Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Einflüsse auf die Entstehung des Dickicht der Städte und
Brechts Amerikabild 3
3. Der Mythos der amerikanischen Großstadt und ihre
Bezeichnung als Dschungel 5
3.1 Das Leben im Großstadtdschungel als Kampf 6
4. Die Bewohner des Großstadtdschungels 7
4.1 Shlink 8
4.2 George Garga 8
5. Der Kampf zwischen Savannenbewohner und 9
Dschungelmensch
5.1 Die Kampfform und die menschlichen Einsätze 10
6. Der Zerfall gesellschaftlicher Strukturen und die völlige
Vereinzelung der Großstadtbewohner 12
7. Fazit 13
8. Literaturverzeichnis 15
1
1. Einleitung
Die nachfolgende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Amerikabild Bertolt Brechts anhand seines frühen Stückes Im Dickicht der Städte. Hierbei sollen zunächst die wichtigsten Einflüsse auf die Entstehung des Stückes und Brechts Amerikabild kurz skizziert werden. Welche Inspirationsquellen hatte der Autor? Was sind die Motive, die er aus anderen Werken übernahm? Unter anderem sollen diese Fragen beantwortet werden.
Die Idee, die Großstadt als Dschungel darzustellen, einige der Gründe, warum die Wahl gerade auf eine amerikanische Großstadt als Schauplatz fiel und das Motiv des ewigen Existenzkampfes in diesem Dschungel der Riesenstadt, sollen weiter in die Thematik führen.
Den Kern der Arbeit bildet schließlich, eingeleitet durch eine kurze Übersicht über die wichtigsten ‘Bewohner’ des Dickichts, der zentrale Kampf zwischen dem Savannenbewohner Garga und seinem Kontrahenten Shlink, als Symbol für den Existenzkampf und die Anpassung an das Leben im Großstadtdschungel. In diesem Zusammenhang wird auch kurz auf die Sportbegeisterung des jungen Brecht, insbesondere für den Boxsport, eingegangen.
Der Zerfall traditioneller, gesellschaftlicher Formen des Zusammenlebens und die Vereinsamung des Menschen in der Stadt schließen den Kern ab. Im Fazit werden dann nochmals Brechts Amerikabild, das von ihm beschriebene Milieu und die Figuren, mit Hilfe der nun gewonnenen Erkenntnisse, reflektiert und mit der (nicht nur amerikanischen) Realität in Beziehung gesetzt. Zitate aus dem Stück selbst stammen in der Regel aus der letzten überarbeiteten Fassung des Dickichts der Städte, von 1927.
2
Einflüsse auf die Entstehung des Dickicht der Städte und Brechts 2. Amerikabild
Das Amerikabild des jungen Bertolt Brecht beruhte nicht auf selbst erfahrenen Eindrücken, sondern auf Erzählungen und Phantasie. Wie James K. Lyon konstatiert, gehörte Brecht “zu der um die Jahrhundertwende geborenen Generation, für die alles Amerikanische faszinierend […] war.“ 1 Amerika war in den Medien schon damals präsent. In Büchereien erschienen zahlreiche Werke über das Leben in Amerika, seine Kultur. Für Brecht und viele seiner Zeitgenossen, so Stellt Lyon weiter fest, bot dieses exotische Land, in dessen Nennung tausend Obertöne, wie “Gangster und Flapper, Boxkämpfe und die neuesten Tänze, Prohibition und Charlie-Chaplin-Filme, Autorennen und Gewerkschaftskämpfe, Jazz und Wildwestfilme“ 2 mitschwangen, eine aufregende Alternative zu einem seiner schöpferischen Energien beraubten Europa. 3 So ist es denn nicht verwunderlich, daß die Entstehung des Dickicht der Städte neben Werken von Kipling, Rimbaud, Stevenson und auch Wedekind, sowie Schiller, maßgeblich von zwei Romanen beeinflusst wurde, die ein mythisches Amerika und eine mythische Großstadt Chicago zu ihrem Handlungsort machen: Upton Sinclairs Roman The Jungle (Der Sumpf) und der Chicago-Roman Das Rad, von Johannes V. Jensen.
Sinclairs Sumpf, die Geschichte eines litauischen Arbeiters und seiner Familie, der in den Schlachthöfen Chicagos zu Tode gehungert wird, brachte Brecht auf die (epochale) Idee die Großstadt als Dschungel darzustellen und beeinflusste mit ihrer kritischen Darstellung der Verhältnisse in der kapitalistischen Gesellschaft die Entstehung der Figuren. 4
Das Rad von Jensen schildert den geistigen Kampf zweier ungleicher Männer, des skrupellosen Sektengründers Cancer und des jungen Schriftstellers Lee, der in einem tödlichen Kampf und der Ermordung Cancers durch Lee kumuliert, welcher sich fortan von der Literatur abwendet und sich dem realen Leben
1 James K. Lyon: Bertolt Brecht in Amerika. Franfurt a. M.: Suhrkamp, 1984, S. 17.
2 Ebd., S.17 (siehe Anmerkung 1).
3 Vgl. ebd., S. 18 (siehe Anmerkung 1).
4 Vgl. Klaus-Detlef Müller: Im Dickicht der Städte. In: Jan Knopf (Hrsg.): Brecht Handbuch in 5 Bänden, Band 1 - Stücke. Stuttgart/Weimar: Metzler, 2001, S. 115.
