Inhaltsverzeichnis
1. Grundlagenermittlung 3
2. Soziologisches Fundament auf unerschlossenem Bauland? 4
3. Bauantragsplanung für das Theoriegebäude „Konstruktivismus“ 5
4. Alles nur Fassade? - „Schein“ oder „Sein“ wissenssoziologischer Phänomene 6
4.1 Rohbau aus Realität. 6
4.2 Erkenntnis als ein Baumaterial. 8
4.3 Zweifel an der „politisch - korrekten“ Bauplanung. 9
5. Fehler in der Ausschreibung? 10
6. Projektgutachten. 12
Anhang 14
Literaturverzeichnis. 15
2
1. Grundlagenermittlung
“Beim Konstruktivismus stellt sich als erstes die Frage, ob er überhaupt auf eine Stufe mit den anderen, empirisch gehaltvollen Theorien wie Realismus, Liberalismus, Institutionalismus, Marxismus und Feminismus gestellt werden darf oder ob er nicht auf einer übergeordneten Ebene der Theoriebildung in den IB angesiedelt werden muss, bei der es um Fragen nach grundsätzlichen Charakter der Gegenstände, der Konstitution von Akteuren und ihrer Interaktion geht.“ 1 Krell lässt die Beantwortung dieser Frage offen. Was zeichnet Konstruktivismus aus? Ist er „einfach“ eine weitere „Denkrichtung“, welche sich anderer Wissenschaften bedient und die versucht das „Bild der Welt“, die Realität, greifbar zu machen, um politische Handlungen, Strukturen in den internationalen Beziehungen zu verstehen? Versucht die Politikwissenschaft über einen weiteren abstrakteren Gedankenweg ein neues Theoriegebäude zu errichten, um einer „zukünftigen“ Wirklichkeit der internationalen Beziehungen darin Obdach zu gewähren?
Risse, auf den sich Krell beruft, stellt fest, dass es immer wieder zu Verwirrungen bei der „Anwendung“ konstruktivistischer Ansätze kommt und das auch die oben genannten „substantiellen Theorieangebote und Fragestellungen der Internationalen Beziehungen [...] inzwischen durch konstruktivistische Ansätze bereichert bzw. neu interpretiert worden [sind].“ 2 Auch die Abstufungen von einer beispielsweise rationalistisch inspirierten liberalen Theorie der internationalen Politik zu einer konstruktivistischen Interpretation derselben sind recht fließend geworden. 3 Hintergrund dieser Arbeit ist, den in den IB verwendeten Konstruktivismus in seinen Inhalten zu untersuchen und eine Aussage zu treffen, ob er als eine Theorie in den IB angesiedelt werden kann oder ob er eine „Besonderheit“ darstellt. Es wird angestrebt eine treffende Antwort auf die oben gestellte Frage von Krell zu geben, da er sie bewusst offen gelassen hat. Die im Seminar verwendete Primärliteratur 4 bietet reichlich Ausgangspunkte für weitere Untersuchungen in diesem Themengebiet, so dass sie als Leitfaden genutzt wurde. Es werden grundlegende immanente Begriffe sowie wesentliche Zusammenhänge des Konstruktivismus, wie er in den IB verwendet wird, erklärt und die
1 Krell, Gert, Weltbilder und Weltordnung. Einführung in die Theorie der Internationalen Beziehung, 3. erw. Aufl. Baden-Baden 2004, S. 346.
2 Risse, Thomas, Konstruktivismus, Rationalismus und Theorien Internationaler Beziehungen - warum empirisch nichts so heiß gegessen wird, wie es theoretisch gekocht wurde, in: Hellmann, Gunther/ Wolf, Klaus Dieter/ Zürn, Michael (Hrsg.), Die neuen internationalen Beziehungen. Forschungsstand und Perspektiven in Deutschland, Baden-Baden 2003, S. 99-132, S. 102.
3 Vgl. Risse, a.a.O., S. 100ff.
4 Primärliteratur im Seminar „Theorien der internationalen Beziehungen“ war: Krell, Gert, Weltbilder und Weltordnung. Einführung in die Theorie der Internationalen Beziehung, 3. erw. Aufl. Baden-Baden 2004 und Ulbert, Cornelia, Sozialkonstruktivismus, in: Schieder, Siegfried/ Spindler, Manuela (Hrsg.), Theorien der Internationalen Beziehung, 2. Aufl. Opladen 2006.
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erschlossenen Aspekte analysiert. Mit dem Fazit, das ein Meinungsbild enthält, wird die Arbeit abgeschlossen. Um möglichst genau die verwendeten Begriffe differenziert erschließen zu können, sind bestimmte stilistische Mittel eingesetzt worden, wie kursive Schreibweise zur Hervorhebung eines Wortes aufgrund der besonderen Bedeutsamkeit innerhalb des Kontextes oder Anführungszeichen bei Ausdrücken mit hohem Interpretationsspielraum, sowie einige Metaphern, um den Abstraktionsgrad dieses Themengebietes zu entschärfen.
