Inhaltsverzeichnis
1. Abbildungsverzeichnis 3
2. Einleitung 4
3. Geschichtlicher Abriss der sino-afrikanischen Beziehungen 6
4. Die sino-afrikanischen Beziehungen in der Gegenwart 10
4.1. Ökonomische Beziehungen 10
4.1.1. Handel 10
4.1.1.1. Gesamthandel 10
4.1.1.2. Rohstoffhandel 14
4.1.1.2.a. Chinesische Ölimporte 15
4.1.1.2.a.1. Steigender Bedarf 16
4.1.1.2.a.2. Chinas Öllieferanten 17
4.1.1.2.a.3. Afrikas Erdölsektor 19
4.1.1.2.b. Andere Rohstoffe 20
4.1.1.3. Chinesische Exporte nach Afrika 21
4.1.2. Chinesische Unternehmen in Afrika 22
4.1.2.1. Allgemeiner Überblick 23
4.1.2.2. Chinesische Unternehmen im Erdölsektor 24
4.1.2.2.a. Allgemeiner Überblick 24
4.1.2.2.b. Afrikanische Länder 26
4.1.2.2.b.1. Sudan 27
4.1.2.2.b.2. Nigeria 28
4.1.2.3. Chinesische Unternehmen im afrikanischen
Textilsektor 31
4.2 Politische Beziehungen 33
4.2.1. Chinesische Entwicklungshilfe für Afrika 33
4.2.1.1. Organisationsstruktur der chinesischen
Entwicklungshilfe 33
4.2.1.2. Afrikabezogene Entwicklungshilfe 34
4.2.1.2.a. Überblick 34
4.2.1.2.b. Kritik 36
4.2.2. Internationale Organisationen 38
4.2.2.1. Die Vereinten Nationen 38
4.2.2.2. Das Forum on China-Africa Cooperation 39
4.3. Kulturelle Beziehungen 41
5. Schlussfolgerungen aus den sino-afrikanischen Beziehungen der Gegenwart 42
6. Neorealistische Einordnung der Erkenntnisse 44
7. Schlussfolgerungen aus der neorealistischen Einordnung der Erkenntnisse 47
8. Literaturverzeichnis 48
9. Abstract / Zusammenfassung 53
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1. Abbildungsverzeichnis
Grafiken
Grafik 1 - Chinesische Hilfe für Afrika in vergleichender Perspektive 1960-89 (in Mio. US-$) 9
Grafik 2 - Chinas Handel mit Afrika, 1950-2005 (in Mio. US-$) 12
Grafik 3 - Sinkender Anteil Afrikas am globalen Export 12
Grafik 4 - Handelsvolumen zwischen G8 / China und Afrika 1998-2005 (in Mio. US-$) 13
Grafik 5 - Prognosen für Chinas Importnachfrage nach Rohstoffen 14
Grafik 6 - Afrikas Exporte nach China 1995-2005 15
Grafik 7 - Die Top 10 Importe Chinas aus Afrika im Jahr 2005 (in Mio. US-$) 15
Grafik 8 - (Expected) Oil Consumption in Selected Countries 17
Grafik 9 - Afrikas Ölreserven 20
Grafik 10 - Zahl der Operationen chinesischer Erdölunternehmen in Afrika 1995 vs. 2005 26
Grafik 11 - Haupthandelspartner Chinas und deren Regierungsführung 38
Tabellen
Tabelle 1 - Ölimport Chinas nach Regionen (2004) 18
Tabelle 2 - Diversifizierung chinesischer Öl-Bezugsquellen 1990-97 (in Prozent) 18
Tabelle 3 - Erdöl-Handelsströme 2007 (in Mio. Tonnen) 19
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2. Einleitung
Afrika gilt in Europa als der vergessene Kontinent. Wir verbinden mit ihm Armut, Hunger, Aids, Korruption und Unterentwicklung. Diverse gutgemeinte Hilfsaktionen wie ‚Live Aid’, bei denen der Fokus ausschließlich auf den Negativschlagzeilen liegt, prägen unser Bild vom ungebildeten, unselbstständigen und hilfsbedürftigen Schwarzen Kontinent. Wenn die Medien über Afrika berichten, dann sehr häufig aus der gehobenen westlichen Perspektive, mit demzwar nicht gewollten, aber impliziten - Blick von oben nach unten. In der Volksrepublik China dagegen genießt der afrikanische Kontinent seit dem Massaker des Tiananmenplatzes einen anderen Stellenwert. Afrika wird in zweierlei Hinsicht als Chance begriffen. Zum einen benötigt China enorme neue Rohstoffmengen für seine rasant wachsende Volkswirtschaft. Zum anderen zwängt genau diese wachsende Wirtschaft die Notwendigkeit neuer Absatzmärkte auf. Beides ist in Afrika reichlich vorhanden.
Dementsprechend haben sich die Bemühungen der politischen Führung Chinas um eine Intensivierung der Beziehungen zum afrikanischen Kontinent in den letzten Jahren deutlich erhöht. Besuche hochrangiger Regierungsvertreter finden in kurzen Abständen statt. Beispielsweise stattete der chinesische Präsident Hu Jintao im Anschluss an das 2006 von China ausgerufene ‚Jahr Afrikas’ acht afrikanischen Ländern einen Besuch ab, nachdem er schon im April 2006 Marokko, Nigeria und Kenia besucht hatte. Die erste Auslandsreise eines neuen Kalenderjahres unternimmt der chinesische Außenminister mittlerweile fast schon traditionell nach Afrika. „Kein Staatspräsident, Regierungschef oder Außenminister einer anderen Großmacht bereist Afrika heute so intensiv wie die Amtskollegen aus China.“ (Gu 2006a: 62)
Dass China es ernst meint und sich langfristig in Afrika einrichten will, zeigt auch das auf seine Initiative hin geschaffene ‚Forum on China - Africa Cooperation’ (FOCAC), das im Jahr 2000 als Plattform für kollektive Beratung und Dialog, sowie als Kooperationsmechanismus zwischen Entwicklungsländern eingerichtet wurde. Außerdem veröffentlichte China 2006 ein Strategiepapier zu seiner Afrikapolitik (China’s African Policy), das neben dem Strategiepapier in Bezug auf die Europäische Union das einzige seiner Art darstellt (Gu 2006a: 69). Weitere Bestandteile der chinesischen Strategie sind günstige und an keinerlei politische Konditionen gebundene Darlehen, bilaterale Handelsabkommen,
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rhetorische Süd-Süd Verbrüderung, praktische Entwicklungshilfe, UN -Peacekeeping Missionen, sowie (zum Teil) offiziell als ‚Geschenke’ bezeichnete Bestechungsleistungen.
Die vorliegende Bachelorarbeit soll das bisher von der Forschung vernachlässigte chinesische Engagement in Afrika möglichst umfassend beleuchten und somit zur Klärung der Frage beitragen, ob die Volksrepublik China eine strategische Partnerschaft zum beiderseitigen Nutzen mit dem afrikanischen Kontinent anstrebt, oder ob sie ihn im Stile der ehemaligen Kolonialstaaten ausbeuten will. Zunächst soll auf die geschichtlichen Beziehungen zwischen dem asiatischen Land und dem afrikanischen Kontinent eingegangen werden. Seit wann gibt es diplomatische Beziehungen? Wie sah das Verhältnis anfangs aus, wie heute? Von diesem geschichtlichen Abriss ausgehend werde ich deskriptiv auf die einzelnen Tätigkeitsfelder der Chinesen in Afrika eingehen. Dazu zählen der ökonomische Bereich, der den Handel und die Tätigkeit chinesischer Unternehmen in Afrika beinhaltet, der politische Bereich, der die chinesische Entwicklungshilfe für Afrika, sowie die Zusammenarbeit in internationalen Organisationen abdeckt und der kulturelle Bereich. Abschließend werde ich die gewonnenen Erkenntnisse über das chinesische Engagement anhand des Neorealismus testen.
Im Zuge der Arbeit sollen folgende Fragen geklärt werden:
-Welche Beweggründe haben die Volksrepublik China und die afrikanischen Staaten für die rasant angestiegene Kooperation? Nach welchen Kriterien wählt China (als der aktive Part) seine Partner aus?
-Welchen Tiefgang haben die Beziehungen? Stimmt China sein Vorgehen individuell auf einen einzelnen Staat ab, oder gibt es einen ‚Universalplan’?
-Welche chinesischen Unternehmen agieren in Afrika? Werden sie staatlich kontrolliert? Können sie als Werkzeug chinesischer Außenpolitik gelten? Welchen moralischen Wettbewerbsregeln unterwerfen sie sich?
-Welche Auswirkungen hat das chinesische Engagement für Afrika? Steht es dadurch besser da als vorher?
-Wie wirkt sich das Erscheinen Chinas in Afrika auf dessen Verhältnis zum Westen aus? Welchen Problemen sieht der Westen sich gegenübergestellt?
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3. Geschichtlicher Abriss der sino-afrikanischen Beziehungen
Generell bilden die „Fünf Prinzipien für friedliche Koexistenz“ die Grundlage der chinesischen Außenpolitik. Diese wurden schon 1954 in einem Kooperationsvertrag zwischen China und Indien ausformuliert. Demnach handelt es sich um:
1. Die Nichteinmischung in innere Angelegenheiten von Staaten 2. Den Respekt für die Souveränität und territoriale Integrität von Staaten 3. Die Absage an grenzüberschreitende Aggressionen 4. Das Prinzip der Gleichheit und des wechselseitigen Vorteils 5. Das Prinzip der friedlichen Koexistenz
2005 verkündete Peking darüber hinaus sein Leitbild einer „harmonischen Welt“, das einen kooperativen Multilateralismus propagiert und insbesondere dem USamerikanischen Vormachtstreben gegenübersteht. (Fues; Grimm; Laufer 2006: 2) 1 In dieses Konzept passt auch die von Tang Jiaxuan (chinesischer Außenminister zwischen 1998 und 2003) geforderte Stärkung der Rolle der Vereinten Nationen und der Autorität des UN-Sicherheitsrates (Jiaxuan 2001: 85).
Der Beginn der sino-afrikanischen Kooperation hat einen festen Ausgangspunkt, die asiatisch-afrikanische Bandung Konferenz im Jahr 1955, auf der jegliche Form von Kolonialismus verurteilt wurde. Ein Jahr später nahm die Volksrepublik China mit Ägypten als erstem afrikanischen Land diplomatische Beziehungen auf. Dem folgten während des Kalten Krieges die meisten übrigen afrikanischen Länder, insgesamt 46 der 53 afrikanischen Staaten, nachdem sie ihre Unabhängigkeit erlangt hatten und sofern sie Taiwan nicht als selbstständig anerkannten. Die Propagierung gleicher ökonomischer und politischer Interessen bildete dabei von vornherein die Grundlage der chinesischen Afrikapolitik (Konings 2007: 343).
Generell können bis 1990 drei Phasen der Beziehungen zwischen China und Afrika unterschieden werden. In der ersten Phase, den 1950er und 1960er Jahren, unterstützte die Volksrepublik China unter Mao Zedong im Wettstreit mit der
1 Quellenangaben, die sich wie die vorliegende auf einen ganzen Absatz beziehen, stehen außerhalb des letzten Satzes. Quellenangaben, die sich auf nur einen Satz beziehen, stehen innerhalb des Satzes.
