1. Einleitung 3
1.1. Zentrale Fragestellungen: 3
2. Die Trennungsphase 3
2.1. Art und Inhalt der Mitteilung des Entschlusses 4
2.2 Wäre die Weiterführung der Ehe aus pädagogischer Sicht besser für das Kind 5
2.3. Bewältigung der Trennung 6
3. Die Trennungsfolgen 8
3.1. Die Nach-Scheidungs Krise 9
3.2. Hilfe zur Überwindung der Nach-Scheidungs Krise 11
3.3. Die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes 13
3.4. Das traumatisierte Kind 15
4. Der Neuanfang 16
4.1. Das geschiedene Kind 17
4.2. Sind Scheidungskinder im späteren Leben zum Scheitern verurteilt 18
5. Literaturverzeichnis 19
2
1. Einleitung
Die kindlichen Lebenserfahrungen bilden das Fundament für die spätere Entwicklung des Menschen, auch die Scheidung der Eltern beeinflusst das Kind in seiner Persönlichkeitsentwicklung. In späteren Krisensituationen erinnert es sich an die Trennung der Eltern und die dadurch entstandenen Konflikte und Probleme zurück. Die Scheidung scheint heutzutage beinahe alltäglich und normal geworden zu sein. In den vergangenen 15 Jahren wurden mehr als zwei Millionen Kinder zu Scheidungsopfern (vgl. „Stern“ 2007/ Nr.2, S.76). Die hohe Zahl der von diesem Schicksal betroffenen Kinder soll Anlass geben, zu untersuchen, wie die Kinder die Trennung der Eltern erleben und verkraften und wie die Eltern Hilfe zur Bewältigung der Trennungsprobleme ihres Kindes leisten können.
1.1. Zentrale Fragestellungen:
Wie wirken sich Art und Inhalt der Mitteilung auf das Trennungserlebnis des Kindes aus? Wie kann dem Kind die Trauer genommen werden?
Welche Auswirkungen hat die Trennung der Eltern für das Kind?
Sind Scheidungskinder im späteren Leben zum Scheitern verurteilt?
2. Die Trennungsphase
Die Trennung der Eltern bildet eine schwierige Phase im Leben des Kindes, die es zu bewältigen gilt. Die Eltern selbst haben mit eigenen Schuldgefühlen zu kämpfen, sie stehen im Konflikt mit ihrem elterlichen Gewissen auf der einen Seite und ihren persönlichen Gefühlen auf der anderen (vgl. Figdor 2001, S. 12). Kinder spüren, wenn ihre Eltern unglücklich sind und leiden, sie geraten schnell in die Rolle des Ehetherapeuten. „...versuchen, die Eltern oder einen Elternteil zu trösten oder Maßnahmen zu ergreifen, welche die Wiederversöhnung der Eltern herbeiführen soll.“(Figdor 2001, S. 15). Häufig miterlebte Streitereien der Eltern weisen auf eine Trennung hin, die Kinder spüren, dass etwas nicht stimmt und haben Angst um die Zukunft der Familie. „ ..., daß Streitereien oder gar Tätlichkeiten zwischen den Eltern bei den Kindern regelmäßig große Angst
3
hervorrufen.“ (Figdor 2001, S.14). Auch Jahre später kann sich das Kind noch an diese Auseinandersetzungen erinnern.
Es sind nur wenige Kinder, die nichts von ihrem Schicksal ahnen, dass sich die Familie trennen wird, sie sehen in den Eltern nur die liebevollen, fürsorglichen Menschen, da sie Streitereien und Probleme der Eltern nicht mitbekommen.
Den Kindern ihren Entschluss, sich zu trennen, mitzuteilen, fällt allen Eltern schwer- sie fühlen sich schuldig, weil sie dem eigenen Kind Leid zufügen 1 .
