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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis.................................................................................................................................. 2
1. Einleitung 3
2. Figurendarstellung 4
2.1 Persönlichkeit. 4
2.2 Methode 7
3. Beziehung zwischen Erzähler und Detektiv. 10
4. Erzählperspektive. 12
5. Fazit 13
6. Literaturverzeichnis 14
1. Einleitung
Wenn wir an einen Vater aller literarischen Detektive denken, dann kommt uns meist Sherlock Holmes in den Sinn. Die Figur gilt als Vorlage späterer namhafter Detektive, der Name fast schon als Synonym für „Detektiv“. Die vom englischen Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle erfundene Figur erlangte solch einen Erfolg, dass sie vielfach und in allen erdenkbaren Medienformaten parodiert, imitiert und rekonstruiert wurde (vgl. Knight 1980, 67). Der erste im Jahre 1887 veröffentlichte Holmes-Roman A Study in Scarlet schlug „wie eine Bombe auf dem Gebiet der Detektivliteratur ein“ (Sayers 1977, 169). Der Erfolg machte Doyle reich, zwang ihn aber auch, seine Holmes-Geschichten fortzuführen, obwohl er sich lieber mit anderem beschäftigt hätte (vgl. Knight 1980, 67).
Oft bleibt vergessen, dass Sherlock Holmes nicht der Ursprung aller großen Detektive der Literatur war, hatte er doch selbst eine noch ältere Detektivfigur als Vorbild: C. Auguste Dupin, der schon 1841 in drei Kurzgeschichten des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allan Poe ermittelt. Doyle schreibt selbst: „Poe’s masterful detective, M. Dupin, had from boyhood been one of my heroes.” (Doyle 1944, 47) Poe sei „’der Vater der Detektivgeschichte’“, es schiene unmöglich, dass „’Nachahmer irgendwo Neuland erschließen könnten, das sie mit voller Überzeugung als ihr eigen anzusehen vermöchten.’“ (Matthews 1977, 51 f). In A Study In Scarlet findet sich auch eine Referenz, als Holmes’ Freund Watson dem Detektiv gegenüber bemerkt: „You remind me of Edgar Allen [sic] Poe’s Dupin“ (Doyle 2004, 16). Dennoch wird der Holmes-Firgur so viel Eigenständigkeit zugeschrieben, dass spätere Detektive der englischen Literatur in der Regel auf ihn und nicht auf Dupin zurückgeführt werden. (vgl. Becker 1975, 11 f)
Anhand Poes erster Dupin-Geschichte „The Murders in the Rue Morgue“, die erstmals 1841 in Graham’s Magazine erschienen ist (vgl. Poe 2004, 239), und Doyles erster Holmes-Geschichte „A Study in Scarlet“ (erstmals erschienen in Beeton’s Christmas Annual of 1887, vgl. Doyle 2004, VIII), werde ich im Folgenden überprüfen, wo die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede zwischen C. Auguste Dupin und Sherlock Holmes liegen. Ich werde dabei auf die Darstellung der beiden Detektivfiguren, insbesondere auf ihre detektivischen Methoden, und auf die jeweiligen Beziehungen zwischen den Erzählern und den Detektiven eingehen. Da es sich anbietet, werde ich zudem die Erzählperspektiven miteinander vergleichen. So lässt sich insgesamt feststellen, wo sich Doyle an Poe orientierte und wo nicht, d.h. wie viel Eigenständigkeit die Holmes-Figur besitzt.
2. Figurendarstellung
2.1 Persönlichkeit
Die Persönlichkeit der Hauptfigur Dupin wird uns durch die Erzählung des namenlosen Chronisten der Geschichte vermittelt. Durchweg wird uns ein unglaublich analytisches Genie vor Augen gehalten. Der Effekt wird einerseits erzielt durch die bloße Handlung: Sie verläuft immer zu Dupins Gunsten, mit seinen Schlussfolgerungen trifft er immer ins Schwarze. Andererseits untermauern die direkten Reaktionen des Erzählers auf die geistigen Kunststücke von Dupin das Bild des Genies. Immer wieder bringt er seine Überwältigung zum Ausdruck: „’Dupin,’ said I gravely, ‚this is beyond my comprehension. I do not hesitate to say that I am amazed, and can scarcely credit my senses. How was it possible you should know I was thinking of -?’” (Poe 1994, 123) oder “I stared at the speaker [Dupin] in mute astonishment” (ebd., 135).
