In dem vorliegenden Referat möchte ich die Epoche Sturm und Drang besprechen. Zuerst schildere ich kurz die historische Lage, dann charakterisiere ich die Epoche, wobei konzentriere ich mich vor allem auf ihre Bedeutung in der Literaturgeschichte, auf ihr Programm und ihre Vorläufer. Im weiteren Verlauf wird von Drama, Epik und Lyrik im Sturm und Drang und von den wichtigsten Vertretern gesprochen.
Die Gründung der Vereinigten Staaten (1776) und gespannte Situation in Frankreich, derer Folge die Französische Revolution (1789) war, war der historische Hintergrund der Sturm und Drang Epoche. Deutschland als ein vereinigter Staat existierte derzeit nicht, denn es bestand aus vielen kleineren voneinander getrennten Teilstaaten. Da die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen nicht ideal waren, herrschte auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands große Unzufriedenheit. Die Literatur sollte die Hoffnung auf besseres Leben bringen. Eine neue literarische Epoche des Sturm und Drang verzichtete auf die alten Gegebenheiten und Tednenzen und beschäftigte sich mit der Suche nach den Ursprüngen. 1
Der Titel des Dramas von F.M. Klinger „Sturm und Drang“ (der ursprüngliche Titel „Der Wirrwarr“), das 1776 erschien, gab der neuen Epoche den Namen. 2 Obwohl diese ästhetisch-literarische Revolution nicht so lange dauerte (1767-1785/90), hinterließ sie in der deutschen Dichtung „unauslöschliche Spuren“ 3 . In der Literatur wird diese Epoche auch „erste revolutionäre Jugendbewegung“ 4 genannt. Die Bewegung war ein Frontalangriff der jungen deutschen Autoren gegen die unproduktive, ihrer Meinung nach, Aufklärung. 5 Es ist
1 Vgl. Baumann, Barbara, Oberle, Birgitta: Sturm und Drang (1767-1785/90). S. 89-100 in: Deutsche Literatur in Epochen. Ismaning: Max Hueber 1996, hier S. 90
2 Vgl. Sanjosé, Axel: Sturm und Drang. http://xlibris.de/Epochen/Sturm+und+Drang?page=0%2C0 (28.10.2008)
3 Böttcher, Kurt: Die Bewegung des Sturm und Drang - ein neuer Abschnitt der Aufklärung. S. 19-53 in: Sturm und Drang. Erläuterungen zur deutschen Literatur. Berlin: Volkseigener Verlag 1978, hier: S. 19
4 Baumann, Barbara, Oberle, Birgitta: Sturm und Drang (1767-1785/90). S. 89-100 in: Deutsche Literatur in Epochen. Ismaning: Max Hueber 1996, hier S. 89
5 Vgl. Sanjosé, Axel: Sturm und Drang. http://xlibris.de/Epochen/Sturm+und+Drang?page=0%2C0 (28.10.2008)
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aber zu erwähnen, dass der Sturm und Drang „keine Gegenbewegung zur Aufklärung war“ 6 , sondern eher eine spezifische Fortsetzung und Bereicherung der früheren Epoche. Die Betonung der Vernunft war für die jungen Künstler nicht mehr wichtig. Das Programm der Epoche bestimmten jetzt Individualität und die Einheit von Leib, Seele und Geist. 7 Im Mittelpunkt der Dichtung war derzeit das Genie, „ein großes, unabhängiges Individuum“ 8 , das sich als „zweiten Schöpfer neben Gott“ 9 verstand. Demnach war Kunst nicht erlernbar und die Dichter wurden über andere Menschen hinausgehoben. 10 Ein Symbol „für die gesetzgebene Instanz des Genies“ 11 war Prometheus, der sich den Göttern widersetzte. Das Idividuum sollte eine Verbindung zwischen Sinnlichkeit, Herz, Vernunft, Phantasie und Gefühl darstellen. Deswegen waren folgende Begriffe für die Autoren der Epoche von großer Bedeutung: Natur, Genie, Kraft und Leidenschaft. 12 Mit dem Geniekult war eng William Shakespeare verbunden, der ein Vorbild für die jungen deutschen Autoren war. Da Shakespeare historische Figuren einzigartig neu schuf, wurde er für diese Epoche „eine fast gottähnliche Gestalt“ 13 .
1773 wurde von J. G. Herder die Sammlung „Von deutscher Art und Kunst“ herausgegeben, die das Programm des deutschen Sturm und Drang definierte. Man verzichtete auf das normative Vorbild der französichen Literatur und das Wort „deutsch“ in dem Titel sollte als germanisch, nordisch, volkstümlich verstanden werden. 14 Sozial niedrige Schichten und ihre Probleme waren die Lieblingsthemen der neuen Dichtung, Volk und Volkskunst gewannen an Bedeutung. Man stellte fest, die Ursprüngen der nationalen Wesen leben in Kunst und Sprache des Volkes. 1778/1779 erschienen die „Volkslieder“ von Herder, die von seiner Begeisterung für diese Kunst zeugten. Seine „Volkslieder“ sollten die unverfälschte Seele des Volkes zeigen. 15
6 Stephan, Inge: Aufklärung. S. 148-230 in: Deutsche Literaturgeschichte. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 2001, hier: S. 159
7 Vgl. Baumann, Barbara, Oberle, Birgitta: Sturm und Drang (1767-1785/90). S. 89-100 in: Deutsche Literatur in Epochen. Ismaning: Max Hueber 1996, hier S. 89
8 Sanjosé, Axel: Sturm und Drang. http://xlibris.de/Epochen/Sturm+und+Drang?page=0%2C0 (28.10.2008)
9 Baumann, Barbara, Oberle, Birgitta: Sturm und Drang (1767-1785/90). S. 89-100 in: Deutsche Literatur in Epochen. Ismaning: Max Hueber 1996, hier S. 91
10 Vgl. Stephan, Inge: Aufklärung. S. 148-230 in: Deutsche Literaturgeschichte. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 2001, hier: S. 158
11 Baumann, Barbara, Oberle, Birgitta: Sturm und Drang (1767-1785/90). S. 89-100 in: Deutsche Literatur in Epochen. Ismaning: Max Hueber 1996, hier S. 91
12 Vgl. Ebd.
13 Ebd.
14 Vgl. Ebd. S. 89
15 Vgl. Ebd. S. 90
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Arbeit zitieren:
Lizenziat Andrzej Gilowski, 2008, Die Epoche des Sturm und Drang - eine kurze Einführung, München, GRIN Verlag GmbH
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