Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Romanisches Seminar
SS 2006
Hauptseminar: Sprachnorm und Sprachbewusstsein in Lateinamerika
Die interne Differenziertheit des brasilianischen
Portugiesisch
Cecília Dos Reis Timóteo
Studienfächer: Romanische Philologie (Portugiesisch, Französisch)
Buchwissenschaften
Die interne Differenziertheit des brasilianischen Portugiesisch
2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung...3
2. Dialektologie in Brasilien ...4
2.1 Anfänge ...4
2.2 Ergebnisse und Problematik ...5
3. Dialektale Einteilung ...7
4. Phonetik und Phonologie ...8
4.1 Vokalismus ...8
4.1.1 Oralvokale ...9
4.1.2 Diphthonge...11
4.1.3 Nasale Vokale und Diphthonge ...11
4.1.4 Epenthetische Vokale...12
4.2 Konsonantismus ...14
4.2.1 Realisierung von /s/ ...14
4.2.2 Realisierung von /r/ ...15
4.2.3 Palatalisierung von /t/ und /d/ ...17
4.2.4 Realisierung von /l/ ...17
4.2.5 Realisierung von /
/ ...18
5. Morphosyntax ...18
5.1 Artikel...18
5.2 Personalpronomen und Anrede ...19
6. Lexik ...20
6.1 Tupinismen ...20
6.2 Afrikanismen ...20
7. Schlusswort...21
8 Anhang ...23
8.1 Abbildungen...23
Die interne Differenziertheit des brasilianischen Portugiesisch
3
1. Einleitung
,,Há, hoje, na língua do Brasil, uma certa diversidade geográfica."
1
Wie Teyssier
feststellt, gibt es im portugiesischen Brasilianisch eine Vielfalt in Bezug auf den
regionalen Sprachgebrauch. Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist es, diese
regionalen Unterschiede bzw. die ,,aspectos regionais de uma língua"
2
herauszuarbeiten. ,,Cresce, falando com sotaque característico e acento peculiar,
usando termos e construções regionais, sem dar por isso."
3
die
charakteristischen regionalen Unterschiede in der gesprochenen Sprache werden
thematisiert. Dies erfolgt insbesondere in Bezug auf Phonetik und Phonologie.
Morphosyntax und Lexik werden ebenfalls nach regionalen Aspekten behandelt.
Eine erste dialektale Großeinteilung Brasiliens durch Nascentes wird dargestellt,
um anschließend die weiteren internen sprachlichen Einteilungen zu beachten.
Aspekte der brasilianischen Sprache, die keine Differenziertheit innerhalb des
Brasilianischen aufweisen, werden in diesem Zusammenhang nicht thematisiert.
Unterschiede zum europäischen Portugiesisch werden lediglich in Bezug auf
brasilianische Besonderheiten erwähnt.
Einführend werden zunächst sowohl die Anfänge der Dialektologie als auch die
aktuellen Ergebnisse der sprachlichen Erfassung in Form von geolinguistischen
Atlanten in Brasilien betrachtet. Dies geschieht vor dem Hintergrund der bis heute
bestehenden Problematik in der brasilianischen Sprachforschung.
Aktuell existiert keine übergreifende Studie bzw. Publikation, die die regionalen
Sprachvariationen untersucht.
4
Es existieren lediglich Atlanten zu einzelnen
Staaten, so dass sprachliche Phänomene und ihre überregionale Verbreitung kaum
untersucht sind. ,,Das brasilianische Portugiesisch: Herausbildung und Kontraste"
von Volker Noll bietet detaillierte Angaben zur brasilianischen Sprache und bildet
somit eine der Grundlagen für die vorliegende Arbeit. Darüber hinaus gibt es
ergänzende Informationen zur Herausbildung von Besonderheiten im
Brasilianischen in: ,,História da Língua Portuguesa" von Paul Teyssier, ,,História
da Língua Portuguesa" von Serafim da Silva Neto und ,,A Língua do Brasil" von
1
Vgl. Teyssier, Paul (1980), História da Língua Portuguesa. Lisboa, S. 78.
2
Vgl. Melo, Gladstone Chaves de (1917), A Língua do Brasil. Rio de Janeiro, S. 30.
3
Vgl. ebd., S. 30.
4
Vgl. Noll, Volker (1999), Das brasilianische Portugiesisch: Herausbildung und Kontraste.
Heidelberg, S. 28.
