2
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 3
2 Probleme und Auswirkung der sinkenden Wasserqualität in asiatischen
Metropolen 6
2.1 Der Grenzwertkatalog der WHO zur Bewertung einer qualitativ annehmbaren
Wasserversorgung. 6
2.2 Problembereiche und Auswirkungen der sinkenden Wasserqualität. 7
3 Ursachen des Problembereichs der sinkenden Wasserqualität. 13
3.1 Die unzureichende Abwasserentsorgung in asiatischen Metropolen 13
3.2 Bevölkerungswachstum und Urbanisierung 15
3.3 Schlechtes Wassermanagement 18
3.4 Industrialisierung 19
3.5 Weitere Ursachen für die sinkende Wasserqualität 20
4 Lösungsansätze gegen die mangelnde Wasserqualität 22
4.1 Integriertes Wasserressourcen Management (IWRM) 22
4.1.1 Aufbau eines Tarifsystems (Water Pricing) 26
4.1.2 Privatisierung des Wassersektors. 28
4.1.3 River Basin Management. 30
4.2 Überblick über einsetzbare technologische und (bio-)chemische Maßnahmen. 31
5 Fallbeispiel: Kalkutta (Kolkata), Indien. 35
5.1 Hydrogeologische und demographische Struktur von Kalkutta 35
5.2 Probleme, Auswirkungen und Ursachen mangelnder Wasserqualität in
Kalkutta. 36
5.3 Maßnahmen gegen die derzeitige Wassersituation in Kalkutta. 39
6 Fazit. 42
7 Literaturverzeichnis 44
8 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis. 49
9 Anhang 50
1 Einleitung
Auf der Erde befinden sich insgesamt circa 1,4 Milliarden km³ (1) Wasser. Jedoch stehen den Menschen nur etwa 9.000 km³ (8% der Süßwasserreserven; 0,00064% der gesamten Wasserreserven) Süßwasser relativ einfach zur Verfügung (Hauser, Jürg A. 1990: 177 f.). R. Engelman nennt folgendes Bild für die globale Wassersituation: „Denkt man sich das gesamte Wasser der Erde in einer Badewanne, so würde die jährliche verfügbare sich erneuernde Menge kaum einen Teelöffel füllen“ (Engelman, Robert et al. 2000: 16).
Theoretisch würde diese für den Menschen verfügbare Süßwassermenge eine ausreichende Versorgung der gesamten Weltbevölkerung gewährleisten, da der jährliche Gesamtverbrauch an Wasser ‚nur’ circa 5000 km³ beträgt (vgl. ebd.: 15). Jedoch besteht auf der einen Seite eine ungleiche Verteilung der globalen Wasserressourcen, sodass einige Länder einen Überschuss und andere wiederum einen Mangel an einer adäquaten Wasserversorgung aufweisen (vgl. Kreutzmann, Hermann 2006: 8). Auf der anderen Seite wird die zur Verfügung stehende Wassermenge durch zunehmende Verschmutzungen und Kontaminationen unbrauchbar für die Trinkwasserversorgung gemacht. Es müssen immer mehr Menschen, circa eine Milliarde, auf Grund einer inadäquaten Trinkwasserversorgung Wasser aus verunreinigten und nicht zum Trinken geeigneten Quellen beziehen (vgl. Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen für Westeuropa (UNRIC) o.J.: 2). Dies hat enorme gesundheitliche Auswirkungen für die Menschen, wie die folgenden Zahlen belegen:
1.8 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen einer Diarrhöeerkrankung, inklusive der Cholera (90% sind Kinder unter 5 Jahren); 88 Prozent dieser Erkrankungen sind auf eine inadäquate Wasserqualität, Abwasserentsorgung und einer unzureichenden Hygiene zurückzuführen.
Über 500 Millionen Menschen leiden an einem Trachom, einer bakteriellen Augenentzündung, welche durch das Waschen des Gesichtes mit kontaminiertem Wasser entsteht. Über 145 Millionen Menschen sind bereits an dieser Krankheit erblindet.
Über 133 Millionen Menschen leiden an Wurmerkrankungen, von denen circa 10.000 Menschen pro Jahr sterben.
