Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Kindertheologische Grundsätze 2
2.1 Geistesgeschichtliche Hintergründe 3
2.2 Kind vs. Theologie? 4
3. Das Programm einer Kindertheologie. 8
3.1 Definition und Dimensionen einer Kindertheologie 8
3.2 Religionspädagogische Grundsätze und Umgangsweisen 9
4. Kritisches Resümee 13
5. Literaturverzeichnis 20
1. Einleitung
„Gott ist Gott, Gott ist keine Schublade. Gott ist ein Lebewesen. Gott ist wie ein großes unsichtbares Licht, das uns immer begleitet. Und wenn unsere Eltern verloren gehen, dann beschützt uns Gott. Aber er beschützt uns auch so. […] Und Gott hat Maria bestimmt, dass sie seinen Sohn bekommt. Und das mit dem Kreuz und dass er stirbt, das hat er gemacht, weil er seinen Sohn wieder bei sich haben wollte. Und der Heilige Geist sind die Gedanken von Gott und Jesus.“ 1
Wenngleich dieses Zitat des viereinhalbjährigen Mädchens Johanna ein eher untypisches Bild von Gott manifestiert, stellt es doch ein wunderschönes Beispiel dafür dar, wie Kinder ihre eigenen Gedanken über Gott entwickeln können und diese auf für Erwachsene meist unverständliche aber zugleich faszinierende Weise begründen - ein Sachverhalt, der erst seit einigen Jahren bewusst wahrgenommen wird und unter der Bezeichnung Kindertheologie zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Grundsätzlich gilt, dass die Annahme, dass schon kleine Kinder bestimmte Vorstellungen über Gott oder den Himmel haben, schon vor der Entstehung einer Kindertheologie nichts grundlegend Neues gewesen ist. So wie schon Augustinus (354-430) um die meist anth-ropomorphen Gottesvorstellungen der Kinder wusste, gab es auch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts empirische Forschungen hinsichtlich dieser Vorstellungen. Die Kinderäußerungen wurden jedoch oft als falsch qualifiziert, weil z.B. die oft anthropomorph dargestellten Gottesbilder von Kindern nach Auffassung einiger Forscher und Autoren, so z.B. nach Theodor Voß im Jahre 1926, nicht der christlichen Auffassung und Vorstellung von Gott entsprechen würden. 2
Demgegenüber impliziert Kindertheologie als ein durch empirische Studien flankiertes Projekt die „religionspädagogische Option, Kinder als Subjekte ernstzunehmen und ihnen positiv zuzumuten, Theologie hervorzubringen und mitzugestalten“ 3 . Demnach basiert es auf bestimmten, für das Selbstverständnis eines solchen Projekts grundlegenden Bedingungen und Grundsätzen, auf einem religionspädagogischen Programm, das gewährleisten soll, Kinder in ihrer Theologie zu fördern und so Handlungsanweisungen für einen angemessenen Umgang mit Kindertheologie aufzuzeigen.
Ziel dieser Hausarbeit soll es nun sein, das Programm einer Kindertheologie in seiner Bedeutsamkeit und unter besonderer Berücksichtigung des Kindergarten- und Vorschulal-
1 Kunze-Beiküfner(2008): S.52.
2 Vgl. Bucher (2002): S.17-18. sowie Voß, Theodor (1926): Die Entwicklung der religiösen Vorstellungen. In: Archiv für die Gesamte Psychologie S.57.76.; JaBuKi 5 (2006): S.7ff.
3 Bucher (2006): S.7.
1
ters überblickhaft darzustellen. So soll, beginnend mit der Entstehungsgeschichte des Programms, auf die grundlegenden Aspekte einer Kindertheologie, d.h. sowohl auf die mit dem Programm verbundenen Begrifflichkeiten und Zielvorstellungen als auch auf die Grundsätze und Bedingungen näher eingegangen werden, wobei dann auch Umgang (mit) und Umsetzung einer Kindertheologie ihre Berücksichtigung finden. Hierzu werde ich mich vorwiegend auf die gleichnamigen, seit 2002 kontinuierlich veröffentlichten Jahrbücher für Kindertheologie und die dazugehörigen Sonderbände stützen, in denen die neueren, teils aus empirischen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse ausführlich dargestellt werden, mit dem Ziel, anhand ausgewählter Texte die immer wieder betonte Wichtigkeit einer Kindertheologie und der damit einhergehenden religiösen Entwicklung eines Kindes zu verdeutlichen.
