A.) E i n l e i t u n g
S. 2
B.) Hauptteil
1.) Der Zug der Kimbern und Teutonen
1.1) Der Ausgangspunkt des Zuges 2
1.2) Charakterisierung der betreffenden Wandervölker 4
1.3) Stationen des Zuges 5
1.4) Beweggründe der Kimbern 7
2.) Schlachtgeschehen
2.1) Römische Niederlagen 8
2.2) Schlachten die zum Untergang der Wandervölker führen 9
3.) Roms Beweggründe und Reaktion
3.1) Festsetzung in der „Gallia Transalpina“ 13
3.2) Gaius Marius 14
4.) Archäologisches zum Kimbernzug
S. 16
C.) Literaturliste
S 1 8
1
A.) Einleitung
Es gilt als sicher, dass es einen Zug der Kimbern und Teutonen gegeben hat. Ebenso ist Fakt, dass dieser Zug für die Römer eine Bedrohung war, mit der sie zu Beginn nicht richtig umzugehen vermochten. Trotzdem stellen diese Ereignisse heute noch ein komplexes Forschungsproblem dar. Es existieren kaum Zeitzeugenberichte und die Autoren der Antike, welche ein späteres Resümee ziehen, sind sich mit der Darlegung der Fakten nicht immer ganz einig.
Es gibt zu diesem Themenbereich auch nur vereinzelte archäologische Befunde, die zudem leider kaum Klarheit in den ungleichen Quellen schaffen. Um den Zug der sogenannten Wandervölker zu rekapitulieren und dessen Absichten zu verstehen, ist es zweifellos nötig, antike Quellen mit moderner Forschungslage und deren Theorien im Diskurs zu betrachten.
B.) Hauptteil
1.) Der Zug der Kimbern und Teutonen
1.1) Der Ausgangspunkt des Zuges
Die lange Reise der Wandervölker beginnt nach Aussage unterschiedlicher moderner sowie auch antiker Autoren um 113 v. Chr. auf einer Halbinsel am nördlichen Ozean. 1 Moderne Autoren identifizieren diese Halbinsel dann als das dänische Jütland. 2 Es existiert auch die von Weibull, Scheel und Müllenhoff vertretene These, die Kimbernheimat habe westlich der Elbe gelegen, doch hat Velleius, sowohl antiker Autor als auch römischer Offizier unter Tiberius, auf dem römischen Vormarsch in dieses Gebiet nichts von einer Unterwerfung der Kimbern, oder deren Überresten berichtet. 3
Jütland (dänisch Jylland) setzt die Kimbrische Halbinsel nördlich von Schleswig-Holstein fort, zugleich wird auch die gesamte Halbinsel zuzüglich des angrenzenden, heutigen deutschen Bundeslandes so genannt. Jütland besitzt ungefähr 70 % der Gesamtfläche Dänemarks.
