Inhalt
1 Vorwort 3
2 Biographische Eckdaten. 3
3 Trinitätslehre im Anschluss an die Tradition 4
4 Relation konstituiert Person 5
5 Selbststand. 6
6 Spezifikum der Relation in Gott. 6
6.1 klassische Einteilung in der aristotelischen Kategorientafel. 6
6.2 1. Thomistische Unterscheidung: Relation - übrige Akzidentien. 7
6.3 2. Thomistische Unterscheidung: In-Sein im „Geschöpf“ - in Gott. 8
6.4 In-Sein als Selbststand 8
7 Einheit vs. Unterschiedenheit? 9
7.1 Unterscheidung: Doppelaspekt 9
7.2 Einheit trotz Unterscheidung: Distinction in re und distinctio in ratione. 10
8 Thomas und moderne Anfragen an den Personenbegriff. 11
8.1 Antwortversuche von zwei Theologen des 20. Jahrhunderts. 12
8.2 Zwei christliche Anliegen bezüglich des Personenbegriffes. 13
8.3 Thomas: Einmaligkeit in Bezogenheit 13
9 Abkürzung. 16
10 Literatur. 16
2
1 Vorwort
Die hier vorliegende Arbeit besteht aus zwei Hauptteilen. In Kapitel 3-7 versuche ichaufbauend auf dem von mir gehaltenen Referat - den trinitarischen Personenbegriff des Thomas herauszuarbeiten. Es zeigt sich, dass der Heilige im Rahmen seiner Ausführungen die Frage nach der Einheit und Verschiedenheit in Gott zu lösen versucht. Es zeigt sich auch, dass er den Personenbegriff sowohl als etwas substanzhaftes als auch als etwas relationales betrachtet. Dieser Syntheseversuch ist schon beeindruckend, wenn man bedenkt, dass sich die meisten modernen Ansätze zur Personendefinition entweder fast ausschließlich von der Substantialität oder fast ausschließlich von der Relationalität her verstehen. 1 Im zweiten Hauptteil (Kapitel 8) versuche ich dann noch einige Aspekte des Seminars aufzugreifen. Vor allem ist dies ein kleiner Versuch zu zeigen, dass mit dem Personenbegriff von Thomas wichtige christliche Anliegen verfolgt werden, die meiner Meinung nach bei Rahner und Balthasar etwas zu kurz kommen.
2 Biographische Eckdaten
Thomas von Aquin wird um das Jahr 1225 als Sohn eines Grafen in Unteritalien geboren. Als Fünfjähriger kommt er zu den Benediktinern auf den Monte Cassino und mit 14 Jahren beginnt er das Studium der freien Künste in Neapel und lernt dort den jungen Dominikanerorden kennen dem er 1243, gegen den Willen der Eltern, beitritt. Um ihn von dieser Entscheidung abzubringen, überfällt seine Familie ihn, „kidnappt“ ihn und hält ihn über ein Jahr gefangen. Nach seiner Befreiung, beginnt er 1245 ein Studium bei Albert Magnus in Paris, dann in Köln und bekommt 1256 einen Lehrauftrag in Paris und ist dort mit längeren Unterbrechungen bis 1272 tätig. Dann begibt er sich nach Neapel. Hier entsteht das vielleicht bekannteste Werk, die „summa theologica“. Die Philosophie des Thomas von Aquin ist durch einen groß angelegten Vermittlungsversuch gekennzeichnet, der die christliche Glaubenswahrheit mit dem Denken des Aristoteles verbindet. Auf dem Weg zum Konzil von Lyon, wohin ihn der Papst als Berater geladen hat, stirbt Thomas von Aquin am 7. März 1274. Er wird am 18. Juli 1323 heilig gesprochen und 1557 zum Kirchenlehrer ernannt.
