Inhaltsverzeichnis
Kapitel Seite
1. Einleitung 2 - 5
2. Methoden 6 - 7
3. Das Eva-Prinzip - Eine kurze Einführung 8 - 9
4. Die Konstruktion des typisch Weiblichen 10
4.1 Die vom Schöpfer geschaffene Frau mit
ihren natürlichen Eigenschaften 10 - 12
4.2 Die Weiblichkeit verleugnende Feministin 12 - 14
5. Determinativer Biologismus 15
5.1 Der determinative Biologismus 15 - 16
5.2 Die Folgen des determinativen Biologismus für
die Geschlechter 16
5.3 Determinativer Biologismus im Eva-Prinzip? 17 - 18
6. Backlash? 19
6.1 Definition 19 - 20
6.2 Frauenbewegung versus Backlash - Eine Anreihung
von Ereignissen 20 - 22
6.3 Backlash und determinativer Biologismus 22 - 24
6.4 Ist Das Eva-Prinzip ein Backlash? 24 - 26
7. Fazit 27 - 29
Literaturverzeichnis 30 - 31
Abstract 32
1. Einleitung
„Ohne die Frau könnte der Mann nicht Mann heißen, ohne
Mann könnte die Frau nicht Frau genannt werden.“
Hildegard von Bingen, (1098 - 1179)
Die Geschlechterdifferenz, die Unterscheidung zwischen Mann und Frau, kann als grundlegende Urform der sozialen Differenzierung gelten (vgl. Harris, 1989, S.343 ff.; zit. nach Frevert, 1995, S.8).
Lange Zeit wurden die Unterschiede der Geschlechter biologisch begründet. Dabei gab es allerdings große Differenzen bezüglich der genauen Unterscheidungskriterien und ihre Auswirkungen auf die Rollenmodelle von Mann und Frau. Insgesamt war die Ausdeutung der biologisch begründeten Geschlechterdifferenz variabel (vgl. Frevert, 1995, S.9). 1 Trotz der schwankenden Interpretationen wurden >>natürliche<<
gesellschaftliche Ungleichheiten geschaffen. Vorteilhafte Positionen und Möglichkeiten in der Sozialenstellung oder in der Politik wurden durch eine angeblich angeborene Überlegenheit des Mannes begründet (vgl. Frevert, 1995, S.55).
Die Frauenforschung stellte dem entgegen, dass es sich nicht um angeborene Unterschiede handele, sondern die Entwicklung eines Menschen von seinem kulturellen Umfeld abhänge (vgl. Engler, 1999, S.3). Es entwickelten sich mehrere Strömungen, mit jeweils unterschiedlichen Theorien über die Entstehung von Geschlecht. Jedoch war man sich im Diskurs weitgehend einig, dass die Geschlechterrollen konstruiert sind (vgl. Frevert, 1995, S.13). In den frühen 1970er Jahren wurden aus der angloamerikanischen Diskussion Begrifflichkeiten zur Unterscheidung von dem sozialen 2 und dem
1 Ute Frevert stellt in ihrem Werk „Mann und Weib, und Weib und Mann“ Geschlechter-
Differenzen in der Moderne fest, dass die Begriffe >>Geschlecht<<, >>Mann<< und >>Frau<<
vom 18. - 20. Jahrhundert einen deutlichen Wandel durchlaufen. Zu einem Zeitpunkt in der
Geschichte wird mehr Wert auf die soziale Unterscheidung aufgrund der Biologie gelegt, zu einem
anderen weniger (vgl. Frevert, 1995).
2 Das soziale Geschlecht wird mit >>gender<< bezeichnet. Damit sind ausschließlich die kulturell
sozialisierten Geschlechtsmerkmale gemeint. Es ist ein variables Konstrukt, welches von seinem
kulturellen und historischen Kontext abhängig ist. Der Begriff bezeichnet die Persönlichkeit und
das Verhalten eines Menschen (vgl. Wesely, 2000, S.14).