Den Abschluss dieser Arbeit bildet ferner ein kritisches Resümee, in dem neben einer prägnanten Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte des Programms gezielt der Frage nachgegangen werden soll, ob das Programm einer Kindertheologie in der Realität so umsetzbar ist, wie angestrebt, oder ob es eher einem Idealbild entspricht.
2. Kindertheologische Grundsätze
Da das Programm einer Kindertheologie ein noch vergleichsweise junges Vorhaben ist, dem zahlreiche Entwicklungen und Veränderungen vorausgegangen sind, die sich sowohl auf das Kindheitsverständnis selbst als auch auf den Umgang mit Kindern hinsichtlich ihrer Kompetenzen und Einsichten beziehen, bedarf es, bevor ich auf das Programm der Kindertheologie selbst zu sprechen komme, vorab noch einer Klärung wesentlicher Ausgangspunkte, die für das Selbstverständnis dieses Programms unabdingbar sind. Wie ist es zu der Idee einer Kindertheologie gekommen? Welche historischen Entwicklungen und Standpunkte gehen diesem Programm voraus? Wie verhält es sich mit dem Verhältnis von Kindheit und Theologie? Steht das Programm mit dem Theologiebegriff, wie er uns aus wissenschaftlichen Bereichen geläufig ist in Verbindung? Was bedeutet Kindertheologie für das Kind selbst? 4
4 Zur Klärung dieser Fragen werde ich mich, wenn nicht anders angegeben, vorwiegend auf die Ausführungen des Professors für Religionspädagogik an der Universität Salzburg Dr. Anton A. Bucher `Kindertheologie: Provokation? Romantizismus? Neues Paradigma? (In: JaBuKi 1. S.9-27) beziehen.
2
2.1 Geistesgeschichtliche Hintergründe
„Jesus stellte das Kind in die Mitte und erhob es zum Vorbild. In einer Zeit, in der Kinder nicht viel galten, war diese Zeichenhandlung revolutionär. Doch die Christentumsgeschichte hielt diese hohe Wertschätzung des Kindes nicht durch und verbannte es oft auf die unterste Stufe, sah in ihm ein verdorbenes, törichtes Wesen, ein leeres Gefäß, das mit `richtigen´ Glaubensinhalten zu füllen sei.“ 5
Kaum eine andere Phase menschlichen Lebens ist so oft und nachhaltig in ihrer heute so selbstverständlichen Bedeutsamkeit eingeschränkt worden wie die Kindheit: Kinder galten über Jahrhunderte hinweg „als unwissend und töricht, als ihren Trieben ausgeliefert, von ihren Launen hin- und hergerissen“ 6 . Da man ihnen kein eigenständiges und kompetentes Denken und Handeln zutraute, waren auch eigenständig entwickelte `theologischphilosophische Erkenntnisse´ von Kindern lange Zeit undenkbar. Als prägnantes Beispiel führt Bucher hierbei René Descartes an, für den eine Theologie der Kinder schlichtweg unmöglich war, da seiner Ansicht nach die den Kindern angeborene Vernunft von ihren Trieben überlagert wird.
Diese Sichtweise vom Kind änderte sich dann jedoch grundlegend mit Jean Jacques Rousseau, dem `Begründer und Entdecker der Kindheit´. Resolut trat der Verfasser des pädagogischen Erziehungsromans `Emil´ mit der Annahme, dass Kinder, wie alles, was aus den Händen des Schöpfers kommt, von Natur aus gut seien, für den „Eigenwert der Kindheit ein, habe diese doch `eine eigene Art zu sehen, zu denken und zu fühlen´“ 7 . Dies galt allerdings weniger für den Bereich der Theologie: Rousseau war und ist als einer der grundlegendsten Bestreiter von Kindertheologie zu betrachten. Die Verbindung von Kindheit und Theologie, die Fähigkeit der Kinder eines angemessen theologischen Denkens war auch für Rousseau unvorstellbar. Demgemäß waren religiöse Begriffe, Bilder und Praktiken in seiner Erziehung bis zum Jugendalter tabu.