1,5 Millionen Menschen erkranken jährlich an Hepatitis A, verursacht durch qualitativ schlechtes Wasser (vgl. Weltgesundheitsorganisation (WHO) (Hrsg.) 2004: 1).
1) 1km³ = 1 Billion Liter = 1 mal 10 hoch 12 Liter
Anhand dieser beispielhaft ausgewählten Fakten ist zu erkennen, dass nach wie vor viele Menschen an wasserbedingten Krankheiten leiden und sogar sterben. Insbesondere in den Entwicklungsländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens sind eine unzureichende Wasserqualität und somit wasserbedingte Krankheiten weit verbreitet. In der nun folgenden Arbeit soll der Fokus vor allem auf asiatische Metropolen, also urbane Ballungsgebiete mit mehr als einer Millionen Einwohner, gelegt werden (Definition nach Heineberg, Heinz 2006: 29), die sich in den letzten Jahrzehnten sowohl industriell als auch in ihrer Bevölkerungszahl rasch entwickelten. Dementsprechend wurde der Problembereich der sinkenden Wasserqualität immer bedeutsamer. Somit leben derzeit 2/3 der Menschen in Asien, die qualitativ schlechtes Wasser verwenden müssen, da größtenteils versäumt worden ist, die Infrastruktur den derzeitigen Entwicklungen anzupassen, sodass häusliche und industrielle Abwässer ohne Klärung in den Wasserkreislauf entlassen werden und das Wasser daher stetig an Qualität verliert (vgl. Abbildung 1).. Diese Tatsache gerät zunehmend ins Blickfeld aktueller entwicklungspolitischen Diskussion thematisiert. So vereinbarten beispielsweise alle 191 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen in dem siebten Millennium Entwicklungsziel, dass „die Zahl der Menschen, die über keinen nachhaltigen Zugang zu gesundem Trinkwasser verfügen, [bis
2015] um die Hälfte gesenkt werden [soll]“ (Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen für Westeuropa (UNRIC) 2002). Dabei wird also sowohl die Quantität als auch die Qualität der Trinkwasserversorgung angesprochen, die beide in den jeweiligen Regionen gefördert und verbessert werden sollen. Zur Erreichung dieses Entwicklungszieles wurde von 2005-2015 die Internationale Aktionsdekade "Wasser - Quelle des Lebens" ins Leben gerufen, sodass auch im gesellschaftlichen Konsens die Problematik stärker thematisiert und in den öffentlichen Fokus gerückt wird. Die nun folgende Arbeit befasst sich also mit der Wasserversorgung von Metropolen im asiatischen Raum (vgl. Anhang 1), wobei der Fokus auf die Wasserqualität gerichtet werden soll. Ziel ist es, die Problembereiche und Auswirkungen der sinkenden Wasserqualität in asiatischen Metropolen herauszustellen und vor allem Ursachen und Lösungsmöglichkeiten gegen diese Problematik aufzuzeigen. Zudem soll die Wassersituation in Kalkutta, Indien, genauer dargestellt werden, um das Besondere, beziehungsweise das Repräsentative im Vergleich zu anderen asiatischen Metropolen darzulegen. Dazu sollen zunächst die Problembereiche der mangelnden Wasserversorgung mit hygienisch einwandfreiem Wasser aufgezeigt und die daraus folgenden Auswirkungen für die Umwelt und die Bevölkerung herausgestellt werden. Zuvor wird jedoch der Grenzwert- katalog der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgestellt, der Richtwerte vorgibt, ab
wann Wasserqualität als adäquat zu bezeichnen ist. Im Hauptteil der Arbeit sollen die Ursachen für die derzeitige Situation in vielen asiatischen Metropolen aufgezeigt werden, wie zum Beispiel das enorme Bevölkerungswachstum in den letzten Jahrzehnten. Im Anschluss werden Lösungsmaßnahmen für den Problembereich der sinkenden Wasserqualität in asiatischen Metropolen vorgestellt, die als Verbesserungsmöglichkeit der Wasserqualität angesehen werden können. Die Erkenntnisse, die aus diesen Kapiteln gezogen werden können, sollen dann auf das Fallbeispiel Kalkutta (Kolkata) in Indien angewendet werden. Zunächst soll jedoch die Wasserversorgungssituation in Kalkutta, mit den dazugehörigen Problembereichen, Auswirkungen und Ursachen dargestellt werden, um im darauf folgenden Schritt bereits realisierte und aus Kapitel 4 als möglich zu erachtende Lösungsstrategien zu betrachten und zu diskutieren. Abschließend soll ein Fazit über die Thematik der Arbeit gezogen und ein Ausblick gegeben werden, inwieweit eine qualitativ ausreichende Wasserversorgung realisiert werden kann.
