Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Die TAT 1
3 Die TAT 1929-1933. 4
4 Die Protagonisten des TAT-Kreises. 6
4.1 Hans Zehrer 6
4.2 Ernst Wilhelm Eschmann 7
4.3 Ferdinand Friedrich Zimmermann 8
4.4 Giselher Wirsing 8
5 Grundlagen und Ziele der TAT. 9
5.1 Die neue Volksgemeinschaft. 9
5.2 Die Rolle Ferdinand Frieds. 13
6 Kritik an der TAT 14
7 Die TAT und die NSDAP 15
7.1 Der TAT-Kreis über Adolf Hitler. 19
8 Zusammenfassung. 21
9 Literaturverzeichnis. 23
9.1 Quellen. 23
9.2 Sekundärliteratur 24
1 Einleitung
„Der Weg der Zukunft führt dahin, diesen Menschen rechts mit dem Menschen links zusammenzuführen und umgekehrt und aus beiden eine neue Volksgemeinschaft zu schaffen unter dem Mythos einer neuen Nation.“ 1 Mit diesen Worten beschreibt Hans Zehrer seine Vorstellung der deutschen Zukunft. Sie stellen zugleich die Ideologie des TAT-Kreises im Zeitraum 1929-1933 dar. Diese Arbeit untersucht Zusammenhänge zwischen der Zeitschrift Die TAT mit ihren Hauptautoren, dem TAT-Kreis, und dem Scheitern der Weimarer Republik und geht der Frage nach, welche Bedeutung die TAT als Wegbereiter für den Nationalsozialismus hatte. Nach einer Einführung in die Thematik, in der die Entstehung und Entwicklung der Zeitschrift dargelegt wird, wird der Zeitraum auf die aktivste Phase der TAT eingegrenzt (1929-1933) und die Ideologie ihrer Autoren in Bezug auf die Fragstellung erörtert. Im Anschluss folgt eine kurze Exkursion zum Umgang mit Kritik an der TAT, woraufhin Verstrickungen des TAT-Kreises mit der NSDAP untersucht werden. Die Literaturlage ist übersichtlich, die Originalquellen in Sammelbänden der Zeitschrift, sowie die beiden zentralen Arbeiten zu diesem Thema von Fritzsche und Sontheimer (a.a.O.) dienten dieser Arbeit als Grundlage.
2 Die TAT
Die TAT war eine deutsche monatlich erscheinende Zeitschrift im Zeitraum von 1909 bis 1944. Von ihrer Gründung durch den Philosophen und freireligiösen Prediger Ernst Horneffer 2 im April 1909 erschien sie bis 1938 im Eugen Diederichs Verlag in Jena zunächst bis 1912 mit dem Untertitel Wege zum freien Menschentum. Im Oktober 1912 übernahm Eugen Diederichs (1867-1930) die Zeitschrift, dessen Auflage zu dieser Zeit 1000 Exemplare betrug. Sie wurde inhaltlich
1 Zehrer, Hans: Rechts oder Links? In: Die TAT, Jg.23, 1931/32, S.505. 2 Hanke, Edith; Hübinger, Gangolf: Von der „TAT“-Gemeinde zum „TAT“-Kreis. Die Entwicklung einer Kulturzeitschrift. In: Versammlungsort moderner Geister. Der Eugen Diderichs Verlag - Aufbruch ins Jahrhundert der Extreme. Hrsg. von Gangolf Hübinger. München 1996, S.300.
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neu ausgerichtet, was im neuen Untertitel Eine sozial-religiöse Monatsschrift zum Ausdruck kam. Bis zum Tod des Firmengründers im Jahr 1930 gehörte der Verlag zu den führenden Kulturverlagen in Deutschland. Eugen Diederichs machte die TAT zu einer einflussreichen Zeitschrift seiner Hausautoren: Zielgruppe war die freistudentische Jugendbewegung.
Wenig später, 1913 wurde der Untertitel erweitert und lautete Sozialreligiöse Monatsschrift für deutsche Kultur. Im April 1916 gab es eine weitere Änderung. Die Zeitschrift hieß nun bis auf weiteres Die TAT. Monatsschrift für die Zukunft deutscher Kultur, Diederichs Ziel war es, aus der Monatsschrift ein "Forum zukünftiger Kultur" 3 zu machen, Hanke/Hübinger beschreiben es mit den Worten, dass nun „immer heftiger werdende publizistische Kontroversen um eine Neuordnung Deutschlands“ 4 die Zeitschrift bestimmten. Es lässt sich festhalten, dass das Programm konservativer wurde, gegen die Weimarer Republik gerichtet, auch schaltete sich der Verlag freiwillig gleich. Missliebige Autoren wurden aus dem Programm genommen, wie beispielsweise Henri Bergson, der wegen seiner jüdischen Herkunft nicht länger zum Programm passte. Darüber hinaus wurden völkische Titel bevorzugt. Als 1928 der Begriff „Kultur“ keinen leitenden Orientierungsbegriff mehr darstellte 5 und zur Bedeutungslosigkeit herab sank, wurde der Untertitel erneut geändert in Die TAT. Monatsschrift zur Gestaltung neuer Wirklichkeit.
