Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis. III
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis. IV
1 Einleitung 1
1.1 Einführung und Zielsetzung. 1
1.2 Begriffsabgrenzung 2
1.2.1 Finanzierung. 2
1.2.2 Kleine und mittlere Unternehmen 3
1.3 Aufbau und Gang der Arbeit 4
2. Institutionelle und wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Togo. 5
2.1 Allgemeines zum Land 5
2.2 Institutionelle Rahmenbedingungen 6
2.2.1 Rechtsformen in Togo 6
2.2.2 Das Investitionsgesetz 8
2.2.3 Gründungsformalitäten, Steuern und Zölle 8
2.3 Das Finanzsystem in Togo 10
2.3.1 Das Bankensystem 10
2.3.2 Der Sektor der Mikrofinanzierung 12
3 Finanzierungsmöglichkeiten für togoische KMU des formellen Sektors. 13
3.1 Fremdfinanzierung in Togo. 13
3.1.1 Nationale Banken in Togo. 13
3.1.2 Regionale Finanzinstitutionen 14
3.1.2.1 Die Afrikanische Entwicklungsbank 14
3.1.2.2 Die Westafrikanische Entwicklungsbank 14
3.1.2.3 Der GARI-Fonds 15
3.1.2.4 Anleihenfinanzierung über die Regionalbörse 15
3.1.3 Internationale Finanzinstitutionen 16
3.2 Eigenfinanzierung in Togo. 17
3.2.1 Gründer und Verwandte 18
3.2.2 Börsenfinanzierung 18
3.2.3 Beteiligungsfinanzierung. 19
4 Finanzierungsmöglichkeiten für KMU im informellen Sektor. 20
4.1 Informeller Sektor: Begriffsdefinition. 20
4.2 Der informelle Sektor in Togo. 22
4.3 Finanzierungsinstrumente des informellen Sektors 24
4.3.1 Gründer und Verwandte 25
4.3.2 Mikrofinanzierungsgesellschaften. 25
4.3.3 Die Tontine. 26
4.3.3.1 Die Tontine mutuelle 26
4.3.3.2 Die Tontine commerciale 27
4.3.4 Informelle Risikokapitalgeber 29
5 Empirische Untersuchung zur Finanzierung von KMU in Togo 30
5.1 Ergebnisse im formellen Sektor 30
5.1.1 Adressaten der Untersuchung, Erhebungsmethode und Durchführung der Befragung 30
5.1.2 Struktur des Fragebogens 31
5.1.3 Ergebnisse der Befragung. 32
5.1.3.1 Charakteristika der befragten Unternehmungen 32
5.1.3.2 Kapitalzusammensetzung der befragten Unternehmen 34
5.1.3.3 Kredite bei Geschäftsbanken 35
5.1.3.4 Kredite bei regionalen und internationalen Finanzinstitutionen 38
5.1.3.5 Kreditlaufzeit und Zinssatzentwicklung 38
5.2 Ergebnisse im informellen Sektor 40
5.2.1 Adressaten der Untersuchung, Erhebungsmethode und Durchführung der Umfrage. 40
5.2.2 Struktur des Fragebogens 41
5.2.3 Ergebnisse der Befragung. 41
5.2.3.1 Befragte Personen. 41
I
5.2.3.2 Finanzierungsquellen bei der Gründung. 42
5.2.3.3 Finanzierungsquellen nach der Gründung 44
5.3 Zusammenfassung der empirischen Untersuchung 47
6. Fazit 48
Literaturverzeichnis. 50
ANHANG A0
II
Abkürzungsverzeichnis
AfDB African Development Bank
BCEAO BIA BOAD BRS BRVM BSIC BTCI BTD CFA-Franc Franc de la Communauté Financière d'Afrique (1 EUR = 656 CFA-Francs)
FUCEC GARI Fonds de Garantie des Investissements en Afrique de l'Ouest
ILO IMF IS IWF Internationaler Währungsfonds KMU Kleine und Mittlere Unternehmung(en)
MFI Mikrofinanzierungsinstitution(en)
OTP
ROSCA Rotating Saving and Credit Association(s)
UEMOA USD UTB
WAGES Women and Associations for Gain both Economic and Social
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Finanzierungsformen
Abbildung 2: Gesellschaftsformen in Togo
Abbildung 3: Entwicklung der Spareinlagen und der Kreditbestände bei Banken in Togo,
2000-2005.........................................................................................................................
