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belasten und austrocknen, leben können. Der Geistliche, der Rechtsgelehrte, der Soldat und der Staatsverwalter machen vier Klassen öffentlicher Beamter aus, die überall notwendig sind. Warum beschuldigt man sie in Frankreich des Aristokratismus? Weil die adlige Kaste alle guten Stellen an sich gerissen hat. Sie hat sich daraus ein Erbgut gemacht. Auch benutzt sie es nicht in dem Geist des gesellschaftlichen Vertrages, sondern zu ihrem besonderen Vorteil.“ (Fußnote S.33).
Der Zweite Stand hingegen ist für ihn nicht einmal eine eigene Kaste oder gar eigener Stand, sondern schlicht ein Beruf innerhalb der arbeitenden Gesellschaft des Dritten Standes. Der arbeitende Teil der Gesellschaft, d.h. der Dritte Stand braucht die beiden anderen Stände nicht. Er allein umfaßt die Nation.
Im Zweitem Kapitel geht er noch einmal der Frage nach was der Dritte Stand bisher in der politischen Ordnung gewesen ist. Dabei kritisiert er heftig den politischen Führungsanspruch des Adels, den dieser vom Recht der Geburt, also der Herkunft ableitet, was für Sieyes nicht zählt. Die Abstammung von Römern, Galliern, Franken oder Goten ist für ihn keine Grundlage für die politische Macht, daß die Vorrechte des Adels zurückgehen auf die Rechte der Eroberung, läßt er nicht gelten. Im Gegenteil ist es für Sieyes höchste Zeit, diese Eroberung rückgängig zu machen und sich des Adels zu entledigen. Sogar in den Generalständen, in denen der Dritte Stand vertreten ist, nehmen oft Angehörige der beiden anderen Stände die Mandate des Dritten Standes ein. Dies führt dazu, daß der Dritte Stand der sowieso nur ein Drittel der Generalstände bildet, obwohl er die Masse der Bevölkerung darstellt, heillos unterrepräsentiert ist und seine Rechte in keiner Weise vertreten kann. Dabei kommt Sieyes zu dem Schluß, daß der Dritte Stand schwer politisch benachteiligt ist. „Kurz zusammengefaßt: Der Dritte Stand hat bis jetzt bei den Generalständen keine wahren Stellvertreter gehabt; er befand sich also nicht im Besitz seiner politischen Rechte.“(S.40). Ludwig XVI. beruft am 8.8. 1788 die Generalstände für den Mai des kommenden Jahres ein, was seit 1614 nicht mehr geschehen ist. Dieses Ereignis beherrscht das damalige Frankreich in der politischen Diskussion und Sieyes greift in seinem drittem Kapitel direkt in die damalige Diskussion ein. Dabei faßt er die wichtigsten Forderungen der Zeit auf: „Erste Forderung.
Die Stellvertreter des Dritten Standes sollen nur aus den Bürgern, welche wirklich zum Dritten Stande gehören, ausgewählt werden. (S.43) Zweite Forderung des Dritten Standes:
Daß seine Abgeordneten die gleiche Zahl wie die der beiden privilegierten Stände Haben sollen. (S.49)
Dritte und letzte Forderung des Dritten Standes:
Daß die Generalstände nicht nach Ständen, sondern nach Köpfen abstimmen sollen. (S.54)“
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Damit soll verhindert werden, daß zum einen der Adel seine privilegierte Stellung nutzt und sogar die Vertretung des Dritten Standes direkt mit übernimmt, zum anderen soll ein Gleichgewicht zwischen den Privilegierten und dem Dritten Stand geschaffen werden, damit der Dritte Stand auch eine Möglichkeit hat seinen Forderungen Gewicht zu verleihen. Dies ist Sieyes aber bei weitem nicht genug, denn warum soll sich der Dritte Stand, der für ihn die Ganze Nation darstellt, die Macht mit zwei anderen Ständen teilen, die nichts zum Ganzen beitragen, sondern sich nur als Parasiten unterhalten lassen. Dies ist aber nur ein Teil der öffentlichen Diskussion. Von allen Seiten, sowohl von der Regierung als auch aus den drei Ständen kommen vorschläge zur Verbesserung und Umgestaltung des Systems. Man diskutiert über Provinzialversammlungen, die gerechterte Verteilung der Steuerlasten und eine Nachahmung des englischen Systems.
Dies alles ist aber in Sieyes´ Augen nicht genug oder für Frankreich falsch. So entwickelt er im fünften Kapitel eine eigene Vorstellung von der Lösung der überfälligen Probleme und stellt in diesem Kapitel seine Vorstellung zur Bildung der Nation dar. Er teilt dies in drei Epochen ein. In der ersten Epoche sieht er nur eine mehr oder weniger große Zahl von Individuen, die den Willen zur Vereinigung haben. Dies ist Hobbes Naturzustand recht ähnlich, nur daß Sieyes dabei nicht vom Krieg aller gegen alle spricht, vor dem das Individuum Schutz sucht. Nach Sieyes bilden sie allein durch den Willen zur Vereinigung bereits eine Nation. Die Vereinigung dieser vielen individuellen Willen, ist für ihn der Ursprung der Macht, sie führt direkt zu der gesellschaftlichen Vereinigung. Die zweite Epoche ist geprägt durch den gemeinschaftlichen Willen, der sich in einer Gesellschaft herausbildet, denn alle haben dieselben öffentlichen Bedürfnisse, die sich aus dem einheitlichen Willen ergeben und alle haben gemeinsam für die Bereitstellung der Mittel zu sorgen, die benötigt werden, um diesen Willen umzusetzen. Die Macht gehört dem Ganzen, das sich durch die Vereinigung der individuellen Wünsche bildet. Diese Vereinigung führt zur Bildung des Staates und zur Beendigung des Naturzustandes, was ganz im Gegenteil zu Aristoteles steht, bei dem der Staat von Natur aus existiert. Eine Gemeinschaft bedarf nach Sieyes Vorstellung eines gemeinschaftlichen Willens. Ohne die Einheit des Willens ist keine Gemeinschaft möglich, denn sie würde nie etwas Ganzes sein. Dadurch macht Sieyes auch schon deutlich, daß es für ihn in dieser Gesellschaft keinen Platz für Privilegierte, wie den Ersten und den Zweiten Stand gibt. Denn wie sollen die Privilegierten denn gemeinschaftlichen Willen mit tragen, da doch ihre Interessen sich von denen des Dritten Standes völlig unterscheiden. „...; ohne die Einheit des Willens würde sie nie ein wollendes und handelndes Ganzes ausmachen können.“ (S. 78).
