung (Die Arbeit sollte im Fluss bleiben, die Maschinen sollten Tag und
Nacht laufen und ein einheitliches Arbeitstempo sollte erreicht werden. So ließ sich die
Arbeitsdauer pro Werkstück enorm verringern)
5. Niedrige Kosten und Preise (Größere Menge an produzierten Gütern brauchten auch mehr
Abnehmer. Diese ließen sich durch niedrige Preise gewinnen. Da der Preis an die Kosten
gebunden ist, musste der Lohn der Arbeiter so gering wie möglich gehalten werden- und so
gelangt man schnell wieder an die soziale Frage.
Gleichzeitig mussten die Ausgangsstoffe für die Produkte so günstig wie möglich sein.
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Die tiefen Einschnitte in das Leben der Menschen und besonders die Veränderungen der
Arbeitswelt verliefen nicht konfliktfrei.
Bereits 1851 zur ersten ,,Great Exhibition", der ersten Weltausstellung im Londoner
Kristallpalast wurde der grenzenlose Fortschrittsoptimismus und die Unbedenklichkeit, mit
der die Fabrikanten die Maschinen einsetzten, um in Massen minderwertige Waren auf den
Markt zu bringen, mit großem Unbehagen registriert. So zieht etwa der deutsche Architekt
Gottfried Semper, der die Ausstellung besucht, eine wenig positive Bilanz:
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Landes, David:" Wohlstand und Armut der Nationen. Warum die einen reich und die anderen arm sind."
Siedler Verlag, Berlin 1999. S.205.
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Vgl. dazu: Storp, Hartmut :Ablaufplanung und Kostenvergleichsrechnung für veränderte Arbeitsstrukturen der
Massenproduktion. Husum 1982.
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,,Das Schwierigste und Mühsamste erreicht sie (die Maschine) spielend mit ihren von der Wissenschaft
erborgten Mitteln; der härteste Porphyr und Granit schneidet sich wie Kreide, poliert sich wie Wachs, das
Elfenbein wird weich gemacht und in Form gedrückt, Kautschuk und Guttapercha wird vulkanisiert und zu
täuschenden Nachahmungen der Schnitzwerke in Holz, Metall und Stein benutzt, bei denen der natürliche
Bereich der fingierten Stoffe weit überschritten wird. Metall wird nicht mehr gegossen oder getrieben, sondern
mit jüngst unbekannten Naturkräften auf galvanoplastischem Wege deponiert (...) Die Maschine näht, strickt,
schnitzt, malt, greift tief ein in das Gebiet der menschlichen Kunst und beschämt jede menschliche
Geschicklichkeit"
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Es blieb nicht bei bloßer Kritik. Gerade in den Reihen der bildenden Künstler drängte man auf
Rückbesinnung, ja man könnte fast sagen auf industrielle Konterrevolution.
2.1.3. Massenproduktion und Serie
Die Massenproduktion ist eine Fertigung in Serie. Bestimmend ist ein spezieller Aspekt der
Serialität: ein Musterstück soll so kostengünstig wie möglich in großer Stückzahl produziert
werden. Hierbei wird eine erzielbar genaue Kopie des Musterstückes angestrebt.
Es entstehen also Reproduktionen des Originals in möglichst großer Stückzahl und in
möglichst geringer Variation. Eine Serie besteht hier im Original und seinen identischen
Klonen. Abweichungen vom Original werden als Ausschuss deklariert und vernichtet.
Die Techniken und Prinzipien der Massenfertigung hielten auch schnell Einzug in die
angewandte Kunst. Die serienmäßige Herstellung von Kunstgewerbe, die Massenfertigung
unter Verwendung billiger Rohstoffe, vor allem die so entstehende seelenlose Einheitlichkeit
und Austauschbarkeit der Produkte wurde von den Kunstschaffenden mit Abscheu betrachtet.
Es kam zu einer Glorifizierung der Handfertigkeit und des Kunsthandwerkes auf Kosten der
Mechanisierung.
Mit dem Siegeszug der Massenfertigung offenbart sich ein Konflikt, der sich vereinfacht als
Alt versus Neu beschreiben ließe.