3
widmet. 5 Hier lassen sich zahlreiche Parallelen zum Kampf der beiden Protagonisten in Brechts Dickicht aufweisen, wie Müller feststellt:
“Brecht übernahm von Jensen wesentliche Elemente der Fabel und der Handlungsführung, allerdings nicht im Sinne einer dramatischen Bearbeitung des Romans, sondern als intertextuellen Horizont.“ 6
Eine weitere Anregung bekam Brecht möglicherweise aus dem Theater. 1919 besuchte er, laut einem Hinweis von Hans Otto Münsterer, zweimal die Aufführung eines Kriminalstückes mit dem Titel Mister Wu oder die Rache des Chinesen, das in Augsburg gespielt wurde. Hier kann man die Idee für die Konzeption der Figur des Shlink verorten. Allerdings ist dieser Nachweis, so Müller, bisher nicht nachprüfbar. 7
Schließlich muß noch Brechts damalige Begeisterung für den Boxsport, auch das eine der typisch ‘amerikanischen’ Vergnügungen, erwähnt werden, welche die Schilderung des Kampfes zwischen Garga und Shlink maßgeblich beeinflusste. Die Tatsache, daß der Handlungsort des Dickichts, Chicago, rein geographisch betrachtet, mit dem wirklichen Chicago recht wenig gemein hat 8 , ist insofern zu vernachlässigen, da Amerika für Brecht “eine moderne Lebens- und Erfahrungsweise und nicht einen geographischen Ort“ 9 verkörperte. Unter anderem aus diesem Grund wird in der Sekundärliteratur zum Dickicht auch immer wieder von einem ‘mythischen’ Chicago gesprochen. Anhand dieser wenigen Beispiele kann man erkennen, daß Brechts Amerika und das Chicago des Dickicht “im Grunde genommen [...] keinen anderen Schauplatz als den Geist eines Viellesers [hat] - wie Brecht zeitlebens einer war.“ 10
5 Vgl. Müller: Im Dickicht der Städte, S. 115 (siehe Anmerkung 4).
6 Ebd., S. 115 (siehe Anmerkung 4).
7 Vgl. ebd., S.116f (siehe Anmerkung 4).
8 Anmerkung: In Brechts Stück muss Chicago wohl an der Küste liegen, da im Hafen Schiffe in Richtung Tahiti ihre Anker lichten. Das wirkliche Chicago liegt lediglich an einem der großen Seen.
9 Lyon: Brecht in Amerika, S. 19 (siehe Anmerkung 1).
10 Marjorie L. Hoover: „Ihr geht gemeinsam den Weg nach unten“. Aufstieg und Fall Amerikas im Werk Bertolt Brechts? In: Sigrid Bauschinger / Horst Denkler / Wilfried Malsch (Hrsg.): Amerika in der deutschen Literatur. Stuttgart: Reclam, 1975, S. 296.
4
Arbeit zitieren:
Christian Honeck, 2005, Das Amerikabild Bertolt Brechts am Beispiel des Stückes „Im Dickicht der Städte“, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Mündliche Prüfung in Amerikanischer Kulturgeschichte
Amerikanistik - Kultur und Landeskunde
Skript, 59 Seiten
Elizabeth I. - Königin von England
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 24 Seiten
Be bloody, bold and resolute - Über Ehrgeiz und Gewissen in Macbeth
Seminararbeit, 16 Seiten
Der Wahnsinn in Georg Büchners "Woyzeck" und den Gutachten z...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 18 Seiten
„Lesebuch für Städtebewohner“ von Berthold Brecht
Die Stadt – Gebrochener Spiege...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Essay, 8 Seiten
Christian Honeck's Text Das Amerikabild Bertolt Brechts am Beispiel des Stückes „Im Dickicht der Städte“ ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Christian Honeck hat den Text Das Amerikabild Bertolt Brechts am Beispiel des Stückes „Im Dickicht der Städte“ veröffentlicht
Christian Honeck hat einen neuen Text hochgeladen
Erzahlungen (Von) Franz Kafka, Bertolt Brecht (Und) Heinrich Boll: Kaf...
Franz Kafka, Charles W. Hoffman, Richard Plant
Verwisch Die Spuren!. Bertolt Brecht's Work and Legacy: A Reassessment...
Robert Gillett, Godela Weiss-Sussex
0 Kommentare