Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Theoretischer Hintergrund 4
2.1. Begriffsklärung: Interaktion und Kommunikation. 4
2.1.1. Interaktion 4
2.1.2. Kommunikation. 7
2.2. Die Verbindung zwischen Interaktion und Kommunikation. 8
2.3. Symbolischer Interaktionismus und Kommunikatives Handeln 11
2.4. Interaktions- und Kommunikationsprozesse. 12
2.5. Interaktion und Massenmedien 17
2.6. Zwischenfazit. 20
3. Politische Talkshows als Beispiel für Interaktionsprozesse 21
3.1. Merkmale politischer Talkshows 21
3.2. Akteure in politischen Talkshows 24
3.2.1. Moderator 24
3.2.2. Talkgäste 25
3.2.3. Studiopublikum. 26
3.2.4. Fernsehzuschauer 26
3.3. Visuelle Aspekte. 27
3.4. Interaktionsprozesse in politischen Talkshows. 27
3.5. Historische Entwicklung des Genres. 29
3.6. Untersuchungsgegenstand. 31
3.6.1. ANNE WILL 32
3.6.1.1. Die Moderatorin: Anne Will 32
3.6.1.2. Das Format. 32
3.6.2. hartaberfair. 33
3.6.2.1. Der Moderator: Frank Plasberg. 33
3.6.2.2. Das Format. 34
3.6.3. Maybrit ILLNER 35
3 6 3 1 Die Moderatorin: Maybrit Illner 35
3.6.3.2. Das Format. 35
3.6.4. Die Konkurrenzsituation und Talkshow-Kritik 36
3.7. Fragestellungen und Thesen 37
4. Methode. 40
4.1. Inhaltsanalyse 40
4.2. Entwicklung des Kategoriensystems 42
4.3. Auswahl der Sendungsbeispiele 43
4.4. Reliabilitätsprüfung 44
5. Empirischer Teil: Auswertung der untersuchten Sendungen. 49
5.1. Allgemeiner Überblick. 49
5.2. Formale Aspekte 49
5.2.1. Anzahl der Redebeiträge. 50
5.2.2. Länge der Redebeiträge. 52
5.2.2.1. Redebeiträge der Moderatoren 53
5.2.2.2. Redebeiträge der Talkgäste. 55
5.2.2.3. Redebeiträge der „Normalbürger“ 56
5.2.2.4. Redebeiträge von Politikern im Vergleich zu anderen Talkgästen. 57
5.2.3. Berufliche und politische Zuordnung der Talkgäste 60
5.2.4. Kameraeinstellungen 64
5.2.5. Gezeigte Personen. 66
5.3. Ausrichtung der Redebeiträge. 67
5.3.1. Ausgangspunkt. 68
5.3.2. Lautstärke. 72
5.3.3. Adressat. 72
5.3.4. Haltung zum Adressat. 74
5.3.4.1. Haltung in politischen Sendungen 77
5.3.4.2. Haltung in gesellschaftlichen Sendungen 78
5.3.4.3. Haltung der Politiker. 79
5.3.4.4. Haltung anderer Gäste 80
5.3.5. Grundtenor. 81
5.3.5.1. Grundtenor in politischen Sendungen 82
5.3.5.2. Grundtenor in gesellschaftlichen Sendungen 83
5.3.5.3. Grundtenor in einzelnen Sprechergruppen 84
5.3.6. Charakter der Äußerung und emotionale Richtung. 85
5.3.6.1. Rationale und emotionale Äußerungen 86
5.3.6.2. Rationale und emotionale Äußerungen in politischen Sendungen. 86
5 3 6 3 Rationale und emotionale Äußerungen in gesellschaftlichen Sendungen 87
5.3.6.4. Offensive und defensive Äußerungen 88
5.3.6.5. Offensive und defensive Äußerungen nach Themenschwerpunkten. 88
5.3.6.6. Emotionale Richtung der Äußerungen. 90
5.3.6.7. Emotionale Richtung in politischen Sendungen. 91
5.3.6.8. Emotionale Richtung in gesellschaftlichen Sendungen 92
5.3.7. Zwischenfazit 93
5.4. Die Rolle des Moderators und der Moderationsstil. 94
5.4.1. Moderatorensequenzen. 95
5.4.2. Form und Typus der Fragen 96
5.4.3. Haltung der Moderatoren. 100
5.4.4. Grundtenor der Moderatoren 101
5.4.5. Charakter der Moderatorenäußerungen 102
5.5. Interaktion zwischen Moderator und Talkgästen: Aussagen
und Gesprächsdynamik. 103
5.5.1. Responsivität 104
5.5.2. Aussagetypus 105
5.5.3. Bezug zu anderen Akteuren 106
5.5.4. Interventionen. 107
5.5.4.1. Interventionen bei den verschiedenen Sprechergruppen 110
5.5.4.2. Verursacher von Unterbrechungen. 111
5.5.4.3. Verursacher von Einwürfen. 113
5.5.4.4. Einwurftypen. 115
5.5.5. Unorganisierte Gesprächssituationen 116
5.5.6. Zwischenfazit 117
5.6. Die Bedeutung des „Normalbürgers“ 119
5.7. Nonverbale Aspekte. 120
5.7.1. Akustische Ausdrucksformen 120
5.7.2. Gestik 121
5.7.3. Berührungen 124
5.7.4. Zwischenfazit 124
5.8. Externe Elemente 125
5.8.1. Länge der Einspielfilme 125
5.8.2. Bedeutung und Charakter von Einspielfilmen 126
5.8.3. Einblendungen 128
5.9. Publikums- und Zuschauerreaktionen. 129
5.9.1. Studiopublikum. 129
5.9.2. Meinung der Fernsehzuschauer. 132
5.10. Zusammenfassung der Ergebnisse 132
5.10.1. ANNE WILL. 133
5 10 2 hartaberfair 134
5.10.3. Maybrit ILLNER. 135
6. Fazit 137
Codebuch. 140
Literaturverzeichnis 186
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Die drei Schritte der elementaren Einheit der Kommunikation
Abb. 2: Länge der Redebeiträge
Abb. 3: Länge der Redebeiträge der Moderatoren.
Abb. 4: Länge der Redebeiträge der Talkgäste.
Abb. 5: Länge der Redebeiträge der „Normalbürger“
Abb. 6: Redebeiträge der Politiker
Abb. 7: Redebeiträge anderer Talkgäste.
Abb. 8: Verteilung der Redebeiträge nach politischer Zuordnung.
Abb. 9: Dominierende Kameraeinstellungen
Abb. 10: Sonstige Kameraeinstellungen.
Abb. 11: Gezeigte Personen
Abb. 12: Ausgangspunkt der Redebeiträge der Talkgäste
Abb. 13: Ausgangspunkt der Redebeiträge der Moderatoren
Abb. 14: Adressaten der Redebeiträge
Abb. 15: Haltung zum Adressat
Abb. 16: Haltung zum Adressat in politischen Sendungen
Abb. 17: Haltung zum Adressat in gesellschaftlichen Sendungen.
Abb. 18: Grundtenor der Redebeiträge.
Abb. 19: Grundtenor von Redebeiträgen in politischen Sendungen
Abb. 20: Grundtenor von Redebeiträgen in gesellschaftlichen Sendungen.
Abb. 21: Rationale und emotionale Äußerungen.
Abb. 22: Rationale und emotionale Äußerungen in politischen Sendungen.
Abb. 23: Rationale und emotionale Äußerungen in gesellschaftlichen Sendungen
Abb. 24: Offensive und defensive Äußerungen.
Abb. 25: Offensive und defensive Äußerungen in politischen Sendungen.
Abb. 26: Offensive und defensive Äußerungen in gesellschaftlichen Sendungen
Abb. 27: Emotionale Richtung.
Abb. 28: Emotionale Richtung in politischen Sendungen.
Abb. 29: Emotionale Richtung in gesellschaftlichen Sendungen
Abb. 30: Frageform.
Abb. 31: Primärfrage/Nachhaken.
Abb. 32: Fragetypus
Abb. 33: Haltung der Moderatoren
Abb. 34: Grundtenor der Moderatorenäußerungen
Abb. 35: Rationale/Emotionale Moderatorenäußerungen.
Abb. 36: Offensive/Defensive Moderatorenäußerungen.
Abb. 37: Interventionen
Abb 38: Einwurftypen
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Kommunikative und interaktive Verhaltensformen 9
Tab. 2: Die Beziehung von Interaktion und Kommunikation. 10
Tab. 3: Kategoriensystem 42
Tab. 4: Reliabilitätsprüfung 45
Tab. 5: Aufteilung der Redebeiträge 50
Tab. 6: Anzahl der Redebeiträge der Talkgäste und „Normalbürger“ 51
Tab. 7: Kumulierte Redezeit der Moderatoren 55
Tab. 8: Durchschnittliche Anzahl von Redebeiträgen von Politikern im Vergleich zu
anderen Talkgästen 59
Tab. 9: Berufliche Zuordnung der Gäste 60
Tab. 10: Politische Zuordnung der Gäste. 61
Tab. 11: Durchschnittliche Anzahl der Redebeiträge der Berufsgruppen nach
Sendungsblöcken (pro Person) 63
Tab. 12: Gezeigte Personen (pro Redebeitrag) 67
Tab. 13: Ausgangspunkt der Redebeiträge nach Sprechergruppen. 70
Tab. 14: Lautstärke der Redebeiträge 72
Tab. 15: Haltung zum Adressat 76
Tab. 16: Haltung in den Redebeiträgen der unterschiedlichen Sprechergruppen 81
Tab. 17: Grundtenor in den Redebeiträgen der unterschiedlichen Sprecher. 85
Tab. 18: Redebeiträge der Moderatoren. 96
Tab. 19: Form des Nachhakens. 98
Tab. 20: Responsivität. 104
Tab. 21: Aussagetypus. 105
Tab. 22: Bezugnahme. 107
Tab. 23: Interventionen in politischen Sendungen. 109
Tab. 24: Interventionen in gesellschaftlichen Sendungen. 109
Tab. 25: Opfer von Interventionen 110
Tab. 26: Verursacher von Interventionen. 112
Tab. 27: Dauer von unorganisierten Gesprächssituationen 117
Tab. 28: Akustische Ausdrucksformen 120
Tab. 29: Gestik. 121
Tab. 30: Gestik in den unterschiedlichen Sprechergruppen. 123
Tab. 31: Dauer der Einspielfilme 125
Tab. 32: Charakter der Einspielfilme 127
Tab. 33: Einblendungen 129
Tab 34: Reaktion des Studiopublikums 130
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
ARD Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland
BR bzw. ca. Co. d.h. etc. et cetera
inkl. o.g. s. s.o. siehe oben SPSS Statistical Package for the Social Sciences SWF Südwestfunk SWR Südwestrundfunk Tab. Tabelle
u.a. u.U. vgl. vergleiche WDR Westdeutscher Rundfunk z.B. zum Beispiel ZDF Zweites Deutsches Fernsehen
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1. Einleitung
„Ein Podium ist eine unbarmherzige Sache - da steht der Mensch nackter als im Sonnenbad.“ Die Süddeutsche Zeitung (Ramelsberger 2008) ergänzt dieses Zitat von Kurt Tucholsky folgendermaßen: „Und das Fernsehen zieht ihnen auch noch die Badehose aus.“ Die Kombination aus Podium und Fernsehen ist ein heikles Forum - diese Feststellung kann man beinahe jeden Tag machen, wenn man sich eine der zahlreichen Talkshows im deutschen Fernsehen anschaut. Neben Daily Talks sind es vor allem politische Talkshows, die an prominenter Stelle platziert sind und deren Gäste mehrmals wöchentlich um die Gunst der Zuschauer buhlen. Hier werden die dringendsten Probleme Deutschlands und der Welt unter der kompetenten Aufsicht eines eloquenten Moderators diskutiert, auf dass die Fernsehgemeinde danach ein wenig schlauer werde. Zugegeben - diese zynische Bewertung trifft sicher nicht die Wirklichkeit. Dennoch bleibt die Frage: Was ist so besonders an diesen Podiumsdiskussionen vor der Kamera, dass Millionen Zuschauer regelmäßig ANNE WILL 1 & Co. einschalten? Im Gegensatz zu Boulevard-Talkshows geht es bei politischen Fernsehdiskussionen nicht um Beziehungsprobleme oder Geldsorgen, sondern um „harte“ Themen, welche politisch aktuell sind und viele Menschen betreffen. Ob Bildungspolitik, Gesundheitsreform oder Koalitionskrisen: Zu jedem Thema finden sich bereitwillig Politiker, Publizisten und andere Experten, die allein (und manchmal auch gemeinsam) auf der Suche nach Problemlösungen sind. Das Besondere bei einer solchen Konstellation liegt dabei im Thema, das alle angeht. Zwar bleibt es den Talkgästen unbenommen, ihre Vorstellungen und Meinungen isoliert von anderen zu präsentieren, der Ideenaustausch findet jedoch erst durch die Diskussion und Argumentation statt. Das Spektrum der unterschiedlichen Talkgäste im Zusammenspiel untereinander und mit dem Moderator bietet eine hervorragend geeignete Plattform für eine Untersuchung, die über bloßes Anschauen und reine Medienkritik hinausgeht und die stattfindende Interaktion näher betrachtet.
