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INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung
2 Die Weltwirtschaft im Umbruch
2.1 Allgemeine Weltwirtschaftskrise in den 70er und 80er Jahren
2.2 Multipolarität und Geo-Ökonomie’
2.3 Technologische Revolution
2.4 Transnationale Unternehmen
3 Das doppelte Gesicht der Weltwirtschaft: Interdependenz und Fragmentierung 6
3.1 Interdependenz
3.2 Triadisierung
3.3 Zweiteilung oder neue Dreiteilung der Weltwirtschaft
4 Triebkräfte des Prozesses: Antworten’ auf die Herausforderung’ der Globalisierung
4.1 Multilateralismus
4.2 Regionalisierung
4.3 Post-Fordismus
5 Bilanz und Perspektiven
Literaturverzeichnis
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1 Einleitung
Ein Wort ist in den letzten Jahren fast zu einem Zauberwort geworden: Globalisierung. Mit diesem Wort meint man einen unvermeidlichen und unwiderstehlichen Trend, eine mächtige Herausforderung und gleichzeitig ein Allheilmittel. Zur Globalisierung wurde so ein Phänomenskomplex assoziiert, das janusköpfig ist.
Das Dickicht des Phänomens Globalisierung macht eine genaue Bestimmung für diesen Begriff ungeheuer schwer. Allgemein wird Globalisierung als ein Prozeß verstanden, wobei sich die Welt durch eine Reihe von Mechanismen in immer höherem Maße verflechtet. Seit es in der Welt Grenzen gibt, stellt Globalisierung vor allem ein Prozeß dar, in dem sich die grenzüberschreitenden Transaktionen und sich damit die Vernetzungen der Gesellschaften bzw. Staaten immer weiter verdichten.
Solche Transaktionen, beispielsweise grenzüberschreitender Handel, werden von Menschen schon seit Tausenden von Jahren betrieben. Doch erst mit der Industriellen Revolution gab es einen qualitativen Sprung hinsichtlich der Intensität der Transaktionen. Globalisierung im Weltmaßstab ist ein modernes Phänomen. Die Wurzel der neuzeitlichen Globalisierung wurde aber schon vor der Industriellen Revolution gepflanzt. Nach George Modelski (1972) ist der Globalisierungsprozeß eine Reihe von Wellen, die aus der Zusammenwirkung verschiedener und aufeinanderfolgender Zivilisationen entstehen. Globalisierung ist im Sinne Modelskis „[t]he process by which a number of historical world societies were brought together into one global system“ (Modelski 1972: 41). Seiner Meinung nach begann Globalisierung um 1000 n.Ch. und wurde zuerst von der Muslimen betrieben. Ca. 500 Jahre danach wurde die Führungsrolle durch die Nationalstaaten Europas übernommen. Globalisierung wurde also von einer einzigen Zivilisation, nämlich der westlichen, in Gang gesetzt. Dank ihrer Institutionen so wie ihrer maritimen und militärischen Technologien konnten diese Staaten ihre Macht mobilisieren und konzentrieren bzw. ihre Bürger motivieren und sich von diesen unterstützen lassen.
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Andere Autoren, während sie auch in Europa die Wiege der Globalisierung sehen, sind der Meinung, daß nicht die Nationalstaaten sondern der Kapitalismus das Triebwerk dieses Prozesses war (und ist). Es ist die innere Logik des Kapitalismus, daß er immer expandieren muß, und somit ermöglicht, daß ein bzw. einiger Erdteile der Welt den Rest von ihm bzw. ihr abhängig macht.