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Sowjetunion und den USA um Einfluss diverse eigenständige sozialistische Bewegungen in Ghana, Guinea, Mali, Sambia und Tansania, sowie die sozialistische Oppositionsbewegung in Kamerun (Konings 2007: 344). Ausschlaggebend waren in dieser Phase ideologische Gründe (Naidu 2007a: 284). Von dieser Praxis wurde seit dem Ende der 1960er Jahre allerdings Abstand genommen. Nun arbeitete Peking mit den amtierenden Regierungen zusammen, egal welcher politischen Richtung sie angehörten. Deutlich formulierte dies der damalige chinesische Premierminister Zhou Enlai 1969 bei seinem Besuch von zehn afrikanischen Staaten. Dabei benannte er fünf Prinzipien chinesischer Diplomatie gegenüber Afrika, wobei in obigem Kontext insbesondere Punkt fünf zu beachten ist (Konings 2007: 343):
1. Unterstützung gegen jede Form von Imperialismus 2. Afrikanische Blockfreiheit
3. Unterstützung des Strebens nach afrikanischer Einigkeit 4. Friedliche Beilegung von Konflikten 5. Souveränität und Freiheit der afrikanischen Länder
Daneben finanzierte Peking in dieser Phase ausgewählte Prestigeprojekte. Das wohl bedeutendste unter diesen war der Bau einer 1.860 km langen Eisenbahnstrecke zwischen Tansania und Sambia, der sogenannten TAZARA, sowie der Wasser- und Stromversorgung entlang der Strecke. Dieses Projekt sollte dem sambischen Kupferexport dienen und wurde zwischen 1969 und 1976 fertiggestellt. Vor allem sollte so die Abhängigkeit vom damaligen Apartheidregime in Südafrika gemindert werden, da alle Kupfererze bis dahin mangels Alternativen über Südafrika verschifft werden mussten. Weitere chinesisch unterstützte Projekte waren unter anderem der Bau der bis heute einzigen Pipeline für Rohöl nach Sambia (1968) oder auch die Errichtung der Indeni Ölraffinerie, der einzigen Ölraffinerie in Ndola (Sambia) (1973). Diese Projekte wirken sich in ihrer Bedeutung auch heute noch aus. (Dahle Huse; Muyakwa 2008: 13)
Hintergrund für den Richtungswechsel waren das Streben der Volksrepublik China nach einem festen Sitz innerhalb der Vereinten Nationen und der Kampf mit der Sowjetunion um Einfluss. Den alleinigen Vertretungsanspruch für das chinesische Volk (Ein-China-Prinzip) bei den Vereinten Nationen erlangte die Volksrepublik China 1971. Nicht zuletzt dank der afrikanischen Stimmen wurde
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der Wechsel des UN-Sitzes von der Republik China (Taiwan) zur Volksrepublik China mit 76 zu 35 Stimmen in der UN-Generalversammlung beschlossen. Das beinhaltete zudem die Übernahme der ständigen Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat als einflussreiche Vetomacht. Seitdem verhinderte die VR China 14 dem Allgemeinen Ausschuss der UN vorgelegte Anträge über die Aufnahme der Frage der Rückkehr oder des Beitritts Taiwans in die UN in die Tagesordnung der UN-Vollversammlung (Wenping 2006).
Austragungsort des Kampfes um Einfluss mit der Sowjetunion war unter anderem Simbabwe. Dort unterstützte China von Beginn an Robert Mugabe, während die Sowjets Joshua Nkomo förderten (Konings 2007: 345). Nicht zuletzt auf diesen Umstand sind die noch heute engen Beziehungen Pekings zu Simbabwe zurückzuführen.
Die dritte Phase setzte dann nach Mao Zedongs Tod und der Machtübernahme durch Deng Xiaoping (1979) ein. Er begann mit der ökonomischen Reformierung Chinas und der langsamen Öffnung des Landes. Dabei spielten die afrikanischen Länder nur eine untergeordnete Rolle. Von ihnen waren, anders als vom Westen, weder neue Technologien noch Investitionen in die chinesische Wirtschaft zu erwarten (Beri 2007: 298). Hinzu kam, dass Peking nicht in der Lage war, mit den westlichen Hilfsprogrammen für die afrikanischen Staaten zu konkurrieren, Taiwans Einfluss aber auch nicht mehr zu fürchten brauchte (Lyman 2005). Die Hinwendung zum Westen sollte mit der blutigen Niederschlagung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz im Jahr 1989 abrupt beendet werden. Als Folge des Massakers verhängte der Westen Sanktionen gegenüber China, das sich gezwungenermaßen nach neuen Verbündeten umsehen musste, um der internationalen Isolation zu entgehen. Somit rückte Afrika, von wo zum Teil Solidaritätsbekundungen und Glückwünsche zur erfolgreichen Niederschlagung des Aufstandes ausgesprochen wurden, erneut in den Fokus der chinesischen Führung. Mit Hilfe afrikanischer Staaten gelang es der Volksrepublik China seit 1990 auch, elf Anträge westlicher Staaten in Bezug auf
Menschenrechtsverletzungen in der UN-Menschenrechtskommission abzulehnen (Wenping 2006).
Die chinesische Hilfe für Afrika betrug bis dato rund 4,8 Milliarden US-Dollar (s. Grafik 1). Das machte fast die Hälfte des gesamten Hilfsbudgets Chinas zwischen 1960 und 1989 aus (Konings 2007: 346).
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Grafik 1 - Chinesische Hilfe für Afrika in vergleichender Perspektive
Quelle: Konings 2007: 347
Die wirkliche Hinwendung nach Afrika aber setzte erst Mitte der 1990er Jahre ein. Als Ausgangspunkt für die Neubelebung der chinesisch-afrikanischen Beziehungen kann die Afrikareise des damaligen chinesischen Staatspräsidenten Jiang Zemin im Jahr 1996 gelten (Schaeffer 2006). Seitdem hat die Reisetätigkeit hochrangiger chinesischer Politiker in Afrika stark zugenommen. Aber auch auf anderen Ebenen findet die neue Kooperation ihren Ausdruck. So richtete China im Jahr 2000 das ‚Forum on China-Africa Cooperation’ (FOCAC) als Plattform für kollektive Beratung und Dialog, sowie als Kooperationsmechanismus zwischen Entwicklungsländern ein. Massive Investitionen Chinas, vornehmlich in die Infrastruktur afrikanischer Länder, zeichnen das chinesische Engagement in Afrika seitdem ebenso aus, wie stark zunehmende Handelsverflechtungen und die Gewährung zinsgünstiger Kredite.
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4. Die sino-afrikanischen Beziehungen in der Gegenwart
Im Zuge der Analyse wird deutlich werden, dass die Beziehungen zwischen Afrika und China vornehmlich durch ökonomische Interessen geprägt sind. Für die Beantwortung der Forschungsfrage sind daher die Handelsströme zwischen der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt und dem afrikanischen Kontinent, sowie die Tätigkeiten chinesischer Firmen in Afrika die wichtigsten Indikatoren. Auf ihnen soll das Hauptaugenmerk liegen, darüber aber andere wichtige, mit ihnen zum Teil verknüpfte Bereiche nicht vergessen werden. Namentlich sind dies die Entwicklungshilfe, die Kooperation in internationalen Organisationen, das FOCAC und der kulturelle Bereich.
4.1. Ökonomische Beziehungen
4.1.1. Handel
Ich werde neben dem Überblick über den Gesamthandel, auf den Rohstoffsektor, speziell den Erdölsektor, als den Motor der Handelsbeziehungen und auf den chinesischen Export nach Afrika näher eingehen. Implizit wird dabei den bevorzugten Partnerländern der VR China besondere Beachtung geschenkt.
4.1.1.1. Gesamthandel
Der Handel zwischen China und Afrika ist grundsätzlich ungleich verteilt. Afrika exportiert fast ausschließlich Rohstoffe nach China, während im Gegenzug chinesische Fertigwaren importiert werden.
Die Zahlen über den Anstieg des Handels zeigen geradezu eine Explosion des Handelsvolumens seit der Wiederbelebung der Beziehungen zwischen Afrika und China. Wie Grafik 2 verdeutlicht, wuchs das Handelsvolumen zwar seit den 1950er Jahren kontinuierlich an, aber lange nicht in dem Ausmaß wie wir es heute erleben. Stellt man den marginalen Ausgangswert von 12,1 Millionen US-Dollar im Jahr 1950 dem Wert von 2005, der 37 Milliarden US-Dollar beträgt, gegenüber, ist ein rasanter Anstieg erkennbar.
Zu unterteilen sind hier drei Phasen. Phase eins umfasst den langen Zeitraum zwischen 1950 und 1990, in dem der Handel im Vergleich zu später sehr langsam anwuchs, von den oben erwähnten 12,1 Millionen US-Dollar auf 934,9 Millionen US-Dollar. In der folgenden Dekade (ausgenommen 1999/2000) wuchs das
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Handelsvolumen dann im Schnitt jedes Jahr um eine runde halbe Milliarde US-Dollar an. Mit der Einrichtung des FOCAC im Jahr 2000 explodieren die Zahlen geradezu. Allein von 1999 auf 2000 gab es einen Zuwachs von vier Milliarden US-Dollar, auf 10,5 Milliarden US-Dollar. Bis zum nächsten FOCAC im Jahr 2003 vergrößerte sich diese Zahl noch einmal auf 18,5 Milliarden US-Dollar, um bis 2006 auf 50 Milliarden US-Dollar (Naidu 2007b: 45) anzuwachsen. Das erklärte Ziel der chinesischen Regierung ist es, bis zum Jahr 2010 die Grenze von 100 Milliarden US-Dollar im Handel mit Afrika zu überschreiten und Afrikas größter Handelspartner zu werden (Neuhäuser 2007: 74). Dieses Ziel scheint früher als geplant verwirklicht zu werden. Denn allein im ersten Halbjahr 2008 betrug das Handelsvolumen nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums ‚Mofcom’ 2 bereits 62,94 Milliarden US-Dollar (Mofcom 2008). Vom Gesamtumfang her wichtigster Handelspartner für China auf dem Kontinent ist Südafrika, dessen bilaterales Handelsvolumen mit China 6,8 Milliarden US-Dollar beträgt (Neuhäuser 2007: 77). Bei den Exporten allerdings wird Südafrika bei weitem von Angola übertroffen, das für 41 Prozent der chinesischen Importe aus Afrika verantwortlich ist. Nachfolgende Plätze werden von Südafrika (19 Prozent), Sudan (9 Prozent), Äquatorialguinea (8 Prozent), der Republik Kongo (7 Prozent), Gabun und Nigeria (jeweils 2 Prozent), sowie Simbabwe (0,3 Prozent) belegt (Stand 2005) (Trinh, Voss, Dyck 2006: 5).
Gestaltete sich die chinesische Handelsbilanz bis zum Jahr 2000 positiv, kehrte sich dieses Verhältnis in der Folge um. 2005 betrug das chinesische Handelsdefizit 2,4 Milliarden US-Dollar (Wenping 2006). Gründe dafür sind die stark ansteigende Nachfrage nach Energie und Rohstoffen im Zusammenspiel mit der positiven Entwicklung der Terms of Trade für Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte (Holz, Baumwolle, Nahrungsmittel) (Kappel, Schneidenbach 2006: 2). Vor allem diesen Gründen verdankt Afrika sein sehr hohes Wirtschaftswachstum der letzten Jahre von rund fünf Prozent (Osmanovic 2007). Es verzeichnete 2007 mit 5,8 Prozent sogar den bis dahin historischen Höchststand des Wirtschaftswachstums (Hanson 2008), woran die sinoafrikanischen Wirtschaftsbeziehungen mit ein bis zwei Prozent beteiligt waren (Fues, Grimm, Laufer 2006: 1).
2 Mofcom = Ministry of Commerce
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Grafik 2 - Chinas Handel mit Afrika, 1950-2005 (in Mio. US-$)
Quelle: Konings 2007: 348
Mit den obigen Zahlen ist allerdings vorsichtig umzugehen. In absoluten Zahlen ausgedrückt klingen sie beeindruckend, prozentual relativieren sie sich sehr stark. So lag Chinas Anteil am afrikanischen Außenhandel 2004 bei gerade einmal 6,3 Prozent (Tull 2005: 12), der Anteil Afrikas am chinesischen Außenhandel 2006 sogar nur bei zwei Prozent (Gu 2006b: 8). Ebenso machten afrikanische Produkte 2004 nur 2,8 Prozent der chinesischen Importe aus (Konings 2007: 359). In dieses Schema passt auch das generelle Absinken des Anteils Afrikas an den globalen Exporten auf rund 1,5 Prozent im Jahr 2004 (s. Grafik 3), beziehungsweise das Absinken des afrikanischen Anteils am gesamten Welthandel von vier Prozent im Jahr 1970 auf zwei Prozent im Jahr 2004 (Dakossi 2007: 25).
Quelle: Broadman 2007: 8
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Im Handel mit Afrika sind trotz der erzielten Zuwächse Chinas weiterhin die EU und die USA wichtigste Handelspartner des Kontinents. Ihr Anteil am afrikabezogenen Handel lag 2006 bei 80 Prozent. Die G8 Staaten haben ihren bestehenden Handelsvorsprung mit Afrika gegenüber China in absoluten Zahlen sogar noch ausgebaut. Ihr Handelsvolumen mit Afrika betrug 1998 120 Milliarden US-Dollar (China 5,5 Milliarden US-Dollar), 2005 sogar 233 Milliarden US-Dollar (China 39,7 Milliarden US-Dollar). Die Gründe für diesen Handelsvorsprung liegen im Export von Maschinen, Ausrüstung, Investitionsgütern mit hohem Technologieniveau und hochwertigen Konsumgütern, sowie im Import von landwirtschaftlichen Produkten und Fertigwaren (neben Rohstoffen) durch die G8 Länder. (Kappel, Schneidenbach 2006: 2; Kappel 2007: 4)
Grafik 4 - Handelsvolumen zwischen G8 / China und Afrika
Quelle: Kappel, Schneidenbach 2006: 2
Um seine Position demgegenüber zu verbessern, hat sich die VR China vorgenommen, bis zum Jahr 2009 fünf „ökonomische
Handelspartnerschaftszonen“ (Saam 2008: 4) in Afrika einzurichten. Die erste dieser Zonen wurde im Februar 2007 während der Afrikareise Hu Jintaos eröffnet. Damit verknüpfte Ziele sind unter anderem die Schaffung von 60.000 Arbeitsplätzen und chinesische Investitionen in Höhe von 800 Millionen US-Dollar. (Saam 2008: 4) Außerdem hat China mit 41 afrikanischen Staaten Meistbegünstigungsklauseln im Außenhandel vereinbart (Asche, Schmutzer 2007: 62).
