Inhaltsverzeichnis
1. Einführung. 3
2. Der Lebensweg Maria Montessoris 3
3. Anthropologische Grundlagen 4
4. Kritik der alten Erziehung 5
5. Die Befreiung des Kindes 7
5.1. Kampf zwischen Erwachsenem und Kind 7
5.2. Die soziale und biologische Befreiung des Kindes 8
6. Selbsterziehung des befreiten Kindes (theoretischer Aspekt) 9
Die vorbereitete Umgebung 9
7. Erziehung als Normalisation 10
7.1. Phänomen der Deviation. 10
7.2. Phänomen der Konzentration. 10
8. Zusammenfassung 11
9. Montessori und Fröbel 12
10. Anthropologischer Aspekt der Montessori-Pädagogik 13
11. Praktische Aspekte der Montessori-Pädagogik. 16
11.1 Die Vorbereitete Umgebung 16
11.2 Die sensiblen Phasen für Bewegung und Ordnung. 17
11.3 Gehen auf der Linie. 17
11.4 Das Sinnesmaterial. 18
11.5 Übungen der Stille 19
11.6 Die Polarisation der Aufmerksamkeit. 19
12. Das Kind als Mensch. 20
13. Experimentalpädagogische Grundsätze und Methode 21
13.1 Psychische Organisation und experimentell bestimmte Anregung. 21
13.2 Methodische Beobachtung des Fortschrittverlaufes 23
14. Schlußwort 24
Literaturverzeichnis. 24
2
1. Einführung
In dieser Arbeit über das reformpädagogische Konzept Maria Montessoris werde ich mich hauptsächlich mit ihren Ideen und Grundgedanken über Kindererziehung auseinandersetzen. Zu Beginn folgt nun eine autobiographische Skizzierung ihres Lebens und Schaffens.
2. Der Lebensweg Maria Montessoris
Maria Montessori wurde am 31.08.1870 in Ciaravalle in der italienischen Provinz Ancona ge-boren. Sie wächst in einem bürgerlichen Elternhaus auf. Ihr Vater, ein Finanzbeamter , ist wohl der kleinbürgerlichen und konservativen Schicht zuzuordnen, wohingegen ihre hochgebildete Mutter eher liberale Ansichten vertritt. Aufgrund der beruflichen Versetzung ihres Vaters wächst Maria in Rom auf, einem Ort, an dem ihr bessere Schul- und Bildungs- Möglichkeiten offenstehen. Schon von frühester Jugend an verfolgt sie eigenwillig ihre Ziele und beginnt 1892 ein Medizinstudium, daß sie 1896 erfolgreich als erste Ärztin Italiens beendet. Im Jahre 1897 nimmt Montessori eine Tätigkeit als Assistenzärztin an der Psychiatrischen Klinik der Universität Rom an. Durch ihren dortigen Umgang mit behinderten Kindern stößt sie erstmals zur Pädagogik und vollzieht allmählich den Übergang von der Medizin zu dieser. Montessori erkennt, daß die Probleme der geistig zurückgebliebenen Kinder in erster Linie nicht medizinischer, sondern pädagogischer Natur sind und möchte helfen. Sie entwirft ein Förderprogramm mit den Grundgedanken jedem Kind zu seinem wahren Wesen zu verhelfen und durch Aktivierung der Sinne das verbliebene geistige Potential der Kinder zu entwickeln. 1900 übernimmt sie die Leitung eines medizinisch-pädagogischen Instituts zur Ausbildung von Lehrern für Behinderte, in dem sie selbst auch unterrichtet. Es folgen Überlegungen ihrerseits ob die , bei ihrer Arbeit mit behinderten Kindern, gewonnenen Erkenntnisse nicht auch für Bildung und Erziehung normal entwickelter Kinder genutzt werden könnten. Nach zwei Jahren verläßt sie das Institut und beginnt mit dem Studium der Pädagogik, Experimentalpsychologie und der Anthropologie. Trotzdem hält sie weiterhin Vorlesungen und veröffentlicht zahlreiche medizinische Schriften.