Abbildung 4: Emittenten an der westafrikanischen Börse
Abbildung 5: Sektorale Verteilung der CAURIS-Investitionen für die acht Länder der
UEMOA
Abbildung 6: Rechtsformen
Abbildung 7: Branchenzugehörigkeit der befragten Unternehmungen
Abbildung 8: Eigenkapitalgeber.
Abbildung 9: Durchschnittliche Beteiligungsanteile der Eigenkapitalgeber
Abbildung 10: Kreditanträge bei togoischen Geschäftsbanken
Abbildung 11: Sicherheiten bei togoischen Geschäftsbanken
Abbildung 12: Gründe für die Ablehnung von Kreditanträgen
Abbildung 13: Schwierigkeitsgrad des Kreditzugangs
Abbildung 14: Laufzeit der gewährten Kredite
Abbildung 15: Zinssatzentwicklung der letzten fünf Jahren.
Abbildung 16: Berufe im informellen Sektor
Abbildung 17: Alter der Befragten.
Abbildung 18: Finanzierungsquellen bei der Gründung informeller Klein(st)unternehmungen
Abbildung 19: Gründe für den fehlenden Zugang zu Bankkrediten
Abbildung 20: Vorwürfe informeller Unternehmer gegen togoische Banken
Abbildung 21: Finanzierungsquellen für informelle KMU nach der Gründung.
Abbildung 22: Häufigkeit des Einsatzes von Finanzierungsinstrumenten.
Abbildung 23: Ziehen Sie die Tontine den Banken vor?
Abbildung 24: Gründe für die Finanzierung durch die Tontine.
Abbildung 25: Länder der UEMOA
Abbildung 26: Landkarte Togos
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Mittelstandsdefinition des IfM Bonn
Tabelle 2: Entwicklung der Kreditbestände und Einlagen bei MFI, 2000-2005
Tabelle 3: Eigenschaften von formellen und informellen Unternehmen
Tabelle 4: Befragte Unternehmen
Tabelle 5: Jahresumsätze und Anzahl der Beschäftigten
Tabelle 6: UEMOA-Länder (Stand 2006)
Tabelle 7: Geschäftsbanken in Togo
IV
1 Einleitung
1.1 Einführung und Zielsetzung
Togoische KMU 1 wurden im Vergleich zu Großbetrieben lange Zeit von der Politik und dem Finanzsektor stiefmütterlich behandelt. Sie gewinnen aber seit einiger Zeit immer mehr an Bedeutung. Dieses wachsende Interesse an Klein- und Mittelbetrieben ergibt sich aus ihren positiven Beiträgen zur Beschäftigung und zum Wachstum und wird durch politische Maßnahmen, wie etwa die Einrichtung eines neuen Ministeriums für kleine und mittelständische Unternehmen im Jahre 2006, deutlich.
Trotz dieser volkswirtschaftlichen Vorteile darf nicht übersehen werden, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen viele betriebliche Probleme überwinden müssen, die ihre Entwicklung und Existenz gefährden. Eine dieser Schwierigkeiten ist die Bereitstellung von Kapital zur Finanzierung von betrieblichen Investitionen. So sind togoische kleine und mittlere Unternehmen des formellen Sektors - trotz eines relativ breiten Angebots an Finanzierungsalternativen - mit erheblichen Finanzierungsschwierigkeiten konfrontiert. Informelle Klein- und Kleinstunternehmen ihrerseits haben in der Regel gar keinen Zugang zu Bankkrediten und müssen ihre Investitionen oft über andere Kapitalquellen wie Mikrofinanzierungsorganisationen und die Tontine 2 finanzieren.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen im togoischen Kontext. Dabei stellen sich die Fragen, welche Rahmenbedingungen für KMU in Togo geschaffen werden, welche Finanzierungsalternativen vorhanden sind und mit welchen Schwierigkeiten togoische KMU bei der Kapitalbeschaffung konfrontiert werden.
