Abstract
Deutsch
Die Informations- und Kommunikationstechnologiebranche ist durch die Ambivalenz - Enabler, als Querschnittsdisziplin und Basistechnologie für andere Branchen auf der einen, Verursacher, als energie- und ressourcenintensives Wirtschaftsfeld auf der anderen Seite - gekennzeichnet. Diese Gegensätzlichkeit ruft einen „Gut-Böse-Konflikt“ innerhalb der Branche hervor, dem durch nachhaltiges Handeln begegnet werden kann.
In den ersten drei Kapiteln der vorliegenden Arbeit wird der derzeitige Stand nachhaltiger Entwicklung in der IKT-Branche untersucht. Dazu wird zuerst Nachhaltigkeit als allgemeiner Begriff definiert und dann auf Unternehmensebene transportiert. Das Kapitel 3 zeigt Instrumente und Maßnahmen der bisherigen Umsetzung des Nachhaltigkeitsaspekts in IKT-Unternehmen. Im Zwischenfazit sollen gewonnene Erkenntnisse zusammengefasst und kritisch bewertet werden. Der zweite Teil der Arbeit widmet sich der Prognostik. Anhand von Zukunftsszenarien wird ein Blick in die künftige Entwicklung des Nachhaltigkeitsengagements der IKT-Branche geworfen. Zur Erstellung der Szenarien werden nacheinander alle methodischen Schritte der Szenariotechnik durchgeführt. Im Anschluss sollen aus den Szenarien kurz-, mittel- und langfristige Ziele des nachhaltigen Engagements ermittelt und Handlungsempfehlungen zur Erreichung gegeben werden.
English
The Information and Communication Technology Industry is affected by the ambivalenceprovider on the one hand, as a cross-cutting discipline and basic technology for other industries and polluter on the other hand. This evokes an inner good evil conflict, which can be challenged by sustained action.The first three chapters investigate the current state of sustainable development in the ICT sector. First, sustainability will be defined as a general term and then transported to the enterprise level. Chapter 3 shows the instruments and policies of the current implementation of the sustainability aspect in ICT companies. In the interim conclusions findings are summarized and critically evaluated. The second part of the thesis is devoted to forecasting. With the help of future scenarios, a glance is thrown into the future development of sustainability commitment of the ICT sector. To create the scenarios all methodological steps of the scenario technique are taken. Afterward on basis of the scenarios short-, medium- and long-term aims of sustainable commitment were identified and recommendations for action to achieve given.
Inhaltsverzeichnis
Abstract /Gliederung
Verzeichnis der Abbildungen
Verzeichnis der Abkürzungen
1 Einleitung 1
1.1 Fragestellung 1
2
1.2 Aufbau der Arbeit
2
2 Informations- und Kommunikationstechnologiebranche
2
2.1 Zentrale Kennzahlen der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche
3
2.2 Bedürfnisfeld Informations- und Kommunikationstechnologie
2.2.1 Anspruchsgruppen im Bedürfnisfeld Informations- und
3
Kommunikationstechnologie
2.2.2 Zukünftige Entwicklung der Informations- und
4
Kommunikationstechnologiebranche
3 Vom Nachhaltigkeitsgedanken zum Corporate Responsibility Management 6
3.1 Historische Entwicklung des Nachhaltigkeitsbegriffs und -verständnisses 6
3.2 Übersetzung des Nachhaltigkeitsbegriffs auf Unternehmensebene 9
3.3 Integration des Nachhaltigkeitsengagements ins Managementsystem 11
3.4 Implementierung anhand der Sigma Guidelines 14
4 Corporate Responsibility Management in der Informations- und
16
Kommunikationstechnologiebranche : Eine Ist-Analyse
17
4.1 Begegnung ökologisch-nachhaltiger Anforderungen durch IKT-Unternehmen
19
4.2 Begegnung sozial-nachhaltiger Anforderungen durch IKT-Unternehmen
22
4.3 Begegnung ökonomisch-nachhaltiger Anforderungen durch IKT-Unternehmen
24
4.4 Integration des Nachhaltigkeitsengagements
29
4.5 Zwischenfazit und Kritik
32
5 Forschungsansatz
32
5.1 Methodischer Rahmen
32
5.2 Szenariotechnik
33
5.2.1 Exkurs: Zukunftsforschung versus Trendforschung
33
5.2.2 Typologie von Szenarien und Abgrenzung Szenarien zu Prognosen
36
5.2.3 Algorithmus der Szenariotechnik
37
6 Szenarienbildung
38
6.1 Szenario Analyse
38
6.1.1 Beeinflussende Faktoren (aktiv)
6.1.2 Beeinflusste Faktoren (passiv) 39
6.2 Szenario Prognostik 39
6.2.1 Empirische Merkmale der Untersuchung 40
6.2.1.1 Hypothesen der empirischen Untersuchung 40
6.2.1.2 Struktur der Grundgesamtheit 41
6.2.1.3 Stichprobenauswahl und Erhebungssituation 41
6.2.2 Hypothesenbildung und Transfer ermittelter Einflussgrößen in Fragestellungen 41
6.2.3 Datenerfassung und Auswertung 44
6.2.3.1 Hypothesenabgleich 44
6.2.3.2 Weitere deskriptiv statistische Auswertungen 46
6.2.4 Wahrscheinliche Entwicklung der ermittelten Einflussfaktoren 48
6.3 Szenarien: IKT 2020 49
6.3.1 IKT 2020: Business as usual - Das Trendszenario 50
6.3.2 IKT 2020: Worst Case - Das Negativszenario 52
6.3.3 IKT 2020: Best Case- Das Positivszenario 55
7 Szenarientransfer und Schlussbemerkung 58
7.1 Kurzfristige Ziele der IKT-Branche und Handlungsempfehlungen zur Zielerreichung 58
7.2 Mittelfristige Ziele der IKT-Branche und Handlungsempfehlungen zur Zielerreichung 60
7.3 Langfristige Ziele der IKT-Branche und Handlungsempfehlungen zur Zielerreichung 62
7.4 Schlussbemerkung 64
8 Literaturverzeichnis 66
9 Anlagen
Verzeichnis der Abkürzungen