Der Franzose Dupin stammt aus einer aristokratischen Familie, geriet jedoch durch gewisse Umstände in Armut und unternahm keine Anstrengungen, seine finanzielle Lage zu ändern, „Books, indeed, were his sole luxuries“ (Poe 1994, 121). Nicht nur hier wird deutlich, dass soziale Werte für ihn keine Rolle spielen. Auch das Ausbleiben einer Kritik an dem Halter des Orang-Utans, der durch die Züchtigung des Tieres die Tötung in der Rue Morgue mitzuverschulden hat (vgl. ebd., 150 f), lassen erkennen, dass es Dupin nicht an der Aufrechterhaltung einer sozialen Ordnung liegt. Zwar revanchiert sich Dupin durch seine Mithilfe an dem Fall bei dem zu Unrecht inhaftierten Le Bon für einen Gefallen, den ihm dieser einst getan hat, was eine soziale Ader vermuten lässt, doch der Hauptimpuls für seine Detektivarbeit ist bloßes Vergnügen an der Sache selbst: „[Dupin] is motivated by the specific intellectual problem, rather than by social or ethical values. [Because] much of the tale is taken up by lengthy discussions of his psychological, analytic and linguistic theories.” (Kayman 2003, 45) „’An inquiry will afford us amusement’“ (Poe 1994, 133), sagt Dupin selbst, Le Bon erwähnt er erst an zweiter Stelle. Auch sein Gefährte bemerkt: “He seemed, too, to take an eager delight in [it] […] and did not hesitate to confess the pleasure thus derived.” (ebd., 123)
Dupin und gewisse Beamte der örtlichen Polizei kennen sich zwar gegenseitig, er selbst ist jedoch kein offiziell von der Polizei beschäftigter, sondern ein Amateur-Detektiv. Seinen Lebensunterhalt bestreitet Dupin daher nicht durch die Detektivarbeit, sondern durch Zinsen eines kleinen Erbes (vgl. ebd., 121). Die Bekanntschaft zwischen ihm und den Beamten resultiert anscheinend aus Dupins bereitwilliger und erfolgreicher Mitarbeit an Kriminalfällen in der Vergangenheit: in „The Murders in the Rue Morgue“ erfahren wir, dass ihm der Polizeipräfekt G - ohne Umstände den Zugang zum Tat-ort erteilt (vgl. ebd., 133). Das Verhältnis zu den Kollegen bei der örtlichen Polizei ist stets von seinem Überlegenheitsgefühl geprägt, das teilweise in Spott übergeht: die seiner Meinung nach unangemessenen Methoden der Polizei vergleicht er beispielsweise mit der Literaturfigur Monsieur Jourdain, die einen Schlafrock verlangt, um die Musik besser hören zu können (vgl. ebd., 132).
in diesen Momenten kalt und ausdruckslos und die Tonhöhe seiner Stimme macht einen Sprung aufwärts, was in dem Erzähler die Vorstellung eines doppelten Dupins - „the creative and the resolvent“ (ebda) - erweckt, woraufhin dieser feststellt, dass die Veränderung seines Wesens in dem Zustand des „auflösenden“ Dupins wohl das Resultat einer fast krankhaft enthusiastischen Intelligenz sein müsse.
Auf das von Kayman angesprochene hohe intellektuelle Interesse (s.o.) verweist sein Freund mit der Bemerkung: „I was astonished […] at the vast extent of his reading“ (ebd., 122). Aber Dupin ist nicht nur überdurchschnittlich intellektuell, sondern ein ausgesprochener Exzentriker: „It was a freak of fancy in my friend […] to be enamoured of the night for her own sake; and into this bizarrerie, as into all his others, I quietly fell.” (ebda) Dabei wird seine exzentrische Persönlichkeit vom Erzähler als belebend und phantastisch empfunden. (ebd., 121 f)
Etwas Befremdliches hingegen hat Dupins Nationalität an sich, berücksichtigt man den historischen Kontext. So stellt Bloom fest: „to an American this [his being French], in the nineteenth century, is in a sense exoticism“ (Bloom 1988, 20). Auch sein fast asozialer Lebensstil, den er mit dem Erzähler gemeinsam pflegt, ist exotisch. Die beiden Protagonisten schotten sich völlig von ihren Mitmenschen ab, sind nachtaktiv und erlauben keine Besucher. (vgl. Poe 1994, 122) „Had the routine of our life at this place been known to the world, we should have been regarded as madmen.“ (ebda)
In einigen Punkten ähneln sich die Figurendarstellungen von Dupin und Holmes. Auch Holmes’ Persönlichkeit wird uns von seinem Gefährten vermittelt, auch dieser konstruiert das Bild eines analytischen Genies. Jedoch beschränkt sich Doyle größtenteils auf den Handlungsablauf, um diesen Effekt zu erzielen. Die Handlung ist immer auf Holmes Seite, bestätigt immer seine unglaublichen Fähigkeiten. Sei es, dass er, ohne auch nur ein Wort mit Watson gewechselt zu haben, errät, dass dieser gerade aus Afghanistan kommt (vgl. Doyle 2004, 6), oder anhand der wenigen Spuren am ersten Tatort verblüffend detailreiche Aussagen über Täter und Tathergang machen kann (vgl. ebd., 26), die sich später als Fakten bestätigen. Doyle hat die Feder schließlich in der Hand und kann die Handlung immer so steuern, dass sie Holmes übermenschlich intelligent erscheinen lässt. Watson hält sich mit Hochach-tungsbekundungen im Vergleich zu Dupins Freund eher zurück, seine empörte Haltung Holmes gegenüber („I was still annoyed at his bumptious style of conversation“, ebd., 17) weicht nur nach und nach dem Respekt: „I confess that I was considerably startled by this fresh proof of the practical nature of my companion’s theories.“ (ebd., 18).
Wie auch Dupin repräsentiert Holmes den Intellekt, jedoch differenziert Doyle bei Holmes den Wissensbegriff: Philosophie oder Astronomie interessieren Holmes nicht, dementsprechend besitzt er auf diesen Gebieten kaum Wissen. In den Bereichen, die seiner Detektivarbeit wichtig erscheinen, verfügt er hingegen über ein enzyklopädisches Wissen (vgl. ebd., 12 f). Auch Holmes lebt trotz seines Intel- lekts wie Dupin in eher bescheidenen finanziellen Verhältnissen: seine Unterkunft kann er ohne Mit-
Arbeit zitieren:
Ines Sundermann, 2007, "You remind me of Edgar Allan Poe’s Dupin", München, GRIN Verlag GmbH
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