Die große Problematik ist nicht die Erziehung oder der Mangel an ausgebildeten Pädagogen, das Problem ist die Unwirtschaftlichkeit der Kindertagesstätten. Aufgrund ihrer privaten Trägerschaft wird die Kita nicht als Hort der Erziehung gesehen, sondern als eine von vielen Firmen in der deutschen Wirtschaft. Und wer wirtschaftlich sein will, muss Kapitalgewinne vorzeigen können. Aber diese finanziellen Gewinne werden auf dem Rücken unserer Zukunft, den Kindern, ausgetragen. Dieser Kampf kostet den Kitas das Fachpersonal, ergo werden rund zwanzig Kleinkinder von drei Pädagogen betreut. Das sind sieben Kinder auf einen Erzieher. In der Regel sollten es zwei, maximal drei Kinder pro Pädagogen sein: „Aus […] diesen Gründen sollte die Überfüllung nicht als ein unabänderliches Übel angesehen werden, als Folge sozialer Nöte, die nicht anders zu bewältigen sind. Sie werden auf diese Weise nicht bewältigt! Gewiss kosten schwach belegte Kindergärten mehr Geld, aber was kostet erst eine schlecht verwahrte Generation“ (Margarete Schmaus/Margarete Schörl, „Die sozial-pädagogische Arbeit der Kindergärtnerin“, Kösel-Verlag, 4. Auflage, München (1973), S. 17). Damit wird die Problematik deutlich: Entweder wir haben unrentable Kindertagesstätten oder eine falsch erzogene Generation. Lieber jetzt mehrere tausende Verlust machen als in zwanzig Jahren mehrere Milliarden. Die Kleinkindererziehung ist die Grundlage eines Persönlichkeitsprofils jeden Menschen. Wird dieses durch wirtschaftliche Interessen nicht zur Entfaltung gebracht, sind die Folgeschäden im adulten Alter kaum mehr zu korrigieren. Daher sollte über eine staatliche Beteiligung an den Kindertagesstätten nochmals Nachgedacht werden. Es ist die einzige Möglichkeit, um den finanziellen Mehraufwand mit der erfolgreichen Entfaltung des Kindergeistes zu kompensieren. Dennoch muss auch hier die pädagogische Erziehung im Vordergrund stehen und keine wirtschaftlichen Interessen seitens des Staates.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Begriffsklärung Familie
Das Unternehmen Kindertagesstätte
Die Massenerziehung in den Kindertagesstätten
Der aktuelle Stand als Standard
Folgeschäden falscher Pädagogik
Konflikt zwischen sozialer Kompetenz und Individualität
Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Diskrepanz zwischen wirtschaftlich orientierten Massenbetreuungskonzepten in Kindertagesstätten und der pädagogischen Notwendigkeit einer individuellen, mütterlich-familiär geprägten Erziehung. Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, dass die aktuelle Struktur der Kleinkindbetreuung, die durch hohen Betreuungsschlüssel und Personalmangel gekennzeichnet ist, die psychische Entwicklung und soziale Kompetenzbildung gefährdet, und es werden Lösungsansätze zur qualitativen Verbesserung der frühkindlichen Bildung diskutiert.
- Notwendigkeit mütterlich-familiärer Bindung im Kleinkindalter
- Kritik an der Massenerziehung und ihren Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung
- Konfliktpotenzial zwischen ökonomischen Unternehmensinteressen und pädagogischer Qualität
- Bedeutung von differenzierter Pädagogik und qualifiziertem Fachpersonal
- Folgeschäden mangelhafter Erziehung für die soziale Kompetenz im Erwachsenenalter
Auszug aus dem Buch
Die Massenerziehung in den Kindertagesstätten
Es ist alltäglich auf den deutschen Straßen zu sehen: Eine Kleingruppe von rund zwanzig Kindern und drei Erwachsenen. Wie viele richtig ahnen werden, ist dies die Gruppe aus der Kita von nebenan auf dem Weg zum Spielplatz. Wenige werden sich jedoch Gedanken über die persönliche Entwicklung jedes einzelnen Kindes machen. Wenn man diese Gruppe objektiv betrachtet, erkennt man sofort die gravierenden Mängel. Erstens ist die Anzahl der Kinder viel zu groß. Ein Pädagoge kann in der Regel sich maximal um drei Kinder kümmern und auf ihre individuellen Bedürfnisse eingehen, ohne das eins vernachlässigt wird. Wie sieht die Situation in der Kita-Gruppe aus: Drei Erwachsene, das sind pro Pädagogen sieben Kleinkinder - eine unlösbare Aufgabe. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, das dies nicht die normale und übliche Konstellation einer Kleinkindergruppe ist. Der dritte Pädagoge ist keiner - lediglich ein Praktikant aus der Schule, der sich im Umgang mit Kinder versuchen will. Dadurch verschiebt sich das Verhältnis noch drastischer: Je zehn Kleinkinder mit individuellen Ansprüchen sollen von einem Pädagogen betreut und geschult werden? Deutsche Familienpolitik: Prädikat ungenügend!
