Inhalt
1 Einleitung 3
2 Enthält man uns etwas vor? 6
2.1 Die Gesetzesmacht 7
3 Was sie noch nie über Sex wissen wollten,
aber gezwungen waren zu erfahren 9
3.1 Wissen und Macht 10
3.2 Die Rolle der Institutionen 11
3.3 Das Dispositiv 12
3.3.1 Wider die Gesetzesmacht 13
3.3.2 Effekte 15
3.4 Macht formte diese Körper 16
3.5 Potenziale 18
4 Die Technologien des Selbst 19
4.1 Die Konversion des Subjekts 20
4.2 Zenon: Die Ursprünge der Selbstsorge 21
4.3 Ethik und Erfahrung 22
4.4 Die Anderen 24
5 Macht, Freiheit und Herrschaft 25
5.1 Eine neue Wahrheitsmatrix 27
5.2 Der Unterbau der Selbstsorge 29
6 scientia sexualis/ars erotica 31
Bibliographie 34
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1 Einleitung
In seinen Schriften, die an den Grenzgebieten von Medizin, Psychologie, Philosophie, Geschichtswissenschaft, Soziologie, Politik- sowie Literaturwissenschaften angesiedelt sind, und so von Anfang an ihr eigenes wissenschaftliches Arbeitsfeld beanspruchen mussten, setzte der französische Theoretiker Michel Foucault sich mit Diskursanalysen in Werken wie Die Archäologie des Wissens auseinander und etablierte als Formen der historischen Analyse von Macht und Wissen die Genealogie und die Archäologie, mit denen er beispielsweise das Verhältnis von Wahnsinn und Gesellschaft untersuchte oder die Methodik von Überwachen und Strafen. Die entscheidenden Fragestellungen, die Foucault in seinem Werk immer wieder umriss und während seiner Forschungen teilweise radikal neuformulierte, sind die nach der Macht, dem Wissen und der Wahrheit:
„Es ist das Problem, das fast alle meine Bücher bestimmt: wie ist in den abendländischen Gesellschaften die Produktion von Diskursen, die (zumindest für eine bestimmte Zeit) mit einem Wahrheitswert geladen sind, an die unterschiedlichen Machtmechanismen und -institutionen gebunden?“ (Foucault 1976 : 8) In der vorgelegten Arbeit sollen die Theorien Michel Foucaults aus Der Wille zum Wissen und seiner späten Phase, aus Werken wie Die Sorge um sich, den zugehörigen Vorlesungen und Interviews, ausführlich rekonstruiert und einander gegenübergestellt werden, um die Frage zu klären, welche Existenzmöglichkeiten sie für das Individuum zwischen Kontrolle und Selbstsorge bieten. Beide Werke stammen aus der Phase um die Untersuchung von Sexualität und Wahrheit. Dabei gilt es zu beachteten, dass zwischen 1976 und 1984 in Foucaults Werk eine Vielzahl entworfener und verworfener theoretischer Ansätze offenliegen, an die man in einer Untersuchung zur Rolle des Individuums anknüpfen könnte. Ob nun die Berichterstattung über die iranische Revolution, der verworfene Begriff der Hermeneutik des Subjekts oder die Überlegungen zur gouvernmentalité (Sarasin 2005 : 175ff, 182ff, 190f). Anstatt zu versuchen, die Gesamtheit dieser Ansätze zu referieren, möchte ich jenem Denkweg nachgehen, der Foucault von Der Wille zum Wissen zu Die Sorge um sich führte. Um diese Gedankengänge nachvollziehen zu können, werde ich die theoretischen Überlegungen Foucaults nicht nur dahingehend analysieren, in welche Richtung sie sich vorwagen, sondern auch, von welchen Denkrichtungen sie sich entfernen. Ich möchte aufzeigen, wie Foucault in Der Wille zum Wissen einige Fragestellungen zu beantworten sucht, die sich für ihn in der Auseinandersetzung mit den Machtvorstellungen der Psychoanalyse, des Marxismus und seinem früheren Werk ergeben und wie er seine gegebene
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Antwort im Verlaufe seines Gedankengangs weg vom diskursivierten Individuum und der modernen Sexualität erneut als Frage problematisiert, um sie schließlich in Form des ethischen Subjekts in Die Sorge um sich zu beantworten.