Die interne Differenziertheit des brasilianischen Portugiesisch
4
Gladstone Chaves de Melo. Die Aufsätze von Suzana Alice Marcelino Cardoso
und Maria do Socorro Silva do Arragão bilden sowohl einen Überblick über die
Dialektologie in Brasilien als auch über die momentane Lage.
2. Dialektologie in Brasilien
2.1 Anfänge
Die Untersuchungen zur Dialektologie in Brasilien können in drei Entwick-
lungsstufen unterteilt werden.
5
Im letzten Jahrhundert erschienen die ersten
dialektalen Untersuchungen zum Brasilianischen.
6
Zunächst beschränkten sich
diese Beobachtungen entweder auf die semantisch-lexikalischen Unterschiede
innerhalb des Brasilianischen oder auf Gegenüberstellungen des Portugiesischen
und des Brasilianischen. So dokumentierte Domingos Borges de Barros, Visconde
de Pedra Branca, 1926 in ,,Introduction à l'Atlas ethnographique du globe" zum
ersten Mal Unterschiede zwischen dem Brasilianischen und dem Portugiesischen
im lexikalischen Bereich.
7
In der zweiten Phase wurden ausgewählte Gebiete nicht mehr nur im Hinblick auf
Semantik und Lexik untersucht, sondern es wurden auch phonetisch-
phonologische Aspekte und die Morphosyntax berücksichtigt. Dies waren, wenn
auch nur regional sehr eingegrenzt, die ersten komplexen Beschreibungen der bra-
silianischen Sprache.
8
In dieser Zeit veröffentlichte Antenor Nascentes ,,O
linguajar carioca em 1922"
9
In der zweiten Ausgabe aus dem Jahre 1953 nimmt
Nascentes eine dialektale Großeinteilung Brasiliens vor, die bis heute nicht an
5
Vgl. Marcelino Cardoso, Suzana Alice (2000), «Atlas Lingüístico do Brasil: um projeto
nacional para conhecimento do português brasileiro» in: Estudos de geolingüística do
português americano. Eberhard Gärtner; Christine Hundt; Axel Schönberger (eds.).
Frankfurt am Main, S. 33.
6
Vgl. Marcelino Cardoso, Suzana Alice (1997), «Remarques sur la division dialectale du
Brésil.» in: Studies of honour of wolfgang Viereck on the occasion of his 60th birthday. Hrsg.
von Heinrich Ramisch; Kenneth Wynne. (= ZDL, Beiheft 97) Stuttgart, S. 325.
7
Vgl. Marcelino Cardoso, Suzana Alice (1999), «A Dialectologia no Brasil: Perspectivas» in:
Revista Delta 15: S. 234.
8
Vgl. Marcelino Cardoso, Suzana Alice (2000), «Atlas Lingüístico do Brasil: um projeto
nacional para conhecimento do português brasileiro» in: Estudos de geolingüística do
português americano. Eberhard Gärtner; Christine Hundt; Axel Schönberger (eds.).
Frankfurt am Main, S. 33.
9
Vgl. Marcelino Cardoso, Suzana Alice (1999), «A Dialectologia no Brasil: Perspectivas» in:
Revista Delta 15: S. 236.
Die interne Differenziertheit des brasilianischen Portugiesisch
5
Gültigkeit verloren hat.
10
In der letzten Stufe kam das Interesse an geo-
linguistischen Untersuchungen auf.
11
Pionierfiguren in diesem Bereich sind neben
Antenor Nascentes, Serafim da Silva Neto, Celso Cunha und Nelson Rossi.
12
Im
Jahre 1952 wurde die Comissão de Filologia da Casa de Rui Barbosa gegründet.
Vorrangiges Ziel der Kommission war das Erstellen eines Atlas, das den gesamten
brasilianischen Sprachraum berücksichtigte.
13
Geolinguistische Untersuchungen
haben also noch keine lange Tradition im brasilianischen Sprachraum.
14
Schließlich stellten im Jahre 1957 Serafim da Silva Neto und Celso Ferreira da
Cunha in Lissabon auf dem III Colóquio International de Estudos Luso-
Brasileiros das Projekt vor, einen Atlas für Brasilien zu verwirklichen. Dieser
sollte, aufgrund der Größe Brasiliens und mangelnder Infrastruktur, zunächst nach
Regionen bzw. nach Bundesstaaten realisiert werden, um anschließend zu einem
Gesamtatlas zusammengefügt zu werden.