BITKOM Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation & Neue Medien e.V. BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung BMU Bundesumweltministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit BSI British Standards Institution CR Corporate Responsibility CSR Corporate Social Responsibility DIN Deutsche Industrienorm DSL Digital Subscriber Line DTAG Deutsche Telekom AG EAR Elektro-Altgeräte-Register EICC Electronic Industry Code of Conduct ElektroG Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten EMAS Eco Management and Audit System ERP European Recycling Platform GATT General Agreement on Tariffs and Trade GEMI Global Environmental Management Initiative GeSI Global e-Sustainability Initiative IKT Informations- und Kommunikationstechnologie ISEA Institute of Social and Ethical Accountability ISO International Organization for Standardization IT Information Technology IZT Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung LOHAS Lifestyle of Health and Sustainability NGO Non Government Organisation NIK Nachhaltigkeit in der Informations- und Kommunikationstechnik PPP Public Private Partnerships RFID Radio Frequency Identification RoHS Restriction of the use of certain hazardous substances in electrical and electronic equipment SGE Strategische Geschäftseinheit SIGMA Sustainability Integrated Guidelines for Management
SPSS Statistical Package for the Social Sciences TAB Technikfolgenabschätzung TIME Telekommunikation, Informationstechnologie, Multimedia, Entertainment TSB Technologiestiftung Berlin UMTS Universal Mobile Telecommunications System UNESCO United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization USB Universal Serial Bus WEEE Waste Electrical and Electronic Equipment WISENT Wissensnetz Energiemeteorologie ZVEI Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.
1 Einleitung
1.1 Fragestellung
Corporate Social Responsibility, Sustainability, Corporate Citizenship, Green Lifestylenachhaltiges Engagement ist nach mehrjährigem Diskurs kein Trend mehr. Vielmehr findet auf Unternehmens- und Konsumentenseite ein Paradigmenwechsel statt. Durch politische Zielvorgaben, wie die Agenda 21, das Kyoto Protokoll oder die Bali-Konferenz, und der daraus entstandenen weltweiten Diskussion sehen sich Unternehmen gezwungen, das Thema Nachhaltigkeit auch im Unternehmen zu diskutieren und zu integrieren.
Den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) wird im Nachhaltigkeitsdiskurs eine besondere Aufgabe zuteil. Sie ermöglichten die Entdeckung des weltweiten Klimawandels, fördern den internationalen Informationsaustausch und dienen als Querschnittsdisziplin anderen Branchen wie der Logistik, Automobil-, Medizin- und Automatisierungstechnik als Basis. Die IKT-Branche ist von der Ambivalenz - Enabler 1 auf der einen, Verursacher auf der anderen Seite - geprägt. Die Produktion ist durch hohen Energieaufwand, erheblichen Ressourcenverbrauch und ethisch umstrittene Arbeitsmethoden gekennzeichnet. Der Abbau von Coltan, einem wichtigen Rohstoff der IKT-Industrie, in der Demokratischen Republik Kongo unterstützt und verschärft bewaffnete Auseinandersetzungen und führt zu erheblichen gesundheitlichen und ökologischen Schäden. Die Ambivalenz der Branche ruft einen inneren „Gut-Böse-Konflikt“ hervor, dem durch nachhaltiges Handeln begegnet werden kann.
Es stellen sich somit folgende Fragen, die es zu untersuchen gilt.
• Was heißt Nachhaltigkeit?
• Was bedeutet Nachhaltigkeit in der IKT-Branche?
• Wo liegt Erweiterungspotenzial des derzeitigen Nachhaltigkeitsengagements?
• Wie könnte die Branche in Zukunft gestaltet sein?
• Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um die Branche künftig nachhaltig zu gestalten?
Diese Fragen sollen in der vorliegenden Master Thesis beantwortet werden. Dabei beziehe ich mich verstärkt auf die Betrachtung der Unternehmen als Akteure der Nachhaltigkeitsdebatte.
1 Anmerkung: Anglizismus, keine direkte Übersetzung ins Deutsche möglich, am ehesten Befähiger, Schlüsselperson
1.2 Aufbau der Arbeit
Die Beantwortung der Fragen erfolgt innerhalb von sieben Kapiteln. In den ersten drei Kapiteln soll der derzeitige Stand nachhaltiger Entwicklung in der IKT-Branche untersucht werden. Dazu wird zuerst Nachhaltigkeit als allgemeiner Begriff definiert und dann auf Unternehmensebene transportiert. Das Kapitel 3 zeigt Instrumente und Maßnahmen der bisherigen Umsetzung des Nachhaltigkeitsaspekts in IKT-Unternehmen. Im Zwischenfazit sollen gewonnene Erkenntnisse zusammengefasst und kritisch bewertet werden.
Der zweite Teil der Arbeit widmet sich der Prognostik. Anhand von Zukunftsszenarien wird ein Blick in die künftige Entwicklung des Nachhaltigkeitsengagements der IKT-Branche geworfen. Zur Erstellung der Szenarien werden nacheinander alle methodischen Schritte der Szenariotechnik durchgeführt. Im Anschluss sollen aus den Szenarien kurz-, mittel- und langfristige Ziele des nachhaltigen Engagements ermittelt und Handlungsempfehlungen zur Erreichung gegeben werden. Eine Schlussbemerkung rundet die Ergebnisse ab.
Nachhaltigkeit ist ein recht junges Tätigkeitsfeld für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie versteht sich als ein dynamischer Prozess und wir stehen erst am Anfang der Problemerkennenung. Eine vollständige Untersuchungsgrundlage existiert daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht und somit stellt diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit dar. Die Thesis bezieht die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Entwicklungen ein. Der geografische Fokus liegt auf Deutschland mit der Berücksichtigung, dass der Herstellungsprozess von IKT global stattfindet.