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4.1.1.2. Rohstoffhandel
Chinas Bedarf an Rohstoffen ist gewaltig und wird in Zukunft wohl auch noch stark steigen (s. Grafik 5). Schon in den letzten 20 Jahren sind die chinesischen Rohstoffimporte um das zwanzigfache auf rund 200 Milliarden US-Dollar gestiegen. Dabei handelt es sich vor allem um Rohöl, Metalle und Kunststoffe (Trinh, Voss, Dyck 2006: 2). Der Rohstoffsektor macht zusammen mit landwirtschaftlichen Produkten und Gütern mit niedrigem Technologieniveau 87 Prozent aller afrikanischen Exporte nach China aus (Kappel, Schneidenbach 2006: 2). Dabei setzt sich der Rohstoffexport vornehmlich aus Rohöl, Erzen, Wolle, Diamanten und Holz zusammen, wobei Rohöl den weitaus bedeutendsten Teil ausmacht. Im Jahr 2005 betrug der Anteil über 80 Prozent, was umgerechnet einen Wert von über 14 Milliarden US-Dollar ergibt (s. Grafik 6 / Grafik 7). Aufgrund der herausragenden Rolle des Ölexportes aus Afrika nach China und der Tatsache, dass Erdöl 60 Prozent aller chinesischen Importe aus Afrika ausmacht (Hofmann 2006: 6), werde ich diesen Bereich gesondert von den übrigen Rohstoffen behandeln.
Quelle: Trinh, Voss, Dyck 2006: 2
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Quelle: Naidu 2007b: 46
Grafik 7 - Die Top 10 Importe Chinas aus Afrika im Jahr 2005
Quelle: Naidu 2007a: 286
4.1.1.2.a. Chinesische Ölimporte
Dieser Teil soll einen Überblick über die Größenverhältnisse und die Ursprungsländer der afrikanischen Ölexporte in die VR China geben. Auf das Engagement chinesischer Unternehmen in der afrikanischen Ölförderung werde ich später gesondert zu sprechen kommen.
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4.1.1.2.a.1. Steigender Bedarf
Die VR China wurde auf Grund ihres hohen Wirtschaftswachstums und dem damit verbundenen steigenden Energiebedarf ab 1993 zum Nettoimporteur von Rohöl (Asche, Schmutzer 2007: 61). Dabei werden Ölkraftwerke bis 2020 nur ein Viertel des Energiebedarfs des Landes abdecken, unverändert zum heutigen Stand (Yates 2006: 7). Der gleich bleibende prozentuale Anteil sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass mehr und mehr Kraftwerke gebaut werden. Seit 2003 hat die Volksrepublik den Status als zweitgrößter Erdölimporteur nach den USA inne (Asche, Schmutzer 2007: 61). Dieser Wachstumstrend setzt sich fort. 2005 mussten bereits 44 Prozent des chinesischen Gesamtbedarfs durch Importe abgedeckt werden, wofür umgerechnet sieben Prozent des eigenen Exportvolumens benötigt wurden. Zum Vergleich: Japan und Südkorea benötigten jeweils 12 Prozent ihrer Exporte für die Begleichung ihrer Rechnungen (Mitchell, Lahn 2007: 2). Bis 2030 wird ein Anstieg des chinesischen Importbedarfs von Rohöl auf 74 Prozent der benötigten Menge prognostiziert (Tull 2005: 10). Dass China auf Importe angewiesen ist, verdeutlicht auch der Vergleich zwischen dem Ölverbrauchsanstieg und dem Produktionszuwachs Chinas. Während der Ölverbrauch zwischen 2000 und 2005 um 46 Prozent anstieg, wuchs die eigene Produktion im selben Zeitraum nur um 12 Prozent. (Mitchell, Lahn 2007: 2) Nimmt man das Jahr 2000 als Ausgangsbasis, könnte der chinesische Verbrauch bis 2030 sogar um über 200 Prozent anwachsen (s. Grafik 8). Damit wäre China zu einem Großteil für den erwarteten globalen Anstieg des Rohölverbrauchs von derzeit 85 Millionen Fass pro Tag auf 120 Millionen Fass pro Tag im Jahr 2030 verantwortlich (Saam 2008: 6).
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Quelle: Pehnelt 2007: 6
4.1.1.2.a.2. Chinas Öllieferanten
Durch den Anstieg des Erdölbedarfs ist China zwangsläufig auf die Suche nach neuen Handelspartnern angewiesen. Nach Yates können nur drei Regionen in der Welt den gewachsenen Bedarf befriedigen: Sibirien, das Kaspische Meer und Afrika. Von diesen sei Afrika die „schwächste, ärmste und offenste Region“ für ein chinesisches Engagement (Yates 2006: 7). Das soll aber nicht den Eindruck erwecken, dass China sich ausschließlich auf Afrika fokussieren würde. Ein Blick auf die Verteilung der chinesischen Ölimporte verdeutlicht dies. 2004 nahm Afrika nur den dritten Platz unter den erdölliefernden Regionen Chinas ein (s. Tabelle 1), allerdings mit ansteigender Tendenz. Wie Tabelle 2 zeigt, erhöhte sich der Anteil Afrikas ausgehend vom Jahr 1990, in dem überhaupt keine Lieferverträge mit afrikanischen Staaten bestanden, bis 1997 auf 16,7 Prozent.
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Tabelle 2 - Diversifizierung chinesischer Öl-Bezugsquellen 1990-97
Auf lange Sicht strebt China die weitere Diversifizierung seiner Lieferanten an. Peking beabsichtigt, aus den vier in Tabelle 1 aufgeführten Hauptlieferregionen jeweils ein Viertel seines Bedarfs zu decken (Gu 2006a: 67). Dieses Ziel wurde in Afrika, von wo China momentan 26 Prozent seiner Erdölimporte bezieht, bereits erreicht. Die Volksrepublik liegt damit bei den prozentualen Erdölimporten aus Afrika sogar noch vor den USA, die 20 Prozent ihrer Ölimporte von dort beziehen (BP 2008: 20). Real allerdings importieren die USA im Verhältnis zu China gut zweieinhalb mal so viel Öl aus Afrika (134 Millionen Tonnen zu 53 Millionen Tonnen) und streben ebenfalls an, 25 Prozent ihres Erdölbedarfs mit Hilfe Afrikas zu decken (Gu 2006: 67).
Innerhalb Afrikas ist eine Konzentration Chinas (ebenso wie der USA) auf Westafrika festzustellen (BP 2008: 20). Doch auch aus Ost- und Südafrika, wo sich kaum ein anderes Land engagiert, importieren die Chinesen Öl. Ihre (Beinahe-)Monopolstellung dort erklärt sich aus den politischen Verhältnissen, die den Westen zu Sanktionen, beispielsweise gegen Simbabwe oder den Sudan, veranlassten.
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Wichtigste afrikanische Erdöllieferanten für China sind Angola, das im März 2006 Saudi Arabien als wichtigsten chinesischen Lieferanten ablöste (Grill 2006), der Sudan, der 60 Prozent seiner Produktion an China verkauft (Osmanovic 2007), die Republik Kongo und Äquatorialguinea.
4.1.1.2.a.3. Afrikas Erdölsektor
Afrika verfügt über 9,5 Prozent der bekannten globalen Ölreserven, sein Anteil an der globalen Ölproduktion betrug 2005 elf Prozent, 2007 12,5 Prozent (BP 2008: 9; Lafargue 2005: 4). Im Vergleich zum Nahen und Mittleren Osten nehmen sich diese Zahlen aber bescheiden aus. Die dortigen Länder verfügen über 61 Prozent der bekannten globalen Ölreserven. 2007 machte ihre Produktion 30,8 Prozent der weltweiten Förderung aus (BP 2008: 9). Allerdings meinen Experten, dass in Afrika signifikante, noch unentdeckte Vorkommen zu finden sein könnten (Hanson 2008). Dafür sprechen ein Blick auf Grafik 9 und die Tatsache, dass zwischen 2000 und 2004 jedes vierte außerhalb der USA und Kanada entdeckte Barrel Öl afrikanischer Herkunft war (Naidu, Davies 2006: 73). Wie aus Grafik 9 hervorgeht, haben sich die nachgewiesenen Ölreserven in Afrika zwischen 1987 und 2006 bereits verdoppelt.
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Quelle: BP 2008: 6
Die größten Förderländer Afrikas sind Nigeria mit 114,2 Millionen Tonnen Förderleistung im Jahr 2007, Algerien (86,1 Mio. t), Libyen (86 Mio. t), Angola (84,1 Mio. t), Ägypten (34,1 Mio. t), Sudan (22,5 Mio. t) und Äquatorialguinea (18 Mio. t). Mit jedem von ihnen betreibt die VR China Handel. Ganz Afrika zusammen förderte 2007 488,5 Millionen Tonnen Rohöl. Das entsprach 12,5 Prozent der weltweiten Produktion. (BP 2008: 9)
4.1.1.2.b. Andere Rohstoffe
China bezieht nicht nur Öl aus Afrika, wenngleich es auch das wichtigste Exportprodukt für die chinesische Wirtschaft ist. Andere interessante Rohstoffe für die VR China waren 2005 (in der Reihenfolge nach Millionen US-Dollar gewichtet): Eisenerze, Baumwolle, Diamanten, Holz, Platin, Kobalt, (veredeltes) Kupfer und Mangan (s. Grafik 7, S. 15).
Im Einzelnen bezieht China Eisenerz und Kohle aus Südafrika, Mangan und Tropenholz aus Gabun, Kupfer aus Sambia, Diamanten, Holz, Kobalt und Koltan aus dem Kongo, sowie Platin und Chrom aus Simbabwe (Neuhäuser 2007: 74). Holz importiert China zudem aus Kamerun, Äquatorialguinea, Liberia und Gabun. Insgesamt waren es 2003 - ohne Einrechnung der wohl bedeutenden Raubexporte - 2,5 Millionen Kubikmeter (Asche, Schmutzer 2007: 62). Wichtig sind für China auch die Baumwollimporte aus Afrika, die 20 Prozent aller Baumwollimporte ausmachen (2004). Vornehmlich kommen sie aus Burkina Faso, Benin und Mali (Trinh, Voss, Dyck 2006: 7).
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Dass selbst der Holzimport politisch sein kann, zeigt das Beispiel Liberia. Unter Hinweis auf drohende Arbeitsplatzverluste verhinderte China zu Zeiten von Charles Taylor UN-Sanktionen und kaufte sogar die Hälfte der Edelholzausfuhren auf, wodurch Taylor der Machterhalt ermöglicht wurde (Tull 2005: 25).
4.1.1.3. Chinesische Exporte nach Afrika
Wie bereits erwähnt, zeichnet die Handelsbeziehungen zwischen der VR China und dem afrikanischen Kontinent ein Ungleichgewicht aus. Während China fast ausschließlich Rohstoffe aus Afrika importiert, beliefert es den Kontinent im Gegenzug in großem Stil mit Elektro- und Haushaltsgeräten, Maschinen, Industrieprodukten, Telekommunikation, Waffen, Schuhen, Kleidung und Textilien (Tull 2005: 13; Asche, Schmutzer 2007: 62). „Das Ausmaß der Durchsetzung der chinesischen Exportgüter ist so groß, dass man durchaus von einer Veränderung ‚der’ afrikanischen Lebensart sprechen kann.“ (Gu 2006b: 8) Es wird sogar vor einer „Überschwemmung“ des afrikanischen Marktes gewarnt (Asche, Schmutzer 2007: 62).
Dabei sind die Importe aus China aus afrikanischer Sicht meist Segen und Fluch zugleich. Segen, weil sich auch die armen Bevölkerungsschichten die chinesischen Billigprodukte leisten können, was zu einem höheren Lebensstandard der Gesamtbevölkerung beiträgt. Fluch, weil die Produkte so billig sind, dass sie die einheimischen Hersteller verdrängen und somit Arbeitsplätze in Afrika vernichten.
Als Negativbeispiele werden Importe von chinesischen Mopeds und Mofas in Burkina Faso, welche die einheimische Montageindustrie ruiniert haben, der Import von chinesischen Plastiksandalen, der die einzige Plastiksandalenfabrik in Tansania zur Entlassung von 2.000 der insgesamt 3.000 Mitarbeiter zwang, und Design-Kopien in Nigeria genannt (Asche, Schmutzer 2007: 62). Auf den Textilsektor werde ich noch ausführlicher zu sprechen kommen. Hinzu kommt, dass die chinesischen Exportfirmen nicht die einheimischen, sondern chinesische Händler vor Ort für den Vertrieb ihrer Güter bevorzugen. Deswegen droht auf lange Sicht der Kontrollverlust über die Händlernetzwerke (Hofmann, Kretz, Roll, Sperling 2006: 7). In Uganda beispielsweise sind die chinesischen Händler billiger als ihre afrikanischen Konkurrenten, obwohl beide dieselben Waren aus China importieren (Lee 2007: 26).