2
biologischen 3 Geschlecht übernommen (vgl. Engler, 1999, S.3). Diese Unterscheidung sollte die ausschließlich biologische Betrachtungsweise und die damit verbundene Zuschreibung von Geschlechterrollen verhindern. Die Folge dieser Theorien war, dass die biologische Differenz somit nicht mehr als Legitimation für soziale Unterschiede zwischen Männern und Frauen herangezogen werden konnte (vgl. Engler, 1999, S.3). Ab den 1990er Jahren wurde die Reduktion des menschlichen Handelns und Erleben auf seine biologischen Grundlagen allerdings wieder gesellschaftsfähig (vgl. von Kardorff, 1991, S.70). Biologisch fundierte Erklärungsmuster des menschlichen Verhaltens bildeten sich reihenweise in den Medien ab (vgl. Arbeitsgruppe >>Unbehagen<<, 1991, S.6).
Anfang des zweiten Jahrtausends erschien auf dem Populärliteraturmarkt eine neue Generation von (Beziehungs-)Ratgebern. Warum Männer so schnell kommen und Frauen nur so tun als ob: Eine Gebrauchsanleitung für das andere Geschlecht (West, 2003), Warum Frauen so viel denken. Wege aus der Grübelfalle (Nolen-Hoeksema, 2006) und Das weibliche Gehirn. Warum Frauen anders sind als Männer (Brizendine, 2007) sind nur drei Werke, die ihre Erklärungen auf biologische und evolutionäre Grundlagen stützen. Der Beziehungsratgeber Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken: Ganz natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Schwächen (Pease/Pease, 2002) wurde alleine 34 Mal aufgelegt und hielt sich 2002 standhaft in den Bestsellerlisten.
All diese Werke wollen erklären, warum Männer und Frauen Beziehungsprobleme oder Probleme mit sich selbst haben. Die Lösung scheint einfach: Männer und Frauen sind einfach verschieden (vgl. Pease/Pease, 2002, S.25). Diese Unterschiede sollen nicht durch Sozialisation und Erziehung entstanden sein, sondern hätten hauptsächlich biologische Gründe. Geschlechtsspezifische Hormone sorgten schon von der Embryonalentstehung an für eine geschlechtstypische Entwicklung, die später das Verhalten steuern (vgl. Pease/Pease, 2002, S.34). Zusätzlich seien die geschlechtsbedingten Verhaltensweisen durch eine jahrtausend alte Entwicklungsgeschichte geprägt.
3 Das biologische Geschlecht wird mit >>sex<< bezeichnet. Damit sind ausschließlich die
biologisch und physiologischen Geschlechtsmerkmale gemeint (vgl. Wesely, 2000, S.16). Einige
Strömungen gingen noch weiter und stellten das biologische Geschlecht ebenfalls als konstruiert
dar (vgl. Frevert, 1995, S.14).
3
Zur Folge habe dies, dass er Jäger und sie Nesthüterin sei (vgl. Pease/Pease, 2002, S.34).
2006 erscheint noch ein weiteres Werk auf dem Populärliteraturmarkt, welches die Eigenschaften des Geschlechts nicht nur auf biologische Ursachen zurückführt, sondern davon ausgeht, dass geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Männern und Frauen >>gottgewollt<< seien (Herman, 2007, S.46). Das Eva-Prinzip (Herman, 2007) ist einer der provokantesten Ratgeber auf dem Markt, welches einen Lebensentwurf vorstellt, der die gesamte Gesellschaft vor dem Untergang retten soll (vgl. Herman, 2007, S.28). Eva Herman konstruiert ein biologisch hergeleitetes, vom Schöpfer vorbestimmtes Frauenbild und setzt dem das Feindbild der Feministinnen gegenüber (vgl. Herman, 2007, S.19). Die Aktualität dieses Themas und die Wiedereinführung des biologischen Erklärungsmodells, gaben Anlass zu dieser Arbeit. Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem determinativen Biologismus in der Populärliteratur. Es soll geklärt werden, ob und wenn ja, in welchem Maße er sich in der Populärliteratur wieder findet. Als Beispieltext wurde Das Eva-Prinzip ausgewählt, da es äußerst radikal argumentiert. Es präsentiert nicht nur ein biologisches Erklärungsmodell, sondern greift die Vertreter des Gegenmodells an, die der Überzeugung sind, dass die Geschlechterrollen durch Sozialisation geprägt werden (vgl. Herman, 2007, S.23).