Nach diesem Ansatz habe ich die Gliederung der vorliegenden Arbeit gestaltet. Die erste Hälfte, das zweite und dritte Kapitel, widmen sich der Rekonstruktion des Theoriegebäudes aus dem Werk Der Wille zum Wissen. Hierzu werde ich im zweiten Kapitel anhand der Analyse einer Szene aus dem Film „Casablanca“ die weit verbreitete Vorstellung von Repression und Zensur exemplarisch aufzeigen (2), um dann Foucaults Kritikpunkte an diesem Modell zu erläutern (2.1). So werde ich versuchen die Rekonstruktion von Foucaults Theorie so zu vollziehen, wie sie in Der Wille zum Wissen entworfen wird, nämlich in Abgrenzung zur juridisch-diskursiven Machttheorie. Zu Beginn des dritten Kapitels möchte ich mit Hilfe historischer Beispiele darlegen, warum Foucault überzeugt ist, die Diskursivierung des Sexes in der Moderne sei bedeutsamer als seine Zensur. Um diese Vorstellung zu unterstreichen, wird die Filmanalyse aus dem zweiten Kapitel erneut gelesen, dieses Mal allerdings mit „Foucaultschem“ Blick (3). Anschließend gehe ich auf die Frage ein, warum die Diskursivierung der Sexualität überhaupt eine Funktion für die Macht haben kann. Hierzu gebe ich die theoretischen Überlegungen zu Macht und Wissen (3) und zur Rolle der Institutionen (3.1) wieder, um zu bestimmen, welche Funktion das Zusammenspiel dieser Faktoren für übergeordnete Machtstrategien hat (3.2). Damit ist das von Foucault entworfene Modell des „Dispositivs“ gemeint, dass ich in Abgrenzung zur vorgestellten Gesetzesmacht definieren werde (3.2.1), um dann seine historischen Effekte zu beschreiben (3.2.2). So möchte ich darlegen, wie in Der Wille zum Wissen das Individuum innerhalb der strategischen Anordnung des Dispositivs „gesetzt“ wird und begründen, warum es einer Kontrolle unterliegt und somit eine passive Rolle spielt. (3.3) Abschließend sollen die Potenziale der Theorie, welche durch die Analyse zu Tage treten, sichtbar gemacht und eventuell auftauchende Widersprüche thematisiert werden (3.4).
Im zweiten Teil der Arbeit werde ich die Technologien des Selbst rekonstruieren und sie mit der Theorie aus dem ersten Band von Sexualität und Wahrheit vergleichen. Die offenen Fragen aus Der Wille zum Wissen sollen durch die Selbsttechniken zu beantworten versucht werden, um die Differenzen zwischen den beiden Theorien zu verdeutlichen und Inkommensurables aufzuspüren. Nach einer kurzen Einleitung (4) wird untersucht, wieso das Subjekt in den Mittelpunkt von Foucaults Untersuchungen getreten ist (4.1). Hierzu gehe ich 4
auf die theoretischen Voraussetzungen der Selbstsorge mit Hilfe der Theorie des Stoikers Zenon ein (4.2) und veranschauliche, wie das Subjekt eine Konversion durch seine Ethik und die eigene Erfahrung vollziehen kann (4.3). Ausgehend von den gewonnen Erkenntnissen wird die Implikation des „Anderen“ in der Selbstsorge überprüft (4.4). Im fünften Kapitel werden diese Erkenntnisse schließlich in die veränderten Rahmenbedingungen von Foucaults Theorie eingearbeitet: seine neuen Gedanken zur Machtanalyse (5) und seine Bezugnahme auf die Philosophie und den zentralen Begriff der Wahrheit (5.1). Zum Schluss des fünften Kapitels wird der Unterbau der Selbsttechniken beleuchtet (5.2), um auf kritische Weise die von Foucault kaum behandelten Voraussetzungen der Selbstsorge mit seinem Modell abzugleichen.
