Nachdem die hohen Zinsen nicht beglichen werden konnten, bedienten sich die Banken ihres Pfandes, also der Häuser. Während in der Anfangsphase dieses Prozesses (Subprime-Krise) der Zwangsverkauf der Häuser den anfänglichen Kredit begleichen konnte, machten bald so viele Banken von Zwangsverkäufen Gebrauch, dass die Häuserpreise dramatisch fielen und der Erlös den Kredit nicht tilgen konnte. Das Resultat für viele Amerikaner ist nun, dass sie ihr Haus verloren haben und nun trotzdem noch einen Teil des Hauskredites tilgen müssen. Dieser Teil der Konsumenten fällt nun für den weiteren Konsum aus, so dass daraus ein allgemeiner Nachfragerückgang nach Produkten aller Art entsteht. Dies betrifft zum Beispiel auch die amerikanische Autoindustrie.
Auch der Autokauf ist in Amerika meist kreditfinanziert. Während des dramatischen Ölpreisanstieges beginnend in 2003 bei 28$ bis auf ein Hoch im Sommer 2008 bei 147$, mussten bekannte Autobauer wie Chrysler oder General Motors einen empfindlichen Nachfragerückgang Ihrer Autos hinnehmen.
Die Ursache liegt dabei nicht zunächst in den allgemein teureren Krediten, sondern in der verfehlten Modellpolitik. Die bisherige Modellpolitik zielte nicht auf spritsparende Autos ab. Diese Modelle konnten nur mit erheblichen Rabatten und gleichzeitiger Kreditfinanzierung seitens der hauseignen Autobanken an den Konsumenten verkauft werden.
Als nun die Kredite aufgrund gestiegener Zinsen teurer wurden, fiel damit auch der Anreiz für den Kauf dieser Autos weg. Darüber hinaus war ein großer Teil der potenziellen Käufer schlichtweg überschuldet und damit nicht mehr kreditwürdig. Die anfängliche Subprime-Krise zieht so ihre Kreise und erreicht weitere Wirtschaftszweige.
Als Konsequenz aus diesen Nachfragerückgängen entließen die amerikanischen Autobauer große Teile ihrer Belegschaft und nahmen am Kapitalmarkt neue Schulden auf, um sich weiter zu finanzieren.
Da der Umsatz dieser Autobauer stark rückläufig ist und ältere Kredite von den überschuldeten Konsumenten nicht oder nur noch teilweise getilgt werden, sinkt der Cashflow erheblich. In letzter Konsequenz führte dies zu einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit seitens der Ratingagenturen.
Dies bewirkt, dass die Gläubiger die Schuldverschreibungen der Autobauer verkaufen. Dies liegt zum einen daran, dass gewisse Fonds/Unternehmen die Rückzahlungsfähigkeit anzweifeln oder es Ihnen verboten ist, derart geratete Schuldtitel in ihren Depots zu halten.
Das Angebot dieser Schuldtitel steigt also stark an, was zu einem Wertverlust dieser Titel führt. Aufgrund der Bilanzierungsregeln müssen nun all diejenigen, die diese Titel noch halten, erhebliche Abschreibungen vornehmen, was deren eigene Bilanz belastet.
Ein Teufelskreis entsteht, der nun nicht mehr nur die Autoindustrie betrifft, sondern auch diejenigen Untenehmen, die mit denselbigen -in welcher Art auch immer- in Verbindung stehen.
Der Vollständigkeit halber möchte ich an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass am Kapitalmarkt gehandelte Schuldverschreibungen grundsätzlich durch Kreditversicherer abgesichert werden.
Verschlechtert sich das Rating eines Schuldners, muss der Kreditversicherer in der Regel einen höheren Teil seines Eigenkapitals als Sicherheit hinterlegen. Dies erklärt zumindest teilweise die exorbitanten Kapitalerhöhungen vieler Finanzinstitute, wie z.B. der American International Group (AIG) von 40 Mrd. US$, wobei sich die gesamte Finanzhilfe der US Regierung für AIG derzeitig auf 248 Mrd $ beläuft 2 .
2 http://www.ftd.de/unternehmen/versicherungen/:Angeschlagener-Versicherer-AIG-wird-teilverstaatlicht/437030.html
- 2 -
Auswirkungen: Der oben beschriebene Zusammenhang von Niedrigzinspolitik und
verantwortungslosem Konsumverhalten als ursächliches Verhalten für das Entstehen der Finanzkrise hat nun Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft. Zum Zeitpunkt dieser Hausarbeit befindet sich die westliche Welt bereits in einer Rezession und auch für die BRIC Staaten erwarten die Ökonomen einen Rückgang der Wirtschaftsleistung. Eine weltweite Rezession wäre also die zunächst offensichtliche Auswirkung der Finanzkrise. Folgerichtig muss der Begriff Finanzkrise in den Begriff Weltwirtschaftskrise umgewandelt werden. In einem nächsten Schritt geht es deshalb zunächst darum, die makroökonomischen Folgen der Krise zu beschreiben, um anschließend auf die mikroökonomische Folgen einzugehen.
Makroökonomische Folgen erkennen wir Europäer am leichtesten in dem Wechselkursverhältnis von Euro zu Dollar und im Preis für Erdöl. Im Verlauf der Finanzkrise hat der Dollar seinen Abwärtstrend zunächst gestoppt. Dies gründet meiner Meinung nach ausschließlich auf zwei Faktoren: Zum einen benötigen die Amerikaner aufgrund der oben beschriebenen Ereignisse Geld, um Schulden/Verluste etc. begleichen zu können. Sie ziehen also Kapital im Ausland ab, um es in ihrer Heimat verwenden zu können. Diesen Prozess beschreibt man als Repatriierung 3 . Der zweite Faktor ist nicht neu, sondern ein Katalysator des ersten Faktors und ist von seiner Art her eher psychologischer Natur. Mit Beginn des Georgien-Krieges wurde der Dollar als Krisenwährung („save haven“) wiederentdeckt.
Damit wäre es aus meiner Sicht ein Trugschluss, die Dollarstärke in Verbindung mit der amerikanischen Wirtschaftsleistung oder etwa der Fiskalpolitik zu bringen. Die nachfolgende Graphik verdeutlicht die hier beschriebene Entwicklung.
3 http://www.faz.net/d/invest/meldung.aspx?id=87506312
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Arbeit zitieren:
Ludger Schürmann, 2008, Die Finanzkrise - Ursache und Auswirkung, München, GRIN Verlag GmbH
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