Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung und Begriffsbestimmung 03
1.1. Das Gehirn und das Nervensystem 03
1.2. Kognition 04
1.3. Radikaler Konstruktivismus 05
1.4. Empirische Literaturwissenschaft 05
1.5. Text-Bedeutungen 06
2. Gestaltpsychologischer Ansatz der Textlinguistik 07
2.1. Die Rolle der Emotionen 07
2.2. Verstehensprozesse 07
2.3. Die innere Ordnungsbildung 08
2.3.1. „Bedürfnisse“ und „Gefordertheiten“ 08
2.4. Analyse der Gefordertheiten 09
2.4.1. Schließungs-/Lückenfüllungsexperiment 09
2.4.2. Reproduktionsexperiment 09
3. Linguistischer Ansatz der Textlinguistik 10
3.1. Konzept der „story grammar“ 10
3.2. Konzept nach funktionalen Aspekten 10
4. Empirische Forschungen 11
4.1. Kontinuität der Aktanten 11
4.2. Prozessuale Kontinuität 11
4.3. Fallbeispiele (Untersuchungen von Stadler und Wildgen) 12
4.4. Fragestellung und Planung eigener empirischer Forschungen 14
5. Zusammenfassung und Schlussbemerkungen 15
6. Literatur- und Quellenangaben 18
2
1. Einleitung und Begriffsbestimmung
Schon einige Vorsokratiker 1 erkannten, dass es ein objektives Wissen als „Spiegelung einer an und für sich unabhängigen ontologischen Wirklichkeit“ nicht geben konnte, da sich diese Wirklichkeit dem erlebenden Subjekt eben nur durch das Erlebtwerden erschließt. Im 18. Jh. griff Giambattista Vico die Idee wieder auf, dass „unser rationales Wissen von uns selbst konstruiert wird.“ 2
„Objektive“ Wirklichkeit entsteht in der Regel dadurch, dass unser eigenes Erleben von anderen bestätigt wird. 3 Wirklichkeit ist also keine objektive vom Menschen unabhängige Größe, sondern eben nur ein Konstrukt, wie auch Fiktion eines ist, eine menschliche Schöpfung aufgrund unseres angeborenen neurobiologisch bedingten Erkenntnisvermögens und der kulturell bedingten Interpretationen.
1.1. Das Gehirn und das Nervensystem
„Kognition ist biologisch bestimmt durch die Architektur und Funktionsweise neuronaler Netzwerke.“ 4 Unser Gehirn besteht aus dem Kortex (= Hirnrinde), die zum Zerebrum (= Großhirn) zählt und dem Zerebellum (= Kleinhirn). Das Großhirn ist in zwei Hemisphären (= Hälften) gegliedert und durch Nervenfasern miteinander verbunden. Jede Gehirnhälfte besteht aus einem Frontallappen, einem Partiallappen, einem Temporallappen und einem Okzipitallappen. Der Kortex, oder auch Neokortex genannt, ist für komplexe
1 Als Vorsokratiker werden antike griechische Philosophen bezeichnet, deren Leben und
Werk in die Zeit vor Sokrates (469 - 399 v. Chr.) fällt. Sie stellen den Beginn der
abendländischen Philosophie dar.
2 Glasersfeld, Ernst von: „Radikaler Konstruktivismus. Ideen, Ergebnisse, Probleme“,
übersetzt von Köck, Wolfram K., Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1997, S. 76.
3 Vgl.: Glasersfeld, Ernst von: „Konstruktion der Wirklichkeit und des Begriffs der
Objektivität“, in: „Einführung in den Konstruktivismus“, Bd. 5, Veröffentlichungen der
Carl Friedrich von Siemens Stiftung, Gumin, Heinz und Heinrich Meier (Hrsg.), Piper
Verlag, München 1997, S. 9 - 39.
