Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Ethos versus Ethik. 2
3 Ethik in Ethnologie als Wissenschaft. 3
3.1 Ethische Probleme 3
3.2 Empirischer Umgang. 4
4 Ethik-Codes. 5
4.1 American Anthropological Association 5
4.1.1 Ziele der AAA 5
4.1.2 Ethische Normen der AAA 6
4.1.3 Europäische Übertragung 7
4.2 Kategorischer Imperativ nach Immanuel Kant. 7
5 Fallbeispiele 8
5.1 Projekt Camelot. 8
5.2 Running for my life in El Salvador 9
6 Trend: individuelle Ethik 11
6.1 Voraussetzungen 11
6.2 Lösungsansatz: Aktionsethnologie 12
6.3 Konsequenzen 12
7 Schlussbetrachtung. 13
8 Literaturverzeichnis 14
II
1 Einleitung
„[…] stellen Sie sich mal einen Ethnologen vor: der Mann hat zwei Jahre bei einem fremden Volk gelebt, ist auf die Jagd gegangen, hat Knollen ausgebuddelt, war einsam und vergnügt, hat mit seinen Gastgebern gelacht, geheult, getanzt und geliebt, der Medizinmann hat ihm anvertraut, wie man mit den Feen in den Bergen bumst, und dann geht er heim und schreibt eine strukturell-funktionale Analyse der Eigentums- und Verwandtschaftsverhältnisse der Tarahumara unter der Berücksichtigung der marxistischen XY. Das ist eine schamlose Ausbeutung der Menschlichkeit dieser Leute, die gottseidank [sic!] dieses Buch niemals lesen werden“ (Duerr 1977: 100). Diese Problematik zwischen Verbindung zu den Erforschten und wissenschaftlichem Publikationsdiktat ist Diskussionsgegenstand der Ethnologie, da eine Lösung, die allen Ansprüchen genügt, unmöglich zu finden scheint.
Die Debatte ist in den größeren Kontext der Ethik einzuordnen und unter Berücksichtigung des richtigen ethischen Verhaltens für Ethnologen in ihrer Feldforschung zu führen. Somit stellt sich die Frage, ob beziehungsweise wie Ethnologen während ihrer Forschung verantwortlich und ethisch korrekt handeln können. Die Thematisierung von Ausnahmesituation ist dabei zu berücksichtigen. Im Kontext dieser Ausei-nandersetzung steht zusätzlich die Betrachtung der Verantwortung die Ethnologen den Untersuchten gegenüber tragen und welche Probleme sich ergeben. Zunächst werde ich Ethik definieren und vom Begriff des Ethos abgrenzen, da diese beiden Terme relevant für die weitere Auseinandersetzung sind. Hieran gliedert sich der Umgang mit Ethik in der Ethnologie als Wissenschaft, welche Entscheidungen Forscher treffen, indem sie sich der Akademie verschreiben und welcher Umgang in der Empirie gewählt wird, da dies Ausgangslage weiterer Entwicklungs- und Lösungsansätze ist. Anschließend werde ich die American Anthropological Association 1 mit ihren Zielen und ihrem Vorschlag einer ethischen Handlungsrichtlinie thematisieren und den Kategorischen Imperativ nach Immanuel Kant als ethische Norm mit ihren Konsequenzen besprechen, um Ansätze des verantwortlichen Umgangs mit Feldforschungsproblemen aufzuzeigen. Die darauf folgenden Beispiele des Projektes Camelot und einer Feldstudie in El Salvador/ Honduras verdeutlichen die Schwierigkeiten der Durchsetzung und konsequenten Anwendbarkeit einer ethischen Norm in einer reaktiven Wissenschaft wie der Ethnologie. Abschließend werde ich den aktuel- 1 Abkürzung:AAA
1
len Trend in der Ethikdiskussion in Form der individuellen Entscheidungsträgerschaft des Forschers in Kombination mit der partizipativen Methode darlegen, denn diese eröffnen dem Ethnologen während seiner Forschung neue Perspektiven und Handlungsspielräume, verpflichten aber gleichzeitig zu größerer Verantwortung und kreativerer empirischer Umsetzung.
Bei der Betrachtung ethischer Normen während der ethnologischen Feldforschung werde ich mich auf empirisch ersichtliche und praxisbezogene Prinzipien beschränken und dabei philosophisch-ethische Debatten auf abstrakter Metaebene vernachlässigen.
Die Werke von Hornbacher (1993; 2006) und die Veröffentlichungen der American Anthropological Association (2000; 2007) waren auf Grund ihrer Verständlichkeit und der Nähe zur Ethnologie sehr hilf- und aufschlussreich. Gleichzeitig waren die Beschreibungen von Feldforschungen und auftauchenden Problemen von Bourgois (1982) und Horowitz (1965) wegen der empirischen Nähe sehr anschaulich. Da sie als Schlüsselstudien der Ethikdiskussionen zählen „Project Camelot […] launched the debate on ethics in anthropology“ (Sluka 2007: 272) waren sie in besonderem Maße kontrovers, aber nennenswert.