1 Strabon, Geographica 7,2,1; Poseidonios FgrHist 87 F 31,1
2 Timpe 1994, S 33; Koestermann 1969, S 311.
3 Koestermann 1969, S 311 -312.
2
Nicht völlig geklärt ist jedoch die Auszugsursache der Wandervölker. Poseidonios und Strabon vermuten Raublust und eine Überflutung. 4 Poseidonios weist hierbei auf Hebungen und Senkungen der Erdoberfläche hin. Es ist jedoch unklar, ob es sich bei der genannten Überflutung um plötzliche Sturmfluten mit anschließenden Überschwemmungen oder um eine allmähliche Veränderung des Küstengebietes handelt. Strabon bestreitet zwar die Existenz einer Überflutung nicht, erklärt aber das Motiv Zorn über ein solches Naturphänomen als nicht ausreichend für einen Auszug. Zu dieser Aussage bringt ihn die Tatsache, dass Kimbern weiterhin, auch noch nach dem Auszug, die Halbinsel bewohnen. Das Land kann durch eindringende Wassermassen also nicht völlig zerstört worden sein, die Kimbern seien vielmehr an diesen Naturvorgang gewohnt gewesen, als dass dieser sie emotional so sehr berührte. In Bezug auf die Raublust berichtet Strabon von einem Kriegszug der Kimbern bis zum Asowischen Meer und stellt sogar einen Zusammenhang in der Nomenklatur mit dem Kimmerischen Bosporus her. 5
Florus schreibt jedoch, dass Kimbern, Teutonen und Tiguriner fliehen, da das Meer ihre Ländereien überschwemmt. Allerdings siedelt er die Völker auch in den „äußersten Winkel Galliens“ an. 6 Dies ist zwar nicht korrekt, zeugt aber zumindest davon, dass die Wandervölker von einem romfernen Punkt ihren Zug begonnen haben müssen. Eine weitere Stellungnahme ist bei Plutarchos zu finden. Dieser erklärt, dass die Germanen Räuber als Kimbern bezeichnen. 7 Allerdings widerspricht dies ein wenig den Aussagen des Festus, welcher andersherum erklärt, die Kimbern wurden in keltischer Sprache „Räuber“ genannt. 8 Ähnlich schreibt Diodoros: „…sie (die Kimbern) sind nämlich seit alters bestrebt, fremde Gebiete zu überfallen und auszurauben…“ 9
Selbst wenn die etymologischen Unklarheiten über „Räuber“ und „Kimbern“ hier nicht gelöst werden können, so steht doch fest, dass, laut diesen Berichten, das Verhalten eines Räubers dem eines Kimbers so unähnlich nicht sein kann.
Wirft man einen Blick auf die moderne Forschungslage, so stößt man auf die Auffassung von Dobesch. Hier wird ein solches Wandervolk mit „einem Heuschreckenschwarm“ verglichen, stets darauf bedacht, neue Ländereien „abzugrasen“ und „noch unausgeschöpften Möglichkeiten des Raubens“ aufzuspüren und auszureizen. 10
4 Strabon, Geographica 7,2,1; Poseidonios FgrHist 87 F 28,6
5 Strabon, Geographica 7,2,2
6 Florus 1,38,1
7 Plutarchos, Marius 11,5
8 Festus 37 L
9 Diodoros, 5,32,4
10 Timpe 1994, S 32.
3
Timpe stützt die Identifikation der Kimbernhalbinsel mit Jütland auf die augusteische Behauptung, eine römische Flottenexpedition wäre an der Nordseeküste auf Kimbern gestoßen. Zudem existiert ein bisher unwiderlegter Zusammenhang mit dem Kimbernnamen und dem dänischen Landschaftsnamen Himmerland. 11 Auch hier werden Räuberexistenz und Landverlust durch Meereseinbruch als Auswanderungsmotive genannt. Zuletzt sei noch eine sehr logische Schlussfolgerung genannt. Zu dieser Zeit werden noch keine Deiche aufgeschüttet, demzufolge ist nicht das gesamte Siedlungsgebiet der Kimbern durch natürliche Dünenwälle gesichert und die offene Wattküste im Süden Jütlands ist daher den Launen der Natur ausgesetzt. Es wäre nur verständlich, wenn sich die dort siedelnden Kimbern zur Auswanderung entschließen um einer immer wiederkehrenden Flutplage zu entgehen. 12
1.2) Charakterisierung der betreffenden Wandervölker
Es gibt keine völlige Übereinstimmung der beteiligten Wandervölker bei den antiken Autoren. Meist werden die beiden großen Volksstämme, die Kimbern und Teutonen in einem Atemzug genannt, so etwa bei Velleius Paterculus. 13 Von einem vorhergehenden Bezug auf Florus in dieser Arbeit wissen wir auch, dass Tiguriner am Zug beteiligt gewesen sein sollen. Pompeius Festus schreibt von dem gallischen Volksstamm der Ambronen, welche ebenfalls mit den Kimbern und Teutonen bekämpft wurden. 14 Es taucht auch das Volk der Toygenoi, oder die Tougener, in den antiken Quellen auf, diese werden aber nur bei Strabon erwähnt, 15 weshalb die Vermutung nahe liegt, Poseidonios, Strabons Quelle, könnte damit die Teutonen meinen. Die andere und sehr wahrscheinliche Deutungsalternative wäre, dass die Tougener einen eigenen kleinen Stamm darstellen und sich den Wandervölkern während deren Durchzug durch tougener Gebiet anschließen.