So ist die Talkshow ein besonderer Fall von Interaktion zwischen den unterschiedlichen Beteiligten - abgegrenzt von spontanen Alltagsgesprächen und gekennzeichnet
1 In der vorliegenden Arbeit wird die von der Redaktion verwendete Schreibweise ANNE WILL ver- wendet, wenn damit die Sendung und nicht die Moderatorin gemeint ist.
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durch eine hohe Komplexität. Gleichzeitig handelt es sich um einen öffentlichen Interaktionsprozess, welcher durch die Ausstrahlung im Fernsehen einen besonderen Charakter erhält und zusätzlich den Rahmenbedingungen der Fernsehproduktion unterworfen ist. Die mediale Verwertung und Präsentation der ablaufenden Interaktion begründen daher eine publizistikwissenschaftliche Untersuchung. Soziale Interaktion kann auf ganz unterschiedliche Art sowohl verbal als auch nonverbal ablaufen. Sie hängt von den beteiligten Akteuren und ihrem Verhalten zueinander ab und ist in politischen Talkshows zusätzlich durch einen Moderator gesteuert. Zahlreiche Aspekte, die auf den ersten Blick nicht unbedingt auffällig sind, bestimmen den Ablauf der Interaktion. In der vorliegenden Arbeit wird daher die Frage untersucht, wie sich die Teilnehmer politischer Talkshows verhalten. Die Untersuchung erfolgt am Beispiel mehrerer Formate des deutschen Fernsehens. Die Talkshows ANNE WILL, hartaberfair 2 und Maybrit ILLNER 3 werden dabei mit einer Inhaltsanalyse auf die relevanten Bestandteile untersucht. Die Ergebnisse der Inhaltsanalyse dienen dazu, die Fragestellung zu beantworten und ein charakteristisches Bild der Interaktion in politischen Talkshows zu zeichnen.
Talkshows im Fernsehen sind immer wieder Gegenstand der Forschung. Darunter fallen einerseits Überblickswerke über das Genre wie diejenigen von Steinbrecher/Weiske (1992), Fley (1997) und Plake (1999). Andererseits sind es vor allem besondere Schwerpunkte, mit denen sich einzelne Autoren beschäftigen. So waren es 1986 Holly/Kühn/Püschel, die sich mit der Propaganda in politischen Diskussionen auseinandersetzten. Seit Ende der 1990er Jahre ist eine Häufung der Forschungsarbeiten zu politischen Talkshows zu verzeichnen: Herausragend ist dabei vor allem Tenscher (1998), der die Darstellung von Politik im Fernsehen untersuchte und auch Fallanalysen (u.a. zu Sabine Christiansen und Talk im Turm; 1999) durchführte sowie ausführlich auf Talkshowisierungs-Prozesse im Fernsehen einging (2002). Gerade in der jüngeren Vergangenheit wurden immer wieder einzelne Formate beispielhaft unter verschiedenen Aspekten untersucht, so von Basak (2002) oder Schultz (2004), welche sich mit der Rolle der Moderatoren, u.a. bei Sabine Christiansen und Berlin Mitte, beschäftigten.
2 In der vorliegenden Arbeit wird die von der Redaktion verwendete Schreibweise hartaberfair verwendet. 3 In der vorliegenden Arbeit wird die von der Redaktion verwendete Schreibweise Maybrit ILLNER verwendet, wenn damit die Sendung und nicht die Moderatorin gemeint ist.
3
Schultz war es auch, der 2006 eine detaillierte Untersuchung zur Rationalität in politischen Talkshows veröffentlichte. In der vorliegenden Untersuchung kommt nun ein neuer Aspekt hinzu, indem das Augenmerk nicht allein auf einzelne Akteure gelenkt wird, sondern eine umfassende Betrachtung der Diskussion bezüglich der auftretenden Interaktionsprozesse erfolgt.
Der Aufbau der vorliegenden Arbeit gliedert sich dabei in insgesamt sechs Teile. Nach der Einleitung (Kapitel 1) folgt zunächst eine Betrachtung des theoretischen Hintergrundes (Kapitel 2). Die Begriffsklärung und Verbindung von Interaktion und Kommunikation stehen hier im Vordergrund und werden ergänzt durch die Bezugnahme auf Massenmedien. Kapitel 3 behandelt politische Talkshows als Beispiel für Interaktionsprozesse. Neben der Beschreibung der Merkmale politischer Talkshows werden dort auftretende Interaktionsprozesse als Ergänzung zu Kapitel 2 beschrieben. Außerdem folgen ein kurzer Abriss der historischen Entwicklung des Genres und die Darstellung des Untersuchungsgegenstandes der vorliegenden Arbeit, verbunden mit weiterführenden Fragestellungen und Untersuchungsthesen. Die hier verwendete Methode der Inhaltsanalyse ist Gegenstand von Kapitel 4, in welchem ferner die Entwicklung des Messinstruments und die Auswahl der Sendungsbeispiele beschrieben werden. Von zentraler Bedeutung ist der empirische Teil (Kapitel 5), der die Auswertung der untersuchten Sendungen beinhaltet und in dem die Fragestellung anhand der Betrachtung einzelner Kategorien beantwortet wird. Neben formalen Aspekten geht es vor allem um die Ausrichtung der Redebeiträge, die Rolle des Moderators und schließlich das Zusammenspiel zwischen dem Moderator und den Talkgästen. Auch folgt hier ein Blick auf nonverbale Aspekte, „externe Elemente“ sowie Publikumsreaktionen. Ein Fazit der gewonnenen Erkenntnisse (Kapitel 6) rundet schließlich die vorliegende Ar- beit ab.
4
2. Theoretischer Hintergrund
Folgt man dem logischen Aufbau dieser Arbeit, steht zunächst eine Begriffsklärung von Interaktion an. Am Beginn dieses theoretischen Teils steht daher zunächst die Abgrenzung bzw. Beschreibung der Begriffe Interaktion und Kommunikation, bevor beide Begriffe miteinander verbunden werden. Ebenso werden der Symbolische Interaktionismus sowie die Theorie des kommunikativen Handelns kurz diskutiert. Des Weiteren wird ein Augenmerk auf Interaktionsprozesse gelegt, bevor schließlich ein Bezug zur hier relevanten Interaktion in den Massenmedien hergestellt wird.
2.1. Begriffsklärung: Interaktion und Kommunikation
2.1.1. Interaktion
Im Duden Fremdwörterbuch (1983: 188) wird Interaktion in soziologischer Hinsicht als „Wechselbeziehung“ definiert. Goertz (1995: 477-478) veranschaulicht, wie unterschiedlich solche Wechselbeziehungen in den Einzelwissenschaften aussehen. So wird damit in der Medizin die Wirkung zwischen zwei gleichzeitig verabreichten Medikamenten verstanden, in den Ingenieurwissenschaften das Verhalten von verschiedenen Stoffen zueinander, in der Statistik der gemeinsame Effekt mehrerer Variablen auf eine abhängige Variable und in der Linguistik die Einflüsse auf das Sprechverhalten bei zweisprachig aufwachsenden Kindern. Im kommunikationswissenschaftlichen Zusammenhang sind jedoch vor allem Interaktionskonzepte aus der Soziologie, Psychologie, Pädagogik und Informatik von Belang. Demnach besteht die Wechselbeziehung in Prozessen zwischen Menschen und Computern (Informatik) bzw. in der Beziehung zwischen zwei oder mehreren Menschen (Soziologie). Jäckel (1995: 467-471) grenzt dabei den in der Soziologie von dem in der Kommunikationsforschung verwendeten Interaktionsbegriff ab, denn während in der sozialen Interaktion kaum Rückzugsmöglichkeiten bestehen (sie bedingt immer auch Kommunikation), kann im kommunikationswissenschaftlichen Umfeld auch eine fehlende Wechselseitigkeit bei der Begriffsverwendung möglich sein.
Watzlawick (2000: 51) definiert Interaktion als „wechselseitigen Ablauf von mehre- ren Mitteilungen zwischen zwei oder mehreren Personen.“ Ein wichtiges Kriterium der
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Interaktion ist folglich die gegenseitige Orientierung und Wahrnehmbarkeit der Teilnehmer (vgl. Jäckel 1995: 463; Bohnsack 2008: 38). Jäckel definiert wie folgt (1995: 463): „Interaktion beschreibt einen Handlungsablauf und die diesen konstituierenden Faktoren.“ Im Kontext der vorliegenden Arbeit dienen die Auffassungen von Watzlawick und Jäckel als maßgebliche Größen, da die Kernelemente der Interaktion hier in kompakter Weise dargestellt sind.
Die Interdependenz zwischen den Interaktionspartnern ist für Thomas (1991: 54) ein wichtiges Kriterium, wobei jedoch die Grenze zwischen Ursache und Wirkung verschwimmt und nicht klar festzustellen ist. Dies liegt daran, dass durch den Austausch keine einseitige Handlung mehr besteht, sondern mehrere Handlungen ineinander greifen. Diesen Bezug greift auch Abels (2004: 202) auf; nach ihm folgen die Interaktionsteilnehmer den Rollen, die durch das „soziokulturelle Wertesystem“ vorgegeben sind. Die wechselseitige Rollenübernahme führt zu einer jeweils neuen Definition der Situation und stellt sich als iterativer Prozess dar (Abels 2004: 202): „Interaktion ist ein permanenter Prozess des Handelns, Beobachtens und Entwerfens weiterer Handlungen.“ Die Interaktion ist damit immer auch Interpretation, eine permanente Verständigung, bei welcher die Haltungen und Perspektiven der Handlungsbeteiligten ineinander verschränkt sind und immer wieder neue Reaktionen antizipiert werden (vgl. Abels 2004: 217). Vor allem die Sprache als höchstentwickelte Kommunikationsform spielt hierbei eine Rolle. Das oben angesprochene Wertesystem deutet auf ein potenzielles Problem der Interaktion hin: Die Interaktionspartner haben eine spezifische Sozialisation, welche ihr Interaktionsverhalten beeinflusst (vgl. Abels 2004: 225). Im Untersuchungskontext dieser Arbeit könnte das beispielsweise bedeuten, dass ein Politiker als Talkshowgast ganz anders agiert als ein Journalist.