Zusammengefaßt, Globalisierung im Sinne einer politischen Vereinigung:
- „implies the projection of power by a core entity to shape a global trading system or to force other geographical entities into an international division of labour controlled by this core entity;
- [...] does not necesserily pertain to every region of the world and may have uneven effects within the same region or state;
- [...] is induced and shaped by political and economic rivalry between great powers. Thus the shape of globalisation will depend on the rise and decline of great powers; - [...] is no teleological concept, meaning that it incorporates no predetermined logic, such as the creation of a ‘world society’;
- [...] is also a dialetical process, stimulating forces of opposition against it; - [...] therefore requires an ideological justification both vis-à-vis domestic and foreign parties affected by it.“ (Ruigrok/van Tulder 1995: 146, Kursive im Original). Die Globalisierung manifestiert sich in einer Reihe von Phänomenen. Die wesentlichen darunter sind:
- räumliche Reorganisierung der Produktion; - Interdependenz der Volkswirtschaften;
- Mobilität, Diffusion und Transfer von Produktionsfaktoren, d.h. Gütern, Kapital, Menschen, Technologien, etc. - weltweite Präferenz für bestimmte Ideen.
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In der vorliegenden Arbeit wird auf die wirtschaftlichen Aspekte der Globalisierung fokussiert. Globalisierung wird entlang zwei Dimensionen in Betracht gezogen: als Internationalisierung und Transnationalisierung, also als ein Prozeß, welcher gleichzeitig in zwischenstaatlichen und zwischengesellschaftlichen Kanälen strömt.
Seit Christoph Kolumbus die Neue Welt entdeckt hat, durchzieht der Globalisierungsprozeß mehrere Stadien. Die Geburtsstunde des letzten Stadiums ist von vielen Autoren in den 70er Jahren festgesetzt (z. B. Oman 1994: 51ff ; Cox 1996: 21ff). In den 90er Jahren sind wir wieder an einer Wasserscheide. Wir wissen noch nicht, ob es sich nun um eine neue Stufe oder nur um den zweiten Unterabschnitt des seit den 70er Jahren bestehenden Stadiums handelt. Jedenfalls steht der heutige Globalisierungsprozeß in engem Zusammenhang mit tiefgreifenden und globalen Änderungen und Umbrüchen hinsichtlich der weltpolitischen Rahmenbedingungen, der Technologienentwicklung und der zentralen Akteure der Weltwirtschaft. Dies sind die Themen des nächsten Abschnitts. Im dritten Abschnitt wird das doppelte Gesicht der Globalisierung, Interdependenz und Fragmentierung, herausgearbeitet. Es werden zunächst die Verflechtungen der Volkswirtschaften in den letzten Jahren deutlich gemacht. Danach wird die ‘Triadisierung’ der Weltwirtschaft angesprochen. In diesem Punkt wird gezeigt, daß die Globalisierung der Faktorenmärkte in erster Linie zwischen den Industrie- sowie neu industrialisierten Ländern stattfindet, die sich geographisch in drei Regionen sammelt, in West- und Mitteleuropa, in Nordamerika inklusiv Mexiko und in Ost- und Südostasien einschließlich Australien und Neuseeland. Schon diese ‘Triadisierung’ impliziert eine ‘Zweiteilung’ der Weltwirtschaft. Während Länder in den oben genannten Regionen im bzw. ins Schlaglicht des Weltgeschehens stehen bzw. dahingerückt werden, wird eine Mehrzahl der Entwicklungsländer von der Weltwirtschaft sozusagen abgekoppelt. Die ‘Zweiteilung’ der Weltwirtschaft zieht sich jedoch nicht nur entlang der Staatengrenzen, sondern auch innerhalb der jeweiligen Gesellschaften.
In Abschnitt 4 werden die ‘Antworten’ auf die ‘Herausforderung’ der Globalisierung diskutiert. Sie werden in internationalen Ebenen als Multilateralismus und Regionalismus
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sowie im transnationalen als ‘neuer Wettbewerb’ und ‘neue internationale Arbeitsteilung’ berücksichtigt. Es wird gezeigt, daß Globalisierung eher ein vom Markt induzierter als ein durch den Staat geführter Prozeß ist. Die Globalisierung wird vor allem von mikroökonomischen Kräfte vorangetrieben. Antworten auf die Herausforderung der Globalisierung sind also zugleich Triebkräfte des Prozesses.