1907 wird das erste Kinderhaus eröffnet, eine Bewahranstalt für Kinder von Arbeiterfamilien bei welchem Montessori die Leitung übernimmt. Dort gewinnt sie folgende Erkenntnisse bei der Arbeit mit Kindern:
3
Montessori-Phänomen (Phänomen der „Polarisation der Aufmerksamkeit“): sogar kleine Kinder sind zu einer anhaltenden Konzentration fähig, wenn sie sich aus freien Stücken mit einem, ihrem Entwicklungsstand entsprechenden, Gegenstand auseinandersetzen - „Normalisation“ des Kindes bedeutet das Wiederherstellen der positiven Möglichkeiten, über die jedes Kind von Natur aus verfügt. Diese positiven Möglichkeiten können bei einer unangebrachten Behandlung durch den Erwachsenen jedoch beeinträchtigt werden („Deviationen“). Durch Montessoris Erfolge mit den Kindern kommt es schnell zur Gründung weiterer Kinderhäuser und Montessori-Schulen. Von nun an widmet sie sich vermehrt der Weiterentwicklung ihrer Ideen durch die Teilnahme an Kongressen, Publikationen und Vorträgen auf der ganzen Welt.
Mit dem Erscheinen ihres ersten Buches 1909 beginnt die internationale Ausbreitung ihrer Ideen und ihrer Methode, sowie die Einführung derselben in italienischen und schweizer Volksschulen sowie in England, Argentinien, Frankreich und den USA. In den folgenden Jahren unternimmt Montessori Vortragsreisen auf der ganzen Welt. 1929 wird die Internationale Montessori Gesellschaft gegründet. Vor allem in den 30er Jahren engagiert sie sich für eine Erziehung zum Frieden.
Seit 1916 in Barcelona ansässig, muß sie aufgrund des spanischen Bürgerkrieges fliehen und läßt sich in Holland nieder. 1939 verläßt sie wiederum, durch Kriegsumstände bedingt, Europa und lebt bis 1946 in Indien, wo wichtige Teile ihres Spätwerks entstehen. Nach ihrer Rückkehr nach Europa ist sie, fast achtzigjährig, unermüdlich weiter tätig und unternimmt weitere Vortragsreisen. In ihrem niederländischen Wohnort Nordwijk aan Zee stirbt sie am 6.05.1952. 1
3. Anthropologische Grundlagen
Montessoris anthropologische Auffassungen beruhen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen ihrer Zeit und ihren eigenen Versuchen und Beobachtungen mit Kindern. Zwei wichtige Hauptaspekte ihrerseits sind die Förderung der Individualität und die Förderung der Sozialität. Bis zum Ende der Kindheit, etwa mit 12 Jahren, steht die Förderung der Individualität im Vordergrund, was für sie von besonderer Bedeutung ist, da die Qualität einer
1 Winfried Böhm: „Maria Montessori“, S.152-156, Bad Heilbrunn/Obb., 1969
4
Gesellschaft abhängig ist von der Qualität der Individualität des Einzelnen. Eine höherentwickelte Gesellschaft ist, nach ihrer Auffassung, nur zu erreichen durch eine Höherentwicklung des Individuums und umgekehrt. Mit dem Jugendlichenalter beginnt die Förderung der Sozialität. Der Mensch ist, im Gegensatz zum Tier, in seinem Verhalten nicht festgelegt, er besitzt zunächst einen Komplex von Möglichkeiten (“Potentialitäten“), beispielsweise eine Potentialität für Sprache, die viele Formen annehmen kann, für Religion oder Mathematik. Solche Potentialitäten bezeichnet Montessori als Nebule.
Der Mensch ist von Natur aus ein Kulturwesen, er muß sich aufbauen, indem er sich mit seiner natürlichen, sozialen und kulturellen Umwelt auseinandersetzt. Ein Kind oder junger Mensch braucht, um sich in dieser komplexen Welt zurechtzufinden, erzieherische Unterstützung. Dieser Mensch ist Werk der Natur, Werk des Menschen und Werk seiner selbst. Außerdem existiert ein allgemeiner Rahmen der Entwicklung und seine Gestaltung durch jedes Kind selbst. Durch die Beobachtung frei arbeitender Kinder läßt sich die kindliche Entwicklung, laut Montessori, wissenschaftlich erforschen. Die Entwicklung des jungen Menschen vollzieht sich in Stufen, die durch Altersangaben gekennzeichnet sind und bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten mit sich bringen („Sensible Phasen“).