Esposito (2001: 70) nennt als Schlüsselkriterium der Interaktion ebenfalls die zweiseitige Kommunikation, wobei die Interaktionspartner die Reaktionen der Zuhörer antizipieren und daraus ihre eigenen Beiträge gestalten. Die Relevanz der Wahrnehmungsprozesse in interaktiver Kommunikation wird dadurch deutlich, dass alle dasselbe sehen und sehen, dass sie gesehen werden (Esposito 2001: 70): „Diese Nähe zur Wahrnehmung bedingt zugleich den Vorteil und die Schwäche der Interaktion: sie ist für die starke persönliche Involvierung der Teilnehmer verantwortlich […], aber auch für den eigentümlichen Mangel an Distanz. Es gibt viel mehr, was implizit als selbstver-
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ständlich vorausgesetzt wird, als das, was bewußt Gegenstand der Aufmerksamkeit werden kann - die Teilnehmer selbst eingeschlossen.“ Abels weist zudem auf unterschiedliche Typen von Interaktion hin, da es immer vom Zusammenhang abhängt, wie Interaktion abläuft. Dies kann auf informeller Basis, z.B. an einer Bushaltestelle geschehen, ebenso kann Interaktion äußerst organisiert ablaufen, wie es bei den hier untersuchten Fernseh-Talkshows der Fall ist. Festzuhalten bleibt dabei jedoch das Phänomen der Inklusion, d.h. jeder Teilnehmer ist die ganze Zeit in die Kommunikation eingeschlossen, was nach Watzlawicks Axiom (2000: 51) „man kann nicht nicht kommunizieren“ nur logisch erscheint. Es findet ein Zusammenspiel von individuellen Interessen, reflexiven Fähigkeiten und konkreten Handlungen statt (vgl. Abels 2004: 249). Die Voraussetzung dazu ist jedoch, dass die Interaktionspartner auch Interesse an der Verständigung haben, denn erst dadurch kann die Interaktion ermöglicht werden.
Entscheidend bei der Face-to-Face-Interaktion ist eben der Bedeutungsaustausch, der nach Ansicht von Quiring/Schweiger (2006: 9) nur zwischen Menschen und nicht zwischen Menschen und Maschinen erfolgen kann. Die gegenseitige Abhängigkeit der vermittelten Botschaften muss dabei für Sender und Empfänger erkennbar sein (vgl. Quiring/Schweiger 2006: 18). Nachfolgende Kommunikationen müssen sich also stets auf vorangegangene beziehen.
Einschränkend muss hier angemerkt werden, dass Interaktion heute nicht länger auf physische Anwesenheit beschränkt ist, denn die technologische Entwicklung der jüngeren Vergangenheit macht die körperliche Präsenz der Interaktionspartner nicht länger zwingend notwendig (Videokonferenzen, Internet-Chat mit Webcam etc.). Gleichzeitig besteht kein Zweifel daran, dass Interaktion unter Anwesenden in besonderem Maße andere Möglichkeiten beinhaltet.
Deutlich soll dabei werden, dass im vorliegenden Kontext lediglich die Interaktion zwischen Menschen relevant ist - im Gegensatz zu anderen möglichen Interaktionsbegriffen (Quiring/Schweiger 2006: 7): „Reine Mensch-Maschine-Interaktion, wie sie im Mittelpunkt der Computer-Perspektive steht, ist aus soziologischer Sicht keine Interaktion.“ In der vorliegenden Arbeit liegt eine soziologisch geprägte Vorstellung von Interaktionsabläufen zugrunde, weil es in erster Linie um Mensch-Medien- Kommunikation geht. Dennoch ist hier der Begriff der Interaktivität zu nennen, bei
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dem es nach Esposito (1995: 226) im Wesentlichen um „die Überwindung der Einseitigkeit der Fernkommunikation“ geht, also z.B. die Reaktionsmöglichkeiten von Zuschauern bei Fernsehsendungen.
2.1.2. Kommunikation
Aus etymologischer Sicht stammt Kommunikation vom lateinischen Wort communicare, was so viel heißt wie „etwas gemeinsam machen, einander mitteilen“. Es geht laut Bohm (1998: 27) darum, Informationen oder Wissen so exakt wie möglich von einer Person an eine andere weiterzugeben. Die Tatsache, dass Merten (1977) 160 verschiedene Definitionen von Kommunikation präsentiert, verdeutlicht die Bandbreite dieses Begriffs.
Es sind zunächst drei Elemente, durch die sich Kommunikation auszeichnet: Sender, Information und Empfänger (vgl. Esser 2000: 248; s. Abb. 1). Esser (2000: 252) beschreibt Kommunikation als „besondere Form der Interaktion zwischen handelnden, und deshalb: selektierenden, und sich dabei auch gedanklich aufeinander beziehenden Akteuren.“ Bereits hier wird deutlich, wie sehr Kommunikation und Interaktion miteinander verbunden sind (s. Kapitel 2.2).
Abb. 1: Die drei Schritte der elementaren Einheit der Kommunikation
Selektionen Selektionen Sender Empfänger
Verstehen Information Erreichen Rezeption Mitteilung Handeln
Quelle: Esser 2000: 254
Watzlawick versteht Kommunikation ebenfalls als Informationsaustausch (2000: 30), unterscheidet dabei jedoch zwischen einem Beziehungs- sowie einem Inhaltsaspekt. Dabei wird der Inhaltsaspekt durch den Beziehungsaspekt bestimmt (vgl. Watzlawick 2000: 56). Höflich stellt eine dreifache Kodierung technisch vermittelter Kommunikati- on fest. Sie ist zum einen als Bedeutungsträger ein kulturelles Artefakt, dient ferner als
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Vehikel zur Inhaltsübermittlung und weist schließlich medienspezifische Kodiermöglichkeiten und -grenzen auf (vgl. Höflich 1997: 204). Damit ist bereits ein Bezug zu technischen Rahmenbedingungen hergestellt, denen wir uns aber erst zu einem späteren Zeitpunkt zuwenden wollen. Festzuhalten bleibt zunächst, dass Kommunikation ein hochkomplexes mehrdimensionales System mit verschiedenen Codes (z.B. verbal/nonverbal) und Übertragungskanälen (z.B. auditiv/visuell/taktil ...) ist (vgl. Delhees 1994: 29).
2.2. Die Verbindung zwischen Interaktion und Kommunikation
Bei der Betrachtung von Gemeinsamkeiten von Interaktion und Kommunikation steht zunächst einmal Trennendes im Vordergrund (Merten 1977: 62-63): „Insbesondere impliziert Interaktion ebenfalls die gegenseitige Wahrnehmbarkeit der Partner, was gerade dadurch zum Ausdruck kommt, daß Kommunikation fast ausschließlich als dyadische Interaktion verstanden wird.“ Gleichzeitig weist Merten aber auch auf die Gefahren der unklaren Begriffsdefinitionen hin, da beide Begriffe „sowohl als Definiens als auch als Definiendum füreinander benutzt werden“ (1977: 64). Es liegt also keine systematische Unterscheidung der beiden Begriffe vor. Damit ist festzustellen, dass eine klare Abgrenzung bzw. Verbindung von Kommunikation und Interaktion nahezu unmöglich ist (vgl. Bohnsack 2008: 38). Beide Begriffe gehen ineinander über, und aus diesem Grund kann jede Definition nur ein Versuch sein, zur Klärung beizutragen. Dennoch darf beiden Begriffen auch ein „Eigenleben“ zugestanden werden, dass je nach Forschungszweck unterschiedlich sein kann.
Nach der getrennten Betrachtung beider Begriffe wird nun eine Verbindung zwischen ihnen hergestellt. „Interaktion hat immer auch kommunikative Bezüge,“ bringt Merten (1977: 66) die enge Verbindung beider Begriffe auf den Punkt. Während sprachliche Kommunikation an nichtsprachliche Kommunikation gebunden ist, ist nichtsprachliche Kommunikation auch ohne Sprache möglich (vgl. Merten 1977: 133). Man kann dabei zwischen kommunikativen und interaktiven Verhaltensformen unterscheiden (vgl. Posner 1985: 244). Das Verhalten kann auch dann interaktiv sein, wenn es nicht als Interaktion intendiert ist. Vier Kombinationsmerkmale sind dabei vonein- ander abzugrenzen (s. Tab. 1).
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Tab. 1: Kommunikative und interaktive Verhaltensformen
Interaktiv Nichtinteraktiv Kommunikativ
Quelle: Eigene Darstellung nach Posner 1985: 246-249
Eine Brücke von der Kommunikation zur Interaktion schlägt Scherer mit seiner Auffassung der interaktionalen Kommunikation (1984: 14): „Innerhalb dieses Prozesses übermitteln zwei oder mehrere (1) ko-orientierte und (2) wechselseitig kontingent agierende Akteure (3) im Rahmen zielgerichteter Verhaltenssequenzen (4) Informationen (5) durch Zeichenkomplexe in verschiedenen Übertragungskanälen.“ Diese Definition bedarf zunächst einer weiteren Erläuterung: Unter Ko-Orientierung ist die gegenseitig gewährte Aufmerksamkeit (z.B. durch den Blickkontakt) mit abwechselnder Wortführung zu verstehen (vgl. Scherer 1984: 14-15). Die wechselseitige Kontingenz des Verhaltens meint die Abhängigkeit einer Reaktion von der vorausgegangenen Reaktion des Interaktionspartners und dem eigenen Verhaltensplan, während das zielgerichtete Verhalten das temporäre Ineinandergreifen der Verhaltenspläne der Kommunikationspartner impliziert. Als Information definiert Scherer durch Zeichenkomplexe übertragene Mitteilungen, welche die Ungewissheit über die Identität und den kognitiven, affektiven und appetitiven Zustand reduzieren (vgl. Scherer 1984: 17). Die Übertragungskanäle schließlich sind die zur Rezeption benutzten Sinnesorgane. Deutlich wird bei diesen unterschiedlichen Verbindungen zwischen Interaktion und Kommunikation vor allem, dass je nach Sichtweise unterschiedliche Begrifflichkeiten und Auffassungen auftauchen. Entscheidender Punkt bei der Begriffseinordnung scheint dabei jeweils die Frage zu sein, ob Kommunikation ein Teil von Interaktion ist oder ob das Verhältnis umgekehrt zu sehen ist. Eine hilfreiche Übersicht über beide Sichtweisen bietet Neumeyer an (s. Tab. 2).
Die Interaktion unter Anwesenden wird häufig als Idealform der Kommunikation angesehen, dabei wird jedoch das Potenzial der Kommunikationssituation häufig mit der Anwesenheit der Interaktionspartner gleichgesetzt. Bloße Anwesenheit allein ist
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jedoch bei weitem nicht gleichbedeutend mit Interaktion, sodass eine Überschätzung des Interaktionsbegriffs vorliegt (vgl. Neuberger 2007: 37; Posner 1985: 246-249).
Tab. 2: Die Beziehung von Interaktion und Kommunikation
Quelle: Eigene Darstellung nach Neuberger 2007: 37
Betrachtet man Interaktion als Teilmenge von Kommunikation, so ist bei dieser wechselseitigen Kommunikation der Verlauf der Interaktion entscheidend, wobei in den Mitteilungen Beziehungen zu früheren Relationen zwischen Mitteilungen hergestellt werden (vgl. Neuberger 2007: 38). Dies ist ein vergleichsweise hoher Anspruch an Interaktionsprozesse. Bei der Verständigung als „ausgereifter“ Kommunikation geht es darum, dass Interaktionspartner aufeinander bezogen handeln und somit aufeinander einwirken - so gesehen ist wiederum jede Kommunikation interaktiv (vgl. Neuberger 2007: 40).
