Die Ästhetik der Frühromantik Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG. 1
2. EDMUND BURKE - ON THE BEAUTIFUL AND SUBLIME. 5
2.1. DAS SCHÖNE UND ERHABENE BEI BURKE. 5
2.2. DER WEG VON SINNLICHER WAHRNEHMUNG BIS ZUM
GESCHMACKSURTEIL BEI BURKE 7
2.3. KUNST UND ZWECKMÄßIGKEIT BEI BURKE. 9
2.3.1. Sprache und Literatur bei Burke 10
2.3.2. Musik und Töne bei Burke. 11
2.4. EDMUND BURKE - ZUSAMMENFASSUNG 11
3. IMMANUEL KANT - DIE KRITIK DER URTEILSKRAFT 13
3.1. DAS SCHÖNE UND ERHABENE BEI KANT. 13
3.1.1. Die zwei Arten des Erhabenen bei Kant. 15
3.2. DER WEG VON DEN SINNEN BIS ZUM GESCHMACKSURTEIL BEI
KANT 17
3.3. KUNST UND ZWECKHAFTIGKEIT BEI KANT 19
3.3.1. Sprache und Literatur bei Kant. 21
3.3.2. Musik und Töne bei Kant. 22
3.4. IMMANUEL KANT - ZUSAMMENFASSUNG. 24
4. VERGLEICH VON KANT UND BURKE 26
4.1. ZUSAMMENFASSUNG DES VERGLEICHS. 29
5. FAZIT 31
I
Die Ästhetik der Frühromantik Einleitung
1. Einleitung
Das Wort „Ästhetik“ leitet sich aus dem griechischen ‚aisthesis’, ‚aistánesthai’ ab und bedeutet Wahrnehmung, sinnliches Wahrnehmen; es ist urverwandt mit dem lateinischen ‚audire’, hören. 1 Ursprünglich ist Ästhetik der Name für die Lehre von sinnlicher Anschauung und Erscheinung. Erst im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Ästhetik durch Alexander Gottlieb Baumgartens Werk „Aesthetica“ (1750) zu einer eigenständigen philosophischen Disziplin, die sowohl das Naturschöne von dem Kunstschönen differenziert, als auch das sinnliche Erkenntnisvermögen mit der geistig-begrifflichen Erkenntnis (Logik) verknüpft. In der - von der reinen Wahrnehmungs-Lehre emanzipierten - Ästhetik als Lehre des Schönen geht es vor allem um die Frage, ob jedes Individuum das Schöne auf unterschiedliche Art und Weise wahrnimmt oder ob eine Bestimmung von allgemeingültigen, objektiven Kriterien zur Erfassung des Schönen möglich sei. Ferner unterscheidet die Ästhetik seit Baumgarten das Erhabene vom Schönen. Die Kunst als Gegens-tand erfährt im Laufe der Entwicklung der Ästhetik als Wissenschaft eine Art Emanzipation bis sie schließlich eigenständige Unterdisziplinen der Ästhetik bildet, wie die Werk-, Form- und Rezeptions-Ästhetik.
Platon entwickelte - soweit wir wissen - eine erste ästhetische Theorie im Zusammenhang mit seiner Ideenlehre und setzte damit einen Grundstein für alle ihr folgenden Ästhetiktheorien. Laut Platon ist die Schönheit ein Ideal, und zwar nicht ein sinnlich wahrnehmbares, sondern eine reine Vernunftsidee in Form von vollendeter, bzw. vollkommener Natur. Bereits in diesen Schriften wird die Kunst als Ästhetisches erwähnt, allerdings erhält sie keinen hohen Stellenwert, sie wird bei Platon in Verbindung mit Moral und Politik sogar als negativer Einfluss gesehen. Nach Platon ist ein Kunstwerk noch weniger als die Nachbildung der Abbildung des Urbilds, nämlich einfach nur die Abbildung der Abbildung und daher zweckfrei und nicht mit Erkenntnis verbunden.