Ziel dieser Arbeit ist es, diesen Fragen anhand einer institutionellen und empirischen Untersuchung nachzugehen. Die vorliegende Studie ist dabei rein deskriptiv und basiert auf folgenden Daten: • amtlichen Informationen und Statistiken
• einer Umfrage bei togoischen KMU im formellen sowie im informellen Sektor • Interviews mit Vertretern von Finanzinstitutionen und anderen Organisationen.
1 In Togo sind KMU mittlere Unternehmen sowie Klein- und Kleinstbetriebe. Sie lassen sich außerdem in zwei Wirtschaftsbereiche unterteilen: der formelle und der informelle Sektor. Einzelheiten zum informellen Sektor werden in Kapitel 4 erläutert.
2 Mehr hierzu im Abschnitt 4.4.3. (Seite 26)
1
1.2 Begriffsabgrenzung
Bevor wir einen Überblick über die Rahmenbedingungen in Togo werfen, scheint es an dieser Stelle notwendig, den Begriff der Finanzierung zu definieren und eine Abgrenzung von kleinen und mittleren Unternehmen sowohl allgemein als auch im togoischen Kontext vorzunehmen.
1.2.1 Finanzierung
Der Begriff der Finanzierung wird in der Literatur unterschiedlich definiert. Eine allgemeine Definition geben SÜCHTING und SCHIERENBECK. Den beiden Autoren zufolge umfasst Finanzierung sämtliche Maßnahmen, die erforderlich sind, um das finanzielle Gleichgewicht der Unternehmung zu gewährleisten 3 . Die Aufrechterhaltung des finanziellen Gleichgewichts ist so gesehen das Hauptmotiv jeder Finanzierungsmaßnahme. Ein finanzielles Gleichgewicht liegt in einer Unternehmung vor, wenn die finanziellen Ansprüche der Unternehmensadressaten (Gläubiger, Anteilseigner, Lieferanten, Fiskus etc.) befriedigt sowie die Existenz der Unternehmung gesichert werden. 4
Weiterhin wird der Begriff der Finanzierung verstanden als die Gesamtheit der Einzahlungen und die beim Zugang nicht monetärer Vermögensgegenstände vermiedenen sofortigen Auszahlungen. 5
Hinsichtlich des Kriteriums der Kapitalherkunft unterscheidet man dabei grundsätzlich zwischen Außen- und Innenfinanzierung. Bei ersterer wird dem Unternehmen das Kapital von Außen in Form von Einlagen- oder Kreditfinanzierung zugeführt. Letztere umfasst die Finanzierung aus Abschreibungs- und Rückstellungsgegenwerten, der Einbehaltung von Gewinnen und der Veräußerung von Vermögensgegenständen (Kapitalfreisetzungen). Abbildung 1 stellt die oben genannten Begriffe noch einmal zusammen und verdeutlicht somit die Zusammenhänge.
3 Vgl. Z.B. SÜCHTING (1991), S. 16; Vgl. auch SCHIERENBECK (2000), S. 313.
4 Vgl. SCHIERENBECK (2000), S. 313.
5 PERRIDON/STEINER (1997), S. 341.
2
Für den weiteren Teil der Arbeit soll allein die Außenfinanzierung betrachtet werden. Nachdem wir den Begriff der Finanzierung abgegrenzt haben, wollen wir nun kleine und mittlere Unternehmen im deutschen und im togoischen Kontext definieren.
1.2.2 Kleine und mittlere Unternehmen
Es gibt keine einheitliche Definition für den Begriff der KMU. Kleine und mittlere Unternehmen werden meist hinsichtlich der Schwellenwerte „Umsatz“,
„Beschäftigtenanzahl“ und „Bilanzsumme“ abgegrenzt. Nach der IfM-Definition gelten als „klein und mittelgroß“ solche Unternehmen, die höchstens 499 Beschäftigten haben und einen Jahresumsatz von 50 Mio. EURO nicht überschreiten.