Die interaktive Massenkommunikation zwischen Ausgangs- und Zielpartnern beschreibt Interaktionsprozesse, bei denen Akteure über die Medien miteinander kommunizieren können, etwa in einer Fernseh-Talkshow (vgl. Neuberger 2007: 40). Einschränkend ist jedoch zu bemerken, dass es sich hierbei allenfalls um Interaktionsprozesse vor einem meist passiven Publikum handelt, die besonderen Bedingungen unterliegen (s. Kapitel 3.4).
Bei der Interaktion als Interpretation geht es um das Verhalten des Mediennutzers, der in einem inneren Prozess mit Medienangeboten „interagiert“ (vgl. Neuberger 2007:
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41). Die Interaktion als Selektion schließlich hat die Auswahlentscheidungen des Nutzers im Rezeptionsprozess vor Augen.
Die vorliegende Arbeit orientiert sich überwiegend an der Auffassung, dass Kommunikation und Interaktion - wie oben beschrieben - nicht deckungsgleiche Begriffe sind, wohl aber eine große Schnittmenge haben. Grundannahme ist, dass Interaktion über die Kommunikation hinausreicht, also weitaus mehr Komponenten umfasst.
2.3. Symbolischer Interaktionismus und Kommunikatives Handeln
Zwei im weiteren Sinne relevante Forschungsansätze sollen an dieser Stelle kurz eingeführt werden, da sie im Rahmen des theoretischen Hintergrunds eine Art Sonderstellung einnehmen: Der Symbolische Interaktionismus sowie die Theorie des kommunikativen Handelns.
Der Symbolische Interaktionismus geht auf Mead zurück und wurde von Blumer weiterentwickelt. Drei Prämissen kennzeichnen ihn: Erstens, dass Menschen Dingen gegenüber auf der Grundlage der Bedeutungen handeln, die diese Dinge für sie besitzen. Zweitens, dass die Bedeutung solcher Dinge abgeleitet wird oder entsteht aus der sozialen Interaktion mit anderen. Drittens, dass die Bedeutungen in einem interpretativen Prozess gehandhabt und abgeändert werden (vgl. Blumer 2007: 25). Der zentrale Stellenwert fällt also den Bedeutungen zu, die aus dem Interaktionsprozess zwischen verschiedenen Personen hervorgehen. Die Kernvorstellungen des Symbolischen Interaktionismus lassen sich demnach in sechs Punkten beschreiben (vgl. Blumer 2007: 28-37):
1. Menschliche Gruppen bestehen aus handelnden Personen. 2. Die Gesellschaft besteht aus Individuen, die miteinander interagieren, dadurch geformt werden und die Rolle des jeweils anderen übernehmen. 3. Welten bestehen aus Objekten physikalischer, sozialer oder abstrakter Natur. 4. Der Mensch interagiert als handelnder Organismus auch mit sich selbst. 5. Der Mensch entwickelt aus der Interpretation der Dinge eine Handlungslinie. 6. Dieses Handeln wird als gemeinsames Handeln aufeinander abgestimmt.
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Die soziale Interaktion ist folglich eine fortlaufende Aktivität mit Entwicklung von Handlungslinien durch die Menschen und eine Anpassung der Handlungen im Interaktionsprozess (vgl. Blumer 2007: 41).
Burkart/Lang (2007) setzen sich mit der Theorie des kommunikativen Handelns von Habermas auseinander. Demnach besteht in der Verständigung das Mittel zum Zweck der Realisierung von Interessen (vgl. Burkart/Lang 2007: 43). Die ideale Sprechsituation ist dabei frei von Zwängen, um einen Konsens zu erreichen (vgl. Burkart/Lang 2007: 51). Kommunikatives Handeln wird definiert als soziale Interaktion, bei der Handlungspläne durch Sprache und extraverbale Äußerungen koordiniert werden (vgl. Burkart/Lang 2007: 53). Auch nichtsprachliche Ausdrücke wie Mimik und Gestik, so wird ausdrücklich betont, sind sprachlicher Natur und stellen letztendlich einen Bezug zur Sprache her (vgl. Burkart/Lang 2007: 42).
2.4. Interaktions- und Kommunikationsprozesse
Nach der Betrachtung des Begriffspaares Kommunikation - Interaktion und der Verbindung zwischen beiden Begriffen folgt nun der Brückenschlag zu den damit verbundenen Abläufen, um die es vorrangig in der vorliegenden Arbeit geht. Das Augenmerk liegt dabei auf den Prozessen, wenngleich in diesem Zusammenhang auf die bereits eingeführten Definitionen Bezug genommen wird.
Die Interaktion unter Anwesenden zeichnet sich durch die Möglichkeit kommunikativer Reaktionen aus, weil derselbe Wahrnehmungsraum existiert: Man nimmt wahr, dass man wahrgenommen wird (vgl. Esposito 1995: 228). Dieser „Kreislauf reflexiver Wahrnehmung begleitet und regelt ständig mitlaufend die explizite Kommunikation,“ die somit von allen Teilnehmern organisiert wird (Esposito 1995: 228). Prinzipiell gibt es somit unterschiedliche Interaktionsformen, nämlich solche zwischen anwesenden Kommunikationspartnern und die Fernkommunikation. Interaktion entsteht aus den Teilnehmern und ist für niemanden individuell verfügbar, da sie durch die stetig weiterlaufende Kommunikation nur minimal verarbeitet werden kann (vgl. Esposito 1995: 230).
Esser weist auf drei bei der Interaktion beteiligte verschiedene Prozesse hin: Erstens auf die Ko-Orientierung der Akteure (d.h. gemeinsames Hintergrundwissen), zweitens
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auf die Symbolische Interaktion (d.h. die Abstimmung der Orientierung über Zeichen und Gesten) sowie drittens auf die Kommunikation (d.h. die wechselseitige Weitergabe über Kommunikation mithilfe von Medien; vgl. Esser 2000: 229). Burkart (2002a) untersucht soziale Kommunikationsprozesse in humanspezifischer Hinsicht und zeigt in seiner Analyse fünf unterschiedliche Aspekte auf. Kommunikation wird dabei erstens als soziales Verhalten verstanden, bei dem Lebewesen aufeinander Bezug nehmen und durch ihr Verhalten unter Umständen auch Bedeutungen vermitteln, die einen kommunikativen Charakter haben (vgl. Burkart 2002a: 21). Daran schließt der zweite Aspekt an, die Kommunikation als soziales Handeln, welche ein Spezialfall des Verhaltens ist und sich durch den „intentionalen Charakter“ (Burkart 2002a: 23) auszeichnet. Dabei richtet man das kommunikative Handeln auf einen anderen aus und stößt Kommunikation an. Auf dem Weg zur Interaktion ist der von Burkart eingeführte dritte Aspekt von Belang: Es findet ein Prozess der Wechselbeziehung bzw. -wirkung zwischen zwei oder mehreren Größen statt, der mit der Kontaktaufnahme beginnt und mit Aktionen und Reaktionen weitergeführt wird. Dieses doppelseitige Geschehen ist das zentral Bedeutsame am Interaktionsprozess (vgl. Burkart 2002a: 30-31). Dabei gibt es eine breite Skala möglicher Interaktionsformen, die von zufälliger Interaktion bis hin zur Übermittlung einer Geheimbotschaft reicht. Im vierten Aspekt beschreibt Burkart die Kommunikation als vermittelten Prozess, bei dem die Notwendigkeit eines Mediums dazugehört (vgl. Burkart 2002a: 35-36). Der letzte Aspekt schließlich liegt in der menschlichen Kommunikation als symbolisch vermittelter Interaktion (s. Kapitel 2.3).
Typische Interaktionsformen sind dabei beispielsweise Dialoge oder Diskussionen, die Bohm (1998) als grundverschiedenes Paar einander gegenüberstellt. Nach Bohm (1998: 27) geht es bei einem Dialog nicht um die Mitteilung von bereits Bekanntem, sondern um die Entstehung von etwas Neuem. Ein Kommunikationsproblem ergibt sich dabei schon durch das Festhalten an eigenen Vorstellungen und Ansichten, welches wie ein Schutzschild der eigenen Gedanken wirkt (vgl. Bohm 1998: 28). Dem Dialog entgegen steht dabei die Diskussion, bei der es nicht um einen Sinnfluss, sondern um Zerschlagung geht (vgl. Bohm 1998: 32-33). Diskussionen zeichnen sich demnach dadurch aus, dass eine kritische Analyse mit vielen Ansichten stattfindet, bei der jedoch nur begrenzte Lösungsmöglichkeiten vorhanden sind. Das Ziel der Beteiligten ist in
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jedem Fall ein Punktgewinn und nicht etwa die Einigung auf gemeinsame Standpunkte (vgl. Bohm 1998: 33). Im Gegensatz dazu herrscht beim Dialog ein anderer Geist, denn es geht darum, dass alle Beteiligten „gewinnen“ (vgl. Bohm 1998: 34). In Diskussionen identifizieren sich die Beteiligten sehr stark mit der eigenen Meinung und verteidigen diese so, um auch andere von der eigenen Meinung zu überzeugen. Bohm (1998: 41-42) zieht daraus folgenden Schluss: „Wenn jeder eine andere Ansicht hat, gibt es lediglich einen Wettstreit der Meinungen, den der Stärkste gewinnen wird. Der Stärkste ist nun nicht notwendigerweise der mit der richtigen Meinung, und vielleicht hat auch keiner recht.“ Man könnte an dieser Stelle vermuten, dass Bohm direkt auf die hier untersuchten politischen Talkshows anspielt; zu den dort beobachteten Interaktionsabläufen folgt mehr in den Kapiteln 3 und 5.
Gerhards/Neidhart/Rucht (1998: 140) gehen auf den Diskurs ein und dessen Zielvorstellung, dass durch Bezüge und Begründungen eine Verständigung erreicht wird, wobei auch bei Streitsituationen der Respekt vor den Interaktionspartnern Vorrang hat. Interaktionsprozesse sind unabhängig von ihrer Ausprägung hochkomplexer Natur. Esposito (2001: 72-73) fasst dies folgendermaßen zusammen: „Das zeigt auch die Tatsache, daß ein Zuhörer das Gesagte immer anders als der Sprecher verstehen kann: er kann Bedeutungen hineinlesen, die dem Sprecher nicht bewußt waren, und kann natürlich auch viele der ursprünglich implizierten Bedeutungen ignorieren - deshalb enthält die Kommunikation immer viel mehr und viel weniger als das, was die involvierten psychischen Systeme im Kopf hatten.“
Für die Teilnehmer am Interaktionsprozess geht es vor allem um die Imagepflege und -wahrung (vgl. Goffman 1999: 10-14). Ein strukturelles Merkmal von direkter Interaktion ist dabei die Akzeptanz der Verhaltensstrategie eines anderen (vgl. Goffman 1999: 16-17). Zumeist einigt man sich dabei auf einen „Arbeitskonsensus“, da keine tief greifende Übereinstimmung mit den Interaktionspartnern herrscht, dies sich aber stabilisierend auf die Begegnung auswirkt (vgl. Goffman 1999: 17). Die Aufrechterhaltung des Images ist dabei oberste Bedingung für die Interaktion. Kommt es durch einen Zwischenfall zu einem Ungleichgewicht im Interaktionsprozess, so kann durch eine Korrektur und daran anschließende Ausgleichshandlung die Wiederherstellung des Gleichgewichts erreicht werden (vgl. Goffman 1999: 24-25). Anspielungen sind dabei als Wagnisse zu werten, weil man dabei riskiert, das eigene Gesicht zu verlieren (vgl.
