1. Kommunikative Übersetzung
• Ein Mann namens Hananias verkaufte mit seiner Frau Saphira auch ein Grundstück
• und unterschlug mit Wissen seiner Frau etwas von der beim Verkauf erzielten Geldsumme und brachte nur einen Teil [des Betrags] und gab ihn bei den Aposteln ab.
• Da sagte Petrus: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt? Warum belügst du den Heiligen Geist und unterschlägst einen Teil des Kaufpreises?
• Du hättest das Grundstück behalten können und auch nach dem Verkauf konntest du noch frei über das Geld verfügen. Warum hast du so etwas in deinem Herzen beschlossen? Du hast nicht Menschen, sondern Gott belogen!
• Als Hananias diese Worte hörte, fiel er hin und starb. Und alle, die es hörten, fürchteten sich sehr.
• Einige junge Leute standen auf, wickelten ihn in ein Tuch ein und begruben ihn.
• Nach etwa drei Stunden kam seine Frau, die noch nicht wußte, was geschehen war.
• Petrus fragte sie: Sag mir, habt ihr das Grundstück für diese Geldsumme verkauft? Sie antwortete: Ja, für diesen Betrag.
• Da sagte Petrus zu ihr: Warum habt ihr euch verabredet, den Geist des Herrn herauszufordern? Siehe, die Leute, die deinen Mann begraben haben stehen schon vor der Tür. Sie werden auch dich hinaustragen.
• Im selben Augenblick fiel sie vor ihm hin und starb. Die jungen Leute kamen herein, sahen sie tot daliegen, trugen sie hinaus und begruben sie neben ihrem Mann.
• Und die ganze Gemeinde hatte große Furcht und ebenso alle, die davon hörten.
2. Historischer Hintergrund
Auf eine Erläuterung des historischen Hintergrundes wird hier fast ganz verzichtet. Dieser wurde an anderer Stelle ausführlich beschrieben. Auf diesem Hintergrund wird Lukas als Verfasser des Doppelwerkes Lukasevangelium und Apostelgeschichte angesehen. Weitere wesentliche Aussagen zum Hintergrund wurden soweit erforderlich in dieser Exegese an entsprechenden Stellen eingearbeitet.
3. Textzusammenhang
3.1 Weiterer Kontext: Apostelgeschichte 2,1 - 6,7
Der weitere Kontext umfaßt 2,1 bis 6,7. Lukas verfaßte zuvor bereits das Lukasevangelium, den ersten Teil seines Doppelwerkes, und hat in der Apostelgeschichte in Kap. 1 mit einer Einleitung, der Himmelfahrt Jesu und der Wahl des Matthias zum Apostel begonnen. Nun beginnt etwas Neues: Kap. 2 schildert das Kommen des Heiligen Geistes zu Pfingsten und dessen direkte und sichtbare Auswirkungen (2,1-13). Das Reden in verschiedenen Sprachen, als Folge des Kommens des Heiligen Geistes, verwundert die Anwesenden und führt zur Pfingstpredigt des Petrus (2,14-36). Als Folge dieser kommt es dazu, daß viele an Jesus Christus glauben und intensive Gemeinschaft untereinander und mit den Aposteln pflegen (2,37-47).
In Kap. 3 heilt Petrus mit Johannes einen von Geburt an Gelähmten (3,1-11), woran er eine erläuternde Predigt anschließt (3,12-26). Dies mißfällt den Priestern, den Befehlshabern der Tempelwache und den Sadduzäern, welche beide verhaften lassen und vor dem Hohen Rat verhören, wo Petrus und Johannes trotz Bedrohung aussagen, daß sie öffentlich weiter von Jesus Christus reden werden (4,1-22).
Die folgenden Verse (4,23-31) zeigen die Gemeinschaft der Gläubigen im Gebet und leiten hierdurch zur näheren Schilderung des Zusammenlebens der Christen (4,32-37) über.
Hier folgt der zu betrachtende Textabschnitt Kap. 5,1-11 mit dem Bericht von Hananias und Saphira.