Für den Begriff der KMU (kleine, mittlere und Kleinstunternehmen) gibt es in Togo bis jetzt keine offizielle Abgrenzung. Es wird jedoch in der togoischen Arbeitgeberschaft 6 von einer Beschäftigungsanzahl von 1 bis 50 und von einem Jahresumsatz von
6 WORLD BANK (2006 b), http://web.worldbank.org.
3
1 bis 500 Mio. CFA-Francs 7 als Grenzwerte für mittlere, kleine und Kleinstunternehmen ausgegangen. Aus diesem Grund ist die IfM-Definition nicht übertragbar auf den togoischen Kontext. Beispielsweise kann ein deutsches Unternehmen, das einen Jahresumsatz von 40 Mio. EURO erzielt und 200 Personen beschäftigt, mit einem Großunternehmen in Togo verglichen werden. Die vorliegende Arbeit basiert daher ausschließlich auf der Abgrenzung der togoischen Arbeitgeberschaft.
Anders als in Deutschland unterscheidet man in Togo weiterhin zwischen formellen und informellen 8 Unternehmen. Während der formell organisierte Sektor aus mittleren und großen Unternehmen besteht, setzt sich der informelle Sektor meist aus kleinen und Kleinstunternehmen zusammen. KMU des formellen Sektors sind meist Einzelunternehmen, Genossenschaften, S.A. (Aktiengesellschaften) oder SARL (GmbHs). Informelle Klein(st)unternehmen dagegen sind vor allem Familienunternehmen und unterliegen weder einer staatlichen Kontrolle noch einer Anmeldung. Hierbei reichen Berufsfelder von saisonalen Tätigkeiten, über mobile Händler und Handwerker, bis hin zu weiteren informellen Produktions- und Dienstleistungsaktivitäten.
Kleine und mittlere Unternehmen spielen sowohl eine soziale als auch wirtschaftliche Rolle. So beschäftigen togoische formelle und informelle KMU den Großteil der Erwerbstätigen und tragen somit deutlich zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bei.
1.3 Aufbau und Gang der Arbeit
Das folgende Kapitel 2 beschäftigt sich mit den institutionellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Togo. Neben einer allgemeinen Vorstellung des Landes, werden wichtige institutionelle Aspekte im Hinblick auf togoische kleine und mittlere Unternehmen analysiert. Das Kapitel 2 schließt mit einen Überblick über das Finanzsystem Togos, das stark von der westafrikanischen regionalen Wirtschaftsunion (UEMOA) und der dazugehörigen Zentralbank geprägt ist. Dabei werden sowohl das Bankensystem als auch Mikrofinanzierungsinstitutionen vorgestellt.
In Kapitel 3 werden die verschiedenen Finanzierungsalternativen für togoische Unternehmen des formellen Sektors analysiert. Der erste Abschnitt dieses Kapitels gibt einen Überblick über die Möglichkeiten der Fremdfinanzierung in Togo, wobei Finanzierungsquellen nach geographischen Kriterien gegliedert werden: die nationale, die regionale und die
7 Fester Wechselkurs: 1 EURO= 656 CFA-Francs.
8 Informelle Aktivitäten sind nicht mit Illegalität gleichzusetzen. Vgl. HEMMER (2002), S. 359. In Togo wie in vielen anderen Entwicklungsländern spielt dieser Sektor eine bedeutende Rolle für die Wirtschaft. Mehr dazu im Kapitel 4.
4
internationale Ebene. Bei der nationalen Ebene handelt es sich um Geschäftsbanken, die in Togo ansässig sind. Anschließend werden die regionalen Finanzinstitutionen erwähnt, die für togoische KMU relevant sind. Abschnitt 3.2 befasst sich mit den Möglichkeiten der Eigenfinanzierung für togoische kleine und mittlere Unternehmen durch Gründer, Risikokapitalgesellschaften und Börse.
Kapitel 4 beschäftigt sich mit weiteren Finanzierungsalternativen im Hinblick auf den informellen Wirtschafts- und Finanzsektor Togos. Es wird dabei im Abschnitt 4.1 auf wichtige Merkmale des informellen Sektors eingegangen. Abschnitt 4.3 untersucht die Möglichkeiten der Finanzierung für informelle Klein- und Kleinstunternehmen durch informelle und formelle Finanzierungsinstrumente. Unter informellen
Finanzierungsinstrumenten versteht man dabei bankähnliche Aktivitäten, die außerhalb des formell geregelten Finanzsektors stattfinden. Die Tontine gehört dabei zu den wichtigsten informellen Finanzierungsalternativen in Togo.