4 Schmidt, Siegried J.: „Der Kopf, die Welt, die Kunst. Konstruktivismus als Theorie und
Praxis.“, Hrsg. Schmid, Georg und Sigrid Schmid-Bortenschlager, NHS 1, Böhlau Verlag,
Wien/Köln/Weimar 1992, S. 25.
3
Denk-, Lern- und Sprachprozesse zuständig. In der Mitte des Gehirns liegt der Thalamus, der die zentrale Schaltstelle für alle sensorischen Impulse darstellt. Der darunter liegende Hypothalamus ist für Stoffwechselvorgänge verantwortlich und einige Emotionen. Im Hirnstamm befindet sich die Formatio reticularis, die für Reaktionen auf Impulse höherer Zentren zuständig ist. Im Reptiliengehirn befindet sich das limbische System, in welchem vor allem emotionelle Prozesse stattfinden. 5
1.2. Kognition
Die neurobiologische Konstitution des Menschen bedingt seine Wahrnehmung und setzt somit dem „Zugriff auf Außenwelt“ natürliche Grenzen. Das Leben selbst ist ein Prozess der kognitiven Konstruktion, unser Nervensystem eine geschlossene, selbstbezügliche Entität. Autopoietische Systeme sind selbsterzeugend, autonom,
strukturdeterminiert, selbstreferentiell und operational geschlossen. 6 Kognition ist aber auch sozial bestimmt durch den Prozess der Sozialisation, durch Sprache als System von Benennungen und Unterscheidungen, durch Kommunikation und Kultur, indem das kognitive System eine teils bewusste, teils unbewusste Selektion, Kombination und Evaluation durchführt. Der einzelne Aktant ist dabei der Schnittpunkt von so genannten Constraints 7 , die man als Systeme von Verkettungs-Regularitäten verstehen kann.
5 Alfes, Henrike F.: „Literatur und Gefühl. Emotionale Aspekte literarischen Schreibens
und Lesens.“, hrsg. v. der Arbeitsgruppe NIKOL (Achim Barsch, Gebhard Rusch, Siegfried
J. Schmidt, Reinhold Viehoff), Bd. XIX, Westdeutscher Verlag, Opladen 1995, S. 58.
6 Schmidt, Siegfried J.: „Vom Text zum Literatursystem. Skizze einer konstruktivistischen
(empirischen) Literaturwissenschaft.“, in: „Einführung in den Konstruktivismus“, Bd. 5,
Veröffentlichungen der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, hrsg. v. Gumin, Heinz und
Heinrich Meier, S.151.
7 Vgl.: Schmidt, Siegried J.: „Der Kopf, die Welt, die Kunst. Konstruktivismus als Theorie
und Praxis.“, Hrsg. Schmid, Georg und Sigrid Schmid-Bortenschlager, NHS 1, Böhlau
Verlag, Wien/Köln/Weimar 1992, S. 25.
4
1.3. Radikaler Konstruktivismus
Eine der Wurzeln des radikalen Konstruktivismus ist der bioepistemologische Beschreibungsansatz Humberto R. Maturanas. 8 Er hat erkannt, dass man nicht Inhalte und Gegenstände des Erkennens ins Zentrum rücken darf, sondern den Prozess des Erkennens selbst.
1.4. Empirische Literaturwissenschaft
Die erkenntnistheoretischen Konzeptionen sind auch für die sprach- und bedeutungstheoretischen Annahmen im Sinne einer empirischen
Literaturwissenschaft, z. B. auf der Basis der NIKOL-Konzeption 9 , die sich an der Theorie Maturanas orientiert, relevant.
Durch die Entwicklung der empirischen Literaturwissenschaft kommt es zu einem Paradigmenwechsel. Es kann nicht mehr um eine Interpretation von Literatur im herkömmlichen Sinn gehen, sondern man muss Literaturprozesse innerhalb des Literatursystems beschreiben und erklären. Diese
Literaturprozesse setzen sich grundsätzlich aus den 4 elementaren Handlungstypen der Produktion, der Vermittlung, der Rezeption und der Verarbeitung von Literatur zusammen.