Abbildung 1: Wasserverschmutzung in Metropole - Beispiel aus Jakarta, Indonesien
2 Probleme und Auswirkung der sinkenden Wasserqualität in asiati-
schen Metropolen
Jeder Mensch benötigt durchschnittlich circa 135 bis 150 l Wasser pro Tag zum Trinken, für die Zubereitung von Essen, die körperlichen Hygiene, das Waschen der Kleidung, für die Toilettenspülung und viele weitere Erfordernisse (vgl. Giles, Harry; Brown, Bryan 1997:101). Die bevölkerungsreichen Städte weisen jedoch immer häufiger das Problem auf, dass sie ihren Einwohnern eine ausreichende Wasserversorgung für die Befriedigung dieser Bedürfnisse nicht gewährleisten können. Insgesamt werden die Defizite in der Wasserversorgung anhand von zwei Hauptproblemen deutlich. Zum einen ist in weiten Teilen der Erde die mangelnde Wasserverfügbarkeit ein großes Problem, wie beispielsweise in Südamerika oder in Afrika zu beobachten ist. Auch in Asien leiden einige Metropolen an extremer Wasserknappheit, wie etwa Bangalore, Dehli (beide Indien), Kathmandu (Nepal), Karachi (Pakistan) oder Jakarta (Indonesien), vor allem auf Grund einer ungünstigen geographischen Lage (Trockengebiete, Inseln ohne ausreichende Süßwasservorkommen, etc.). (vgl. Engelman, Robert 2000: 27ff.) Zum anderen sind aber auch die verschmutzten Wasserressourcen als zweite Hauptproblematik zu nennen. So haben nach einer Schätzung der Vereinten Nationen im Jahre 2003 etwa 35-50% der gesamtasiatischen Bevölkerung keinen Zugang zu einer qualitativ adäquaten Wasserversorgung. (vgl. Varis, Olli 2006: 214). Im folgenden Kapitel soll ein erster Überblick über die Problemlage der sinkenden Wasserqualität gegeben werden und welche Auswirkungen sich daraus ergeben. Zunächst soll jedoch der Grenzwertkatalog der WHO vorgestellt werden, der eine Bewertung der Wasserversorgung beziehungsweise der Qualität des Trinkwassers zulässt.
2.1 Der Grenzwertkatalog der WHO zur Bewertung einer qualitativ annehmbaren Wasserversorgung
Bei der Betrachtung der Problembereiche, die sich aus der mangelnden Wasserqualität in den asiatischen Metropolen ergeben, soll zunächst der Grenzwertkatalog der Weltge-sundheitsorganisation (WHO) vorgestellt werden. Dieser legt für verschiedene chemische Substanzen und mikrobiologische Organismen Grenzwerte fest, die nicht überschritten werden sollen, um eine ausreichende Wasserqualität zu erreichen. Dazu veröffentlichte die WHO die „Richtlinien für die Trinkwasserqualität“ [orig.: Guidelines for Drinking-water Quality] (Weltgesundheitsorganisation (WHO) (Hrsg.) 1996a), in denen
für alle jemals im Trinkwasser nachgewiesenen Stoffe, chemische und radioaktive Verbindungen, oder mikrobiologische Organismen, ein Grenzwert festgelegt wurde, der bei dauerhafter Einnahme für den Menschen ein gesundheitliches Risiko darstellt. Neben diesen Grenzwerten, von denen ausgewählte in Tabelle 1 aufgeführt wurden, legte die WHO Richtwerte für Färbung, Trübung, Geruch, Geschmack, elektrische Leitfähigkeit, Bakterienkolonienanzahl bei 22 °C und 36 °C fest, die einen ersten Zugang zur Bewertung der Qualität des Trinkwassers bieten sollen (ebd.: 64 ff.).
