Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Politischer Mord bei den Nizari-Ismailiten unter
Hasan -i Sabbah. 4
2.1 Die Nizari-Ismailiten (Assassinen) 4
2.2 Hasan-i Sabbah. 6
2.3 “Haschisch-Fresser“ im Paradies 7
2.4 Politischer Mord bei den Nizari-Ismailiten. 10
3 Politischer Mord bei den Dschihadisten 12
3.1 Der Dschihad im Islam. 12
3.2 Heutige Ausprägung des Dschihad 13
3.3 Politischer Mord bei den Dschihadisten. 15
4 Fazit 18
2
1 Einleitung
In der heutigen Zeit ist in den westlichen Medien immer wieder vom Aufruf zum Dschihad diverser Organisationen, Terroristen oder Redensführer zu hören. Allzu selten ist dem westlichen Bürger jedoch bekannt, was es mit dem Dschihad überhaupt auf sich hat. Schnell wird ein Vergleich mit den Assassinen 1 gezogen und darauf hingewiesen, dass der Islam eine „brutale“ Religion sei, die bereits unter den Assassinen gemordet hat. Ist diese These so zu halten? Unterscheidet sich nicht etwa der politische Mord im Islam der Assassinen von dem Mord im so genannten Dschihad? Gibt es überhaupt einen politischen Mord im Dschihad? Dieses Thema wird in der vorliegenden Seminararbeit behandelt und geht damit der Frage „Wie wandelte sich der politische Mord im Islam am Beispiel der Nizari-Ismailiten und den heutigen Dschihadisten?“ nach.
Im ersten Abschnitt wird der Hintergrund zur Entstehung der Nizari-Ismailiten den so genannten Assassinen, beschrieben und hierbei insbesondere auf den ersten Führer Hasan-i Sabbah und dem politischen Mord näher eingegangen. Dies beinhaltet unter anderem die Ausbildung der Assassinen, sowie eine Erläuterung darüber wie sie ihre Attentate ausgeführt haben.
Im dritten Kapitel wird der Begriff des Dschihad aus dem Koran erläutert, insbesondere die Bedeutung und Herkunft. Dieser wird genutzt um im Kontext zum Koran eine Brücke zum anlehnenden Begriff des Märtyrers zu schaffen.
Nach der Herausarbeitung dieser Grundlage wird analysiert welche Bedeutung der Begriff des Dschihad für die heutige Zeit hat. Im Schwerpunkt wird dabei auf Hintergründe eingegangen, sowie welche Organisationen sich ihm verschrieben haben, oder im Namen tragen. Abschließend wird im dritten Kapitel der politische Mord im Dschihad analysiert. Dabei wird auf die Ausführung in der heutigen Zeit, Ziele und Opfer eingegangen. Im Fazit kommt es zu einem Vergleich und einer Schlussbetrachtung der historischen und der aktuellen Analyse, und damit einher zu einer abschließenden Beantwortung der Forschungsfrage.
1 Anm: Mit einen Assassinen bezeichnet man einen Schiitischen gläubigen. Im Mittelalter sprach man ihnen
nach eine Mördersekte zu sein. Mehr Informationen im Verlauf der Arbeit.
3
2 Politischer Mord bei den Nizari-Ismailiten unter Hasan-i Sabbah
2.1 Die Nizari-Ismailiten (Assassinen)
Um eine wissenschaftliche Betrachtung der Nizari-Ismailiten (im Folgenden auch Assassinen 2 genannt) zu ermöglichen, wird diese religiöse Gruppe 3 in den Gesamtkontext des Islam eingeordnet und ihre Entstehung beschreiben.
Der Ausgangspunkt der islamischen Spaltung in Sunniten und Schiiten ist auf den Tod des Propheten Mohammeds zurückzuführen, der es versäumte vor seinem Tod einen geistlichen Erben zu bestimmen. Da auch kein Nachkomme sein geistliches Werk weiterführen konnte 4 , spalteten sich seine Anhänger in zwei verschiedene Gruppen auf. Die eine Gruppe, die Sunniten, waren der Auffassung, dass das geistliche Erbe „nur der Würdigste und Frömmste unter den Gläubigen“ 5 erhalten solle. Die andere Gruppe, die Schiiten, waren der festen Überzeugung ein Erbe könne nur innerhalb der Blutsverwandtschaft des Gesandten weitergegeben werden. 6 Auf Grund dieses gegensätzlichen Verständnisses zum Weitergeben des geistlichen Erbes, beugen sich die Schiiten bis heute keiner sunnitischen Herrschaft. 7 Dieser historische Streit entschied sich damals zu Gunsten der Sunniten. Ihr Favorit, Mohammeds Schwiegervater Abu Bakr, wurde erster Kalif. Mohammeds Vetter Ali ibn Abu Talib, der Favorit der Schiiten, wurde erst nach 25 Jahren des Wartens als vierter zum Kalifen benannt. Doch der Konflikt fand kein Ende, nahm seinen blutigen Verlauf in der Kamelschlacht 8 und gipfelte in der Ermordung Husains, den fünften Kalifen und Sohns Ali durch die Sunniten. Ein Ereignis dem die Schiiten noch heute mit Schuld und Schande nachtrauern. 9
2 Anm.: Der Autor wählt zur Übersicht von Namen und Fachbegriffen die Transkription in
lateinische Schrift. Aufgrund der vielfältigen Schreibweise wird eine einheitliche Variante stets
beibehalten.
