INHALT
1. Einleitung 2
1.2 Zum Stand der Forschung 3
2. Die „Brücke“ 4
3. Dresden im beginnenden 20. Jahrhundert 6
3.1. Dresden-Friedrichstadt, das Topflappenviertel’, Quartier der „Brücke“ 8
4. Dresdenbilder der „Brücke“-Künstler 10
4.1. Frühe Stadtansichten von Heckel und Schmitt-Rottluff 11
4.2. Ausgewählte Stadtansichten von E. L. Kirchner 12
5. Ahistorische Stadtporträtisten oder Künstler ihrer Zeit? 16
6. Literatur 17
1
1. EINLEITUNG
Diese Hausarbeit gliedert sich in drei Abschnitte. Im ersten Abschnitt soll die Künstlergruppe „Brücke“ und ihre Gründungsmitglieder behandelt werden. Im zweiten Teil wird der Frage nachgegangen, welches die Orte der Künstler in Dresden waren, und welche Bedeutung diese für sie hatten. Abschließend sollen einige ausgewählte Bilder vorgestellt und diskutiert werden.
Hinsichtlich der Bedeutung der Dresdenbilder der „Brücke“-Künstler als historische Quellen für die Stadt- und Kulturgeschichte Dresdens, weise ich darauf hin, dass, begreift man Bilder als Text, jegliche Darstellung, ob in geschriebener, gemalter, gezeichneter oder fotografierter Form einen gewissen Grad an Subjektivität besitzt und zunächst interpretiert werden muss. Mit den expressionistischen Bildern der „Brücke“ verhält es sich zunächst nicht anders, als beispielsweise mit den berühmten, Dresdenbildern Bellottos, auch wenn es sich bei ersteren ja um stärker abstrahierte Darstellungen handelt. „Jedes Werk, ob modern oder >>antik<<, ist als Artefakt Rudiment des historischen Prozesses. So ist es auch der Befragung als Quelle zugänglich.“ 1
Die „Brücke“-Bilder, die innerhalb dieser Arbeit betrachtet werden sollen, behandeln hauptsächlich ‚Nebenschauplätze’ Dresdens. Es sind Bilder, in welchen oft jeder Hinweis auf die Stadt fehlt, welche sie abbilden. Meinem Erachten nach galt das eigentliche Interesse der Künstlergruppe vielmehr dem eigenen Lebensraum, der Friedrichstadt, als dem his-torischen Dresden und seiner barocken Architektur.
Es handelt sich bei den Dresdenbildern der „Brücke“-Künstler nicht um die vormals eher üblichen Stadtporträts, denn dazu tauchen viel zu wenige der berühmten Plätze, Bauten und Landschaften Dresdens auf. Ebenso wenig sind sie zivilisationskritisch zu interpretieren, wie beispielsweise die Vorstadtbilder von Balluschek. Die Großstadtbilder der „Brücke“ sind „manifeste Gleichnisse von der gesellschaftlich-zivilisatorischen Wirklichkeit, begriffen und dargestellt mit einer ambivalenten Faszination: mit emphatischer Hoffnung, aber auch mit Skepsis, Angst, Ironie und Sarkasmus.“ 2 , Diese Charakteria kündigen sich in Dresden bereits an, entfalten sich allerdings erst ganz in den Berliner Großstadtbildern der „Brücke“-Künstlern ab 1911. In Dresden bewegen sich die Stadtdarstellungen weitaus
1 Roeck 2004, S. 9
2 Brockhaus 1982, S. 89
2
stärker im Spannungsfeld zwischen Abbildung realer Schauplätze und ihrer künstlerischen Verarbeitung als Raumgefüge. Und kündigen somit auch von dem sich vollziehenden Berufswechsel der jungen Künstler, sprich von ihrer Ablösung von der Architektur und ihrer Hinwendung zur Kunst.
Was die Bilder über ihre Zeit und ihre Stadt aussagen, kann nicht abschließend geklärt werden, aber ein erster Schritt zur Entschlüsselung ihrer Bedeutung soll dennoch gewagt werden.
1.2. ZUM STAND DER FORSCHUNG
Ob und inwiefern Bilder als historisches Quellenmaterial genutzt werden können, wird in Bernd Roecks „Das historische Auge - Kunstwerke als Zeugen ihrer Zeit.“ von 2004 aus einer interdisziplinären Perspektive heraus sehr ambitioniert diskutiert. Roeck kommt zu dem Schluss, wie weiter oben bereits angedeutet, dass, wenn man Bilder lesen lernt, wenn man also den adäquaten Zugang beziehungsweise die adäquate Methode zur Bildinterpretation wählt, sie als gleichwertiger Text, neben beispielsweise Dokumenten oder Zeitzeugenberichten genutzt werden können. Seine Empfehlung ist, sich nicht ausschließlich auf einen Text zu stützen, sondern vielmehr Hintergrund- und Kontextinformationen zur näheren Bestimmung heran zu ziehen.