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Goffman 1999: 31-32). Im Interaktionsprozess ist dabei stets ein rituelles Gleichgewicht von Bedeutung, welches durch Wahrnehmungsfähigkeit, Takt, Gelassenheit, Image und Besonnenheit bestimmt wird (vgl. Goffman 1999: 45-52). Außerdem besteht eine Verpflichtung zum Engagement, indem sich die Interaktionsteilnehmer in die Rolle der anderen hineinversetzen. Das gemeinsame Engagement kann dabei je nach Situation durchaus sehr zerbrechlich sein (vgl. Goffman 1999: 127-132). Schützeichel betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung mündlicher Kommunikation in Faceto-Face-Beziehungen, die in der mikrosoziologischen Analyse von Interaktionsprozessen eine Rolle spielt (vgl. Schützeichel 2004: 13). Die Orientierung aneinander erfolgt mit Hilfe von Zeichen bzw. Medien mit festen Regelsystemen und klaren Bedeutungen (vgl. Schützeichel 2004: 301).
Thomas fügt die nonverbale Kommunikation als wichtigen Bestandteil des Interaktionsprozesses hinzu (vgl. Thomas 1991: 62-63). Dabei ist die symmetrische (gleichwertige) von einer komplementären (durch Über-/Unterordnung der Interaktionspartner gekennzeichnete) Kommunikation zu unterscheiden (vgl. Thomas 1991: 67). Im Zuge der symmetrischen oder komplementären Kommunikation kann es zu zwei verschiedenen Störungen kommen: Zum einen können symmetrische Eskalationen auftreten („gleicher als gleich“), zum anderen kann es zu einer starren Komplementarität kommen („nicht dynamisch“; vgl. Watzlawick 2000: 103-105).
Kieserling (1999: 18) betrachtet Interaktionsprozesse unter dem Kriterium der Anwesenheit und nennt im Zusammenhang mit den verschiedenen Typenprogrammen der Interaktion als Voraussetzung ein „gewisses Minimum an Vorverständigung über den allgemeinen Sinn der Zusammenkunft, das unter den Anwesenden nicht erst noch ausgehandelt werden muß.“ Interaktionen, so Kieserling (1999: 112-113), „sind soziale Systeme, die nur durch Kommunikation unter Anwesenden aufgebaut und in Gang gehalten werden können.“ Sie zeichnen sich ferner durch Undifferenziertheit aus, d.h. es gibt nur ein Zentrum der Konvergenz von Aufmerksamkeit (vgl. Kieserling 1999: 37). Folglich herrscht ein Zwang zur Serialität, da jeweils nur ein Thema gleichzeitig behandelt werden kann. Es liegt also eine Einheit von Themenwechsel und Strukturänderung vor.
Dabei treten immer wieder Synchronisationsprobleme auf, denn die Normalform der Interaktion - die Gleichzeitigkeit von Reden und Schweigen - kann durch ver-
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schiedene Abweichungen gestört werden: Einerseits durch Unterbrechungen (Gleichzeitigkeit von Reden und Reden), andererseits durch Gesprächspausen (Gleichzeitigkeit von Schweigen und Schweigen). Beide Abweichungen werden als Störung des Interaktionsprozesses wahrgenommen und als unhöflich oder peinlich empfunden (vgl. Kieserling 1999: 41-42). Folglich wird die Anschlussfähigkeit des nächsten Beitrags und damit das gesamte Interaktionssystem gefährdet (Kieserling 1999: 42): „Reden mehrere gleichzeitig, dann wird für alle Beteiligten unklar, auf welchen Beitrag man reagieren soll und wer von den beiden aufhören muß, damit der andere weiterreden kann. Redet überhaupt niemand, dann wird unklar, wer damit erneut beginnen soll.“ Die Unterbrechung muss also ihrerseits zur Fortsetzung der Interaktion unterbrochen werden, während das Schweigen durch eine Wortergreifung beendet wird. Das Problem liegt aber bei der Unterbrechung darin, dass einer den anderen am Reden hindert und damit in Frage stellt, wer der legitime Sprecher ist - es liegt eine unstrukturierte Situation vor, die das System betrifft, aber im Normalfall nicht sanktioniert wird (vgl. Kieserling 1999: 43).
Mit der steigenden Anzahl von Anwesenden sinken - so paradox es klingt - Kommunikationspotenziale und müssen deswegen standardisiert werden, beispielsweise durch eine Ordnung der Redebeiträge oder einen Moderator (vgl. Kieserling 1999: 44). Die Beteiligung weiterer Personen an der Interaktion wirkt sich demnach nur steigernd auf den Anteil von Passivität und damit das Schweigen in der Konversation aus (vgl. Kieserling 1999: 44-45). Außerdem kann nicht immer auf Störungen reagiert werden, da die Kommunikation einfach weiterläuft (vgl. Schneider 2001: 90). Auch Peters weist auf Ungleichheiten und Asymmetrien in Interaktionsprozessen hin (1994: 52): „Unterschiede der Sichtbarkeit sind am leichtesten zu identifizieren: Manche Teilnehmer sprechen länger oder häufiger als andere oder erreichen einen größeren Adressatenkreis, erhalten mehr Aufmerksamkeit, bekommen mehr Raum in der öffentlichen Sphäre.“ Als Mechanismus zum Schließen der Kommunikationsmöglichkeiten stehen symbolische Gewalt oder das Abschneiden von Negationsmöglichkeiten zur Verfügung (vgl. Peters 1994: 65-66). Die Modalitäten des turn takings, also der Sprecherwechsel in der Interaktion, sind von komplexer Beschaffenheit und mit verantwortlich für das Ver- ständnis (vgl. Schneider 2001: 89; Sacks/Schegloff/Jefferson 1978: 8).
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Die Thematisierungskapazität der Interaktion ist zwar stark begrenzt, umso deutlicher jedoch steht die Wahrnehmbarkeit im Zentrum (Kieserling 1999: 48): „Was jeweils im Zentrum der Aufmerksamkeit geschieht, das ist allen sofort zugänglich, ohne daß Boten oder Vermittler erforderlich würden. Kommunikation in der Interaktion ist automatisch interaktionsöffentliche Kommunikation.“ Die Interaktion verfügt über eigene Grenzen, die nach außen hin alles andere fernhalten, nach innen jedoch sensibilisierend wirken (vgl. Kieserling 1999: 64). Dennoch kann es zur Ausgrenzung von den an der Interaktion beteiligten Personen kommen, wenn diese nicht in den Prozess eingebunden sind. Im Umkehrschluss muss eine kurze Abwesenheit eines Interaktionsteilnehmers nicht automatisch den Ausschluss aus dem Prozess nach sich ziehen (vgl. Kieserling 1999: 65).
Eine sehr absolute und sicherlich fragwürdige These stellt Kieserling in Bezug auf Konfliktsituationen auf. Was Konflikte betrifft, so können Interaktionen „nur entweder ohne Konflikt oder als Konflikt existieren“ (Kieserling 1999: 258). Aus diesem Grund kann es unter Umständen dazu kommen, dass Themen mit Konfliktpotenzial gemieden werden, was wiederum hinderlich für ein gemeinsames Ergebnis sein kann (vgl. Kieserling 1999: 287). Wie im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch deutlich wird, sind Konflikte in der Tat ein bedeutender Bestandteil der hier untersuchten Interaktionsprozesse in Talkshows, tauchen aber nicht notwendigerweise in dem hier von Kieserling postulierten Entweder-oder-Schema auf.
2.5. Interaktion und Massenmedien
Luhmann nimmt im Vergleich zu anderen Ansätzen ein engeres Bild von Interaktion in Anspruch und stellt ein für die Kommunikationsforschung besonders relevantes Kriterium fest, nämlich den Ausschluss von Interaktion durch die Zwischenschaltung von Technik (vgl. Luhmann 2004: 11). Die Massenmedien und ihre Funktionsweisen existieren demnach unabhängig von Interaktion (vgl. Luhmann 2004: 33). Dass dies so eindeutig jedoch nicht ist, führt Sutter an. Er setzt den Interaktionsbegriff in Zusammenhang mit der Massenkommunikation und führt an, dass Medienangebote selbst soziale Interaktionen enthalten, nämlich in Diskussionen, Unterhaltungssendungen oder eben Talkshows (vgl. Sutter 1999: 292), was im Kontext dieser Arbeit besonders hervorzu-
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heben ist. Auch macht er darauf aufmerksam, dass an Massenkommunikation anschließende Kommunikation stattfinden kann, z.B. durch Rückkopplungsmechanismen mit Zuschauern bzw. Lesern, um direkte Reaktionen zu ermöglichen (vgl. Sutter 1999: 292). Dennoch muss eine Abgrenzung zu Mensch-Computer-Beziehungen vollzogen werden, welche sich stärker durch den Begriff der Interaktivität charakterisieren lassen, da es verschiedene technische Möglichkeiten von Rückkopplungen und zum Wechsel von Sender- und Empfängerrollen gibt (vgl. Sutter 1999: 297).
Eine Einseitigkeit der Interaktion stellt Höflich dort fest, wo Scheingespräche mit Medienakteuren bzw. Schaugespräche, d.h. Talkshows, vor einem mitwirkungslosen Publikum stattfinden (vgl. Höflich 1997: 205). Bei der Interaktion in Präsenzkommunikation sowie bei der technisch vermittelten Interaktion sind immer auch mediale Kommunikationsrestriktionen zu beachten (vgl. Höflich 1997: 207-208). So bleiben beispielsweise bei einer telefonischen Kommunikation nonverbale Komponenten wie Gestik und Mimik ausgespart, dafür geht mit einer schriftlichen Kommunikation die Ausschaltung auditiver Signale einher.
Eine besondere Form nehmen nach Posner Fernseh-Talkshows ein, denn sie gehören in den Bereich der öffentlichen Kommunikation (Posner 1985: 253): „Das persönliche Gespräch zwischen Showmaster und geladenen Gästen wird öffentlich dadurch, daß deren Äußerungen auch für die nicht persönlich identifizierten Umsitzenden bestimmt sind, die sich jederzeit in die Interaktion einschalten können. Wenn dieses Gespräch samt Studiopublikum auch noch für die Verbreitung über die Bildschirme der Fernsehapparate arrangiert worden ist, so wird aus der Studio-Öffentlichkeit die Fernsehöffentlichkeit, die je nach den Zugangsmöglichkeiten der Bürger eines Landes zu einem Fernsehgerät schließlich mit der Öffentlichkeit eines Landes konvergieren kann.“ In diesem Zusammenhang soll auf die besonderen Rahmenbedingungen einer Fernseh-Talkshow verwiesen werden. Da sich der Koordinationsaufwand einer Interaktion mit steigender Teilnehmerzahl erhöht, kann ein Moderator die interaktive Kommunikation vereinfachen und mit gezielter Themensetzung und Gesprächsorganisation den Prozess steuern (vgl. Neuberger 2007: 47). Auch die Formatgestaltung trägt zu einem geregelten Interaktionsablauf bei.
Bei einer Fernsehsendung verhält sich der Fernsehzuschauer in Beziehung zu dem, was er sieht, in der Regel passiv, da er weder auf den Inhalt noch das Tempo oder den
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Rhythmus der Sendung einwirken kann (Esposito 1995: 244): „Wer fernsehen will, muß das sehen, was gezeigt wird; man kann allenfalls den Kanal wechseln [...] oder den Apparat ausschalten. Man kann auch nicht die Ordnung der Sendung verändern. Weder kann man sie umkehren noch kann man Teile überspringen [...]“ Gleichwohl ist damit nicht gesagt, dass der Zuschauer keine Beziehung zum Medium Fernsehen haben kann: Feedback-Möglichkeiten per Telefon oder Mail und der Begriff der parasozialen Interaktion deuten dies an: Damit ist im Wesentlichen die soziale Wahrnehmung und Urteilsbildung der Personen im Fernsehen und die Auseinandersetzung mit dem Dargebotenen seitens der Zuschauer gemeint (vgl. Gleich 1997: 2). Ausgehend von einem aktiven Rezipienten, der eine emotionale Bindung zum Geschehen auf dem Bildschirm entwickelt, kommt es so zu einer scheinbaren Beziehung zwischen Zuschauern und den Akteuren im Fernsehen (vgl. Gleich 1997: 5-7). Talkshow-Moderatoren können dabei etwa die Rolle von Stars einnehmen, da sie als Ankerpunkt in der Sendung wesentlich zur Identifikation der Zuschauer mit der jeweiligen Sendung beitragen (vgl. Gleich 1997: 17). Während auf dem Bildschirm also die unmittelbare zweiseitige Face-to-Face-Kommunikation stattfindet (Primärsituation), existiert parallel noch eine mittelbare, einseitige Kommunikation (Sekundärsituation) zu den Medienfiguren (vgl. Keppler 1996: 11). Diese parasoziale Beziehung impliziert eine Illusion einer Face-to-Face-Beziehung für den Zuschauer, bei welcher der Darsteller wie in einer persönlichen Beziehung erscheint (vgl. Horton/Wohl 2001: 74). Es ist jedoch eine einseitige Interaktionsform, bei welcher der Zuschauer sich jederzeit zurückziehen kann; sie spielt daher in der vorliegenden Arbeit nahezu keine Rolle, da vordergründig die Interaktion zwischen den Akteuren im Fernsehen untersucht wird.