Tabelle 1: Auswahl der am häufigsten im Trinkwasser vorzufindenden Krankheitserreger-Festgelegte Grenzwerte der WHO
Diese nun vorgestellten Limitierungen der WHO sollen als Basis für die Entwicklung eigener nationaler Standards dienen und somit zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen (vgl. Weltgesundheitsorganisation (WHO) (Hrsg.) 2001: 18). In vielen asiatischen Ländern ist jedoch ein solcher Bewertungsrahmen bislang nicht eingeführt worden, unter anderem auch in Indien. Zunächst sollen jedoch die Problembereiche, die mit der niedrigen Wasserqualität einhergehen, genauer vorgestellt werden.
2.2 Problembereiche und Auswirkungen der sinkenden Wasserqualität
Wie bereits weiter oben angedeutet wurde, ist die sinkende Wasserqualität als eines der Hauptprobleme zu nennen, die eine adäquate Wasserversorgung in Metropolen verhindert. So weisen immer mehr Städte, die reich an Wasserressourcen sind, einen Trink- wassermangel auf, da sie verstärkt mit dem Problem der sinkenden Wasserqualität kon-
frontiert werden. Als Beispiele hierfür gelten unter anderem Bangkok (Thailand), Dhaka (Bangladesch) oder Kalkutta (Indien), die alle an großen Flüssen, beziehungsweise Flussdeltas, gelegen sind, jedoch auf Grund von Kontaminationen nur eingeschränkt genutzt werden können. Nach Schätzungen der Asian Development Bank würden alleine zwischen 1995 und 2025 die Wasserverschmutzung auf der Erde um das 16fache ansteigen, wenn keine realisierbaren Möglichkeiten gefunden würden, diesen Trend aufzuhalten (vgl. Asian Development Bank (Hrsg.) 2001: 6). Es ist zu erkennen, dass sich die sinkende Wasserqualität und, damit einhergehend. der Mangel an trinkbarem Wasser zunehmend zu einem einflussreichen Problembereich entwickelt, welcher im Folgenden genauer vorgestellt werden soll (vgl. Niemczynowicz; Janusz 1996: 201 ff.). Anhand der Daten des Weltwasserberichtes der UNESCO (Tabelle 2) wird das Problem der niedrigen Wasserqualität in asiatischen Ländern gut ersichtlich. So weisen alle Länder in Asien (außer Japan, Südkorea und Singapur) einen negativen Index auf, der sich nach der UNESCO aus der Qualität und Quantität des Trinkwassers, den technischen Möglichkeiten zur Abwasseraufbereitung sowie gesetzlich bestimmte Grenzwertvorgaben zur Regulierung der Verschmutzungen zusammensetzt. So ist beispielsweise in asiatischen Flüssen die Konzentration von Fäkalbakterien dreimal so hoch wie in anderen sich entwickelten Regionen der Erde. Dies bedeutet, dass die durchschnittliche Anzahl an E.coli Bakterien bis zu 16 mal höher ist als die Richtlinien der WHO, die in Kapitel 2.1 vorgestellt wurden, zulassen (UNESCO (Hrsg.) 2002b: 144f.; Niemczynowicz; Janusz 1996: 201) .
Tabelle 2: Wasserqualitätsindex nach dem Weltwasserbericht 2002 der UNESCO
Das Trinkwasser kann durch unterschiedliche Faktoren verschmutzt und somit für den menschlichen Gebrauch unbrauchbar gemacht werden, wie bereits in Tabelle 1 ange-
deutet worden ist. So ist als häufigste Verschmutzungsform die Kontamination mit Krankheitserregern durch häusliche Abwässer zu nennen, da Fäkalbakterien in asiatischen Metropolen häufig auf Grund der fehlenden Abwasseraufbereitung dem städtischen Wasserkreislauf wieder zugeführt werden. Aber auch Schwermetallbelastungen durch industrielle Abwässer, Versalzungen, Nitrat- und Nährstoff- bedingte Anreicherungen durch landwirtschaftliche Bewässerung sowie die Versauerung der Gewässer durch Anreicherungen von Luftschadstoffen im Boden und im Wasser sind Faktoren, die die städtische Wasserqualität maßgeblich beeinflussen (Hoffmann, Thomas 2002: 12).