2 Die Weltwirtschaft im Umbruch
2.1 Allgemeine Weltwirtschaftskrise in den 70er und 80er Jahren
Wurzeln des heutigen Globalisierungsprozesses reichen bis in die 70er Jahre zurück. Als spektakuläre Ereignisse werden häufig der Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods in den Jahren 1971-1973 und die Ölschocks in den Jahren 1973-1974 bzw. 1979-1980 genannt.
Dem System von Bretton Woods, das 1944 in Bretton Woods (USA) als die Welt-währungsordnung der Nachkriegszeit gegründet wurde, steht ein System fester Wechselkurse auf Gold- und Dollarbasis im Mittelpunkt, wobei nur der Dollar als offizielle Leitwährung in Gold einlösbar bleiben mußte. Nach der Aufhebung des Goldeinlösungsversprechens durch die Nixon-Regierung als Folge des kostspieligen Krieges in Indochina und der Verweigerung der Dollarstützung durch die Partnerländer, ging die Welt zum zuerst freien, dann aber kontrollierten ‘Floating’ der Wechselkurse über (SEF 1993: 218). Die zweiten bzw. dritten Schläge kamen von den erdölexportierenden Ländern, als diese 1973 bzw. 1979 den Ölpreis drastisch erhöhten. Der Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods und die Ölschocks waren die Anlässe für die Stagnation in den Industrieländern und für die weltweite Schuldenkrise der Entwicklungsländer, die dann in den 80er Jahren kulminierten.
In einer anderen Perspektive sind der Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods und die Ölschocks spektakuläre Zeichen des Endes einer Epoche, die nach dem Zweiten
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Weltkrieg oft als ‘Pax Americana’ genannt wurde. Der Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods stand in engem Zusammenhang mit dem Mißerfolg der amerikanischen Missionen in Indochina und dem Wackligwerden der amerikanischen Führungsrolle. Der 1973er Ölschock war eine Reaktion vor allem der arabischen Staaten zur westlichen Unterstützung Israels, und die 1979er Ölpreiserhöhung war eine Racheakt des Irans gegen die USA.
Jenseits des Eisernen Vorhangs befanden sich Staaten des real existierenden Sozialismus auch im Krankenbett. Die sowjetische Intervention in Afghanistan hatte die sozioökonomische und politische Krise des ‘sozialistischen Weltsystems’ nur beschleunigt. Kurz gesagt, die Welt rutschte in den 70er und 80er Jahren tief in eine allgemeine politische und wirtschaftliche Krise.
2.2 Multipolarität und ‘Geo-Ökonomie’
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des sozialistischen Weltsystems in den Jahren 1989-1991 ist eine Weltordnung, die vier Jahrezehnte lang bestanden hatte, endgültig ausgelöscht worden. Die Welt ist nicht mehr bipolar; neue und alte Mächte rivalisieren sich um günstige Positionen einer noch nicht erkannten neuen Weltordnung. Am Ende des Kalten Krieges befindet sich die Welt in einer Lage, die als multipolar gekennzeichnet werden kann. Die Sowjetunion ist verschwunden. Rußland, ihr größter Nachfolgestaat, befindet sich im Tiefpunkt der Krise. Die allein gebliebene Supermacht, die USA, verliert zwar einen Erzrivalen, bekommt jedoch mehrere neue. Diese Kandidaten sind Japan, die Europäische Union und in absehbarer Zukunft vielleicht auch China. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die enstehende und konsolidierende Multipolarität keine erweiterte Version der Bipolarität des Ost-West-Konflikts wird. Mit anderen Worten wird die Welt nicht in Einflußzonen einer jeweils einzigen Großmacht geteilt, sondern vielmehr in neue Kern- und Randgebiete, wobei die jeweiligen Peripherien zugleich von allen Kernstaaten aber mit unterschiedlichen Gewichtungen beeinflußt werden. Es ist noch zu
Arbeit zitieren:
Alexander Hong Lam Vu, 1997, Globalisierung: Von der Nationalökonomie zur Weltwirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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