Diesem folgen weitere Krankenheilungen und Wunder durch die Apostel (5,12-16). Ab 5,17 findet man, ähnlich wie in Kap. 4, eine erneute Inhaftierung, Vorführung vor dem Hohen Rat und Freilassung (5,17-42). Hier tritt dies jedoch in verstärkter Form auf: Alle Apostel werden inhaftiert, nur aufgrund des weisen Rates Gamaliels kommen sie frei, eine Freilassung erfolgt erst nachdem die Apostel ausgepeitscht wurden, was diese gemeinsam ertragen und als eine Ehre ansehen. Bevor diese Ablehnung der Gläubigen sich dann jedoch nach der Anklage und Verurteilung des Stephanus (6,8-8,1) zu einer Verfolgung ausweitet, wird noch einmal das Gemeindeleben betrachtet (6,1-7). Die Witwen der Juden, die aus der griechisch sprechenden östlichen Mittelmeerwelt stammen, wurden nicht ausreichend bei der Versorgung beachtet, wofür nun sieben Männer ausgewählt werden. Dies zeigt die gelebte Gemeinschaft ähnlich wie in den Abschnitten 2,42-47 und 4,32-37. Der weitere Kontext wurde auf Kap. 2,1-6,7 beschränkt, weil zuvor das Wirken des Heiligen Geistes lediglich angekündigt wird, Wirksamkeit und Folgen jedoch erst ab Kap. 2 beschrieben werden und weil ab Kap. 6,7 ein neuer Schwerpunkt gesetzt wird: Hier zeichnet sich deutlich das Moment der Verfolgung und der damit verbundenen Evangeliumsausbreitung im ganzen jüdischen Land und Samaria ab. Interessant sind die vielen Parallelen zwischen dem weiteren Kontext und dem betrachteten Textabschnitt. In Kap. 2 kommt der Heilige Geist, und die Auswirkungen seiner Gegenwart werden sichtbar, im betrachteten Textabschnitt wird er belogen. Wie bereits erwähnt findet man Beschreibungen der Gemeinschaft der Gläubigen (2,42ff; 4,32ff), welche bis hin zur Gütergemeinschaft reichen. Diese wird in 5,1-11 von Hananias und Saphira nicht mehr so praktiziert.
3.2 Engerer Kontext: Apostelgeschichte 4,32 - 5,16
Mit Apg 4,32 beginnt die Beschreibung der Gemeinschaft der ersten Christen. Ihre Umgangsform zeichnete sich dadurch aus, daß sie "ein Herz und eine Seele" (4,32) sind. Dies wirkt sich auch konsequent im Wahrnehmen sozialer Verantwortung füreinander aus. Eigener Besitz wird der Gemeinde, d.h. der Gesamtheit der Gläubigen in Jerusalem, zur Verfügung gestellt (4,34-35). Eigentümer von Grund und Boden und Häusern verkaufen diese und geben den Erlös bei den Aposteln ab. Durch Verteilung der Gelder wird jeder gut versorgt und die Armen müssen nicht unter ihrer Armut leiden. Die Apostel bezeugen parallel hierzu mit Vollmacht Jesus Christus als den Auferstandenen (4,33).
Veranschaulichend werden ab Kap. 4,36 nun zwei Beispiele genannt: Josef mit dem Beinamen Barnabas, ein Levit, verkauft ein Feld (4,36f), Hananias und Saphira verkaufen ein Grundstück (5,1). Josef gibt den vollen Kaufpreis bei den Aposteln ab, während das Ehepaar einen Teil des Geldes für sich behält, aber vorgibt, den Grundstückerlös voll an die Apostel weitergegeben zu haben, was im Laufe der Exegese noch genauer betrachtet wird und den Tod von Hananias und Saphira zur Folge hat (5,1-11).
Im Kontext folgt nun eine weitere Beschreibung der Tätigkeit der Apostel, welche an Kap. 4,33 anknüpft. Durch Zeichen und Wunder wird die Botschaft der Apostel unterstrichen (5,12). Das Volk traut sich nicht, sich den Christen anzuschließen (5,13), während andererseits viele Jesus Christus glauben (5,14). Viele Kranke aus Jerusalem und der Umgebung der Stadt werden geheilt (5,15f).
4. Textkritik und Erläuterungen zur kommunikativen
Übersetzung
Wichtige Textvarianten sind nicht bekannt.