Deutlich wird hier, dass sich das Fernsehen in vielerlei Hinsicht von anderen Medien der Massenkommunikation abgrenzen lässt, denn nicht jede Form der Kommunikation ist Interaktion: Beim Lesen etwa hat man es mit einer einseitigen Kommunikationsform zu tun (vgl. Esposito 1995: 232). Die Autonomie eines Lesers bleibt dem Fernsehzuschauer allerdings verwehrt (Esposito 1995: 247): Der „Leser kann zwei Entscheidungen treffen, die der Zuschauer des traditionellen [...] Fernsehens nicht zur Verfügung hat. Er kann wählen, welches Buch er liest, und er kann die Lektüre autonom gestalten.“ Während der Rezipient einer Zeitungslektüre also selektiv vorgehen kann und nur das liest, was ihn interessiert, ist er dem Ablauf des Fernsehprogramms nahezu hilflos
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ausgeliefert, wenn er nicht das Gerät ausschaltet und folglich auf die Rezeption verzichtet. Die Rezeption von Fernsehinhalten erfolgt also sequentiell und nicht selektiv, wenngleich zunehmend Video-on-Demand-Angebote der verschiedenen Programme existieren, die eine teilweise selektive Nutzung ermöglichen. Diese Besonderheit ist für die Programmgestaltung des Fernsehens von zentraler Bedeutung.
2.6. Zwischenfazit
In diesem theoretischen Überblick wird deutlich, dass es alles andere als einfach ist, Kommunikation und Interaktion klar voneinander zu trennen. So sehr wie sie sich die einzelnen Ansätze in Bezug auf die beiden Begriffe voneinander unterscheiden, so sehr haben sie auch vieles gemeinsam. Für die vorliegende Arbeit bleibt festzuhalten, dass es bei der Interaktion im Wesentlichen um einen wechselseitigen Austausch von Mitteilungen geht, bei welchem die gegenseitige Wahrnehmbarkeit und Orientierung der Teilnehmer eine Rolle spielt. Dabei gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Interaktions- und Kommunikationsformen, die teilweise über große Schnittmengen verfügen.
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3. Politische Talkshows als Beispiel für Interaktionsprozesse
Im vorhergehenden theoretischen Teil zeigte sich, dass es eine Vielzahl unterschiedlicher Interaktionstypen und -prozesse gibt. Das Feld der politischen Fernsehtalkshows ist in dieser Hinsicht ein lohnenswertes Beispiel, um die dort auftretenden Interaktionsprozesse unter empirischen Gesichtspunkten näher zu beleuchten. Da man es hier nicht mit einer alltäglichen Konversation, sondern viel mehr mit einer in komplexer Weise arrangierten Interaktionssituation mit verschiedenen Akteuren zu tun hat, folgt zuvor ein Überblick über die Merkmale politischer Talkshows. Anschließend geht es um die dort beteiligten Akteure und visuellen Aspekte, bevor die Interaktionsprozesse in allgemeiner Hinsicht charakterisiert werden. Im weiteren Verlauf wird ein historischer Überblick über die Entwicklung politischer Talkshows in Deutschland gegeben, worauf der Untersuchungsgegenstand vorgestellt wird. Zuletzt folgt die Einführung der in dieser Arbeit zu untersuchenden Teilfragen und Thesen.
3.1. Merkmale politischer Talkshows
Untersucht man die Interaktionsprozesse in politischen Talkshows, ist zunächst eine Begriffsklärung angebracht. Was ist eine politische Talkshow überhaupt? Nach Tenscher (1999: 318) zeichnet sie sich durch folgende Merkmale aus: Die Vermischung sachlich-rationaler und emotional-unterhaltsamer Auseinandersetzungen über aktuelle politische und gesellschaftliche Themen Die heterogene Teilnehmerstruktur (Politiker, Journalisten, Prominente, Experten, Normalbürger …)
Die periodisch wiederkehrende Live-Ausstrahlung Die Anwesenheit von Studiopublikum
Die Schlüsselposition des Moderators als Anchorman und identitätsstiftendes, publikumsbindendes und letztendlich auch diskussionsleitendes Element Schicha/Tenscher (2002: 10) nennen zusätzlich eine zentrale Relevanz des Gesprächs, das den inhaltlichen und formalen Ablauf der Sendung bestimmt. Wie der zweite Teil des Wortes nahe legt, geht es neben dem Gespräch auch um Unterhaltung, um Show. Sowohl Gesprächssendung als auch Talkshow werden hier synonym ver- wendet, da eine Trennung von unterhaltenden und informativen Inhalten nur schwer
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möglich ist. Von Bedeutung ist auch das Fernsehpublikum, denn das Wissen um dessen Präsenz vor den Fernsehgeräten hat Auswirkungen auf die Kommunikation in der Sendung (vgl. Schicha/Tenscher 2002: 11). Schultz (2006: 91) beschränkt sich auf eine allgemeine Definition: „Polit-Talks sind nicht-fiktionale Fernsehsendungen, in denen im weitesten Sinne politische Fragen in der Form eines Gesprächs thematisiert werden.“ Nach Holly/Kühn/Püschel (1986: 44) geht es aus organisatorischer Sicht in Talkshows um drei Dinge: nämlich die Regelung des Sprecherwechsels, die thematische Abwicklung sowie die Sicherung des Verständnisses. Bei Gesprächen mit mehr als zwei Teilnehmern tritt zudem das Problem auf, dass nicht jeder, der sich äußern möchte, dies auch unmittelbar tun kann - diese Möglichkeit hängt nicht zuletzt von der Gesprächsorganisation ab. Grenzen erfährt die Diskussion zudem durch den Zeitfaktor. Eine Diskussionsrunde bietet für die Akteure unmittelbare Darstellungsmöglichkeiten, die Sarcinelli/Tenscher (1998: 308-309) wie folgt charakterisieren: „Das bedeutet, daß jede Äußerung zwar vordergründig an den direkt angesprochenen, physisch anwesenden Gesprächspartner gerichtet ist. Der eigentliche Adressat der verschiedensten Kommunikationsinteressen ist aber der Zuschauer am Bildschirm. Allerdings ist sich das Publikum im allgemeinen seiner Quasi-Teilnahme am Bildschirmgeschehen, die es selbst als kontraproduktiv für die Diskussion einschätzt, durchaus bewusst.“ 4 Die Konsequenz dieser Darstellungsmöglichkeit für die Beteiligten ist folglich, dass ein symbolischer Binnendialog inszeniert wird, bei dem der eigentliche Adressat - das Fernsehpublikum - nicht direkt angesprochen wird. Warum aber wird dann noch so viel diskutiert, wenn doch alles als bloße Inszenierung erscheint? Neben der über die Jahre erfolgten Institutionalisierung von Talkshows hat dies nach Sarcinelli/Tenscher (1998: 309) folgenden Grund: „Das Festhalten am Konzept der politischen Fernsehdiskussion und deren Erfolg leitet sich nicht zuletzt vom in den Köpfen der Bürger fest verankerten Glauben ab, daß die wesentlichen Entscheidungen in einem demokratischen, freiheitlichen System aus Diskussionen hervorgehen.“ Sarcinelli/Tenscher (1998: 310) umschreiben diese Entwicklung mit dem Begriff der Talkshowisierung: „Es dürfte unstrittig sein, daß in der deutschen parlamentarischen Demokratie politische Entscheidungen in der Regel eher hinter verschlossenen Türen und nicht in Parlamentsdebatten fallen
4 Ob der Fernsehzuschauer tatsächlich so bewusst seine Rolle registriert wie dies hier behauptet wird, wäre im Zuge einer gesonderten Untersuchung von Interesse.
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beziehungsweise ausgehandelt werden. Demzufolge sind politische Fernsehdiskussionen in erster Linie für die öffentliche Beobachtung inszenierte Pseudodiskurse. Ihr Ziel ist die fernsehgerechte Selbst- oder Fremddarstellung. Bei Gesprächsverlauf und -organisation geht es dabei nicht in erster Linie um die rationale Klärung einer Kontroverse, nicht um das Sachargument als solches, sondern auch um den medialen Effekt, nicht allein um die Information, sondern auch um die Unterhaltung, nicht vorwiegend um die Überzeugungskraft von Diskussionsbeteiligten, sondern auch um die Wahrung des Proporzes.“ Auch Thomas (2003: 127) begreift Polittalks als Pseudodiskurse, die vorrangig durch das politische System geprägt sind und in denen dialogisch inszenierte Monologe und Scheinargumentationen die Normalität sind. Insgesamt scheint die Dynamik nicht über einen bloßen Schlagabtausch hinauszugehen, sondern dreht sich um personale Konflikte und deren Darstellung (vgl. Schicha 2002: 225). Dieser Prozess wird durch die Orientierung am Publikum und am zunehmenden Wert der Unterhaltung im Fernsehen beschleunigt. So sind politische Talkshows nicht zuletzt ein Mittel der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, um ihrem Informationsauftrag nachzukommen und ihre Kompetenz unter Beweis zu stellen. Das Format der politischen Talkshow hat das Spektrum der politischen Informationsvermittlung und damit die Präsenzmöglichkeiten von entsprechenden Akteuren deutlich erweitert, wie Tenscher (2002: 61) feststellt (s. Kapitel 3.2). Die verhältnismäßig kostengünstige Produktion von Diskussionssendungen mag für die Sender dabei ein angenehmer Nebeneffekt sein. Relativ zuverlässig lassen sich zudem hohe Einschaltquoten erzielen (vgl. Sarcinelli/Tenscher 1998: 310).
Mediendialoge sind keinesfalls so natürlich wie Alltagsgespräche, aber von inszenierten Theaterstücken dennoch abzugrenzen (vgl. Burger 1991: 411-412; Krotz 2002: 45). Viel mehr weisen Mediengespräche eine eigene Wirklichkeit auf (vgl. Burger 1991: 413). Plake (1999: 22) macht den Showcharakter von Diskussionssendungen daran fest, dass diese in der Regel vor und für Publikum stattfinden. Daraus entsteht auch eine mehrfache Adressatenstruktur (s.o.): Die Teilnehmer reden zwar auch miteinander, aber darüber hinaus ist immer auch das Studio- bzw. Fernsehpublikum angesprochen und auch als Adressat gemeint (vgl. Plake 1999: 22 und 51). Als Showsendung ist die Talksendung jedoch vergleichsweise dezent, wenn man sie neben andere Showformate stellt. Gerade diese leichte Künstlichkeit trägt zur Attraktivität dieser Sendegattung wohl ent-
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scheidend bei. Die politische Willensbildung wird somit zumindest symbolisch veranschaulicht (vgl. Plake 1999: 86).