3 Anm.: Der Autor wählt den neutralen Begriff Gruppe, alternative Bezeichnungen sind zum
Beispiel bei www.wikipedia.de „Sekte“, Helga Lippert verwendet den Begriff „Geheimbund“,
Bruno Meck „Mördersekte“. Die Bezeichnungen werden durch den Autor auf populistische
Gründe zurückgeführt.
4 Vgl.: Zitelmann, Arnulf: Die Weltreligionen, Bonn 2002 (Bundeszentrale für politische Bildung Bd. 394),S.
191.
5 Vgl.: Ebd.
6 Vgl.: Ebd.
7 Vgl.: Ebd., S. 193.
8 Vgl.: Ebd., S. 192.
9 Vgl.: Ebd., S. 193; Anm.: Mit der Schlacht bei Karbala war die schiitische Hoffnung, ihren dritten Imam
anstelle von Yazid I. als Oberhaupt der islamischen Gemeinde einzusetzen, gescheitert und die endgültige
Trennung zwischen Sunniten und Schiiten in der Geschichte des Islam war besiegelt.
4
Das Problem der Nachfolge zog sich viele Jahre durch den Islam und entfachte stets von neuem bei dem Tod eines Imam 10 , was nicht selten zu einer weiteren Aufsplitterung der Religion führte. 11
Die Schiiten glaubten unter anderen daran, die Linie der Imame sei gebrochen worden durch den Tod des Imam Hasan al-Askari im Jahre 874 und sein Nachfolger sei ein Verborgender Imam der als Qa’im 12 wiederkehre.
Eine der zahlreichen Abspaltungen der Schiiten, die Ismailiten, wollte jedoch bis zu seiner Rückkehr nicht soviel Zeit verstreichen lassen. 13 Die Ismailiten 14 sind benannt „nach Ismail al-Mubarak, dem ältesten Sohn und designierten Nachfolger Ja’far as-Sadiq, der allerdings noch vor seinen Vater starb (sie selbst waren überzeugt er habe seinen Vater überlebt)“. 15 Diese Siebenerschia 16 spaltete sich zahlreich, unter anderem in die Fatimiden. Dieser Bund propagierte Geheimlehren mit neuen Denkansätzen. Auch wenn er erst spät an die Öffentlichkeit trat, 17 war das fatamidische Reich im 11. Jahrhundert der mächtigste muslimische Staat seiner Zeit. 18 Dieses kam 1094 ins wanken als die beiden bedeutendsten Personen im Fatimidenstaat starben. 19
Erneut wurde die Thronfolge zum Streitpunkt. Der rechtmäßige Nachfolger Nizar wurde übergangen und kam im Streit ums Leben. Nizar wurde vor allem durch die iranischen Ismailiten anerkannt unter Ihrem da’i Hasan-i Sabbah. 20 Dieser erklärte sich nach dem Verschwinden zum lebenden Zeugnis des verborgenen Imam und trat seine Herrschaft als Führer der Nizari-Ismailiten an, die im Verlauf der Geschichte vor allem als Assassinen bekannt geworden sind. 21
Der Bruch mit den Fatimiden, vor allem denen aus Ägypten war vollzogen. „Man kann die Ismailiten des 11. Jahrhunderts als eine Geheimgesellschaft bezeichnen, in welche die
10 Als Imam bezeichneten die Schiiten, den in ihren Augen rechtmäßigen Kalifen. Ein Imam ist nach ihrer
Vorstellung von Gott erleuchtet und dementsprechend unfehlbar. Seinen Anordnungen ist mit blindem
Gehorsam zu folgen.
11 Vgl.: Krämer, Gudrun: Geschichte des Islam, Bonn 2005 (Bundeszentrale für politische Bildung Bd. 493),
S.115.