Kapitel 5 stellt die eigene empirische Untersuchung der Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen in Togo vor und unterteilt sich in zwei Abschnitte: während Abschnitt 5.1 die Ergebnisse der Befragung im formellen Sektor darstellt, befasst sich Abschnitt 5.2 mit den Erkenntnissen, die im Rahmen der strukturierten Interviews im informellen Sektor gewonnen wurden.
Im Rahmen der Schlussbetrachtung (Kapitel 6) werden die wichtigsten Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zusammengefasst und gewürdigt.
2. Institutionelle und wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Togo
2.1 Allgemeines zum Land
Die Republik Togo ist ein kleiner westafrikanischer Staat mit einer Landesfläche von 56785 km² und liegt an der Atlantikküste zwischen Ghana im Westen und Benin im Osten. Die Hauptstadt Lomé besitzt einen bedeutenden Hafen sowohl für die togoische Wirtschaft, als auch für den Nachbarstaat Burkina Faso, der keinen Zugang zum Meer hat. Togo hat eine Bevölkerung von 6,5 Millionen Einwohnern, deren Hauptaktivitäten in der Landwirtschaft und im Handel 9 liegen. Als Amtsprache gilt Französisch, dazu werden 40 einheimische Sprachen verwendet sowie Englisch und Deutsch 10 .
9 Der Handel in Togo ist ganz wesentlich von den Nana Benz geprägt. Nana Benz sind erfolgreiche Stoffhändlerinnen, die die Ein- und Ausfuhr auf lokaler und regionaler Ebene (Westafrika) kontrollieren. Sie üben außerdem einen erheblichen Einfluss auf die Politik aus. Der Name „Nana Benz“ leitet sich von den
5
Togos Wirtschaft konzentriert sich hauptsächlich auf den Primärsektor (Landwirtschaft und Bergbau). Die Landwirtschaft in Togo ist insofern wichtig, als sie 40 % des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet und 75 % der erwerbstätigen Bevölkerung beschäftigt. Der Phosphatabbau hat gegenüber den letzten Jahrzehnten an Bedeutung abgenommen. Dennoch zählt er neben Baumwolle, Kaffee und Kakao zu den wichtigsten Exportgütern. Industriebranchen in Togo stellen u. a. Nahrungsmittel-, Textil-, Holz- und Zementindustrie. Importiert werden vor allem Erdöl, Nahrungsmittel, Maschinen, Fahrzeuge, Textilien sowie andere industrielle Fertiggüter.
Trotz zahlreicher Bodenschätze zählt Togo zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Armut in Togo hat sich seit 1993 wegen einer internen politischen und wirtschaftlichen Krise unter dem diktatorischen Präsident Eyadema 11 akzentuiert. Die Einführung eines demokratischen Systems in den 1990er Jahren hatte zu zivilen Unruhen und Menschenrechtsverletzungen geführt. Folglich beendeten die EU, die USA und die Breton-Woods-Institutionen (Weltbank und IWF) ihre Entwicklungszusammenarbeit mit Togo. Diese Einstellung der Entwicklungshilfe dauerte elf Jahre und wurde teilweise im Jahre 2004 und endgültig im Jahre 2007 wegen Verbesserung der Menschenrechtslage und Fortschritten in der Demokratie aufgehoben.
2.2 Institutionelle Rahmenbedingungen
Nachfolgend betrachten wir die institutionellen Rahmenbedingungen Togos näher. Dabei untersuchen wir institutionelle Aspekte im Hinblick auf togoische Unternehmen bzw. KMU.
2.2.1 Rechtsformen in Togo
Die Rechtsformen für togoische Unternehmen werden durch das afrikanische Handelsgesetz (OHADA) reguliert. Man unterscheidet dabei grundsätzlich zwischen Einzelunternehmen (entreprises individuelle) und Gesellschaften (société).
Eine Entreprise individuelle ist auch als Etablissement bekannt und entspricht dem deutschen Einzelunternehmen. Sie wird von einer einzigen Person gegründet und geführt. Die Gründung einer solchen Unternehmung setzt kein Mindestkapital voraus. Bei einer Insolvenz haftet der Einzelunternehmer aber unbeschränkt mit seinem Privat- und Betriebsvermögen.