Schenkt man den Berichten des Plutarch Glauben, so sind die betreffenden Personen sehr groß gewachsen und lassen sich aufgrund ihrer hellen Augenfarbe zu den Germanenstämmen am nördlichen Ozean zuordnen. 16 Er charakterisiert die Barbaren als sehr frech und kühn in der Kriegsführung 17 , als wütend, grausam und mutig, was ihr Verhalten nach ihrer Niederlage anging. Die Frauen sollen unter „grässlichem Wutgeschrei“ auf Feinde und flüchtende
11 Timpe 1994, S 33.
12 Koestermann 1969, S 313-314.
13 Velleius Paterculus, 2,12,2
14 Pompeius Festus (S. 15 s. v. Ambrones), Orosius, Historiae adversum paganos 5,16,13
15 Strabon, Geographica 7,2,2 und 4,1,8
16 Plutarchos, Marius 11,5
17 Plutarchos, Marius 12,5 und 20,3
4
Freunde losgegangen sein und dabei tapfer bis zum sprichwörtlichem bitteren Ende gekämpft haben, ohne aufzugeben. 18 Aber auch hier gibt es Widersprüche: Laut anderen Autoren baten die Teutonenfrauen die Sieger, als Priesterinnen Dienst tun zu dürfen, anstatt sich abschlachten zu lassen. 19
Unter dem modernen Blickwinkel fällt auf, dass die Wandervölker trotz schwerer Wagenkolonne erschreckend mobil sind, sofern sie sich natürlich auf einigermaßen gefestigten Landwegen bewegen. Dennoch führen sie aber kein Nomadendasein, da die Mobilisierung stets aufgrund Notlagen (Vertreibung durch die Natur oder andere Völker) und dann aber mit Landforderungen oder Forderungen der Existenzgewährleistung im Einklang geschieht. Zahlenmäßig sind sie in etwa auf 15 000 Menschen zu schätzen. 20 Die Kimbern haben Ahnung von planmäßiger Aufstellung und dem Durchführen einer Schlacht. Zugleich verfügen sie wohl über Sturm- und Belagerungstechniken und sind kämpferisch mit Langschwertern, Schilder, Wurfspießen und Körperpanzer gut gerüstet. 21 In diplomatischen Zusammenhängen vertrauen sie keltischen Kultformen, sind damit den Römern gegenüber aber nicht sehr erfolgreich. 22
Ihre rohe Lebensweise, der gekochte Speisen und gebackenes Brot sowie Bäder und befestigte Behausungen fremd waren, zwingt sie einerseits zu militärischen Höchstleistungen, macht aber
andererseits eine zivilisatorische Integration unmöglich. 23
Hierbei erklärt sich aber auch der räuberische Aspekt ihrer Lebensweise, der unabdingbar ist, sobald Jagen, Krieg führen und umherziehen in den Vordergrund und Ackerbau zugleich in den Hintergrund gerückt werden.
1.3) Stationen des Zuges
Auf ihrem Zug in Richtung Süden, wahrscheinlich längs der Elbe um eigene Schiffbestände für den Transport zu nutzen 24 , stoßen die Wandervölker zunächst am herkynischen Wald auf das Volk der Boiern. Der herkynische Wald ist der erste genannte Fixpunkt der Wanderung 25 , es ist jedoch nicht bekannt, auf welchem genauen Weg dieser erreicht wird. Nach modernen
18 Plutarchos, Marius 19,9, Pohl 2000, S 11-12.
19 Valerius Maximus 6,1; Hieronymus, Epistuale 123,7,3
20 Koestermann 1969, S 314.
21 Plutarchos, Marius 19,9; 23,3; 25,10-11;
22 Timpe 1994, S 51.
23 Timpe 1994, S 52.
24 Koestermann 1969, S 315.
25 Strabon, Geographica 7,2,2
5
Arbeit zitieren:
Alexander Hofstetter, 2005, Kimbern und Teutonen in Südgallien und Roms Reaktion, München, GRIN Verlag GmbH
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