3.2. Akteure in politischen Talkshows
Die unterschiedlichen Akteursgruppen, die im Zusammenhang mit politischen Talkshows auftauchen, sollen hier kurz eingeführt werden. Dabei geht es um den Moderator, die Studiogäste, das Studiopublikum sowie die Fernsehzuschauer.
3.2.1. Moderator
Schicha definiert die Aufgaben des Talkshow-Moderators noch deutlich über die bloße Gesprächsorganisation hinaus (2002: 215): „Er steuert und strukturiert das Gespräch thematisch und kann vor allem den Diskutanten das Wort erteilen und entziehen. Darüber hinaus kommt die Sachkenntnis des Moderators durch die mehr oder weniger gehaltvollen Fragen zum Ausdruck, die das Niveau der Sendung maßgeblich mitbestimmen.“ Die Moderationstechnik sowie eine sorgfältige Vorbereitung seitens des Moderators, zusammen mit seinem Umgang mit den Gesprächsteilnehmern sind dabei wesentlich mitentscheidend für eine gelungene Sendung (vgl. Schicha 2002: 216). Der Moderator stellt den Identifikations- und Ankerpunkt der Sendung dar und ist erster Ansprechpartner für Lob und Kritik der Sendung (vgl. Steinbrecher/Weiske 1992: 75). Bei der Auswahl seiner Gäste muss der Moderator auf eine ähnlich gelagerte Kompetenz der Teilnehmer achten, da andernfalls die bereits oben eingeführten asymmetrischen Gesprächskonstellationen entstehen können, welche „einen konstruktiven Talk unmöglich machen“ (Steinbrecher/Weiske 1992: 92). Nur so kann dafür gesorgt werden, dass eine geschickte Eigendynamik durch gegenseitiges Ernstnehmen und Anerkennen entsteht. Der Gastgeber der Sendung muss dabei die Zusammenhänge so gut kennen, dass er flexibel auf Änderungen reagieren kann (vgl. Steinbrecher/Weiske 1992: 93).
Die Rolle des Gastgebers bringt Burger (1991: 276) wie folgt auf den Punkt: „Der Moderator ist ein Chamäleon.“ Dies zeigt sich durch die Vielzahl der Rollen, die durch ihn ausgefüllt werden können (vgl. Burger 1991: 276-278):
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Gesprächsführung Gastgeber Vertreter der Rezipienten Teilnehmer Vertreter seiner Institution Experte
Es liegt nahe, dass es bei dieser Ausdifferenzierung zu Rollenkämpfen und Rollenkonflikten kommen kann (vgl. Burger 1991: 278). Dies geschieht etwa, wenn der Moderator die ihm zugewiesene Rolle missachtet oder sich durch Rollenkumulierung in Widersprüche verwickelt. Deutlich wird dadurch, dass die Aufgaben des Moderators sehr vielschichtig sind und ein hohes Navigationsgeschick erfordern, um die Sendung erfolgreich abzuwickeln.
3.2.2. Talkgäste
Steinbrecher/Weiske (1992: 73) sehen die Interessen der Talkgäste wie folgt begründet: „a) Vermittlung politischer Botschaften in einem unterhaltenden Senderahmen; b) Möglichkeit zur ausgiebigen Selbstdarstellung mit dem gewünschten Effekt, einen hohen Bekanntheitsgrad zu erreichen; c) Werbung für Produkte und Dienstleistungen sowie Werbung für gemeinnützige Ziele oder öffentlich wirksame Hinweise auf Minderheitenprobleme, was wiederum Sympathie erzeugt und damit das eigene Image aufwertet.“ Diese Interessen sind vor allem im Hinblick auf Politiker als Talkgäste nachvollziehbar.
Im Gegensatz zu Politikern stellen Journalisten als Talkgäste den kritischen und distanzierten Beobachter dar, der Gesagtes ohne festen Loyalitätszwang kommentieren darf (vgl. Schultz 2002: 234). Das schließt gleichwohl eine persönliche Betroffenheit und Parteinahme nicht aus, soll aber in erster Linie eine Ausgewogenheit der Talkrunde suggerieren. Selbstredend beschränkt sich die Auswahl der Talkgäste nicht allein auf die Berufsgruppen der Politiker und Journalisten; gerne werden auch Verbandsvertreter oder Wissenschaftler eingeladen. Die Auswahl hängt stark vom Thema ab und variiert damit zwischen den einzelnen Sendungen. Als Gast muss man sich auf die Spielregeln dieses Genres einlassen, und so ist es kaum verwunderlich, dass manche Gäste beinahe
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wöchentlich im Fernsehen auftauchen (Talkshow-Meister) und andere fast gar nicht (Talkshow-Meider; vgl. Tenscher 2002: 65). Gleichwohl spielen auch die Talkshow-Meister nicht alle in derselben Liga (Ramelsberger 2008: III): „Es gibt Politiker, die die Sportart Fernsehen beherrschen, wie manche klettern können oder Klavier spielen.“ Und es gibt eben auch Politiker, die weniger medial geeignet sind. Zu vermuten ist, dass das „Eignungspotenzial“ der Politiker in den Redaktionen der Talkshows sorgfältig bedacht wird, wenn es um die Auswahl von Studiogästen geht (vgl. Ramelsberger 2008: III).
Ein Sonderfall sind die so genannten „Normalbürger“ oder „Betroffenen“, welche ebenfalls als Gesprächspartner in die Sendung eingeladen werden. Sie finden allerdings nicht in der Talkrunde Platz, sondern werden abseits des Diskussionsgeschehens für wenige Minuten zu ihrer Situation befragt. Dabei kann es sich tatsächlich um unbekannte „Normalbürger“ handeln, in manchen Fällen werden jedoch auch bekanntere Persönlichkeiten abseits der Talkrunde platziert. In der vorliegenden Untersuchung waren bei ANNE WILL z.B. die beiden Nobelpreisträger Peter Grünberg und Gerhard Ertl als „Gäste auf dem Sofa“ präsent.
3.2.3. Studiopublikum
Das „Präsenzpublikum“ verstärkt möglicherweise durch seine Äußerungen positive und negative Reaktionen in der Interaktion von Moderator und Gästen, dient aber zumindest als Stimmungsmesser in der Sendung (vgl. Plake 1999: 30). Zudem trägt die Anwesenheit von Studiozuschauern dazu bei, dass ein gewissermaßen vollständiges „Setting“ zwischen den Diskutanten und Zuschauern entsteht. Dennoch handelt es sich eher um eine passiv einzuordnende Statistenrolle, denn die Äußerungen sind meist nonverbaler Natur (z.B. Applaus oder Gelächter).
3.2.4. Fernsehzuschauer
Die Fernsehzuschauer sind keinesfalls als direkte Akteure einer Talkshow zu sehen, da sie für die im Studio Anwesenden nicht wahrnehmbar sind und nur ins Geschehen eingreifen können, wenn das Sendungskonzept dies vorsieht. Dies kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn die Zuschauer ihre Meinung zur Präsentation in der Sendung
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telefonisch oder per Mail äußern dürfen. Auch die Möglichkeit des Chats mit einzelnen Talkgästen bedeutet eine Einbindung der Fernsehzuschauer als Akteure, wenngleich dies auch nicht vor laufender Kamera, sondern im Anschluss an die Sendung - lediglich sichtbar für die Internetnutzer - geschieht. Auch wenn Fernsehzuschauer in den allermeisten Fällen nicht direkt mit den anderen Akteuren interagieren, so sind sie dennoch letzten Endes die maßgebliche Größe. Gäbe es kein Fernsehpublikum, so wäre jede Talkshow vergebens und würde nicht stattfinden.
3.3. Visuelle Aspekte
Die Bildregie spielt eine wichtige Rolle, indem sie durch geschickte Platzierung von Bildern und Einstellungen die Interaktionsabläufe illustriert (vgl. Schicha 2002: 216). Dabei gibt es vordergründig drei Strategien der Kameraführung: Erstens Großaufnahmen, um affektive Reaktionen zu zeigen; zweitens das Zeigen der momentan nicht sprechenden Person, um die Interaktionsabläufe zu inszenieren; drittens die kommentierende Kameraführung (z.B. durch die Totale), bei der eine Bezugnahme und Identifikation mit der gezeigten Person intendiert ist (vgl. Schicha 2002: 217). Sicherlich ist die Bedeutung der bewegten Bilder nicht hoch genug einzuschätzen, gleichwohl muss jedoch klargestellt werden, dass ohne akustische Signale die Interaktionsprozesse nicht verstanden werden können (vgl. Schultz 2006: 112).
Auch das räumliche Arrangement ist ein Hinweis auf den Inszenierungscharakter von Talkshows (vgl. Holly/Kühn/Püschel 1986: 178). Die Positionierung von Talkgästen ist dabei keinesfalls zufällig gewählt, weil durch geschickte Kameraeinstellungen und Bilderwechsel (Schnitt/Gegenschnitt) der inhaltliche Kontrast zweier Redner noch stärker illustriert werden kann (vgl. Holly/Kühn/Püschel 1986: 181).
3.4. Interaktionsprozesse in politischen Talkshows
Was macht die Interaktion in Talkshows aus? Schultz (2006: 90) spricht in diesem Zusammenhang von „Settings“: „Welche Form einzelne Beiträge eines realen Diskurses annehmen, welche Bahnen sie nehmen, welche Perspektiven und Bezüge auftauchen, ist in einem gewissen Ausmaß vorgezeichnet oder eingegrenzt durch das jeweilige Set- ting.“ Sie sind „hochgradig institutionalisierte und serielle Gespräche“ (Schultz 2006:
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103). Damit wird deutlich, dass diese Gespräche klar von Alltagsgesprächen spontaner Natur abzugrenzen sind, denn sie haben wenig bis gar nichts mit ihnen gemein. Letztendlich kann der Moderator mit seinen Fragen und Redebeiträgen als Provokateur, aber auch als Schlichter in Bezug auf die Talkgäste agieren. Der Sprecherwechsel erfolgt dabei nach einem rekursiven System, d.h. nach jedem Redebeitrag kann ein neuer durch Fremdwahl oder Selbstwahl erfolgen (vgl. Holly/Kühn/Püschel 1986: 59). Dabei macht es für die Wahrnehmung durchaus einen Unterschied, ob der Moderator zu einem Redebeitrag auffordert oder dies von einem anderen Teilnehmer der Gesprächsrunde erfolgt (vgl. Holly/Kühn/Püschel 1986: 60). Auch wenn Redebeiträge ohne sichtbare Aufforderung des Moderators erfolgen - also durch Selbstwahl -, muss damit noch nicht impliziert sein, dass dies eine reine Selbstwahl ist. Viel mehr ist es durchaus möglich, dass die Reihenfolge der Beiträge einem internalisierten Drehbuch folgt, was auf den Inszenierungscharakter von Fernsehdiskussionen hindeutet (vgl. Holly/Kühn/Püschel 1986: 60). Nachzuweisen ist dies freilich beim bloßen Hinschauen nicht, da die vorher getroffenen Absprachen für das Publikum unsichtbar bleiben. Der Aspekt kann daher in der vorliegenden Arbeit auch nicht näher betrachtet werden. Prinzipiell ist es für die Teilnehmer einer Talkshow wichtig, dass der Proporz gewahrt und Ausgewogenheit hergestellt wird. Gleichzeitig verstehen sich die Teilnehmer meist exzellent darauf, ihren Standpunkt konsequent darzustellen (Holly/Kühn/Püschel 1986: 102): „Persuasive Unterstützung gehört also [...] zu Diskussionen.“ Dies kann beispielsweise durch Selbstlob, Adressatenschmeichelei, Pseudobescheidenheit und Gegnerabwertung geschehen (vgl. Holly/Kühn/Püschel 1986: 103). Dies folgt dem Ziel von Politikern - und ggf. auch anderen Teilnehmern einer Gesprächsrunde - des ständigen Werbens und Legitimierens (vgl. Holly/Kühn/Püschel 1986: 105).