12 Anm.: Von al-qa’im bil haqq, „der sich erhebt“ oder auch „hervortritt“.
13 Krämer, Gudrun: Geschichte des Islam, S. 117.
14 Anm.: Sie selber nannten sich „ahl al-haqq“ (Anhänger der Wahrheit).
15 Krämer, Gudrun: Geschichte des Islam, S. 117.
16 Anm. Ja’far as-Sadiq ist sechster Imam nach Schiitischer Auffassung. Die Siebenerschia sehen
seinen Sohn Ismail als nächsten, und somit siebten Imam.
17 Vgl.: Krämer, Gudrun: Geschichte des Islam, S. 119.
18 Vgl.: Ebd. S. 125.
19 Vgl.: Ebd. S. 126.
20 Vgl.: Ebd.; Anm.: da’i steht für „Werber“, „Missionar“, „Agent“.
21 Vgl.: Krämer, Gudrun: Geschichte des Islam, S. 126.
5
Mitglieder durch Initiationsriten aufgenommen wurden und in der sie nach und nach zu immer höheren Rang aufsteigen konnten“. 22
Gerade die Nizari-Ismailiten schafften es mit ihrer Lehre viele theologische Fragen zu klären. Die Lehre verband neben zahlreichen spätantiken Denkansätzen auch gnostische und mythische Ansätze. 23 „Damals wie heute glaubten die Ismailis, dass Judentum, Christentum und Islam im Grunde ein und dieselbe Religion sind, die nur jeweils andere äußere Erscheinungsformen hat“. 24 Eine Lehre die gerade zu Zeiten der Kreuzzüge als gottlos zu verstehen war.
2.2 Hasan-i Sabbah
Hasan-i Sabbah 25 wurde in Qumm in einer Zwölfer-Schiit Familie geboren. Sein exaktes Geburtsdatum ist nicht bekannt. Schon früh fand er gefallen am lernen und wollte Religionsgelehrter werden. 26 Sein religiöser Mentor Amira Zarrab nahm so gravierend Einfluss auf ihn, dass er zu den Ismailiten konvertierte. Diese Entscheidung wurde durch das Überwinden einer schweren Krankheit unterstützt und der damit verbundenen Angst, bei einem Ableben nicht die Wahrheit des Islams gefunden zu haben. 27 Er begann eine religiöse Reise bei der er über Umwege nach Ägypten gelang. Dort verblieb er circa drei Jahre bis er mit dem Armeekommandeur in Konflikt geriet, weil er Nizar in der Thronfolge unterstützte. Er wurde inhaftiert und sollte Außerlandes gebracht werden. Das fränkische Schiff, welches ihn an Bord hatte, erlitt auf der Fahrt Schiffsbruch, so dass sich Hasan nach Syrien retten konnte. 28
Nach seiner Rückkehr aus Ägypten zog Hasan-i Sabbah durch Persien und versuchte mit seiner „Neuen Lehre“ 29 weitere Anhänger zu gewinnen. Die besten und treusten unter ihnen schickte er in die entlegensten Dörfer, um seine Lehre zu verbreiten und ebenfalls neue Anhänger zu werben. 30
22 Heine, Peter: Terror in Allahs Namen. Extremistische Kräfte im Islam, Bonn 2004 (Bundeszentrale für
politische Bildung, Bd. 449), S. 52.
23 Vgl.: Lippert, Helga: Todesboten aus Alamut. Der Geheimbund der Assassinen, in: Helga Lippert (Hrsg.):
Terra X. Vom Geheimbund der Assassinen zum Brennpunkt Qumran, München 2003, S. 28.
24 Vgl.: Ebd.
25 Anm.: Irrtümlicherweise wird Hassan-i Sabbah immer wieder als Der Alte vom Berge identifiziert. Mit diesem
Beinamen ist jedoch das Oberhaupt des syrischen Ablegers der Assassinen, Raschid al-Din, gemeint.
26 Vgl.: Lewis, Bernhard: Die Assassinen. Zur Tradition des religiösen Mordes im radikalen Islam, Frankfurt am
Main 2001 S. 63.
27 Vgl.: Ebd., S. 64.
28 Vgl.: Ebd., S. 66.
29 Lewis, Bernhard: Die Araber, Aufstieg und Niedergang eines Weltreiches, Wien 1995, S. 193.
30 Vgl.: Lippert, Helga: Todesboten aus Alamut, S. 30.
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Stefan Hermanns, 2008, Politischer Mord im Islam, München, GRIN Verlag GmbH
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