Eigene Kenntnisse waren in geringem Maße vorhanden. Die Thematik der Ethik wurde mehrere Male im Rahmen des Studiums angesprochen, doch nicht in der inhaltlichen Tiefe wie in der vorliegenden Arbeit besprochen.
2 Ethos versus Ethik
Gemeinsame moralische und ethische Grundsätze dienen als Voraussetzung gegenseitiger, menschlicher Kommunikation und Interaktion (vgl. Downing 1988b: 9). Diese sind meist in Form unbewusster übereinstimmender Regeln, Lebenshaltungen und Voraussetzungen wiederzufinden, welche somit ein potentiell harmonisches Mit-einander ermöglichen. Aufgabe der Ethnologie ist es unter anderem, diese mit Hilfe der teilnehmenden Beobachtung zu erfahren, beschreiben und interpretieren (vgl. Hornbacher 2006: 13). Jedoch ist dies noch keine Ethik: es ist das Ethos, welches kulturspezifische Ausprägungen annimmt und menschliche Verschiedenheit prägt. Es ist „[t]he character, sentiment, or disposition of a community or people, considered as a natural endowment” (Internet: Online Dictionary).
Ethik hingegen gilt „als philosophische Disziplin und explizite Theorie des rechten menschlichen Handelns auf die reflexive Bestimmung und normative Festlegung von gültigen ethischen Prinzipien“ (Hornbacher 2006: 13) und versucht durch das Aufstel-
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len ethischer, unumstößlicher, grundsätzlicher Normen dem Anspruch der Allgemeingültigkeit gerecht zu werden.
Dabei ist eine Kategorisierung des Verhaltens - scharf ausgedrückt - in gut und böse nicht zu vermeiden, denn „[e]thical postulates state that particular action or belief is better […] than other behavior or belief“ (Barnett 1988: 22), und nehmen dadurch eine Beurteilung entsprechender Verhaltensweisen vor, während Ethos kulturbedingt ist, dementsprechend keiner Evaluierung unterliegen kann, und somit unter dem Schutz des Kulturrelativismus steht, welcher allerdings nicht immer den Forscher vor ethnozentristischer Rezension schützt (vgl. Barnett 1988: 23).
3 Ethik in Ethnologie als Wissenschaft
Nicht nur der ethnologischen Methode, der teilnehmenden Beobachtung, liegen ethische Entscheidungen zu Grunde, vielmehr findet Ethik schon aus dem Verständnis von Wissenschaft heraus statt. Denn durch die Zweckabhängigkeit einer Wissenschaft wie der Ethnologie, werden dieser Werte und Ansprüche wie Objektivität und Theoriebildung impliziert, wodurch die akademischen Anforderungen als „Panzer gegen menschliche Wirklichkeit“ (Hornbacher 1993: 39) erscheinen. Genau dieser Versuch der theoretischen Grundlagenbildung führt zur Degradierung des Untersu-chungsgegenstandes, der im Fall der Ethnologie meist reflexive Lebewesen darstellt, welche dadurch zum „bloßen Material“ wird (Hornbacher 1993: 39) und nur noch dem Selbstzweck des Ethnologen dienlich sein soll. Allein diese akademische Haltung impliziert eine ethische Entscheidung und entfacht Diskussionen über den Umgang mit außerwissenschaftlichen Erfahrungen des Forschers wie subjektiven Eindrücken und Empfindungen (vgl. Hornbacher 2006: 14).
Aus dieser fachbedingten Problematik ergibt sich die Vermutung, Ethnologie könne nicht ethisch neutral und normativ sein, da sie das Ethos Anderer beschreibt, und dadurch sich ethische Orientierungslosigkeit ergibt, da unterschiedliche Ethikkonzepte miteinander korrelieren, doch kann gewisse Unregelmäßigkeit als normativ gelten (vgl. Habermeyer 1993: 27; Hornbacher 2006: 14).
3.1 Ethische Probleme
Der Ethnologe befindet sich zwischen zwei moralischen Standpunkten während seiner Forschung: zum Einen ist er seinem Untersuchungsgegenstand, seinen Informanten und Erforschten, gegenüber moralisch verpflichtet, da er mit diesen ein Verhältnis eingegangen ist; zum Anderen muss der Ethnologe für seinen Auftraggeber
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Arbeit zitieren:
Julia Helmstädter, 2007, Ethik und Moral in der Ethnologie, München, GRIN Verlag GmbH
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