Rassismus und Entwicklungszusammenarbeit
Im Allgemeinen Sprachgebrauch kann Hilfe als selbstloser Akt verstanden werden, in dessen Zuge - bezogen auf die soziokulturelle Ebene - eine Person, bzw. eine Personengruppe, einer anderen Personengruppe oder eben einer Einzelperson in einem bestimmten Zusammenhang unterstützend zur Seite steht. Diese Unterstützung kann sehr mannigfaltige Züge haben. Zum Beispiel kann Person A der hilfsbedürftigen Person B insofern Hilfe leisten, als diese -aufgrund von möglichen körperlichen Einschränkungen - nicht in der Lage ist, bestimmte Dinge des Alltags selbstständig zu bewerkstelligen. Weiterhin kann Person B möglicherweise seine Grundbedürfnisse nicht selbst befriedigen, weil ihr die dazu nötigen Mittel nicht zur Verfügung stehen. In diesem Falle unterstützt sie Person A mit der Bereitstellung von finanziellen oder materiellen Gütern.
Wird die Definition von Hilfe auf die Staatenwelt angewendet, so kann festgestellt werden, dass es im internationalen System ebenso Staaten gibt, die hinsichtlich ihrer Wirtschaftskraft, ihres Bruttosozialprodukts oder des Pro-Kopf-Einkommens besser positioniert sind als andere. In der Regel betrifft es die Staaten auf der Nordhalbkugel, die sich hinsichtlich der o.g. Indikatoren den Staaten der Südhalbkugel als prävalent darstellen. Parallelen zur soziokulturellen Ebene ergeben sich hinsichtlich dessen, dass die wirtschaftlich stärkeren Staaten den schwächeren unterstützend beistehen, d.h. es werden in der Regel materielle oder immaterielle Hilfeleistungen zur Verfügung gestellt, um den Staaten der Südhalbkugel, einen gewissen Standard zu ermöglichen. Der Hauptunterschied zwischen der Hilfe, im folgenden Entwicklungshilfe oder Entwicklungszusammenarbeit genannt, auf internationaler Ebene und der gesellschaftlichen, besteht allerdings darin, dass es hier kein Akt der Selbstlosigkeit ist, sondern dass entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen Staaten ein einträgliches Geschäft darstellt. Wird die BRD als Exempel herangezogen, so lassen sich im Kern drei Motive deutscher Entwicklungspolitik feststellen. Wirtschaftliche Aspekte umfassen sowohl die Festigung als auch die Ausweitung der Außenhandelsbeziehungen. Die Schaffung, bzw. die Sicherung der Märkte von morgen stellt einen wichtigen Punkt dar. Aber auch die Sicherung von mit entwicklungspolitischen Bereichen in Abhängigkeit stehenden Arbeitsplätzen im Inland ist vordergründig. Insgesamt ist die Förderung der weltwirtschaftlichen Verflechtung das Hauptziel der wirtschaftlichen Motivationen deutscher Entwicklungspolitik. Politische Motive, im Kern, dass „Freunde in der Welt“-Prinzip, bilden den zweiten Motivationsstrang
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und sind neben ethnisch-humanitären Motiven elementar. Letztere implizieren beispielsweise den „Wiedergutmachungsgedanken“ als Folge der NS-Zeit und werden insbesondere von nicht-staatlichen Akteuren ausgeübt.
Doch Entwicklungshilfe, ganz gleich aus welchen Motiven heraus sie geübt wird, ob sie monetärer oder nicht-monetärer Natur ist, schließt immer den Transfer von zur Entwicklung beitragenden Gütern aus dem emanzipierten, fortschrittlichen Norden in den unterentwickelten Süden ein. Aram Ziai, studierter Politologe und Mitglied der Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) glaubt aufgrund dieses Phänomens innerhalb der internationalen Entwicklungszusammenarbeit einen latenten Rassismus auszumachen. Doch kann im Zusammenhang mit Entwicklungshilfe tatsächlich von Rassismus gesprochen werden und wenn ja, wie stellt er sich dar? Nach einem Wörterbuch der Soziologie ist Rassismus „ein Bündel von Auffassungen, Überzeugungen, Einstellungen und Verhaltensweisen, die durch den Glauben an eine unterschiedliche Wertigkeit der menschlichen Rasse geprägt sind.“ Es können jedoch keine menschlichen Rassen existieren, weil phänotypische Variationen, also Größe, Haut- und Haarfarbe keinesfalls mit genetischen Variationsmustern korrelieren. Demnach bilden phänotypische Unterschiede keine Grundlage zur Einteilung der Menschen in verschiedene Rassen. Allerdings, so Ziai, wird aufgrund bestimmter wahrgenommener körperlicher Unterschiede und vor allem kultureller Faktoren eine gewisse natürliche Ungleichheit konstruiert und damit eine rassische Einteilung möglich. Es kann folglich überall dort von Rassismus gesprochen werden, wo erstens Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer nach körperlichen und kulturellen Merkmalen definierten Gruppe bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden und zweitens eine ungleiche Verteilung von Ressourcen oder Rechten mit dieser Zuschreibung erklärt, bzw. legitimiert wird - so auch in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Speziell im Kolonialismus sei das Problem eines rassischen Überlegenheitsgefühls aufgekommen, so Ziai, denn fortschrittlichere Technologie und Kultur in weniger entwickelte Teile der Welt zu bringen wurde als Aufgabe und Berufung derjenigen Staaten und Rassen angesehen, die sich im Selbstverständnis als überlegen definierten - den Weißen. Der Kategorisierung folgt demnach eine Hierarchisierung. Eine kulturelle Barriere wurde demzufolge konstruiert, welche auf phänotypischen Merkmalen basiert und zwischen Schwarzen, ergo „Entwicklungsprofiteuren“, und Weißen, den „Entwicklungsgebern“ differenzierte und bis heute differenziert. Es gibt Völker die nicht im Stande sind sich selbst zu regieren und andere, die für sie die Verantwortung übernehmen. Es gibt herrschende und beherrschte Rassen, zivilisierte und weniger zivilisierte Völker, fortgeschrittene Nationen und
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Arbeit zitieren:
Christian Gräber, 2008, Rassismus und Entwicklungszusammenarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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