Weiterhin wird erörtert, ob die Verwendung des determinativen Biologismus zu einem Backlash 4 führen kann. Um dies zu klären, wird zuerst aufgezeigt, in welcher Verbindung der biologische Determinismus mit der Backlash- Bewegung steht. Anschließend wird erörtert, ob die Vorgehensweise und die Argumente der Backlash- Anhänger und die von Frau Herman sich gleichen. Im Kapitel Methoden wird über die angewandte Vorgehens- und Arbeitsweise dieser Arbeit informiert.
Anschließend wird eine kleine Einführung in den Kontext des Eva-Prinzips gegeben. Es werden ein kleiner Ausschnitt aus dem bestehenden Diskurs um das Werk und ausgewählte biographische Daten der Autorin präsentiert.
4 Die Begriffe determinativer Biologismus werden im Kapitel fünf und Backlash im sechsten
Kapitel näher erläutert.
4
Im nächsten Kapitel werden die von E. Herman konstruierten Frauenbilder dargestellt. Es wird ein Fließtext ausschließlich aus direkten und indirekten Zitaten produziert, indem sich auf die Darstellung des Frauenbildes beschränkt wird. Das präsentierte Männerbild findet in dieser Arbeit nur am Rande Verwendung.
Das fünfte Kapitel hat den determinativen Biologismus zum Thema. Dieser wird definiert, es wird dargestellt welche Auswirkungen das biologische Erklärungsmodell auf die Geschlechter hat und es wird erläutert, ob sich der biologische Determinismus in Eva Hermans Ratgeberbuch wieder findet. Im Anschluss wird sich mit der Frage beschäftigt, ob Das Eva-Prinzip der Backlash- Bewegung zuzuordnen ist. Zu diesem Zweck wird eine Definition von dem Begriff >>Backlash<< gegeben und die Vorgehensweise, sowie die Argumente der Backlash- Bewegung werden anhand einer Chronik herausgearbeitet. Anschließend wird analysiert, in welchem Zusammenhang der determinative Biologismus und Backlash steht. Zusätzlich wird die Glaubwürdigkeit des biologischen Erklärungsmodells überprüft. Diese Arbeit schließt mit einem Fazit ab, in dem die gesammelten Erkenntnisse zusammengetragen werden, um eine Antwort auf die Forschungsfrage führt die Wiedereinführung des determinativen Biologismus in der Populärliteratur zu einem Backlash? zugeben.
Diese Arbeit thematisiert nicht die Erfolge oder den Verlauf der Frauen- oder Geschlechterforschung. Wenn von Frauenbewegung, Emanzipation oder Feminismus die Rede ist, dient dies lediglich zur Erläuterung des dargestellten Themas. Diese Begriffe (und ihre abgewandelten Formen, wie z.B. feministisch) sind immer im Kontext der jeweils zitierten Autoren zu sehen.
5
2. Methoden
Für das Erstellen dieser Arbeit werden unterschiedliche Quellen verwendet. Es wird aus wissenschaftlicher Literatur, sowie aus Populärliteratur und dem Internet zitiert. Die Unterscheidung der einzelnen Quellen kann im Literaturverzeichnis nachgelesen werden.
Für die Angaben der Zitate wurde die amerikanische Zitierweise gewählt. Der für diese Arbeit verwendete Beispieltext aus der Populärliteratur, Das Eva-Prinzip, wird einer kritischen Quellenbetrachtung unterzogen. Zu diesem Zweck wird er in seinen Kontext eingereiht. Es werden Ausschnitte aus dem bestehenden Diskurs um das Buch dargestellt und die für diese Arbeit relevanten biographischen Daten der Autorin werden herausgearbeitet. Leider ist es nicht möglich, den gesamten Diskurs um Das Eva-Prinzip in der Begrenztheit dieser Arbeit wiederzugeben. Allerdings soll dem Leser durch die kurze Einführung in Das Eva-Prinzip auch nur ein kleiner Eindruck von dem Diskurs vermittelt werden.
Für die Bearbeitung des Eva-Prinzips wird ein interpretatives Verfahren verwendet. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Beantwortung der Forschungsfrage und nicht der Text an sich. Alle Komponenten, die nicht zur Beantwortung der Forschungsfrage führen, treten in den Hintergrund und werden nicht näher betrachtet.
Es sollen die von Frau Herman konstruierten Frauenbilder und die beschriebenen Auswirkungen des Befolgen und Nicht-Befolgen der Geschlechterrollen auf die Gesellschaft herausgearbeitet werden. Zusätzlich soll ihre Argumentationstechnik und Vorgehensweise ergründet werden.