Holly/Kühn/Püschel (1986: 196) weisen zudem auf eine Besonderheit in der Bedeutung von Körpersprache hin: „Sie liegt nämlich weniger in dem, was getan wird, als in dem, was unterlassen, unterdrückt, kontrolliert, zensiert wird. [...] Unterdrückt werden vor allem sogenannte ‚Adaptoren‘, das sind solche Körperbewegungen, die als Reaktion auf körperliche und psychische Bedürfnisse gelten können und häufig etwas über situative Dispositionen verraten, also: Kratzen, nervöse Bewegungen, der Griff zur Krawat- te und dergleichen.“ Die Teilnehmer sind sich also der Tatsache sehr bewusst, dass sie
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ständig im Bild sein können und verhalten sich daher möglichst kontrolliert, um wenig Angriffsfläche zu bieten. Im Gegenzug kann Körpersprache sehr untermalend eingesetzt werden und so Gesagtes zusätzlich verdeutlichen. Es findet also ein ständiges Zusammenwirken von Bild und Wort statt.
3.5. Historische Entwicklung des Genres
Bei Talkshows handelt es sich um ein Sendeformat, das in Deutschland erstmals in den 1950er Jahren zu beobachten war und sich nach einem Höhenflug in den 1990er Jahren („stabiler Quotenbringer und profilbestimmendes Markenzeichen“; vgl. Schicha/Tenscher 2002: 9) seit Beginn des 21. Jahrhunderts wieder auf einem Rückgang befindet. Dies bezieht sich jedoch auf das Genre Talkshow allgemein, die hier behandelten politischen Talkshows erfahren auch heute noch großen Zuspruch, wie die Einschaltquoten nahe legen (s. Kapitel 3.6; vgl. Quotenmeter.de 2008, Redaktion hartaberfair 26.08.2008, Redaktion Maybrit ILLNER 29.08.2008). Was jedoch waren die Grundlagen für die Einführung von Talkshows? Neben der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung nach 1945 war es eine Politisierung des Politischen, welche die Debatte ins Fernsehen brachte (vgl. Plake 1999: 43). Auch Veränderungen innerhalb des Mediums (ab 1963 sendete das ZDF) trugen dazu bei (vgl. Plake 1999: 44). Erste Vorläufer der Talkmaster waren dabei die heute-Redakteure, die im Gegensatz zu den eher monotonen Tagesschau-Sprechern schon früh andere Elemente (z.B. den Dialog mit Politikern mittels Interview) in ihre Nachrichtensendung einbanden (vgl. Plake 1999: 44-45). Ab den frühen 1950er bis Anfang der 1970er Jahre kannte man ausschließlich politische Diskussionssendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Den Anfang machte Werner Höfer mit dem sonntäglichen Internationalen Frühschoppen, einer Gesprächsrunde von Journalisten aus verschiedenen Ländern, die später durch den Presseclub abgelöst wurde (vgl. Schicha/Tenscher 2002: 11). Von 1953 bis 1987 war dies ein Dauerbrenner und Markenzeichen der ARD und stellte im Meinungs- und Willensbildungsprozess einen wesentlichen Orientierungspunkt dar. Gleichwohl war dies keine Talkshow im engeren Sinn, da kein Publikum anwesend war (vgl. Foltin 1994: 74). Im Verlauf der Entwicklung stellten die Fernsehtalkshows so einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Politik dar (vgl. Tenscher 1999). Das
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ZDF zog von 1963 bis 1991 unter der Moderation von Reinhard Appel mit der monatlichen Sendung Journalisten fragen - Politiker antworten nach. Ab den 1970er Jahren ließ sich eine neue Phase in der Entwicklung der Talkshows ausmachen: Exklusivität und elitärer Charakter der Sendungen ließen nach, auch weil nun Bürger beim Diskurs vor laufender Kamera beteiligt waren (vgl. Schicha/Tenscher 2002: 11). 1973 kam mit Je später der Abend (Gastgeber Dietmar Schönherr) die „Talkshow in Reinform“ in die dritten Fernsehprogramme (vgl. Plake 1999: 42). Aufgrund des großen Erfolges lief sie ab 1974 in der ARD (vgl. Foltin 1994: 78). Damit gab es erste Modelle für spätere Talkshows, die sich durch ihren Live-Charakter und das Studiopublikum als formatstypische Merkmale auszeichneten. Auch nicht-politische Formate mit prominenten Gästen trugen ihren Teil zum neuen Genre bei; diese unterhaltungsorientierten Talkshows gab es in den USA schon seit den 1950er Jahren (vgl. Schicha/Tenscher 2002: 11). In den 1970er Jahren erlebte das Talkshow-Genre auf diese Weise einen regelrechten Boom, was wohl an dem noch unverbrauchten Reiz dieser neuen Kommunikationsform lag (vgl. Foltin 1994: 83).
So führte die Dualisierung des deutschen Rundfunksystems ab den 1980er Jahren zu einer neuen Phase von Talkshows, die sich nun in ihrer Ausrichtung immer weiter differenzierten (Schicha/Tenscher 2002: 12-13): „Je nachhaltiger sich die Talkshow als ein eigenständiges, sich von anderen Fernsehformaten unterscheidendes und publikumsattraktives Produkt etablieren konnte, desto stärker beschleunigte sich in den neunziger Jahren schließlich die Ausdifferenzierung verschiedener Subgenres.“ Dennoch trat die Talkshow in der öffentlichen Diskussion in den Hintergrund, und es folgte eine Phase der Stagnation und Konsolidierung von 1979 bis 1985, die von wenigen Neuerungen bestimmt war (vgl. Foltin 1994: 87). Ab 1986 ist dann ein neuerlicher Talkshow-Boom zu verzeichnen, sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht. Das tägliche Angebot von Fernseh-Talkshows verzehnfachte sich in den 1990er Jahren nahezu (vgl. Krüger 1998: 612). Eine modellhaft aktuelle und themenorientierte politische Talkshow stellte Erich Böhmes Talk im Turm bei Sat.1 ab 1990 dar (vgl. Foltin 1994: 96). Mittlerweile dominieren wieder die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten das Feld der politischen Gesprächssendungen und die Entwicklungen der jüngsten Zeit lassen darauf schließen, dass man immer noch in einem Findungsprozess ist, was Positionierung und Konzeption von Talkshows bei ARD und ZDF angeht.
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Die Kritik an derartigen Formaten ließ nicht lange auf sich warten: Oberflächliche Gespräche und Personen- statt Themenorientierung waren die Hauptangriffspunkte. Kalverkämper (1979: 406) merkt eine Widersprüchlichkeit des Genres an, das sich in gleicher Weise kommunikativ wie antikommunikativ als auch ziellos und richtlinienorientiert gebärdete. Auch der ständige Widerspruch und Konflikt zwischen Unterhaltungs- und Informationsanspruch ist hier zu nennen (vgl. Tenscher 1999). Tenscher bezeichnet die Gesprächsrunden auch als „Bildschirmstammtisch des Fernsehzeitalters“ (1999: 331).
Letztendlich handelt es sich bei Talkshows um eine unterhaltsame Darstellung von Politik, welche billig zu produzieren ist, zusätzlich eine Prise „Human Touch“ aufweist, neue Informationen bringt, das Verhalten politischer Akteure zeigt und - für die Sender besonders wichtig - für hohe Einschaltquoten sorgt (vgl. Tenscher 1998: 199).
3.6. Untersuchungsgegenstand
Vor dem in Kapitel 3.4 eingeführten theoretischen Hintergrund zu Interaktionsprozessen in Talkshows bietet sich eine Untersuchung der aktuellen Formate an. Anne Will ist seit dem Sendestart im Herbst 2007 mit ihrer Sendung im Ersten immer wieder in den Schlagzeilen; fast gleichzeitig wurde Frank Plasbergs hartaberfair vom WDR Fernsehen ins Erste verlegt und befindet sich damit in einer programminternen Konkurrenzsituation zu ANNE WILL. Maybrit Illner mit ihrem Talkshow-Format befindet sich von der Seite des ZDF aus ebenfalls in direkter Konkurrenz zu den beiden zuvor genannten Sendungen. Im Gegensatz dazu sind auf den privaten Kanälen derzeit keine direkt vergleichbaren Talkshows zu sehen, mit Ausnahme von Das Duell bei n-tv, was jedoch als Streitgespräch zwischen zwei Studiogästen konzeptioniert ist. Auf den dritten Programmen der ARD laufen wöchentliche Formate wie Quergefragt (SWR) oder Münchner Runde (BR), die jedoch nicht so prominent besetzt sind wie die Talkshows im Ersten und ZDF. Aus diesem Grund beschränkt sich die nachfolgende Untersuchung auf die oben bereits erwähnten Sendungen ANNE WILL, hartaberfair und Maybrit ILLNER. Sie sollen im Folgenden näher vorgestellt werden. Ein genauer Überblick über die aus- gewählten Sendungen folgt in Kapitel 4.3.
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3.6.1. ANNE WILL
3.6.1.1. Die Moderatorin: Anne Will
Anne Will (Jahrgang 1966) begann nach dem Studium der Geschichte, Politologie und Anglistik ein Volontariat beim Sender Freies Berlin und moderierte dort ab 1992 die Talkshow Mal ehrlich sowie den Sportpalast. Für den WDR war sie von 1996 bis 1998 Gastgeberin der Medienshow Parlazzo. Größeren Bekanntheitsgrad erreichte sie ab 1999, als sie als erste Frau die Sportschau und von 2001 bis 2007 die Tagesthemen für die ARD moderierte. Anne Will wurde für ihre journalistischen Leistungen bereits mehrfach ausgezeichnet, so erhielt sie u.a. 2002 die Goldene Kamera, 2006 den Deutschen Fernsehpreis für die „Beste Moderation Information“ und 2007 den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis (vgl. ANNE WILL 2008). Seit dem 16. September 2007 moderiert sie ihre eigene Talkshow ANNE WILL als Nachfolgeformat von Sabine Christiansen.
3.6.1.2. Das Format
Nachdem Sabine Christiansen Mitte 2006 das Ende ihrer Sendung für Sommer 2007 angekündigt hatte, wurde der Sendeplatz (sonntags, 60 Minuten in der Regel 21.45 bis 22.45 Uhr im Ersten) nach gescheiterten Verhandlungen mit Günther Jauch an Anne Will vergeben. Die Talkshow ANNE WILL wird von ihrer Firma Will Media GmbH im Studio Berlin-Adlershof live produziert und gesendet. Das Format unterscheidet sich nicht sonderlich vom Vorgängerformat Sabine Christiansen, was Anne Will seit der Erstausstrahlung auch mehrfach vorgeworfen wurde. Jeweils vier bis sechs Talkgäste sitzen in sichelförmiger Anordnung zur linken und rechten Seite der Moderatorin. Ein neues Element allerdings stellt die Einbindung von Betroffenen („Gast auf dem Sofa“) dar, welche abseits der Diskussionsrunde Platz nehmen und entweder zu Beginn der Sendung oder in einer Sequenz während des Gesprächs gesondert befragt werden. Dabei handelt es sich entweder um einen oder mehrere „Normalbürger“, der die angesprochenen Themen besonders illustrieren soll; möglich ist aber auch die Einladung von bekannteren Personen. Die Anzahl der Betroffenen schwankt je nach Anlass, meistens sind es aber ein bis zwei Gäste, die auf dem Sofa für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Das Sofa ist schon durch seinen Standort abseits der Gesprächsrunde isoliert vom Rest der Sendung und lässt die entsprechenden Gäste eher auf verlorenem Posten
Arbeit zitieren:
Johannes Neufeld, 2008, Interaktion in politischen Talkshows, München, GRIN Verlag GmbH
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