2 Die Informations- und Kommunikationstechnologiebranche
2.1 Zentrale Kennzahlen der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche
Informations- und Kommunikationstechnologie fasst alle Technologien im Bereich der Information und Kommunikation zusammen. Dazu gehören Fernsprechtechnik und auch digitale Technologien. In Deutschland zählt die Informations- und Kommunikationstechnologie zu den größten Wachstumsbranchen. Nach Prognosen des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien e.V. (BITKOM), der, neben dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI), eine der wichtigsten Branchenvertretungen ist, wird für das Jahr 2007 in Deutschland mit einem Marktwachstum von 1,6% auf ein Marktvolumen von 148,8 Mrd.
2
EUR gerechnet. 2 Auf europäischer Ebene liegt es bei 631 Mrd. Euro. 3 Der Anteil der deutschen IKT-Branche am Bruttoinlandsprodukt hat sich seit 1995 von 4,7% auf 6,2% (Stand 2005) erhöht. Bei der Wertschöpfung ist der deutsche IKT-Sektor mit einem Plus von rund 40% sogar doppelt so schnell gewachsen wie die Gesamtwirtschaft. 4 Die Beschäftigtenzahl lag im Jahr 2006 nach Informationen der BITKOM bei rund 800.000 5 und damit gehört, laut einer Studie der Boston Consulting Group, etwa jeder zehnte Arbeitnehmer Deutschlands der IKT-Branche an. 6 Die folgenden zehn Unternehmen, geordnet nach Mitarbeiteranzahl und Umsatz, gehören zu den größten im deutschen IKT-Sektor. Die Hoppenstedt-Firmendatenbank dient hier als Basis.
2.2 Bedürfnisfeld Informations- und Kommunikationstechnologie
2.2.1 Anspruchsgruppen im Bedürfnisfeld Informations- und Kommunikationstechnologie
Anspruchsgruppen im Bedürfnisfeld IKT oder der so genannten TIME Märkte (Telekommunikation, Informationstechnologie, Multimedia, Entertainment) sind private und öffentliche Haushalte sowie Unternehmen. Eine Besonderheit der IKT-Branche liegt in ihrer Querschnittsrelevanz. Als „Befähiger“ (Enabler) schafft sie technologische Grundlagen und Wettbewerbsvorteile für andere Industrie- und Dienstleistungsbranchen. General Purpose Technologies (Technologien mit allgemeiner Bedeutung) beeinflussen dabei die technologische Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft langfristig und nachhaltig. In Deutschland arbeiten heute etwa vierzig Prozent aller Industrieunternehmen mit hohem IKT-Einsatz. 7
2 BITKOM (2006): http://www.bitkom.org/de/presse/43408_43003.aspx (22.11.2007)
3 Ganswindt, T., Uskel, D., Schläffer, C. (2005): Wirtschaftliche und politische Chancen der Informationsgesellschaft, Boston Consulting Group, S. 7
4 Statistisches Bundesamt (2006):
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2006/02/PD06__071__ikt,templateId=r enderPrint.psml (22.11.2007)
5 BITKOM (2006): http://www.bitkom.org/de/presse/8477_38435.aspx (22.11.2007)
6 Ganswindt, T., Uskel, D., Schläffer, C., S. 9
7 Ganswindt, T., Uskel, D., Schläffer, C., S. 11
3
Die nebenstehende Grafik zeigt, welche Branchen in Deutschland wichtigste Verbundpartner der Informations- und Kommuni-
kationstechnologiebranche sind. Wachsende Bedeutung wird zum einen der Automobilbranche zugesprochen, da der Anteil an Embedded (eingebetteter) Software für Sicherheitstechnik und Navigation in Automobilen stetig zunimmt. Zum anderen wird der Bedarf an neuen Technologien aufgrund sich erschöpfender Ressourcen und nicht-erneuerbarer Energiequellen in der Energieerzeugung steigen.
8 2.2.2 Zukünftige Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche
Globale gesellschaftliche Megatrends wie Globalisierung, Dynaxität (Verbindung von Dynamik und Komplexität) und Flexibilisierung 9 bestimmen in der IKT-Branche folgende zukünftige Meta-Trends:
- Digitalisierung,
- Miniaturisierung,
- Multifunktionalität und Konvergenz,
- Flexibilität,
- Ubiquität.
Der Trend der Digitalisierung endet derzeit im so genannten digitalen Lebensstil und bedeutet den Einzug neuer Medien in den Alltag der Gesellschaft. Durch Angebote des Web 2.0 10 werden Filme, Lieder, Bücher usw. digital ins und vom Internet transportiert. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die virtuelle Welt des Online-Systems „Second Live“. In ihr können Nutzer in einem virtuellen, der realen Welt nachempfundenen Raum interagieren. 11
Durch Digitalisierung von Text, Sprache und Integration bestimmter Protokolle und Standards ist es möglich, verschiedene Geräte untereinander zu vernetzen. Konvergenz und Miniaturisierung gehen nebeneinander einher, wie das Beispiel iPhone des Hard- und Softwareherstellers Apple Inc. zeigt.
