Transformationsprozesse in Vietnam
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
Seite 1-2
2. Vorgeschichte und Ausgangslage des Transformationsprozesses
2.1 Die Teilung Vietnams 1954, ihre Vorgeschichte und Folgen Seite 2-3
2.2 Die politische und wirtschaftliche Entwicklung
Vietnams nach dem Fall Saigons Seite 3-5
Der Weg in die Isolation und erste Reformversuche Seite 6-7
2.3
3. Reformpolitik „Doi Moi“
3.1 Die Beschlüsse des VI. Parteitags der KPV im Dezember 1986 Seite 8-10
3.2 Die Erfolge der „Doi Moi“-Politik Seite 10-12
Die Mißerfolge „Doi Mois“: Neue Herausforderungen für Vietnam Seite 12-13
3.3
Literatur und Internetadressen
4
Einleitung 1.
Dreißig Jahre Krieg hatten Vietnam eine normale wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung geraubt und das südostasiatische Land in eine tiefe Depression gestürzt. Lange Zeit gehörte Vietnam zu den ärmsten Staaten der Welt, mit rückständiger Ökonomie und hungernder Bevölkerung.
Mittlerweile hat sich dieses Bild jedoch gewandelt. Vietnam scheint den Weg aus der wirtschaftlichen Talsohle gefunden zu haben. Enorme Wachstumsraten von fast 9%, hohe Exportüberschüsse und der Durchbruch der außenpolitischen Isolation kennzeichneten den plötzlichen Aufstieg des Landes in den neunziger Jahren.
Wie kam es jedoch zu dieser positiven Entwicklung? 1986 hat die vietnamesische Regierung die Abkehr vom bisherigen zentralistisch gelenkten, sozialistischen Wirtschaftssystem und die Einführung marktwirtschaftlicher Mechanismen beschlossen. Hanoi kam mit dieser Umorientierung der Wirtschaftspolitik den sozioökonomischen Mißständen im Land, aber auch weltpolitischen Erfordernissen nach.
Der Transformationsprozeß in Vietnam ist Thema der vorliegenden Arbeit. Seine Hintergründe und Voraussetzungen werden in Kapitel 2 zusammenfassend dargestellt. Die koloniale Vorgeschichte, die Zeit der Teilung Vietnams und die wirtschaftspolitische Entwicklung nach der Wiedervereinigung des Landes stehen hierbei im Mittelpunkt. Der dritte Abschnitt geht konkret auf den Transformationsprozeß des vietnamesischen Wirtschaftssystems ein. Die ab Dezember 1986 eingeführten Reformen im Rahmen der Doi Moi-Politik sollen wiedergegeben, ihre positiven und negativen Auswirkungen gegenübergestellt werden und einen Ausblick ermöglichen.
An dieser Stelle soll bereits erwähnt werden, daß die Doi Moi-Reformen nahezu ausschließlich für den ökonomischen Bereich Geltung fanden. Die politischen Verhältnisse in Vietnam änderten sich während des Transformationsprozesses kaum: Das Herrschaftsmonopol liegt nach wie vor fest in Händen der Kommunistischen Partei, demokratische Neuerungen wie zum Beispiel die Installation eines Mehrparteiensystems sind bis zum heutigen Tage nicht beabsichtigt. Aus diesem Grunde wird sich die vorliegende Arbeit vornehmlich auf die wirtschaftliche Entwicklung Vietnams beschränken. Von den unter Kapitel 4 angeführten Literaturangaben sollen vor allem die Arbeiten von Javier Revilla Diez (1995) und Markus Diehl (1993) hervorgehoben werden, die die Vorbedingungen und den Ablauf der Reformpolitik in Vietnam bis 1993 ausführlich
1
wiedergeben. Aktuelle Entwicklungen und Tendenzen sind dem Internet unter http://www.vietnamembassy-usa.org, http://www.batin.com.vn/10years/10yIndex.htm und http://www.dse.de/za/lis/vietnam/vietnam.htm sowie einzelnen Beiträgen des Buches „Doi Moi. Aufbruch in Vietnam“ (1999) entnommen.