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Auf der anderen Seite können sich arme Afrikaner, die sich die traditionellen Lederschuhe nicht leisten können, nun wenigstens Plastiksandalen kaufen (Gu 2006b: 8). Sie sind das auffälligste, den Alltag prägende chinesische Exportgut und „in jedem afrikanischen Dorf“ zu finden (Gu 2006b: 8).
Auch die chinesischen Waffenlieferungen werden (teilweise) vom Westen skeptisch betrachtet, da unter den belieferten Ländern auch solche sind, in denen massive Menschenrechtsverletzungen zu verzeichnen sind. Unter anderem belieferte Peking den Sudan und Simbabwe mit Waffen. Andere Empfängerländer größerer Lieferungen waren Äquatorialguinea, Äthiopien, Eritrea, Burundi und Tansania (Hanson 2008). Zwischen 2000 und 2003 war China nach Russland der wichtigste Waffenlieferant afrikanischer Staaten (Tull 2005: 18), zwischen 2003 und 2006 machten die chinesischen Waffenverkäufe 15,4 Prozent (500 Millionen US-Dollar) aller konventionellen Waffenimporte des afrikanischen Kontinents aus (Hanson 2008). Peking geht zum Teil noch darüber hinaus und entsendet militärisches Ausbildungspersonal in befreundete Staaten (Hanson 2008). Im Sudan sollen sich sogar Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee, getarnt als chinesische Arbeiter, aufhalten und aktiv an den Kampfhandlungen teilnehmen (Schmidt 2007). Des weiteren werden in Simbabwe, Mali und dem Sudan in chinesischen Fabriken leichte Waffen hergestellt (Mitchell, Lahn 2007: 10). Ebenfalls in den Sudan hat China Kampfflugzeuge im Wert von 100 Millionen US-Dollar geliefert (Taylor 2007: 18). Als Begründung für die Waffenlieferungen ohne Rücksicht auf die Menschenrechte oder ähnliches führt die chinesische Regierung in Übereinstimmung mit ihrem Prinzip der Souveränität der Staaten die Sicherung der politischen Stabilität und die Stärkung des Staates an (Taylor 2007: 20).
4.1.2. Chinesische Unternehmen in Afrika
Da sich die meisten und wichtigsten chinesischen Unternehmen in staatlicher Hand befinden, eignet sich die Betrachtung ihrer Vorgehensweise besonders, um den Stellenwert Afrikas aus der Sicht Pekings zu klären. Nach einem Überblick über die in Afrika tätigen internationalen Unternehmen, die ‚Multinationals’, werde ich exemplarisch den Erdölsektor und die Textilbranche näher betrachten.
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4.1.2.1. Allgemeiner Überblick
Die Zahl der in Afrika tätigen chinesischen Multinationals steigt. 2006 waren es über 800, im Vergleich zu 674 im Mai 2005. Dies passt zu der allgemeinen Änderung der chinesischen Strategie für Auslandsinvestitionen und zur langsamen Einführung der Marktwirtschaft in China. Investierten 1985 gerade einmal 143 Unternehmen in 45 Ländern im Wert von 170 Millionen US-Dollar, waren es 2003 bereits 7.400, die in 160 Ländern im Vertragswert von 33,2 Milliarden US-Dollar investierten (Corkin 2007: 309). Die mehr als 800 chinesischen Firmen in Afrika haben bis Mitte 2006 mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar investiert (Fues, Grimm, Laufer 2006: 1). Die Zahlen deuten zwar auf gewachsenes Interesse am afrikanischen Markt hin, belegen aber auch, dass der eigentliche Fokus auf anderen Märkten liegt.
Die meist staatlichen 3 in Afrika tätigen Unternehmen sind vornehmlich im Textilsektor, in den Bereichen Energie, Bergbau, Bau und in der Telekommunikation vertreten (Corkin 2007: 314-316). Afrika wird dabei als ‚Testfall’ für die erst nach und nach dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten chinesischen Unternehmen wahrgenommen, der ihnen helfen soll, globale Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen (Alden, Davies 2006: 86). Denn noch sieht Chinas Elite die eigenen Unternehmen nicht in der Lage, im offenen Wettbewerb mit den wirtschaftlich und technologisch überlegenen westlichen Unternehmen zu bestehen. „China does not have a competitive edge over its Western counterparts in an open market. But in a closed market like Africa’s, Chinese companies are able to gain from government influence.” (He Jun, Energieberater Pekings, zitiert nach: Alden, Davies 2006: 90)
Damit hat Jun gleichzeitig ein weiteres Kennzeichen der Tätigkeit chinesischer Unternehmen in Afrika herausgestellt: Die Unterstützung vor allem staatlicher Unternehmen mittels der Vergabe weicher Kredite, zinsloser Darlehen, ‚Geschenken’ und ‚Anreizen’, Entwicklungszusammenarbeit, Personalaustausch, Ausbildungsprogrammen, Waffenlieferungen und Diplomatie durch die Regierung in Peking. Das erlaubt den Unternehmen eine höhere Risikobereitschaft als ihren westlichen Konkurrenten, die auf kurzfristigen Erfolg angewiesen sind. Überdies führt dieser Umstand oftmals zu umfassenden Geschäften, die mehr als nur einen Sektor berühren.
3 SOEs - State owned enterprises (=Staat hält die Mehrheit)
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Charakteristisch für die chinesischen Unternehmen ist zudem, dass sie weitgehend nur mit eigenem, kostengünstigem Personal arbeiten. Das heißt, dass die benötigten Arbeiter aus China eingeflogen werden, statt dass auf lokale Arbeiter zurückgegriffen wird. 2005 hielten sich bereits 74.000 chinesische Arbeiter in Afrika auf (Konings 2007: 358). Das senkt die Kosten und steigert somit die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Unternehmen, hat aber zur Folge, dass so gut wie keine neuen Arbeitsplätze für Afrikaner entstehen, die einheimische Wirtschaft kaum von den Projekten profitiert und kein neues Fachpersonal ausgebildet wird. Außerdem sind die Arbeitsbedingungen meist sehr schlecht. Deshalb werden die chinesischen Firmen von der einheimischen Bevölkerung mit wachsender Skepsis betrachtet (Asche, Schmutzer 2007: 66).
4.1.2.2. Chinesische Unternehmen im Erdölsektor
4.1.2.2.a. Allgemeiner Überblick
Die drei bedeutendsten im Erdölgeschäft tätigen chinesischen Multinationals sind die China National Petroleum Corporation (CNPC, 439.200 Angestellte), die China National Offshore Oil Corporation (CNOOC, 2.700 Angestellte) und die China Petrochemical Corporation (Sinopec, 364.500 Angestellte) (Mitchell, Lahn 2007: 5). Die CNPC wurde, im Gegensatz zu den anderen beiden Firmen, erst im Zuge der 1998 erfolgten Umstrukturierung des chinesischen Ölsektors aus den Vorgängerunternehmen CNOP und Sinochem geschaffen. Durch diese Umstrukturierung wurde die seit 1988 Bestand habende Aufteilung von Chinas Ölsektor unter den vier Ölfirmen CNOP (onshore production), CNOOC (offshore production), Sinopec (refinement and distribution) und Sinochem (im- and exports) aufgehoben (Yates 2006: 8). Mittlerweile haben sich alle drei Firmen von ihrem ursprünglichen Aufgabengebiet gelöst und stoßen in die Bereiche der jeweils anderen vor. (Taylor 2007: 13)
CNPC, CNOOC und Sinopec befinden sich durchgehend in staatlicher Hand und dienen somit in erster Linie den strategischen Interessen Pekings. Eine dieser strategischen Interessen bildet die Energieversorgung, die Peking als integralen Bestandteil seiner nationalen Sicherheit einordnet, da sie „grundlegende Voraussetzung für ein weiterhin hohes Wirtschaftswachstum, das wiederum die Grundlage für sozioökonomische und politische Stabilität bildet, ist“ (Umbach 2001: 43). Deshalb sind chinesische Multinationals auch zur Zahlung von
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überhöhten Preisen für Erdölkonzessionen bereit, falls dies den langfristigen Interessen Chinas dienlich sein sollte. Das verschafft ihnen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den auf kurzfristigen Profit angewiesenen westlichen Unternehmen wie Chevron, Total, BP oder auch ExxonMobil (Taylor 2007: 13). Zusätzlich erfahren sie die Unterstützung der Regierung in Peking, die keine Skrupel hat, wohlwollende Kredite, Investitionen in anderen Bereichen oder ‚Geschenke’ in Verhandlungen über Geschäftsabschlüsse einzubringen. Neben der kurzfristigen Sicherung der Erdölzufuhr für die heimische Wirtschaft dürfte Peking daran interessiert sein, den zukünftigen Erdölpreis über seine im Ausland erworbenen Förderkapazitäten zu beeinflussen und sich langfristig als ‚Global Player’ auf dem internationalen Ölmarkt zu positionieren (Taylor 2007: 11). Im Zuge dieser Strategie streben die Staatsunternehmen mehr und mehr danach, Erdölkonzessionen im Ausland zu erwerben. Dies ist für sie allerdings problematisch, da der (afrikanische) Markt sich bisher fest in westlicher Hand befand. Hinzu kommt die wirtschaftliche und technologische Unterlegenheit gegenüber der westlichen Konkurrenz.
Aufgrund dieser Problematik verfolgen die chinesischen Unternehmen eine ‚Nischenstrategie’ (Pehnelt 2007: 10). Überall dort, wo sich westliche Unternehmen zurückgezogen haben oder die Versteigerung neuer Förderkonzessionen ansteht, werden die Chinesen tätig (Gu 2006a: 59). An dieser Stelle kommt Afrika ins Spiel, das zum einen wie auf Seite 19 dargelegt über große, noch zu erschließende Erdölreserven verfügt, zum anderen einige Länder beherbergt, gegen die der Westen Sanktionen verhängt hat und in denen westliche Unternehmen ihre Tätigkeiten aufgegeben haben, beziehungsweise aufgeben mussten. Dabei kommt CNPC und CNOOC zugute, dass sie, anders als 77 andere chinesische Unternehmen, den UN Global Compact, eine Initiative bezüglich des moralischen Verhaltens in Wirtschaftsunternehmen, nicht unterzeichnet haben. Sinopec wird nur noch als ‚inaktives Mitglied’ geführt (Mitchell, Lahn 2007: 9). Das ist ein deutlicher Hinweis auf die untergeordnete Rolle der Menschenrechte in den chinesischen Überlegungen.
CNPC, Sinopec und CNOOC haben insgesamt knapp acht Milliarden US-Dollar in Afrika investiert. Mehr Geld floss nur in die Region Russland / Zentralasien (13,3 Milliarden US-Dollar). Abgeschlagene Investitionsregionen sind dagegen
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Amerika (2,7 Milliarden US-Dollar), Asien (1,8 Milliarden US-Dollar) und der Mittlere Osten / Nordafrika (1,26 Milliarden US-Dollar) (Mitchell, Lahn 2007: 9). Der Zwang zum Erfolg in Afrika ist nicht nur wegen dieser hohen Investitionen groß. Hinzu kommt, dass andere Regionen als Afrika nicht so offen für die chinesischen Firmen sind. Im Mittleren Osten zeigen die USA starke Präsenz und Russland hat jüngst entschieden, die Sibirisch-Pazifische Ölpipeline zu Japans Gunsten auszulegen. Dementsprechend ist das Engagement chinesischer Firmen in Afrika in jüngster Zeit stark angewachsen, wie Grafik 10 zeigt. 2005 stammten 15 Prozent aller afrikanischen Ölexporte aus Quellen mit chinesischer Kapitalbeteiligung (Asche, Schmutzer 2007: 61).
Grafik 10 - Zahl der Operationen chinesischer Erdölunternehmen in Afrika
Quelle: Naidu 2007b: 46
4.1.2.2.b. Afrikanische Länder
Die Betrachtung der afrikanischen Länder, in denen sich CNPC, CNOOC und Sinopec engagieren, und der Vorgehensweise der chinesischen Unternehmen legt die von Peking verfolgte Nischenstrategie und die Bereitschaft, auch überhöhte Preise zu zahlen, offen. Ich werde mich dabei auf zwei Beispielfälle, den Sudan
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und Nigeria, beschränken. 4 Den Sudan stellvertretend für ein vom Westen aus politischen Gründen vernachlässigtes, beziehungsweise aufgegebenes
‚Schlachtfeld’ um Öl, Nigeria als Beispiel für die chinesische Strategie beim Erwerb von neuen Konzessionen im offenen Wettbewerb.