8 BMBF (2007): IKT 2020, Forschung für Innovationen, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin, S. 25
9 Burmeister, K. (2005): Lebenswelten 2015plus, Zwischen Megatrends und neuen Konsummustern, In: Z_punkt GmbH The Foresight Company (2007): The Trend towards Megatrends, Essen, S. 1-25
10 Anmerkung: Mit Web 2.0 wird ein Trend von sozialen Entwicklungen und technischen Elementen im WWW bezeichnet. Diese Anwendungen heben die klassische Rollenverteilung vom Sender und Empfänger auf., Vgl.: O’Reilly, T. (2005): What is the Web 2.0, http://www.oreilly.de/artikel/web20.html (22.11.2007)
11 Second Life Grid, Linden Lab (2006): www.secondlife.com (23.11.2007)
4
Es vereinigt ein internetfähiges Mobiltelefon, Mp3-Player, Video-Player und Digitalkamera bei einer Größe von 115 × 61 × 11,6 mm (HxBxT). 12
Eine Studie der BITKOM zur Zukunft der digitalen Wirtschaft ergänzt diese Metatrends durch drei weitere: Flexibilität, Ubiquität und Datennutzbarkeit. Laut dieser Studie wird IKT allgegenwärtig werden. Sie durchdringt unsere Umwelt in immer höherem Maße. Einzelne Geräte verbinden sich zu einem „Netz der Dinge“, einem System aus Technik. IK-Technologien sind heute Basis wirtschaftlicher Entwicklung. Globale Handels- und Produktionsmuster verlangen nach schnellen, einfachen und international nutzbareren Datentransfers. Sie ermöglichen, Daten effizient zu verwalten, für den Anwender nutzbar zu machen und kommerziell zu verwerten und dies in einem sich immer komplexer gestaltenden Umfeld. IKT gestattet flexible Geschäftsmodelle. Vor- und nachgelagerte Geschäftspartner können über die Unternehmensgrenze hinaus ins Unternehmen eingebunden werden. 13
Im Rahmen der Studie wurden des Weiteren siebenundzwanzig strategische Wachstumsfelder innerhalb der vier Metatrends Konvergenz, Flexibilität, Ubiquität und Datennutzbarkeit evaluiert und in einer Tabelle zusammengefasst. 14
Abb. 3 Übersicht über Metatrends und wichtige Innovations- und Wachstumsfelder (Die in der Tabelle vorkommenden Werte haben innerhalb dieser Arbeit keine Bedeutung.)
Die Abbildung soll einen Überblick über künftige technologische Entwicklungen geben. Sie werden in die Beschreibung der Szenarien (Kapitel 6.3) einfließen und an dieser Stelle entsprechend erläutert. 15
12 Apple Inc. (2007): http://www.apple.com/de/iphone/ (22.11.2007)
13 BITKOM (2007): Zukunft digitale Wirtschaft, Berlin, S. 6
14 BITKOM, S. 9
5
Entwicklungen der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche stehen im Spannungsfeld weiterer globaler Megatrends. Dies sind Ressourcenverknappung und Überalterung. Die Menschheit wächst und wird in Schwellen- und Industriestaaten immer älter, ihr stehen allerdings kontinuierlich weniger Rohstoffe zur Verfügung. Der Ressourcenverbrauch der Informations- und Kommunikationstechnologien ist bislang in der Diskussion ein eher vernachlässigtes Thema. Das Wirtschaftsfeld wird als reine, wie es in der Literatur heisst, „weisse“ Branche angesehen, die keine negativen Auswirkungen auf Umwelt und Soziales vermuten lässt. Dabei zählt die IKT-Branche zu den stärksten Energieverbrauchern und verursacht jährlich über 1,8 Mio. Tonnen Schrott (Stand 2005). 16 Während der Herstellung eines einzigen Laptops werden z.B. durchschnittlich 19.000 kg Rohstoffe verbraucht, das sind kaum weniger als bei der Produktion eines PKWs. Nach der Nutzung können derzeit maximal 10% des gesamten Gerätes der Wiederverwertung zugeführt werden. Der „ökologische Rucksack“, wie der Ressourcenverbrauch im Nachhaltigkeitskontext genannt wird, ist prall gefüllt und die Produktion wirft aufgrund ihrer Verlagerung in Entwicklungs- und Schwellenländer Fragen sozialer Gerechtigkeit auf. Nachhaltigkeit ist daher ein künftig wichtiger werdendes Thema, mit dem sich die IKT-Branche auseinandersetzen muss. 17
3 Vom Nachhaltigkeitsgedanken zum Corporate Responsibility Management
3.1 Historische Entwicklung des Nachhaltigkeitsbegriffs und -verständnisses
Der Begriff Nachhaltigkeit wird im Alltag oft falsch verwendet. Laut einer Studie des Trendbüros Hamburg verstehen „nur die besser Gebildeten […] darunter ‚Umweltschutz’“. 18 Die übrigen Teilnehmer der Studie konnten sich nur sehr wenig darunter vorstellen. Im Vorfeld dieser Arbeit soll in die Entwicklung des Nachhaltigkeitsverständnisses und die allgemeine Definition eingeführt werden.
Hans Carl von Carlowitz deutete bereits 1713 in seinem Werk zur Forstwirtschaft „Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht“ den Nachhaltigkeitsbegriff vor dem Hintergrund schwindender Holzressourcen folgendermaßen: „Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentberliche Sache ist /
15 Anmerkung: Die einzelnen Technologien können in dieser Arbeit aufgrund des begrenzten Umfangs nicht im Einzelnen erläutert werden. Bei besonderem Interesse oder Erklärungsbedarf verweise ich auf die Studie.
16 Scharp, M. (2006): Verbesserung von Rohstoffproduktivität und Ressourcenschonung, Aktionsfeld Informations-und Kommunikationstechnologie, IZT, Düsseldorf, S. 6
17 Die Verbraucher Initiative e.V. (Bundesverband) (2006): Dreckspatz auf dem Schreibtisch, In: Verbraucher konkret (2006): Heft 4/06, Berlin, S. 22
18 Wippermann, P. (2007): Studie zur Konsum-Ethik 2007, Trendbüro GmbH, Hamburg, S. 16
6
ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag.“ Heute wird dieser Abschnitt als „verbrauche nicht mehr als nachwächst“ zusammengefasst. 19
Als politisches Konzept erlangte Nachhaltigkeit mit Erscheinen des Abschlussdokumentes „Our common future“ der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter Vorsitz der damaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland im Jahr 1987 an Bedeutung. Im heute als „Brundtland-Report“ bezeichneten Bericht sind Entwicklungen dann nachhaltig, wenn „die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können.“ 20 Die Erstellung des Berichts war durch die Entdeckung der ökologischen Tragfähigkeit und Verantwortung durch die Industrialisierung initiiert worden. Der „Brundtland-Report“ sollte Antworten liefern, welche Auswirkungen die weltweit beschleunigte wirtschaftliche Entwicklung auf die Umwelt hat und umgekehrt, inwieweit die ökologischen Folgen dieser Veränderungen wiederum die Wirtschaft belasten könnten.