Erst Ende des 18. Jahrhunderts sollte sich dann mit der kulturgeschichtlichen Epoche der Romantik, der unter Anderem der Schriftsteller und Verfasser der `Levana´ Jean Paul angehörte, auch das Verhältnis von Kindheit und Religion grundlegend verändern: Religion wurde zu einem wesentlichen Bestandteil der Kindheit.
„Kindsein wird zum Inbegriff von Religiosität; Erwachsenwerden hingegen zieh[t] den Verlust der ursprünglichen Gottesnähe nach sich und führ[t] hinunter ins kalte und enge Leben.“ 8
5 Hrsg. JaBuKi 1 (2002): S.7.
6 Bucher (2002): S.12.
7 Bucher (2002): S.12.
8 Bucher (2002): S.12.
3
Damit wurden Kinder nicht nur erstmals als Theologen und auch Philosophen bezeichnet, vielmehr galten sie als mit der göttlichen Wirklichkeit identisch. Die Epoche der Romantik und mit ihr insbesondere die „romantische Idealisierung des Kindes“ 9 ist und war für die Entstehung einer Kindertheologie von außerordentlicher und besonderer Bedeutung und hat die nachfolgende Zeit und das Denken der Menschen entscheidend geprägt, obgleich man an dieser Stelle davor warnen muss, das Programm einer Kindertheologie mit einem Idealbild des Kindes bzw. der Kindheit zu begründen. Die romantische Idealisierung des Kindes trägt der Realität und mithin dem aktuellen Programm der Kindertheologie keine Rechnung; dieses sollte vielmehr auf einer nüchternen und ambivalenten Betrachtung des Kindes in Verbindung mit der Theologie und den gesellschaftlichen Gegebenheiten aufbauen. 10 Insgesamt gesehen kann jedoch trotzdem festgehalten werden:
„`Das Kind als schöpferischer Ursprung´ - auch und gerade von Theologie - ist ein mittlerweile weithin akzeptiertes Bild, das geistesgeschichtlich bei Rousseau und in der Romantik verwurzelt ist.“ 11
2.2 Kind vs. Theologie?
Neben diesem tief greifenden Perspektivenwechsel erhielt das sich entwickelnde Programm einer Kindertheologie auch weitere kräftige Impulse und Anstöße zum einen durch ein neues Kindesbild der jüngeren Entwicklungspsychologie und zum anderen von der Bewegung für Kinderphilosophie, die der Kindertheologie trotz gleicher Quellen zeitlich vorausging.
Während das Kind noch in den 1960er und 1970er Jahren als passives, von außen her geformtes Wesen oder auch als Geschöpf mit angeboren, phasenweise ausreifenden Potenzialen begriffen wurde, plädierte die jüngere Entwicklungspsychologie, vertreten z.B. durch den Genfer Entwicklungspsychologen Jean Piaget, demgegenüber für ein neues Kindesbild, bei dem erstmals auch moralische Normen und von Kindern selbst entwickelte theologische Erkenntnisse eine wesentliche Rolle spielten: das Kind als kompetentes Wesen, das sich die Welt aktiv und konstruktiv auf seine eigene Weise aneignet und sie so zu verstehen versucht. 12
Hierbei stellt sich die Frage, was mit dem Theologiebegriff, wie wir ihn immer wieder bei der Auseinandersetzung mit der Kindertheologie und seinem Programm vorfinden, kon-
9 Bucher(2002): S.13.
10 Vgl. Härle (2004): S.12-13.
11 Bucher (2002): S.13.
12 Vgl. Bucher (2002): S.14.
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Arbeit zitieren:
Christina Busch, 2008, Das Programm einer Kindertheologie im Vorschulalter, München, GRIN Verlag GmbH
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