4.1.2.2.b.1. Sudan 5
Im Sudan ist Peking seit 1996 durch die CNPC vertreten, die damals im Zuge eines Joint Ventures unter Beteiligung sudanesischer, kanadischer und malaysischer Erdölfirmen 40 Prozent der Greater Nile Petroleum Operating Company (GNOPC) erwarb. Die über drei Milliarden eingebrachten US-Dollar wurden unter anderem für die Erschließung von Erdölfeldern, den Bau einer Raffinerie nahe Khartum, die Instandsetzung weiterer Raffinerien und den Bau eines 215 Millionen Dollar Export Tanker Terminals in Port Sudan, zu dem Sinopec momentan eine 1.500 km lange Pipeline von den Ölfeldern baut, verwendet. CNPC kontrolliert somit die gesamte Ölinfrastruktur und Ölproduktionskette im Sudan mit, von der Exploration und Ausbeutung im Ölfeld Kordofan über die Verarbeitung durch die Raffinerie in Khartum und den anschließenden Transport mittels der 750 km langen Pipeline von Khartum nach Port Sudan am Roten Meer (Gu 2006a: 72). Der hauptsächlich nach China fließende Export aus dem Sudan, der dem Land 2001 580 Millionen US-Dollar einbrachte (40 Prozent der staatlichen Gesamteinkünfte), startete im August 1999 und wächst seitdem weiter an.
Der Erfolg chinesischer Unternehmen im Sudan gründet sich vor allem auf die Tatsache, dass die französischen und US-amerikanischen Unternehmen sich aus politisch motivierten Gründen aus dem Land zurückziehen mussten. 1997 hatten die USA den Sudan auf die Liste der Terror unterstützenden Länder gesetzt, wodurch es US-amerikanischen Firmen verboten wurde, im Sudan zu operieren. Die entstandene Lücke wurde zügig von chinesischen, indischen und malaysischen Unternehmen geschlossen.
China verdankt seine starke Stellung im Sudan den mit Waffen und Menschenrechtsverletzungen ausgetragenen Auseinandersetzungen zwischen der
4 Weitere Länder, in denen chinesische Erdölfirmen tätig sind oder beabsichtigen es zu werden, sind: Algerien, Angola, Äquatorialguinea, Äthiopien, Elfenbeinküste, Gabun, Kenia, Republik Kongo, Madagaskar, Mauretanien, Namibia und Uganda.
5 Für die folgenden Ausführungen stütze ich mich hauptsächlich auf: Tull 2005: 16-21; Taylor 2007: 19. Andere Quellen sind kenntlich gemacht.
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Regierung in Khartum und den Rebellenbewegungen im Süden (‚Sudan People’s Liberation Army’ (SPLA)) und im Osten (Darfur), welche andere ausländische Investoren abschrecken. Deshalb verhinderte Peking konkrete UN-Sicherheitsratsresolutionen und schwächte die Formulierungen in den Resolutionen 1556 (Juli 2004), 1564 (September 2004) und 1574 (November 2004) erheblich ab. Dazu beigetragen hat auch der (auf lange Sicht vielleicht berechtigte) Verdacht, der Westen wolle mit Hilfe von Sanktionen die Chinesen zwecks des eigenen Widereinstiegs aus dem Sudan vertreiben (Gu 2006a: 72). China erkennt die UN (neben der Afrikanischen Union und den sudanesischen Konfliktparteien) zwar offiziell als für die Friedensverhandlungen zuständig an (Guijin 2008: 4), soll aber dennoch das 2005 vom UN-Sicherheitsrat verhängte Waffenembargo missachtet haben (BBC 2008), da es kein Interesse an einer Beilegung der Streitigkeiten hat.
Im Gegensatz zu der westlichen Strategie der Sanktionen, setzt China offiziell auf wirtschaftliches Wachstum und die Verbesserung der Lebensbedingungen zur Lösung des Darfurkonflikts. „The international community should continue to offer generous financial assistance and provide more humanitarian and development aid to Darfur.” (Guijin 2008: 5) Diese Forderungen sind ein Beispiel für die rhetorische Verbrüderung Pekings mit den afrikanischen Staaten. Sie soll vor allem die guten Beziehungen (zu Khartum) stabilisieren, das wirtschaftliche und politische Missverhältnis kaschieren und die chinesische Vormachtstellung (im Sudan) erhalten, ohne den Gegenüber vor den Kopf zu stoßen. Dass diese Strategie durchaus erfolgreich ist, zeigt der Friedensvertrag, der im Januar 2005 zwischen Khartum und der SPLA geschlossen wurde und Bestandsgarantien für die während des Bürgerkrieges von der Regierung vergebenen Ölkonzessionen enthält.
4.1.2.2.b.2. Nigeria
In Nigeria, dem größten Erdölförderer Afrikas, gehen die chinesischen Unternehmen anders vor als im Sudan. Denn hier treffen sie auf ernsthafte Konkurrenz nicht nur aus Asien, sondern auch aus dem Westen. So wird trotz der chinesischen Bemühungen noch immer die Hälfte der nigerianischen Erdölproduktion von Shell gefördert und die Erdölausfuhren nach China werden
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in den nächsten Jahren nur sieben Prozent der gesamten nigerianischen Erdölausfuhren ausmachen (Kappel, Schneidenbach 2006: 3). Die Aufnahme erdölbezogener Geschäfte datiert in das Jahr 2005, ist also noch relativ jung. Damals schlossen CNPC und die nigerianische ‚Nigerian National Petroleum Corporation’ einen auf fünf Jahre ausgelegten Vertrag im Volumen von 800 Millionen US-Dollar über die tägliche Lieferung von 30.000 Barrel Rohöl (Schmidt 2007). Im Jahr darauf stieg CNOOC direkt in die Erdölförderung ein, indem sie für 2,3 Milliarden US-Dollar 45 Prozent eines Öl- und Gasfeldes vor Nigerias Küste erwarb (Pomrehn 2006). Das war die bis dahin größte von China getätigte Auslandsinvestition überhaupt (Schmidt 2007). Der hohe Preis entstand, weil der indische Mitbewerber ONGC ihn in die Höhe getrieben hatte. 6 Noch im selben Jahr sicherte sich auch CNPC durch den Erwerb vierer von insgesamt 15 Ölblocks seinen Anteil am nigerianischen upstream-Geschäft (Erdölförderung). Bei der ersten Runde der Neuversteigerungen im Jahr 2007 ersteigerten CNOOC und CNPC dann insgesamt fünf der zehn ausgeschriebenen Ölblocks. Als begünstigend dürfte sich dabei, neben der Zurückhaltung der westlichen Bieter bei den Neuversteigerungen aufgrund ihres bereits bestehenden hohen Fördergrades, das Interesse Nigerias an einer möglichst diversifizierten Abnehmerstruktur ausgewirkt haben. Ein weiterer Grund für die chinesischen Bieterfolge ist in der Bedingung Nigerias zu suchen, für die Erlaubnis zur Erdölförderung Investitionen in Infrastrukturprojekte und downstream-Anlagen (Verarbeitung und Handel mit Erdöl) zu tätigen. (Saam 2008: 4) Vor diesem Hintergrund sind diverse chinesische Investitionen und Kredite im Zusammenhang mit Nigeria zu sehen. So half Peking, auch mit Blick auf zukünftige Versteigerungen von Ölblocks, durch verbilligte Kredite in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar, das nigerianische Schienensystem umfangreich zu erneuern. Allerdings wurde der Auftrag an die ‚Chinese Civil Engineering Construction Company’ (CCECC) vergeben, die nicht auf lokale Subunternehmer zurückgreift, welche aber wiederum für den späteren Betrieb und die Instandsetzung und Erweiterung zuständig sein werden. Andere chinesische Investitionen betreffen Kraftwerke, Verkehrswege, medizinische Infrastruktur
6 Peking und Neu Delhi haben aus dieser Erfahrung ihre Lehren gezogen und ein Kooperationsabkommen geschlossen, um solche Konkurrenzkämpfe ihrer staatlichen Energiekonzerne zukünftig zu vermeiden (Pomrehn 2006).
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und Telekommunikationsanlagen, sowie technologiebasierte Bereiche wie die Zement- und Maschinenproduktion. Als „Quantensprung der sino-nigerianischen Beziehungen“ (Saam 2008: 4) wird der Zuschlag für ein chinesisches Konsortium für die Entwicklung des ersten Kommunikationssatelliten in Subsahara-Afrika angesehen. (Saam 2008: 4; Taylor 2007: 15)
Doch die chinesischen Investitionen sind nicht alle von Erfolg gekrönt. Beispielsweise hat sich die 2 Milliarden US-Dollar Investition CNPCs in eine Raffinerie „that no western company would likely have touched” (Lyman 2005) nicht ausgezahlt, sieht man von den damit im Zusammenhang stehenden Ölblockversteigerungen einmal ab.
Der Fall Nigeria verdeutlicht auch Schwächen der chinesischen Außenpolitik. Denn anders als im Falle des Sudans hat die nigerianische Regierung keine vollständige Kontrolle über die Erdölgebiete. Das Niger-Delta wird faktisch von lokalen Milizen kontrolliert, mit denen zwar westliche Unternehmen Verträge schließen können, chinesische aber aufgrund der von Peking verfolgten Prinzipien der Souveränität des Staates und der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten nicht. (Taylor 2007: 22)
Das Beispiel Nigeria zeigt anhand der teuer erkauften Lizenzen, welch zentralen Stellenwert Peking der Ölversorgung einräumt und dass es gezwungen ist, einen hohen Preis zu zahlen, um in annähernd ernsthafte Konkurrenz zu den etablierten westlichen Konzernen zu treten. Auf lange Sicht besteht deshalb die Gefahr, dass die Preise für Förderlizenzen insgesamt stark steigen werden. Außerdem wird deutlich, wie eng die Verflechtungen zwischen rohstoffbezogenen Interessen und den Investitionen in anderen Sektoren sind, kurz gesagt, wie stark die politische Unterstützung für die chinesischen Unternehmen ist. Das ist ein als überaus wichtig zu bewertender Faktor im Konkurrenzkampf mit anderen Konzernen, denen diese umfangreichen Möglichkeiten in der Regel fehlen.
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4.1.2.3. Chinesische Unternehmen im afrikanischen Textilsektor
Als Musterbeispiel für die negativen Folgen chinesischer Unternehmungen in Afrika wird häufig die Textilindustrie genannt. Die chinesischen Firmen sind in diesem Sektor so preisgünstig, dass sie die afrikanische Konkurrenz vom Markt verdrängen. Es bleibt aber nicht bei dem bloßen Export von Textilien und Stoffen nach Afrika. Im Gegenteil streb(t)en chinesische Unternehmen danach, einheimische Fabriken zu übernehmen oder eigene Fabriken aufzubauen, um selbst zu produzieren. Verantwortlich dafür sind wiederum globale Zusammenhänge.
Von 1974 bis zum 1. Januar 2005 unterlagen chinesische Firmen Restriktionen im Zugang zum amerikanischen und europäischen Markt, die durch das ‚Agreement on Textiles and Clothing’ (ATC, auch bekannt als das ‚Multi-fibre Agreement’) bedingt waren. Das ATC erlaubte es den Industrieländern, Quoten für den Import von Textilien und Kleidung aus Entwicklungsländern festzulegen. Um diese Restriktionen zu umgehen und gleichzeitig vom US-amerikanischen ‚African Growth and Opportunity Act’ (AGOA, seit 2000 in Kraft) zu profitieren, verlagerten die chinesischen Unternehmen ihre Produktion nach Afrika, vornehmlich nach Süd- und Ostafrika, und lösten dort einen Wachstumsboom aus. AGOA gab afrikanischen Ländern nahezu uneingeschränkte
Zugangsmöglichkeiten zum US-amerikanischen Markt. Textilien spielten dabei eine schnell wachsende Rolle. Wichtige Produzenten waren unter anderem Südafrika, Swasiland, Ghana, Uganda und Kenia. (Tull 2005: 23; Lyman 2005; Scheen 2006)
Mit dem Auslaufen des ATC (2005) und des AGOA (2007) wendete sich das Blatt dann gegen Afrika (Asche, Schmutzer 2007: 63). Ohne die reglementierenden Einfuhrquoten stiegen die chinesischen Exporte nach Amerika und Europa nachfragebedingt stark an, ohne dass die afrikanischen Unternehmen preislich mithalten konnten. Hinzu kam, dass die chinesisch gelenkten Betriebe aus Afrika in die Heimat abwanderten, wo sie günstiger produzieren konnten (Tull 2005: 23). Die Folge davon waren Arbeitsplatzverluste unter anderem in Südafrika, Sambia, Simbabwe, Namibia und Kenia (Tull 2005: 23). In Sambia mussten zwei Drittel der einheimischen Textilindustrie Konkurs anmelden (Neuhäuser 2007:76). In Südafrika, wo das Exportvolumen von Kleidung in die USA von 26 Millionen US-Dollar im ersten Quartal des Jahres 2004 auf 12
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Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2005 zurückging, haben seit 1996 75.000 Arbeiter ihren Job verloren (Lyman 2005; Kappel 2008: 3). Hinzu kommt, dass sich zwischen 1996 und 2002 der Anteil der aus China nach Südafrika importierten T-Shirts von 40 auf 80 Prozent verdoppelt hatte. (Kappel 2008: 3). Die chinesischen Unternehmen haben also nicht nur den Textilexport Afrikas nach Amerika und Europa zerstört und damit einen Konkurrenten im internationalen Geschäft ausgeschaltet, sondern beherrschen nun auch die einheimischen afrikanischen Märkte. „Insbesondere in der Textilbranche kaufen Chinesen preisgünstig jene afrikanischen Betriebe auf, die sie vorher durch ihre aggressive Preispolitik vom Markt vertrieben haben.“ (Scheen 2006) „Unter globalisierten Bedingungen sind chinesische Firmen in erster Linie unmittelbare wirtschaftliche Konkurrenten der afrikanischen Unternehmen.“ (Tull 2005: 24) Doch es regt sich, vornehmlich in Südafrika, Widerstand. Die südafrikanische Handelsvereinigung COSATU verlangt, dass mindestens 75 Prozent der angebotenen Waren aus einheimischer Produktion kommen sollten. Unterstützt wird sie dabei grundsätzlich von Industriellen, Arbeitern, Kirchenführern und der Opposition (Lyman 2005). Mittlerweile haben diese Forderungen Wirkung gezeigt - China hat sich im Handel mit Südafrika freiwillige Beschränkungen auferlegt (Dahle Huse, Muyakwa 2008: 27).