Den nächsten bedeutenden Schritt zum heutigen Verständnis des Nachhaltigkeitsbegriffs lieferte die im Jahr 1992 durch die Konferenz der Vereinigten Nationen in Rio de Janeiro verabschiedete „Agenda 21“. Sie gilt als weltweites Aktionsprogramm zur Entwicklung einer umwelt- und sozialpolitisch zukunftsfähigen Lebensweise für das 21. Jahrhundert. Die Agenda besteht aus vierzig Kapiteln und ist Leitpapier für 179 Staaten. In Deutschland wurde im Jahr 2006 eine lokale „Agenda 21“ verabschiedet, die Nachhaltigkeitsthemen auf kommunaler Ebene regeln soll.
Das dieser Thesis zugrunde liegende Verständnis des Begriffs Nachhaltigkeit wurde 1997 durch die Enquete Kommission des Deutschen Bundestages eingeführt. Danach wird nachhaltige Entwicklung anhand eines Drei-Säulen-Modells definiert. Der Begriff der Nachhaltigkeit hat sich damit von der betriebswirtschaftlichen (Forstwirtschaft) zu einer systemischen Betrachtung gewandelt. Im Drei-Säulen-Modell wird davon ausgegangen, dass sich nachhaltiges Handeln nicht allein durch ökologische, sondern auch ökonomische und gesellschaftliche Tragfähigkeit auszeichnen muss, da sich diese drei Ansprüche gegenseitig bedingen. Zur Definition und Abgrenzung der drei Aspekte sollen die folgenden von der Enquete-Kommission aufgestellten Regeln des ganzheitlich nachhaltigen Handelns im Dreiklang dienen. 21 (Hier stark zusammengefasst.)
Regeln der ökonomischen Nachhaltigkeit 22 :
19 Nesselrode, N. (1997): Nachhaltige Forstwirtschaft, In: Großmann, W.D. (Hrsg.) (1997): Nachhaltigkeit, Bilanz und Ausblick, Peter Lang , Berlin, S. 118
20 Hauff, V. (Hrsg.) (1987): Unsere gemeinsame Zukunft: Der Brundtland-Bericht, Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, Eggenkamp, Greven, S. 46
21 Deutscher Bundestag (Hrsg.) (1997): Konzept Nachhaltigkeit - Fundamente für die Gesellschaft von morgen, Enquete-Kommission zum Schutz des Menschen und der Umwelt des 13. Deutschen Bundestages, Bonn, S. 22-30
22 Deutscher Bundestag (1997): S. 24-27
7
- Effiziente Bedürfnisbefriedigung unter Gewährleistung eigener und übergeordneter Interessen.
- Preisstabilität: Preise sollen Knappheit der Ressourcen, Produktionsfaktoren, Güter und Dienstleistungen widerspiegeln.
- Die Gestaltung des Wettbewerbs soll funktionsfähige Märkte, Innovationen, langfristige Orientierung und gesellschaftlichen Wandel fördern.
- Die ökonomische Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft soll quantitativ vermehrt und qualitativ verbessert werden.
Regeln der ökologischen Nachhaltigkeit: 23
- Die Abbaurate erneuerbarer Ressourcen soll deren Regenerationsrate nicht überschreiten.
- Stoffeinträge in die Umwelt sollen sich an der Belastbarkeit der Umweltmedien orientieren.
- Gefahren und Risiken für die menschliche Gesundheit sind zu vermeiden.
- Das Zeitmaß anthropogener Einträge bzw. Eingriffe in die Umwelt muss in ausgewogenem Verhältnis zum Zeitmaß der für das Reaktionsvermögen der Umwelt relevanten natürlichen Prozesse stehen.
Regeln der sozialen Nachhaltigkeit: 24
- Die Menschenwürde und freie Entfaltung der Persönlichkeit sowie Entfaltungschancen sind zu gewährleisten.
- Jedes Mitglied der Gesellschaft erhält Leistungen von der solidarischen Gesellschaft.
- Jedes Mitglied der Gesellschaft muss entsprechend seiner Leistungsfähigkeit einen solidarischen Beitrag für die Gesellschaft leisten.
- Das in der Gesellschaft vorhandene Leistungspotenzial soll für künftige Generationen erhalten werden.
Alle drei Aspekte sollten gleich gewichtet werden. Allerdings wird in der Literatur der ökologischen Säule meist eine höhere Bedeutung zugeordnet, da davon ausgegangen wird, dass das ökologische System die Grundvoraussetzung für die zwei weiteren Systeme bildet. 25
Die Notwendigkeit einer Implementierung des Nachhaltigkeitsgedankens in die Unternehmen besteht nicht allein aus ökologischer, sozialer und ökonomischer Sicht. Der gesellschaftliche
23 Deutscher Bundestag (1997): S. 22-23
24 Deutscher Bundestag (1997): S. 27-30
25 Schick, H. (2007): Unternehmensgründung und Nachhaltigkeit, Rainer Hampp, München, S. 17
8
Diskurs zu Nachhaltigkeit ist heute so weit fortgeschritten, dass auch die kulturelle Einflussnahme des Themenfeldes betrachtet werden muss.