Im letzten Kapitel (6) werde ich aus der Rekonstruktion der Foucaultschen Gedankengänge ein Fazit ziehen und versuchen, die theoretischen Antworten in den Selbsttechniken wieder in Form neuer Fragen zu problematisieren.
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2 Enthält man uns etwas vor ?
In seiner Einführung in die Theorie des französischen Psychoanalytikers Jacques Lacan verweist der Medientheoretiker Slavoj Žižek auf eine Analyse des Films Casablanca. Die Szene, deren Analyse er sich widmet, dient ihm als Beispiel für die Mechanismen sexueller Zensur in den Produktionen Hollywoods :
„Als sie sagt:¸Wenn du wüßtest, wie ich dich geliebt habe, wie ich dich noch immer liebe΄, umarmen sie sich in einem Close-up. Die Szene blendet über in eine dreieinhalb Sekunden lange Einstellung vom Flughafentower bei Nacht, seinen kreisenden Scheinwerfer, und blendet dann wieder zu einer Einstellung von außen durch das Fenster zu Ricks Zimmer zurück, wo er steht, nach draußen schaut und eine Zigarette raucht. Er dreht sich zu ihr um und fragt sie ¸und dann?΄ [...] Die Frage ist hier natürlich, was zwischendurch passiert ist, während der dreieinhalb Sekunden langen Einstellung auf den Flughafenhaben sie es getan oder nicht?“ (Žižek 2008 : 110)
Was sich in dieser Szene zwischen den beiden Hauptcharakteren Ilsa Lund (Ingrid Bergmann) und Richard Blaine (Humphrey Bogart) abspielt, scheint in der Tat doppeldeutiger Natur zu sein:
„Auf der einen Seite signalisiert eine Reihe von kodifizierten Merkmalen, daß sie es getan haben und daß die dreieinhalb Sekunden lange Einstellung für einen längeren Zeitraum steht (die Blende auf das Paar, das sich leidenschaftlich umarmt, ist ein konventionelles Signal für die Durchführung des Akts nach dem Abblenden; die ¸Zigarette danach´ ist ein weiterer Standarthinweis, ebenso die vulgäre phallische
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Konnotation des Towers). Auf der anderen Seite signalisiert eine parallele Reihe von Merkmalen, daß nichts passiert ist und daß die dreieinhalb Sekunden lange Einstellung des Flughafentowers der realen Erzählzeit entspricht [...]“ (Žižek 2008 : 111)
Glaubt man Žižek, so handelt es sich hierbei um einen raffinierten Mechanismus der Zensur: Der Sex zwischen den beiden Hauptcharakteren sei demnach verboten und dürfe nicht gezeigt werden, da er dem moralischen Gesetz Hollywoods widerspräche (vgl. Žižek 2008 : 112). Stattdessen würde der Sex, der nach den Darstellungskonventionen Hollywoods aus dem Jahre 1942 nicht gezeigt werden dürfe, angedeutet, damit der Zuschauer seine eigene Phantasie einsetzten könne, um die Zensur zu umgehen.
Mit der in dieser Filmanalyse anklingenden Vorstellung, dass Sexualität in der modernen Gesellschaft durch Instanzen der Zensur verboten und versteckt werde, setzt sich Michel Foucault in Der Wille zum Wissen kritisch auseinander. Die Vorstellung einer Gesetzesmacht welche Sexualität in verbotene und erlaubte Akte unterteilt und diese zu unterdrücken trachtet, greift er darin als „Repressionshypothese“ auf. Im Folgenden möchte ich die Funktionsweise dieser Machtform näher erläutern, um deutlich zu machen, wie Foucault seine eigene Theorie der Machtausübung durch die Kritik des juridisch-diskursiven Modells entwickelt.