Um China solche Zugeständnisse abzutrotzen, bedarf es aber der Standfestigkeit der Staatsführung und der Berücksichtigung der Interessen der Zivilgesellschaft, die meiner Ansicht nach am besten in einer (funktionierenden) Demokratie artikuliert werden können. Diese Voraussetzungen sind in Südafrika gegeben, in den meisten anderen Ländern Süd- und Ostafrikas aber nicht. Dort genügt es China, auf die Interessen der Eliten Rücksicht zu nehmen.
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4.2. Politische Beziehungen
Zu der politischen Kooperation zähle ich den Bereich der Entwicklungshilfe und die Kooperation in internationalen Organisationen. Als Beispielfälle werde ich die UN und das FOCAC behandeln. Da allerdings die Betrachtung jeder dieser Organisationen für sich genommen schon ganze Bücher füllen könnte, kann dies an dieser Stelle nur sehr eingeschränkt geschehen. Ebenso werde ich die bilateralen politischen Verflechtungen außen vor lassen. Ich habe die UN und das FOCAC deshalb ausgewählt, da beide Organisationen allen afrikanischen Ländern offen stehen. Während China aber in den UN globalen Herausforderungen gegenübersteht, sollte das FOCAC seine Politik gegenüber Afrika stärker zur Geltung bringen.
4.2.1. Chinesische Entwicklungshilfe für Afrika
4.2.1.1. Organisationsstruktur der chinesischen Entwicklungshilfe
Der Bereich der Entwicklungshilfe hat sich in China nicht verselbständigt, sondern wird von den Handels-, Finanz-, Außen-, Verteidigungs-, Wissenschafts-und Technologieministerien, sowie den chinesischen Botschaften, Unternehmen im Besitz einzelner Provinzen und dem Staatsrat bearbeitet. Deshalb ist die Entwicklungshilfe Chinas kaum von anderen Instrumenten der Außenpolitik, wie Direktinvestitionen, handelsbezogenen Krediten, projektbasierter Finanzierung und anderen Ressourcentransfers zu trennen. (Pehnelt 2007: 2) Innerhalb der oben genannten Gruppe sind das (Außen-)Handelsministerium (Mofcom), das das ‚Department of Foreign Aid’ und das ‚Tendering Board of Foreign Assistance Projets’ beherbergt, und das Außenministerium (MFA) für die operationale Ebene zuständig. Das Mofcom koordiniert die regionale und länderspezifische Entwicklungszusammenarbeit 7 , während das MFA den Budgetplan festlegt (Hofmann 2006: 5). Bei der Verhandlungsführung, der Definition des Umfangs und der Implementierung geleisteter Hilfen übernehmen allerdings meist die Botschaften in den Ländern die Hauptrolle, da sie mit den Gegebenheiten vor Ort besser vertraut sind (Pehnelt 2007: 2). Wichtige Voraussetzung für ihre herausragende Stellung ist die zu 95 Prozent bilateral
7 Das Handelsministerium ist unter anderem auch für die eingehende Entwicklungshilfe zuständig.
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geleistete Hilfe (Hofmann 2006: 5). In jüngster Zeit gibt es aber Anzeichen für ein verstärktes Engagement Chinas in multilateralen Organisationen, beispielsweise in den Entwicklungsagenturen der UN, in regionalen Entwicklungsbanken oder auch im ‚Development Assistance Committee’ der OECD (Fues, Grimm, Laufer 2006: 3). Daran haben besonders die traditionellen Geber ein Interesse, um Drucksituationen für Empfängerländer aufbauen zu können, die durch Chinas bisherige Existenz als „an alternative outside most of the development frameworks“ (Dahle Huse, Muyakwa 2008: 8) verhindert wurden. Die finanzielle Abwicklung der Entwicklungshilfe übernimmt meist die Export-Import-Bank of China (Dahle Huse, Muyakwa 2008: 11).
4.2.1.2. Afrikabezogene Entwicklungshilfe
4.2.1.2.a. Überblick
„Zwar engagiert sich China auch regional in Ostasien und in Lateinamerika, der afrikanische Kontinent steht aber zurzeit im Mittelpunkt der wirtschafts- und entwicklungspolitischen Agenda der Süd-Süd Kooperation Chinas.“ (Hofmann 2006: 5)
Die chinesische Entwicklungshilfe für Afrika, die im Vergleich zu den traditionellen Gebern immer noch sehr gering ausfällt (Pehnelt 2007: 13), konzentriert sich heute hauptsächlich auf die vier Felder Infrastruktur, Gesundheits- und Bildungswesen und Agrarwirtschaft (Asche, Schmutzer 2007: 64). Sie wird ausschließlich projektbasiert vergeben, Haushaltshilfen gibt es keine (Dahle Huse, Muyakwa 2008: 12, 15). Die einzige Bedingung, die China im Gegenzug für seine Hilfe stellt, ist die Nichtanerkennung Taiwans (Grill 2006). Das zu erfüllen fällt den meisten afrikanischen Ländern nicht schwer.
Die Investitionen in die physische afrikanische Infrastruktur machen den Löwenanteil der chinesischen Entwicklungshilfe aus und sind auch dringend notwendig. Da dieses Feld vom Westen lange Zeit vernachlässigt wurde, entstand laut Weltbank eine Investitionslücke von 22 Milliarden US-Dollar (Zapf 2007). Peking beabsichtigt, so den Handel anzukurbeln. Es konzentriert sich auf ressourcenreiche Länder, von denen sich die Regierung einen Nutzen (Rohstofflieferungen) verspricht (Dahle Huse, Muyakwa 2008: 10). Bedingung für die Unterstützung von Infrastrukturprojekten und anderen Bauvorhaben ist,
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dass 70 Prozent der Aufträge an chinesische Firmen vergeben werden (Kappel, Schneidenbach 2006: 4). Diese Praxis ist für die afrikanischen Länder zwar aufgrund der kostengünstigen Arbeitsweise chinesischer Unternehmen auf den ersten Blick sehr günstig, schadet letztendlich aber der heimischen Wirtschaft, der die Aufträge entzogen werden und die nicht vom Technologietransfer profitieren kann. Im Endeffekt versucht China so nichts weiter, als seine Versorgung mit afrikanischen Rohstoffen sicherzustellen und gleichzeitig Absatzmärkte besser zu erschließen. Von einer Partnerschaft auf Augenhöhe kann an dieser Stelle keine Rede sein.
Im Gesundheitswesen ist Peking durch die Entsendung von Ärzten (seit Aufnahme der Beziehungen über 15.000 in über 47 Ländern und den Militäreinheiten der UN-Friedenstruppen), den Bau und die Ausstattung von Krankenhäusern, sowie durch den Personal- und Informationsaustausch zwischen chinesischen Provinzen und Afrika tätig (Asche, Schmutzer 2007: 64). Außerdem hat China auf dem FOCAC 2006 30 Millionen Euro für den Kampf gegen Malaria bereitgestellt (Deutsche Welle 2006).
Im Bildungswesen betätigt China sich durch den Bau von Schulen, die Entsendung von Lehrkräften, die Vergabe von Stipendien (insgesamt 18.000 für Studenten aus 50 afrikanischen Ländern), 23 Partnerschaftsabkommen afrikanischer Universitäten mit chinesischen Bildungseinrichtungen und die Einrichtung des ‚African Human Resources Development Fund’, mittels dessen bereits über 16.000 afrikanische Fachkräfte ausgebildet wurden. (King 2007: 342; Asche, Schmutzer 2007: 64; Hofmann 2006: 6; Fues, Grimm, Laufer 2006: 3) Der Agrarsektor ist das ‚Prunkstück’ der chinesischen Entwicklungsarbeit. Große Erfolge konnten hier vor allem bei den Bewässerungstechniken und im Reisanbau vorgewiesen werden (Asche, Schmutzer 2007: 64). Auf dem FOCAC 2006 kündigte Präsident Hu Jintao an, sowohl zehn Zentren für landwirtschaftliche Technologie in Afrika zu errichten, als auch weitere Agrarexperten zu entsenden (Deutsche Welle 2006).
Neben diesen vier Feldern betätigt sich China auch auf dem finanziellen Sektor. Es hat den 31 ärmsten afrikanischen Ländern ihre Schulden im Wert von 1,3 Milliarden US-Dollar erlassen und weitere solcher Maßnahmen in Aussicht gestellt (Asche, Schmutzer 2007: 65). Zusätzlich hat Peking die Zahl der
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zollfreien Güter aus armen afrikanischen Ländern von 190 auf 440 erhöht und für die Phase 2006-2009 drei Milliarden US-Dollar für zinsgünstige Kredite sowie zwei Milliarden US-Dollar für Exportkredite zur Verfügung gestellt. Außerdem unterstützt die Regierung Investitionen chinesischer Unternehmen in Afrika mit einem fünf Milliarden US-Dollar - Fonds (Deutsche Welle 2006). Auch diese (nur fragmentarisch dargestellten) Maßnahmen sind, ebenso wie die Investitionen in die Infrastruktur, dazu geeignet, wirtschaftliche Interessen Chinas zu bedienen. Die oft mittels Ressourcenlieferungen gedeckten Kredite kommen schließlich chinesischen Unternehmen zugute, die die finanzierten Projekte zu einem Großteil umsetzen. Die Exportkredite dienen wiederum der Sicherung der Rohstofflieferungen, ähnlich wie die Zollfreiheit die Versorgung Chinas mit nicht selbst herstellbaren Gütern sicherstellt. Der Schuldenerlass klingt gut, tut China, das über Devisenreserven von über einer Billion US-Dollar verfügt (Hofmann 2006: 3), aber kaum weh. So schafft man sich Freunde und (künftige) Handelspartner.
Generell wird China von den afrikanischen Regierungen als Alternative zum „hegemonic development regime“ (Dahle Huse, Muyakwa 2008: 13) des IWF und der Weltbank willkommen geheißen. Im Gegensatz zu den durch festgelegte Standards, Regeln und institutionalisierte Prozeduren langwierigen
Implementierungsprozeduren bei westlichen Projekten bietet China schnelle, unkomplizierte Hilfe an (Dahle Huse, Muyakwa 2008: 13).
4.2.1.2.b. Kritik
Die Kritik an der chinesischen Entwicklungshilfe lässt sich in Kritik aus China selbst und in Kritik von außen unterteilen.
Die inländischen Kritikpunkte (die auch ausländische Kritiker teilen) beziehen sich darauf, dass China selbst noch Empfänger von Entwicklungshilfe ist, dass es trotz seiner rund 100 Millionen unter der absoluten Armutsgrenze lebenden Bürger im Ausland investiert, und dass der Gesamtumfang der Hilfen nicht veröffentlicht wird (Dahle Huse, Muyakwa 2008: 12). China nimmt weder an den Development Assistance Committee (DAC) Statistiken teil, noch hat es bisher offiziell definiert, was es eigentlich zu seiner Entwicklungshilfe zählt (Pehnelt 2007: 3). Daher ist auch die auf dem FOCAC 2006 verkündete Absicht, die Entwicklungshilfe bis 2009 zu verdoppeln, nicht objektiv bewertbar. Mögliche
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Erklärungen für die Nichtveröffentlichung der Zahlen sind zum einen, dass China wegen der Zersplitterung der Hilfseinrichtungen die Zahlen selbst nicht kennt, zum anderen, dass China sich so nicht bei den eigenen Bürgern für die Höhe der Hilfen rechtfertigen muss (Pehnelt 2007: 2,3) oder auch, dass die Empfängerländer den Umfang der Hilfe nicht untereinander vergleichen können (Dahle Huse, Muyakwa 2008: 12).