Exkurs: Kulturelle Bedeutung von Nachhaltigkeit
Leitbilder, wie das von der Enquete Kommission vorgeschlagene Regelwerk, können „top-down“ oder „bottum-up“ 26 von der Gesellschaft implementiert werden. Nachhaltige Entwicklung wurde nach Blättel-Mink „…eher von unten durch die Ökologie-Bewegung […] zum gesellschaftlichen Leitbild in der westlichen Welt.“ 27 Die Gründe dafür sieht Blättel-Mink in der „reflexiven Modernisierung“. Individuen koppeln sich ab von gesellschaftlichen Zusammenhängen. Dazu benötigen sie allerdings fortwährend Informationen, um ihr Handeln verantworten zu können. 28 Das Interesse der Konsumenten an den Hintergründen steigt.
Innerhalb der letzen zehn Jahre hat sich ein weiterer Paradigmenwandel vollzogen. Heute wird weitgehend das von Helmut Klages entwickelte Konzept eines „mehrdimensionalen Wertewandels“ geteilt. Danach hat sich eine Verlagerung von Pflicht- und Gehorsamswerten zu Werten von Autonomie und Selbstverwirklichung, von Disziplin und Opferbereitschaft zu hedonistischen Werten, weg von extrinsisch-materiellen (Einkommen, Karriere) hin zu intrinsisch-immateriellen Werten (Leistungslust, Spaß) vollzogen. 29
Dieser „Patchwork-Charakter“ umweltbezogenen, kollektiven Handelns führt heute zu marketingrelevanten Zielgruppenmodellen wie den LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability). Dieser „Ausrichtung des Lebensstils auf Gesundheit und Nachhaltigkeit“ folgen in den USA 30% und in Deutschland 15% der Gesamtbevölkerung - mit steigender Tendenz. 30
Unternehmen müssen sich daher nicht zuletzt auch wegen des gesellschaftlichen Drucks mit der Nachhaltigkeitsthematik auseinandersetzen. Die Umsetzung dessen ist Schwerpunkt des nächsten Kapitels.
3.2 Übersetzung des Nachhaltigkeitsbegriffs auf Unternehmensebene
Nicht nur auf gesellschaftlicher, auch auf Unternehmensebene wird Nachhaltigkeit verschieden formuliert oder im Sprachgebrauch falsch verwendet. Es wird von „nachhaltiger Senkung des
26 Anmerkung: top-down, engl. von oben nach unten, bottum-up, engl. von unten nach oben, betrifft im ersten Fall die Durchsetzung von der führenden Ebene auf untere Ebenen, im anderen Fall verhält es sich genau umgekehrt.
27 Blättel-Mink, B. (2001): Wirtschaft und Umweltschutz, Grenzen der Integration von Ökonomie und Ökologie, Campus, Frankfurt/Main, S. 69
28 Blättel-Mink, B., S. 69
29 Bundesumweltamt (Hrsg.) (2001): Sozialwissenschaftliche Analysen zu Veränderungsmöglichkeiten nachhaltiger Konsummuster, UNESCO-Verbindungsstelle für Umwelterziehung, München, S. 10
30 Parwan, P. (2007): www.lohas.de (16.11.2007)
9
Preisniveaus“, „nachhaltiger Entwicklung der Aktienkurse“ oder „nachhaltiger Absicherung der Wettbewerbspositionen“ gesprochen. Damit soll ausgedrückt werden, dass Maßnahmen mindestens mittelfristigen Bestand haben sollen. 31 Dies berücksichtigt allerdings, wie im vorhergehenden Kapitel erläutert, nur einen Teil der Nachhaltigkeitssphäre. In der Literatur finden sich verschiedene Ansätze zur Übertragung der Leitsätze der Enquete Kommission auf Unternehmen. In einer Veröffentlichung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und econsense, dem Forum für nachhaltige Entwicklung der deutschen Wirtschaft, wird beim Versuch, Nachhaltigkeit für Unternehmen zu operationalisieren, dem 3-Säulen-Modell die vierte Säule der Integration hinzugefügt. Sie befasst sich mit der „Zusammenfassung der drei vorgenannten Herausforderungen sowie der Integration des Umwelt- und Sozialmanagements in konventionelle Managementsysteme“ 32 . Ausgehend von diesen vier Aspekten ergeben sich folgende vier Handlungsebenen für nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen: 1. Ökoeffektivität: Grad der Erfüllung
ökologischer Anforderungen 2. Sozioeffektivität: Grad der Erfüllung sozialer Anforderungen 3. ökonomische Effektivität: bildet sich aus der Verbesserung der Ökoeffizienz und/oder der Sozioeffizienz 4. Integration der drei Aspekte
Die Ökoeffektivität ist ein Erfolgskriterium zur Beurteilung, inwieweit ein Unternehmen den ökologischen Herausforderungen (siehe Kap. 3.1: Leitsätze Enquete Kommission) begegnet. Sie „misst den Grad der absoluten Umweltverträglichkeit, das heißt, wie gut das Ziel der angestrebten Minimierung von Umwelteinwirkungen erreicht wurde.“ 33 Dabei müssen die Ziele klar definiert sein, da Umweltmaßnahmen von verschiedenen Stakeholdern auch unterschiedlich bewertet werden. Außerdem kann beispielsweise der Verzicht auf bleihaltige Hilfsmittel in der Produktion positiv bewertet werden. Wird anstatt des Bleis allerdings ein anderer Giftstoff verwendet, fällt die Bilanz wieder negativ aus. Instrumente zur Zielerreichung gesteigerter ökologischer Effektivität sind z.B. Ökobilanzen, Stoffstrom- und Materialflussanalysen. 34 Primäre Herausforderungen der sozialen Auseinandersetzung von Unternehmen sind eigene Legitimation und Sicherung gesellschaftlicher Akzeptanz. Dies geschieht auf betrieblicher Ebene
31 Schaller, M. (2007): Das Abenteuer Nachhaltigkeit 01, podcast, http://www.podcast.de/podcast/7492/Das_Abenteuer_Nachhaltigkeit, (10.10.2007)
32 BMU, econsense (Hrsg.) (2007): Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen, Von der Idee zur Praxis: Managementansätze zur Umsetzung von Corporate Social Responsibility und Corporate Responsibility, Berlin, S. 14
33 BMU, econsense, S. 13
34 BMU, econsense, S. 15
10
durch Berücksichtigung von Faktoren wie Gleichberechtigung, Fairness und Leistungsgerechtigkeit. Auf Gesellschaftsebene kommen Maßnahmen des kulturellen und sozialen Engagements wie Gesundheitsförderung, Kultursponsoring oder Entwicklungshilfe zum Tragen. Da bis heute noch kein einheitliches Muster zur Herangehensweise an soziale Anliegen definiert wurde, kann Sozioeffektivität als Grad der Erfüllung sozialer Bedürfnisse nur sehr oberflächlich beschrieben werden. Laut der BMU/econsense-Studie verbessern Managementansätze die Sozioeffektivität eines Unternehmens wenn sie „…zur Reduktion sozial unerwünschter und zur Förderung sozial erwünschter Wirkungen beitragen.“ 35 Ein weit verbreitetes Konzept der Bemühungen zur sozialen Nachhaltigkeit in Unternehmen ist beispielsweise das so genannte Corporate Citizenship. Ihm liegt zu Grunde, dass sich das Unternehmen als Bürger und Teilhaber einer Gesellschaft sieht und so Gemeinwesen und Eigennutz verbunden werden.
