Inhaltsverzeichnis: Lebensstil und Sozialstruktur
1. Einleitung 2
2. Lebensstil und verwandte Begriffe 3
3. Konsum 6
4. Sozialstruktur 7
5. Theoretische Konzepte über den Zusammenhang von Lebensstil und 8
Sozialstruktur
5.1. Strukturalismus 9
5.1.1. Grundannahmen des Strukturalismus 9
5.1.2. Theoretische Konzepte 10
5.2. Pluralismus 13
5.3. Autonomer Lebensstil 17
6. Resümee 19
7. Literaturverzeichnis 21
- 1 -
1. Einleitung
Die Lebensstilforschung erlebte in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts einen wahren Boom. Obwohl die Idee des Lebensstils schon auf die soziologischen Klassiker zurückgeführt werden kann, beschäftigte sich die Nachkriegssoziologie hauptsächlich mit Klassen und Schichten. Im Laufe der Zeit stellte sich die einseitige Fokussierung auf objektive Sozialstrukturmerkmale, vornehmlich den Beruf, als Sackgasse heraus. Der allgemeine Wertewandel insbesondere nach den 68ern führte zu neuen Lebensformen, die sich mit den herkömmlichen soziologischen Kategorien nicht mehr erklären ließen. Wesentlich geeigneter erwiesen sich neu entwickelte Lebensstilkonzepte die Pluralisierung bzw. Individualisierung der Gesellschaft zu beschreiben. Sehr umstritten ist unter Soziologen der Einfluss von objektiven Lagemerkmalen insbesondere der Art der Erwerbstätigkeit auf den Lebensstil. Diese Arbeit möchte die wichtigsten theoretischen Ansätze zu dieser Problematik beschreiben und analysieren. Es sollen in den folgenden Abschnitten die Begriffe Lebensstil, Konsum und Sozialstruktur näher erläutert werden, um dann im fünften Kapitel den Zusammenhang von Lebensstil und Sozialstruktur insbesondere der sozialen Lage zu analysieren.
- 2 -
2. Lebensstil und verwandte Begriffe
Der Begriff des Lebensstils ist sehr vielschichtig und komplex. Folglich gibt es eine große Anzahl unterschiedlicher Definitionen in der einschlägigen Literatur, welche die verschiedenen theoretischen Ansätze erkennen lassen. Während Zapf in seiner Definition des Lebensstils „als relativ stabiles Muster der Organisation des Alltags im Rahmen gegebener Lebenslage, verfügbarer Ressourcen und getroffener Lebensplanung.“ (Zapf u. a. 1987, zitiert nach Spellerberg 1996:59 ) die objektive Komponente betont, ist in Michailows Definition „ Lebensstil fassen wir als eigenständige neue soziale Integrationsform, die stark mit persönlichen Identitätsbezügen verschränkt ist“ (1996: 88) von materiellen Grundlagen nicht die Rede. Eine allgemein anerkannte Definition, weil sehr weit gefasst, bietet Hartmut Lüdtke (2000: 118), der den Lebensstil als „regelmäßige Verhaltensmuster, in denen strukturelle Lagen ebenso wie Habitualisierungen, soziale Affinitäten und Präferenzen zum Ausdruck kommen.“ festlegt. Es lassen sich drei Funktionen ausmachen: (ebenda: 118)
Sicherung von Verhaltensroutine im Alltag
Ein Beispiel hierfür wäre der normale Tagesablauf einer Person, die morgens duscht und nicht abends, die zum Frühstück Kaffee trinkt und nicht Tee. Förderung der persönlichen Identität
Ein Beispiel hierfür wäre Walter Momper der ehemalige regierende Bürgermeister von Berlin, der niemals ohne roten Schal gesehen wurde. Dieser rote Schal wurde zum Markenzeichen für ihn, seine „persönliche Note“. Symbolisierung sozialer Ähnlichkeit bzw. Distinktion von anderen Ein Manager spielt Golf, um auf der einen Seite von den Mitgliedern des Golfclubs als ein Mitglied der Oberschicht anerkannt zu werden und um sich auf der anderen Seite vom „Fussballproleten“ aus der Unterschicht zu abzugrenzen.
