1. Einleitung
Das Konzept der Organisationsentwicklung beginnend nach dem zweiten Weltkrieg wird in der sich dauernd weiterentwickelnden Fachliteratur dokumentiert. Die Ursache liegt in der sich ebenfalls rasant verändernden und steigenden Erwartung an die Umwelt und dem konsequenterweise folgenden Wandel innerhalb der Unternehmen. Der aus dem Amerikanischen stammende Begriff „Organization Development“ weist in der Literatur zahlreiche Definitionen auf, von denen hier lediglich eine aufgeführt wird. So ist Organisationsentwicklung nach Rush:
• „Ein geplanter, gelenkter und systematischer Prozess
• Zur Veränderung der Kultur, der Systeme und des Verhaltens einer Organisation • Mit dem Ziel, die Effektivität der Organisation bei der Lösung ihrer Probleme und der Erreichung ihrer Ziele zu verbessern.“ 1
Bei näherer Betrachtung der Definition ist folgendes zu erkennen:
OE ist geplant und gelenkt bedeutet, dass sie eine Veränderung ist, die absichtlich und mit einer bestimmten Zielrichtung betrieben wird. Die normativen Grundpositionen der OE sind hiermit angedeutet. Die Organisationsmitglieder müssen die Veränderungen tragen. Interne und externe Berater sollten nur als Veränderungshelfer fungieren aber nicht als dominierende Veränderer agieren. Die Devise heißt „Hilfe zur Selbsthilfe“, d.h. also keine Abhängigkeit von Experten, sowie „Betroffene zu Beteiligten“ machen, d.h. die vom Wandel betroffenen Personen sollen sich am Prozess beteiligen. OE ist also ein Prozess der Veränderung. Der Wandel, die Veränderung ist das zentrale Merkmal der Organisationsentwicklung. „Zur Veränderung der Kultur, der Systeme und des Verhaltens einer Organisation“ 2 bedeutet, dass OE die Organisationskultur verändert: Prozesse haben Auswirkungen auf die gesamte Kultur und Organisation.
Die Definition von Rush enthält zwar ein Ziel der Organisationsentwicklung - die Effektivität- allerdings lässt sie das ebenfalls bedeutende Ziel - die Humanität - welches in zahlreichen Literaturen von diversen Autoren neben Effektivität als vorrangiges Ziel angesehen wird, außer Betracht. OE beinhaltet nämlich eine umfassende Herangehensweise,
1 Comelli, Gerhard (1985): Training als Beitrag zur Organisationsentwicklung; Bd.4 München/Wien: Hanser, S.96
2 Comelli, Gerhard (1985): Training als Beitrag zur Organisationsentwicklung; Bd.4 München/Wien: Hanser, S.96
2
die neben Effektivität ebenso die Humanität zum Ziel hat. Nach Becker beinhaltet die OE also eine „doppelte Zielsetzung“ 3 .
In der hiesigen Arbeit sollen die beiden Ziele der Organisationsentwicklung, Effektivität und Humanität, in den zahlreichen Facetten der Literatur dargestellt und erörtert werden. Dabei soll herausgestellt werden, ob sich die beiden Ziele gegenseitig bedingen und ob auch eine Kehrseite vorhanden ist. Durch Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln sollen die divergierenden Standpunkte näher ans Licht gebracht werden.
Effektivität und Humanität - Die Ziele der OE 2.
Zunächst möchte ich auf die Definition von Effektivität und Humanität nach Becker eingehen. Becker beschreibt den Begriff Effektivität als „Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Organisation“ 4 und den Begriff Humanität als „Verbesserung der erlebten Arbeitssituation der beteiligten Menschen“ 5 . Dabei unterscheidet er folgende Feinziele:
„Verbesserung der Produktivität der Organisation im weitesten Sinne bedeutet: • Erhaltung oder Steigerung der Flexibilität • Förderung der Innovationsbereitschaft • Förderung der Lernfähigkeit des Systems
Verbesserung der Arbeitssituation der beteiligten Menschen im weitesten Sinne bedeutet: • Mehr Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten • Mehr Handlungs- und Entscheidungsspielraum • Mehr Mitwirkung an Beratungs- und Entscheidungsprozessen“ 6
Nach der Erläuterung der Feinziele von Becker wird nun eine Definition der beiden Hauptziele der OE nach Comelli folgen: „Auf der einen Seite geht es um eine Humanisierung der Arbeitswelt, um mehr Raum für Persönlichkeitsentfaltung und Selbstverwirklichung“ und
3 Becker H./Langosch I. (1984): Produktivität und Menschlichkeit. Organisationsentwicklung und ihre Anwendung in der Praxis; Stuttgart: Enke, S. 15
4 Becker H./Langosch I. (1984): Produktivität und Menschlichkeit. Organisationsentwicklung und ihre Anwendung in der Praxis; Stuttgart: Enke, S.17
5 Becker H./Langosch I. (1984): Produktivität und Menschlichkeit. Organisationsentwicklung und ihre Anwendung in der Praxis; Stuttgart: Enke, S.17
6 Becker H./Langosch I. (1984): Produktivität und Menschlichkeit. Organisationsentwicklung und ihre Anwendung in der Praxis; Stuttgart: Enke, S.17
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Arbeit zitieren:
Diplom-Volkswirtin Vesile Güzel, 2005, Die Ziele der Organisationsentwicklung, München, GRIN Verlag GmbH
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