Die traditionelle Steigerung ökonomischer Effektivität besteht darin, den Unternehmenswert und die Rentabilität zu erhöhen. Im Nachhaltigkeitsdiskurs wird diese Ebene um die ökologische und soziale Effizienz erweitert. Neben der rein ökonomischen Effizienz, dem Verhältnis zwischen erreichtem monetären Ergebnis und eingesetzten Ressourcen, werden hier die Ökoeffizienz (ökonomisch-ökologische Effizienz) und die Sozioeffizienz (ökonomisch-soziale Effizienz) hinzu addiert. Dies bedeutet, dass das Umwelt- und Sozialmanagement so wirtschaftlich wie möglich zu gestalten ist.
Ziel des Integrationsanspruchs ist die Einbettung von Sozioeffektivität, Ökoeffektivität und Ökologischer Effektivität im Unternehmen. Diese Aufgabe gilt aufgrund ihrer Komplexität und des Konfliktpotenzials als die größte Herausforderung für das Management. Ziel ist es, das Nachhaltigkeitsengagement in der Unternehmensführung zu verankern und ins bestehende Management zu übernehmen. 36
3.3 Implementierung des Nachhaltigkeitsengagements ins Managementsystem
35 BMU, econsense, S. 15
36 BMU, econsense, S. 16f.
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Managementsysteme helfen, den Kreislauf der Manage-mentprozesse (Plan-Do-Check und Act) anhand festgelegter Steuerungs- und Kontrollmechanismen zu systematisieren und zielgerichtet zu lenken. Unternehmensleitbilder und -grundsätze bilden dabei den Rahmen.
Die Integration des Nachhaltigkeitsgedankens in diesen Managementprozess gestaltet sich jedoch schwierig. Wie die unten stehenden Abbildungen deutlich machen, haben konventionelle (Fokus: Wertschöpfung) und nachhaltigkeitsorientierte, insbesondere ressourcenabhängige Unternehmen vollkommen verschie-dene Perspektiven auf Unternehmensführung.
Nach Müller-Christ gestaltet Nachhaltigkeit die Managementlehre neu. Wird sich die Führung eines Unternehmens der eigenen Abhängigkeit von knapper werdenden Ressourcen bewusst, verändern sich grundlegende Sichtweisen im Management. Umwelt wird nicht mehr als Ressourcenpool, sondern als wieder aufzufüllende Quelle gesehen. Grundlage der Überlebensfähigkeit eines Unternehmens ist nicht allein der Absatz, sondern auch der Ressourcennachschub. 37 „Diese Lesart der Nachhaltigkeitsdiskussion stellt eine Weiterentwicklung der strategischen Managementlehre dar, die die Bewertung des betrieblichen Erfolges nicht allein von der Zweckerreichung abhängig macht, sondern auch von der Sicherstellung aller Produktionsmittel und Ressourcen, die für eine dauerhafte Wirtschaftsweise benötigt werden. […] Die Steuerungsgrößen des betrieblichen Erfolges wurden erst in der Anpassung an Marktstrukturen, dann in Erfolgspotenzialen, dann in Kompetenzvariablen, dann in Kernkompetenzen und heute in Ressourcen gesehen.“ 38 An diesem Punkt wird der Begriff des Corporate Responsibility Managements eingeführt. Er entstammt dem ursprünglichen Corporate Social Responsibility (CSR) Management. In jüngster Vergangenheit wurde dazu übergegangen das „Social“ aufgrund von Übersetzungsfehlern
37 Anmerkung: Es wird davon ausgegangen, dass sich Ressourcen nicht plötzlich erschöpfen, sondern nach und nach knapper werden. Dies führt zu einer Verteuerung der Ressourcen und somit auch zu der Preissteigerung des Produktes Somit bedeutet die Verknappung keine sofortige Nichtüberlebensfähigkeit des Unternehmens, sondern eine Anpassung an veränderte Umstände. Dies kann in Form von Preisangleichung oder Forschung nach Alternativen geschehen.