Auf der Seite Neu begegnet einem das Kunstwerk, bei dem immer etwas Neues entsteht. Ein
Kunstwerk ist auratisch und erhält seine besondere Ausstrahlung durch den ihm
innewohnenden Geist der Inspiration, die den Künstler ereilt hat bei der Erschaffung des
Kunstwerkes. Ein Kunstwerk ist (zumindest zu dieser Zeit noch) einzigartig, nicht
reproduzierbar und insofern auch immer neu. Hier hat die Fotografie eine Ausnahmestellung
der sich unter anderem Walter Benjamin angenommen hat.
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Zitat Gottfried Sempers in Dewiel, Lydia L."Jugendstil" DuMont Schnellkurs.2. Auflage dieser Ausgabe
DuMont Literatur und Kunst Verlag Köln 2007. S.11.
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Auf der Seite Alt ist das in Serie gefertigte Werkstück der Massenproduktion. Es hat nichts
Innovatives, nichts Einzigartiges und es ist auch nichts Neues. Es ist lediglich eine Kopie von
etwas schon Dagewesenem.
In seinem Aufsatz zur Serialität und Reproduktion
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geht Hartmut Winkler ebenfalls, wenn
auch indirekt, auf diesen Konflikt ein:
,,Umso erstaunlicher ist, unter welch extremen Spannungen und gegen welche Widerstände das serielle Prinzip
der Warenproduktion sich hat durchsetzen müssen. Konfrontiert mit einem Handwerk, das seine Muster gerade
nicht mechanisch reproduzierte und die Produktgestalt den wechselnden Kontexten seiner Verwendung anpassen
konnte, mußte die industriell gefertigte Ware als kalt und ´tot` erscheinen, und ihr Siegeszug als ein Sieg der
Ökonomie über den Gebrauchswert, als die Durchsetzung einer verselbständigten Rationalität gegen das
menschliche Maß und eine menschlichere Vergangenheit"
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2.2. Ein Stil formiert sich
2.2.1. William Morris
Exemplarisch für die Gegenströmung besonders der Kunstgewerbeschaffenden zur
Massenfertigung steht der Engländer William Morris. Seine Bedeutung für die
,,Weiterentwicklung der Kunst in England in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts" und
damit als Sockelleger für die gesamte Kunstrichtung des Jugendstil ,,kann gar nicht hoch
genug eingeschätzt werden"
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.
1834 wird Morris in eine Kaufmannsfamilie im aufstrebenden England geboren. Man lebt in
bürgerlichem Komfort. Der Vater ist Besitzer einer Kupfermine und betätigt sich erfolgreich
als Spekulant an der Börse. Der von Natur aus sehr nachdenkliche und introvertierte Junge
William Morris teilt das Interesse seines Vaters am Geschäft und am Fortschritt nicht. Schon
als adoleszenter Mensch verschließt er sich gewissermaßen den Errungenschaften der neuen
Zeit, und weigert sich, seine Mutter auf die erste Weltausstellung 1851 in London zu
begleiten. So entscheidet er sich auch nicht für eine kaufmännische Ausbildung, sondern
beginnt ein Theologiestudium in London. Später wechselt er die Studienrichtung und widmet
sich intensiv der Geschichte des Mittelalters. Er findet schnell Freunde, die seine
Begeisterung für die Mediävistik und besonders für König Artus und die Ritter der Tafelrunde
teilen.
Dieser Mystizismus bildete eine Kontradiktion zur erkenntnistheoretischen Position des
Positivismus, der als Denkansatz im 19. Jahrhundert mehr und mehr Verbreitung fand. Nur
evaluierbare Daten sollten der Erkenntnisgewinnung dienen, nur das Messbare sollte wahr
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Winkler, Hartmut: Technische Reproduktion und Serialität. In: Günter Giesenfeld (Hg.) ,,Endlose Geschichten.
Serialität in den Medien." Hildesheim 1994, S.38-45.
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Ebd. S.39.
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Mackay, James ,,Kunst und Kunsthandwerk der Jahrhundertwende" Verlag Gondrom Bayreuth 1986. S.6.
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