Empirische Literaturwissenschaft muss nicht notwendigerweise von einem konstruktivistischen Ansatz ausgehen, aber es ist meistens der Fall und es scheint mir der logischste zu sein. Ein Mensch ist eine so genannte „nichttriviale Maschine“, im Gegensatz zu einer „trivialen Maschine“. Eine triviale Maschine basiert auf einem Input-Output-Prinzip, bei dem sie unveränderlich durch Operationen gewisse Ursachen mit gewissen Wirkungen verbindet, während eine nicht-triviale Maschine selbst wieder von den vorangegangenen
8 1928 geborener chilenischer Neurowissenschaftler, der in Santiago de Chile lebt.
9 Dieses Konzept wurde unter der Leitung von Siegfried J. Schmidt von der Arbeitsgruppe
NIKOL entwickelt. Schmidt legte 1980 und 1982 das Konzept einer Empirischen
Literaturwissenschaft vor, die ein Paradigma postuliert, das sich ausdrücklich nicht in den
Dienst hermeneutischer Literaturwissenschaft stellt.
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Operationen beeinflusst und verändert wird. 10 Man kann also von einem aktiven Gedächtnis und einer eigenständigen Organisationsleistung des Gedächtnisses von Menschen ausgehen. Dadurch werden Bedeutungskomplexe generiert, die durch Resonanz den Charakter des „Wiedererkennens“ haben, umso mehr, je konsistenter die konstruierten Bedeutungskomplexe sind. Experimente von Köhler z. B., bei denen Versuchspersonen eine zufällige Folge von Begriffen genannt wurde, zeigten, dass diese Versuchspersonen nicht in der Lage waren, diese in der zufälligen Folge zu reproduzieren, sehr wohl jedoch, wenn sie diese Begriffe zu einer Gestalt zusammenschlossen.
1.5. Text-Bedeutungen
Das literarische Kommunikat (= Text) kann, sobald es um Dimensionen der Semantik geht, nicht mehr strukturell beschrieben werden. Man muss die Aktanten (= Sprachhandelnden) mit einbeziehen, denn Text-Bedeutungen realisieren sich erst im kognitiven Bereich der Aktanten. Aufgrund der sprachlichen Sozialisation werden in unterschiedlichen Subjekten parallele Bedeutungen aufgebaut.
Bei der Produktion literarischer Kommunikate müssen literatursoziologische, literatur- und kreativitätspsychologische Faktoren mit einbezogen werden. Die literarische Rezeption wird als konstruktive Bildung von Kommunikaten in Bezug auf die Textbasis verstanden. Die Konzepte literarischer Rezeption basieren vor allem auf den Erkenntnissen der Kognitions- und Sprachpsychologie, ferner wirken sich soziopsychologische und individuelle Rezeptionsvoraussetzungen auf die Bedeutungszuweisung und
Ordnungsbildung beim Verstehen von literarischen Kommunikaten aus. 11
10 Förster, Heinz von: „Entdecken oder Erfinden. Wie lässt sich Verstehen verstehen? “, in:
„Einführung in den Konstruktivismus“, Bd. 5, Veröffentlichungen der Carl Friedrich von
Siemens Stiftung, hrsg. v. Gumin, He inz und Heinrich Meier, S. 41 - 88.
11 Vgl.: Alfes, Henrike F.: „Literatur und Gefühl. Emotionale Aspekte literarischen
Schreibens und Lesens.“, hrsg. v. der Arbeitsgruppe NIKOL (Achim Barsch, Gebhard
Rusch, Siegfried J. Schmidt, Reinhold Viehoff), Bd. XIX, Westdeutscher Verlag, Opladen
1995.
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Arbeit zitieren:
Dr. phil. Daria Hagemeister, 2008, Kognitive Ordnungsbildung beim Verstehen und bei der Reproduktion von fiktionalen Texten, München, GRIN Verlag GmbH
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