2. Vorgeschichte und Ausgangslage des Transformationsprozesses
2.1 Die Teilung Vietnams 1954, ihre Vorgeschichte und Folgen
Die jüngere Wirtschaftsgeschichte Vietnams begann 1862 mit der Besetzung des südostasiatischen Landes durch die französische Kolonialmacht 1 . Frankreich verfolgte zwei vorrangige Ziele ökonomischer Art: zum einen die Gewinnung von Rohstoffen und zum anderen die Erschließung neuer Absatzmärkte für französische Waren. Im Norden setzte ein auf die Bedürfnisse der französischen Kolonialherren ausgerichteter Industrialisierungsprozeß ein, im Süden hingegen lag der Entwicklungsschwerpunkt auf der Förderung des Reisanbaus. Infrastrukturinvestitionen, aber auch der aufwendige französische Verwaltungsapparat verursachte enorme Kosten, die die Franzosen auf die vietnamesische Bevölkerung übertrugen. Die ohnehin schon ärmlichen Lebensbedingungen in Vietnam verschlechterten sich weiter. Das soziale Konfliktpotential führte zum Widerstand gegen die französische Herrschaft und entlud sich im Ersten Indochinakrieg (1946-1954) 2 . Die Beendigung des Krieges im Rahmen der Genfer Indochina-Konferenz am 21. Juli 1954 garantierte zwar den vollständigen Abzug der Franzosen aus Vietnam, teilte das Land aber auch in zwei selbständige Staaten, die völlig entgegengesetzte Entwicklungen nehmen sollten: Die ‚Demokratische Republik Vietnam’ (Nordvietnam) mit der Hauptstadt Hanoi und die ‚Republik Vietnam’ (Südvietnam) mit Regierungssitz Saigon 3 . Nordvietnam übernahm das sozialistisch-kommunistische Wirtschaftssystem mit zentralistischer Planung und staatlichen Festsetzungen von Produktionszahlen, Preisen und Löhnen. Maßnahmen wie die Verstaatlichung von Privatbetrieben und -unternehmen, die
1 vgl.: Revilla Diez, Javier: Systemtransformation in Vietnam: Industrieller Strukturwandel und regionalwirtschaftliche Auswirkungen. Münster/Hamburg 1995. S. 47. (künftig zitiert: Revilla Diez)
2 vgl.: ebd., S. 49.
3 vgl.: Weggel, Oskar: Indochina. Vietnam, Kambodscha, Laos. München 1990, S. 62. (künftig zitiert: Weggel: Indochina): Im folgenden werden die Bezeichnungen „Nordvietnam“ und „Südvietnam“ benutzt.
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Kollektivierung der Landwirtschaft sowie eine einseitige Förderung der Schwerindustrie führten jedoch schon bald trotz massiver Unterstützung seitens der Sowjetunion und Chinas zu großen sozialen und ökonomischen Ungleichgewichten 4 .
Südvietnam behielt das von den Franzosen eingeführte kapitalistisch-marktwirtschaftliche System bei. Wirtschaftshilfe des politischen Westens, allen voran der USA, unterstützte den Wiederaufbau und die Modernisierung des Landes. Die militärische Präsenz der Amerikaner ließ einen prosperierenden Dienstleistungssektor entstehen 5 . Der Ausbruch des Zweiten Indochinakrieges (1964-1973) zwischen kommunistischen Kadern und den Vereinigten Staaten verhinderte jedoch eine weitergehende ökonomische Entwicklung des Landes 6 . Der vollständige Abzug der USA nach der Pariser Konferenz von 1973 offenbarte die Abhängigkeit des südvietnamesischen Systems von der amerikanischen Großmacht. Selbsttragendes Wirtschaftswachstum war in Südvietnam zu keiner Zeit gegeben, nach 1973 fehlte es an Geld und Kapital, die Arbeitslosenzahl stieg sprunghaft an 7 . Nach dem Rückzug der Schutzmacht fanden die kriegerischen Auseinandersetzungen in Südvietnam ihren Fortgang. Der Bürgerkrieg zwischen Verbänden des kommunistischen Nordens und den Anhängern des Saigoner Regimes endete nach über zwei Jahren am 30. April 1975 mit der Einnahme der südvietnamesischen Hauptstadt durch nordvietnamesische Streitkräfte 8 .
2.2 Die politische und wirtschaftliche Entwicklung Vietnams nach dem Fall Saigons
Mit der Einnahme Saigons und dem Sieg des kommunistischen Nordens ging am 30. April 1975 ein dreißigjähriger Krieg um die Macht in Vietnam zu Ende. Die ‚Kommunistische Partei Vietnams‘ (KPV) des siegreichen Nordens beabsichtigte nun, das sozialistische Staats-und Wirtschaftssystem möglichst rasch auf den Süden zu übertragen. „Ziel war es, Südvietnam aus einer kapitalistischen Gesellschaft in ein sozialistisches System wie in
4 vgl.: Revilla Diez, S. 53 ff.
5 vgl.: Weggel: Indochina. S. 66.
6 vgl.: Revilla Diez, S. 50.
7 vgl.: ebd., S. 52.
8 vgl.: Weggel, Oskar: Vietnam. Die historische Chance vertan?. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (ApuZg) B 37/1983. S. 20. (künftig zitiert: Weggel, ApuZg B 37/1983)
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Arbeit zitieren:
Karsten Kramer, 2000, Transformationsprozesse in Vietnam, München, GRIN Verlag GmbH
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