1 Vgl.: Schmidbaur 1995, 504.
3
3 Trinitätslehre im Anschluss an die Tradition
Hier soll es nun um die Frage nach dem Personenbegriff im Rahmen der Trinitätslehre des Thomas gehen. Ich halte mich in meine Ausführungen vor allem an Hans Christian Schmidbaur, der die trinitarische Gotteslehre des Thomas in seinem Buch „Personarum Trinitas“ 2 näher untersucht. Die tiefste Entfaltung dieser Lehre erreicht Thomas in der schon erwähnten „summa theologica“ 3 . Der Trinität wird darin in 17 quaestiones Raum gelassen (q.27 - q.43). Was die Schwerpunktsetzung in der Begrifflichkeit angeht, so konzentriert Thomas sich in der Summa neben dem Personenbegriff hauptsächlich auf den Begriff der Relation. 4
Thomas schließt dabei an traditionelle Auffassungen an: In Gott gibt es 4 in ihrer Art verschiedene Relationen: die Vaterschaft des Zeugenden, die Sohnschaft des Gezeugten, das Hauchen des Vaters und des Sohnes und die Gehauchtheit des aus beiden hervorgehenden Geistes. 5 Daraus ergeben sich 3 Personen: den Vater, Sohn und Geist. Aus den 4 Eigentümlichkeiten der Relationen ergeben sich auch die Eigenheiten der Personen. Der Vater ist ursprungslos und zeugend, der Sohn gezeugt, der Geist gehaucht. Die Personenanzahl entspricht dabei der Anzahl der gegenüberstehenden Relationen (relationes oppositae). 6 Diese grundlegenden Aussagen für die Trinität sind nach Thomas Gegenstand des Glaubens, auf sie kann nur aus der Offenbarung geschlossen werden. 7
2 Schmidbaur 1995.
3 Aquin 1939. 4 Vgl.: Schmidbaur 1995, 425. 5 Vgl.: Aquino 1985, 193. 6 Vgl.: Aquino 1985, 193. 7 SThI q.32 a.1 resp.
4
Der Begriff der „relatio“ bekommt bei Thomas eine Bedeutung, welcher dieser Begriff so zuvor nicht gehabt hat, auch wenn er zum Beispiel auch schon bei Augustinus sehr wichtig war. Dieser Begriff wird auch insofern bedeutend werden, da er den Personenbegriff des Thomas erst richtig verständlich macht.
4 Relation konstituiert Person
Die Relation konstituiert nämlich, lt. Thomas, Person. Dass sie so der Person logisch vorgängig ist, ist keineswegs selbstverständlich. Bis in die Zeit des Thomas herrschte ein Verständnis von trinitarischer Relation, „nach dem die Person zwar durch die Relation unterschieden, d.h. individualisiert, aber eben nicht konstituiert sein sollte.“ 8 Es ist jedoch klar: „Der Hervorgang [processio] [der Person] bedarf einer Form, auf die hin er sich aktuieren kann.“ 9 Thomas formuliert dies so: „Der Ursprung eines Wirklichen [= der Hervorgang] aber wird nicht als etwas Wirkliches bezeichnet, sondern als eine Art Weg vom Wirklichen weg oder zum Wirklichen hin; so wird die Zeugung bezeichnet als eine Art Weg zum gezeugten Wirklichen und als hervorgehend aus dem Zeugenden. Deshalb kann es nicht sein, dass das gezeugte und das zeugende Wirkliche einzig durch die Zeugung unterschieden werden; sondern man muss sowohl im Zeugenden als im Gezeugten das erkennen, wodurch sie sich unterscheiden. In der göttlichen Person aber gibt es nichts anderes zu erkennen als die Wesenheit und die Beziehung [relatio], bzw. die Eigentümlichkeit. Da sie also in der Wesenheit übereinkommen, bleibt nur übrig, dass die Personen durch die Beziehungen [relatio] voneinander unterschieden werden.“ 10 Die Relation ist somit die Grundlage, die erst die Ursprünge, das heisst die Hervorgänge der Person, ermöglicht.
8 Schmidbaur 1995, 420.
9 Schmidbaur 1995, 422. 10 STh.I q.40 a.2 resp.
5
Arbeit zitieren:
Dr.theol. Stefan Huber, 2004, Der Personenbegriff in der Trinitätslehre des Heiligen Thomas von Aquin, München, GRIN Verlag GmbH
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