In asiatischen Metropolen sind weiterhin viele Menschen nicht an das städtische Ver-sorgungsnetz angeschlossen, so dass deren primäre Wasserquellen die Flüsse oder das Grundwasser darstellen. Daher ergibt sich als weiterer Problembereich die ungleiche Verteilung, beziehungsweise die ungerechten Beschaffungsmöglichkeiten von Wasser, die ebenfalls gravierende qualitative Unterschiede beinhaltet. So ist in den meisten Metropolen für die reichere Bevölkerungsschicht dasjenige Wasser am günstigsten, welches sie über das städtische Wassernetz bezieht, welches zudem die beste Wasserqualität aufweist. Das Problem, welches sich daraus ergibt, ist, dass auf Grund der geringen Kosten, das qualitativ bessere Wasser verschwendet wird, wohingegen die ärmeren Bevölkerungsschichten, die nicht an das Wassernetz angeschlossen sind, erheblich mehr für qualitativ schlechteres Wasser, aus öffentlichen Anschlüssen oder von fahrenden Wasserverkäufern, bezahlen müssen. So bezahlen die Familien aus unteren Einkommensschichten durchschnittlich 2- bis 50-mal mehr pro Liter als die wohlhabenden Bevölkerungsteile. Dies entspricht circa 5 bis 15% ihres monatlichen Haushaltseinkommens (vgl. Weber, Eberhard; Hoffmann, Thomas 1997: 132 f.; Giles, Harry; Brown, Bryan 1997: 106 f.; UNESCO (Hrsg.) 2002b: 177 f.). Oft bauen diese Familien ihre Nahrungsmittel, wie Gemüse, Getreide, oder auch Reis selber an, für deren Kultivierung und Zubereitung sie abermals Wasser benötigen. Auch in diesem Kontext spielt die schlechte Wasserqualität eine große Rolle, da die Lebensmittel die Schadstoffe speichern und die Menschen sie abermals zu sich nehmen (Asian Development Bank 2004b: 20ff.). Die einzige Möglichkeit, die den meisten Familien auf Grund der zu hohen Kosten bleibt, ist Wasser aus Brunnen oder direkt aus den Flüssen zu beziehen. Dieses weist jedoch zu einem großen Teil eine noch schlechtere Qualität auf, da weder eine Reinigung noch eine Filterung verwendet wird und somit die in Tabelle 1 aufgeführten Stoffe in hoher Konzentration enthalten kann (Asian Development Bank 2007a: 8; Giles, Harry; Brown, Bryan 1997: 103). Dabei spielt auch das Problem der ausset-
zenden Wasserversorgung eine Rolle, da durchschnittlich in den asiatischen Metropolen nur 15 Stunden, eine Trinkwasserversorgung gewährleistet wird, sodass die Menschen auf andere Quellen angewiesen sind (McIntosh, Arthur 2003: 29 ff.; McIntosh, Arthur; Yñiguez, Cesar 1997: 18). Diese Ungleichheit in der Wasserversorgung ist einer der schwerwiegendsten Problembereiche und wird zudem dadurch verkompliziert, dass, wie zum Beispiel in Kalkutta (Siehe Kap. 5), Wasser aus dem Leitungsnetz eine noch schlechtere Qualität aufweist als das Wasser aus öffentlichen Sammelbehältern oder Brunnen.