38 Müller-Christ, G. (2003): Nachhaltiges Ressourcenmanagement oder: Wo ist der Ort der strategischen Initiative, In: Schmidt, M., Schwegler, R. (Hrsg.) (2003): Umweltschutz und strategisches Handeln, Ansätze zur Integration in das betriebliche Management, Wiesbaden, S. 94
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auszublenden. „Social“ wurde vom Englischen ins Deutsche oftmals fälschlicherweise als „sozial“, nicht wie es richtig heißen muss, als „gesellschaftlich“ übersetzt. 39 Corporate Responsibility bedeutet unternehmerische Verantwortung gegenüber allen Stakeholdern - Gesellschaft, Staat und Umwelt. Innerhalb dieser Arbeit soll der Begriff des Corporate Responsibility Management (CR Management) dem Begriff des Nachhaltigkeitsmanagements gleichgestellt werden. Der Grund dafür ist die synonyme Verwendung in der Praxis.
Mit der Umsetzung dieses Verständnisses in Managementsysteme hat sich die British Standards Institution (BSI), das britische Pendant zum DIN-Institut, sowie das Institute of Social and Ethical Accountability (ISEA) und ebenfalls das Forum for the Future beschäftigt. Sie entwickelten ein Leitliniensystem zur Integration des Nachhaltigkeitsmanagements in konventionelle Managementsysteme - die „SIGMA Guidelines“. SIGMA steht für „Sustainability Integrated Guidelines for Management“ (Nachhaltigkeitsintegrierte Richtlinien für das Management). Nach einer vierjährigen Entwicklungs- und Testphase wurden die „SIGMA Guidelines“ 2003 in London vorgestellt. Ziel ist die Integration nachhaltig-ökonomischer, ökologischer und sozialer Aspekte von Geschäftsprozessen in ein übergreifendes Managementkonzept. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Berücksichtigung der - in den meisten Standards vernachlässigten - strategischen und taktischen Perspektive. 40
Die Leitlinien bestehen aus drei Teilen: den Grundprinzipien, dem Managementprozess (Strategie) und den jeweils dazu gehörenden Werkzeugen (Taktik). Die Grundprinzipien erklären die wichtigsten Ziele einer umwelt- und sozialverträglichen Unternehmensführung. Dabei werden fünf Kapitalarten betrachtetet, das finanzielle, produzierte, gesellschaftliche, menschliche und natürliche Kapital.
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Das gesamte Kapitalsystem ist vom Prinzip Verantwortlichkeit umgeben und ist auf die Erfüllung aller vier Säulen des
Nachhaltigkeitsmanagements ausgerichtet. Durch das diesem Kapitalsystem zugrunde liegende Verständnis ist es möglich, Ökoeffizienz und Sozioeffizienz in Managementziele zu integrieren. Die fünf Arten des Kapitals sollen gleichermaßen profitieren, wenn die vier Phasen des Managementprozesses, Plan-Do-Check-Act, ineinander greifen. 42
39 Schmitt, K. (2005): Corporate Social Responsibility in der strategischen Unternehmensführung, Öko-Institut e.V., Berlin, S. 2
40 The Sigma Project (2003): The Sigma Guideline, Putting sustainable Development into practice, A guide for organisations, The Sigma Project, London (UK), S. 3-7
41 The Sigma Project, S. 1-9
42 Anmerkung: Weitere Nachhaltigkeitsmanagementsysteme sind z.B.: SAFE (Sustainability Assessment for Enterprises), GEMI SD Planer (Global Environmental Management Initiative), future Nachhaltigkeitscheck
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3.4 Implementierung anhand der Sigma Guidelines
Die Plan-Phase des Kreislaufs beinhaltet eine geteilte Aufgabenstruktur. Zuerst soll, hier unter Leadership & Vision zusammengefasst, eine Nachhaltigkeitsvision entwickelt und die Unterstützung der Unternehmensführung sichergestellt werden.
Leadership & Vision
In diesem ersten Schritt werden grundlegende Eigenschaften
der Nachhaltigkeit im Unternehmen erklärt und zusammen mit der Entscheidungsführung festgehalten. Zur Umsetzung dessen, werden im Papier Vorschläge unterbreitet. Zuerst muss ein Geschäftsmodell, das nachhaltige Ziele ins bestehende Modell einbettet, erstellt werden. Um dies ganzheitlich gestalten zu können, soll im Vorfeld ein Dialog mit allen Abb. 9 Sigma Managementprozess
beteiligten Stakeholdern stattfinden, um deren Sichtweisen und Einflussmöglichkeiten wahrzunehmen. Im Anschluss sind das Senior Management und die Geschäftsführung durch Workshops oder ähnliche Veranstaltungen in den Entwicklungsprozess der nachhaltigen Unternehmensvision einzubinden. Aufbauend auf die in diesen Konferenzen beschlossene Vision werden Richtlinien formuliert und wiederum mit den wichtigsten Stakeholdern besprochen. Feststehende Leitsätze (Mission) werden dann mittels Trainingsprogrammen intern und Kommunikation intern und extern vermittelt. Außerdem muss analysiert werden, inwiefern Integrationsbarrieren für die neue Vision und Mission in die bestehende Unternehmenskultur bestehen. Unterstützt die bisherige Kultur die neue nachhaltige Vision? Ist dies nicht möglich müssen Kapazitäten und Ansätze zur Veränderung geschaffen werden. 43 Die Mission der IBM Deutschland GmbH zum Beispiel wird in Form von elf Leitsätzen der „Corporate Policy“ zusammengefasst. 44
Planning
Der zweite Teil der Plan-Phase widmet sich dem eigentlichen „Planning“. Nun werden konkrete Schritte definiert, die zur Leistungsverbesserung erforderlich sind. Zur besseren Beratung der
43 The Sigma Project, S. 27-35
44 IBM Deutschland GmbH (2007): http://www-05.ibm.com/de/umwelt/leitlinien/index.html (24.11.2007)
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Arbeit zitieren:
Master of Arts Sylvia Joeck, 2008, “IKT 2.0” - Zukünftige Entwicklung des Corporate Responsibility Management in Unternehmen der Informations- und Kommunikationsbranche, München, GRIN Verlag GmbH
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