15
2.2 Ergebnisse und Problematik
Das Projekt Atlas lingüístico do Brasil konnte bis zum heutigen Zeitpunkt nicht
verwirklicht werden. Aktuell gibt es sieben abgeschlossene Atlanten
16
und neun
sind geplant bzw. befinden sich im Entstehungsprozeß.
17
Bei insgesamt 26
10
Vgl. Noll, Volker (1999), Das brasilianische Portugiesisch: Herausbildung und Kontraste.
Heidelberg, S. 32.
11
Vgl. Marcelino Cardoso, Suzana Alice (2000), «Atlas Lingüístico do Brasil: um projeto
nacional para conhecimento do português brasileiro» in: Estudos de geolingüística do
português americano. Eberhard Gärtner; Christine Hundt; Axel Schönberger (eds.).
Frankfurt am Main, S. 33.
12
Vgl. Marcelino Cardoso, Suzana Alice (1999), «A Dialectologia no Brasil: Perspectivas» in:
Revista Delta 15: S. 239.
13
Vgl. ebd., S. 239.
14
Vgl. Socorro Silva de Arragão, Maria do (1997), «A situação da geografia lingüística no
Brasil» in: Pesquisas lingüísticas em Portugal e no Brasil. Eberhard Gärtner (ed.).
Frankfurt am Main, S. 79:
,,Os estudos dialetológicos em sentido amplo, e a geografia lingüística em particular, não têm
tradição muito firmada no Brasil."
15
Vgl. ebd., S. 80.
16
Vgl. ebd., S.82-88.
Vgl. Abbildung 1, S. 22.
Abgeschlossene Atlanten sind: Atlas prévio dos falares bahianos (1963), Esboço de um atlas
lingüístico de Minas Gerais (1977), Atlas lingüístico de Paraíba (1984), Atlas lingüístico de
Sergipe (1987), Atlas lingüístico do Paraná (1990), Atlas Lingüístico-Etnográfico da Região
Sul do Brasil (2002) und Atlas Lingüístico de Sergipe II (2002).
17
Vgl. Socorro Silva de Arragão, Maria do (1997), «A situação da geografia lingüística no
Brasil» in: Pesquisas lingüísticas em Portugal e no Brasil. Eberhard Gärtner (ed.).
Frankfurt am Main, S. 89-94.
Vgl. Abbildung 1, S. 22.
Die interne Differenziertheit des brasilianischen Portugiesisch
6
Bundesstaaten ist die Menge an vollendeten und publizierten Regionalatlanten
sehr gering. Selbst wenn man die Atlanten berücksichtigt, die sich in der
Entstehungsphase befinden, gibt es vor allem im westlichen Zentrum Brasiliens
Gebiete, die in dieser Form noch nicht sprachlich dokumentiert wurden. Es gibt
zudem eine Unausgewogenheit in der Erstellung der Regionalatlanten.
18
Bereits
publizierte Atlanten gibt es auschließlich zu den östlichen Bundesstaaten. Ferner
ist zu beachten, daß Brasilien vor allem an der Ostküste entlang bevölkert ist.
19
Durchschnittlich beträgt die Dauer von der Planung bis hin zur Fertigstellung und
Veröffentlichung 11 Jahre.
20
Eine der bis heute bestehenden Schwierigkeiten in der Dokumentierung und
Erforschung der brasilianischen Sprache ist die fehlende nationale Koordination.
21
Es fehlen einheitliche Methoden und Zielsetzungen, so dass vergleichbare Studien
kaum realisierbar sind.
22
Ein weiteres Problem ist mangelndes Interesse. Es gibt
an den Universitäten zu wenig Kurse zur Dialektologie und daraus resultierend zu
wenig Experten in diesem Bereich.
23
Dieser personeller Mangel gestaltet die
Entwicklung von neuen Projekten schwierig. Ebenfalls mangelt es an finanzieller
Unterstützung, um die breit angelegten Untersuchungen durchführen zu können.
24
Atlas lingüístico do Estado de Ceará (seit 1982), Atlas lingüístico do Estado de São Paulo
(seit 1983), Atlas etnolingüístico dos pescadores do Estado do Rio de Janeiro (seit
1988/1989), Atlas lingüístico-etnográfico da região Sul , Atlas lingüístico-etnográfico do
Acre, Atlas Lingüístico do Amazonas, Atlas Lingüístico do Maranhão, Atlas lingüístico do Rio
Grande do Norte, Atlas lingüístico do Mato Grosso do Sul, Atlas Lingüístico de Pará.