Was die Werke der „Brücke“-Künstler betrifft stützt sich diese Arbeit hauptsächlich auf folgende Kataloge: Donald E. Gordon: Ernst Ludwig Kirchner - Mit einem kritischen Katalog sämtlicher Gemälde; München 1968. Annemarie und Wolf-Dieter Dube: E.L. Kirchner. Das graphische Werk, 2 Bde. München 1991. Annemarie und Wolf-Dieter Dube: Erich Heckel das graphische Werk. 2 Bde. München 1967. Zdenek Felix (Hg.): Erich Heckel 1883-1970, Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Graphik, München 1983. Rosa Schapire: Karl Schmidt-Rottluff. Graphisches Werk bis 1923. 2 Bde., New York 1987. Außerdem wird als Ergänzung auf den Text von Hünlich eingegangen, welcher sich die Mühe der näheren Lokalisierung der Dresdener Stadtbilder der „Brücke“ machte. Seine Arbeit bietet teilweise Vergleichsmaterial (Fotos) an, so dass es möglich wird, die gemalten mit den ‚echten’ Situationen abzugleichen und zu bestimmen wie genau, beziehungsweise wie abstrakt, die Darstellungen der „Brücke“-Künstler sind. 3
3 Bernd Hünlich: Dresdener Motive in Werken der Künstlergemeinschaft „Brücke“. Ein Beitrag zur topographisch-kritischen Bestansaufnahme, in: Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Jahrbuch 1981, S.67-100
3
Eine besonders große Hilfe um einen Zugang zum Thema zu bekommen ist Martina Padbergs Buch „Großstadtbilder und Großstadtmetaphorik in der deutschen Malerei: Vorstufen und Entfaltung 1870-1918“, welche sich ihrerseits auf die meisten der oben genannten Kataloge und die Arbeit von Hünlich beruft.
2. DIE „BRÜCKE“
Die Künstlergruppe „Brücke“ wurde am 7. Juni 1905 von den vier Architekturstudenten Fritz Bleyl (1880-1966), Erich Heckel (1883-1970), Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) und Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976) ins Leben gerufen. Ihr Ziel war es eine neue Kunst zu Schaffen, jenseits akademischer Normen und frei von bürgerlichen Zwängen. Diese Kunst sollte Natur, sollte natürlich sein und den Drang des künstlerischen Schaffens unmittelbar äußern. 5 1904 hatte Kirchner bereits mit Fritz Bleyl und Erich Heckel zusammengearbeitet. Insbesondere Bleyl und Kirchner waren einander freundschaftlich tief verbunden und erarbeiteten sich ihr Kunstverständnis mittels autodidaktischer Zeichenversuche, Ausstellungsbesuchen und intensiven Diskutierens über weite Strecken gemeinsam. Es waren auch Fritz Bleyl und Ernst Ludwig Kirchner, welche ihr Architekturstudium im Jahr 1905, wiederum gemeinsam, abschlossen. Im Gegensatz zu Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel, welche das Studium beide nach relativ kurzer Zeit abbrachen. „Bleyl entschied sich für den bürgerlichen Weg: er heiratete 1907 und wollte seine Familie ernähren.“ 6 Während Bleyl also 1907 die Gruppe verließ, weil er eine Lehrtätigkeit in Freiberg übernahm, gewann die Gruppe weitere Mitglieder, unter ihnen Emil Nolde (1867-1956), der nur im Jahr 1907 Mitglied der „Brücke“ war, Max Pechstein (1881-1955), den
4 Schrieb Fritz Schumacher in „Der Kreis“ 1932, Zitiert nach: Wietek 1971, S. 208
5 Das Programm als Holzschnitt von E. L. Kirchner (1906): „"Mit dem Glauben an Entwicklung, an eine neue Generation der Schaffenden wie der Genießenden rufen wir alle Jugend zusammen, und als Jugend, die die Zukunft trägt, wollen wir uns Arm- und Lebensfreiheit verschaffen gegenüber den wohlangesessenen älteren Kräften. Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt." http://www.bruecke-museum.de/chronologie.htm, 20.08.2007, 21.00 Uhr
6 http://www.bruecke-museum.de/chronologie.htm, 20.08.2007, 21.00 Uhr
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Arbeit zitieren:
Edda Laux, 2007, Die Künstlergruppe "Brücke" und ihre Orte in Dresden, München, GRIN Verlag GmbH
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