Diederichs leitete die TAT jahrzehntelang selbst. Kurt Sontheimer urteilt darüber:
„Die Diederichssche TAT war keine völkische Zeitschrift in dem primitiven Sinne der völkischen Gruppierungen in der Weimarer Zeit. Sie war anspruchsvoller, esoterischer, kultivierter, doch gleichfalls charakteristisch für jene Verbindung von
3 Fritzsche, Klaus: Politische Romantik und Gegenrevolution. Fluchtwege in der Krise der bürgerlichen Gesellschaft: Das Beispiel des ‚TAT’-Kreises, Frankfurt a.M. 1976, S.45. 4 Hanke/Hübinger 1996, S.300.
5 Vgl.: Bollenbeck, Georg: Bildung und Kultur. Glanz und Elend eines deutschen Deutungsmusters, Frankfurt a.M. 1994.
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deutschen Wesenstümelei mit einem antiliberalen, antihumanitären und antiwestlichen Affekt“ 6
Im Oktober 1929 übernahm Hans Zehrer (1899-1966) die Leitung des Blattes. Es ist erstaunlich, dass in der Zeit der Rezession, im Monat des ‚Schwarzen Freitags’ (25.Oktober 1929), die Zahl der Einstellungen fast aller Zeitschriften rapide zu nahm und die Auflagen extrem schrumpften, die Auflagen der TAT jedoch kontinuierlich stiegen. Mit einer Auflage von knapp 30.000 Exemplaren 7 im Jahr 1932 erreichte es in dieser Zeit etwa doppelt so viele Leser wie die radikaldemokratische Wochenzeitschrift Die Weltbühne, ein Indiz für die zentrale Rolle der TAT im intellektuellen Diskurs zwischen 1929 und 1933. Ab Oktober 1931 wurde der Untertitel erneut präzisiert und hieß ab jetzt Unabhängige Monatsschrift zur Gestaltung neuer Wirklichkeit. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten lautete der Untertitel erst Unabhängige Monatsschrift und später Deutsche Monatsschrift. Die Auflage sank rasch auf etwa 4000 Exemplare 8 . Um „neue Wirklichkeit“ wurde nun nicht mehr debattiert und im Juni 1933 übergab Zehrer die Chefredaktion an Giselher Wirsing (1907-1975) und Ernst Wilhelm Eschmann (1904-1987), welche die TAT auf NS-konformen Kurs brachten 9 , sie im März 1939 als „Vorkämpfer einer neuen Lebensauffassung für endgültig überholt“ 10 erklärten und den Titel durch Das XX.Jahrhundert. Monatsschrift ersetzten. Im Februar 1944 wurde die Zeitschrift eingestellt.
Kurt Sontheimer beschreibt die TAT als sowohl in ihrem Inhalt wie in ihrer Wirkung eines der aufschlussreichsten Symptome für die geistige und politische Krise der Weimarer Republik, allerdings sei die Ak-
6 Sontheimer,Kurt: Der TAT-Kreis. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 7, 3. Heft 1959, S.231.
7 Sontheimer 1959, S.232. Vgl. dazu auch Fritzsche 1976, Fußnote 33, S.346: „In der TAT selbst sind für die einzelnen Etappen keinerlei Auflagezahlen genannt worden. Wie der jetzige Inhaber des Diederichs -Verlags, Peter Diederichs, in einem Brief an Kurt Sontheimer vom 2. Juni 1958 erklärt hat, ist die genaue Entwicklung der Auflage auch überhaupt nicht mehr festzustellen, da die „Herstellungsbücher, die die genauen Auflagen-Ziffern der TAT festhielten, […] vernichtet sind.“ 8 Hanke/Hübinger 1996, S.323. 9 Hanke/Hübinger 1996, S.323. 10 ebd., S.301.