2.1. Art und Inhalt der Mitteilung des Entschlusses
Die Art und Weise, wie die Eltern den Kindern ihren Entschluss mitteilen, wirkt sich auf das Scheidungserlebnis des Kindes aus. Während die einen Eltern sich mit dem Kind zusammen hinsetzen, um ihm ihre Entscheidung mitzuteilen, ist in anderen Familien bereits ein Elternteil gegangen, ohne dem Kind sein Weggehen zu erklären. Kinder verstehen Sätze wie „Wir hatten oft Streit, wir trennen uns!“ nicht, da auch sie hin und wieder Streitigkeiten haben und nun Angst bekommen. „Mehr anfangen aber können kleine Kinder mit Sätzen wie: “Papa wird in einer anderen Wohnung wohnen, aber er wird kommen, um mit dir zu spielen.“ Kinder wollen versorgt sein und geschützt.“(„Stern“ 2007/ Nr.2, S.78). Eltern bemühen sich oft nicht, dem Kind begreiflich zu machen, warum sie sich so entscheiden und warum sich die Familiensituation ändern wird. Das Kind soll verschont bleiben von elterlichen Problemen, man meint, das Kind ist noch zu jung, es kann noch nicht verstehen, folglich aber wird dem Kind keine Chance gegeben, die Situation zu verarbeiten. Andere Elternteile, die bereits allein dastehen, machen den Ex-Partner vor dem Kind schlecht, da sie verletzt sind und meinen, es wäre auch besser für das Kind, diesen Menschen nicht mehr zu sehen. Sie haben Angst, dass Kind könne sich für den Ex-Partner entscheiden und letztlich auch weggehen.
Die Gefühle, die die Nachricht im Kind auslösen, sind für die Eltern oft nicht zu erahnen. Für das Kind ist es wichtig, dass die Eltern die Wahrheit sagen, damit es sich eine eigene Meinung bilden kann und nicht aufgrund verletzter Gefühle der Eltern ein Meinungsbild aufoktroyiert bekommt. Wichtig ist auch, dass dem Kind die Gründe für die Scheidung so erklärt werden, dass es altersgerecht verstanden werden kann.
1 Ich gehe davon aus, dass das Kind ein gutes Verhältnis zum Vater hat und in der Familie keine Gewalt vorherrscht.
4
Kinder haben nach der Trennung ihrer Eltern individuelle Schicksale zu durchleben. Die einen sehen den Vater 2 nicht mehr, die anderen haben nun zwei Elternhäuser und damit die Wahl, wann sie zu wem möchten. Diese Kinder haben einen zusätzlichen Rückzugsraum gewonnen und wenn sie sich mit der Mutter streiten, haben sie die Möglichkeit, sich beim Vater zu erholen. Andere Kinder müssen damit leben, dass der Vater ein schlechter Mensch ist, da die Mutter nicht möchte, dass das Kind ihn sieht, die Mutter projiziert ihren Trennungsschmerz auf das Kind und redet dementsprechend abwertend über den Vater. Sie erwartet, dass das Kind für sie Partei ergreift. Da das Kind in diesem Moment ohnmächtig ist, akzeptiert es der Mutter zur Liebe, dass es den Vater nicht sehen darf, denn es hat ja nur noch die Mutter, so möchte es nicht mit ihr streiten.
Das Kind möchte möglichst wenig Ärger machen, da es sieht wie belastet und unglücklich die Mutter durch die Scheidung ist. Die Mutter ist schnell gereizt und genervt. „... bedeutet jede negative Reaktion des Kindes eine Bedrohung für das seelische Gleichgewicht der Mutter,...“(Figdor 2001, S.16). Das Kind zieht sich mehr und mehr zurück, es reagiert anders als früher auf gegebene Situationen- aufgrund verdrängter Gefühle tritt eine Persönlichkeitsveränderung auf.
2.2 . Wäre die Weiterführung der Ehe aus pädagogischer Sicht
besser für das Kind?
Studien zufolge haben Scheidungskinder eine schlechtere Schulbildung als Kinder aus „heilen Elternhäusern“. „Alleinerzieher- und Scheidungskinder weisen im Durchschnitt einen kürzeren Schulbesuch auf, besuchen weniger oft mittlere und höhere Schulen und verfügen schließlich über ein geringeres berufliches Ausbildungsniveau. 3 “(Figdor 2001, S.14). Sichtbar wird hier das Ergebnis von Konzentrationsstörungen in der Schule, die die Kinder infolge von inneren, aus der Scheidung resultierenden Konflikten haben. Nahezu alle Kinder leiden unter der Trennung ihrer Eltern, mit ihren Problemen werden sie allein gelassen, der schulische Abstieg folgt.