Nun stellt sich die Frage wie man solch ein weit gefasstes Konzept soziologisch messen kann. Eine Messung ist noch komplizierter als bei eindimensionalen sozialstrukturellen Merkmalen wie z.B. Alter, Geschlecht oder Einkommen. Zwar bilden diese objektiven Merkmale einen Teil eines wissenschaftlich generierten Lebensstils
- 3 -
(Lebensstiltypologie), jedoch werden auch „manifest“ subjektive Merkmale
(Gewohnheiten, Verhaltensweisen, Mode etc. ) und „latent“ subjektive Merkmale (Werte, Einstellungen) operationalisiert (Hradil 1992: 44). Die Ergebnisse werden mit Hilfe der Clusteranalyse verarbeitet und daraus Lebensstilgruppierungen geformt, also Gruppen, mit möglichst ähnlichen Merkmalen, die sich möglichst stark von denen anderer Gruppen unterscheiden.¹
Der Lebensstil lässt sich sowohl an Individuen als auch an Kollektiven (z. B. Familien, Haushalte), die als „Träger“ bezeichnet werden, ermitteln. Bei Haushalten wird von der Annahme ausgegangen, dass Menschen, die einen Haushalt zusammen führen ähnliche Lebensstile besitzen. (Spellerberg 1996: 61) Dieser Gedanke scheint durchaus plausibel, wenn man bedenkt, dass ein Haushalt aus Flower-Power Mädchen und Bankkaufmann wohl sehr selten anzutreffen sein wird. Sollten die Lebensstile innerhalb eines Trägers dennoch relativ unterschiedlich sein, so wirkt derjenige Partner „stilprägend“, der ein größeres kulturelles² Kapital besitzt (Hradil 1996:23). Empirisch wurden je nach Untersuchung zwischen 5 und 15 verschiedene Lebensstilgruppierungen festgestellt während neuere Studien nur noch 9-12 Lebensstile bzw. Milieus unterscheiden (Hradil 1996: 17). Das Lebensstilkonzept wird hauptsächlich in zwei Forschungsfeldern angewandt. Zum einen in der Konsumforschung, auf die an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden kann und in der Ungleichheitsforschung (Wiswede 2000: 50) deren theoretische Ansätze im fünften Kapitel näher ausgeführt werden sollen. Als drittes Forschungsfeld könnte man die Freizeitforschung (Hradil 1992: 39) bezeichnen, die jedoch auch als Teil der Ungleichheitsforschung angesehen werden kann. Im Zusammenhang mit Lebensstilen tauchen in der Literatur verwandte Begriffe auf, die an dieser Stelle vom Begriff des Lebensstils abgegrenzt werden sollen. Während sich ein Lebensstil vornehmlich über „gemeinsame Verhaltensweisen von Menschen“ denen „häufig eine Art der expressiven Zurschaustellung und „Stilisierung“ [..] eigen“ ist (Hradil 1996: 16) definiert, wird ein soziales Milieu als Gruppe „Gleichgesinnter mit ähnlichen Konstellationen von Werthaltungen und Einstellungen“ charakterisiert.