Erwähnt werden sollte noch, dass ein interpretatives Verfahren immer problematisch ist, da die Sammlung der Daten von einem Interpreten selbst gemacht werden. Interpretieren heißt, die Texte verstehen und ihnen Bedeutung zuschreiben. Dabei unterliegen die ausgewählten Zitate sowie Belege immer der Selektion des Interpreten (vgl. Pasternack, 1979, S.46).
6
Um die Forschungsfrage zu beantworten, werden Informationen aus verschiedenen Publikationen zusammengetragen. Determinativer Biologismus und Backlash werden definiert. Anschließend wird überprüft, ob Eva Hermans Werk Das Eva-Prinzip den biologischen Determinismus verwendet und ob es ein Backlash ist.
In dieser Arbeit werden mehrere Definitionen gegeben. Es wird nicht ausgeschlossen, dass noch andere Deutungsvarianten möglich sind, jedoch richtet sich diese Arbeit nach den erläuterten.
Auch finden in dieser Abhandlung Begriffe Verwendung, die in einem anderen Kontext andere Bedeutungen haben könnten. Der kritische Leser wird um Nachsicht gebeten, dass nicht jeder Begriff explizit erläutert wird. Leider ist dies in der Kürze dieser Arbeit nicht möglich.
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3. Das Eva-Prinzip - Eine kurze Einführung
In diesem Kapitel wird eine kurze thematische Bearbeitung des Eva-Prinzips von Eva Herman gegeben. Anschließend werden einige Stimmen zu ihrem Werk angeführt. Abschließend folgt eine knappe Darstellung ihres Lebenslaufs und es wird thematisiert, ob es Verbindungen zwischen ihrer Biographie und ihrem Buch gibt.
In dem Buch Das Eva-Prinzip beschäftigt sich Eva Herman nur sekundär mit der Gesamtgesellschaft. Primär thematisiert sie die Geschlechterunterschiede und die Auswirkungen vom Befolgen oder Nicht-Befolgen der >>naturgegebenen<< Rolle. Im Fokus ihrer Ausführung stehen Frauenbilder und die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Zur Verdeutlichung ihrer Theorien kreiert sie zwei unterschiedliche Frauenbilder. Sie schafft eine >>gottgewollte<< natürliche Frau und stellt ihr das Feindbild der Feministin gegenüber (vgl. Herman, 2007, S.19). In ihren Ausführungen schafft sie ausschließlich Stereotypen. Sie präsentiert den Menschen in drei Kategorien; Mann, Frau und Feministin (vgl. Herman, 2007, S.22-25). In ihrem Werk versucht sie einen Lebensentwurf zu präsentieren, der die Gesellschaft vor der „Gewalt, Unsicherheit, Kälte und Bindungslosigkeit“ (Herman, 2007, S.27) retten soll.
Gleichzeitig glaubt sie, die vermeintlichen Verantwortlichen für problematische gesellschaftliche Themen, wie Ansteigen der Trennungsrate,
Bindungsunfähigkeit, Identitätsprobleme und Kinderlosigkeit, gefunden zu haben und stellt die Feministinnen an den Pranger (vgl. Herman, 2007, S.24/112/216). Durch ihre provokanten Darstellungen hat sie viel Kritik im öffentlichen Diskurs erhalten. Hier ein kleiner Ausschnitt:
Im Stern werden ihre Äußerungen der Kategorie „Was für ein Kappes!“ (http://www.stern.de/lifestyle/leute/:Eva-Herman-Das-Hermansdenkmal/568945.html, [24.06.08]) zugeordnet. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet Frau Herman als ein plapperndes Kind, welches sich als Erlösergestalt sieht (vgl. http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/895/ 85810/3/, [02.07.08]). Allerdings sind auch einige positive Stimmen auf Eva Hermans offizieller Web-Seite zu finden, wie: „ich identifiziere mich völlig mit Ihrer Darstellung über die Werte unserer Gesellschaft“ (http://www.eva-
8
Arbeit zitieren:
Merle Schreiber, 2008, Backlash? – Determinativer Biologismus in der Populärliteratur durch die Konstruktion des "typisch Weiblichen", München, GRIN Verlag GmbH
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