18
Vgl. Noll, Volker (1999), Das brasilianische Portugiesisch: Herausbildung und Kontraste.
Heidelberg, S. 28.
19
Vgl. Abbildung 2, S. 23.
20
Vgl. Gomes Vieira, Hilda (2000), «Um balanço crítico da geografia lingüística no Brasil.» in:
Estudos de geolingüística do português americano. Eberhard Gärtner; Christine Hundt; Axel
Schönberger (eds.). Frankfurt am Main, S. 20.
Vgl. Graphik 2, S. 23.
21
Vgl. Socorro Silva de Arragão, Maria do (1997), «A situação da geografia lingüística no
Brasil» in: Pesquisas lingüísticas em Portugal e no Brasil. Eberhard Gärtner (ed.).
Frankfurt am Main, S. 80.
22
Vgl. ebd., S. 81.
23
Vgl. ebd., S. 81.
24
Vgl. ebd., S. 81.
Die interne Differenziertheit des brasilianischen Portugiesisch
7
3. Dialektale Einteilung
Die bis heute gültige dialektale Großeinteilung Brasiliens geht, wie bereits
erwähnt, auf Antenor Nascentes zurück, der diese im Jahre 1953 in ,,O linguajar
carioca" festlegte:
25
,,Dividi o falar brasileiro em seis subfalares que reuni em dois grupos a que
chamei do norte e do sul. O que caracteriza estes dois grupos é a cadencia e
existencia de pretonicas abertas em vocabulos que não sejam diminuitivos nem
adverbios em mente. [...] Eles estão separados por uma zona que ocupa uma
posição mais ou menos equidistante dos extremos setentrional e meridional do
país"
26
Demnach wird Brasilien, getrennt von einer horizontal verlaufenden Grenzlinie,
in zwei Gruppen unterteilt eine nördliche und eine südliche Gruppe von
Dialekten bzw. subfalares.
27
Grundlage für die Einteilung ist die Öffnung und
Schließung von vortonigem /e/ und /o/. Während für die nördliche Landeshälfte
die Öffnung dieser Vokale charakteristisch ist, wird im Südbrasilianischen die
geschlossene Variante verwendet.
28
Zu den subfalares do norte gehören nach Nascentes das amazônico (Amazonas,
Acre, Roraima, Pará, Teile Goiás und Amapá) das nordestino (Maranhão, Piauí,
Ceará, Rio Grande do Norte, Paraíba, Pernambuco und Alagoas, Teile Goiás) und
das baiano (Sergipe, Bahia, nördliches Minas Gerais und nördliches Goiás). Die
subfalares do sul umfassen das mineiro (zentrales und westliches Minas Gerais)
das fulminense (Espírito Santo, Rio de Janeiro und östliches Minas Gerais) und
das sulista (São Paulo, Paraná, Santa Catarina, Rio Grande do Sul, Mato Grosso,
südliches Goiás und südliches Minas Gerais).
29
Zusätzlich führt Nascentes eine nicht genau zuzuordnende Region zwischen der
bolivianischen Grenze und den Grenzen zu den Bundesstaaten Mato Grosso,
25
Vgl. Noll, Volker (1999), Das brasilianische Portugiesisch: Herausbildung und Kontraste.
Heidelberg, S. 32.
26
Vgl. Noll, Volker (1999), Das brasilianische Portugiesisch: Herausbildung und Kontraste.
Heidelberg, S. 32.
27
Vgl. Abbildung 3, S. 24.
28
Vgl. Noll, Volker (1999), Das brasilianische Portugiesisch: Herausbildung und Kontraste.
Heidelberg, S. 32.
29
Vgl. ebd., S. 32.
Vgl. Abbildung 3, S. 24.
Die interne Differenziertheit des brasilianischen Portugiesisch
8
Amazonas und Pará auf. Hierbei handelt es sich um ein Gebiet, das zu Nascentes
Zeit fast unbewohnt war und somit keiner Gruppe von subfalares zuzuordnen
war.
30
Die Zuordnung des baiano zur südlichen Gruppe erweist sich als wider-
sprüchlich, da einerseits das baiano nach Nascentes geographischer Beschreibung
zum Norden gehört
31
und andererseits die Realisierung der vortonigen Vokale
32
/e/ und /o/ offen ist ein Charakteristikum der nordbrasilianischen Aussprache.
Somit ist das baiano den subfalares do norte zuzuordnen.