Ausländische (westliche) Kritiker werfen China zudem vor, durch seine an keine Bedingungen geknüpfte Kreditvergabe 8 die (westlichen) Bemühungen um Good Governance, Demokratie, Strukturanpassungsreformen, Armutsbekämpfung, Schuldenrückzahlung, Verlässlichkeit, Korruptionsbekämpfung, Umweltschutz und Transparenz zu untergraben (Kappel, Schneidenbach 2006: 4). Beispielsweise lehnte Angola 2004 einen an Bedingungen geknüpften zwei Milliarden US-Dollar Kredit des IWF ab, da China als Ersatz einsprang (Campos, Vines 2008: 3). Angola ist heute wie erwähnt der größte Erdöllieferant Chinas. Das Beispiel veranschaulicht auch den nächsten Kritikpunkt, dass China die Entwicklungshilfe als ‚Bestechung’ einsetze, um Geschäftsabschlüsse zu erwirken. Außerdem nehme China bei der Wahl seiner Partner generell keine Rücksicht auf die Regierungsführung (siehe Grafik 11). Ob dieser Kritikpunkt an einem Land mit einer Einparteienherrschaft gerechtfertigt ist, ist allerdings fraglich. Weitere Kritikpunkte sind die 70 Prozent - Klausel bezüglich der Einbeziehung chinesischer Unternehmen bei der Vergabe von finanzieller Unterstützung und der fehlende Technologietransfer. Hintergrund der auch aus Afrika zu hörenden Kritik ist die Auffassung, dass China nicht das Wohl der afrikanischen Staaten zum Ziel hat, sondern mit allen Mitteln eigene (Wirtschafts-)Interessen verfolgt. Berücksichtigt man, dass besonders ressourcenreiche Staaten wie Angola, Nigeria, Mosambik, Simbabwe und Sudan 80 Prozent der Kredite erhielten (Asche, Schmutzer 2007: 65), scheint diese Kritik gerechtfertigt. Auch wenn China offiziell von „Win-Win Situationen“ „Gleichbehandlung“ und „Süd-Süd Kooperation“ spricht (Guijin 2008: 5; White Paper 2006: 376 f.). Diese in der Realität herzustellen, muss aber Aufgabe der Afrikaner sein.
8 Außer der Nichtanerkennung Taiwans
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Grafik 11 - Haupthandelspartner Chinas und deren Regierungsführung
Quelle: Pehnelt 2007: 12
4.2.2. Internationale Organisationen
Ich werde mich in diesem Teil auf eine grobe Darstellung der Kooperation Afrikas und Pekings in den UN und in der neu geschaffenen Institution des FOCAC beschränken. Andere afrikabezogene Organisationen wie NEPAD oder die AU bleiben aufgrund der untergeordneten Rolle Chinas in ihnen außen vor, genauso wie die westlich beherrschten Bretton-Woods Institutionen. Allerdings sei bemerkt, dass China NEPAD und AU offiziell anerkennt und somit indirekt die von ihnen betriebene good governance -Agenda und
Demokratisierungsbemühungen unterstützt - ein möglicher Ansatzpunkt für den Westen (Melber 2007: 7).
4.2.2.1. Die Vereinten Nationen
China und die meisten afrikanischen Länder arbeiten seit der Aufnahme Chinas in die UN (und dem Ausschluss Taiwans) im Jahr 1971 zusammen. Verbindungen zwischen ihnen bestehen aufgrund gemeinsamer Interessen gegenüber den Industrieländern, wie beispielsweise der vollständigen Öffnung von deren Märkten oder der Erhöhung der offiziellen Hilfen, beziehungsweise der Minderung der Schuldenlast (Deutsche Welle 2006). Offizieller Tenor aus Peking ist, dass „die Solidarität mit den Entwicklungsländern immer höchste Priorität haben wird“ (Jiaxuan 2001: 87).
China propagiert als Schwerpunkt seiner Agenda zur Schaffung einer multipolaren Welt unter anderem die Stärkung der Rolle der Vereinten Nationen und den Schutz der Autorität des UN-Sicherheitsrats (Jiaxuan 2001: 85). Damit
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gehen viele afrikanische Länder konform, vor allem da sie in China eine Vetomacht als Verbündeten im Sicherheitsrat sitzen haben (Beispiel Sudan). Als Gegenleistung für afrikanische Stimmen in multilateralen Organisationen wie der UN-Kommission für Menschenrechte oder der WTO 9 und für die Akzeptanz des Ein-China-Prinzips, unterstützt die Volksrepublik auch afrikanische Interessen in Bezug auf die Reform des Sicherheitsrates (Pehnelt 2007: 9). Natürlich weiß Peking dabei auch, dass eine Änderung des Status Quo wegen der vielen gegensätzlichen Interessen äußerst unwahrscheinlich ist, es also seine eigene Position voraussichtlich nicht schwächen wird.
China nimmt auch an UN-Friedensmissionen in Afrika teil. Zur Zeit sind rund 850 Soldaten der Volksbefreiungsarmee an acht Missionen beteiligt (Wenping 2006).
4.2.2.2. Das Forum on China-Africa Cooperation
Das FOCAC findet im regelmäßigen Abstand von drei Jahren statt. Veranstaltungsort ist wechselweise Peking oder eine afrikanische Hauptstadt. Bisherige Austragungsorte waren Peking (2000), Addis Abeba (2003) und wieder Peking (2006). Das nächste FOCAC soll in Ägypten stattfinden. Insgesamt erfreut sich das Treffen steigender Beliebtheit, wie die Anwesenheit von 41 Staatsoberhäuptern auf dem FOCAC 2006 zeigt (King 2007: 338). Das Forum dient Peking als Instrument zur Vertiefung der Geschäftsbeziehungen, zur eigenen Darstellung als Wohltäter, zur Überzeugung der afrikanischen Staaten von der eigenen Position in internationalen Angelegenheiten und zur Demonstration seiner Macht und Unabhängigkeit gegenüber dem Westen. Am Rande des FOCAC 2006 beispielsweise schlossen chinesische Unternehmen Kontrakte mit zehn afrikanischen Staaten im Wert von 1,9 Milliarden US-Dollar (Deutsche Welle 2006). Gleichzeitig nutzte Peking die Gelegenheit, um diverse wohltätige Ankündigungen zu verbreiten (2000: Schuldenerlass, 2003: Gründung des ‚Africa Human Resources Development Fund’) (Gu 2006a: 70 f.). Vertreter von Industrieländern, beispielsweise aus der EU, waren zu dem Treffen nicht einmal als Beobachter zugelassen (Schaeffer 2006).
9 WTO: Anerkennung Chinas als Marktwirtschaft.
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Afrikanische Vertreter werden vor allem durch die Aussicht auf neue Geschäftsabschlüsse und Wohltätigkeiten Chinas angezogen, daneben aber auch durch die Behandlung auf Augenhöhe durch China.
Insgesamt scheint es, dass Peking vor allem davon profitiert, dass die afrikanischen Länder mangels Organisation keinen wirklichen Druck auf China ausüben können. Gerade ihre Stimmen in den Internationalen Organisationen könnten sie besser vermarkten (Alden 2005). China ist auf sie angewiesen, wenn es einen Gegenpol zur westlichen Welt schaffen möchte.
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4.3. Kulturelle Beziehungen
Kulturfluss findet, wie die Wanderungsbewegungen der Arbeiter, eigentlich nur in eine Richtung statt - von China nach Afrika. Die Chinesen haben sechs Konfuziusinstitute in Afrika erbaut, fördern das Erlernen der chinesischen Sprache 10 , haben in Nairobi einen Radiosender eröffnet und mit Kenia ein Tourismusabkommen geschlossen (das allerdings kaum die erhoffte Steigerung der Touristenzahlen mit sich brachte) (Gu 2006a: 75; King 2007: 342; Pehnelt 2007: 7, Hofmann, Kretz Roll, Sperling 2006: 8).
Insgesamt lässt sich feststellen, dass die kulturelle Kooperation nur eine sehr untergeordnete Rolle im sino-afrikanischen Verhältnis einnimmt. Wenn überhaupt Kulturtransfer stattfindet, dann durch die Einwanderung chinesischer Arbeiter nach Afrika. Diese suchen allerdings kaum den Kontakt zur einheimischen Bevölkerung sondern leben in Parallelgesellschaften (Asche, Schmutzer 2007: 64). Die kulturellen Beziehungen sind somit nur ein Nebeneffekt vor allem der ökonomischen Zusammenarbeit.
10 2005 lernten 8.000 afrikanische Studenten Chinesisch (King 2007: 342).
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5. Schlussfolgerungen aus den sino-afrikanischen Beziehungen der Gegenwart
In Bezug auf die Ausgangsfrage, ob die VR China und die afrikanischen Länder eine strategische Partnerschaft pflegen, oder ob Afrika durch China ‚ausgebeutet’ wird, lässt sich für den ökonomischen Bereich eher letzteres konstatieren. Chinesische Unternehmen fassen, wenn auch in noch geringem Umfang, Fuß auf dem afrikanischen Kontinent, ohne dass dieser (abgesehen von den Steuereinnahmen) einen langfristigen Nutzen davon hätte. Es findet kaum Technologietransfer statt und die entstehenden Arbeitsplätze besetzen die Chinesen mit ihren Landsleuten. Darüber hinaus zerstört die chinesische Konkurrenz einheimische Branchen (Handelsnetzwerke, Textilindustrie). Abgesehen von Südafrika mangelt es den Staaten (besser: den Eliten) Afrikas, die mit der Volksrepublik geschäftliche Beziehungen pflegen, am Interesse, Forderungen zum Wohle ihrer Länder zu stellen. Beispielsweise im Bereich Umweltschutz oder Menschen- und Arbeitnehmerrechte. Dies hat mit dem mangelhaften Demokratisierungs- und dem ausgeprägten Korruptionsgrad vieler Länder zu tun. Viele Gelder, stammen sie nun aus der Entwicklungshilfe oder den Exporteinnahmen, gehen ‚verloren’ statt dass sie der Bevölkerung oder der Stärkung und Diversifizierung der Wirtschaft zugute kommen. So wird auch der Nutzen der Mehreinnahmen durch die nachfragebedingt gestiegenen Rohstoffpreise untergraben.
Es lässt sich eine Zweiteilung im Verhältnis Pekings zur afrikanischen Bevölkerung feststellen. Während im Verhältnis zu den afrikanischen Eliten durchaus von einer strategischen Partnerschaft gesprochen werden kann, gilt das Gegenteil für das Verhältnis zum ‚einfachen’ afrikanischen Volk, in dem der Unmut zunehmend anwächst (Asche, Schmutzer 2007: 66). Auch die Entwicklungshilfe wird von Peking zur Befriedigung eigener Interessen eingesetzt. Nach dem eigenen Vorbild sieht China Wirtschaftswachstum als die Lösung aller Probleme an (Beispiel Sudan) - ohne Rücksicht auf langfristige Folgen (z.B. Umweltschäden). Anders als im eigenen Land legt China aber keinen Wert auf die Diversifizierung der Wirtschaft, sondern fokussiert sich auf Rohstoffproduktion und -transport. Investitionen und gewährte Kredite fließen hauptsächlich in die Infrastruktur, die wiederum für die Exporte der Rohstoffe
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nach China unabdinglich ist. Die Projekte werden dann möglichst auch noch von chinesischen Unternehmen ausgeführt.
Bezüglich der Kooperation in internationalen Organisationen lässt sich eine gewisse strategische Partnerschaft feststellen. Im Gegenzug für die Unterstützung der afrikanischen Staaten in eigenen Angelegenheiten wie der Anerkennung als Marktwirtschaft in der WTO, vertritt Peking auch deren Interessen, beispielsweise in den UN. Gemeinsam stellen beide Parteien Forderungen in Richtung Westen, wobei China allerdings die Führungsrolle übernimmt. Die afrikanischen Staaten sind untereinander zu unorganisiert, als dass sie Peking für ihre Unterstützung mehr abverlangen könnten. Sie wären, vielleicht mit Ausnahme Südafrikas, nur in der Gruppe stark.