Ist es also im Sinne des Kindes, sich nicht zu trennen?
Fest steht, dass das Kind darunter leidet, wenn es den Eltern schlecht geht, Streitereien der Eltern lösen im Kind Ängste aus. „ Es herrscht allgemeine Einigkeit darüber, daß die Kinder, welche in den Kampf zwischen Mutter und Vater fast immer mit hineingezogen werden,
2 Ich gehe vom „Normalfall“ aus, in dem das Kind bei der Mutter wohnen bleibt.
3 In Knapp/ Verzentnitsch 1983; Napp- Peters 1987; Wallerstein/ Blakeslee 1989
5
dadurch in schwere Loyalitätskonflikte geraten, die sie überfordern und ihre seelische Entwicklung beeinträchtigen.“(Figdor 2001, S.15). Die Eltern erwarten im Streit unbewusst eine Parteiergreifung des Kindes für ihren Standpunkt, das Kind fühlt sich hin- und hergerissen zwischen den Eltern. Keineswegs sollten die Eltern das Kind in ihre Streitereien integrieren oder einen Standpunkt von ihm erwarten.
Ein Ehepaar, das viele Probleme hat, muss sich scheiden lassen, es ist falsch, dem Kind zur Liebe zusammen zu bleiben. Diese Eltern würden das Kind unbewusst dafür beschuldigen, dass es ihnen schlecht geht und sie leiden. Aggressionen und Probleme wären also vorprogrammiert. Im Sinne des Kindes wäre es, eine Partnerschaft solange aufrecht zu erhalten, wie es beide Partner können und möchten, jedoch ist jeder Zwang der Aufrechterhaltung einer Beziehung negativ für alle Beteiligten.
Allgemein ist eine Weiterführung der Ehe also nicht im Sinne des Kindes, wenn es den Eltern dabei nicht gut geht. Es kann des Weiteren auch nicht nachgewiesen werden, dass das Kind die Verhaltensweisen, die es nach der Scheidung zeigt, nicht auch hätte, wenn die Eltern sich nicht getrennt hätten.
Pädagogisch wertvoll wäre, wenn die Eltern versuchen, Konflikte des Kindes zu verstehen und stets zu helfen, wenn sich das Kind einsam oder nicht geliebt fühlt. Viele Eltern übersehen die Symptome des Kindes und suchen, wenn überhaupt, erst zu spät professionelle Hilfe auf. Geben die Eltern dem Kind Gelegenheit, über Gefühle und Schmerzen, die durch die Scheidung ausgelöst wurden, zu sprechen, kann das Kind die Probleme bewältigen und somit würde sich die Scheidung auch nicht in diesem Maße auf die Schullaufbahn auswirken. Allgemein ist zu sagen, dass ein Kind zwar über die Trennung der Eltern traurig ist, jedoch ist relevant, wie sie sich trennen.
2.3. Bewältigung der Trennung
Das Kind hat mit der plötzlichen Abwesenheit des Vaters zu kämpfen, es hat einen wichtigen, geliebten Menschen erst einmal verloren, denn der Vater hat seine Koffer gepackt und die Familie verlassen.
Das Alter, in dem sich das Kind während der Trennungsphase befindet, beeinflusst auch sein Verhalten. Ein Kleinkind 4 kann die Art der Liebe zwischen den Eltern nicht von der Liebe zwischen dem Vater und sich selbst unterscheiden. Das Kind lebt nach der Illusion, dass es ein genauso wichtiger Lebenspartner ist wie die Mutter. „“Aber warum geht er denn auch von
4 Gemeint sind Kinder bis zum 4. Lebensjahr
6
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Hanna Rühle, 2006, Das geschiedene Kind, Munich, GRIN Publishing GmbH
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