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In der dritten Epoche beschäftigt sich Sieyes mit der Ausübung der Macht durch die Regierung, dabei stellt er fest, daß die Gemeinschaft, d.h. das Volk nie seine Macht wirklich an eine Regierung abtritt, sondern es das ureigenste Recht des Volkes ist, die Macht zu besitzen. Die Gemeinschaft kann lediglich der Regierung die Ausübung der Macht übertragen, d.h. die Regierung herrscht durch Vollmacht des Volkes. Sieyes plädiert dabei für eine Regierungsform nach dem Repräsentationsprinzip, da er direkte Formen der Volksherrschaft, wie Rousseau diese bevorzugt, in Frankreich als nicht praktikabel ansieht. Das Land ist zu groß, die Anzahl an Bürgern zu hoch, als daß es möglich wäre, daß alle Bürger aktiv am politischen Prozeß teilnehmen. Außerdem ist die Repräsentation ein politisches Mittel, Einheit im Volk zu schaffen, erst das repräsentative System, ist das System aller, in dem sich jeder einzelne Bürger wiederfinden kann. Ein repräsentativ gewähltes Parlament spiegelt die ganze Nation wieder, es ist ein Symbol der Einheit des Volkes, da es alle vertritt. Letztlich macht das Repräsentationsprinzip erst aus den verschiedenen Strömungen, die es in der Bevölkerung gibt, den politischen Willen des Volkes, es schöpft aus einem Gemenge die zentralen Themen und macht sie zum gemeinsamen Willen des Volkes. Dadurch macht die Repräsentation die Nation erst handlungsfähig, da sich sonst gegensätzlich Strömungen nur behindern würden. In Hobbes` Leviathan ist der Souverän das Symbol der Einheit des Volkes, er ist das integrierende Element, das Staat, Volk und Regierung einigt. Ganz im Gegensatz dazu ist bei Sieyes die Repräsentation das einigende Element, das alle zusammenführt. Zusätzlich verschafft die Repräsentation den Bürgern die notwendige Freiheit sich politisch zu betätigen. Für Aristoteles ist es das Kennzeichen des Bürgers, daß er sich politisch betätigt. Durch seine politische Aktivität definiert sich der griechische Bürger, die notwendigen Arbeiten, die zum Lebensunterhalt geleistet werden müssen, erledigen Sklaven. In Sieyes` Frankreich sind die äußeren Umstände gänzlich unterschiedlich. Die Bürger sind oft mehr als genug mit dem eigenen Lebensunterhalt beschäftigt, ihnen bleibt kaum Zeit sich mit der Politik zu befassen, noch wirklich politisch aktiv zu werden. Diese Funktion übernehmen die Repräsentanten, die als Stellvertreter der Bürger sich um deren politischen Interessen kümmern. Sie entlasten damit den durchschnittlichen Bürger, der schlicht keine Zeit hat, sich um seine politischen Belange zu kümmern. Dadurch wird Politik zum Beruf, sie ist nicht mehr wie bei Aristoteles eine hehre Aufgabe der Bürger, um die sich diese als eine Art „Höhere Pflicht“ zu kümmern haben, sondern es gibt die ersten Berufspolitiker, die die Interessen der Bürger professionell vertreten und dafür durch Diäten, die für sie den Lebensunterhalt sichern, entschädigt werden. Die wichtigste Unterscheidung der zweiten und dritten Epoche für Sieyes liegt darin, daß es sich nicht mehr um den wirklichen gemeinschaftlichen Willen handelt, sondern um einen
Arbeit zitieren:
Werner Schima, 1997, Josef Emmanuel Sieyes: Was ist der dritte Stand?, München, GRIN Verlag GmbH
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Emmanuel Joseph de Sieyes.
Emmanuel -Joseph de Sieyés (3 Mai 1748- 20. Juni 1836),
lebte in Paris. Er verfasste ein Pamphlet namens Was ist der dritte Stand?, und ließ sich als einen der 20 Vertreter, des dritten Standes bei der Nationalversammlung aus Paris, wählen. Er wurde vor allem durch sein Pamphlet berühmt. Er war kein besonders guter Redner und sprach daher nur selten und kurz in der Nationalversammlung. Er arbeitete später ebenfalls an der Verfassung mit, und wurde einmal in das Amt des zweiwöchigen Präsidenten der Nationalversammlung gewählt.
am Tuesday, November 15, 2005-