4. Phonetik und Phonologie
Nachdem die erste regionale Großeinteilung Brasiliens thematisiert wurde,
werden nun Phonetik und Phonologie berücksichtigt. Es werden die regionalen
Unterschiede sowohl in Bezug auf Vokale als auch auf Konsonanten betrachtet.
4.1 Vokalismus
Im folgenden Kapitel werden regionale Varianten der Realisierung von
Oralvokalen, Diphthongen und nasalen Vokalen bzw. Diphthongen betrachtet.
Zudem wird die im brasilianischen Sprachraum weit verbreitete Epenthese
thematisiert. Tendenziell lässt sich bei der Realisierung von Vokalen eine grobe
Nord- Südunterteilung durchführen. Allerdings bestehen oft auch Unterschiede
zwischen volks- bzw. umgangssprachlicher Verwendung und reflektierter Aus-
sprache.
30
Vgl. Marcelino Cardoso, Suzana Alice (1997), «Remarques sur la division dialectale du
Brésil.» in: Studies of honour of wolfgang Viereck on the occasion of his 60
th
birthday. Hrsg.
von Heinrich Ramisch; Kenneth Wynne. (= ZDL, Beiheft 97) Stuttgart, S. 326.
31
Vgl. Noll, Volker (1999), Das brasilianische Portugiesisch: Herausbildung und Kontraste.
Heidelberg, S. 32.
,,da foz do rio Mucuri, entre Espirito Santo e Baía, até a cidade de Mato Grosso, no estado
do mesmo nome [...]"
Vgl. Abbildung 4, S. 25.
32
Vgl. Noll, Volker (1999), Das brasilianische Portugiesisch: Herausbildung und Kontraste.
Heidelberg, S. 32.
Vgl. Graphik 1, S. 25.
Die interne Differenziertheit des brasilianischen Portugiesisch
9
4.1.1 Oralvokale
Im Fall der Oralvokale kann eine grobe Unterteilung in eine nördliche und eine
südliche Landeshälfte vorgenommen werden. Das Kriterium der Öffnung und
Schließung von vortonigem /e/ und /o/ bildet bis zum heutigen Zeitpunkt die
Grundlage für die dialektologische Einteilung Brasiliens.
33
Die Vokale /e/ und /o/
werden in vortoniger Stellung in der nördlichen Landeshälfte offen als /
/ und //
realisiert. Charakteristisch für Südbrasilen ist hingegen die Schließung von /o/ und
/e/ in vortoniger Position. Beispiel (1):
34
meter [metex] vs. [m
tx]
So vermerkt auch Silva Neto: ,,Aqui no Brasil, em qualquer região, se fazem
sentir claramente o /e/ e /o/ antetônicos, sendo que no Nordeste soam quase
sempre como /è/ [/
/] e /ò/ [/
/] abertos [...]"
35
Die im Portugiesischen charakteristischen Oppositionen zwischen /e/:/
/, /a/://
und /o/:/
/ werden im Brasilianischen durch die Schließung des Vokals vor einem
Nasal neutralisiert. Beispiel (2):
36
epg. premio [pr
mju] vs. bpg. prêmio [premju]
epg. fome [f
me] vs. bpg. fome [fomi]
Jedoch wird in São Paulo und Minas Gerais /o/ vor einem Nasal, entgegen der
üblichen Aussprache in Brasilien, offen ausgessprochen.
37
Anlautendes unbetontes /e/ bleibt im Brasilianischen erhalten, vor Sibilanten
überwiegt die Reduktion zu [i]. Beispiel (3):
38
expor [ispox]
Für den Süden Paranás und Paraíbas ergeben sich regionele Unterschiede für die
Realisierung von [i] in dieser Stellung. Im Süden Paranás erfolgt keine Reduktion
zu [i], sondern es folgt die Realisierung
als [es-]. Beispiel (4):
39
33
Vgl. Noll, Volker (1999), Das brasilianische Portugiesisch: Herausbildung und Kontraste.
Heidelberg, S. 31.
34
Vgl. Noll, Volker (1999), Das brasilianische Portugiesisch: Herausbildung und Kontraste.
Heidelberg, S. 31.
35
Vgl. Silva Neto, Serafim da (1979), História da Língua Portuguesa. Rio de Janeiro, S. 122.
36
Vgl. Noll, Volker (1999), Das brasilianische Portugiesisch: Herausbildung und Kontraste.
Heidelberg, S. 30.
37
Vgl. ebd., S. 30.
38
Vgl. ebd., S. 34.
39
Vgl. ebd., S. 30.
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