Mercedes-Benz Fahrzeugen ab, die sich die Händlerinnen durch ihre lukrativen Handelsgeschäfte leisten können.
10 Togo war deutsche Kolonie zwischen 1884 und dem Ausbruch des ersten Weltkrieges im Jahre 1914. Auch heute wird deutsch von vielen Togoern gesprochen.
11 Gnassingbe Eyadema regierte Togo fast 40 Jahre lang (1967-2005).
6
Togoische Sociétés können entweder aus einer oder mehreren natürlichen oder juristischen Person(en) bestehen. Man unterscheidet dabei zwischen sieben Gesellschaftsformen. Die wichtigsten sind die S.A. und die S.A.R.L..
Die Société á Responsabilité Limitée (S.A.R.L.) ist das Pendant der deutschen GmbH. Zu ihrer Gründung bedarf es eines Mindestkapitals von 1 Mio. CFA-Francs. Dabei beträgt die Stammeinlage mindestens 5.000 CFA-Francs und die Gesellschafter haften nur in Höhe ihrer Einlagen.
Die Société Anonyme entspricht etwa der Aktiengesellschaft in Deutschland. Die Gründung der S. A. setzt ein Grundkapital von mindestens 10 Mio. CFA-Francs voraus. Dieses Kapital zerlegt sich in Aktien, mit einem Nominalwert von mindestens 10.000 CFA-Francs. Die Haftung der Gesellschafter ist hier auf das Grundkapital (Capital social) beschränkt.
7
2.2.2 Das Investitionsgesetz
Das Investitionsgesetz wurde im Jahre 1965 eingeführt und soll als Anreiz- und Förderungsinstrument für den Investitionsstandort Togo wirken. Das Gesetz wurde 1989 wieder erneuert und stellt einen
“acte juridique, fiscal et financier par lequel l´État prend l´engagement de renoncer á certaines de ses prérogatives, pendant une durée déterminée“ 12 dar. Dieses Gesetz bezweckt die Anlockung von Investoren in die produktiven Sektoren Togos, indem ihnen viele Vergünstigungen - wie Steuer- und Zollvorteile- gewährt werden. Obwohl das Investitionsgesetz für alle Unternehmen die in Togo ansässig sind gedacht war, zeigt die Realität, dass nur etablierte staatliche und große Unternehmen von diesen Vorteilen tatsächlich profitieren. Togoische KMU werden dagegen in der Realität von diesem Gesetz überhaupt nicht begünstigt.
2.2.3 Gründungsformalitäten, Steuern und Zölle
Die Gründungsformalitäten in Togo erfolgen in sechs Etappen. Gemäß dem von der Weltbank veröffentlichten Bericht „Doing Business 2008“ schneidet Togo insgesamt eher schlecht ab. In dem Bericht werden 178 Länder betrachtet, dabei rangiert Togo an der 156. Stelle. Die Gründungsformalitäten in Togo sind vergleichsweise sehr umfangreich und kostenintensiv. Um in Togo eine S.A.R.L. mit einem Stammkapital von 7.000.000 CFA-Francs gründen zu können, braucht man im besten Fall 62 Tage 13 und eine Anmeldungsgebühr i. H. v. 600.000 CFA-Francs (fast 10 % des Grundkapitals). Diese Situation ist für KMU sehr nachteilig und erklärt die Tatsache, dass viele togoische Gründer die Anmeldungshürde nicht bewältigen können und sich somit für den informellen Bereich entscheiden. In Togo unterscheidet man zwischen drei Unternehmenssteuerarten:
1. Impôt sur la Société
2. Taxe professionelle und 3. Impôt minimum forfétaire
Bei der Impôt sur la Société gilt der Jahresüberschuss als Bemessungsgrundlage. Die Zielgruppe dieser Steuer sind Unternehmen mit den Rechtsformen S.A. und S.A.R.L.. Der
12 Rechts-, Fiskal- und Finanzakt, mit dessen Hilfe der Staat für eine bestimmte Dauer auf mancher seiner Vorrechte verzichtet (eigene Übersetzung aus dem Französischen). Vgl. GOUVERNEMENT DU TOGO (1989), S. 1.