Kinder unter drei Jahren verfügen über einen „absorbierenden Geist“, wodurch sie alle Eindrücke der Welt ganzheitlich aufnehmen können, wie es dem Menschen später nicht mehr möglich ist. Der Mensch muß gemäß seiner Entwicklungsphase entsprechende Förderung erhalten, aber trotzdem noch genügend Freiraum für seine individuelle Entfaltung haben. Das Konzept der „vorbereiteten Umgebung“ muß, als Ergebnis oben genannter Überlegungen, nach der jeweiligen Entwicklungsstufe und den gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen erschaffen werden. 2
4. Kritik der alten Erziehung
Es werden Egoismus und Neid gefördert, da die intelligenteren Schüler den Schwächeren nicht helfen dürfen. Sie werden eingebildet und rufen somit den Haß der Anderen, der schwächeren Schüler, hervor.
Montessori bezeichnet diesen Erziehungsstil als unsozial, unmoralisch und sogar als kriminell, da das Individuum, das Kind, dadurch isoliert wird. Die Erziehung sollte aber darauf hinzielen Menschen auf ein soziales Miteinander vorzubereiten.
2 Harald Ludwig (Hrsg.): „Erziehen mit Maria Montessori - Ein reformpädagogisches Konzept in der
Praxis, S.31-34, Freiburg im Breisgau 1997
5
Die Unterdrückung des Kindes setzt sich noch weiterhin fort. Der Lehrer spielt sich als Herr, Richter und Schöpfer auf, der das Kind, laut Montessori, wie ein leeres Gefäß mit Weisheit anfüllt. Das Kind wird als gut und brav bezeichnet, wenn es die Übertragung von Wissen durch den Lehrer als Übermittler auf sich als Empfänger zuläßt und sich dem Gehorsam fügt. Die schlimmste Form der Unterdrückung des Kindes entsteht jedoch, wenn die kindliche Individualität durch von außen kommende Einflüsse in ihrer Handlung diszipliniert wird und somit keine innere Organisation erschaffen kann.
Die Auflösung der Tyrannei des Stärkeren über den Schwächeren kann nur dann vollbracht werden, wenn der Erwachsene das Kind nicht bestimmt und seine Gleichberechtigung anerkennt. Der Erwachsene sollte dem Kind einen Platz schaffen, an dem es sich frei entwickeln kann und sich nicht den Erwachsenen anpassen muß. Das Kind sollte vom Erwachsenen anerkannt und beschützt werden und nicht durch zu viel Hilfestellung Kennzeichnend für die alte Erziehung ist, laut Montessori, daß sie von der Unterscheidung zweier verschiedener Persönlichkeiten ausgeht, der des Erwachsenen und der des Kindes. Das Verhältnis des Erwachsenen zu dem Kind ist jedoch nicht demokratisch, da sich das Kind dem Erwachsenen fügen muß. Der Erwachsnene wird somit zum Meister und Beherrscher des Kindes, was die soziale Verständigung und die gesellschaftliche Harmonie beeinträchtigt. Das Kind findet weder als Persönlichkeit und als Mitglied der Gesellschaft Anerkennung, noch wird seine Würde geachtet und seine Rechte gesetzlich vertreten
Der Erwachsene baut seine Welt nur nach seinen Bedürfnissen auf und gibt dem Kind keine Möglichkeit sich seinen eigenen Lebensraum darin zu gestalten und sich einzugliedern. So lebt es völlig fremd in der Erwachsenenwelt. In der Schule wird dieser Weg durch Beaufsichtigung, Ermahnung und Befehle der Erwachsenen fortgeführt, die die freie Entwicklung des Kindes nicht zulassen. Das Kind soll so schnell wie möglich an die Erwachsenenwelt angepaßt werden und das „Kind sein“ ablegen. In der Schule wird keine soziale Umwelt hergestellt, dort wird das Kind zu Passivität und Langeweile verdammt. In solch einer unsozialen Umgebung kann keine soziale Erziehung vermittelt in neue Abhängigkeit gebracht werden. 3
3 Ebd, S.50-52
6
Arbeit zitieren:
Diplom Sozialpädagoge Alexander Bauer, 1999, Maria Montessori – Eine reformpädagogische Konzeption, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Pädagogik - Reformpädagogik: Maria Montessori – Eine reformpädagogische Konzeption ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Alexander Bauer hat den Text Maria Montessori – Eine reformpädagogische Konzeption veröffentlicht
Alexander Bauer hat einen neuen Text hochgeladen
Maria Montessori: E.M. Standing with a New Introduction by Lee Havis
E. M. Standing, Lee Havis
0 Kommentare