¹Zur genauen methodischen Vorgehensweise siehe Spellerberg (1996: 74ff)
² Zum Konzept des „Kulturellen Kapitals“ siehe Bourdieu (1983: 185ff)
- 4 -
Diese Einstellungen und Werte werden durch die individuelle Wahrnehmung, Interpretation, Nutzung von Umwelten (sowohl in sozialer als auch geographischer Hinsicht) geprägt (Hradil 1992:31). Ein Beispiel hierfür wäre das Arbeitermilieu. Da sie in der Regel schwere und eintönige körperliche Arbeit in einer meist sehr hässlichen Umgebung verrichten müssen, ist ihnen die Zeit außerhalb der Arbeitsstätte sehr wertvoll. Weiterhin ist Sparsamkeit im Arbeitermilieu sehr stark verbreitet, da die Entlohnung meist sehr gering ist. Folglich bilden sich gewisse Lebensweisen heraus, die diesen Werten entsprechen. Eine Angleichung findet durch die Kommunikation untereinander statt. Die Begriffe Lebensstil und Milieu sind zwar nicht deckungsgleich, jedoch sind gewisse Überschneidungen festzustellen. Eine genauere Abgrenzung ist zum Begriff Subkultur möglich. Eine Subkultur ist „ein guppentypisches Syndrom von Werten und Normen, das sich von dominierenden Kulturen deutlich, oft konflikthaft unterscheidet.“ (Hradil 1992: 11). Eine Gruppe von Graffiti Sprayern setzt sich über die geltende Norm des Eigentumsrechts hinweg indem sie Wände oder Züge mit Farbe besprüht, da andere Werte z. B. der auf freie Entfaltung der Persönlichkeit oder Mut Vorrang haben. Folglich entsteht hier ein Konflikt zur „Hauptkultur“ also der Gesellschaft, die das Besprühen von Gegenständen mit Sanktionen ahndet. Auch aufgrund dieser Konflikthaftigkeit ist eine Subkultur geschlossener als ein Milieu. Die Geschlossenheit sinkt von der Subkultur über das Milieu bis zum Lebensstil (Hradil 1996:16)
Lebensstil, Lebensform, Milieu und Subkultur lassen sich unter dem Begriff der Lebensweise zusammenfassen, da mit all diesen Begriffen „sozio-kulturelle Syndrome“ beschrieben werden (Hradil 1992: 11 und 29)
- 5 -
Arbeit zitieren:
Clemens Wörner, 2006, Der Zusammenhang von Lebensstil und Sozialstruktur, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Entstehung von Lebensstilen
Medien / Kommunikation - Sonstiges
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Internetbasiertes Immobilienmarketing
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Immobilienmärkte im Internet - Eine Marktbeschreibung
Hausarbeit (Hauptseminar), 35 Seiten
Vermarktung von Immobilien via Internet
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Der Klimawandel und das neue ökologische Bewusstsein – oder wird der Z...
Politik - Internationale Politik - Klima- und Umweltpolitik
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
LOHAS - Eine kritische Zielgruppenanalyse unter besonderer Berücksicht...
Seminararbeit, 23 Seiten
Die Pluralisierung der Lebensformen: Von der bürgerlichen Kernfamilie ...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 15 Seiten
Warum der Gast den falschen Kellner anschreit
Die Ensembledarstellung im Auß...
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Essay, 6 Seiten
Die Neoklassik - Grundlagen und zentrale Aussagen
Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Grundlagen der Lebensstil- und Milieuforschung
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Seminararbeit, 30 Seiten
Die Auswirkungen von Individualisierungsprozessen auf die Haushalts- u...
Eine Sekundäranalyse von Unter...
Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie
Magisterarbeit, 100 Seiten
Zu: Pierre Bourdieu - Die feinen Unterschiede
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Referat (Ausarbeitung), 13 Seiten
Wohnen und Wohnung als soziologische und ökonomische Kategorie
Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie
Seminararbeit, 24 Seiten
Subjektivierung von Arbeit aus der Subjektperspektive
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Seminararbeit, 17 Seiten
Wohnwelten der Zukunft - New Urbanism als Lösung?
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Diplomarbeit, 165 Seiten
Lebensbedingungen und Lebensstile
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit, 22 Seiten
Clemens Wörner's Text Der Zusammenhang von Lebensstil und Sozialstruktur ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Clemens Wörner hat den Text Der Zusammenhang von Lebensstil und Sozialstruktur veröffentlicht
Clemens Wörner hat einen neuen Text hochgeladen
Soziologische Aufklärung als moralische Passion: Pierre Bourdieu
Versuch der Verführung zu eine...
Wolfgang Lempert
Pierre Bourdieu und die Kulturwissenschaften
Zur Aktualität eines undiszipl...
Sophia Prinz, Hilmar Schäfer, Daniel Suber
0 Kommentare