13 In Deutschland werden für die Gründung einer GmbH insgesamt 20 Tage benötigt. Vgl. WORLD BANK-IFC (2007), http://www.doingbusiness.org.
8
Steuersatz beträgt im Allgemeinen 40 % für S.A. und S.A.R.L. und nur 37 % für Industrieunternehmen.
Die Taxe professionnelle b steuert alle Einkünfte aus selbständiger Arbeit. Der Jahresumsatz stellt die Bemessungsgrundlage der Taxe professionnelle. Der Steuersatz liegt je nach Wirtschaftsbranche zwischen 2 und 8 %.
Die Impôt minimum forfétaire (IMF) ist eine antizipative Pauschalsteuer. Sie besteuert 1,5 bis 3 % des geschätzten Jahresumsatzes. Wie große Unternehmen unterliegen auch kleine und mittlere Unternehmen des formellen Sektors der Impôt minimum forfétaire. Eine Besonderheit dieser Steuer findet sich in der Tatsache, dass hier die Unternehmenssteuern schon am Jahresanfang - vor Erzielung des Jahresumsatzes bzw. -gewinns - erhoben werden, dies impliziert auch eine Erhebung bei Gründungsunternehmen vor dem tatsächlichen Geschäftsbeginn. 14 Der Finanzbehörde zufolge wurde eine solche Maßnahme getroffen, um eine minimale Steuereinnahme zu sichern. 15 Diese antizipativen Steuern füllen die Staatskassen, beeinträchtigen jedoch die Liquidität und die Rentabilität der Unternehmen und tragen somit zu einer Verschlechterung der Eigenkapitalausstattung bei. Da ein Unternehmen meist nicht nur produziert, sondern auch verkauft bzw. exportiert und importiert, kommt dem Zoll eine wichtige Rolle zu. Es gibt in Togo offizielle Ein- und Ausfuhrtarife. Aber in der Realität zahlen die großen und einflussreichen Unternehmen nur wenige bzw. gar keine Zollgebühren, während kleine und mittlere Unternehmen hingegen sehr hohe Zölle zahlen müssen. Dies schwächt die Liquidität von KMU und führt zur Abnahme der Konkurrenzfähigkeit gegenüber etablierten und einflussreichen Unternehmungen.
Durch die Erhebung antizipativer Steuern, hohe Gründungskosten und Zollgebühren, werden die Liquidität und die Rentabilität kleiner und mittlerer Unternehmen beeinträchtigt sowie die Eigenkapitalausstattung verschlechtert. Eine niedrige Eigenkapitalquote bedeutet wiederum eine Abnahme der Kreditwürdigkeit bei Banken. Im folgenden Abschnitt untersuchen wird das Finanzsystem Togos.
14 In Togo gehört die Steuervorauszahlung zu den Gründungsformalitäten.
15 Zahlreiche togoische Unternehmen erstellen oft drei verschiedene Jahresabschlüsse: einen Abschluss für die Banken, einen für die Anteilseigner und einen anderen für den Fiskus. Im Jahresabschluss für den Fiskus weisen sie oft niedrige Gewinne aus, um so weinige Steuern zu zahlen.
9
Arbeit zitieren:
Hoba Lota, 2008, Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen - Eine empirische Studie am Beispiel Togos, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Optimierung bei der Finanzierung von Kleinstgründungen
Eine empirische Betrachtung de...
BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne
Masterarbeit, 121 Seiten
Mikrofinanzinstitutionen als Beispiel für erfolgreiches Social Entrepr...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Diplomarbeit, 95 Seiten
Hoba Lota hat den Text Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen - Eine empirische Studie am Beispiel Togos veröffentlicht
Hoba Lota hat einen neuen Text hochgeladen
Management kleiner und mittlerer Unternehmen
Stand und Perspektiven der KMU...
Peter Letmathe, Joachim Eigler, Friederike Welter, Daniel Kathan, Thomas Heupel
Liquiditätsmanagement für mittelständische Unternehmen
Wie Sie Liquiditätsenge vermei...
Christoph Graf von Bernstorff
Determinants of Democratization in Africa: A Comparative Study of Beni...
Mathurin C. Houngnikpo
0 Kommentare