„Die Kindergärtnerin muss sich also zu einem Hauptziel ihrer Arbeit das Gedeihen einer Situation machen, die ihr das Eingehen auf das einzelne Kind gestattet. In einer Massensituation ist das nicht möglich.“
Mit diesem Zitat wird die Aufgabe der Pädagogen in einer Kindertagesstätte deutlich. Nicht die Unterhaltung der Kinder steht im Vordergrund, sondern ihre Erziehung, die Entfaltung ihres Geistes, aber auch die Bildung sozialer Kompetenzen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung der außerfamiliären Betreuung aufgrund veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und wirft grundlegende Fragen zur Qualität und den langfristigen Auswirkungen der Massenerziehung auf das Kindeswohl auf.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Dieses Kapitel definiert den Familienbegriff soziologisch und analysiert die historische Entwicklung von der Großfamilie hin zur Kernfamilie sowie die daraus resultierende Notwendigkeit betrieblicher Kinderbetreuung.
Das Unternehmen Kindertagesstätte: Es wird die Problematik privater Trägerschaften thematisiert, wobei aufgezeigt wird, wie ökonomischer Druck und Fachpersonalmangel mit dem pädagogischen Anspruch an individuelle Betreuung kollidieren.
Die Massenerziehung in den Kindertagesstätten: Das Kapitel kritisiert den aktuellen Betreuungsstandard der "Massenlenkung", der durch zu große Gruppen und fehlende individuelle Zuwendung charakterisiert ist und die psychische Gesundheit der Kinder nachhaltig beeinträchtigen kann.
Konflikt zwischen sozialer Kompetenz und Individualität: Hier wird dargelegt, dass die entscheidenden frühen Jahre für die Charakterbildung essenziell sind und eine rein institutionelle Massenbetreuung das Risiko birgt, die Individualität zu unterdrücken.
Zusammenfassung: Das Fazit stellt die Unwirtschaftlichkeit der aktuellen Kindertagesstätten-Politik gegenüber den langfristigen Kosten einer schlecht erzogenen Generation und fordert eine verstärkte staatliche Investition in Qualität vor ökonomischem Gewinnstreben.
Schlüsselwörter
Kindertagesstätten, Erziehungsersatz, Kleinkinderziehung, Massenerziehung, mütterliche Bindung, soziale Kompetenz, Pädagogik, Individualität, frühkindliche Entwicklung, Familiäre Erziehung, Betreuungsschlüssel, Soziologie, Bindungstheorie, Kindeswohl, Bildungsauftrag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die kritische Situation der heutigen Kleinkindbetreuung in Kindertagesstätten, insbesondere den Konflikt zwischen wirtschaftlichen Anforderungen und der pädagogischen Notwendigkeit individueller Erziehung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die historische Entwicklung der Familie, die Kritik an Massenbetreuung, die Bedeutung der Bindungstheorie und die Folgen mangelhafter Erziehung für die soziale Kompetenz.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die derzeitige Praxis der "Massenlenkung" in Kindertagesstätten die individuelle Entwicklung vernachlässigt und stattdessen eine pädagogisch fundierte, familienähnliche Gemeinschaftsbildung gefordert werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer soziologischen Literaturanalyse und einer deskriptiven Auseinandersetzung mit pädagogischen Konzepten, ergänzt durch die Analyse aktueller struktureller Mängel in Kitas.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den negativen Auswirkungen des aktuellen Betreuungsschlüssels, der Rolle der Kindergärtnerin als Ersatzmutter und der Bedeutung der Liebe als zentralem pädagogischen Begriff.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Kindertagesstätten, Massenerziehung, individuelle Entwicklung, soziale Kompetenz und mütterliche Bindung charakterisiert.
Welche Bedeutung misst der Autor der mütterlichen Bindung bei?
Die Bindung wird als absolut essenzielles, charakterbestimmendes Element angesehen, das im frühen Alter die Basis für spätere Gemeinschaftsfähigkeit und soziale Sicherheit bildet.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Staates?
Der Autor plädiert dafür, dass staatliche Interessen nicht mehr die wirtschaftliche Profitabilität in den Vordergrund stellen sollten, sondern den finanziellen Mehraufwand für qualitativ hochwertige, klein strukturierte Erziehung als Investition in die Zukunft betrachten müssen.
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- Crispin Sill (Autor), 2008, Kindertagesstätten als Erziehungsersatz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120140