In der kommunikativen Übersetzung mußten jedoch einzelne Entscheidungen bezüglich der Übersetzungsvariante getroffen werden, welche nachfolgend kurz erläutert werden und so im später folgenden Kommentar nicht weiter erklärt werden müssen.
zu 5,1:
Hier habe ich κ τ η µ α mit "Grundstück" übersetzt. Allgemein beschreibt dieser Begriff den "Besitz", was aber in Vers 3 mit χ ϖ ρ ι ο ν näher spezifiziert wird, nämlich als "Grundstück". Diese Ansicht unterstützt Schille, wenn er sagt, in hellenistischer Zeit habe kτ η µ α "Grundbesitz" bedeutet, während er χ ω ρ ι ο ν ebenfalls mit "Grundstück" wiedergibt. zu 5,2:
Der Ausdruck "einen Teil" würde als Übersetzung ausreichen, geläufiger und eindeutiger wird die Aussage durch "einen Teil des Betrags", wobei diese Ergänzung nicht zwingend notwendig ist und daher in Klammern gesetzt wurde. Weil es zur Zeit der Handlung normal war mit Münzgeld zu handeln, kann man bei dem Erlös für das Grundstück durchaus von einer "Geldsumme" sprechen. Diese wurde den Aposteln abgegeben. Kistemaker spricht in seinem Kommentar schlicht von "Geld".
Daß hier im Griechischen ein idiomatischer Ausdruck steht "zu den Füßen der Apostel", was hier schlicht bedeutet "bei den Aposteln abgeben", muß beachtet werden. Es macht so keinen Sinn hier eine inhaltliche Parallele zu Vers 10 zu ziehen, wo Saphira dem Petrus vor die Füße fällt, nur weil auch hier das Wort Füße gebraucht wird.
Zmijewski sieht in den entsprechenden Formulierungen in 4,35.37 und 5,2.10 einen tieferen Sinn, wenn er sagt, diese Textstellen betonen die Vollmacht der Apostel. Roloff unterstreicht diese Aussage, indem er sagt, die Formulierung in 5,2 sei ein Rechtsausdruck, der die Apostel als autorisierte Instanz ausweist. Louw und Nida ordnen die Ausdrücke π α ρ α / π ρ ο σ τ ο υ σ π ο δ α σ in 4,37 und 5,2 ähnlich ein, wenn sie sagen, gemeint sei jemandem etwas zur Verfügung zu stellen, der einen höheren Status hat.
Zmijewski kann bis auf 5,10 zugestimmt werden, wo dieser idiomatische Ausdruck nicht gebraucht wird. Kistemaker erklärt den Ausdruck π ο δ α σ in Vers 10 als Idiom für die gemeinte ganze Person. Sie fällt also "vor ihm hin". zu 5,3:
Statt der Formulierung "warum hat der Satan dein Herz erfüllt" wäre die Formulierung "warum läßt du Dich von Satan bestimmen" vielleicht verständlicher für den heutigen Sprachgebrauch. Sie wurde hier aber nicht gewählt, weil andere eingängige Textstellen bei Lukas ebenfalls von dem "Herz" sprechen und die Parallelität hier betont werden soll, was im Kommentar näher erläutert wird und was ich als ebenso richtig ansehe.
Metzger schließt einen Hebraismus nicht aus, wonach der Ausdruck vom "erfüllten Herzen" ein Idiom für "es wagen etwas zu tun" ist. Dieser Sicht schließt sich Marshall an. Sinngemäß käme dann die Bedeutung zustande "wie konnte Dich Satan dazu bringen, es zu wagen..." zu 5,5:
Hier wurde die einfache Formulierung "fiel er hin" bei der Übersetzung gewählt. Von einem Sturz zu sprechen, scheint mir übertrieben. Daß ein Fallen immer ein Fallen zu Boden ist, versteht sich von selbst und muß so nicht extra wie bei Luther mit "fiel er zu Boden" übersetzt werden. zu 5,6:
Der Begriff für "einwickeln" oder "einhüllen" meint das Einhüllen einer Leiche in ein Leichentuch, daher wurde "in ein Tuch" zum besseren Verständnis ergänzt. zu 5,9:
Statt "herauszufordern" könnte man hier auch übersetzen "zu versuchen". Letzterer Ausdruck spielt mehr auf das im NT wiederkehrende Thema der Versuchung an, ist aber im heutigen Sprachgebrauch nicht mehr so geläufig. zu 5,10:
Arbeit zitieren:
Hartmut Noll-Arukaslan, 1999, Hananias und Saphira - Exegese zur Apostelgeschichte 5, 1-11, München, GRIN Verlag GmbH
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