2.1 Die Gesetzesmacht
Um die Entwicklung Foucaults Machtheorie besser verstehen zu können, gebe ich einen kurzen Überblick über die Theorieschulen, deren kritische Betrachtungsweisen ihm die Ausgangskoordinaten für seine Untersuchung lieferten 1 : Zum einen die freud-marxistische Tradition Wilhelm Reichs (vgl. Foucault 1985 : 11) und zum anderen die poststrukturalistische Lesart der Psychoanalyse Jacques Lacans (vgl. Lemke 1997 : 129). Beide Theorien haben gemein, dass ihre Konzeption von Macht einem versagenden Gesetz verhaftet bleibe: Im Falle der freud-marxistischen Repressionshypothese weichen die natürlichen Triebe durch den Prozess der Zivilisierung und schließlich den Anforderungen moderner Produktionsverhältnisse in die dunklen Winkel des Unbewussten zurück, wo sie
1 Hier soll nicht unterschlagen werden, dass Foucault in dieser Auseinandersetzung auch eine Selbstkritik
übt und in seinem Denken eine Zäsur gegenüber der Konzeption der Disziplinarmacht stattfindet
(vgl. Fink-Eitel 1989 : 85).
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fortan ihrer Befreiung harren (vgl. Foucault 1976 : 13). Dieser Wunsch nach Befreiung impliziert zudem, dass es ursprüngliche, der Macht vorangehende Triebsubjekte gebe. In der Theorie Lacans hingegen könne die Macht zwar produktive Effekte bewirken, jedoch nur dort, wo sie abwesend sei (vgl. Lemke 1997 : 129). Als Beispiel ließe sich die eingangs aufgeführte Sequenz aus dem Film Casablanca anführen: Ohne von einer juridischen Konzeption von Macht abzusehen, übertrete die Phantasie des Zuschauers auf produktive Weise die Ränder der Zensur, wodurch aber untermauert werde, dass Produktivität nur jenseits des versagenden Gesetzes möglich sei (vgl. Žižek 2008 : 113f). Um die juridischdiskursive Theorie als „grundlegende Art und Weise der Verbindung von Macht, Wissen und Sexualität [...]“ (Foucault 1976 : 13) zu überwinden, formuliert Michel Foucault fünf Kritikpunkte: Die negative Beziehung (1) bezieht sich auf den verneinenden Charakter des Gesetzes, welches nur durch seine Abwesenheit produktiv sein könne. Es sei nur in der Lage bereits vorhandene Potenziale zu begrenzen (vgl. Foucault 1976 : 84). Die Instanz der Regel (2) verweist den Sex auf die binäre Codierung des Gesetzes, zum Beispiel in dem sie ihn in „erlaubten“ oder „verbotenen“ Sex einteilt. Dies bedeute, dass die Macht sich immer durch einen Sprechakt, in dem sie Recht spricht, vollziehen müsse (vgl. Foucault 1976 : 85). Der Zyklus der Entsagung (3) ist als Mechanismus bereits aus der Casablanca-Analyse Slavoj Žižeks vertraut. Innerhalb dessen offeriere die Macht dem Sex nur die Möglichkeit der Abwesenheit oder seines Auftauchens am Rande des Erlaubten in Form eines mehr oder minder offenen Geheimnisses (vgl. Foucault 1976 : 85). Die Logik der Zensur (4), wie Foucault diesen Punkt ironisch nennt, stellt sich für ihn als Unlogik heraus. Sie besage: Den verbotenen Sex gibt es eigentlich gar nicht und weil es ihn nicht gibt, sollte man auch nicht darüber sprechen und wenn doch, dann höchstens um nochmals zu versichern, dass es ihn nicht gibt (vgl. Foucault 1976 : 85). Unter dem Punkt „Die Einheit des Dispositivs“ (5) spitzt Foucault seine Kritik zu und spricht den juridisch-diskursiven Ansätzen ab, brauchbare Werkzeuge zur Analyse der vorhandenen Phänomene liefern zu können:
„[I]hre (Die Macht a. d. Verf.) Wirksamkeit bestünde in dem Paradox, daß sie nichts vermag, als dafür zu sorgen, daß die von ihr Unterworfenen nichts vermögen, außer dem, was die Macht sie tun lässt. [...] Alle Arten der Beherrschung, Unterwerfung und Verpflichtung laufen somit am Ende auf Gehorsam hinaus.“ (Foucault 1976 : 87)
Die zu stellende Frage lautet, wie dynamische Entwicklungen um das Subjekt und seinen Sex vom siebzehnten Jahrhundert bis heute sich vollziehen konnten, mit einer Gesetzesmacht die für jede Beeinflussung des Geschehens einen mahnenden Fingerzeig braucht und hierzu, was 8
die Komplexität der Produktions- und Reproduktionsverhältnisse in modernen Gesellschaften unterschlägt, eine zentrale das Gesetz geltend machende Instanz benötigt:
„Sie funktioniert in den einfachen und endlos wiederholten Räderwerken des Gesetzes, des Verbotes und der Zensur [...] von den Instanzen der gesellschaftlichen Herrschaft bis zu den konstitutiven Strukturen des Subjektes selber - auf allen Ebenen immer wieder die eine allgemeine Machtform.“ (Foucault 1976 : 86)
3 „Was sie noch nie über Sex wissen wollten,
aber rauszufinden gezwungen waren“ (Adams 1980 : 37)
Anstellte die Konzeption diskursiv-juridischer Macht hinzunehmen, erweitert Foucault sein Koordinatensystem von Macht und Sexualität um eine historische Achse, anhand derer er die Genese des modernen Individuums nachzuvollziehen trachtet, um den Gedanken an ein ursprüngliches Triebsubjekt und an ein diesem auferlegten Gesetz, hinter sich zu lassen: „Die Einwände, die ich gegen die Repressionshypothese erheben möchte, zielen weniger auf den Nachweis, daß diese Hypothese falsch ist, als vielmehr darauf, sie in einer allgemeinen Ökonomie der Diskurse über den Sex anzusiedeln [...]“ (Foucault 1976 : 18)
In der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft seit dem siebzehnten Jahrhundert habe zwar eine Zensur innerhalb der Alltagssprache stattgefunden (vgl. Foucault 1976 : 23), jedoch sei die übergreifende Entwicklung anders verlaufen: „Betrachtet man aber diese drei letzten Jahrhunderte in ihren übergreifenden Transformationen, sehen die Dinge gleich ganz anders aus: um den Sex herum zündet eine diskursive Explosion.“ (Foucault 1976 : 23). Die Ursprünge dieser modernen Technologien der Diskursivierung seien in der Pastoralmacht und ihren klösterlichen Traditionen der Geständigkeit zu finden:
„Festzuhalten bleibt aber, daß diese Pflicht einem jeden guten Christen zumindest als ideales Ziel ans Herz gelegt wurde. Es ist ein Imperativ errichtet worden, der fordert, nicht nur die gesetzwidrigen Handlungen zu beichten, sondern aus seinem Begehren, aus seinem gesamten Begehren einen Diskurs zu machen.“ (Foucault 1976 : 26)
Der Verallgemeinerung dieses Geständniszwanges in der bürgerlichen Kultur verdeutlicht Foucault am Werk My secret Life, der erotischen Erzählung eines Libertins (vgl. Foucault 1976 : 27). Diese deute nicht nur auf die darin beschriebenen sexuellen Lüste hin, sondern sei zugleich Dokument einer neuen Lust am Geständnis:
„Das Wesentliche liegt darin, daß seit drei Jahrhunderten der abendländische Mensch an den Imperativ gebunden ist, alles über seinen Sex zu sagen; daß es seit dem klassischen Zeitalter zu einer ständigen 9
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Sebastian Weirauch , 2008, Das Individuum zwischen Kontrolle und Selbstsorge, München, GRIN Verlag GmbH
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