2. Soziologisches Fundament auf unerschlossenem Bauland?
Viele wissenschaftliche Impulse für den Konstruktivismus stammen vorwiegend aus der Soziologie und den Kulturwissenschaften, was erkennen lässt, dass der Konstruktivismus viel stärker als die anderen Denktraditionen ein reines Produkt der Eigendynamik sozialwissenschaftlicher Reflexion ist. 5 Die sozialwissenschaftliche Forschung dient hierbei dem Zweck die Reflexion, Kritik und Veränderung der teilweise katastrophalen Zustände der internationalen Politik zu unterstützen. Konkrete Probleme wie Krieg und Frieden, Demokratie, Menschenrechte, Wohlfahrt oder soziale Gerechtigkeit in der Weltgesellschaft sind die primären Anliegen des Faches Internationale Beziehungen. Ein Paradigmenstreit zwischen Rationalismus und Konstruktivismus, der immer wieder in der Politikwissenschaft Präsenz zeigt, ist deshalb nur solange sinnvoll und bedeutsam, wie er zur Bildung substantieller Theorien über internationale Politik oder deren empirischen Forschung beiträgt. 6 Dreh- und Angelpunkt der Streitigkeiten ist größtenteils die Frage des Bewusstseins der Akteure, weshalb eine wachsende Bedeutung von Ideen, Normen, der Rollentheorie und Kognitionswissenschaft, sowie der Sozial- und Kommunikationspsychologie zu verzeichnen ist. 7 „Wer sich mit der Rolle von Ideen und Normen in der Weltpolitik befasst, kann dies von sehr unterschiedlichen metatheoretischen Perspektiven her tun.“ 8 Es lässt sich erkennen, dass Risse bereits zu Beginn seines Beitrages den Standpunkt vertritt, dass der Konstruktivismus allenfalls eine Perspektive ist - genau wie der Rationalismus - und keine eigenständige Theorie. 9 Auch Weller, der dieses Thema sehr analytisch betrachtet hat, bietet sehr gute Anhaltspunkte, indem er die Verwendung konstruktivistischer Ansätze als „medikamentöse Behandlung eines vornehmlich rationalistisch-staatsindividualistischen Leidens“ 10 beschreibt.
5 Vgl. Krell, Gert, a.a.O., S. 346.
6 Vgl. Risse, Thomas, a.a.O., S. 100.
7 Vgl. Moroff, Holger, Sozialkonstruktivismus in erkenntnistheoretischer Perspektive. Die Bedeutung des Sozialkonstruktivismus für die EU-Auenpolitik (Entwurf), Jena 2007, S. 8.
8 Risse, Thomas, a.a.O., S.101.
9 Vgl. Risse, Thomas, a.a.O., S. 101.
10 Weller, Christoph, Internationale Politik und Konstruktivismus. Ein Beipackzettel, in: Welt Trends. Zeitschrift für internationale Politik und vergleichende Studien, (2003/04), Nr. 41, S. 107-123, S.107.
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Er teilt die Ansicht, wie auch andere Autoren einschlägiger Literatur zu diesem Thema, dass die Vielzahl der Ansätze die Aufmerksamkeit für differierende Wirklichkeitskonstruktionen, die dem Handeln der Akteure der internationalen Politik zugrunde liegen, miteinander verbindet und dies lediglich den gemeinsamen Oberbegriff rechtfertigt. Ob in diesen Wirklichkeitskonstruktionen, die in der Regel von den Akteuren als einzige Realität betrachtet werden, nicht-materielle beziehungsweise ideelle Faktoren - wie Normen und Regeln, Identitäten, Verhaltensmuster oder Perzeptionen - eine Rolle spielen, lässt sich nicht so einfach abschätzen. Dies gelingt nur, wenn prinzipiell anerkannt wird, dass Handlungsorientierungen nicht aus einer allseits identisch wahrgenommenen Realität, sondern aus einer differierenden und zugleich veränderlichen Weltkonstruktion erwachsen. Als fundamentale Elemente des Konstruktivismus, wie er in den IB diskutiert wird, zeigt Weller die gegenseitige Konstitution von Akteuren und Strukturen auf, was an späterer Stelle durch Giddens´ Theorie ausführlicher betrachtet wird. 11 Kann der Konstruktivismus in die großen wissenschaftlichen Weltbilder, in die ontologischen Großtheorien der Internationalen Beziehungen eingefügt werden oder füllt er lediglich die systematischen Gedankengebäude oder Denkweisen mit neuen Perspektiven und soziologischem Wissen? Gemeint sind jene Gedankengebäude und Denkweisen, die von unterschiedlichen allgemeinen Annahmen darüber ausgehen, wie die real existierenden internationalen Beziehungen beschaffen sind, was sie organisiert und strukturiert. 12 Um in dieser Frage weiter voranzukommen ist es notwendig die Elemente des Konstruktivismus, seine Merkmale beziehungsweise die wissenschaftliche Perspektive, „die er erzeugt“, zu konzeptualisieren.
3. Bauantragsplanung für das Theoriegebäude „Konstruktivismus“
„Erst in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre setzte sich der [...] Begriff Konstruktivismus zur Kennzeichnung derjenigen Ansätze durch, die die intersubjektive Qualität der sozialen Welt und die gegenseitige Konstituierung von Akteur und Struktur betonen und dabei die Rolle von Ideen, konstitutiven Regeln und Normen sowie endogene Herausbildung von Interessen und Identitäten in den Vordergrund ihrer Analysen stellen.“ 13 Auf diese Aussage von Ulbert soll im weiteren Verlauf vertiefend aufgebaut werden, da sie mit diesem Satz die Kernelemente der konstruktivistischen Ansätze auf den Punkt trifft.
Eine Möglichkeit der konstruktivistischen Perspektive ist die des „Sozialkonstruktivismus“, wie ihn Berger und Luckmann entwickeln haben. Gegenstand ist dabei die gesellschaftliche
11 Vgl. Weller, Christoph, a.a.O., S.109f.
12 Vgl. Krell, Gert, a.a.O., S. 51.
13 Ulbert, Cornelia, Sozialkonstruktivismus, in: Schieder, Siegfried/ Spindler, Manuela (Hrsg.), Theorien der Internationalen Beziehung, 2. Aufl. Opladen 2006, S. 409-440, S. 412.
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Arbeit zitieren:
Christian Schäfer, 2007, Konstruktivismus , München, GRIN Verlag GmbH
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