Aristoteles hingegen sah in Kunstwerken nicht nur reine „Kopien“ sondern eine Art Ideale der Natur. Er stellte die Kunst über die Natur, da die erstere die Zweckhaftigkeit der letzteren vervollkommnet
1 vergl.: Das Herkunftswörterbuch, Duden, 2001
Die Ästhetik der Frühromantik Einleitung
Denn die Natur ahmt nicht die Kunst nach, sondern diese die Natur, und wenn sie [die Kunst] ihr zur Hilfe kommt, so kann sie das vollenden, was die Natur noch unvollendet gelassen hat. 2
Aristoteles unterschied zudem Form von Materie. Der Künstler nämlich abstrahiert die erstere von der letzteren und überträgt diese dann auf eine neue Materie (Leinwand, Stein etc.). Durch diese Trennung erlangt der Künstler eine Art „ideale Form“ die in seinem Kunstwerk zur Geltung kommt. Aristoteles sah jedes Kunstwerk als eine Nachahmung eines universellen Ganzen und immer als Schönes. Das Kriterium für Schönheit ist die Zweckhaftigkeit der Dinge der Natur. Die Musik hat laut Aristoteles einen positiven Impuls, sie formt den menschlichen Charakter und beeinflusst die Gesellschaftsordnung. Seine auf festen Regeln und Bestimmungen basierende Dramentheorie ist ein frühes Werk der Form-Ästhetik. Das künstlerische Handeln ist laut Aristoteles ein Durchspielen von Alternativen (Mimesis). Dieses Durchspielen erweckt - besonders bei Tragödien - Mitleid und Furcht in den Rezipienten (hier kommt zum ersten Mal das zur Geltung was in den späteren Theorien (z.B. bei Burke) Erhabenheit genannt wird). Diese Gefühlsregungen haben eine reinigende Wirkung auf das Publikum (Katharsis). Aristoteles beschäftigte sich also umfassender mit Kunst als sein Lehrer und behandelte schon in Ansätzen Formen von Werk- und Rezeptions-Ästhetik. Im Mittelalter wird Ästhetik - und somit auch die Kunst - im Zusammenhang mit dem Neoplatonismus vor allem in einem religiösen Kontext betrachtet. Das Ideal der Schönheit wird als Gott selbst definiert und das Kunstwerk als Ausdruck des Glaubens angesehen.
Thomas von Aquin ist einer der wichtigsten Ästhetiker seiner Zeit, er entwickelt allgemeingültige Kriterien für das Erkennen des Schönen (claritas, perfectio und proportio). Auch die Unterscheidung des Guten vom Schönen ist für Aquin von besonderer Bedeutung. Ferner legt er besonderes Gewicht auf die Bewertung der Materie in Hinsicht auf den Zweck. Sein ästhetisches Modell wurde später von Schriftstellern wie James Joyce und Umberto Eco wieder aufgenommen. Die Ästhetiktheorien der Renaissance zeichnen sich besonders durch eine Befreiung von Religion und einem säkularisierten Begriff des Schönen bzw. des Ideals des Schönen aus. Die Entwicklungen verschiedener Modelle sind in dieser Epoche
2 Aristoteles: Protreptikos Abschnitt 8; Nestle (Hrg.) Aristoteles Hauptwerke, Stuttgart 1968, Krö-
ner S.17
Die Ästhetik der Frühromantik Einleitung
nicht einheitlich, man könnte sie als eine Art Emanzipationsphase der Ästhetik vom Neoplatonismus bezeichnen.
1766, also kurz nach der Veröffentlichung Baumgartens „Aesthetica“, gibt Gotthold Ephraim Lessing mit seinem Werk „Laokoon“ einen wichtigen Anstoß für die nun erblühende Wissenschaft von der Lehre des Natur- und Kunstschönen. Mit seiner systematischen Erfassung und Differenzierung künstlerischer Ausdrucks-formen, erhebt Lessing die Kunst zu einem eigenständigen Teilgebiet der Ästhetik.
Nun beginnt die Zeit des englischen Sensualismus und des deutschen Idealismus. Das 18. Jahrhundert ist die Blütezeit der Ästhetik. Edmund Burke schafft mit seinem Werk A philosophical Enquiry into the Origin of our Ideas of the Sublime and Beautiful (1757) neben John Locke und David Hume eine der wichtigsten Abhandlungen des englischen Empirismus. Sie ist eine Abhandlung über unsere sinnliche Wahrnehmung hinsichtlich des Schönen und Erhabenen wie auch über die Kunstschönheit, mit Schwerpunkt auf Literatur und Sprache. Burke geht davon aus, dass es allgemeingültige - auf das Objekt bezogene - Kriterien gibt, die festlegen was schön und was erhaben ist. Daher folgert er auch, dass wir in punkto Kunst-Beurteilungen im Grunde alle das selbe Geschmacksurteil fällen. Die Abweichungen im Geschmack verschiedener Menschen sind nur Abweichungen des Wissens bzw. der Kenntnis über das zu beurteilende Objekt. Geschmack ist laut Burke erlernbar. Ganz im Gegensatz zu Kant. In seinem Werk Kritik der Urteilskraft (1790) verdeutlicht er, dass es nicht möglich sei, feste Kriterien zur Beurteilung des Schönen an einem Objekt festzumachen. Schönheit ist das was in sich gefällt. Auch ist er nicht der Meinung, dass Geschmack erlernbar sei, er geht eher davon aus, dass der Verstand eines jeden Menschen a priori gewisse „universale“ Regeln kenne, mit denen er bei Geschmacksurteilen die sinnliche Wahrnehmung beurteilt. Die Abweichungen im Geschmack verschiedener Menschen beruhen laut Kant auf Vorurteilen.
