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Andre Schuchardt
Platon über die Liebe
Inhaltsverzeichnis
Platon über die Liebe...1
1. Einleitung...2
2. Lysis. Oder: Über Freundschaft und Liebe...3
3. Symposium. Oder: Über Eros und den Trieb zur Unsterblichkeit...7
4. Phaidros. Oder: Über Nachteile und Nutzen der Liebe sowie die Beschaffenheit der Seele...12
5. Zusammenfassung...15
6. Literatur...16
© 2008 Andre Schuchardt. kaltric.de
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1. Einleitung
Platon (428/427 - 348/347) ist als Philosoph wohl jedem bekannt. Die in seinen
Werken behandelten Themen waren weitreichend. Das Thema Liebe war zentral in
seinen Dialogen Lysis und dem Symposium sowie einer von zwei Gegenständen
des Phaidros. In diesem Artikel sollen die zentralen Punkte der drei Dialoge zum
Thema Liebe herausgearbeitet und, sofern möglich, daraus eine sie vereinende
Theorie gebildet werden, was aber nicht ganz so einfach ist, da Platon in seinen
Dialogen stets mehrere Personen sprechen lässt und einzig Sokrates als Indikator
dafür gelten mag, welche Position Platon selbst nun einnimmt.
Grundlage war die von Rowohlt 2006 gedruckte alte Übersetzung von
Schleiermacher. Angegeben werden Seitenzahlen dieser Ausgabe sowie
entsprechende Seitenzahlen der Stephanus-Paganierung. Erstere werden als 'S.'
abgekürzt angegeben, letztere als 'Nr.', der einfacheren Lesbarkeit halber.
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2. Lysis. Oder: Über Freundschaft und Liebe.
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Der Dialog ist aufgeteilt in Einleitung, Vorbereitendes Gespräch, Zwischenstück,
Hauptgespräch und Schluss.
Ort der Einleitung ist der Platz vor der neuen Palaistra, wo Sokrates auf
Hippothales, Ktesippos und deren Freunde trifft. Ktesippos ist genervt von
Hippothales, da dieser sich in den Knaben Lysis verliebt hätte und seitdem diesem
nur noch Loblieder dichten würde. Er wirft ihm vor, dass er nur das bereits
Bekannte lobt und an nichts Neues in dem Knaben denken kann. Sokrates meint
hierzu, dass, sollte Hippothales den Lysis für sich gewinnen können, so hätte er ihn
dann nur als Zierde und würde selbst erhoben werden, dass er also nur für sich
selber dichtet und ihn gar nicht liebt, sondern nur deshalb haben will. Gewinnt er
ihn dagegen nicht, würde er umso mehr verlieren, denn man würde seiner spotten.
Sokrates kommt zu dem Schluss, dass man den Geliebten nicht loben sollte,
solange man ihn noch nicht hat, da er sonst hochmütig und schwerer zu
bekommen wird.
Nachdem Sokrates sich von Hippothales überreden lässt, mit Lysis zu sprechen um
herauszubekommen was dieser fühle, gehen sie in die Palaistra. Sokrates setzt
sich mit Ktesippos, während die anderen um sie herum bleiben und Hippothales
sich dort versteckt. Menexenos, Freund von Lysis und Cousin des Ktesippos,
kommt zu diesem, Lysis folgt ihm. Sokrates spricht davon, dass man sich erzählt,
Freunde würden alles teilen. Danach wechselt er das Thema. Er stellt fest, dass
nicht das Alter zählen würde sondern die Erfahrung. Worüber man Einsicht hat,
1 Vgl. Platon: Lysis. In: Platon: Sämtliche Werke, Band 2. Hamburg: Rowohlt 2006
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, S. 13ff. / Nr. 203ff.
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darüber hat man Freiheit, dann ist man nützlich und damit liebbar. Und um an
seinen letzten Punkt des Gespräches mit Hippothales wieder anzuknüpfen sagt er
noch, dass man den Geliebten demütigen und zur Ordnung bringen müsse, nicht
aufblähen und verwöhnen.
Das folgende Hauptgespräch begeht Sokrates nur mit Menexenos und Lysis allein
in seiner typischen Manier, rhetorische Fragen zu stellen, so zu Schlüssen zu
kommen, diese wieder in Frage zu stellen und immer so fort.
Sokrates beginnt mit der Frage, wer wem ein Freund ist. Der Liebende oder der
Geliebte? Der Liebende wohl nicht, denn der Geliebte kann ihn genausogut auch
hassen und damit nicht lieben.
Doch müssen sich überhaupt beide lieben? Nein, denn man kann auch seinen
Feind lieben.
Und was liebt sich dann? Ist das Ähnliche dem Ähnlichen Freund? Das kann nicht
sein, denn Schlechtes kann dem Schlechten nicht Freund sein, eher schon das
Gute dem Guten.
Aber was kann sich gegenseitig das Ähnliche schon leisten? Sie sind zu 'ähnlich',
um sich nützlich zu sein. Und wenn das Gute selbstgenügsam ist, braucht es auch
niemanden sonst, erhält von niemandem einen Nutzen. Also ist sich Ähnliches
meist eher Feind, weil sie Konkurrenten sind. Dagegen braucht das Unähnliche
sich.
Ziehen sich denn Gegensätze an? Nein, das kann auch nicht sein, denn das Gute
und das Schlechte können nicht miteinander. Ebenso ja auch nicht Gut & Gut
sowie Schlecht & Schlecht. Was dann? Etwas drittes, nämlich das, das sowohl Gut
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als auch Schlecht ist oder auch nichts von beidem wirklich, das Neutrale. Das
Neutrale ist Gutes mit etwas Schlechtem daran. Es braucht das Gute, um das
Schlechte loszuwerden. So suchen die Philosophen die Wahrheit und Weisheit,
weil sie ihnen bisher fehlt. Das Gute dagegen hat es nicht nötig und das Schlechte
will es gar nicht.
Doch dann wirft Sokrates alles über Bord und fragt sich, ob all diese Überlegungen
nicht falsch seien. Denn wenn jemand jemandem wegen etwas Freund ist (das
Neutrale dem Gutem wegen dem Schlechtem, also sozusagen sich zwei
zusammentun wegen einem gemeinsamen Feind), ist es nicht wirklich dieser
Sache Freund, sondern bedarf ihr nur. Es ergibt sich im Leben so eine lange Kette
von Freundschaften, obwohl man nur ein einziges bestimmtes fernes Ziel erreichen
will. So ist nicht das Gold wichtig, sondern das, was man dafür kaufen kann. Und
warum will man es kaufen? - Sobald der Zweck des ersten Gliedes der Kette
verbraucht ist, verschwindet der Zweck und damit die Freundschaft.
Nun fragt sich Sokrates, ob Begehren Ursache der Freundschaft ist. Der
Begehrende begehrt das Fehlende. Und warum? Weil es zu ihm gehört, weil es ihn
vervollständigen kann.
Wo ,,einer den anderen begehrt und liebt, er würde ihn weder begehren noch lieben
noch ihm Freund sein, wenn ihm nicht der Geliebte angehörig wäre überhaupt der
Seele nach oder wegen irgendeiner Gesinnung, Art und Eigenschaft."
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So kommen wir nun zum Schluss, bei dem Sokrates alles bisher betrachtete noch
einmal betrachtet und feststellt, dass nichts davon Gegenstand der Freundschaft ist
2 Ebd., S. 35 / Nr. 222.
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