Insgesamt ergibt sich aus den betrachteten Bereichen Handel, chinesische Unternehmen in Afrika, Entwicklungshilfe, Kooperation in internationalen Organisationen und Kulturtransfer ein klar zu Gunsten Chinas sprechendes Gesamtbild. China ist das Land mit Bedürfnissen und versucht diese so günstig wie möglich in Afrika zu befriedigen. Da, wo es bilateral tätig werden kann, wird es diesen Weg einschlagen und sein politisches und wirtschaftliches Gewicht in die Verhandlungen einbringen. In multilateralen Organisationen ist es dagegen auf die Stimmen der afrikanischen Staaten angewiesen, die daraus allerdings zu wenig Kapital schlagen.
Es kann somit nur die Schlussfolgerung gezogen werden, dass eine strategische Partnerschaft nicht vorliegt. Von Neokolonialismus zu sprechen, wäre aber auch verkehrt. Schließlich handelt es sich bei den afrikanischen Staaten um souveräne Akteure, die ihr Schicksal selbst bestimmen können. Die Aushandlung besserer Konditionen liegt dabei aber leider allzu oft in der Hand korrupter Eliten, die vor allem auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind.
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6. Neorealistische Einordnung der Erkenntnisse
Nachdem ich mich im vorangegangenen Teil darauf beschränkt habe, das Verhältnis zwischen China und den afrikanischen Staaten rein deskriptiv zu betrachten, werde ich die gewonnenen Erkenntnisse nun mit Hilfe des Neorealismus theoretisch einordnen. Dazu werde ich Schritt für Schritt die zentralen Aussagen der Theorie den gewonnen Erkenntnissen gegenüberstellen. Dabei werde ich vor allem die chinesische Perspektive näher betrachten, da China die treibende Kraft im sino-afrikanischen Verhältnis darstellt.
Zunächst ist festzustellen, dass es ‚den’ Neorealismus nicht gibt, sondern das eine Vielzahl von Modifikationen der Theorie vorliegen. Ich werde mich, so weit dies möglich ist, auf die ihnen zugrunde liegenden zentralen Aussagen konzentrieren.
Eine Grundvoraussetzung des Neorealismus ist die Rationalitätsannahme (Baumann, Rittberger, Wagner 1999: 248). Das heißt, dass die Staaten Kosten und Nutzen ihrer Entscheidungen gegeneinander abwägen. “Actors become ›sensitive to costs‹ [...], which for convenience can be called an assumption of rationality.” (Waltz 1986: 331) Diese Annahme spiegelt sich in Bezug auf das chinesische Vorgehen bei der Rohstoffsicherung in Afrika wieder. China misst den Rohstoffen eine hohe Bedeutung bei und ist deshalb auch bereit, hohe Preise zu zahlen (Nigeria), beziehungsweise die Verärgerung des Westens in Kauf zu nehmen (Sudan).
Nach Waltz, dem Verfasser der „für den Neorealismus repräsentativsten Theorie“ (Baumann, Rittberger, Wagner 1999: 247), wird die Struktur des internationalen Systems 11 in (a) das Ordnungsprinzip des Systems, (b) die Spezifikation der Funktion der Einheiten und (c) die Verteilung der Fähigkeiten unter den Einheiten unterteilt (Meier-Walser 2004: 9-11). Das Ordnungsprinzip des Systems ist demnach, im Gegensatz zum geschlossenen hierarchisch - pyramidalen Aufbau
11 Waltz betrachtet als abhängige Variable nicht das Verhalten einzelner Staaten, sondern die Eigenschaften verschiedener internationaler Systeme wie deren Stabilität oder Kriegsanfälligkeit. Seine Theorie ist also eine Theorie der internationalen Politik und keine Außenpolitiktheorie. (Baumann, Rittberger, Wagner 2004: 247)
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eines Staates, durch Anarchie 12 und Selbsthilfe gekennzeichnet. In dem System selbst agieren ausschließlich Staaten als Akteure, die untereinander als „like units“ den Status totaler Gleichheit inne haben und nach möglichst großer Autonomie streben. Die Verteilung ihrer Fähigkeiten richtet sich nach ihrem Ressourcenpotential. Was zu diesem Potential gerechnet wird und was nicht, ist unterschiedlich und einer der Ansatzpunkte der Kritiker 13 (Baumann, Rittberger, Wagner 1999: 255). Berücksichtigung findet in jedem Fall die wirtschaftliche und militärische Stärke eines Staates. Deren Berechnung allerdings ist wiederum umstritten. Häufige Indikatoren sind das Bruttosozialprodukt und das Exportvolumen für die wirtschaftliche Stärke, Militärausgaben, Truppenstärke und der Besitz atomarer Waffen für die militärische Macht (Baumann, Rittberger, Wagner 1999: 256).
Die Annahme der Anarchie und des Selbsthilfeprinzips im internationalen System, sowie das Autonomiestreben der Staaten wird durch das chinesische Agieren in Bezug auf Afrika bestätigt. Ein über den beiden Parteien stehender ‚Leviathan’ ist nicht vorhanden und die Volksrepublik ist zur Verbesserung ihrer Machtposition auf sich selbst angewiesen. Das zeigen die Versuche Chinas, seine Unabhängigkeit zu stärken, indem es eine Diversifizierung seiner Rohstofflieferanten vornimmt (Beispiel Erdöl). Dabei trifft es allerdings auf die Konkurrenz beispielsweise US-Amerikanischer Unternehmen. Damit habe ich einen Schwachpunkt der Theorie angesprochen. Ihre ausschließliche Fokussierung auf Staaten als Akteure im internationalen System greift zu kurz. Im Fall China kann diese Einschränkung akzeptiert werden, da der chinesische Staat zumeist auch die Geschicke chinesischer Multinationals lenkt. Den vom Staat unabhängigen westlichen Unternehmen allerdings würden, ebenso wie den Rebellenbewegungen Afrikas, ihre unbestreitbar vorhandenen Einflussmöglichkeiten auf das internationale System und das Handeln der Staaten abgesprochen werden.
12 Anarchie ist nach Waltz die Abwesenheit von Regierung (Waltz 1979: 103 f.).
13 Morgenthau beispielsweise zählt Geographie, natürliche Ressourcen, industrielle Kapazität, militärische Bereitschaft, Bevölkerung, Nationalcharakter, (Arbeits- und Kampfes-) Moral der Nation und Qualität der Diplomatie dazu, Waltz nennt dagegen Bevölkerung, Territorium, Ressourcenausstattung, Wirtschaftskraft, militärische Stärke, politische Stabilität und Kompetenz als Inhalte. „Explikationen und Operationalisierungen dieser Begriffe oder gar ihre Zusammenführung in einem kohärenten und konsistenten Konstrukt liefern weder er noch andere Neorealisten.“ (Baumann, Rittberger, Wagner 1999: 255)
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Das China versucht, durch die Vertiefung der Kooperation mit afrikanischen Staaten auf den in Teil I betrachteten Feldern seine Machtposition zu verbessern, ist unbestritten. Würde ich allerdings nur die dadurch bedingte Steigerung des Bruttosozialproduktes oder des Exportvolumens als Indikator hinzuziehen, wäre die Verbesserung wegen des geringen Anteils am gesamten Außenhandel wohl nur marginal. Wichtig ist dagegen vor allem der strategische Stellenwert der aus Afrika importierten Rohstoffe. Diese sind als zentral für wirtschaftliche und militärische Überlegungen einzuordnen.
Da die sino-afrikanischen Beziehungen, wie in Teil I aufgezeigt, vornehmlich ökonomischer Natur sind, werde ich auf die dadurch kaum veränderte militärische Macht Chinas nicht weiter eingehen. Angemerkt sei nur, dass China generell auch in diesem Bereich seine Machtposition durch Aufrüstung zu verbessern sucht. Und da „für die Neorealisten ökonomische Macht leicht in militärische Macht konvertierbar ist“ (Rohde 2004: 316), decke ich den militärischen Teil implizit durch die Betrachtung der ökonomischen Macht mit ab.
Das Verhalten der Staaten wird laut dem Neorealismus neben ihrer Machtposition auch von der Polarität des internationalen Systems bestimmt (Rittberger 2004: 4). Dabei wird zwischen einem bipolarem System mit zwei Großmächten und einem multipolarem System mit mehr als zwei Großmächten unterschieden. Ab wann ein Staat allerdings zur Großmacht wird, bleibt ungeklärt. (Baumann, Rittberger, Wagner 1999: 256) Ebenso stellte das Ende des Kalten Krieges mit den USA als einzig verbliebener Weltmacht eine Herausforderung für die Neorealisten dar, auf die ich an dieser Stelle aber themenbedingt nicht weiter eingehen werde. Peking verfolgt offen das Ziel einer multipolaren Welt. Dabei strebt es selbst danach, einer der Hauptpole zu werden. In diesem Zusammenhang ist auch die Einrichtung des FOCAC zu sehen, das als Ausdruck des chinesischen Bestrebens, die Vorherrschaft der USA einzudämmen, aufgefasst werden kann.
Der Neorealismus geht ferner davon aus, dass Staaten aufgrund ihres Strebens nach Sicherheit Bündnisse eingehen. „If each of two parties follows his own interest, both end up worse than if each acted to achieve joint interests.” (Waltz 1979: 109) Als Folge davon wird sich immer wieder ein Gleichgewicht der Mächte einstellen (Vogt 1999: 48). Denn die Staaten fühlen sich durch stärkere
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Staaten(-bündnisse) eher bedroht und versuchen demnach, die schwächere Seite zu unterstützen und so Hegemonialstellungen einzelner Staaten zu verhindern (Meier-Walser 2004: 13).
Diesem Schema folgt auch die Volksrepublik China, indem sie versucht, einen (neuen) Gegenpol zu den USA, beziehungsweise zum Westen (Entwicklungshilfe), aufzubauen (FOCAC). Insgesamt versucht China aber eher, durch den Ausbau bilateraler Beziehungen sein größeres politisches, wirtschaftliches und militärisches Gewicht gegenüber den afrikanischen Staaten auszuspielen. Die afrikanischen Staaten dagegen geraten entweder in immer stärkere Abhängigkeit von China (Sudan) oder positionieren sich zwischen China und dem Westen und nutzen deren konkurrierende Interessen aus (Angola -Vergabe von Krediten). In internationalen Organisationen ergreifen sie aber fast durchgängig für die Positionen Chinas Partei.
7. Schlussfolgerungen aus der neorealistischen Einordnung der Erkenntnisse
Als Schlussfolgerung der obigen Betrachtung kann gesagt werden, dass China einen Musterfall für den Neorealismus darzustellen scheint. Der Staat tritt geschlossen nach außen auf und folgt von der Rationalitätsannahme bis zum Konzept des Balance of Power allen theoretischen Überlegungen. Damit scheint aber auch eine dauerhafte strategische Partnerschaft zwischen China und Afrika ausgeschlossen. Denn in dem anarchischen System traut kein Staat dem anderen und geht bei seinen Überlegungen (zumindest im strukturellen Realismus) immer vom worst-case Szenario aus. Gleichzeitig versucht jeder Staat seine Machtposition auszubauen, zum Teil auf Kosten anderer Staaten (wie es China in diesem Fall betreibt). Nach dem Neorealismus könnten die Verbindungen jederzeit wieder gelöst werden. Ob und wann das geschieht, ist eine andere Frage. Man könnte aus neorealistischer Sicht von einer strategischen Partnerschaft auf Zeit sprechen, bei der allerdings die afrikanischen Staaten die untergeordnete Rolle spielen.
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Abstract
The present study focuses on the question wether the relationship between the Peoples Republic of China and the African Continent can be characterized as a strategic one or as neocolonialism. Most important indicators for answering that question are of economic nature, like trade flows or the engagement of Chinese enterprises in Africa. Together with the reflection of the political and cultural cooperation these indicators show that Beijing tries to fullfill its needs as cheap as possible. Although it often acts like a neocolonialist power in bilateral coherences, it would be misleading to speak of pure neocolonialism, as the African elites (in contrast to the population) profit by China’s interests in African raw materials and therefore voluntarily allow Beijing to exploit their countries.
Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, ob die Beziehung zwischen der Volksrepublik China und dem afrikanischen Kontinent als strategische Allianz oder als Neokolonialismus zu kennzeichnen ist. Die wichtigsten Indikatoren zur Beantwortung dieser Frage sind ökonomischer Natur, wie die Handelsströme oder die Tätigkeit chinesischer Unternehmen in Afrika. Zusammen mit der Betrachtung der politischen und kulturellen Kooperation zeigen diese Indikatoren, dass Peking versucht, seine Bedürfnisse so billig wie möglich zu befriedigen. Obwohl es in bilateralen Zusammenhängen oft wie eine neokolonialistische Macht agiert, wäre es irreführend, von purem Neokolonialismus zu sprechen, da die afrikanischen Eliten (anders als die Bevölkerungen) von Chinas Interesse an den afrikanischen Rohstoffen profitieren und es Peking daher aus eigenen Stücken erlauben, ihre Länder auszubeuten.
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Arbeit zitieren:
Torben Hinz, 2008, China und Afrika - Strategische Partnerschaft oder Neokolonialismus?, München, GRIN Verlag GmbH
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