Diese beiden Theorien und Werke, die trotz einigen Ähnlichkeiten unterschiedlicher nicht sein könnten, sind meiner Meinung nach die - für die Geschichte der Ästhetik - wichtigsten, und vor allem interessantesten Schriften. In der folgenden Arbeit werde ich die sinnlich-subjektive Theorie Burkes und die rationalsubjektive Ästhetik Kants untersuchen, sie einander gegenüberstellen, kritisch hinterfragen und sie vor allem im Kontext der Kunst, besonders der Musik und
Die Ästhetik der Frühromantik Einleitung
Literatur eingehender beleuchten. Mein Ziel ist es also, zwei Theorien - von der die eine die andere inspirierte - kurz, aber klar darzustellen und sie zu vergleichen. Abschließend soll ein Fazit nicht nur beide Theorien, dort wo nötig, trennen und, dort wo möglich, zusammenführen, sondern auch auf einige Diskussionspunkte an diesen Ästhetiktheorien aus heutiger Perspektive aufmerksam machen.
Die Ästhetik der Frühromantik Edmund Burke
2. Edmund Burke - On the Beautiful and Sublime
2.1. Das Schöne und Erhabene bei Burke
Burke geht davon aus, dass das Schöne, wie auch das Erhabene, Leidenschaften in uns auslösen. Schöne Gegenstände affizieren Vergnügen, erhabene affizieren Schmerz. Zwischen Schmerz und Vergnügen liegt der Zustand der Indifferenz. In diesem kontemplativen Zustand empfinden wir keine starken Gemüts- oder Gefühlsregung, er ist der Neutral- und der Normalzustand. Der indifferente Zustand ist also gewissermaßen die Ausgangsstimmung, in der wir, entweder durch Leidenschaften des Schönen oder des Erhabenen, dann affiziert werden oder diese später beurteilen.
Ferner sagt Burke, dass der Mensch von zwei Grundtrieben geleitet werde: der Trieb der Gesellschaft - also aus heutiger Sichte eine Art Geselligkeitstrieb - und der Trieb der Selbsterhaltung. Der Trieb der Gesellschaft - zum einen zwischen den Geschlechtern, zum anderen zwischen den Menschen- wird von den Leidenschaften Liebe und Zuneigung, welche durch das Schöne hervorgerufen werden, befriedigt.
Die Leidenschaft der Liebe durch das Schöne ist hier jedoch frei von jeder Begierde oder jedem Bedürfnis nach Besitz, sie reizt allerdings zur Verbindung mit dem schönen Gegenstand, d.h. das Subjekt wird von dem schönen Objekt angezogen. Laut Burke verbindet der Mensch mit der Form von Leidenschaft, die er hier Liebe und Zuneigung nennt, die Idee der sozialen Qualitäten. Die Liebe zum anderen Geschlecht und die Zuneigung zu anderen Lebewesen durch das Schöne lässt uns Vergnügen empfinden. Dieser Zustand des Vergnügens ist frei von jeglicher Reflexion, wir nehmen in einer solchen Situation nur die Sinneseindrücke in unserer Einbildungskraft auf und lassen sie, frei von jedem Räsonnement auf uns wirken. Das Schöne ist nach Burke demnach keine Schöpfung unserer Vernunft, da sie keinen Nutzen hat.
Kriterien zur Beurteilung schöner Dinge, gründen bei Burke in sinnlichen Dispositionen: klein, glatt, zart, kurvig, hell usw. sind „qualities of beauy“ 3 , das Schöne ist also
3 Edmund Burke, A philosophical enquiry on the origins of our ideas on the beautiful and sublime
(1775), Part III, Section XVIII
Arbeit zitieren:
Nora Haller, 2007, Die Ästhetik der Frühromantik: sinnliche Subjektivität oder subjektive Rationalität?, München, GRIN Verlag GmbH
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