Die Auswirkungen, die aus den nun vorgestellten Problembereichen zu erschließen sind, lassen sich in zwei Gruppen aufteilen. Zum einen sind die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung anzuführen, die anhand der folgenden Fakten und Zahlen zunächst verdeutlicht werden sollen:
„Jedes Jahr sterben über fünf Millionen Menschen an Krankheiten, die durch mangelhaften Zugang zu sauberem Wasser verursacht werden“. „Alle acht Sekunden stirbt ein Kind infolge einer wasserbedingten Krankheit“ „Die Hälfte aller Frauen, Männer, Kinder in den ärmeren Ländern leidet an mindestens einer der sechs häufigsten wasserbedingten Krankheiten, wie Durchfall (Diarrhöe), Spulwürmer, Drachenwürmer, Hakenwürmer, Bilharziose (Saugwürmer) und Trachoma (Augenkrankheit)“. So sind beispielsweise „in den letzten zehn Jahren […] mehr Menschen an Durchfall gestorben als in allen bewaffneten Konflikten seit dem Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen sind“ (Helvitas 2005: 2).
Es ist also zu erkennen, dass die schlechte Wasserversorgung, aus globaler Perspektive betrachtet, enorme Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen hat. Ein guter Indikator dafür ist die Mortalitätsrate, die durch eine Diarrhöeerkrankung verursacht wird (vgl. Anhang 3 für asiatische Länder). Insbesondere in Indien, Bangladesch, Laos und in Pakistan ist die Sterberate sehr hoch, sodass auf eine extreme Verschmutzung mit Fäkalbakterien zu schließen ist. In den Städten und Metropolen können diese Werte sogar noch höher sein (vgl. Asian Development Bank (Hrsg.) 2007b: 34 f.). Aber auch die Kindersterblichkeit kann Aufschluss über die Wasserqualität geben, da sie am anfälligsten für wasserbedingte Krankheiten sind. So variiert die Kindermortalitätsrate in der größten Metropole Pakistans, Karachi, durchschnittlich von 33 bis 209 Todesfällen pro 1000 Geburten, was wiederum zum Teil auf eine desolate Wasserqualität zurückzufüh- ren ist (UNESCO (Hrsg.) 2002b: 169).
Im besonderen Maße von den gesundheitlichen Auswirkungen der schlechten Wasserqualität betroffen sind die armen Bevölkerungsschichten. Auf der einen Seite sind diese über die Wasserqualität nicht informiert und wissen somit oftmals nicht, welchem ge-sundheitlichen Risiko sie ausgesetzt sind. Auf der anderen Seite stehen ihnen auch keine Möglichkeiten zur Verfügung, um sich gegen die schlechte Wasserqualität zu schützen, außer indem sie das Wasser kochen, wobei auch nicht alle chemischen und mikrobiologischen Substanzen vernichtet und abgetötet werden (vgl. Asian Development Bank 2004b: 19ff.)
Zum anderen hat die Kontamination des Wassers erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt. Die verschiedenen Schadstoffe, die durch die Abwässer in die Flüsse und Seen gelangen, bewirken auch bei den Tieren und Pflanzen gesundheitliche Risiken. Anhand von Tabelle 3 ist zu erkennen, dass beispielsweise immer mehr Fischarten auf der ‚Roten Liste’ der gefährdeten Arten in Asien stehen. Zwar sind nicht alle Gefährdungen auf die sich verschlechternde Wasserqualität zurückzuführen, aber zumindest ist ihr Einfluss nicht zu vernachlässigen.
Tabelle 3: Anzahl gefährdeter Fischarten (Rote Liste) in ausgewählten asiatischen Ländern
(Verändert nach: International Union for Conservation of Nature (IUNC) (Hrsg.) 2007) Vor allem in den sich industriell und demographisch rasch entwickelten Ländern, Indonesien, China, Indien oder Thailand, ist die Gefährdung der Fischarten sehr deutlich zu erkennen. Diese zunehmende Verseuchung
des Wassers und somit auch der Fische, ruft zudem ein gesundheitliches Risiko für die Menschen hervor, die beim Verzehr dieser
Tiere die Giftstoffe zu sich nehmen. So wird in der Hauptstadt Bangladeschs, Dhaka, davor gewarnt Fische aus den Gewässern zu verspeisen, da die Arsenbelastung der Flüsse weit über den Vorgaben der WHO liegt (vgl. Haq, Khondaker Azharul 2006: 299ff.). Ins-
Arbeit zitieren:
B.A. Patrick Gräbner, 2008, Wasserqualität in asiatischen Metropolen - Problembereiche, Auswirkungen, Ursachen und Lösungsansätze, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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