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tivität des TAT-Kreises nur ein - jedoch nicht zu übersehender -Strang von vielen. 11
3 Die TAT 1929-1933
Seit 1927 arbeitete der Lektor Adam Kuckhoff (1887-1943) für den Diederichs Verlag und übernahm mit dem 20.Jahrgang (1928/29) die Schriftleitung der TAT. Kuckhoff gestaltete vor allem das Layout um, die Heftumschläge erhielten eine schwarz-rote Grafik „im Stil der neuen Sachlichkeit“ 12 . Da Kuckhoff inhaltlich Religiös-Kosmisches zugunsten der „neuen Wirklichkeit“ zurückdrängte, warf ihm Diederichs in einem Brief 13 zu wenig innere religiöse Erfahrung vor und trennte sich daraufhin von ihm, was den Weg für Hans Zehrer frei machte, der im Oktober 1929 die inoffizielle Leitung der TAT übernahm. Inoffiziell, da er noch zwei weitere Jahre Redakteur der Vossischen Zeitung blieb. Um Zehrer bildete sich mit Ernst Wilhelm Eschmann, Ferdinand Friedrich Zimmermann (1898-1967) und Giselher Wirsing der so genannte TAT-Kreis. Fritzsche äußert über die Protagonisten, dass sie allesamt ihr Handwerk beherrschten, da sie Sendungsbewusstsein, politische Szenenkenntnis und großzügige programmatische Entwürfe recht treffsicher auf die Ängste und Erwartungen ihrer Bezugsgruppe hin zu ausgereiften Deutungen verknüpfen konnten. 14 Klemens von Klemperer zog den Schluss, dass der TAT-Kreis eine dem Juniklub vergleichbare Organisation gewesen sei. 15 Das liege zwar nahe, betonen sowohl Sontheimer als auch Fritzsche, stimmt aber nicht, da die Redakteure des TAT-Kreises sehr viel mit Pseudonymen arbeiteten 16 , wodurch der Kreis nach außen größer erschien, als er in Wirklichkeit war. Der TAT-Kreis war also keine Organisation, sondern eine Redaktionsgemeinschaft, die neben
11 Vgl.: Sontheimer 1959, S.229.
12 Hanke/Hübinger 1996, S.318.
13 Brief an Adam Kuckhoff vom 5.April 1928, in: LW, S.437f.; bereits am 14.Mai 1928 warf Diederichs Kuckhoff die Verletzung der Verlagsinteressen vor, ebd.S.441. Zitiert aus Hanke/Hübinger 1996, Fußnote 81, S.332. 14 Vgl. Fritzsche 1976, S.51.
15 Klemperer, Klemens von: Germany´s New Conservatism. Its history and dilemma in the 20th century. Princeton University Press 1957. 16 Vgl. Sontheimer 1959, S.232. vgl. auch Fritzsche 1976, S.51.
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den vier Protagonisten keine weiteren Mitglieder zählte, auch wenn es gelegentliche Mitarbeit von anderen Autoren gab, gehörten diese nicht zum TAT-Kreis. 17 Weitere Autoren waren u.a. Paul Fechter, Horst Grüneberg, Graf Brockdorff-Rantzau, Werner Sombart. Der zu-vor schöngeistige und zurückhaltende Stil der TAT wurde radikal verändert: Jetzt gab man sich kämpferisch und herausfordernd zusammen mit einem hohen Maß an Selbstüberzeugung und Sendungsbewusstsein. Man machte sich zum Sprecher der jungen Generation, man warb um die Mittelklasse - die Bevölkerungsschicht, die vom „Kapital“ auf der einen und der „Masse“ auf der anderen Seite bedrängt wurde, die „Spaltspitze“ nannte sie Ferdinand Fried in seinem ersten TAT-Aufsatz. Im Oktober 1929 erschien die erste Ausgabe der TAT unter der freien Gestaltung Zehrers. In einem Editorial richtete er sich an seine Leser:
„Man kann nicht von uns verlangen, daß wir heute noch Lösungen finden, an denen sich die Zeit orientieren kann. Jede Zeit hat ihre besonderen Lösungen, jeder Kampf hat auch seine besonderen Generationen, die ihn auszufechten hat. […] Das sind die Gründe und Ursachen, die heute dazu zwingen, diese Zeit zu bejahen und sich ihren kämpferischen Kräften anzuschließen. Sie waren auch ausschlaggebend dafür, das Gesicht einer Zeitschrift, die sich jahrzehntelang lediglich mit dem Leben von den Ideen her widmete, grundlegend zu wandeln. […] Mit dem Oktoberheft erhält die ‚TAT’ eine neue realere Richtung, nachdem sich ein Kreis gebildet hat, der sie tragen und vertreten wird. Sie wird unmittelbar an die heutigen Probleme herangehen. […].“ 18
Dieses Zitat lässt deutlich die neue Linie der Autoren erkennen, Fritzsche beschreibt es als „eine Art Fanfare zur Attacke“ 19 . Knapp die Hälfte des Umfangs der Oktoberausgabe, etwa 40 Seiten, schrieb Zehrer allein, sowohl unter seinem richtigen Namen als auch unter seinem Pseudonym Hans Thomas. Erstmals veröffentlicht Ferdinand Friedrich Zimmermann einen Artikel in der TAT, unter dem Pseudonym Ferdinand Fried blieb er zwei Jahre unerkannt. 20 Inhaltlich schien die TAT genau den Zahn der Zeit zu treffen. Sie präsentierte
17 Sontheimer 1959, S.232.
18 Die neue TAT, Die TAT, 21 II, 1929/30, S.481-485. 19 Fritzsche 1976, S.50. 20 ebd, S.51.
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Malte Sorgenfrei, 2007, Die ‚TAT’ und der ‚TAT’-Kreis 1929 bis 1933, München, GRIN Verlag GmbH
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